Kommunikationsproblematiken

Ich möchte mich mal etwas darüber auslassen, wie Kommunikation in öffentlichen Organisationen so funktioniert, und was man, theoretisch, beachten sollte, wenn man das irgendwie mit Software lösen möchte. Wie immer, keine neuen Erkenntnisse, aber diese vielleicht mal konzise aufgeschrieben.

Kommunikationsformen

Doch wie wird primär kommuniziert heute? Natürlich immer noch face-to-face und das mehr als die Jugend sich so ausdenken kann. Schließlich gibt es ganze Teile der Gesellschaft, die digitalagnostisch sind. Doch für die Teile, die es nicht sind hat sich viel geändert. Es wird mehr geschrieben als geredet und das nicht nur auf Social Networks oder Blogs (qed!), sondern auch in SMS und Messengerservices. Klassische Bilder sind junge Menschen, die im Café gegenüber sitzen und in ihre Telefone starren und sich Nachrichten schicken oder das Pärchen, das sich per SMS auf der Couch streitet. Non-verbale Kommunikation hat zugenommen, sei es Email, Chat oder Microblogging. Die Erklärung hierfür ist zweiseitig: zum Einen kann sie asynchron stattfinden. Man muss nicht mehr zeitgleich mit einer anderen Person an einem Gerät oder an einem Ort sein um kommunizieren zu können. Zum Anderen ist textbasierte Kommunikation viel ambivalenter weil viele der Heuristiken, die Menschen zum Deuten von Aussagen des Gegenübers verwenden, nicht auf Text anwendbar sind. Deswegen gibt es Emoticons und deswegen kann man mit Emoticons so schön lügen.

Die Tatsache, dass wichtige Kommunikation immer mehr nicht direkt stattfindet, kann damit zusammenhängen, dass man direkte Konsequenzen fürchtet und dass man sich mehr traut, wenn die andere Person nicht im Raum ist. Dazu kommt die Bequemlichkeit aus jeder Situation und aus der Entfernung kommunizieren zu können. Es verbindet die Unverbindlichkeit des Indirekten mit der Bequemlichkeit der zeitlichen und örtlichen Unabhängigkeit.

Synchronizität

Diese Unabhängigkeit führt zu einem weiteren Phänomen, dass moderne Kommunikation schwierig machen kann. Die verbale Kommunikation egal ob face-to-face oder Telefon ist immer synchron, die textbasierte muss es nicht sein. Hier hat man die Wahl von synchronen und asynchronen Modi. Während IRC und klassischer Chat synchron ist, ist E-mail asynchron. Chatnachrichten können nur gelesen werden, wenn man da ist und verlieren mit verstrichener Zeit an Relevanz. Ähnlich verhält es sich mit Tweets, die zwar nachgeschlagen werden können, aber schon nach kurzer Zeit kaum noch eine Antwort wert sind. ((Insbesondere, wenn man bedenkt, dass viele Leute unfähig sind eine Diskussionsansicht zu benutzen.)) E-mail und auch die Postingnetzwerke wie Facebook sind allerdings asynchron. Eine Nachricht wird platziert, ist persistent und kann, sofern sie einem überhaupt angezeigt wird, auch mit Verzögerung beantwortet werden. Diskussionen spannen sich damit über mehrere Tage, solange die Leute das Posting finden. Das hat auch alles seine Verfallsdauer, aber man bekommt tatsächlich mit einem Jahr Abstand auch noch Antworten auf ein Posting.

Spannend sind hier Kommunikationsmethoden die technisch asynchron sind, aber sehr oft als synchron betrachtet werden. Der Klassiker ist SMS, aber natürlich sind es heute SMS-like Messenger wie iMessage, WhatsApp oder Threema, die natürlich Nachrichten vorhalten, aber von den Benutzern meist so benutzt werden, als würden sie eine sofortige Antwort benötigen. Man lässt sich also gerne in eine synchrone Unterhaltung hineinziehen, obwohl es technisch eine asynchrone Unterhaltung ist.

Es schleichen sich aber auch andere Einstellungen zu Kommunikation ein, die von diesen technischen Bedingungen informiert sind. Zum einen gilt synchrone und direkte Kommunikation als immer übergriffiger, zum anderen ist asynchrone Kommunikation immer vorhanden. Da man davon ausgehen kann, dass die Person gegenüber die Nachricht nicht sofort bekommt ((Okay, kann man? Heutzutage bekommt der Gegenüber die Nachricht sofort, aber es wird eben nicht erwartet, dass er antwortet, weil die Nachricht eben vorgehalten wird.)) oder nicht sofort antwortet, lässt einen freier Nachrichten versenden, aber bedeutet auch, dass es keinen Moment mehr gibt in dem man eben nicht mehr kommunizieren kann. Das ist allerdings nur die eine Seite des Problems.

Push vs. Pull Kommunikation

Die andere Seite ist, dass es nicht nur wichtig ist, ob man zeitgleich dasselbe Medium benutzt, sondern auch wie einen Nachrichten aus diesem Medium erreichen. Denn asynchrone Nachrichten werden nahezu synchron wahrgenommen, wenn sie einem per Push dargereicht werden. Push bedeutet hier, dass ich Nachrichten, die wichtig sind ((Oder die Facebook und Co. für wichtig für mich halten…)) automatisch bekomme. Ich hole, also pulle, die Nachrichten bei meinem Emailserver oder sonstwo selbst. Doch was bedeutet das für unsere Kommunikation?

Push scheint ja das Allheilmittel zu sein. Und natürlich hilft die Technologie dabei die eigene Informationsflut zu managen in dem man sich genau aussucht, was denn nun gepusht werden soll. Tut man das nicht, also hat man eben keine technische Medienkompetenz , dann macht Push einen zum Opfer der eigenen Informationssucht. Man wird großflächig genervt und von Nachrichten eingedeckt, von denen man wohl einen Großteil gar nicht empfangen wollte. Weswegen Pull seine Berechtigung hat. Man kann sich hier aussuchen, wann man Nachrichten empfängt und wann nicht und aus welchen Quellen. Auf der anderen Seite ist Pull sinnlos und sogar eine Belastung, wenn es um wichtige Informationen geht, die man zeitkritisch und direkt erfahren will. Gerade im Berufsalltag möchte man Systeme, die verlässlich Informationen verbreiten und zustellen anstatt die zweifelhafte Freude immer wieder auf Verdacht auf Internetseiten oder ähnliches zu blicken. Während Push Stress bedeutet, weil man mit Informationen zu sehr eingedeckt wird, ist Pull stressig, weil man eben gar nicht weiß, dass es eine wichtige Nachricht gibt. ((Die Lösung ist einfach: wenn man mir es nicht pusht, war es anscheinend nicht wichtig.))

