Bravo!

Wer sich bisher gefragt hat, warum da Chaos im Namen steht und bisher alles eher so intellektuell und tiefsinnig war, dem wird jetzt geholfen. Wir lesen jetzt mal gemeinsam Bravo!

Wer die Reise verfolgen möchte, sollte schnell sein und sich Ausgabe 8/2013 besorgen. Da sind sogar noch Valentinstagsposter drin! Auf dem, wie immer eklektischen Cover schauen uns mal wieder One Direction entgegen, diesmal mit Fotoapparaten und der Aussage „OMG! Wir schiessen uns ab!“ Darunter ein Teaser, wie wild sie sind und wie sie sich „holen was sie wollen“. Wird bestimmt spannend.

Dann treffen wir die Seiten mit vermischtem Blödsinn. Justin Bieber versucht sich als Cowboy, Miley Cyrus werden erst Worte in den Mund gelegt und dann ein Bild, das sie von hinten zeigt mit „Und auch von hinten kann sie sich sehen lassen.“ betitelt. ((Und da fragt man sich, warum es sowas wie #Aufschrei gibt, hm?)) In sind derzeit: coole Scheemänner, lustiges Essen und Tulpen. Out sind: schwere Ohrringe, pädagogische Eltern und Leute, die über den Suff prahlen. Auf der Seite mit den Mode Tops und Flops habe ich keine Ahnung wie ich das bewerten soll, weil das alles wirklich schauderlich ist, was die Promis so tragen.

Auf der vertraglich zugesicherten doppelten Doppelseite zu DSDS erscheinen die Gebrüder Kaulitz, die jüngeren Menschen noch als Milchbärte von Tokio Hotel bekannt sind. Ich kann berichten, sie zu sind metrosexuellen Milchbartträgern geworden. Ähja, und wir bei solchen sind. Justin Biebers Beziehung zu Selena Gomez findet für mich ja nur in der Bravo statt und ist derzeit anscheinend beendet, was uns nicht aufhält darüber zu reden, wie er sie wiederhaben will. ((Warum eigentlich? Der kann sich nach jedem Konzert durch eine Hundertschaft williger Teenager ficken? Achso, stimmt ja, der ist kein Rock’nRoll.))

Besser scheint’s da Miley zu gehen. Die sagt, dass ihr Typ heiss ist. Schön für sie. Heiss sollen ja auch die Boygroupjungs von One Direction zu sein. Von denen werden ihre Tattoos gezeigt und was sie so alles wildes tun. Weiter zum Sex.

Bei Doktor Sommer gibt es diesmal eine 15jährige, die für ihren sexheißen Freund nicht schnell genug feucht wird, ein 15jähriger, der ungern Single ist und eine 14jährige, die gerne einen Vibrator kaufen würde. Dazu noch eine Doppelseite mit den alten Favoriten Sperma, Eizelle und Schwangerschaft.

Ja, äh, ansonsten geht es um Snowboarding, die Frage wie man ein gutes Youtubevideo dreht und den Cake-Pop Fashion Stil. ((Das ist ja mal furchtbar… oh Gott. Knallbunt kurz vor der Unzurechnungsfähigkeit und die Herrenmode schreit nach Metrosexualität.))

Das Werk ist immer noch voller Boys, Girls und BFFs und man merkt ihm gar nicht an, dass RTL da viel Geld für bezahlt, dass seine Sendungen gefeatured werden. Wie immer also…

Wert sein?

