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Jahresendwünsche

Grenzen sind spannend. An Grenzen können sich Dinge ändern. Heute ist eine künstliche Grenze, aber die hat auch jede Menge Macht, weil ja alle daran glauben, dass sie existiert. Also, denkt daran, dass sich hier Dinge ändern können…

Ich wünsche euch ein gutes Herüberkommen über diese Grenze… und, dass sich für euch alles zum besseren ändert.

Normalitätsupdate 04.05.2015

Heute ist der 4. Mai 2015. May the fourth be with you.

Heute:

London Calling 2015

So, auch dieses Jahr war ich wieder in London mit meinen Schülern. Dieses Mal war es eher stürmisch und kalt. Wie jedes Jahr ist etwas schief gegangen, aber diesmal ist es wenigstens nur darauf zurückzuführen, dass Ryanair unberechenbar ist. Dafür bekamen wir die Erfahrung in Black Cabs durch das mitternächtliche London zu düsen. Der nächste Tag begann sehr spät. Ich wollte zu Schülerinnen und Schülern schon immer ma sagen: „Ich will sie vor um 11 nicht sehen.“ Dann ging es in die Innenstadt und in einen dieser Touristenbusse zur Stadtrundfahrt.

Wir haben dabei einen guten Überblick über die Stadt bekommen. Es war allerdings auch kalt genug, das ich mir eine Erkältung holte. Der Bus bietet allerdings die Möglichkeit die ganze Stadt im Überblick zu erkunden und sich eine schöne englischsprachige Moderation anzuhören.

Tower Bridge and HMS Belfast

London Eye and Houses of Parliament

Houses of Parliament 2

 

Piccadilly Circus

Am Abend waren wir dann indisch essen, was die Schülerinnen und Schüler leicht überforderte, aber ansonsten sehr spaßig war.

Am zweiten Tag ging es dann in den Tower of London. Wir hatten eine der Führungen durch einen Yeoman Warder und konnten uns dann in Ruhe die Museum und Kronjuwelen ansehen.

Beefeater with Stereotypical Background

Raven at the Tower of London

Hier waren wir zum Mittagessen auf Betreiben der Schülerschaft bei Jamie Oliver’s Diner, das sehr lecker aber auch nicht wirklich preiswert war.

Der letzte Tag führte uns in British Museum. Viel Kunst, viel erzählt, aber keine Bilder. Der Rückflug war eher unspannend. London war wie immer gut. Ich habe eine Flasche Whisky und eine Erkältung mitgebracht. Alles gut, wie immer.

Blogstöckchen

Jetzt kriege ich schon Kettenbriefe… dieser ist von moepern und weil ich gerade Zeit habe und noch etwas verprokrastinieren will, mache ich das gleich.

Wie lang waren deine Haare, als du 17 warst?

Ca. 16 mm… Jedenfalls hatte ich sie mir damals immer auf die Länge schneiden lassen. Es gibt da ein furchtbares Führerscheinfoto von, das ich immer gern zeige, da ich heutzutage eher so um 30cm+ Haarlänge habe.

Wann (Alter) und warum hast du dich entschieden, das zu studieren, was du studiert hast?

Das fragt mich ansonsten immer keiner. Ich bin mit 18, wie damals noch üblich zum Zivildienst gegangen und hatte vorher keine richtige Idee, was es werden soll. Während des Zivildienstes habe ich dann festgestellt, dass ich anscheinend an jeden Patienten irgendwann herangekommen bin. Selbst an den, der mich locker ein-zwei Monate total scheiße fand. Deswegen habe ich mich entschlossen Lehramt zu studieren und es ist erstaunlich, aber ich schaffe es heute noch an Leute ranzukommen, bei denen der Rest eher mit den Schultern zuckt. Ich hatte damals auch Schulpsychologie auf dem Zettel und bin sehr froh das nicht studiert zu haben. Ich denke nicht, dass ich diesen Job lange hätte machen können.

Bist du Arbeiterkind, Akademikerkind, Mixed oder was anderes?

Ich bin das, was man ein Arbeiterkind nennen kann. Da ich aus dem Osten dieses schönen Landes komme, war ich also Mitten im Durchschnitt.

Hat das Auswirkungen auf dein Benehmen anderen gegenüber oder bist du “Habituschamäleon”?