Auswirkungen auf die Kommunikationskultur

Bisher war das ja alles mehr so geschichtlich oder technisch, aber diese ganzen Features haben natürlich einen großen Einfluss darauf, wie wir heutzutage kommunizieren. Zum einen gibt es die offensichtliche Botschaft: es wird weitaus mehr kommuniziert und davon weitaus mehr digital mit textbasierten Medien. Diese dringen durch Asynchronizität und Push immer mehr in unser Leben ein. Dafür haben wir immer mehr Kontrolle darüber, wie wir Informationen konsumieren und wie wir kommunizieren. Diese Kontrolle wird aber besonders von Menschen mit niedriger Medienkompetenz nicht wahrgenommen, so dass man Kommunikation entweder nicht wahrnehmen oder nicht entkommen kann.

Projekte: Rollenspielcon

Im Rahmen des 25jährigen Jubiläums der Kirchgemeinde St. Urban hier in Bamberg haben wir uns im Jugendtreff überlegt eine Rollenspielcon auszurichten. Eine Rollenspielcon ist eine Versammlung von Rollenspielnerds und ähnlichen Menschen, die fantastische Spiele spielen. Es wird gespielt und über das Spielen gesprochen. Hier bisher das Planungsfazit, allein schon, damit ich mir das nochmal durchlesen kann.

Vorbereitungen

Nunja, wir haben da sehr viel Glück. Da der Jugendtreff zur Kirche gehört, bekomme ich da einfach mal einen Gemeindesaal, einen Clubraum und drei Gruppenräume für lau. Allerdings brauchen wir Jugendliche, die mitarbeiten und Werbung. Das ist gar nicht mal so einfach. Einfacher wurde es durch Easy-Con ein Con-Anmeldungssystem von Daniela Festi, die ich über meinen Hackerspace und Rollenspielverein kenne. Damit kann man so eine Con organisieren und sogar noch vieles mehr als wir für einen Tag mit ein paar Räumen brauchen. Dann habe ich mich mit der Leiterin des Jugendtreffs zusammengesetzt, den Gemeinderat beredet und Plakate erstellt. Jetzt machen wir gerade Werbung und hoffen, dass Leute kommen.

AfD übersetzen – Das Kurzwahlprogramm zur Bundestagswahl 2013 (5)

Letzte Runde.

Bildung

Wir fordern bundesweit einheitliche Bildungsstandards orientiert an den besten Schulsystemen Deutschlands.

Die Forderung an sich ist nicht neu und durchaus anerkannt. Das dezentrale Bildungssystem in Deutschland ist ein Problem. Doch der Nachsatz mit den „besten Bildungssystemen“ ist spannend, denn das sind die aus den südlichen Bundesländern und diese sind vor allem für eine starke soziale Selektion und konservative Ausrichtung bekannt.

Wir fordern, Bildung als Kernaufgabe der Familie zu fördern. Kitas und Schulen müssen dies sinnvoll ergänzen. Nichts ist für unsere Zukunft wichtiger als die Bildung unserer Kinder.

Das ist dann der konservative Wunsch, dass die Familie nicht durch Schule und Kindertagesstätten ersetzt werden soll. Das Problem hier ist, dass dieselbe wirtschaftsliberale Politik, die die AfD propagiert auch dazu führt, dass viele Familien zwei Einkommen in Vollzeit haben und davon nicht überleben können. Dann soll am besten die Mutter daheim bleiben und Brötchen schmieren. Die Bildungsunterschiede in unserer Gesellschaft lassen sich auf die sozialen Unterschiede der Familien zurückführen. Es würde also den Aufstieg von geeigneten Menschen aus den unteren Schichten behindern. Es scheint also gar nicht um die Bildung aller Kinder, sondern nur derer als ordentlichen Familien zu gehen.

In erster Linie sind die Eltern für die Bildung und Erziehung ihrer Kinder verantwortlich. Der Staat muss ihnen dabei helfen, diese Aufgabe zu erfüllen. Frühkindliche Bildungsangebote sol- len unabhängig vom Familienhintergrund verfügbar sein.

Die Struktur mit dem Nachsatz kennt man auch von der NPD. Hier wird meist ein Feigenblatt versteckt, also eine Abmilderung versucht. Spannend ist, dass alle anderen Bildungsangebote durchaus vom Familienhintergrund verfügbar sein können. Also bitte keine Arbeiterkinder am Gymnasium. Die Eltern sind immer noch verantwortlich und dumme Kinder bedeutet verantwortungslose Eltern. Der Staat soll Ungleichheiten eben nicht ausgleichen, sondern die Eltern nur unterstützen.

Spannend ist hier, dass diese Argumentation zum einen Artikel 7 des Grundgesetzes unterminiert, weil sie implizit Heimunterricht rechtfertigt und damit Evangelikalen und anderen Spinnern diese Tür öffnet, und zum anderen die Arbeit von Laien an Kindern als wichtiger heraushebt als die von Fachkräften.

Wir fordern ein qualitativ hochwertiges Universitätssystem, das den Studenten angemessene Betreuungs- und Fördermöglichkeiten bietet. Auch eine Rückkehr zu bewährten Diplom- und Staatsexamensstudiengängen muss möglich sein.

Da steht nicht dabei, dass das Universitätssystem für jeden ist und hochwertige Systeme muss man am Ende durch Studiengebühren bezahlen. Exzellenz und so. Das Diplom und Staatsexamen sind der wunde Punkt alter Akademiker. Bologna war Blödsinn und stinkt, aber das heißt nicht, dass die ursprüngliche Idee eines europäischen Universitätssystems mit einer vergleichbaren Basis dumm ist. Hier wird Vergangenheitsverklärung mit aktuellen Schmerzen und Europafeindlichkeit verbunden. Und viele Menschen werden hier aus einem Grund nicken, ohne zu wissen, dass sie auch zu den anderen Aussagen nicken.

Energiepolitik
Wir fordern ein nachhaltiges Energiekonzept für bezahlbare Energie. Es ist unzumutbar, dass die Bevölkerung mit drastisch steigenden Preisen für die kopf- und konzeptionslose Politik der Bundesregierung büßen muss.

