Unerträglich

Puh, ich habe lange nicht mehr gebloggt. Also, so mit Inhalt und Länge und so… und dieses Mal wird es wohl persönlich.

Ich bin erst einmal weg von Twitter, und generell habe ich keine Lust mehr auf mehr als auf die Auftritte in den üblichen digitalen Audioformaten.

Ich ertrage das hier alles nicht mehr. Und das ist nicht nur, dass mir der beginnende Herbst aufs Gemüt schlägt. Die Blindheit des gesellschaftlichen Diskurses dafür, was er mit den Beteiligten, aber auch mit den Unbeteiligten macht, ist schier himmelschreiend. Ich habe in den ersten vier Wochen meines Schuljahres mehrfach gewünscht, ich hätte noch eine Schulpsychologin im Haus. Ich sehe überall verlorene und verzweifelte junge Menschen, die nicht mehr wissen, wie sie mit dieser Welt umgehen sollen und die auch keine Mittel mehr dafür haben.

Und dann? Dann schaue ich in meine Medien und sehe nur: sinnlose Konflikte, denen eine Selbstzentriertheit zu Grunde liegt, die jeden Neoliberalen glücklich macht, Wünsche nach Totalitarismus, zusammengebrochene politische Kommunikation, das ist alles normalisiert und niemand wundert sich, was es wohl bedeutet, wenn es so stattfindet und sich dadurch etabliert. Ich weiß nicht, wovor ihr so Angst habt, aber ich kann euch sagen, dass ihr davor Angst haben solltet, dass ein Großteil der jungen Menschen nicht mehr mit mir über Politik diskutieren. Es ist ihnen egal und ich kann es verstehen. Mir sind nur die Leute genauso wenig egal, wie die Regelung des Zusammenlebens und deswegen muss ich dann irgendwann erstmal aufhören zuzusehen.

Aus dem Politischen ist erst ein Schlachtfeld geworden, über dem jetzt die verbrämten Geier und Krähen kreisen, die sich an den verrotteten Resten des Gemeinwesens noch fettfressen können. Und damit sie auch genug bekommen, wird gleich die nächste Schlacht ausgerufen und am Ende fragen sich alle, wo denn die fetten Aasvögel herkommen, die wir nicht mehr loswerden.

Wenn diese Welt zu retten ist, dann geht das nur gemeinsam… und vor allem dadurch, dass wir Dinge tun. Und alles andere ertrage ich nicht mehr, so lange ich damit beschäftigt bin einen Teil dieser Dinge zu tun…

See you somewhere near a bar.

wmdedgt September 2018

Ich mache mal wieder mit bei Frau Brüllens wmdedgt (was machst du eigentlich den ganzen Tag?)

Heute fing früh an mit sechs Stunden Schule. Die letzten habe ich mir etwas gespart, weil ich das selbst entscheiden kann. Es ist noch Anfang des Schuljahres, aber es zeigen sich schon wieder bedenkliche Muster… krank in die Schule kommen, weil Leistungsnachweise angeblich wichtiger sind, Themen den Lehrern geben, weil man mehr Stoff haben möchte. Ich bin etwas konsterniert. 

Danach ging es heim und auf eine kleine Wanderung auf die Altenburg hier in Bamberg mit den Kindern vom Kidstreff. Es war geiles Wetter, sonnig aber frisch. Hier ein paar Impressionen…

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Und nun schaue ich Baseball. 🙂

HCH031 Advi liest: Nathan Lowell - Trader's Tales

Diesmal geht es tatsächlich über ein Audiobuch. Eine alte Leidenschaft, nämlich die Trader’s Tales von Nathan Lowell. Ich gehe gar nicht erst davon aus, dass ihr das kennt. Aber vielleicht wollt ihr mal zuhören. Es ist stilistisch wie inhaltlich ein eher eigenartiges Werk, aber für mich funktionierte es und mir sagt es auch was.

Schulvisionen – Update 2018

Vor etwas mehr als fünf Jahren habe ich diesen Blogpost dazu geschrieben, wie ich mir moderne Schule vorstelle. Ich glaube es wird Zeit, mal zu sehen, ob ich dazu etwas mehr zu sagen habe.

Weg mit Schulstunden
Die Schulstunde ist ein Relikt aus einer Zeit, in der man glaubte, dass rhythmische Arbeit sinnvoll ist. Wir leben in einer Dienstleistungsgesellschaft mit flexiblen Arbeitszeiten, also was soll das noch? Dazu sollte Schule ein Ort sein, in dem man sich frei mit Informationen und Wissen beschäftigen kann. Die frontale Schulstunde ist blödsinnige Zeitverschwendung in einer Welt in der nahezu jegliches Wissen über das Netz oder zumindest Zugang zu Büchern erhalten werden kann. Dazu kommt, dass die Didaktiker seit Jahren davon erzählen, dass man explorativ lernen soll, induktiv und handlungsorientiert. So, warum also Schulstunden? In 45 Minuten kann man doch eigentlich keine sinnvollen Zusammenhänge erforschen lassen, die Schüler an Informationen  ihr Wissen selber bilden oder sie was herstellen lassen. Also weg mit dem Blödsinn, nebenbei kann ich mich dabei um weitaus mehr Leute mit mehr Aufmerksamkeit kümmern. Warum?

