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HCH031 Advi liest: Nathan Lowell - Trader's Tales

Diesmal geht es tatsächlich über ein Audiobuch. Eine alte Leidenschaft, nämlich die Trader’s Tales von Nathan Lowell. Ich gehe gar nicht erst davon aus, dass ihr das kennt. Aber vielleicht wollt ihr mal zuhören. Es ist stilistisch wie inhaltlich ein eher eigenartiges Werk, aber für mich funktionierte es und mir sagt es auch was.

Schulvisionen – Update 2018

Vor etwas mehr als fünf Jahren habe ich diesen Blogpost dazu geschrieben, wie ich mir moderne Schule vorstelle. Ich glaube es wird Zeit, mal zu sehen, ob ich dazu etwas mehr zu sagen habe.

Weg mit Schulstunden
Die Schulstunde ist ein Relikt aus einer Zeit, in der man glaubte, dass rhythmische Arbeit sinnvoll ist. Wir leben in einer Dienstleistungsgesellschaft mit flexiblen Arbeitszeiten, also was soll das noch? Dazu sollte Schule ein Ort sein, in dem man sich frei mit Informationen und Wissen beschäftigen kann. Die frontale Schulstunde ist blödsinnige Zeitverschwendung in einer Welt in der nahezu jegliches Wissen über das Netz oder zumindest Zugang zu Büchern erhalten werden kann. Dazu kommt, dass die Didaktiker seit Jahren davon erzählen, dass man explorativ lernen soll, induktiv und handlungsorientiert. So, warum also Schulstunden? In 45 Minuten kann man doch eigentlich keine sinnvollen Zusammenhänge erforschen lassen, die Schüler an Informationen  ihr Wissen selber bilden oder sie was herstellen lassen. Also weg mit dem Blödsinn, nebenbei kann ich mich dabei um weitaus mehr Leute mit mehr Aufmerksamkeit kümmern. Warum?

Die Erfahrung der letzten Jahre hat mir gezeigt, dass das immer noch genauso wahr ist. Weg mit dem Quatsch.

Projektorientierte schülerzentrierte Aufgaben und Betreuung
Die Antwort auf die Cliffhangerfrage ist einfach, dass man Schülern mehr Freiheit im Erforschen der Welt geben sollte und sich als Lehrer mehr darauf verlegen sollte Probleme und Fragen der Schüler zu lösen. Der Lehrer ist nicht mehr der vorbereitende Mensch, der sagt was, wie, wo gelernt wird, sondern derjenige, der Format und Inhalt mit den Schülern abstimmt und sie berät. Daraus ergeben sich dann schon die nächsten Forderungen.

Auch immer noch richtig. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass ich in der beruflichen Oberschule mit hart erlernten Strategien zu kämpfen habe, die damit zu tun haben, eine Aufgabe möglichst gut ohne eigentlichen Lernerfolg zu bewältigen. Also das Erfüllen der Regeln der Aufgabe ohne den Inhalt zu erfüllen.

Ich will ein Büro! Mit Couch!
Die Schule voller Klassenräume ist ein Raum in dem kreatives Lernen schwer möglich ist. Sie ist primär eine Präsentationsbühne für die Lehrkraft und kein Raum zum kollaborativen Arbeiten. Wir brauchen Schulen mit offenen Plätzen, weiten Räumen, schnellem WLAN, Einzelarbeitsplätzen und Konferenzräumen und damit auch mit Büros für die Lehrkräfte. Da gehört dann neben einem Arbeitsplatz auch eine Couch, eine Tafel und sowas rein, denn die Schüler sollen auch die Möglichkeit haben, jederzeit als Gruppe oder allein die Lehrkraft aufzusuchen und um Hilfe zu bitten. Je weniger desto besser, aber es ist viel effektiver Menschen bei ihren Problemen zu helfen als ihnen zu sagen, was sie wie zu denken oder zu bearbeiten haben. Dabei können wir dann sogar mehr Schüler in der gegebenen Zeit intensiver betreuen. Damit das dann auch erzieherisch klappt, brauchen wir dazu auch:

Mehr Sozialarbeiter und Erzieher
Denn ernsthaft, wir Lehrer sind Experten im Inhalte vermitteln, wir sind nicht unbedingt perfekt geschult für das Erzieherische und wir haben eine andere Autorität als ein Sozialarbeiter hat. Wir haben hoheitliche Aufgaben und Befugnisse, aber wir sind auch andere Leute als diejenigen, die dir zuhören und mit denen du über deine privaten Probleme redest. Damit beschäftigt sich implizit auch die nächste Forderung, aber gerade die intellektuelle Seite bei der Lehrerschaft ist glaube ich sehr glücklich, eher intellektuell zu sein. Doch uns steht noch eine andere Problematik im Weg, die den Lehrer in seiner neuen Aufgabe als Berater und Mentor einschränkt.

Beides immer noch richtig. Letzteres ist noch wichtiger geworden.