Ja hat es, aber mehr in der Art, dass ich mich in meinem eigenen Habitus unwohl fühle, obwohl ich ihn eigentlich gut ausfülle. Dazu ist dieser Lehrerhabitus sehr eng, wenn man ihn ernst nimmt. Ich habe eher ein Problem damit, dass ich bestimmte Sachen tun kann und sie nicht tue, obwohl ich wahlweise das Recht oder den Anspruch dazu habe. Ich fühle immer, dass das nicht gerecht ist, obwohl ich einen Vorteil davon hab.

Republica oder CCC? Oder beides? Oder keines?

Definitiv der Chaos Communication Congress. Die re:publica liegt nicht nur zeitlich absolut unmöglich für mich, sie ist auch zu hipsterig, damit ich mich da wohlfühle. Der C3 wiederum ist eher mein Ding. Mein Hackerspace fährt schon seit Jahren hin und vielleicht(!) werde ich dieses Jahr auch da sein.

Der Jahresrückblick 2013

Das Jahr geht zuende und was darf da nicht fehlen, genau der Jahresrückblick. Da es hier im Blog ja eher um das Denken über die Welt geht, wird es der Jahresrückblick der Konzepte.

Schock oder Sicherheit

Die Welt war 2013 im Schock. Also mit Welt meine ich natürliche die westliche Welt1 und Schock war in manchen Bereichen der Gesellschaft eher so das Pokerface, das die endgültige Sicherheit ausdrückt, das unsere Bürgerrechte oder auch Menschenrechte den Herrschenden und vor allem ihren nahezu autonomen Untergebenen scheißegal sind. Hier dann natürlich besonders, wenn es sich um Herrschende anderer Staaten handelt. Erst war die Bevölkerung schockiert, dass sie jenseits der freiwilligen Herausgabe aller Daten an Facebook und Google diese in Kopie auch noch einmal bei der NSA abgeben, dann war die Regierung schockiert, dass sie wie ein Bürger behandelt wird.

Stasis

Es bleibt 2013 auch vieles, wie es war. Die Bevölkerung hat ihr Interesse an Stasis eindeutig in verschiedenen Wahlen Ausdruck verliehen und die Regierung ist dem mit dem neuen Koalitionsvertrag nachgekommen. Die SPD hat uns mal wieder verraten und die Verachtung der Regierenden für die Bevölkerung ist genauso groß wie vorher und wir dürfen erwarten, dass keinerlei der immanenten Probleme gelöst oder aber auch nur erkannt werden. Damit bleibt dann auch die Erwartung, dass die Politikerverdrossenheit weiter mit dem revolutionären Potenzial steigt. Blieb also alles beim Alten.

Empörung

Gerade im Internet, aber auch in den Mainstreammedien, hat die Tendenz zur Empörung zugenommen. Die sozialen Medien haben sich als Ort der Empörung (twitter) und als Quelle der Empörung (Facebook) etabliert. Die extremen alternativen Positionen haben sich alle fröhlich eingemauert und sind für Argumente nicht mehr zugänglich. Der gesellschaftliche Fortschritt wird dem Aufregen über die Position des jeweils anderen geopfert. Denn die Welt hinter meinen Augen ist wichtiger als das Schicksal der Welt auf deren Existenz wir uns geeinigt haben.

Tidbits

Hier noch die kleinen und großen Fakten, die man für 2013 nicht vergessen sollte.

  • Die Menschheit hat ihr Potenzial nicht ausgeschöpft.
  • Politischer Protest wird Mainstream.
  • Es hören mehr Menschen bei Omniakonzerten auch auf die Ansagen.
  • Russland ist definitiv keine Demokratie mehr.
  • Die USA haben noch die Wahl, ob sie wieder eine werden.
  • Deutschland ist verzweifelt, dass das Grundgesetz eine Abschaffung der Demokratie verbietet.
  • Shopping Queen ist die Sendung des Jahres.
  • Auch im deutschen Fernsehen wird jetzt gebacken.
  • Markus Lanz macht immer noch Wetten Dass?!
  • Die Presselandschaft ist trotz Leistungsschutzrecht am Sterben.
  • Im Pazifik schwimmt immer noch ein Floß aus Plastikmüll.
  • Fukushima schmilzt immer noch vor sich hin.
  1. Der Rest hat seine Verwandten unter eingestürzten Nähereien, in zerstörten Städten und den Überresten von Kriegsgebieten gesucht, versucht etwas zu essen zu haben oder schlicht zu überleben. []

RSS Ersatz

Google1 hat beschlossen den Google Reader zu killen, ihre kostenlose und sich selbst synchronisierende Webanwendung zum Lesen von RSS Feeds. Das ist sehr hübsch, weil man da seine Clients dranhängt und immer weiß, was man schon gelesen hat und dazu noch Updates gezogen bekommt ohne dass das die Geräte machen müssen.