Wenn wir die Energie verstaatlichen würden, wäre sie billiger. Das möchte die AfD nicht. Diese Aussage ist reiner Populismus und öffnet allen Möglichkeiten von erneuerbaren Energien bis zu Kernspaltung oder Braunkohle. Es geht nur um den Preis für den Bürger, nicht langfristigeren Wirkungen. Politik sollte eine größere Vision haben als die niederen Instinkte der Bürger zu befriedigen.

Wir fordern eine Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG). Es ist unsozial, Subventio- nen für Sonnen- und Windenergie durch die Strompreise zu finanzieren.

„Wir fordern eine Abschaffung des EEG, weil wir der Meinung sind, dass gesellschaftlicher Fortschritt nicht von der Gesellschaft bezahlt werden sollte und wir verstecken uns für diese Aussage in einer unpassenden Marktanalogie.“

Wir fordern, dass Subventionen für erneuerbare Energien stattdessen aus dem allgemeinen Steueraufkommen finanziert werden. Es muss offengelegt werden, welche Energieart wie stark
subventioniert wird.

„Und wenn wir die Steuern dafür heben müssten haben wir ein gutes Argument wieder die Atomkraft mit dem Argument einzuführen, dass sie billiger sei und wir ja nicht in den Markt eingreifen dürfen. Dann werden wir argumentieren, dass gesellschaftlicher Fortschritt im Sinne erneuerbarer Energien zuviele Subventionen kostet und es geht zurück zu Energien, bei denen nach uns die Sintflut kommen kann.“

Integrationspolitik

Wir fordern eine Neuordnung des Einwanderungsrechts. Deutschland braucht qualifizierte und integrationswillige Zuwanderung.

„Wir fordern nur noch Menschen einwandern zu lassen, die fließend hochdeutsch reden und schon Schweinebraten essen, bevor sie da sind. Eine Konvertierung zum Christentum ist wünschenswert, aber wenn das mit dem Schweinebraten klappt und die weniger Geld wollen als unsere Arbeiter bei gleicher Bildung, nehmen wir sie gern. Außer sie sind Fußballer, dann fällt das mit dem deutsch weg. Artikel 16a Grundgesetz existiert nicht, wenn die nicht Fußball spielen können, brauchen sie auch kein Asyl. Und soundso brauchen wir keine Ausländer, weil wir Deutschen sind eh die besseren Menschen.“

Wir fordern ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild. Eine ungeordnete Zuwande- rung in unsere Sozialsysteme muss unbedingt unterbunden werden.

„Die Kanadier haben ihre Fremdenfeindlichkeit hinter einem Punktesystem versteckt und das könnten wir ja auch machen.“

Ernsthaft politisch Verfolgte müssen in Deutschland Asyl finden können. Zu einer menschenwürdigen Behandlung gehört auch, dass Asylbewerber hier arbeiten können.

„Und da kaum jemand eine ernsthafte politische Verfolgung nachweisen kann, schmeißen wir die ganzen Schmarotzer wieder raus. Wenn es doch mal jemand schafft, dann darf er unsere Straße kehren anstatt einfach nur versorgt zu werden.“ Es gibt von mir einen Perfidiebonuspunkt für den Konjunktiv im ersten Satz. Es ist schon toll, wie man Fremdenfeindlichkeit so formulieren kann, als hätte man nur deren Bestes im Sinn.

AfD übersetzen – Das Kurzwahlprogramm zur Bundestagswahl 2013 (4)

So. Weiter geht es.

Staatsfinanzen und Steuern

Wir fordern, die Schuldenbremse zu achten und die Schuldenberge abzubauen. Auch Deutsch- land hat viel mehr Schulden als zulässig.

Also das ist natürlich so eine Hülse, die auch von anderen Parteien herbeigeredet wird. Es wird nicht deutlich, warum eigentlich Staatsschulden etwas schlimmes sind, jenseits dessen, dass wir unsere Währung nicht austauschen können und sie im Zweifel nicht los werden. Die Aufgabe des Staates ist ja nicht eine gute Bilanz zu haben, sondern das Gemeinwesen zu stützen.

Wir fordern, dass die Haftungsrisiken aus der Euro-Rettungspolitik endlich in der Finanzplanung berücksichtigt werden. Derzeit wird den Bürgern bewusst Sand in die Augen gestreut.

Der zweite Satz ist reine wissende Demagogik. Die AfD weiß, dass wir da „belogen“ werden. Hier wird ein aufklärerisches Interesse vorgeführt, aber die Argumentationslinie ist diejenige, die man auch von Esoterikern kennt. Wird gesagt, dass diese Forderung erfüllt ist, kann man immer noch behaupten, dass die Zahlen nicht stimmen und dass die Politik weiter lügt, weil man selbst wisse es ja ohne Angabe von eigenen Zahlen besser. Man kann sogar fiktive Zahlen anführen und sich dafür anfeinden lassen und damit besser stehen. Heimlich wird hier die Autorität von Herrn Lucke als Wirtschaftsexperten angeführt, die natürlich auf die ganze Partei abfärbt. Es ist also eine Kombination aus: „Wir sind schlauer als ihr.“ und „Ihr lügt alle!“

Wir fordern eine drastische Vereinfachung des Steuerrechts in Anlehnung an das progressiv wirkende Kirchhofsche Steuermodell. Der Bürger muss verstehen können, warum er in welcher Höhe besteuert wird.

Kirchhoffsche Steuermodell ist eine sehr liberale/libertäre Idee. Es beruht auf einem Konzept der Gerechtigkeit, bei dem Gleichbehandlung als gerechter gesehen wird als unterschiedliche Behandlung. Derzeit gilt in Deutschland die Idee, dass je mehr Einkommen Menschen verdienen, sie auch mehr Steuern bezahlen. Dabei sind aber viele Einkommensarten wiederum ausgenommen. Im Kirchhoffmodell zahlt man immer auf alle Einkommensarten eine feste Steuer, damit zahlen die „Reichen“ definitiv mehr Steuern als bisher, die „Armen“ im Zweifel aber auch. Die Frage ist ob dies gesellschaftlich gewollt ist. Der Bürger will vor allem verstehen, warum der andere weniger besteuert wird als er selbst.

Alterssicherung und Familie

Die Eurokrise gefährdet alle Formen der Altersvorsorge durch Überschuldung und minimale Zinsen. Die Schulden der Eurokrise dürfen nicht zu einer Rente nach Kassenlage führen.