Ich war die Tage unterwegs und irgendwann kommt man auch mal auf die Vorzüge des Lehrerdaseins zu reden und die sind ja nicht ohne. Wir haben geringe Nennarbeitszeiten bei hoher Zahl der Urlaubstage, sind verbeamtet und so weiter. Es ist zwar nicht so einfach, wie der Volksglaube es haben will. ((Um das mal zu präzisieren, man kommt am Ende bei 50 Stunden Wochen raus. Die Ferien sind öfter auch mal nicht frei. Aber ja klar: ich hab vormittags recht und nachmittags frei. Die Arbeiten korrigiert ein magischer Federkiel und Stundenvorbereitungen fallen dir unter der Dusche ein und drucken sich selbst aus.)) Und dann redet man noch über das üppige Gehalt, das man interessanterweise aus zwei Gründen bekommt: erstens man hat ein Hochschulstudium hinter sich und zweitens hat man Verantwortung für mehrere Dutzend Menschen und deren Zukunft. ((Also bei mir derzeit ca. 100 direkt in der 12. Klasse und nochmal so 30 indirekt in der Vorbereitung, dass sie die 12. Klasse überstehen.)) Aber das ist trotzdem immer noch sehr komfortabel.

Ja, aber es kommt halt trotzdem eigenartig. Wir sind als Lehrer halt privilegiert, weniger als man so denkt, aber wir sind es. Und wir tun auch viel diese Schmach auf uns zu ziehen. Wie viele Lehrer kennt man, die weinen, weil sie so viel zu tun haben. Da wünsche auch ich mir, dass sie mal etwas den Ball flach halten. Es ist halt ein Job. Aber selbst wenn ich das so erzähle, mit der mir gegebenen Amüsiertheit über die Abstrusität des Ganzen, beschleicht mich ein schlechtes Gefühl da anzugeben. Die Frage hier ist dann warum? Die meisten Leute mit denen ich rede hätten diesen Beruf ergreifen können und es nicht getan. Der Grund hierfür ist wohl sicher nicht die Vorteile, die man da so weich hat, sondern, dass es ein Beruf ist, den man auch aushalten und können muss. Dir ist es trotzdem unangenehm. Weil man redet nicht über Geld und man erzählt nicht wie gut es einem geht, weil es ja allen immer schlecht geht.

Und damit nehmen wir uns alle unseren Wert, wir nehmen anderen den Wert durch Neid und nehmen uns unseren Wert ((den wir ja auch bezahlt kriegen…)) in dem wir nicht mehr offen darüber reden. Solange man weiß, dass man privilegiert ist, und das ist man als Mensch in der westlichen Welt soundso immer, kann man auch darüber reden. Zu sagen, dass es dir gut geht, beschämt nicht den, dem es schlecht geht. Denn es ist meist nicht seine Schuld. Und wenn es jemand besser geht und dieser dies nicht zum Anlass nimmt dich abzuwerten, dann gönne es ihm. In den meisten Fällen ist er dadurch kein Arschloch geworden. Die Arschlöcher erkennt man nicht an ihrem Gehalt und ihren Vorteilen sondern an ihrem Verhalten und ihrem Umgang mit diesen Vorteilen.

Man ist kein Schamane, man wird einer…

Ich habe gestern in einer langen Autofahrt den aktuellen Soziopod über den Rücktritt des Papstes gehört und möchte mich mit einem kleinen Beitrag anschliessen.

Im Podcast wird Bezug darauf genommen, dass Benedikt der XVI. in die Kirche hereingewachsen ist, aber keinerlei religiöses Erwachungserlebnis hatte. Doch dieses scheint für einen Papst also einen Oberpriester eher notwendig zu sein, jedenfalls in der öffentlichen Erwartung, die wir an einen Papst stellen. Und Benedikt XVI. meinte auch, dass er kein Papst werden wollte, vielleicht weil er ein guter Theologe ist, aber halt auch jemand der keine komplette innere Überzeugung hat. Er ist halt ein intellektueller Christ, kein emotionaler wie sein Vorgänger und das mag durchaus ein Grund sein, warum er von dem Amt zurücktritt.

Und dieses Phänomen findet sich immer wieder. In den schamanistischen Traditionen wird auch immer davon geredet, dass der Schamane zum Schamanen wird, wenn er eine schwere persönliche Krise durchlebt hat. Sei es eine schwere Krankheit oder aber eine psychische oder soziale Krise. Dies gilt dann auch Initiationsritus, eine Änderung, die ihm eine tiefere Einsicht oder eine andere Ansicht der Welt gibt. Das ist vergleichbar mit den Erweckungsgeschichten aus dem Christentum, in dem viele Heilige ihre Stellung durch Schmerzen, Leiden und Krisenüberwindung bekommen haben. Das zieht sich bis ins Märtyrertum.

