HCH026 Advi liest: Jabberwocky

Ich mache mal etwas neues, weil ich das neue Equipment und Kapitelmarken testen möchte und ihr habt davon, dass ich Jabberwocky lese, etwas dazu erkläre und euch auch eine kleine Aufgabe gebe.

Im folgenden seht ihr den Jabberwock in der Originalzeichnung von John Tenniel, Deutlich erkennbar: KEIN DRACHE!

Und hier ist Humpty Dumpty’s Explanation of Jabberwocky, für diejenigen, die sich wundern und diejenigen die mir gerne etwas malen wollen.

“You seem very clever at explaining words, Sir”, said Alice. “Would you kindly tell me the meaning of the poem ‘Jabberwocky’?”

“Let’s hear it”, said Humpty Dumpty. “I can explain all the poems that ever were invented–and a good many that haven’t been invented just yet.”

This sounded very hopeful, so Alice repeated the first verse:

‘Twas brillig, and the slithy toves
Did gyre and gimble in the wabe:
All mimsy were the borogoves,
And the mome raths outgrabe.
“That’s enough to begin with”, Humpty Dumpty interrupted: “there are plenty of hard words there. ‘Brillig’ means four o’clock in the afternoon–the time when you begin broiling things for dinner.”

“That’ll do very well”, said Alice: “and ‘slithy’?”

“Well, ‘slithy’ means ‘lithe and slimy’. ‘Lithe’ is the same as ‘active’. You see it’s like a portmanteau–there are two meanings packed up into one word.”

I see it now”, Alice remarked thoughfully: “and what are ‘toves’?”

“Well, ‘toves’ are something like badgers–they’re something like lizards–and they’re something like corkscrews.”

“They must be very curious creatures.”

“They are that”, said Humpty Dumpty: “also they make their nests under sun-dials–also they live on cheese.”

“And what’s to ‘gyre’ and to ‘gimble’?”

“To ‘gyre’ is to go round and round like a gyroscope. To ‘gimble’ is to make holes like a gimlet.”

“And ‘the wabe’ is the grass plot round a sun-dial, I suppose?” said Alice, surprised at her own ingenuity.

“Of course it is. It’s called ‘wabe’, you know, because it goes a long way before it, and a long way behind it–”

“And a long way beyond it on each side”, Alice added.

“Exactly so. Well then, ‘mimsy’ is ‘flimsy and miserable’ (there’s another portmanteau for you). And a ‘borogove’ is a thin shabby-looking bird with its feathers sticking out all round–something like a live mop.”

“And then ‘mome raths’?” said Alice. “If I’m not giving you too much trouble.”

“Well a ‘rath’ is a sort of green pig, but ‘mome’ I’m not certain about. I think it’s sort for ‘from home’–meaning that they’d lost their way, you know.”

“And what does ‘outgrabe’ mean?”

“Well, ‘outgribing’ is something between bellowing an whistling, with a kind of sneeze in the middle: however, you’ll hear it done, maybe–down in the wood yonder–and when you’ve once heard it, you’ll be quite content. Who’s been repeating all that hard stuff to you?”

“I read it in a book”, said Alice.

–Through The Looking Glass, Lewis Carroll

HCH025 Über Bundeswehr und Diskurs mit Jenny

Aus aktuellem Anlass rede ich mit Jenny vom Politik Betreuung Podcast über die Bundeswehr, ihre gesellschaftliche Rolle, den Umgang mit ihr von ziviler Sicht und was das alles über den Diskurs in unserem Lande sagt.

Wer den Anlass verpasst hat, findet hier einen Bericht.

Advi testet: Aspall Cider

Nach dem Old Mout begebe ich mich nun weiter zum großen Ciderhaus Großbritanniens Aspall Cyder. So alt, dass die Schreibung kaputt. Hier habe ich sechs Flaschen des Oevres und werde diese verkosten.Zur Verkostung stehen an:

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Premier Cru Cider ist der Edelstoff der Marke. Und das stimmt auch, hier perlt ein leicht trockener Cider leicht vor sich her und ist wirklich alles, was man unter edel verstehen kann. Der Premier Cru ist das, was ich mit Aspall auch aus Großbritannien verbinde: frischer Apfelcider, leicht trocken mit etwas Frucht. Bevorzugt gekühlt serviert ist das mein ultimativer Bierersatz und ich bin so froh, dass das Zeug nicht so einfach zu kriegen ist. Ein Fass davon im Keller wäre problematisch gut.

Die nächste Flasche ist der Draught Cider also das, was man eigentlich so vom Fass bekommt. Auch hier perlt es fein, allerdings ist der Abgang irgendwie etwas bitterer als beim Premiere Cru. Aber gut, der ist halt auch das Edelprodukt. Der Draught ist immer noch ein sehr leckeres Getränk für den Tag.

Hiernach kommt der Organic Cider dran. Dieser schmeckt irgendwie alkoholischer und bitterer. Gleichzeitig lässt er etwas die Frische der Vorgänger vermissen. Wer also eine bittere Version des Draught möchte, der ist mit dem Organic gut beraten, und wenn man dem Namen glauben kann ist der sogar Bio.

