Kategoriearchiv: Kunst, Literatur, Musik

Reading: Dresden Files

Ich wurde schon vor einiger Zeit auf die Dresden Files aufmerksam. Das ist eine Urban Fantasy Serie von Jim Butcher und als solche eigentlich schon ziemlich bekannt. Ich komme relativ spät zu der Party, aber habe in den letzten Monaten mal kurz die letzten 15 Romane aufgeholt. Das übrigens als e-Book und diese Darreichungsform ist durchaus angenehm.

Worum gehts?

Harry Blackstone Copperfield Dresden ist ein Wizard, also ein Zauberer. Er steht damit sogar in Chicagos gelben Seiten und arbeitet als Consultant für die Abteilung der lokalen Polizei, die mit den etwas eigenartigen Straftaten zu tun hat. Er ist ein echter Zauberer und verfügt neben passendem Stab und ähnlichen Utensilien auch über einen Geist in einem Totenschädel, der nahezu alles weiß. Dazu gesellen sich im Laufe der Bücher echte Paladine, Schwarzmagier, Faeries, tibetanische Tempelhunde, Sexvampire und vieles andere übernatürliche Gewürm. Dabei wird die Geschichte an sich immer epischer, aber gleichzeitig auch persönlicher. Die Welt steht auch dem Spiel und Underdog Harry Dresden ist anscheinend derjenige, der sie retten muss.

Dresden an sich ist genrebewusst und geht in den Büchern durch jegliche Art von Hölle und überlebt nur durch seine Renitenz und Sturheit, sowie durch eiserne Prinzipien. Dazu kann er auch gegenüber Autoritätsfiguren nicht seinen Mund halten und hat ein Talent dafür, dass alles um ihn herum schief geht.

Warum ist es gut?

Also, ich schreibe ja keine Reviews über Schrott, ausser er ist wirklich katastrophaler Schrott. Was die Dresden Files auszeichnet ist, dass es zwar Urban Fantasy ist, aber eigentlich primär eine Geschichte über Menschlichkeit und den Wert dieser. Es scheint am Ende immer das menschliche, imperfekte, improvisierte Element zu sein, das zum einen am Ende den Sieg bringt, aber zum anderen auch klar macht, wer die Monster sind. Und die Monster sind nicht immer übernatürlichen Ursprungs. Die Dresden Files bieten also neben Humor, Spannung und Action auch einen Blick in die menschliche Seele und das, was uns eigentlich wichtig sein sollte. Harry ist ein Held, weil er Ungerechtigkeiten nicht erträgt, nicht weil er „heldenhaft“ handelt.

Also, geht hin und lest die Dresden Files. Als e-Book auch echt erschwinglich.

Die Geschichte mit dem Strandbuggy

Ich fand diese Geschichte in Double Share aus den Trader Tales von Nathan Lowell. Der Kontext ist, dass der Protagonist der Geschichte von seinen Untergebenen gefragt wird, ob sie in einer anderen Abteilung helfen sollten und dabei kommt die Frage auf, ob es fair ist, wenn man sich extra Arbeit macht und andere davon dann einen Vorteil haben. Das Gedankenexperiment, das dann gegeben wird ist einfach sehr einleuchtend.

Gegeben ist, dass jemand ein Wagen mieten muss, um zu seinem Hotel am Strand zu kommen. Diese Person bezahlt den Wagen und zwar vollständig, weil sie ihn ja benutzen will. Was ist nun, wenn eine zweite, ihr bekannte Person auch zum Strand möchte? Die zweite Person mag vielleicht anbieten sich an den Spritkosten zu beteiligen oder ähnliches. Man wird sich sicher einig, denn man will ja zum Strand. Ist das fair? Sicher. Ist es auch fair, wenn die andere Person nichts dazuzahlt? Müssen tut sie nämlich nicht. Es sieht zwar so aus, als wäre es besonders großzügig, wenn man die andere Person mitnimmt, aber man hat den Strandbuggy eh schon bezahlt und die Fahrt mit mehr Leuten ist nicht nur umweltfreundlicher sondern hat im Zweifel sogar einen Mehrwert für sich. Wenn jemand die Spritkosten mitträgt, ist das schön, aber man fährt eh in die selbe Richtung.