Am Ende mögen wir von diesem Papst mitnehmen, dass nicht jeder für ein Amt geeignet ist, das so hoch emotional und spirituell aufgeladen ist.

Symbolpolitik und Symptombekämpfung….

Der CDU-Experte ((Zu Experten empfehle ich den Vortrag von maha und Kai Biermann auf dem 29C3,)) Spahn fordert, dass Eltern deren Kinder sich ins Koma saufen doch bitte 100€ Selbstbeteiligung zahlen sollen, damit sie mehr Verantwortung für ihre Sprösslinge übernehmen.

Herrn Spahn wird dafür der Preis für Symbolpolitik und dummen Aktionismus unter komplettem Ignorieren von Kausalitäten für den heutigen Tag zugestanden. Dieser ständig wechselnde Wanderpokal für aktionistisches Geschwafel verdient sich Spahn nicht nur für seine komplette Ignoranz gegenüber den Realitäten von jugendlichem Alkoholmissbrauchs und dessen Zusammenhang mit dem sozialen Status der Kinder wie Eltern, sondern auch für das absolut geniale Timing seines Vorstoßes. Schließlich feiert sich ja heute die Schwesterpartei damit, dass sie das größte politische Biersaufen Deutschlands veranstaltet. Wir gratulieren ihm dazu zum Finden der letzten unbekannten Lösung des Problems Jugendalkoholismus, die komplett nutzlos ist.

Zeichen für das nahende Ende der Zivilisation

Wird Ihnen heute präsentiert von der Pharmawirtschaft.

Ich nähere mich der Erkältung, die man als Lehrkraft natürlich pünktlich zu den Ferien bekommt. Als Waffe der Wahl gegen die Symptome habe ich letztes Jahr so Lutschtabletten bekommen, die die Schleimhaut wieder herstellen und so den Husten stillen. Wahrscheinlich Snake Oil, aber was soll’s. Ich stand dann so in der Apotheke benannte das Produkt worauf die Apothekerin vor mir auftauchte und mich fragte welchen Geschmack ich gerne hätte. Das Zeug gabs früher in undefiniertem Kirscharoma und nun auch noch in Grapefruit und Cassis ((Cassis ist Johannisbeer, aber nur wenn es aus künstlichem Aroma gemacht wird.)). Und da fragt man sich ernsthaft, warum? Meinte die Apothekerin, dass man auch anspruchsvolle Kunden hätte ((Also nicht mich…)). Also, um das festzuhalten, wir haben eine Kultur, in der kranke Menschen ernsthaft ein Problem haben damit, wie ihre Halstabletten schmecken? Oder ist das nur Diversifizierung des Produkts? Aber irgendjemand muss das ja kaufen. Also wer ist so behämmert und sagt da: „Also näää, wenn es das nicht in Cassis gibt, dann kaufe ich das nicht!“

Das ist definitiv ein Zeichen dafür, dass unsere Zivilisation es nicht mehr lange macht. Fortsetzung folgt…

Sexismus und sexuelle Gewalt

Seit Rainer Brüderle vom stern wegen anzüglicher Bemerkungen in die Pfanne gehauen wurde, entspinnt sich unter dem Hashtag #aufschrei und in jede Menge Blogs und Fernsehtalkshows eine wilde Diskussion über alles was damit zu tun hat, dass die Menschheit als Gesamtgruppe die Geschlechterdichotomie als eine Grenze wahrnimmt an der Macht ((Damit auch klar ist, welcher Machtbegriff gemeint ist: „Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eignen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“ – Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, §16, 1984, Mohr, Tübingen)) generiert und ausgeübt werden kann. Doch hier werden etliche, unterschiedliche Konzepte durcheinander geworfen, die man getrennt und differenziert betrachten muss. Diese Konzepte haben zwar Berührungspunkte, doch sind sie halt dann auch mal so unterschiedliche Phänomene, dass man sie getrennt betrachten muss. Die Situation wird dann noch vertrackter, wenn man sich ansieht wie welche Gruppen in diesen Diskussionen wie handeln. Doch eines nach dem anderen.