Waren die bisherigen Cider Varianten des Apfelklassikers, bekommt man mit Isabel’s Berry einen Beerencider mit Himbeeren und schwarzen Johannisbeeren. Damit, und mit der angemessenen Süße rennt er bei mir alle Türen ein. Dazu erinnert mich der Name an meine Lieblingsciderkumpanin, der dieses Getränk durchaus gewidmet sein könnte, entspricht es doch auch ihrem Geschmack: leicht süßer Beerencider, der erfrischt, aber nicht klebt.

Der nächste Cider mit Beerenanteil ist Peronelle’s Blush benannt nach der Oma des Hauses. Dieser ist ein Apfelcider der mit Brombeeren verfeinert ist. Letzteres schmecke ich allerdings nicht wirklich raus. Das Getränk ist trocken, rot und lecker, aber irgendwie undefiniert. Die Säure ist okay, die Milde ist okay, es sagt irgendwie nicht viel. Da gefiel mir Isabell’s Berry weitaus mehr.

Das letzte Produkt ist der Imperial Vintage No 288 und der hat mich gerade total mit einem Alkoholgehalt von 8,2% überrascht hat. Der Cider schmeckt ziemlich alkoholisch und gefällt mir damit schon mal gar nicht. Die Farbe erinnert an tiefen Bernsteinn und der Geschmack ist mir zu bierig und ohne die Frische, die ich an einem Cider schätze. Es mag ein furchtbar distinguiertes Getränk für das mir jegliches Verständnis fehlt, und wenn ich den halben Liter weg habe, wahrscheinlich auch der Verstand.

Advi testet: Kingdom Death Monster 1.5

Ich habe letztes Jahr Kingdom Death Monster 1.5 mitgekickstartet und es im November irgendwann bekommen. Nun, im April habe ich endlich das Gefühl ein halbwegs belastbares Review schreiben zu können.

Grundlegendes über das Spiel

Kingdom Death Monster ist ein Horrorbrettspiel mit taktischen und strategischen Phasen. Es dreht sich um eine Gruppe von Überlebenden, die in einer dunklen Albtraumwelt voller Monster um ihr Leben kämpfen müssen. Dabei müssen sie diese Monster jagen, ihre Siedlung aufbauen und bevorzugt nicht zu schnell sterben.

Das Spiel besteht aus einer riesigen Kiste, über 40 Plastikminiaturen teilweise erstaunlicher Größe, einem riesigen Spielfeld plus zwei sekundäre Spielfelder und jede Menge Karten und Kärtchen. Es ist durchaus beeindruckend und ich habe bisher noch keinen Platz gefunden, wo ich es sinnvoll verstauen kann.

Spielphasen

Das Spiel beginnt immer mit der First Story, die neue SpielerInnen leicht geskriptet durch sämtliche Spielphasen führt. Diese sind eine Jagdphase, in der die Überlebenden das auserwählte Monster jagen und dabei Unbillen und Abenteuer erleben, eine Showdown-Phase, in der die Überlebenden mit dem Monster kämpfen und eine Siedlungsphase in der die Siedlung der Überlebenden weiterentwickelt wird.

Die Jagdphase und die Siedlungsphase finden auf einem kleineren Spielbrett an, da sie hauptsächlich aus dem Ziehen und Legen von Karten sowie dem passenden Würfeln besteht. Die Showdown-Phase findet auf einem großen begitterten Spielplan statt, In jeder der Phasen werden Miniaturen benutzt um die Überlebenden und das Monster zu symbolisieren.

In der Jagdphase decken die Überlebenden abwechselnd Karten mit Ereignissen auf, die sie positiv und negativ auf der Jagd nach dem Monster beeinflussen.

Die Showdown-Phase ist ein rundenbasierter Kampf, bei dem die SpielerInnen die Aktionen des Monsters mitspielen. Dabei wird ein AI Deck benutzt, das für jedes Monster speziell zusammengestellt wird. Die Kämpfe werden mit einem einfachen System gelöst, das auf modifizierten W10 Würfen beruht. Dieses gilt für die Monster, wie die Überlebenden. Allerdings werden für Treffer an den Überlebenden besondere Trefferzonenwürfel gewürfelt, während die Monster detaillierte Trefferzonenkarten besitzen. Auf diesen interagieren sie dann mit den Angreifern und manchmal auch dem schön gestalteten Terrain.

Die Überlebenden, die neben ihrer Miniatur durch einen Charakterbogen und das Ausrüstungsfeld dargestellt werden, haben dafür jede Menge Ausrüstung dabei und können sich gegen das Monster koordinieren. Dazu können die SpielerInnen gemeinsam die Monsteraktionen auch gegen das Monster wenden, was durchaus manchmal notwendig ist.

Ist das Monster besiegt kommt die Gruppe heim in die Siedlung, die durch als eine Art eigener Charakter durch einen großen Bogen dargestellt wird und in der Kultur entwickelt, aus den erbeuteten Ressourcen Ausrüstung und neue Innovationen hergestellt und dabei hoffentlich nicht gestorben wird. In dieser Phase können auch Monster die Behausung überfallen und ähnliche Katastrophen passieren. Das alles wird die ganze Zeit durch verschiedene Storyevents geleitet, die in einem wunderschön gestalteten Regelbuch zu finden sind.