Geister

Der beißende Rauch legt sich langsam über die nächtliche Stadt während du durch die Kälte läufst. Hier und dort stehen Hülsen auf der Straße, aus Pappe, aus Glas oder aus Fleisch. Der Smog des Rituals färbt sich orange im Licht der Laternen. Du siehst in die Schatten und siehst wie sie sich winden. Du gehst weiter und es blitzt rhythmisch auf der leeren Straße. Du näherst dich dem Rettungswagen und blickst an den Häusern hoch. Dort ist ein Lichtschein hinter den Gardinen und aus den Schatten des Fenstersims scheint eine Hand zu greifen. Im orange der Nacht kriechen gierige Krallen zum Lichtschein. Das schwache Leben scheint sie anzuziehen.

Du gehst weiter in die Nacht und passierst eine Gruppe Menschen, Musik dringt aus einer Tür und Papphütchen vermitteln verzweifelte Fröhlichkeit. Die vielen Flaschen auf der Straßen deuten darauf hin, dass man den betäubenden Knall gesucht hat, der das Leben wenigstens heute erträglicher machen soll. Und die vielen Flaschen in den Händen zeigen, dass man lieber auf Nummer sicher geht. Die Schatten der Menschen zerfliessen ineinander, bilden eine schwarze Wolke, die größer zu sein scheint als die wenigen Personen, die da stehen.

Du kommst an deine Tür und dein Schatten wird im Licht immer kleiner und verschwindet. Du denkst, dass du ein leises Fluchen hörst. Vielleicht bist du doch entkommen.

Rezension: Ocean at the End of the Lane

Ich kaufe Neil Gaiman Bücher ja blind. Das liegt daran, dass er wohl die Art von Geschichten erzählt, die mich am meisten berühren. Jedes Buch von ihm hatte eine Resonanz mit meinem Leben und hat sie auch immer wieder. Sein neustes Werk The Ocean at the End of the Lane tut das auch wieder.

Wie in den meisten seiner anderen Werke zieht Gaiman das Alltägliche in eine phantastische Parallelwelt. Diesmal geht es allerdings weniger um zufällige Helden, die schon öfter sein Thema waren, sondern eher um das Erwachsenwerden, Erwachsensein und die Tatsache, dass wir nur eine Chance haben alles richtig zu machen und am Ende das Vertrauen der Menschen um uns darauf beruht, dass wir uns anständig anstellen. Das alles ist das Ergebnis einer Handlung, die der Erzähler aus seiner Jugend erzählt und die nicht nur eine wunderbare und spannende dunkle Fantasygeschichte ist, sondern einen auch in das eigene Leben blicken lässt und es jedenfalls bei mir rekontextualisiert hat. Und mehr will ich eigentlich nicht erzählen, außer, dass es auch wieder Spaß gemacht hat, zu sehen aus welchen Quellen die phantastischeren Teile stammen können.

Also, Ich kann ja alles von Gaiman empfehlen, aber The Ocean at the End of the Lane kam auch irgendwie mal wieder an einer dieser Stellen in meinem persönlichen Leben, in dem es besonders gewirkt hat. Das zeichnet ja eigentlich Literatur aus.

Rezension: Beyond: Ready… Fight!

DSC0002Genereller Disclaimer: Ich kenne die Autorin schon lange persönlich, die Wahrscheinlichkeit, dass ich öffentlich je ein Buch verreißen werde ist deswegen sehr gering. ((Wer hier mitliest weiß das, aber auch.)) Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich das soundso tue, ist mittlerweile soundso gesunken.

Andrea Bottlinger ist schon seit ein paar Jahren Fantasyautorin und Lektorin und hat Anfang dieses Jahres ihren ersten Roman Aeternum veröffentlicht. Da ging es um Engel und Dämonen und sowas interessiert mich eigentlich kaum. Doch sie meinte dann, dass sie auch einen Cyberpunkroman schreibt und da war ich dann eher interessiert. Doch bevor ich zum Inhalt komme, hier noch einmal schnell die Fakten zu Beyond. Beyond erscheint als Ebook in sechs Teilen. Ich habe es mit bei Apple im iBook Store gekauft und war erstaunt, dass ich nur 2,49€ für etwas bezahlen musste, dass sich durchaus als lange Kurzgeschichte oder eben der erste Teil eines längeren Roman begreifen lässt. Die Geschichte ist an sich abgeschlossen aber man merkt ihr an, dass es hier noch weiter geht und da der Preis und das Produkt wirklich gut sind, werde ich sicher auch Teil zwei kaufen und lesen. Generell finde ich das Konzept des Rohde Verlags hier sehr gut, weil es das Ebook als Medium ernst nimmt und gleichzeitig dessen Vorteile besser nutzt. Ich hoffe, besonders für den deutschen Buchmarkt, dass dieses Experiment gut geht.

