Das Ende meines Ehrenamts, die lange Version

Hinweis: Diesem Text fehlen etliche Details zu Personen, Entscheidungen und Hintergrundinformationen. Falls sich jemand aus journalistischen Gründen für diese interessiert, möge man mich kontaktieren.

Der Anfang vom Ende

Der Jugendtreff ist eine sehr kleine Einrichtung, die vor ca. 20 Jahren auf Wunsch der Stadt von der Kirchenstiftung eingerichtet wurde. Es gab Probleme mit Jugendlichen im Viertel, die keinen Rückzugsort hatten. Die Kirchenstiftung übernahm die Trägerschaft, stellte die Räume und einen Teil der Finanzierung, den Rest übernahm die Stadt Bamberg, die als Kommune den Auftrag hat, Jugendarbeit bereitzustellen. Dabei streckte die Kirchenstiftung das Geld immer vollständig vor, und bekam dann den größeren Teil von der Stadt zurück.

Die Stadt Bamberg fing vor ein paar Jahren an, dieses Arrangement auch als Hebel für Forderungen zu benutzen. Zum Beispiel ein komplettes Qualitätsmanagement für einen Treff, dessen Leitung eine halbe Stelle umfasst. (Das würde bedeuten, dass der Treff einen Tag schließen muss, damit der Papierkram stimmt.) Dazu wurden selbst die statistischen Forderungen für die Anträge immer komplexer. Deswegen entschloss sich die Kirchenstiftung die Trägerschaft abzugeben. Es gab mehrere Optionen, die entweder versandeten oder ignoriert wurden, so dass am Ende die Stadt Bamberg die Trägerschaft übernehmen sollte.

Jugendarbeit in Bamberg

Die Stadt Bamberg hat vor etlichen Jahren beschlossen die Trägerschaft der Jugendarbeit per Konzept an einen einzelnen Träger zu geben, dem sie das entsprechende Geld gibt, und der dann als Dienstleister nach den Vorgaben und Wünschen der Stadt Bamberg und unter Erfüllung aller bürokratischer Wünsche, die Jugendarbeit veranstaltet.

Der aktuelle Träger ist der iSO e.V. Für diesen wird es nun interessant, denn die Stadt Bamberg hat just in diesem Jahr auch die Jugendarbeit neu ausgeschrieben. Dabei hat sie einfach unseren Jugendtreff (mind. eine halbe Stelle und wahrscheinlich noch etwas dazu) mit hineingeschrieben und den Betrag, der im letzten Konzept stand wurde nicht um einen Cent erhöht. Das ist an sich schon unfreundlich, da auch der iSO e.V. Menschen hat, denen er vielleicht auch mal eine Gehaltserhöhung geben möchte, aber nuja, soziale Arbeit. Und so eine Pandemie ist euch eine gute Ausrede. Jetzt steht da aber ein weiterer Jugendtreff drin und auch der bisherige Träger kann diesen nur versorgen, wenn andere Treffs darunter leiden.

Weswegen nun die Stadt Bamberg mit ISO verhandelt, da der Verein als einziger auf die Ausschreibung geantwortet hat, allerdings für den neuen Treff mehr Geld verlangt oder es klar ist, dass er das Konzept der Stadt nicht erfüllen kann. Diese Verhandlungen dauern aktuell noch an, wobei der Stadtrat eine Summe beschlossen hat, die zwischen allen Forderungen liegt.

Und mein Jugendtreff?

Ja, der wird erst einmal nicht öffnen und das stellt nun auch ein Problem für die Kirche dar. Diese hatte versprochen, dass es einfach weitergeht, nur halt mit einem neuen Träger. Aber das wäre soundso unlauter gewesen, da das bisherige Konzept des Jugendtreffs (Öffnungszeiten auch am Wochenende, reine offene Jugendarbeit) nicht in das Konzept der Stadt Bamberg passt (sehr projektorientiert). Aber gut, das ist ein Detail. Die fehlende Kontinuität für die Jugendlichen auch. Allerdings hätte eine Jugendeinrichtung geöffnet. Das wird sie nun nicht tun, weil aktuell, zwei Wochen vor Jahresende nicht einmal klar ist, ob iSO überhaupt die Trägerschaft unter den Bedingungen der Stadt noch einmal übernimmt.

Ich werde mich mit einer politikwissenschaftlichen Bewertung zurückhalten, da ich betroffen bin. Als Bürger dieser Stadt und ehrenamtlicher Mitarbeiter möchte ich sagen, dass ich die Position der Kirche verstehen kann, aber kein Verständnis für das Handeln der Stadt aufbringe. Das tue ich auch, weil tiefere Einblicke in die genauen Abläufe hatte und dort auch vom Prozessmanagement, den politischen Entscheiden und einzelnen Verantwortlichen tief enttäuscht bin.

Mein Jugendtreff schließt und es wird so schnell keinen Ersatz geben, weil Jugendarbeit eine Pflichtaufgabe und keine Herzensaufgabe dieser Stadt ist.

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