Fazit

Kingdom Death Monster sieht anfangs wie ein rundenbasiertes Tabletop aus, erhält seine Besonderheit aber aus dem Universum, in dem es spielt, und dem Siedlungsbau, der bei jeder Entscheidung mitschwingt. Das Spiel ist für langfristiges Spielen ausgelegt und meine monatliche Spielrunde schafft derzeit einen Durchgang in drei Stunden. Das Spielsystem ist dabei so schlank und gradlinig, dass die Komplexität der Entscheidungen nicht durch komplexe Mechaniken behindert wird. Für erfahrenere Spielegruppen ist es definitiv empfohlen und bietet durch die Komplexität und mehrere Erweiterungen einen hohen Wiederspielwert. 

Advi testet: Old Mout Cider

Ich habe mich für das Frühjahr und den Sommer mit Cider eingedeckt und neben der Normalversorgung1 Probierpakete für verschieden Cider bestellt und weil das ja hier so Internet ist, bekommt ihr ein Review.2 

Ich fange mit Old Mout /mu:t/ Cider aus Neuseeland an. Seit 1947 wird da Cider hergestellt und mein Probierpaket beinhaltet alle Sorten einmal:

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Wir fangen mit dem Passionfruit and Apple an. Natürlich eine relativ süße Kombination, die aber durch die Passionsfrucht etwas gemildert wird. Der Cider hat insgesamt einen sommerlichen, aber nicht frischen Geschmack. Gekühlt garantiert sehr gut für einen Sommerabend geeignet. Obwohl er süß ist, klebt er nicht wie zum Beispiel Bulmer’s Wild Berry, der ja selbst der Königin des Süßciders zu süß war.

Als nächstes ist Kiwi and Lime dran. Eine frischere, grünere Kombination, die kalt wohl noch etwas besser schmeckt. Bei weitem nicht so süß, mit der Säure von Kiwi und Limette gefällt er mir sehr gut. Den würde ich wahrscheinlich regelmäßig trinken. Ich stehe ja eher auf trockene Cider.

Dann ist Strawberry and Pomegranate dran. Ich persönlich mag Erdbeere nicht, aber die Kombination ist noch erträglich. Der Granatapfel ist auch als Saft immer eher so undefiniert, was er auch hier ist. Dadurch wird das ganze aber nicht unerträglich erdbeerig und süß. Dafür, dass ich den Geschmack nicht mag, ist es ziemlich lecker, wenn ihr Erdbeere mögt, dann ist dieser Cider was für euch.

Die letzte Flasche ist Summerberries mit der etwas fragwürdigen Tagline „A fruity little number.“ Die Sommerbeeren sind tatsächlich nicht wirklich nachvollziehbar und werden auch nicht angegeben. Ich glaube Himbeere schmeckt etwas vor, aber das kann ich mir einreden. Gefühlt ist dieser Cider am süßsten, was mir natürlich gar nicht gefällt. Dafür genieße ich ihn gekühlt, es geht also. Wer Sommer mit Süße verbindet ist hier richtig, aber auch gewarnt: die 4% Alkohol schmeckt man wie immer nicht und die machen einen schön knülle.

Alles in allem sind die Kombinationen erstaunlich vielfältig und nicht einfach nur süß. Ich bin Fan der Kiwi-Limette Variante geworden.

  1. 12l Strongbow… []
  2. Nicht als Podcast. Ich bin nicht Holgi und allein in ein Mikrofon trinken ist kurz vor therapiebedürftig. []

WMDEDGT – April 2018

Ich habs fast vergessen, aber Zeit, also hier der Rundown des Tages. Ich habe Ferien, da ist das alles so putzig unstrukturiert.

Es fing mit Kieser Training an. Ich arbeitete mich schon gegen 8 Uhr durch mein Programm, um dann am Schreibtisch zu landen und mich offiziellem Kram und Korrekturen. Für letztere war ich nicht wirklich motiviert, was sich durch die eher durchwachsene Leistung der Schülerschaft nicht besserte. Ich habe also schnell aufgegeben.

Nach dem Tütenmittagessen ging ich mit dem Hund durchn Wald und genoss den frühlingshaften Sonne-Nieselregen Cocktail, der mir da geboten wurde, während ich mich durch größere Mengen Pagan Folk hörte. Ich stellte dann fest, dass ich genug Zeit hatte, die Lektüre für die Vorklasse abzuholen. Es gehört zu den besonderen Weihen der Lehrkraft mit einem großen Karton voller Comics durch die Stadt zu laufen. Danach habe ich noch schnell eine Folge Lernfragen aufgenommen.

Dann spielte ich etwas verloren Baseball auf der Playse und sitze nun im Jugendtreff… all is well… Ferien halt. Ich fühle mich zwar ohne Struktur immer leicht verloren, aber es geht noch…

Über Kleidung, Persönlichkeit und Identität

Nachdem ich letztens schon etwas garstig über Authentizität in der Kommunikation geschrieben habe, und wir uns im soziologischen Kaffeekränzchen über Identität unterhalten haben, möchte ich da eine weitere Dimension aufmachen. Wir hatten es auch in der Sendung über Identität, dass das viel mit Kleidung zu tun hat. Und an der Stelle möchte ich mal etwas abtauchen, vor allem auch, weil die Karnevalssaison vor der Tür steht und damit eine zweite Dimension.