Doch nun zum Werk selbst. Es ist moderner Cyberpunk und hat mich als solcher wirklich überzeugen können. ((Und das ist nicht einfach!)) Die Prosa fließt locker flockig vor sich hin und steht der Geschichte nicht im Weg. Ich finde es immer sehr angenehm, wenn Sprache Stil hat, aber gleichzeitig nicht zum Selbstzweck wird. Das schafft Andrea hier ziemlich gut. Die Welt von Beyond ist logisch an dem weitergedacht, was wir heute schon kennen. Google Ads werden automatisch und inhaltlich passend an jede Email angehangen. Diese werden auch grundsätzlich mitgelesen und wenn man mit seinen interaktiven Brillen oder Kontaktlinsen durch die Straßen läuft werden soviele Werbecodes eingelesen, dass man sie filtern muss, um nicht von den Elektroautos überfahren zu werden. Also schlicht, das was uns in zehn Jahren so blüht.

In dieser Welt begegnet uns Leander, ein desillusionierter und leicht bitterer Programmierer, der eigentlich nichts mehr mit Beyond dem augmented reality game, das der letzte Schrei unter allem hippen in dieser Welt ist, zu tun hat. Das ändert sich, als er eine Nachricht eines alten Freundes erhält und damit nach Beyond zurückkehren muss. Nicht, bevor er feststellen muss, dass anscheinend echte Gegner hinter ihm her sind. Er findet in Charlotte, der Ex-Freundin seines Bekannten eine Gefährtin und beide begeben sich nicht ganz freiwillig zurück nach Beyond. Kämpfe gegen lustige Metaphern und ähnliche Späße aus den üblichen Computerspielen. Rollenspieler und Computerspieler werden hier ihre wahre Freude haben.

Meine Freude war, dass ich dieses Buch wirklich mit Genuss abends im Bett lesen konnte. Es durchaus schon zeigt, wohin die Reise geht und trotzdem eine gewisse Leichtigkeit und Treue zum Genre besitzt, die ich sehr charmant fand. Also, wenn ihr mal kurzen, angenehmen und durchaus genretreuen modernen Cyberpunk lesen wollt: Greift zu Beyond.

Interview mit Andrea Bottlinger II (wg. Beyond)

Es ist mir zum wiederholten Mal eine Freude Andrea Bottlinger zu befragen. Sie hat vor Kurzem ihre Buchreihe Beyond auf allen digitalen Kanälen veröffentlicht, die es so gibt. Es handelt sich hierbei um eine Serie von „Büchern“, die in Folge veröffentlicht werden. Ich selbst habe mir das erste Buch Ready…Fight! im iBook Store von Apple gekauft und gelesen. Deswegen möchte ich heute mit ihr über das neue Buch reden.

Hallo! Da sind wir mal wieder. Diesmal habe ich dein Buch sogar gelesen. Doch bevor wir über den Inhalt von Beyond: Ready… Fight! reden, möchte ich erst einmal wieder etwas die publizistische Seite beleuchten. Was führt dich dazu Beyond als Ebook zu vertreiben?

Mir hat das Konzept des Rohde Verlags gefallen, eine Geschichte in einer EBook-Reihe zu erzählen. Die Idee ist folgende: EBooks werden ein immer größerer Markt, aber es ist ein Markt, den die großen Verlage versuchen möglichst von sich fernzuhalten, indem sie ihre Bücher im EBook vielleicht einen Euro billiger anbieten als in gedruckter Form. Da muss es einen besseren Weg geben, und genau das wollen wir ausprobieren. Deshalb wird Beyond in Episoden zu je 2,45 Euro verkauft. Das ist ein Preis, den man sehr viel eher bereit ist zu bezahlen, um ein Buch von einem verhältnismäßig unbekannten Autor anzutesten.