Die Erfahrung der letzten Jahre hat mir gezeigt, dass das immer noch genauso wahr ist. Weg mit dem Quatsch.

Projektorientierte schülerzentrierte Aufgaben und Betreuung
Die Antwort auf die Cliffhangerfrage ist einfach, dass man Schülern mehr Freiheit im Erforschen der Welt geben sollte und sich als Lehrer mehr darauf verlegen sollte Probleme und Fragen der Schüler zu lösen. Der Lehrer ist nicht mehr der vorbereitende Mensch, der sagt was, wie, wo gelernt wird, sondern derjenige, der Format und Inhalt mit den Schülern abstimmt und sie berät. Daraus ergeben sich dann schon die nächsten Forderungen.

Auch immer noch richtig. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass ich in der beruflichen Oberschule mit hart erlernten Strategien zu kämpfen habe, die damit zu tun haben, eine Aufgabe möglichst gut ohne eigentlichen Lernerfolg zu bewältigen. Also das Erfüllen der Regeln der Aufgabe ohne den Inhalt zu erfüllen.

Ich will ein Büro! Mit Couch!
Die Schule voller Klassenräume ist ein Raum in dem kreatives Lernen schwer möglich ist. Sie ist primär eine Präsentationsbühne für die Lehrkraft und kein Raum zum kollaborativen Arbeiten. Wir brauchen Schulen mit offenen Plätzen, weiten Räumen, schnellem WLAN, Einzelarbeitsplätzen und Konferenzräumen und damit auch mit Büros für die Lehrkräfte. Da gehört dann neben einem Arbeitsplatz auch eine Couch, eine Tafel und sowas rein, denn die Schüler sollen auch die Möglichkeit haben, jederzeit als Gruppe oder allein die Lehrkraft aufzusuchen und um Hilfe zu bitten. Je weniger desto besser, aber es ist viel effektiver Menschen bei ihren Problemen zu helfen als ihnen zu sagen, was sie wie zu denken oder zu bearbeiten haben. Dabei können wir dann sogar mehr Schüler in der gegebenen Zeit intensiver betreuen. Damit das dann auch erzieherisch klappt, brauchen wir dazu auch:

Mehr Sozialarbeiter und Erzieher
Denn ernsthaft, wir Lehrer sind Experten im Inhalte vermitteln, wir sind nicht unbedingt perfekt geschult für das Erzieherische und wir haben eine andere Autorität als ein Sozialarbeiter hat. Wir haben hoheitliche Aufgaben und Befugnisse, aber wir sind auch andere Leute als diejenigen, die dir zuhören und mit denen du über deine privaten Probleme redest. Damit beschäftigt sich implizit auch die nächste Forderung, aber gerade die intellektuelle Seite bei der Lehrerschaft ist glaube ich sehr glücklich, eher intellektuell zu sein. Doch uns steht noch eine andere Problematik im Weg, die den Lehrer in seiner neuen Aufgabe als Berater und Mentor einschränkt.

Beides immer noch richtig. Letzteres ist noch wichtiger geworden.

Zentrale kompetenzorientierte Leistungstests
Eines der größten Probleme, die man systembedingt als Lehrkraft hat, ist, dass die Leistungsmessung in der selben Hand wie die Leistungsvermittlung liegt. Dazu kommt, dass einem nicht vorgeschrieben wird, welche Kompetenzen der Schüler erlernen soll, sondern welche Spiegelstriche einer Liste mit Informationen man ihnen ins Hirn prügeln soll. Das ist eine Weisheit der modernen Pädagogik und Didaktik, die da beide Recht haben. Um aber die oben genannte Freiheit in der Betreuung der Schüler zu haben, sollte die eigentliche Leistungsmessung nicht mehr von der selben Person durchgeführt werden, die auch den Unterricht gestaltet. Da kann man ansonsten weder überprüfen, ob die Leistungsvermittlung effektiv und zielgerichtet ist und man öffnet Manipulationen Tür und Tor. Das ist einer der Hauptgründe, warum Schulzeugnisse eigentlich kaum das Papier wert sind auf dem sie stehen und als institutionalisiertes kulturelles Kapital auch immer weniger ernst genommen werden.

Wären die entsprechenden Tests standardisiert und von einer dritten Partei durchgeführt, dann könnte man garantieren, dass ein erreichtes Level auch eine Wert hat. Konsequenterweise kann man anhand der erreichten Niveaustufen eines Schülers diesen besser betreuen und fördern als ihn dumm eine Jahrgangsstufe wiederholen zu lassen. Anhand dieser Kompetenzstufen kann dann auch eine sinnvolle Selektion für die Universität oder Wirtschaft stattfinden. Diese wird auch den individuellen Stärken und Schwächen des Einzelnen mehr gerecht als diese eindimensionale Bewertung, die wir da jetzt so haben und bei der nicht einmal die Skala passt. Das braucht man halt in nachvollziehbar und definiert und evaluierbar.