Da ich ja der Typ mit den Texten und der Literatur bin, fange ich mit einer meiner Lieblingsstellen aus einem Podcastbuch ever an. Es ist die Podcastversion von Nathan Lowell’s Trader’s Tales in the Age of the Solar Clipper. Im zweiten Buch Half Share, wird der Protagonist Ishmael zu einem Nobelschneider geschleppt, um sich neu einzukleiden. Die ganze Szene ist eher so ein Coming-of-Age Moment und die entscheidende Szene ist die, in der Ishmael in Unterhosen vor dem Spiegel des Schneiders steht und dieser fragt: „Who do you think, you are?“. In der Folge finden sie gemeinsam einen Kleidungsstil, der Ishmael als Person entspricht.1 Das ist der zentrale Punkt, um den sich dieser Text drehen soll.

Kleidung ist eines der hauptsächlichen Zeichen, die wir an die Welt senden und es generiert damit in der Welt einen großes Teil des Bildes, das wir von uns senden wollen, und auf das die anderen Menschen da draußen reagieren. Das bedeutet, dass Kleidung Identität für uns und gegenüber der Welt generiert. Diese Identität ist das Ergebnis einer Sozialisation2 und das bedeutet natürlich auch, dass die Analyse des Kleidungsstils Rückschlüsse auf die Sozialisation und damit die Identität zulässt, auf der das alles aufbaut. Menschen tragen also ihre Einstellungen, Sichtweisen und auch ihre Funktionen am Körper. Letzteres ist natürlich im wirtschaftlichen und beruflichen Kontext klar, und deswegen etwas, über das ich mich mal getrennt auslassen. Menschen sehen also Kleidung und äußerliche Erscheinung als Zeichen ihrer Persönlichkeit und Identität. Ich sehe so aus, wie ich aussehe, weil ich das möchte. Das bedeutet nicht, dass ich nicht Kleidungsstile annehme, die von verschiedenen sozialen Gruppen generiert werden, aber die Wahl obliegt erst einmal mir. Vor allem auch, die Entscheidung, wie sehr ich diese Kleidungsstile adaptiere oder nicht. Ich nehme mich mal als Beispiel. 

Wer mich auf Großveranstaltungen wie dem Congress getroffen hat, weiß, dass ich eigentlich immer in schlapprigen „Goa-Hosen“ rumrenne. Die sind halt total bequem und gleichzeitig ungewöhnlich. Dazu trage ich meist irgendwelche Nerdshirts und eine Jacke im Paganstil oben drüber.3 Das sind Klamotten, die mir gefallen in denen ich der bin, von dem ich denke, ich bin ich. Bedeutet das, dass ich arabische Kleidungsstile kulturell appropriiere? Nein, allein schon weil dieser Stil der Hose eigentlich auf der ganzen Welt verbreitet war. Sackartige Schnitte sind halt einfach zu gestalten. Es ist halt bequem und nicht normal und das gefällt mir irgendwie. Es ist mehr „ich“ als mich in enge Jeans zu zwängen oder aber Hemden und Unterbauchhosen anzuziehen, die ich nur im Übergrößenhandel shoppen kann. Stattdessen nehme ich die Gestaltung meines Wahrgenommenwerdens in die eigene Hand und zähle öfter mal die Leute, die mich blöde auf der Straße ansehen.

Diese Wahl der eigenen Kleidung ist grundsätzlich von Verkleidungen zu unterscheiden, auch wenn das anscheinend vielen Menschen schwer fällt, die glauben, dass alles was nicht dem modischen Mainstream entspricht eine „Verkleidung“ ist. Dabei funktionieren Verkleidungen nur im Kontrast zu einem „normalen” Kleidungsverhalten. Ich selbst fühle mich im Anzug zur Abiturfeier verkleidet und obwohl ich etwas dafür tue, dass da immer noch Persönlichkeit durchscheint, finde ich diese Kleidung als überhaupt nicht meinem Bild von mir entsprechend. Dadurch wird eine Verkleidung. Wenn diese Verkleidung mit Kleidung verglichen wird, verwechselt man Identitätsebenen. Bei Verkleidungen wird die eigene Identität durch den Kontrast mit dem hergestellt, dass normalerweise der Identitätsgenerierung dient. Wenn du ein Langweiler in Jeans und Polohemd ist, dann ist das Tragen meiner Klamotten ein Kommentar darüber, dass du immer noch ein Langweiler in einer Goa-Hose bist. Der Kontrast macht Verkleidung wirksam. Erst von aus der Verkleidung die Kleidung wird, dann dreht sich die Identitätsgenerierung um.

Wir sind also, was wir tragen wollen und tragen. Doch wir sind auch, die Person, die sich in anderen Sachen unwohl fühlt. To be who we think we are, has a lot to do with what we wear…

  1. Hört den Rest der Szene, weil nunja, er ist sehr schön menschlich… []
  2. Wir sind überrascht… []
  3. Wer genauer das genauer wissen will. Es gibt da einen Blogpost. Es fehlt meine Winter- und meine Übergangsjacke, aber ansonsten ist das vollständig. []

Der große Fotoequipment-Post – mit Fotos!