Zentrale kompetenzorientierte Leistungstests
Eines der größten Probleme, die man systembedingt als Lehrkraft hat, ist, dass die Leistungsmessung in der selben Hand wie die Leistungsvermittlung liegt. Dazu kommt, dass einem nicht vorgeschrieben wird, welche Kompetenzen der Schüler erlernen soll, sondern welche Spiegelstriche einer Liste mit Informationen man ihnen ins Hirn prügeln soll. Das ist eine Weisheit der modernen Pädagogik und Didaktik, die da beide Recht haben. Um aber die oben genannte Freiheit in der Betreuung der Schüler zu haben, sollte die eigentliche Leistungsmessung nicht mehr von der selben Person durchgeführt werden, die auch den Unterricht gestaltet. Da kann man ansonsten weder überprüfen, ob die Leistungsvermittlung effektiv und zielgerichtet ist und man öffnet Manipulationen Tür und Tor. Das ist einer der Hauptgründe, warum Schulzeugnisse eigentlich kaum das Papier wert sind auf dem sie stehen und als institutionalisiertes kulturelles Kapital auch immer weniger ernst genommen werden.

Wären die entsprechenden Tests standardisiert und von einer dritten Partei durchgeführt, dann könnte man garantieren, dass ein erreichtes Level auch eine Wert hat. Konsequenterweise kann man anhand der erreichten Niveaustufen eines Schülers diesen besser betreuen und fördern als ihn dumm eine Jahrgangsstufe wiederholen zu lassen. Anhand dieser Kompetenzstufen kann dann auch eine sinnvolle Selektion für die Universität oder Wirtschaft stattfinden. Diese wird auch den individuellen Stärken und Schwächen des Einzelnen mehr gerecht als diese eindimensionale Bewertung, die wir da jetzt so haben und bei der nicht einmal die Skala passt. Das braucht man halt in nachvollziehbar und definiert und evaluierbar.

Und als Synthese mit dem vorhergehenden Punkt: Lehrer sein, sollte sich auf bilden und Fürsorge konzentrieren, nicht auf das Messen von Leistung. Die Menge an jungen Menschen, die im System, mit sich oder mit ihrem Umfeld verloren und Spielball der Gesellschaft sind, steigt von Jahr zu Jahr. Dabei ist egal, ob es sich um diejenigen handelt, die blind der heiligen Religion des Neoliberalismus folgen, oder denjenigen, die mit sich nicht klar kommen, mit den unsichtbaren, den zu sichtbaren oder denjenigen, die sich verstecken, während sie sich dringend zeigen müssen. LehrerInnen müssen für sie alle da sein, zusammen mit den Sozialarbeitern und Schulpsychologen. Der Fokus von Bildung kann eben nicht nur das Wissen und die Selektion sein. 

We also need to care for people.

HCH024 Unterricht mit Smartphones

Ich wurde gefragt, ob ich mal sagen kann, was ich dazu mache und es wurde ein kleiner Rundumschlag durch die Didaktik, mit einem kleinen Abstecher dahin, was ich so im Sozialkundeunterricht mache.

Shownotes

Das mit dem #mealprep…

Wer mir auf Instagram und twitter folgt hat schon bemerkt, dass ich seit Anfang des Schuljahres regelmäßig am Sonntag Fotos von so Essenskisten poste. Das hat für etwas Verwirrung gesorgt, also werde ich das mal kurz erklären.

Vorraussetzungen

Das zentrale Element hier ist ein typischer Schultag. Im Durchschnitt hat man fünf von sechs Stunden und in den offiziellen Pausen spricht man mit der Schülerschaft oder rennt durch die Gegend. Für Lehrer bleiben maximal die Freistunden, so vorhanden, um irgendwas zu essen. Das Angebot in der Schule besteht meist aus belegten Semmeln und Leberkäsbrötchen. Dazu kommt Mittagessen der rustikaleren Art. Das wird alles vom Hausmeisterehepaar zubereitet und ist vollkommen okay. Allerdings aber auch teurer als selbst zu kochen und leider nicht unbedingt gesund.

Ganz konkret sieht das für dieses Jahr so für mich aus: Montags habe ich von 8:45 bis 16 Uhr Unterricht. Dazwischen liegen zwei 15 Minuten und eine 45 Minuten Pause. Der Rest ist reden, Tafel anmalen und so weiter. Donnerstag und Freitag sind jeweils fünf von sechs Stunden verplant. Für diese drei Tage wäre es irgendwie gut etwas zu essen dabei zu haben und wie gesagt, die Optionen in der Schule sind okay, aber weder finanziell noch gesundheitlich zukunftsfähig.