Sexismus ((Die Wikipedia sagt es ganz gut. Ich kann alle drei Versionen verstehen, stehe aber aus persönlicher Geschichte der soziologischen am nahsten.))

Aristoteles hat den Menschen schon zoon politikon bezeichnet, wir sind soziale Tiere und dabei brauchen wir immer Strukturen, denn das Gehirn ist ein strukturbildender Mechanismus. Diese Fähigkeit ist gut dokumentiert und der Ursprung vieler Unbillen. Wir sehen halt gerne Dinge, die nicht da sind und ignorieren gerne Dinge, die da sind. So ist das auch bei den Geschlechtern. Wir sehen einen Unterschied und glauben dann, dass dieser Unterschied eine tiefere Bedeutung haben muss, als die Tatsache, dass Reproduktion halt unterschiedlich aufgeteilt ist. Im Endeffekt muss man sagen, dass diese Aufteilung zwar Konsequenzen für die Organisation moderner Gesellschaft haben muss, aber diese Konsequenzen eben rein organisatorischer Natur sind. Sie verbindet erst einmal keinerlei Zuschreibungen zu den Trägern der verschiedenen Geschlechter.

Die Zuschreibungen sind nämlich dann der Sexismus. Und wir schreiben die ganze Zeit zu… egal ob es Männer oder Frauen sind, wir sind Objekt von gesellschaftlichen Narrativen, die wir selbst tragen und die uns Eigenschaften zuschreiben wollen, um die Komplexität der Welt zu reduzieren. Es ist also ein natürlicher Vorgang des Gehirns, der uns hier im Weg steht.

Wie werden in der westlichen Welt ((Und zwar genau nur da… wir haben keine einheitliche Weltkultur, falls das hier immer mal gern vergessen wird.)) nun Geschlechterunterschiede in ein Narrativ gebettet? Was ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen, wie er so allgemein gesehen werden kann? ((Nein, das ist nicht erschöpfend und erhebt nicht einmal im Geringsten einen Anspruch auf allgemeine Korrektheit.))

Männer Frauen

Der Grund, warum es diese Aufspaltung gibt, liegt in dem wie verschiedene Eigenschaften generell in der westlichen Gesellschaft bewertet werden. Seit der Industrialisierung ist Rationalität im Sinne des zweckrationalen und nutzenoptimierenden Gewinnstrebens. Die Maxime hier ist also das kalte Abwägen von Kosten gegenüber Nutzen. Dies wird als primäre Eigenschaft den Männern zugeschrieben. Da Männer traditionell immer die Eigenschaften besitzen, die für die Gesellschaft als wichtiger angesehen werden. Das ist übrigens auch der Grund, warum heutzutage die Farbe für die Männlichkeit blau ist, die Farbe mit der generell Kühle und damit Rationalität assoziiert wird.  Rot ist heute die weibliche Farbe, da diese ja mit Emotionalität und Gefühl assoziiert wird. ((Spannend ist hier, dass rot früher die Farbe der Fürsten war, weil sie eben Macht und Gewalt ausdrückt. Seit dem der Kapitalismus aber das Paradigma bestimmt hat sich genau das umgedreht.))

Dementsprechend werden Männer und Frauen in der Gesellschaft eingeordnet. Interessanterweise wird ein emotionaler Aspekt nämlich der der Übermäßigkeit auch dem Mann zugeordnet. Männer dürfen sich immer noch alles nehmen, obwohl dies dem Narrativ des Rationalismus widerspricht. Hier hilft aber, dass Gewinnstreben auch eine primäre Maxime des Kapitalismus ist.