Ich fotografiere ja regelmäßig und hatte vor einiger Zeit mal aufgeschrieben, warum ich welche Kamera gern hätte. Nun habe ich endlich den Fuhrpark, den ich gerne hätte und eigentlich sogar mehr, also stelle ich das ganze Spielzeug mal vor. Mit Bildern der Geräte und so weiter… ich verlinke keine Shops oder sowas. Ihr dürft selbst danach suchen.

Kameras

The trusty K-30

Ich habe mich damals mehr so intuitiv für eine Pentax K-30 entschieden. Zum einen, weil ich ein stabiles wetterfestes Gehäuse haben wollte und mich schon immer zu den kleineren Marken hingezogen fühlte. Am Ende habe ich sie echt lieben gelernt. Sie ist relativ klein, handlich und durchaus leistungsfähig, insbesondere auch bei niedrigen ISO Zahlen in eher dunklen Verhältnissen.1  Dazu ist sie im Vergleich zu den Canons, die ich in der Hand hatte tatsächlich irgendwie mehr feature-complete. Das Menü ist relativ übersichtlich2 und für eine Kamera im unteren Segment sind die zwei Einstellräder echt super. Hier auf dem Bild ist sie mit meinem Lieblingsobjektiv für die K-30 zu sehen, dem 40mm Pancake. Damit ist sie wirklich eine Art unauffällige Streetkamera.

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Das Wunschgerät die K-3 II

Es gab so die eine oder andere Sache, die mir an der K-30 gefehlt haben. Ganz vorne dabei ist das fehlende GPS. Das Problem wird durch die K-3 II behoben, die keinen Blitz und dafür besagtes GPS hat. Dazu besitzt sie die Pixel Shift Auflösung, bei der die Kamera tatsächlich jeden Pixel in allen Farben ablichtet und nicht die Farben zusammenrechnet.3 Dazu ist sie natürlich höher aufgelöst, hat eine bessere Bildstabilisierung und so weiter. Das ist irgendwie klar, wenn die Kamera ca. 3 Jahre jünger als die K-30 ist. Sie ist jetzt nicht das modernste auf dem Markt, aber das, was ich immer haben wollte. Auf dem Bild sehr ihr sie mit ihrem neuen Dauerfreund, meinem Tamron 18-200mm Reisezoom.

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Glas

Hier ist erstmal ein Bild aller Objektive.

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Fangen wir links mit dem kleinsten an. Das smc DA 40mm F/2,8 Pancake wurde mir relativ preiswert von einem Podcasthörer und Twitterfollower verkauft und ich bin bis heute sehr dankbar. Ich dachte nicht, dass mir das so einen Spaß machen würde. Gerade die K-30 macht das schmale Profil zu einer wirklich handlichen Kamera. Dazu gefällt mir die Brennweite an einer APS-C Kamera unheimlich gut. Wenn ich nicht gerade auf Reisezoom bin, ist das 40mm wirklich mein Lieblingsobjektiv.

Danach kommt mit dem smc DA 50 F/1,8. Die Standardlinse für das Portrait mit dem verschwommenen Bokeh, nach dem Kit und dem Reisezoom, meine dritte Linse. Es gibt sehr schöne Bilder, die ich mit ihr gemacht habe. Ich bevorzuge nur das 40mm vom Bildwinkel mehr. Wenn es aber wirklich mal die große Tiefenunschärfe sein muss, dann kommt das 50mm aus der Tasche.

Das smc DA 18-55mm F/3,5-5,6 WR. Das WR ist wichtig. Das Kitobjektiv benutze ich eigentlich nicht. Es kommt zusammen mit dem anderen WR Zoom nur in die Tasche, wenn es in Strömen regnet. Das WR ist nämlich die Allwettervergütung. Das Ding hat eine Extradichtung und so weiter. Es sieht sehr wenig Einsatz.

Das gilt auch für das smc DA 50-200 WR habe ich vielleicht zweimal an die Kamera geschraubt. Auch dieses Objektiv habe ich von einem freundlichen Hörer sehr preiswert bekommen. Es ist vor allem noch in der Sammlung, falls ich wirklich mal ganz dringend im Regen fotografieren muss.

Das Tamron 18-200mm F/3,5-6,3 Di II ist meine Allzweckwaffe. Ja, es gibt besseres und teureres von Sigma und Pentax selbst aber das Tamron hat mich bisher noch nicht enttäuscht. Nahezu alle Bilder, die ich wirklich mag, sind mit diesem Objektiv entstanden. Es kann ziemlich verzerren, aber für sowas gibt es ja Lightroom. Bildbeispiel:

Berlin at Night 2

Sonstiges Spielzeug

Capture Clip und Three-Legged Things Corey

Zum Fixieren der Kamera hatte ich längere Zeit ein relativ preiswertes Stativ, das dann irgendwann von Isabell gemundraubt wurde.4 Das habe ich dann gegen ein Corey von Three Legged Things ausgetauscht. Das ist ein kleines Reisestativ mit etwas vielen Schrauben, das aber ein wichtiges Feature hat: die Stativplatte passt auch an den Capture Clip von Peak Design. Das ist eine Halterung, an die man einfach die Kamera anklippen kann, wenn man sie bereit haben möchte, aber ansonsten sicher verstaut wissen will. Diese Synergie brachte mich zum Stativ und ich bin damit sehr zufrieden. Es wird mit der Pixel Shift Auflösung der K-3 II wohl noch etwas mehr Einsatz sehen. Die Stativplatten und die Platte des Capture Clips könnt ihr oben an die Kameras angeschraubt sehen.