Also musste ich mir eine Alternative suchen. Nun gibt es solche Sachen wie feedbin und feedly. Die sind allerdings wahlweise monatlich kostenpflichtig oder haben das selbe Potential auch wieder zu verschwinden. Dazu habe ich ja öfter den Wunsch meinen Kram selbst zu hosten. Da kam mir ein Tip der Fanboys sehr recht. Für die technisch fortgeschrittenen Nutzer gibt es nämlich Fever.

Fever ist eine PHP/MySQL Anwendung, die man auf seinem eigenen Server installiert und die dann als eigene Webanwendung läuft. Man loggt sich ein und hat einen zentralen RSS-Reader im Netz. Auf Wunsch updated sich das auch automatisch und man braucht nur noch die URL aufrufen und hat seine Feeds in einem ansprechenden Format präsentiert. Ein Vorteil ist, dass man schon im Browser ist und dann gleich seine Infos schön in einer Kaskade an Tabs öffnen kann.

Für mobile Geräte gibt es zum einen eine mobile Seite von Fever selbst. Aber es gibt auch schöne Clients. Ich benutze da auch das empfohlene Sunstroke. Sieht gut aus und wenn man den Server automatisch updated, geht die Übertragung auch fix.

Also, wer seinen Google Reader vermisst und das vielleicht selbst machen möchte, dem sei ein Blick auf Fever empfohlen.

  1. Ihr wisst schon, die mit “don’t be evil”. []

Nachklapp Nerdnite

Nur schnell ein kleiner Bericht über die Nerdnite gestern. Ich hatte meinen Vortrag über Grafisches Geschichtenerzählen im Comic gehalten und es war eher ein Ritt durch das Thema und solche Sachen wie Semiotik, Sprachtheorie und Zeitverlauf im Comic. Das war eigentlich das ganz lustig. Dem wenigen Publikum scheint es gefallen zu haben, die Kellerbühne im E-Werk ist etwas eigenartig, weil man im Endeffekt nach oben redet.

Danach gab es einen losen Vortrag über Entwicklungshilfe und Steuerflucht, dessen Quintessenz wohl damit zusammengefasst werden kann, dass die Nationalstaaten der globalisierten Wirtschaft nichts entgegenzusetzen haben.

Neid befriedigt, Problem nicht gelöst

Nachdem die Schweiz Managergehälter deckeln wollen, plant nun die EU diesen Schritt auch zu gehen. Die Politiker sind begeistert, das Volk atmet auf und ich bin begeistert. Endlich wieder anständige Symbolpolitik, die an die niedrigsten Triebe des Menschen animiert!

Wir kürzen jetzt den Managern das Gehalt,1 weil die nur abzocken und so viel Geld verdienen. An dem, wie die ihr Geld verdienen wird nichts verändert. Das Problem am Bankstertum ist doch nicht, dass die sich alle eine goldene Nase verdienen. Das Problem sind die dauerhaften Schäden für Wirtschaft, Wohlstand und einen Großteil der Bevölkerung. Um das aufzuhalten bräuchte man schärfere Bankengesetze und ein effektive Kontrolle der Finanzwirtschaft. Aber hey, wenn die weniger damit verdienen dann reicht das doch auch!

  1. Also eigentlich limitieren wir ihre Boni. Gehalt kriegen die immer noch amtlich. []

Sozialkosten

Also das mit dem Internet ist ja eigentlich schon eine gute Sache. Wir lernen neue Menschen kennen und wir haben einen besseren Kontakt zu denen, die da draußen sind. Doch eigentlich nutzen wir diese Mittel doch kaum. Und das mag daran liegen, dass wir einer sozialen Entropie unterliegen, die dazu führt, dass wir bestimmte Menschen weniger wahrnehmen, obwohl wir ihnen sofort einen bestimmten positiven Wert für unser Leben zuweisen würden.