Und als Synthese mit dem vorhergehenden Punkt: Lehrer sein, sollte sich auf bilden und Fürsorge konzentrieren, nicht auf das Messen von Leistung. Die Menge an jungen Menschen, die im System, mit sich oder mit ihrem Umfeld verloren und Spielball der Gesellschaft sind, steigt von Jahr zu Jahr. Dabei ist egal, ob es sich um diejenigen handelt, die blind der heiligen Religion des Neoliberalismus folgen, oder denjenigen, die mit sich nicht klar kommen, mit den unsichtbaren, den zu sichtbaren oder denjenigen, die sich verstecken, während sie sich dringend zeigen müssen. LehrerInnen müssen für sie alle da sein, zusammen mit den Sozialarbeitern und Schulpsychologen. Der Fokus von Bildung kann eben nicht nur das Wissen und die Selektion sein. 

We also need to care for people.

HCH029 Advi liest: Neil Gaiman - The Sandman

So, diesmal lese ich das gerade gar nicht aktuell, sondern spreche schlicht aus dem Kopf über das Werk, das ich wohl am intimsten kenne. The Sandman war Thema meiner Zulassungsarbeit zum Staatsexamen und ist immer noch eines meiner Lieblingswerke. Ich spreche etwas über den Inhalt, ein paar literaturwissenschaftlich interessante Themen zum Werk und die Welt, die Gaiman baut. Sandman hat eine stehende Leseempfehlung von mir.

Shownotes

WMDEDGT – Juli 2018

Ja, ich laufe dem ganzen etwas nach mit einem Blogpost am nächsten Morgen, aber ihr werdet gleich sehen, warum das so ist. Der 5. Juli 2018 war nämlich einer dieser Tage, die nur selten im Jahr stattfinden und deswegen ist das eher speziell.

Ich fiel gegen 6 Uhr aus dem Bett und bewegte Flocke in den sonnigen Morgen hinein. Nach dem Frühstück ging es los Richtung Schule, um zwei Workshops zum Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten mit Word und LibreOffice zu halten. (Tagline: wenn du so, wie du Word benutzt Auto fährst, dann bist nur im ersten Gang mit Vollgas unterwegs.)

Dann stürzte ich aus der Schule heraus und nach Hause, um mit Flocke durch die Hitze zu gehen. Das arme Tier hatte gestern sehr wenig von mir und dafür aber etwas mehr Beschäftigung durch eine Freundin. Nach einem schnellen Mittagessen, stieg ich in meinen Anzug1 und fuhr zum Friseur, um mich für die Abifeier aufhübschen zu lassen. Dabei kam dann dieses Kunstwerk heraus:

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Ja, das ist ein hellrotes Hemd. Es steht mir erstaunlich gut. Nachdem das schon mal hübsch war, ging es weiter zu Veranstaltungshalle. Die Schule feiert aus Menschenmassengründen in einer großen Basketballhalle.2 Die professionelle Technik baute gerade auf und die Schülerschaft hatte schon dekoriert. Dann kam es zum einen oder anderen technischen Problem und kleinen Unfällen mit der Deko, die dazu führten, dass wir irgendwie nun auch noch Menschen von Nervenzusammenbrüchen beschützen mussten und irgendwie dieses Ding über die Bühne musste. Wir haben es hinbekommen. Alle Absolventen waren glücklich, die Eltern auch, die Schulleitung auch. Alles toll.3

Dann ging es heim, aus den komischen Klamotten, in denen ich mich verkleidet fühle, in die komischen Klamotten, in denen ich mich wohl fühle, und dann erst einmal im Jugendtreff eine Stunde runterkommen. Mit dem besten Beerencider, den ich kenne:IMG 0835

Gegen 22 Uhr in die Bar, in der die Schülerschaft mich haben wollte. Da ein paar gute Drinks getrunken und festgestellt, dass ich noch nicht weiß, ob ich diese Lokalität der üblichen Bar vorziehe.4 Dann zur Partylocation der Schülerschaft und noch etwas mit Leuten geredet. Es gab immer noch Menschen, die on-edge waren, wegen allem… schwierig. Und dann fiel ich irgendwann gegen 2 aus dem Taxi in mein Bett.

So… ja… das mache einmal im Jahr den ganzen Tag. Und nun werde ich mit Flocke in einen trüben Morgen gehen, etwas frühstücken und dann rekonvaleszent in die Sauna gehen. Gehabt’s euch wohl!

  1. Ja, ich habe sowas… []
  2. Wir haben insgesamt über 1000 Menschen in dem Raum. Alle anderen Säle, die das fassen sind der große Saal der Bamberger Symphoniker und die Brose Arena des örtlichen Mehrfach-Basketballmeisters. []
  3. Wie war das bei Terry Pratchett Opera happens because a large number if things amazingly fail to go wrong. []
  4. Sie liegt näher, aber hm… weniger coole Drinks… Dafür noch mehr Hipsterfeeling… []