Diese Aussage geht von einer starken privaten Rentenvorsorge der Bürger aus. Das Rentensystem in Deutschland ist vom Steuersystem und den Staatsfinanzen theoretisch getrennt. Die Schieflage des Rentensystems entsteht durch den demografischen Wandel und nicht durch fehlerhafte Finanzpolitik. Die macht es vielleicht schlimmer. Die Europolitik hat damit erstaunlich wenig zu tun, aber die Europolitik ist das einzige Thema der AfD.

Wir fordern, Kinder stärker bei der Rentenberechnung zu berücksichtigen.

Wie, warum und ob das bei Schwulen auch gilt, steht da dann ma nicht. Aber gut.

Deutschland hat zu wenige Kinder. Renten- und Krankenversicherung stehen deshalb auf tönernen Füßen. Deutschland muss kinder- und familienfreundlicher werden.

Man könnte natürlich auch das Renten- und Krankenversicherungssystem verändern. Hier steht eine konservative Haltung dahinter, die unser Sozialsystem als gegeben betrachtet und denkt, dass sich die Welt dem System anpassen muss und nicht das System der Welt. Da ist die AfD aber jetzt nicht allein.

Wir stehen für den Schutz der Familie als Keimzelle der Gesellschaft. Eine solidarische Förde- rung der Familien ist eine Investition in unsere gemeinsame Zukunft und wesentlicher Teil des Generationenvertrages.

Und Familie bedeutet Mutter, Vater, Tochter, Sohn, mit einem arbeitendem Vater und einer Hausfraumutter, die Tochter lernt Ballett und der Sohn ist im Schützenverein und spielt Fußball.

 

AfD übersetzen – Das Kurzwahlprogramm zur Bundestagswahl 2013 (3)

Und weiter geht es.

Rechtsstaatlichkeit und Demokratie

Wir fordern, den Rechtsstaat uneingeschränkt zu achten. Staatliche Organe dürfen sich selbst in Einzelfällen nicht über Gesetze und Verträge hinwegsetzen. Vielmehr sind diese nach ihrem Buchstaben und nach ihrem Geist zu respektieren.

Der Rechtstaat beinhaltet folgende Komponenten: Rechtsgleichheit, Rechtssicherheit, die Bindung des Staates an Recht und Gesetz und unabhängige Richter. Für die AfD scheint hier nur die Bindung des Staates an Recht und Gesetz wichtig zu sein. Wobei das Gesetz auch nur respektiert werden soll. Eingehalten steht da jetzt nicht. Spannend ist, dass dies auch auf Verträge zutrifft, was immerhin erklärt, warum sie die Änderung der EU Verträge beim Europarecht verlangen.

Das Handeln jeder deutschen Regierung findet seine Beschränkungen im Völkerrecht, im Grundgesetz und in den Europäischen Verträgen. Diese sind für unsere Gesellschaft von fundamentaler Bedeutung und strikt zu befolgen.

Hier ist die Reihenfolge eigenartig. Das Handeln der Regierung findet seine Grenzen im Grundgesetz und nicht im Völkerrecht. Das Völkerrecht ist eher ein internationaler Sandkasten ohne Regeln. Hier werden die europäischen Verträge auch einzeln genannt als möchte man betonen, dass die Position unter Währungspolitik vollkommen legitim ist, weil man die Verträge, die man ändern und dann am besten abschaffen möchte, ja an sich wichtig findet. Die AfD darf sich da gerne mal entscheiden.

Wir fordern eine Stärkung der Demokratie und der demokratischen Bürgerrechte. Wir wollen Volksabstimmungen und -initiativen nach Schweizer Vorbild einführen. Das gilt insbesondere für die Abtretung wichtiger Befugnisse an die EU.

Demokratie gibt es in indirekt und direkt. In Deutschland wird vor allem eine indirekte Demokratie bevorzugt, da die Zeit der Nazidiktatur gezeigt hat, was passiert wenn man die Bevölkerung agitiert. Die AfD wünscht sich das natürlich aus zwei Gründen. Zum einen ist die Forderung nach mehr Demokratie (was immer das sein mag) immer gut, zum anderen sind konservative Entscheidungen bei Volksentscheiden wahrscheinlicher als progressive, insbesondere, wenn Parteien wie die AfD dann noch agitieren. Besonders perfide sind die „demokratischen Bürgerrechte“. Bürgerrechte betreffen nur Bürger eines Staates und sind weniger als Menschenrechte, die für alle Menschen gelten. Demokratisch können beide Rechte nicht sein, weil Demokratie nun mal eine Regierungsform ist. Dies ist also pseudo-volksnahes Gewäsch.

Parteien sollen am politischen System mitwirken, es aber nicht beherrschen.
Wir fordern mehr direkte Demokratie auch in den Parteien. Das Volk soll den Willen der Parteien bestimmen, nicht umgekehrt.

Dieser Absatz zeugt wahlweise von kompletter Ignoranz des politischen Systems oder abgrundloser Perfidie. Parteien kanalisieren politische Meinungen, sie sind nicht das Sprachrohr einzelner Menschen. Parteien in Deutschland sind qua Grundgesetz demokratisch und auch direktdemokratisch zu organisieren. Ich wünsche mir, dass die AfD das bitte vormacht. Herr Lucke wird sich sicher freuen, wenn jede Entscheidung von seiner Partei per Abstimmung getroffen wird. Es gibt Gründe, warum man deligiert. Die Perfidie dieser Aussage ist es den Lesern die Idee zu vermitteln, dass die AfD ihre Partei ist, in der sie voll mitsprechen können und die anderen Parteien ja alle nur weltfremde Eliten seien. Das mag richtig sein, es hierbei sei aber auch darauf hingewiesen, welche Berufe die Granden der AfD ausüben.

Wir fordern, dass Bundestagsabgeordnete ihre volle Arbeitskraft der parlamentarischen Arbeit widmen. Das Mandat darf nicht unter bezahlten Nebentätigkeiten leiden.

Es wird hier nicht gefordert, dass Abgeordnete dafür angemessen bezahlt werden. Das werden sie im Zweifel in Deutschland immer noch nicht. Die Nebentätigkeiten könnte man dann verbieten. Hier wird auch wieder mit dem Hass des Volkes auf die „faulen und verkumpelten“ Politiker gesetzt. Ich möchte darauf hinweisen, dass der zweite große Sprecher der AfD der Wirtschaftsvertreter Hans-Olaf Henkel ist. (Herr Henkel ist kein Mitglied der Partei, aber gerne ihr Sprachrohr.)

Wir setzen uns dafür ein, dass auch unkonventionelle Meinungen im öffentlichen Diskurs ergebnisoffen diskutiert werden, solange die Meinungen nicht gegen die Werte des Grundgesetzes verstoßen.