Soziale Entropie?1

Entropie an sich bedeutet, dass sich Teilchen in einem System immer weiter ungeordnet verteilen, wenn diesem System keine Energie mehr zugeführt wird. Das trifft auch auf soziale Beziehungen zu. Die Menge an Energie, die man für das Aufrechterhalten einer sozialen Beziehung benötigt hängt von der räumlichen Nähe der Personen und vom Informationsfluss zwischen ihnen ab. Je weiter also die Person im Raum und in der Informationsvermittlung von einem entfernt ist, desto weniger Kontakt hat man mit ihr und desto weniger spielt man eine Rolle für ihr Leben. Spielt für einem die Person an sich eine sehr große Rolle für einen, dann kann man diese realen und sozialen Distanzen besser überbrücken als wenn er das nicht tut. Allerdings ist es vollkommen normal, dass wir versuchen die Komplexität unseren Soziallebens bestmöglich zu reduzieren, weswegen Menschen, die uns nahe stehen und öfter begegnen wichtiger werden als diejenigen, die dies eben nicht tun.

Ein Beispiel wäre, dass ich nahezu keinen Kontakt zu den meisten meiner ehemaligen Schüler habe. Man verbringt ein Jahr in mehr oder minder großer Nähe und entwickelt dort auch eine (professionalisierte) soziale Beziehung, aber diese bricht sofort ab, wenn es keinen Grund mehr für diese Beziehung gibt. Gleichzeitig zieht sie aber auch sehr viel Aufmerksamkeit auf sich. In einem gegebenen Schuljahr sind mir meine Schüler manchmal näher als so manche Person, zu der ich tatsächlich tiefere soziale Bindungen habe.

Was kann man dagegen tun?

Nunja, wer der Erklärung mit der Entropie oben gefolgt ist, dem wird klar sein, dass man wohl Energie in das System investieren muss. Doch das ist gar nicht der erste Schritt. Dieser benötigt zwar auch Energie, ist aber auch schwieriger, weil er auch spontan aus der Person heraus entstehen muss. Denn sich zu erinnern, wer wie viel Wert für einen hat und, dass dieser Wert nicht der Qualität der sozialen Bindung entspricht, muss aus dir heraus kommen. Dann muss man tatsächlich Energie investieren. Man muss den Kontakt wieder auffrischen und versuchen zu halten. Da man selbst aber in seiner eigenen Welt und der andere in seiner Welt lebt, braucht man immer wieder Energie am besten beider Seiten, um die Bindung in irgendeiner Art aufrecht zu erhalten. Es ist aber anstrengend, denn man hat ja irgendwie doch so sein eigenes Leben.2 Und dann schaut man in sein modernes Leben3 und merkt, dass man so wenig gefühlte Zeit und Möglichkeit hat.

Dumme Ratschläge

Ein Ratschlag ist ja eigentlich immer ein Schlag.4 Aber was kann man trotzdem tun? Hier meine Gedanken:

  • Bei allem Scheiß, der Facebook und andere social networks sind, helfen sie uns doch in einem einfachen Benutzerinterface mit Menschen Kontakt zu halten. Leider belästigt einen Facebook und die anderen gerne mit jeder Menge Scheiß. Es geht da ja auch nicht um Kontakpflege sondern um das erstellen eines eigenen Raums für sich selbst. Trotzdem kann man es verwenden.
  • Kalender helfen bei Geburtstagen und die sind so das mindeste auf was man achten sollte, wenn einem da was wert ist. Warum weiß ich nicht, aber es ist so ne Tradition.5
  • Notizen machen und zuhören bei den kleinen Gesprächen, die man dann führt. Wenn man dem anderen das Gefühl gibt, dass er wahrgenommen wird, dann ist das die halbe Miete.
  • Im Notfall da sein. Jeder hat so seine Skills und ich vertrete ja eh die Meinung, dass wenn jeder jedem seine Fähigkeiten anbietet, wir alle einen Vorteil haben.6 Gerade Menschen, die einem etwas wert sind, sollte man immer seine Hilfe7 versichern.

Ich denke damit lässt sich die soziale Entropie abbauen, aber die Kosten an Energie sind hoch. Es bleibt die finale Frage an der Sache: Welche Menschen sind mir diese Kosten warum wert?