Sexismus ist also die Ordnung der Gesellschaft in oben und unten durch Geschlechterzuschreibungen. Da aber alle Eigenschaften von Menschen in der Gesellschaft gleichverteilt sind, ist diese Ordnung, ähnlich wie nahezu alle anderen Ordnungen durch Zuschreibung totaler Käse. Trotzdem existiert Sexismus als Ordnungs- und Gewaltmechanismus. Schließlich gibt es überall, wo eine Unterteilung in der Gesellschaft ist, auch automatisch Machtmechanismen, die ausgenutzt werden können.

Deswegen ist es bei der aktuellen Diskussion um Sexismus auch sehr wichtig, dass Frauen die führende Rolle in der Diskussion einnehmen. Deswegen muss auch den Feminsten hier einmal gesagt werden, dass die Idee, dass Männer Partei für Frauen ergreifen genau derselbe Sexismus ist, der schon besteht. Hier stellen sich wieder Männer beschützend für Frauen und fordern für diese Gerechtigkeit ohne dabei mal mitzuschneiden, dass genau dieses Verhalten zutiefst sexistisch ist. Hier ist es angeraten mal den Mund zu halten.

Doch nun wieder zurück zum Ursprung dieses Posts. Der Unterscheidung zwischen Sexismus und sexueller Gewalt.

Sexuelle Gewalt

Gewalt ist ein schädigender, verändernder äußerer Einfluss auf einen Menschen. ((Siehe Wikipedia.)) Sexuelle Gewalt zielt damit immer darauf ab, dass man auf der sexuellen Ebene in einen Menschen eingreift. Nachdem dieser Bereich als besonders sensibel gilt, ist sexuelle Gewalt eine eigene Kategorie an Gewalthandlung. Sie ist halt ein Eingriff in das, was wir als unseren nahen privaten Raum begreifen, meist in unseren Körper und seine Unversehrtheit.

Sexuelle Gewalt findet immer wieder statt und betrifft auch alle Arten von Menschen. Das Phänomen wird aber sehr oft mit Sexismus verknüpft, weil primär sexuelle Gewalt gegen Frauen in der Gesellschaft thematisiert wird. Sexuelle Gewalt gegen Kinder hat einen besonders stark sanktionierten Status, während sexuelle Gewalt gegen Männer in der öffentlichen Wahrnehmung nicht existiert, aber auch wenn man mich da jetzt schlagen mag, eigentlich erwartbar existieren muss.

Es ist logisch einen Zusammenhang zwischen Sexismus und sexueller Gewalt zu sehen und dieser ist auch vorhanden. Gerade der Übergang von sexistischen Äußerungen zu verbaler sexueller Gewalt ist fließend und hängt stark von der Sozialisation der Person gegenüber der das stattfindet. ((Was im Endeffekt heißen soll, dass eine entsprechende Sensibilisierung junger Frauen und Mädchen dazu führt, dass sexuelle Gewalt schon im Ansatz wahrgenommen und gekontert wird. Und eine entsprechende Sensibilisierung der jungen Männer und Jungs dazu führt, dass diese eine höhere Hemmschwelle haben solche Handlungen durchzuführen.)) Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass Sexismus strukturelle Macht und sexuelle Gewalt ausgeübte Macht ist. Beide stehen an dieser Stelle in einem direkten Zusammenhang und dieser kann auch nachgewiesen werden. ((Spannenderweise ist die Tatsache, dass sexuelle Gewalt gegen Männer nicht wahrgenommen wird, die Kehrseite des Sexismus. Da Männer ja als diejenigen gelten, die die Kontrolle haben, ist sexuelle Gewalt gegen sie ein komplett abwegiger Gedanke.))