Yongnuo LED Striplight

Als ich auf dem Villaworkshop Mensch in Hannover keine Idee für mein ausgefalleneres Portrait hatte, drückte mir Chris Marquardt so ein Teil in die Hand. Es ist im Prinzip ein Leuchtstab, der in verschiedenen Farben eingestellt werden kann, dazu noch in verschiedenen Weißtönen und so weiter. Dabei entstehen unter anderem solche Bilder.

Lichtexperiment II

Peakdesign Everyday Backpack

Ich habe zwar zwei Fotorucksäcke von Deviantart5, aber der aktuelle Fotorucksack ist auch mein täglicher Rucksack für die Arbeit. Das Everyday Backpack ist nicht preiswert, aber unheimlich flexibel, robust und auch ganz hübsch. Für den Fotoeinsatz kann man Teiler einsetzen, die Seitentaschen sind farbkodiert für volle und leere Akkus. Ich habe schon ausprobiert das komplette restliche Equipment reinzustopfen und dranzuhängen und das funktioniert sehr gut. 

Ansonsten habe ich noch eine Handschlaufe, ein paar Nackenstrappen und Filter für das Tamron, und das war es. Ich bin, wie gesagt, sehr zufrieden damit.

  1. Für eine Kamera im „Einsteigersegment“… []
  2. Ich kann sagen, dass mich Canons immer wieder verwirren und dass die D70 in der Schule einfach nur eine Katastrophe in der Einstellbarkeit ist, gegenüber meiner kleinen Pentax. []
  3. Ja, total nerdy… und es funktioniert nur mit Landschaften und nem Stativ. []
  4. Sie braucht das mehr, sie ist der Profi und hat mittlerweile auch ein neues. []
  5. Fragt nicht… lange Geschichte. []

WMDEDGT – 5.2.2018

So, heute ist wieder Tagebuchblogposttag und diesmal habt ihr den Jackpot erwischt. Montag ist lang.

6:55 – Ich bin vor zehn Minuten ausm Bett gefallen und gehe gleich mit dem herzallerliebsten Schnuffeltier die Morgenrunde. 

8:15 – Um 7:35 klingelte die Armbanduhr auf der Hunderunde und eröffnete mir in der Stimme des stellvertretenden Stundenplaners, dass ich auch die erste Stunde unterrichten sollte. Das würde dann 9 Stunden am Band am Montag machen.1 Das ist dann eigentlich schon scheißegal. Also versorgte ich das Tier und sattelte das Pferd. Pünktlich zehn Minuten vor Unterrichtsbeginn schnippte ich in das Lehrerzimmer, nur damit mir der Stundenplanerchef sagte, dass 9 Stunden dann etwas unzumutbar wären und mir Nachmittagsstunden dafür gestrichen werden. Das ist nicht so einfach, weil die Klasse aus der ich das hier gerade schreibe ist nicht meine letzte am Tag. Ich bin gespannt, mache aber auch die 9 Stunden, wenn ich dann Donnerstag erst zur 5. habe. PS: Diese Verlängerung meiner Stunden verdanke ich einem eher unzuverlässigen Kollegen, der auch gern strategisch an Klassenkonferenzen krank ist.

12:00 – So, mittlerweile sind drei Sozialkundestunden rum. In zweien haben wir uns über die Vorstellungen der Schülerschaft zur Zukunft der EU unterhalten, und einmal den Gesetzgebungsprozess nachgespielt. In der Englischstunde gab es die Schulaufgabe zurück und eine Predigt zur weiteren Schullaufbahngestaltung aus der Sicht der Person, die es unterrichtet. Jetzt sitze ich im Englischunterricht und lasse die Schülerschaft eine beschissene Grafik beschreiben, weil ich die schönen dank Zeitdruck heute morgen nicht kopieren konnte. Dafür habe ich den Nachmittag auf eine Stunde heruntergekürzt bekommen. Wenn die Schülerschaft fertig mit der Beschreibung ist werden sie eine möglichst gute zusammenschreiben und dann schaue ich die für alle unter der Dokumentenkamera2 an.

13:00 – Ich sitze im Lehrerzimmer und mampfe erst den Opportunitätshamburger vom Hausmeister und dann etwas harte Sushi und dann das Hipster Popcorn. Dann hole ich noch schnell das Paket vom Drop-Off Point in der Nähe der Schule und dann in die letzte Stunde für heute.

15:30 – Ich bin dann mal schon gegen 15 Uhr daheim gewesen, nachdem die Stundenplanung meinte: „Du arbeitest nicht 9 Stunden durch!“ Dafür hat dpd schon das zweite Mal ein Paket für mich nicht geliefert. Nach einem Gespräch mit einer netten Dame an der Hotline stellte sich heraus, dass es zweimal nicht ins Auto geladen wurde. Ich bin verwundert.