Die müsst ihr selbst beantworten.

  1. Habe ich gerade als Begriff erfunden. []
  2. Also meines ist immer eng genug, dass ich am Ende eines Tages nicht weiß, was ich alles getan habe und mich zu jeder Art von Extraaktivität fast per Planung zwingen muss. []
  3. Und da bin ich eigentlich jemand mit einem Job, der sehr bürgerlich und strukturiert schein. Das ist leider nicht wahr. []
  4. Woher das kommt? Wenn du kochst und dann sagt jemand: “Nimm doch lieber Sahne zu Soße.” heißt das auch: “Du bist zu blöd Soße zu kochen.” []
  5. An sich ist es ja soundso eigenartig, dass wir uns dazu gratulieren, dass unsere Mütter Schmerzen und Stress gehabt haben, während wir auf die Welt gepurzelt sind und geschrien haben. []
  6. Die Idee der Konkurrenz als Motor des Fortschritts ist behämmert. []
  7. Im Rahmen des Möglichen… []

Wert sein?

Ich war die Tage unterwegs und irgendwann kommt man auch mal auf die Vorzüge des Lehrerdaseins zu reden und die sind ja nicht ohne. Wir haben geringe Nennarbeitszeiten bei hoher Zahl der Urlaubstage, sind verbeamtet und so weiter. Es ist zwar nicht so einfach, wie der Volksglaube es haben will.1 Und dann redet man noch über das üppige Gehalt, das man interessanterweise aus zwei Gründen bekommt: erstens man hat ein Hochschulstudium hinter sich und zweitens hat man Verantwortung für mehrere Dutzend Menschen und deren Zukunft.2 Aber das ist trotzdem immer noch sehr komfortabel.

Ja, aber es kommt halt trotzdem eigenartig. Wir sind als Lehrer halt privilegiert, weniger als man so denkt, aber wir sind es. Und wir tun auch viel diese Schmach auf uns zu ziehen. Wie viele Lehrer kennt man, die weinen, weil sie so viel zu tun haben. Da wünsche auch ich mir, dass sie mal etwas den Ball flach halten. Es ist halt ein Job. Aber selbst wenn ich das so erzähle, mit der mir gegebenen Amüsiertheit über die Abstrusität des Ganzen, beschleicht mich ein schlechtes Gefühl da anzugeben. Die Frage hier ist dann warum? Die meisten Leute mit denen ich rede hätten diesen Beruf ergreifen können und es nicht getan. Der Grund hierfür ist wohl sicher nicht die Vorteile, die man da so weich hat, sondern, dass es ein Beruf ist, den man auch aushalten und können muss. Dir ist es trotzdem unangenehm. Weil man redet nicht über Geld und man erzählt nicht wie gut es einem geht, weil es ja allen immer schlecht geht.

Und damit nehmen wir uns alle unseren Wert, wir nehmen anderen den Wert durch Neid und nehmen uns unseren Wert3 in dem wir nicht mehr offen darüber reden. Solange man weiß, dass man privilegiert ist, und das ist man als Mensch in der westlichen Welt soundso immer, kann man auch darüber reden. Zu sagen, dass es dir gut geht, beschämt nicht den, dem es schlecht geht. Denn es ist meist nicht seine Schuld. Und wenn es jemand besser geht und dieser dies nicht zum Anlass nimmt dich abzuwerten, dann gönne es ihm. In den meisten Fällen ist er dadurch kein Arschloch geworden. Die Arschlöcher erkennt man nicht an ihrem Gehalt und ihren Vorteilen sondern an ihrem Verhalten und ihrem Umgang mit diesen Vorteilen.

  1. Um das mal zu präzisieren, man kommt am Ende bei 50 Stunden Wochen raus. Die Ferien sind öfter auch mal nicht frei. Aber ja klar: ich hab vormittags recht und nachmittags frei. Die Arbeiten korrigiert ein magischer Federkiel und Stundenvorbereitungen fallen dir unter der Dusche ein und drucken sich selbst aus. []
  2. Also bei mir derzeit ca. 100 direkt in der 12. Klasse und nochmal so 30 indirekt in der Vorbereitung, dass sie die 12. Klasse überstehen. []
  3. den wir ja auch bezahlt kriegen… []