Diese Formulierung findet man in anderer Form auch bei der NPD. Sie ist eine Schutzfloskel um Meinungen, die eigentlich gesellschaftlich geächtet sind trotzdem zu verbreiten. Die Werte des Grundgesetzes werden hier genannt um rechtsstaatlich zu wirken. Dabei widersprechen andere Forderungen dann auch mal gerne irgendeinem Grundrecht und man zieht sich auf „man wird das wohl doch noch sagen dürfen!“ zurück. Hiermit soll ein Weg geebnet sogenannte „Denkverbote“ aufzulösen, diese „Denkverbote“ sind meist gesellschaftliche Stigmata, die in Deutschland auf Ausländerfeindlichkeit, soziale Ungerechtigkeit und mangelnde Gleichberechtigung liegen. Es ist also ein Feigenblatt, mit dem man so tut, dass man ja nur die „Wahrheit sagt“ und dass die anderen alle festgefahren sind.

AfD übersetzen – Das Kurzwahlprogramm der Bundestagswahl 2013 (2)

Teil zwei der Serie in der ich das Bundestagswahlprogramm 2013 der AfD übersetze. Diesmal:

Europapolitik

Wir bejahen ein Europa souveräner Staaten mit einem gemeinsamen Binnenmarkt. Wir wollen in Freundschaft und guter Nachbarschaft zusammenleben.

Binnenmarkt ja, aber bitte nicht das selbe Geld. Dies widerspricht irgendwie den Aussagen aus der Währungspolitik. Freundschaft und gute Nachbarschaft bedeutet hier auch, dass da bitte eine Grenze dazwischen ist. Denn zwischen dir und deinem Nachbarn ist immer eine Hecke.

Wir bestehen auf dem uneingeschränkten Budgetrecht der nationalen Parlamente. Eine Transferunion oder gar einen zentralisierten Europastaat lehnen wir entschieden ab.

Die EU bedeutet gemeinsamer Binnenmarkt, soll dieser überleben muss auch die Wirtschaftspolitik zumindest angeglichen werden. Das berührt aber nicht das Budgetrecht der Nationalparlamente, denn Steuern werden bisher national und nicht zentral erhoben. Der zweite Satz schürt Ängste des nationalen Identitätsverlustes und der Kontrolle durch die berüchtigten Technokraten der EU.

Wir werden dafür sorgen, dass Gesetzgebungskompetenzen zurück zu den nationalen Parlamenten verlagert werden.

Nunja, die AfD möchte ja eh die Europäischen Verträge kippen oder ändern. Dann ist auch das hier möglich. Die Abgabe von Gesetzgebungskompetenzen an die EU ist übrigens notwendig um diesen Binnenmarkt zu unterhalten, den sie sich weiter oben weiterhin wünschen. Es scheint, als möchte man alle Vorteile ohne die Kompromisse, die eine supranationale oder internationale Organisation wie die EU bedeutet. Wir wollen viel Geld machen, aber bitte alles behalten.

Wir werden uns für eine Reform der EU stark machen, um die Brüsseler Bürokratie abzubauen und Transparenz und Bürgernähe zu fördern.

Warum das da steht, wundert dann schon. Weil eigentlich will man oben verklausuliert den kompletten Kern der EU aushöhlen. Diese Aussage soll primär die diffusen EU-Ängste der Bürger schüren und beschwört dabei das breitgetretene Bild des Bürokratiemonsters EU. Dabei setzt man hier natürlich darauf, dass keiner so richtig weiß, wie diese EU funktioniert.

Das europäische Parlament hat bei der Kontrolle Brüssels versagt. Wir unterstützen nachdrücklich die Positionen David Camerons, die EU durch mehr Wettbewerb und Eigenverantwortung zu verschlanken.

Das beste Bonmot am Ende. Die Briten waren schon immer EU skeptisch bis feindlich und das seit dem Aufsteig von UKIP umso mehr. Diese Briten sehen die EU maximal als Steigbügelhalter für den eigenen wirtschaftlichen Erfolg und nicht als Friedensprojekt. Dementsprechend bezeichnend ist es, wenn David Camerons Positionen, die auch die EU eher auflösen wollen, hier genannt werden. Cameron hatte erst kürzlich damit gedroht die EU zu verlassen, wenn der Rest der Union nicht nach seiner Pfeife tanzt.

Diese haben übrigens nichts mit dem europäischen Parlament zu tun. Die  Idee, dass das Parlament „Brüssel“ kontrollieren soll, zeugt übrigens von mangelnder Durchdringung des Sachverhaltes. Die EU ist konsensorientiert und damit weniger konfrontativ. Hinzu kommt, dass die zentralen Kontrollen auch durch die Organe der Mitgliedsstaaten (Rat der EU, europäischer Rat) ausgeübt werden.

AfD übersetzen – Das Kurzwahlprogramm der Bundestagwahl 2013 (1)

Caspar Clemens Mierau wünscht sich, dass jemand die AfD übersetzt. Ich werde hier meinen kleinen Beitrag mit dem Kurzwahlprogramm zur Bundestagswahl 2013 leisten. Von diesem ist auszugehen, dass es die Basis für die nächste Wahl wird.

Währungspolitik

Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro.

 

Dies ist in diesem Bereich die zentrale Forderung, der AfD. Sie ist ziemlich klar. Die Begründung im zweiten Satz bedeutet, dass wir als Wirtschaft stark genug sind um ohne einen großen Binnenmarkt mit einfachen Absatzmöglichkeiten zu überleben. Das ist eine nationalstaatliche Auslegung von Wirtschaft, die auf der einen Seite globalisierte Wirtschaft ignoriert und gleichzeitig den Mythos der deutschen Wirtschaftsstärke heraufbeschwört. Die anderen Länder werden nicht näher genannt, aber es soll hier suggeriert werden, dass eine Abschaffung des Euro für diese Länder eine Gnade sei. In der Formulierung sind sie aber egal. Es geht primär um Deutschland. Der Rest Europas, mit dem wir heutzutage eng verbunden sind, ist unwichtig.

Wir fordern die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.

 

Die AfD stellt sich gerne gegen „Denkverbote“ so auch in dem Nebensatz mit der Wiedereinführung der DM. Hierbei werden zum einen Euro=Teuro Ressentiments bedient, zum anderen wird mit dem ersten Satz suggeriert, dass eine kleinere (lies nationalstaatlichere) Währungseinheit stabiler ist. Markant ist auch das oder zwischen nationale Währungen und stabilerer Währungsverbünde letztere scheinen hier nur eine Notlösung zu sein.