Dazu kommt, dass der Rohde Verlag auch vom Genre her die richtige Idee hatte, wie ich finde: Science Fiction Leser gelten ja generell als technikaffin, also liegt es nahe, Science-Fiction-EBooks herauszubringen.

Das Ganze ist also ein Experiment. Ich möchte herausfinden, ob dieses Konzept funktioniert.

Das Buch erscheint ja in sechs Folgen oder Büchern, war das allein deine Entscheidung und was waren die Gründe das so zu tun?

Das Reihenformat gehört mit zum Konzept des Rohde-Verlags. Wir halten uns auch offen, mehr als sechs Folgen zu machen, auch wenn Band 6 definitiv die aktuelle Handlung abschließen wird. Ich baue in die derzeitigen Romane immer wieder kleine Hinweise ein, die ich später verwenden kann, um neue Geschichten daraus zu stricken.

Ich war sehr erstaunt über den relativ niedrigen Preis des Einzelkapitels, ist das Teil der Strategie? Immerhin ist Ready…Fight! durchaus schon ein gutes Drittel eines normalen Buches.

Das ist definitiv Teil der Strategie. Der Preis ist so berechnet, dass man, wenn man alle 6 Teile kauft, die zusammen ungefähr 600 Seiten haben werden, einen Preis gezahlt hat, der noch unter dem des durchschnittlichen 600-Seiten-Fantasy-Paperpacks liegt.

Denkst du, dass diese Art der Verbreitung und Vermarktung ein zukunftsfähiges Modell oder ein Modell der Zukunft sein wird?

Genau das will ich herausfinden. Ich sehe die Möglichkeit durchaus.

Doch nun zum Inhalt des Buches, oder besser des ersten Teils. Ich muss sagen, dass ich meinen Spaß mit Ready…Fight! hatte. Ich werde zwar hier im Blog noch einmal ausführlicher rezensieren, aber kann jetzt schon sagen, dass es mir gefallen hat. Die Anfangsfrage muss dann aber trotzdem sein: Cyberpunk? Ich dachte der sei tot!

Cyberpunk ist nicht tot. Die Ideen, die es früher in dem Genre gab, sind nur zu größeren Teilen Realität geworden oder wurden  noch übertroffen. Viele der alten Cyberpunkautoren konnten sich ja zum Beispiel die Möglichkeiten des W-LANs noch nicht vorstellen, oder die Idee, dass man mit seinem Handy von überall online gehen könnte.

Cyberpunk ist bisher einfach zu wenig mit der Zeit gegangen. Es braucht keine Leute mehr, die klobige Decks mit weniger Rechenleistung als ein heutiges Smartphone mit sich herumtragen, um sich irgendwo einzustöpseln. Das war zu den Zeiten von Neuromancer eine geniale Idee, aber wenn man in der heutigen Zeit Cyberpunk schreibt, sollte man von der heutigen Zeit ausgehen und versuchen, das ein Stück weiter in die Zukunft zu denken.

Wir leben ja eigentlich zumindest teilweise in der Welt, die die Cyberpunkromane der 80er beschreiben. Ist es schwer da noch etwas auf diese Welt draufzusetzen?

Wie gesagt gehe ich nicht von dem aus, was in den 80ern in dem Genre beschrieben wurde, sondern ich schaue mir an, was es heute gibt, und überlege, wie es in 20 oder 30 Jahren aussehen könnte. Ich denke, das ist mehr im Sinne des Genres, als einfach zu kopieren, was andere Leute vor Jahren geschrieben haben.

Wovon lässt du dich für die Welt von Beyond inspirieren?

Von allem Möglichen. Ich schaue mir an, was gerade erfunden wurde oder in der Entwicklung steckt und versuche mir vorzustellen, wie es wäre, wenn das Teil des Alltags wäre. Oder ich schaue mir derzeitige gesellschaftliche oder politische Entwicklungen an. Ich sage nur NSA. So lande ich dann zum Beispiel bei einer Welt, in der man keine Mail mehr schreiben kann, ohne dass irgendjemand mitliest und in der man einen Pop-up-Blocker braucht, um über die Straße gehen zu können, ohne dass man seine Glasses so voll mit Pop-ups hat, dass man die Straße nicht mehr sieht.