Sexismus ist aber eben auch nicht die ganze Erklärung, gerade wenn es um sehr körperliche und triebhafte Übergriffe geht, ist braucht es wahrscheinlich noch mehr als eine Einstellung in der Gesellschaft, egal wie stark diese ist. Physische Gewaltanwendung benötigt auch eine Enthemmung beim Anwender. Die ist zwar durch Sexismus besser selbstlegitimierbar, aber es braucht eine ernsthafte Triebstörung physisch sexuelle Gewalt auszuüben. Der Schritt scheint kleiner, da verbale sexuelle Gewalt doch sehr gehäuft auftritt und anerkannt ist, aber er ist vorhanden und er ist halt auch der Schritt vom „Gewöhnlichen“ ins Pathologische. Generell scheitern Menschen hier an der Tatsache, dass wir als Wesen durchgehend triebhaft sind und sie aus verschiedensten Gründen nicht die entsprechende Kontrolle über sich haben. Drogen sind eine beliebte Erklärung, mangelnde Erziehung zur Selbstkontrolle in dieser Richtung wohl aber die strukturell auffälligste, die dann auch wieder auf Sexismus zurückschliessen kann.

Fazit

Sexismus und sexuelle Gewalt sind zwei Probleme in unserer Welt, die zusammenhängen, aber eben auch klare Unterschiede aufweisen. Sexuelle Übergriffe können teilweise mit Sexismus erklärt werden, werden aber auch in einer nicht-sexistischen Welt existieren. Diese nicht-sexistische Welt ist allerdings etwas, das durchaus erreichbar ist. Wir sind zwar darauf gepolt, dass wir Unterschiede zur Strukturierung unserer Welt benutzen, allerdings sind wir auch fähig uns gegen diesen Mechanismus in uns zu wehren. Das gilt für Hautfarben und das gilt auch für das Geschlecht, weswegen die -ismen dieser Zeit überwindbar sind. Das Tier in uns können wir leider nie vollständig beherrschen, weswegen sexuelle Gewalt immer existieren wird, wie auch Gewalt immer existieren wird. Wir können nur daran arbeiten sie möglichst durch Aufklärung und Erziehung zu minimieren.

Wofür kriege ich eigentlich mein Geld?

Ich trage mich ja schon lange mit der Frage rum, wie eigentlich so die Lehrkraft ihr Selbstverständnis generiert. Wir sind ja priviligiert an sich als Beamte mit allen Benefits, die es da so gibt. Doch am Ende ist Lehrer ein Beruf wie jeder andere und jeder Beruf hat in seinem Kern eine Aufgabe. Die kann mehr und weniger komplex sein, aber sie ist da. Und dafür bekommt man dann sein Geld.

Wofür bekomme ich Lehrer denn nun mein Geld? Es scheint für viele Leute so zu sein, dass ich es primär dafür bekomme da zu sein und Noten zu produzieren und das am Schüler, dem ich Sachen erzähle. Aber das ist ja irgendwie diffus und zentriert sich primär darauf, dass ich da bin. Das kann also nicht wirklich zielführend sein. Also, für was bekommt man als Lehrer sein Geld? Am ehesten dafür seine Klienten(Schüler) zu einem bestmöglichen Erfolg zu führen. Das benötigt dann verschiedenste Fähigkeiten und muss dann auch noch im Rahmen allerlei Gesetze und Regelungen tun. Doch dafür bekommt man eben sein Geld. Und daraus kommt die Frage für was man eigentlich nicht bezahlt wird.

Man wird weder bezahlt um Menschen eine Zukunft zu verbauen, um sich Urteile über diese Menschen zu erlauben, um „aufzusteigen“, um die Welt zu verändern oder um „jungen Leuten etwas zu geben“. Nein, wir beschaffen Sozialstatus und das unter Erhaltung des Menschen an sich im Rahmen der gesellschaftlichen Normen.

Das ist meine Antwort und sie ist genauso valide wie manch andere Doch viele Lehrer beantworten diese Frage für sich selten bis nie und das ist die eigentlich Tragik an unserem Bildungssystem, dass die Menschen, die auf der professionellen Seite im Mittelpunkt stehen teilweise nicht präzise wissen, was sie da warum tun…

Deswegen bleibt die Frage: für was bekommst du dein Geld?