Wir fordern eine Änderung der Europäischen Verträge, um jedem Staat ein Ausscheiden aus dem Euro zu ermöglichen. Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen.

 

Die AfD hat richtig erkannt, dass es eine Änderung der Europäischen Verträge benötigt um aus dem Euro auszusteigen. Ein Land kann das theoretisch auch freiwillig machen, aber das ist völkerrechtlich relativ komplex. Der zweite Satz suggeriert, dass uns Deutschen unsere Währung weggenommen wurde und wir über diese Währung demokratisch bestimmen. Das ist leider nicht richtig. Währungen werden von Staaten festgelegt, nicht Bevölkerungen. Eine Währung als legales Zahlungsmittel hat nichts mit Demokratie zu tun, außer, dass wir die Leute wählen, die festlegen, wie diese Währung aussieht. Die Entscheidung, was ein Volk als Währung hat, ist nicht die Entscheidung des Volkes sondern der Regierung. Diese mag demokratisch gewählt sein, aber das hat wenig damit zu tun, was die Leute auf der Strasse davon halten.

Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert.

 

„Wir fordern, dass Deutschland die schwachen Länder der Eurozone mit ihrem Bankrott erpresst, bis ihm gestattet wird sich offiziell aus der Verantwortung zu schleichen.“

Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik. Sie müssen zuerst dafür geradestehen.

 

„Wir fordern, dass die bösen Banker dafür gehängt werden!“ Die politische Verantwortung für die Eurokrise liegt bei den Regierungen der Länder und deren nationalstaatlich ausgerichteter Wirtschaftspolitik in einem europäischen Binnenmarkt. Die mangelnde Regulierung des Bankenwesens ist Verantwortung der Politik, nicht der Banken. Hier wird ein einfaches Feindbild aufgebaut ohne zu hinterfragen, was die strukturellen Ursachen der Eurokrise sind. Aller Fairness nach: die etablierten Parteien schauen da meistens auch nicht hin. Ist etwas peinlich, was da rauskommt.

Wir fordern, dass hoffnungslos überschuldete Staaten durch einen Schuldenschnitt entschuldet werden.

 

„Der deutsche Steuerzahler sieht sein Geld nie wieder.“ Der Schuldenschnitt wird oft gefordert, allerdings belastet er einseitig die Steuerzahler der anderen europäischen Länder, weil ein Schuldenschnitt von privater Seite (Banken…) her wohl kaum realistisch ist. Es ist vielleicht ein notwendiges Mittel, aber dafür, dass die Banken oben für alles gerade stehen sollen, geht das mit dem Aufgeben von staatlichen Einnahmen schnell.

In der Schuldenkrise müssen Banken ihre Verluste selbst tragen oder zu Lasten ihrer privaten Großgläubiger stabilisiert werden.

 

Das ist zum einen eine sehr populistische Forderung, zum anderen eine, die öfter diskutiert wurde. Die deutsche Politik hat sich hier entschieden Banken zu retten und große Schwächungen der Wirtschaft zu vermeiden. Es ist zumindest diskussionswürdig, ob ein solche Vorgehen ratsam ist.

Wir fordern ein sofortiges Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank. Inflation darf nicht die Ersparnisse der Bürger aufzehren.

Diese Forderung versteht niemand. Aber gut, es geht hier darum dass die EZB immer mehr Geld druckt und deswegen mein eigenes Geld immer weniger wert ist, während die EZB mit dem vielen neuen Geld die Schrottpapiere aufkauft. Die Forderung ist auch diskussionswürdig, aber die Frage ist, ob die drohende Deflation uns wirklich mehr bringt. Es ist am Ende eine populistische Forderung, die darauf anspielt, dass der Kleinsparer hier übers Ohr gezogen wird.

In der finsteren Zukunft gibt es nur weiße Männer…

Die Frage der Inklusion von Geschlechtern hat im Spielzeugmarkt schon viele Debatten ausgelöst. Große Ziele waren die Überraschungseier für Mädchen ((Persönliche Anmerkung: die haben doch nen Knall!) oder aber Legos Diversifikation in Jungen und Mädchenlego ((Die auch!))

Doch da gibt es noch Bereiche, in die bisher kaum gesehen wurde. Neben den eher bekannten Formen von Spielwaren gibt es auch noch Randbereiche der Spielwaren. Am ehesten der Masse bekannt sind die Sammelkartenspiele ((Yu-Gi Oh, Pokemon, Magic the Gathering sind hier bekannte Vetreter.)) Diese zeichnen sich durch eine hohe Anzahl an männlichen Spielern aus und verschlingen erstaunlich viel Geld. Sie sind aber nicht mein Hauptthema.

Das sind die noch interessanteren Miniaturenspiele. Diese Spiele basieren auf den Zinnsoldaten, die früher für Schlachtplanungen verwendet wurden und stellen heute komplexe Schlachtsimulationen dar, die auf gestalteten Spielfeldern ((Tabletops)) mit detaillierten Regeln gespielt werden. Das Geschäftsmodell der Spielehersteller basiert dabei darauf, zum einen die Miniaturen zu verkaufen und aber auch die Regeln zu gestalten. Das führt gerade beim Marktführer Games Workshop dazu, dass die Miniaturenverkäufe über die Regeln gesteuert werden. Zum Miniaturenspiel gehört neben Regeln und Miniaturen zur Schlachtsimulation auch eine Hobbykomponente, da die Miniaturen und Schlachtfelder von den Spielern selbst gebastelt werden müssen. Diese Mittel werden zumeist auch von den entsprechenden Firmen verkauft.

Die Kundschaft von diesen Miniaturenspielen und auch den entsprechenden begleitenden Medien ((primär Internetforen und Magazine)) ist aber primär weiß, mittelschichtig und männlich. Das kommt natürlich daher, dass mit diesen Spielen viele typische „Jungentätigkeiten“ ((Ey, ehrlich. Ich spiele sowas jetzt wieder, mir graust es vor dem Gebastel leicht. Ich war da nie wirklich gut.)) bedient werden:

  • handwerkliches Arbeiten
  • taktisches Verständnis im Kampf
  • Wettbewerb

Das ist erst einmal okay so, da es irgendwie historisch gewachsen und auch der Effekt eines sozialen Prozesses ist. Allerdings sollte es auch möglich sein, dass diese Spiele mehr Menschen in ihren Bann ziehen. Ich kenne durchaus junge Frauen, die lieber basteln als ich, warum also nicht? Nunja, es gibt wenig bei diesen Miniaturenspielen, das Frauen oder aber auch nur  anspricht. Gerade bei den Systemen von Games Workshop gibt es eigentlich nur eine Fraktion, die aus Frauen besteht und diese wird immer wieder gerne marginalisiert und ist sogar in den Regelbüchern Opfer von blutigen Gemetzeln geworden. Nur um das mal kurz klar zu machen: GW hat mindestens 60% des Marktes weltweit und ist die klassische Einstiegsdroge für diese Spiele. Neue Spieler werden also an eine düstere Sci-Fi oder Fantasywelt herangeführt, in der Rasse keine Rolle spielt und Frauen nur als Opfer stattfinden. Es werden also Produkte produziert die stereotypisch auf die hauptsächliche Käuferschaft abzielen anstatt Produkte zu kreieren, die den Markt öffnen können.