Ich fand es beim Lesen sehr angenehm, dass die Welt nicht gewaltsam konstruiert wirkte sondern sehr oft logisch an unserer weitergedacht war. Ist es da schwer sich nicht zu verrennen und unplausibel zu werden?

Es ist eher schwer, mit der Entwicklung mitzuhalten. Ich hatte die allgegenwärtige Überwachung für Beyond erfunden, bevor das mit der NSA bekannt wurde. Und danach saß ich da und dachte: „Wie setze ich da jetzt noch einen drauf?“

Im Roman bewegen sich die Charaktere durch eine Welt voller augmented reality. Dieses Konzept ist mir das erste Mal in Charles Stross‘ Halting State begegnet. Hältst du das für eine wünschenswerte Welt?

Ich halte neue technische Erfindungen generell für wünschenswert. Es ist halt immer eine Frage, was man dann damit anstellt.

Würdest du gerne in ihr leben?

In der Welt von Beyond würde ich nicht gerne leben, nein. Ich glaube nicht, dass Autoren da einen guten Stand haben. Im Zweifelsfall erginge es mir so wie der Reporterin Nina, die man in Band 3 kennenlernt.

In einer Welt mit Augmented Reality würde ich aber durchaus gerne leben. Das fände ich cool.

Kommen wir mal zu ein paar inhaltlichen Details. Ich fand die Werbung und auch den gelben Drachen sehr witzig. Letzteren kennen die Leser deines Blogs als allmächtige Metapher für unseren größten Logistiker. Wie viele dieser Ideen landeten im Buch, weil sie dich selbst nerven?

Ich glaube, jeder findet Werbung nervig. Die ist aber eher im Buch gelandet, weil es mir Spaß gemacht hat, sie zu schreiben – und weil ich es nur logisch finde, dass man sich in der Zukunft vor Werbung kaum mehr retten kann.

Der gelbe Drache hat sich einfach so ergeben. Meine Protagonisten müssen in dem Spiel Beyond eine Mission erledigen, die mit Post zu tun hatte, und ich brauchte einen Endgegner. Da habe ich wieder an das Bild gedacht, das ich schon vor Jahren entworfen habe: Der gelbe Drache, der auf den Briefen und Päckchen sitzt, die nie zugestellt wurden.

War es eine Genugtuung den gelben Drachen zu erlegen?

Das hat auf jeden Fall Spaß gemacht *g*

Ich fand die kleinen und großen Lacher im Buch sehr gelungen. Wie viel Freiheit hattest du beim Inhalt verglichen mit den anderen Werken?

Ich hatte vollständige Freiheit. Die einzige Vorgabe war, dass die Story auf 6 Bände passen muss, wobei jeder Band einen in sich abgeschlossenen Handlungsbogen hat. Das war kein Problem. Ich habe dann mit Markus Rohde erst über das Exposé und später noch mal über den eigentlichen Text gesprochen, und er hatte ein paar sehr gute Anmerkungen, aber es ist nicht so, als hätte er mich dazu verdonnert, irgendetwas zu ändern, was ich nicht ändern wollte. Die Zusammenarbeit mit ihm ist sehr gut.

Bisher hat ja der Hauptcharakter Leander einen gewissen Hintergrund bekommen, erfahren wir im nächsten Teil auch mehr über Charlotte?

Das tun wir tatsächlich. Wobei es im Gegensatz zu Leander nichts mit ihrer Vergangenheit zu tun hat, sondern wir in Band 2 sehen, was die derzeitigen Ereignisse aus ihr machen.

Das war es erst einmal mit meinen Fragen, ich hoffe, dass ich nach dem nächsten Teil wiederkommen darf. Ich danke für deine Geduld und Bereitschaft zu antworten.

Ich danke ebenfalls, und ich freue mich schon darauf, über den nächsten Teil wieder mit dir zu reden.

Also gehet hin und kauft Beyond: Ready…Fight! wo ihr es überall bekommt findet ihr hier.

Watching Bones.