18:15 – Ich konnte etwas abruhen und bin jetzt irgendwie wieder halbwegs zugänglich, Entspannungskopfschmerz nervt und ich mache heute nix mehr, außer diesen Blogpost veröffentlichen. Okay, ich sitze noch bis 21 Uhr im Jugendtreff rum. Hoffentlich mit wenig Kundschaft…

  1. Nur so: ich hab 23 Wochenstunden. Das ist also mehr als ein Drittel. []
  2. Neudeutsch: Visualizer []

Authentische Kommunikation und Social Media

Ich habe mich vor einiger Zeit mal kurz darüber geäußert, warum formularische SEO-Bullshit Tweets und ähnliches soziales Vernetzungsgebaren auf sozialen Netzwerken soziologisch gesehen peinlich und kontraproduktiv ist. Und weil ich zu gesteigerter Eristik neige, erkläre ich jetzt mal warum das alles Quark und nicht ernstzunehmen ist. Dabei mache ich mich natürlich über alle Vertreter dieser Religion lustig. Doch, wie immer, für die Lernfreudigen etwas Grundlagen.

Aufmerksamkeitsökonomie

Wir sind ja auf dem besten Weg zu Post-Scarcity, jedenfalls wenn es um die Phantasien verschiedenster Wirtschaftler und Utopisten geht. Ob das so wird, oder nur Full-Scarcity ist noch nicht raus. Sicher ist allerdings, dass die Herstellung von Produkten durch menschliche Arbeitskraft wohl immer mehr abnimmt. Wir sind jetzt schon in sogenannten Dienstleistungsgesellschaften und mit den sozialen Medien hat sich eine komplette virtuelle Wirtschaftswelt entwickelt. Seit Bitcoin wissen wir, dass eine Menge von Nullen und Einsen den Wert sehr vieler physischer Produkte übersteigen kann. In dieser tollen neuen virtuellen Wirtschaftswelt gibt es allerdings eine Kategorie, über die wirtschaftlicher Wert generiert wird: Aufmerksamkeit. Nachdem nur noch zählt, wer was zu sehen bekommt, ist Aufmerksamkeit die einzige Währung, die wirklich zählt. Wer wahrgenommen wird, hat Wert und wer nicht, der nicht. Das können wir jetzt schon bei Youtube Stars und Influencern1 sehen.

Die Frage ist jedoch, wie generiert man nun als wirtschaftlich orientiertes Wesen Aufmerksamkeit und damit Geld in dieser Art von Ökonomie?

Kundschaft und Plattform

Die Antwort auf diese Frage hat zwei grundlegende Dimensionen, die der Kunden und die der Plattformen. Beide haben miteinander zu tun, aber in unterschiedlicher Ausprägung. Die Kunden sind der einfachste Ansatz, aber interessanterweise auch das, was am meisten falsch verstanden wird. Es wird zwar immer behauptet, dass die User also die normalen Menschen da draußen diejenigen sind, die in der Aufmerksamkeitswirtschaft die bezahlenden Kunden sind, aber das stimmt großflächig nicht. Zwar gibt es Angebote, die von direkten Spenden ihrer Zuhörer und Abos leben können, diese sind jedoch in der Unterzahl und das meiste davon wird mittlerweile auch über Plattformen abgewickelt, die dann wiederum zumindest zum sekundären Kunden werden, der auch immer mit befriedigt werden muss. Das bedeutet, dass die Adressaten zwar das eigentliche Publikum sind, das die Aufmerksamkeit spendet, aber nicht die Gruppe, die am Ende das Geld generiert und diese Gruppe ist die eigentlich wichtige.

Die Übersetzung von Aufmerksamkeit in Geld findet derzeit hauptsächlich über die verschiedenen Spielarten von Werbung statt, die wiederum primär durch die Plattformen mit den Inhalteanbietern verbunden werden. Damit ändert sich dann, wie oben gezeigt, aber der Kunde des Anbietenden. Die Werbetreibenden werden zum primären Kunden des Anbieters und die Plattformen werden zum Mittelsmann zwischen beiden. Um also die generierte Aufmerksamkeit in Geld zu übersetzen scheint derzeit der Königsweg zu sein, sich über eine Plattform oder direkt an die Werbewirtschaft zu verkaufen. Dabei bestimmt diese dann langfristig auch den Inhalt und beschränkt die eigene Freiheit, da sie nur Botschaften haben möchte, die bestmöglich mit der vordefinierten Zielgruppe resoniert2. Die Plattformen sind hierbei die Regulierungsinstanzen, die von vorneherein versuchen werbefreundliche Produkte zu bevorzugen. Das bedeutet, dass Inhalte hauptsächlich den Plattformen und Werbetreibenden gefallen müssen und die Aufmerksamkeit nur dafür generiert wird.

Die Rolle der Plattformen ist dabei besonders perfide, können sie doch den Aufmerksamkeitsstrom und die Werbungsverteilung regulieren. Das wird von Google, Facebook und so weiter schon in großem Umfang getan und das Geweine, das darauf folgt führt dann zum nächsten Problemfeld, das viel mit dem Missverstehen von social media und den sozialen Konstrukten, die da in den entsprechenden Benutzerkreisen gelten, zu tun.