Doch es gibt da auch schon Licht. In anderen Spielsystemen haben Frauen eine größere Rolle. Das Spiel Infinity, das ich selbst spiele, hat etliche starke Frauenrollen und obwohl es durch seine mangaeske Gestaltung und die teilweise vorhandenen Pin-Up Model Miniaturen durchaus klischeehafte Frauenbilder hat, finden sich eben auch starke eigenständige Frauen und sogar Einheiten, deren ganze Geschichte auf radikalem Feminismus beruhen. Es gibt sogar variable Frauenbilder zu finden in solchen Spielen wie Carnevale. Dort findet man auch alte oder beleibte Frauen. Dasselbe gilt für das Steampunkspiel Wolsung, in dem man Frauen findet, die Wissenschaft betreiben und für die man neben der sexy Miniatur auch eine findet, die nicht halb nackt ist. Was alle diese Spiele dazu noch hervorhebt ist, dass es hier auch eine mehr oder minder beschränkte kulturelle Vielfalt unter den Fraktionen gibt. Es gibt eben neben weißen Männern auch Massai, Asiaten oder Katzenwesen.

Trotzdem bleibt festzuhalten, dass die Sensibilitäten dieser Spiele sehr stark von dem Eindruck bestimmt sind, dass die Zielgruppe aus weißen Männern mit anglo-amerikanischem ((Ich fühle mich als Deutscher zum Beispiel mit vielen 2. Weltkriegsspielen nicht wohl. Hier wird halt auch die Seite glorifiziert, die zwar meine ist, die ich aber wirklich verabscheue.)) Hintergrund besteht. Dabei sind diese Spiele eigentlich ein tolles Hobby für jeden. Sie sind sozial, interaktiv, handwerklich und kognitiv fordernd. Ich würde mich freuen, wenn mehr Mädchen ihre Riot Grrlz losschicken um den Jungs in den Arsch zu treten. Doch dafür müssten sie diese erst einmal finden und den Mut besitzen in die leicht abgestandenen Gamerhallen zu gehen, die sehr oft diese maskulin-abschreckende Aura haben, die ihnen aus zuvielen Jahren geschlechtlicher Monokultur aufgeholfen wurde.

Vielleicht sollten wir mal Mädchengamertage machen…

Vom freien Medium zum Medium der Unterdrückung

Die social media Welt und daran angehängt die Reste der alten Medien beschäftigen sich seit gestern mit Bildern von amerikanischen Stars, die sich selbst nackt fotografierten und deren Bilder durch ein Datenleck veröffentlicht werden konnten.

Dazu kann man viel sagen und vieles wird gesagt. Zum Beispiel:

  • dass die ja selbst schuld sind Appleprodukte zu benutzen, bei Android wäre das nie passiert (aber natürlich…)
  • dass sie Nutten und Huren sind und nicht anständig (weil wir ja besser sind, vor allem diejenigen, die um das festzustellen erst einmal alle Bilder gesichtet haben) ((Das erinnert mich immer an den Teil der Parteiprogramms der bibeltreuen Christen, wo gefordert wird, dass Pornografie und Prostitution streng überwacht werden. Die Überwacher testen das dann unter Gefahr für ihre Seele sicher unter Schmerzen.))
  • dass die Bilder noch nicht mal was besonderes sind. (Kommt halt immer drauf an für, wen nicht?)
  • dass Frauen zum einen sich nackt fotografieren dürfen und sollten wie sie wollen und zum anderen die Welt an sich, sich bitte den Kommentar verkneift. (Endlich mal eine Aussage mit Hirn…)

Doch ich möchte einen Schritt weiter vorne anfangen. Der Grund, warum diese Fotogeschichte so ein Problem ist, ist dass hier nicht nur Frauen objektifiziert und sozial unterdrückt werden. Das ist ja irgendwie schon Standard in der schönen neuen Welt der social media. Es ist die Tatsache, dass der Kontrollverlust über Daten immer schneller passiert und dass Meinungen immer schneller ausgetauscht werden können. Doch der Umgang mit diesem Phänomen ist mittlerweile auf dem Niveau der Hexenprozesse von Salem angekommen. Unter dem Vorwand der freien Meinungsäußerung und mit der schweigenden und erigierten Masse im Rücken drücken Minderheiten ihre konservativen Wertvorstellungen in die Welt und unterdrücken damit die Freiheit, die uns das Internet und social media geben sollte. Anstatt endlich genug Raum für jede Nische zu haben, wird erfolgreich versucht eine Gleichschaltung ((Jap, das Wort ist Absicht.)) auf puritanische Werte zu erreichen, die selbst für 50er Jahre rückschrittlich erscheinen können. Anstatt also persönliche Freiheit zu generieren, generiert das social Web einen unheimlich engen Korridor sozialer Konstrukte und Erwartungen, denen man dringend entsprechen muss, möchte man nicht am nächsten Tag vom wütenden Mob zum Galgen gebracht werden.

Die Freiheit man selbst zu sein und vor allem die Freiheit dies jenseits von streng geschützter Privatsphäre in den globalen ((Das ist ja auch ein Lacher für sich. Wer denkt, dass das Web nicht komplett an Kulturgrenzen balkanisiert ist, zählt jetzt mal bitte die Websites im Verlauf, die nicht auf com,de,net oder org enden.)) Medien, die einem zur Verfügung stehen, zu tun, ist verschwunden, da immer mehr unseres Lebens vernetzt werden. Doch anstatt nun in der Weite des Netzes den Menschen ihre Frei- und Schutzräume einzuräumen, werden die Inhalte dieser nur noch auf den öffentlichen Marktplätzen vor der geifernden Masse verhandelt, deren Privatsphäre nur vorerst sicher ist, weil sie selbst noch uninteressant ist ((Es ist ja nicht eine Frage, ob du was zu verbergen hast, sondern nur vor wem.)) oder die sich eh schon komplett in der Öffentlichkeit entkleidet.