Hachja, man hat ja manchmal wenig zu tun und dann muss man sich unterhalten. Ich habe das in den letzten Wochen mit dem chronologischen durchschauen sämtlicher Staffeln von Bones verbracht, weil ich erstaunlich wenig zu tun habe. Und nachdem ich das wirklich mit so 3-5 Folgen täglich mache, bekomme ich einen guten Überblick über die Mechanismen und Strukturen der Serie. Das wird also mal so eine richtig tolle literaturwissenschaftlich-soziologisch-psychologische Besprechung. ((Ich hab Zeit für sowas und habe es lange nicht mehr getan.))

Ich werde die Charaktere hier nicht vorstellen. Ich empfehle dafür die Charakterseite von TvTropes. Weiterlesen

Die Geschichte mit dem Strandbuggy…

Hier eine kleine Geschichte für euch… sie stammt aus den Trader Tales von Nathan Lowell, die ich euch hiermit ans Herz lege. Die Geschichte fand ich sehr schön, weil sie etwas zeigt, dass Identifikation und Rationalität mehr miteinander zu tun haben als man denkt.

Das Setting ist etwas Space Opera, also nicht wundern. Die Story geht ungefähr so:

Es wird die Frage gestellt, warum man etwas für das Raumschiff an sich tun sollte. Und der Portagonist gibt folgendes Gedankenbeispiel:

Stellt euch vor, ihr habt einen Strandbuggy gemietet um zum Strand zu fahren. Ihr habt ihn schon bezahlt und seid unterwegs. dann trefft ihr eine Bekannte, die auch zum Strand möchte. Ihr nehmt sie mit. Muss sie euch dafür etwas vom Sprit zahlen?

Die Antwort ist nein. Denn das Ding ist eh bezahlt und ihr wäret soundso gefahren. Die Bekannte macht das Erlebnis nur besser.

Sprich, wenn man etwas tut, dass man soundso tun möchte und dabei nette Gesellschaft hat oder aber andere Menschen hat, die davon einen Vorteil haben und die auch das eigene Erlebnis bereichern, dann braucht man dafür kein Geld verlangen, denn man hat einen Mehrwert bekommen. Wenn man von dem Menschen keinen Mehrwert hat, dann nennt man das meist Mitfahrzentrale. Da ist der gemeinsame Zweck das Fahren, nicht die Gemeinsamkeit, weswegen man dann auch Geld für verlangen kann.

Am Ende kann man das auch verallgemeinern: Nehmt jeden auf die Fahrt im Strandbuggy mit, wenn ihr soundso fahrt und ihr die Leute mögt. Wenn der Zweck eurer Reise der Zweck des anderen ist, dann muss derjenige entweder einen großen Wert für euch haben, sonst sollte es besser mal zahlen.

Grafisches Erzählen im Comic

Nachdem ich gestern den Vortrag auf der Nerdnite gehalten habe, gibt es jetzt das alles noch einmal in Textform zum ruhigen Nachlesen und mitdenken. Deswegen fangen wir dann auch mal vorne an.

Repräsentationen von Realität

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Das nebenanstehende Objekt hat, je nachdem in welcher Sprache man es bezeichnet, ganz unterschiedliche Lautkombinationen, die von der Sprechergemeinschaft vereinbart wurden um auf es zu referenzieren. In der deutschen Sprache ist es ein Baum und in der englischen ein tree. Was es tatsächlich ist können wir nicht sagen, denn Sprache ist ein Referenzsystem für Objekte in der Realität. Gleichzeitig kann jeder von euch auf dem Bild sofort erkennen, was es für ein Objekt ist.

Damit ist auch klar, wo der Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Repräsentation von Objekten ist. Visuelle Repräsentation ist direkter und immer detailreicher. Es werden viele Informationen gleichzeitig vermittelt und von unserem Gehirn verarbeitet. ((Übrigens sogar mehr als wir immer denken. Da wird ziemlich stark gefiltert.))

Bei dem Text, den ihr hier gerade lest, ist es genau anders. Text ist abstrakt. Zwar kann ein Wort mehrere Haupt- und Nebenbedeutungen haben, allerdings ist sehr viel mehr Text notwendig um die Informationen eines Bildes darzustellen, gerade wenn man alle Informationen verbalisieren wollen würde.