Social Media Marketing-Schwachsinn für 1000

Über den Umgang mit social media gibt es unterschiedliche Ansichten. Die zwei großen Strömungen können grob in die Fraktion der authentisch kommunizierenden Menschen und die Strömung der Social Media Marketing Professionellen unterteilt werden.

Erstere sind relativ einfach abzuhaken. Menschen benutzen social media um mit anderen Menschen authentisch zu kommunizieren. Dabei geht es darum Beziehungen aufrecht zu erhalten und zu gestalten. Sehr oft sind hier auch Beziehungen im echten Leben gemeint. Social Media in diesem Sinne schafft ein Profil der Person, das meist eine hohe Kongruenz mit dem Profil in der realen Welt zu tun hat. Dadurch schaffen sich auch Beziehungen und die Aufmerksamkeitsökonomie ist am stärksten, nämlich durch das Empfehlen von Bekannten, denen die Personen vertrauen. Das ist auch das, was Facebook mit seiner aktuellen Kampagne wieder möchte, bei der private Nachrichten wieder im Feed hochgewichtet werden. Nur diese eigentlich belanglose private und authentische Kommunikation hält nämlich Menschen auf Facebook und damit das Engagement hoch. Die selbe Logik gilt auch für Instagram, wo wir zeitnah sehen werden, dass die ganzen Influencer an der Fakeheit ihrer Kommunikation scheitern werden. Denn das ist die andere Art mit Social Media umzugehen.

Diese besteht aus der Idee, dass es Kommunikationsregeln gibt, die auf jeden Fall Erfolg auf Social Media bedeuten. Und die Grundregel hier ist Vernetzung.3 Deswegen ist es nicht wichtig, dass die Kommunikation authentisch ist, sondern möglichst viel Botschaft mit möglichst vielen Multiplikatoren enthält. Denn wenn ich die Aufmerksamkeit von diesen erhalte, dann gibt das irgendwie mehr Erfolg. Die Logik dahinter ist dieselbe wie oben genannt: ich verwechsele die Leute, die mir Geld geben mit den Leuten, wegen denen mir Geld gegeben wird. Das Problem ist, dass diese Art von Kommunikation vergisst, dass social media das Verbreitungsmedium ist und nicht das Beschaffungsmedium. Ich kann zwar in spezifischen professionellen Kreisen Aufmerksamkeit für mich generieren, aber eigentlich sollte ich direkt mit der Zielgruppe interagieren. Die ganze Social Media Marketing Strategie zielt allerdings darauf ab, möglichst unauthentische und manipulierte Botschaften zu senden, von denen man denkt, dass sie definitiven Erfolg haben. Das stimmt, allerdings nur bei den Kreisen, die denselben Cargo-Culten anhängen.

Wir beten alle mal, damit wieder ein Flugzeug landet.

Obwohl alles, was oben gesagt wurde länglich bekannt ist, und gerade wir Podcastnasen das auch immer wieder beweisen,4 wird an vielen Stellen der Industrie immer noch der Cargo Cult der gesteuerten Social Media Kommunikation gebetet. Das wird dann auch allen jungen professionellen Anfängern in dem Bereich beigebracht, gern an Unis gelehrt und resultiert darin, dass alle sich gegenseitig vorbeten, dass es gut funktioniert, weil der Rest genauso auf die Gebete handelt, wie man selbst. Allein, die echte Zielgruppe, diese Menschen, die irgendwie die Texte lesen, die Videos schauen und damit die Werbung konsumieren sollen, die werden nicht angesprochen. Stattdessen wird ein autonom arbeitendes System von Medienschaffenden kreiert, für die Chartbeat und Social Media Esoterik einen Erfolg garantieren sollen, den sie nur mit zweifelhaften Daten messen können.

Daran ist besonders interessant, dass es in der PR-Branche eigentlich bekannt ist, wie am besten Engagement hergestellt wird, nämlich durch die oben genannte Authentizität und Relevanz. Allerdings scheint es da auch noch Experten aus dem Bereich der Leute zu geben, die das gerne irgendwie betriebswirtschaftlich plan- und abrechenbar mit Erfolgsgarantie hätten. Also werden werden dämliche Kochrezepte in Gebetskreisen zum social media Erfolg herbeigebetet, die von freischaffenden Priestern geleitet werden, die nix von dem glauben, was sie erzählen, aber gut Rechnungen schreiben. Gerne führt das dann auch noch dazu, das immer mehr Geld auf disfunktionale Interaktion geworfen wird, weil ja die Strategie nicht falsch sein kann, sondern nur die Anstrengung fehlt.

Sei du selbst…

Das ist alles hochgradig amüsant, würde es nicht so viel Geld kosten und gleichzeitig strukturell diejenigen Stimmen unterdrücken, die tatsächlich einen Mehrwert für die Gesellschaft und nicht nur für ein scheiternde Medienwelt haben. Diese anderen Stimmen haben oft keinen schnellen Erfolg, aber dafür meist den nachhaltigeren.

  1. Allein das Wort ist schon peinlich… []
  2. Also bitte nicht solche Texte hier… []
  3. Ja, da kommen noch mehr Bullshitvokabeln, keine Sorge. []
  4. Ja, die Monetarisierung ist noch nicht so gut… []