Es geht um Glaubwürdigkeit…

Annette Schavan ist in Schwierigkeiten. Nicht nur, weil Angela Merkel ihr schon vor einiger Zeit das vollste Vertrauen ausgesprochen hat und das ja eigentlich automatisch den langfristigen politischen Tod bedeutet.

Ihr wurde vom Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ihr Doktortitel aberkannt. Im offiziellen Statement ist davon die Rede, dass ein wichtiger Punkt, der dagegen spricht, ihr den Titel zu belassen „das öffentliche Interesse am Schutz der Redlichkeit wissenschaftlichen Qualifikationserwerbs“ ist.

Dieser Punkt scheint mir auch am wichtigsten. Es gibt sehr viele Akademiker in Deutschland, die viel Zeit und Energie in ihre Promotionen und Habilitationen aber auch die einfachen Studienabschlüsse investiert haben. Es wäre ein Schlag in deren Gesicht, wenn eine Arbeit mit schweren Fehlern Bestand hat. Der Wissenschaftsbetrieb benötigt halt Glaubwürdigkeit, sonst brauchen wir gar kein Geld mehr in Wissenschaft investieren und können das Feld auch den Scharlatanen, Esoterikern und Kreationisten öffnen. Wenn Bildung unsere wichtigste Ressource ist, dann müssen wir genau diese auch schützen, wie wir andere Ressourcen schützen, auch und besonders davor, dass sie von innen weiterhin entwertet wird. Die Intellektuellenfeindlichkeit, die sich in der Gesellschaft hält, wird sich nach diesem Skandal sicher nicht abschwächen.

Dazu haben wir auch ein Vermittlungsproblem? Wie soll ich als Lehrer einem Schüler erklären, dass er durch sein Abitur fällt, wenn er Plagiat betreibt, aber eine unserer äußerst öffentlichen Politiker und dazu die Bildungsministerin eben keine Konsequenzen von diesem Fehlverhalten hat? Dies würde halte eben besagte Redlichkeit des wissenschaftlichen Qualifikationserwerb stark beschädigen und somit ist diese Entscheidung des Fakultätsrats dann wohl auch zu begrüßen. Es ist übrigens genau diese Redlichkeit, die Schavan selbst im Fall zu Guttenberg selbst eingeklagt hat. Dies fällt ihr nun doppelt auf die Füße, denn sie muss sich nun mit denselben Maßstäben messen lassen, die sie damals an Karl-Theodor angelegt hat, sonst ist ihre Glaubwürdigkeit umso mehr beschädigt.

Wohlgemerkt bedeutet dieses Fehlverhalten nicht, dass Frau Schavan dringend zurücktreten muss, denn ein Doktortitel ist keine Vorraussetzung für ein Ministeramt. Da reicht eine Ernennung durch den Bundespräsidenten. Doch ein Geschmäckle hat es eben gerade schon, dass es sich hier um die wohl bekannteste Bildungs- und Wissenschaftspolitikerin Deutschlands handelt. Musste zu Guttenberg seinen Posten als Verteidigungsminister räumen, so wäre es vielleicht sogar zwingend notwendig, dass sie ihren auch räumt. Doch Schavan hat hier einen Vorteil, sie hat sich nie in dem Umfang medial gewehrt, in dem das zu Guttenberg gemacht hat. Ihr Nachteil wiederum ist eben die Glaubwürdigkeit. Kann jemand, der Wissenschaft nicht hoch genug schätzt um eine entsprechende Arbeit abzulegen und damit das akademische Silberbesteck klaut wirklich das Ministerium repräsentieren, dass eben diese Wissenschaft zum Zentralthema hat? Technisch sicherlich, politisch eher nicht.

Hallo!

Ja, das wird mein eher persönlicher Blick in die (Netz-)Welt. Ich habe manchmal das Bedürfnis Ereignisse aus dem gesellschaftlichen Geschehen zu kommentieren und das werde ich dann mal hier tun.