Das Letztere ist ja die Vision der post-privacy Befürworter. Diese vergessen hierbei immer, dass soziale Dynamiken keine Rücksicht auf die Einzelperson nehmen und damit post-privacy nicht zur ultimativen Freiheit sondern zur ultimativen Uniformität wird. Denn die Masse wird nicht anfangen das Individuum zu respektieren, sie wird das Individuum dazu zwingen sich anzupassen oder es zerstören. Und damit wird aus dem Traum der ultimativen Freiheit im Netz der Albtraum der ultimativen sozialen Unterdrückung aller durch alle. Die ersten Anzeichen hierfür kann man schon gut erkennen. Der Mob auf Facebook und twitter erschlägt jetzt schon regelmäßig die Dissidenten und zerstört Leben, die nicht den fiktiven Anforderungen entsprechen, die gesetzt werden und denen man selbst dann natürlich auch nie genügen könnte.

Punk is not dead. It just got itself some bagpipes and harps.

In Zeiten in denen Helene Fischer ((Kein Link, um Gottes willen, kein Link!)) der musikalische Mainstream ist, und damit das Merkeln auch im modernen deutschen Biedermeier angekommen ist, darf Musik nicht mehr politisch sein. Die Schmerzgrenze für politische Inhalte in Musik ist bei den meisten schon mit Rammstein und deren eher unterschwelligen Botschaften oder Wir sind Helden mit poetischen Meinungen erreicht. Da hört man doch lieber Andreas Bourani dabei zu, wie er sich und der deutschen Nationalmannschaft Relevanz zusingt oder trällert mit der abgehalfterten Führungsriege der CDU Lieder der Toten Hosen mit. ((Am Tag danach warf jemand Campino einen Backstein durchs Fenster um den ein Zettel gewickelt war, der ihm mitteilte, dass er aus der Vereinigung der Punks geschmissen wurde.))

Jetzt werden sicher einige sagen: „Punk ist gar nicht tot.“ Natürlich gibt es immer noch die ganze Sparte mit den drei Akkorden und der Wahrheit, die ist aber mittlerweile in sich selbst ergangen und hat sich eher einem widerborstig-apolitischen Hedonismus oder aber einer weitreichenden Kommerzialisierung ergeben. Da scheint Biertrinken des öfteren wichtiger als irgendeinen Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen.  Die politische Komponente ist größtenteils weg oder wird nicht mehr ernst genommen.

Woher soll Musik mit politischen Inhalten nun noch kommen? Okay. Wir haben Rapper wie Sookee, die das Thema beackern. Die meist eher plakativ, aber da geht was. Was noch? Metal? Da lebt zumeist auch der Hedonismus und wenn er es nicht tut, kann es sein, dass die Message auch mal gern verfassungsfeindlich ist. Deutschrock? Ja, doch. Wenn das nicht alles immer so bieder wäre. Da ist mir dann der HipHop wieder lieber. Mittelaltermusik? Das war doch immer nur romantisch verklärter Scheiß. Das sind die Ewig-gestrigen mit den Dudelsäcken und den Märchen, oder?

Ähja, irgendwie dann doch nicht mehr. Irgendwie kommt von der Harfenfraktion auf einmal Gegenwind. Da gibt es so zärtliche Hinweise von Schandmaul, dass Rechtsradikalismus in dem Bereich nix zu suchen hat. Und das sogar sehr schön tanzbar. Sowas schmettern dann bei Wacken mal mehrere tausend Leute mit.

Okay. Das ist jetzt irgendwie noch bürgerlich. Etwas pro-aktiver wird dann schon Ecke mit der eher akustischen Folkmusik. Da fängt es augenscheinlich harmlos mit der deutschen Band Faun an. Die wirkt zwar sehr hippymäßig und poetisch, bietet allerdings auch Lieder, die von den Zeitgeistfilmen ((Vorsicht, da ist auch Trutherbullshit dabei.)) inspiriert sind und auf den Konzerten, die wie folkige Goamessen wirken, wird gerne mal ein sehr okölogisches Weltbild verbreitet, insbesondere, wenn die Band es schafft auf ihrer Tour neben Merchandise einen kompletten Stand von Greenpeace mitzunehmen.

Doch da hört es nicht auf. Die Mittelalterrocker Saltatio Mortis fahren mit ihrem letzten Album Das schwarze 1×1 eine noch etwas deutlichere Linie. Hier geht es nicht mehr um gegenseitige Akzeptanz und poetische Naturliebe, sondern hier geht es um amtliche Gesellschaftskritik. Das klingt dann mal ordentlich rockig und bietet eine etwas veränderte Variante der deutschen Nationalhymne.

Doch damit nicht genug. Texter und Sprachrohr Lasterbalk der Lästerliche ((Hey, es ist ne Mittelalterband.)) lässt sich im Blog der Band gerne und länglich über GEMA, Politik und ähnliche Themen aus. Das Ganze länglich und pointiert. Hinzu kommt, dass die Band seit einiger Zeit die Umweltorganisation Sea Shepherd, die dann schon zur pro-aktiven Fraktion der Umweltschutzorganisationen gehören. Sea Shepherd beschäftigt sich primär mit Aktionen gegen Walfang und die Tatsache, dass sie getarnte Schiffe benutzen und auch schon Walfangschiffe geentert haben, sagt wohl genug.

Noch einen Tick politischer und pro-aktiver sind dann nur noch die Holländer von Omnia. Neben einer absoluten Punk/Hippyattitüde und reinem Selbstverlag, treffen sich hier Naturreligion, Gesellschaftskritik und politische Botschaft auf der Bühne und in vielen der neueren Songs. Vom eher philosophischen I don’t Speak Human


über das wütende Dance Until We Die

zum direkten Aufruf zur Intervention in Earth Warrior

gibt es hier eine klare politische Ansage, die man so vielleicht nicht erwartet und die bei den Mittelalterfestival gerade etwas bürgerlich-provinzieller Natur auch gern mal beklagt wird. Insbesondere relativ klare linke Ansagen, die hier getroffen werden schmecken rechtsgerichteten Pseudoteutonen nicht unbedingt.

Der Punk ist also nicht tot. Er hat sich nur Dudelsäcke geholt, spielt Harfe und protestiert gegen den Kapitalismus neben dem Gaukler.