Prepping…

Nerd und Hipster, der ich bin, bin ich auf der Suche einer Lösung über die indiegogo Kampagne von prepd gestolpert. Das ist eine hipsterige Lunchbox mit passenden Containern und einer App, die Rezepte anbietet. Und obwohl man die Container auch anders füllen kann, bin ich immer wieder erstaunt wie die etwas eigenartig anmutenden Kombinationen gut harmonieren. Deswegen habe ich langsam aber sicher auch Lieblingsgerichte.1 Es ist dazu eine Befreiung einfach jeden Tag zu wissen, was man zu essen mit in der Schule hat, was drin ist und so weiter. Alles in allem bin ich bisher sehr glücklich mit dem Konzept, vor allem, weil leckeres Essen immer toll ist.2

  1. Avo and Eggs!! []
  2. Vom Neid der KollegInnen reden wir ma gar nicht.. []

HCH021 Aufsätze zur Sozialisation

Eine kurze Folge in der ich über einige Aufsätze rede, die ich im Rahmen des Sozialkundeunterrichts zu lesen bekommen habe. Es gab einige bemerkenswerte Einlassungen zu Medien, Werten und Gender. Die Auswahl war rein impulsiv und hat mehr damit zu tun, was ich selbst spannend fand, als irgendwie gut.

London Calling 2017

Ich war, wie jedes der letzten Jahre, in London. Ein Post-Brexit, Post-Westminsterbridge Attack London. Es war wie immer. Die einzig ernsthaften Unterschiede zu letztem Jahr war die Abwesenheit des „Dschungels“ in Calais, nachdem die Geflüchteten abgeräumt wurden und die Tatsache, dass sich Brexit direkt darin niederschlug, dass das Pfund so schwach war wie noch nie. Dadurch war shopping sehr angenehm diesmal.

Das Hotel lag am Arsch der Stadt und war etwas abenteuerlich zu erreichen, allerdings war das auch praktisch. Die Qualität war ziemlich gut, es gab English Breakfast, ich war glücklich. In der Nähe war ein sehr gutes Pub, was willst du mehr?

Der Anschlag auf der Westminsterbridge wurde uns direkt bei der Stadtführung am ersten Tag vorgeführt. Der Leichenzug des ermordeten Polizisten fuhr gerade als wir an der Westminster Abbey waren an den Houses of Parliament vorbei. Danach war alles wieder voller Touristen.

Die Stops waren die üblichen, Tower, British Museum. Hier sind die Beweisfotos. Es war irgendwie sehr entspannend, weil die Schülerinnen und Schüler, die ich mithatte, auch sehr entspannend waren.

Beefeater and Shard

Bell Tower

Gewalt und Lehrer… – über ein falsches Berufsbild

Gestern oder so ging dieser Artikel vom Spiegel rum, in dem gar schauerlichste Dinge über das Lehrerdasein berichtet werden. Laut einer Studie wurden 6% der Lehrer Opfer von körperlicher Gewalt und run ein Viertel von psychischer Gewalt.

So ausm Gefühl raus, könnte das stimmen. Nach Schularten aufgerechnet würde es da sehr schnell sehr nüchtern werden. Ich möchte aber mal eine zweite Dimension aufführen: das ist leider auch Berufsrisiko. Lehrerinnen und Lehrer arbeiten in einem sozialen Rahmen, im Direktkontakt und das bedeutet auch, dass die sozialen Querschläger da auch dabei sind. Schön ist das nicht, vermeidbar ist es aber auch nicht. So, jetzt kann das alles beklagt werden und das ist wohl auch die Reaktion auf den Artikel, allein bringen tut es nix. Genauso übrigens wie der Appell bayrischer Lehrerinnen und Lehrer gegen Hassprache. Die Erfahrung hat ja gezeigt, dass solche Appelle sofort dazu führen, dass sich Schülerinnen und Schüler besser verhalten.

Also, was tun? Zuerst einmal anerkennen, dass Gewalt von Schülerinnen und Schülern schlicht nicht verhinderbar ist. Pädagogik ist eine Zielaufgabe, keine Verhinderungsmöglichkeit. Wir erziehen Menschen zu etwas. Wenn das klar ist, dann gibt es zwei Wege, die beide was mit Lehrerbildung zu tun haben: zum einen braucht es in der Lehrerbildung endlich mal eine Vorbereitung auf das Lehrerleben, zu dem auch ein Resilienztraining gehört, zum anderen würde es schon mal helfen, den Beruf als das darzustellen was er ist: eine soziale Arbeit, bei der soziale Interaktion und damit kompetentes pädagogisches Handeln notwendig ist. Aus meiner Erfahrung wird von allen Beteiligten viel zu viel über Pädagogik geschwafelt anstatt sich die Frage zu stellen, was konkret gemacht werden soll. Wenn junge Menschen sich entscheiden Lehrerin und Lehrer zu werden, dann sollte denen klar gemacht werden, welchen Beruf sie sich da zulegen. Ein Beruf, in dem die größte Herausforderung nicht ist, irgendwelche Zettel rot anzumalen, sondern im Angesicht des anderen Menschen authentisch zu sein und zu handeln. Bildungsvermittlung und Erziehung sind alles soziale Prozesse. Das Soziale ist aber zu selten Thema in der Diskussion um Lehrerbildung und diese Diskussion über Gewalt greift, wie immer, zu kurz.