Das hat jetzt für eine Comic natürlich Konsequenzen. So wird das Geschichtenerzählen in einen visuellen und in einen verbalen Bereich aufgeteilt. Während die visuellen Informationen primär die Handlung und die Umgebung darstellen, wird Text für Gespräche aber auch abstraktere Informationen, wie Zeitsprünge oder Einordnungen benutzt. Letzteres ist ja ziemlich normal, aber wie die visuellen Informationen von uns so verarbeitet werden, ist eher spannend.

Besonderheiten sequenzieller Bilderzählungen

Nehmen wir mal einen schönen Comic von Jeph Jacques: Questionable Content. Öffnet den mal in einem zweiten Tab und folgt meinen Erklärungen. ((Und wenn ihr den noch nicht gelesen habt, gehet hin und lest ihn!))

Fangen wir mal mit der Frage des Handlungsverlaufs an. Wie ihr seht, haben wir eine Figur, die sich durch die Gegend bewegt. Im ersten Panel ist sie noch auf der Straße, während wir im zweiten Panel die Tür des Cafés hinter ihr zugehen sehen. Jeder weiß sofort, dass sie sich von dem einen zum anderen Bild bewegt haben muss. Dies passiert aber eigentlich im Gutter.  Der Gutter ist der schwarze Strich zwischen den Bildern. Dieser Strich beinhaltet die gesamte Handlung zwischen beiden Bildern. Wir füllen diese durch Deduktion aus. Das bedeutet, dass unser Gehirn aus den beiden Bildern eine Handlung ableitet, die dazwischen stattgefunden haben muss. ((Nuja, eigentlich muss sie das nicht, aber das menschliche Gehirn neigt dazu Plausibilitäten aufzumachen und zu gestalten.))

Damit kann man dann natürlich auch Spaß haben und nichtlineare Zeitverläufe gestalten. Schaut euch mal genau an, wie die Zeit zwischen den verschiedenen Panels vergeht. Die Unterhaltung in Panel 3-5 ist sicherlich viel kürzer als die Bewegung, die am Anfang des Comics stattgefunden hat, aber sie nimmt mehr Panels ein, als die anfängliche Bewegung. Das kann dann übrigens noch auf die Spitze getrieben werden, wenn man anfängt die Zeit für das Sprechen auch noch hereinzurechnen. Dann fällt einem auf, dass Reden eine zeitlose Handlung im Comic sein kann.

Spaß mit Semiotik

Die Semiotik ist die Wissenschaft und Lehre von den Zeichen und Symbolen. Es gibt noch ein Phänomen, dass bei der absoluten Kombination von Text und visuellen Mitteln auftreten kann. Zuerst begegnet ist mir das in Neil Gaimans Sandman, in dem auch viel Gebrauch davon gemacht wurde. Im Sandman werden nämlich die Sprechblasen der Charaktere in vielen Fällen grafisch gestaltet. Der Hauptprotagonist Dream, sowie seine Schwester Deilirium haben grafisch gestaltete Sprechblasen. Dream besitzt invertierte Sprechblasen, während Delirum in unsteter Schrift und mit   psychodelischen Farben hinterlegt spricht.

Beides passt gut zu den Charakteren, aber die spannendere Frage ist, was verstehen wir eigentlich. Was bedeutet es eigentlich, wenn ein Charakter in psychodelischen Farben spricht? Hier wird uns ein Gefühl, ein Eindruck vermittelt, der zwar eigentlich jedem klar ist, aber kaum verbalisierbar und beschreibbar ist. Hier entwickelt das Medium Comic Kommunikationsmöglichkeiten gegenüber der Leserin, oder besser ihrem Gehirn, die das normale Textmedium nicht hat. Leider werden diese Möglichkeiten noch zuwenig in den Comics genutzt, die ich bisher so konsumiert habe.

Fazit

Das Besondere am Comic ist also die Kombination aus visuellen und verbalen Repräsentationen der Realität und bietet damit Autorinnen Möglichkeiten ihre Leserinnen auf mehr Ebenen anzusprechen, die ihnen mit reinem Text nicht zur Verfügung stehen.

Nachklapp Nerdnite

Nur schnell ein kleiner Bericht über die Nerdnite gestern. Ich hatte meinen Vortrag über Grafisches Geschichtenerzählen im Comic gehalten und es war eher ein Ritt durch das Thema und solche Sachen wie Semiotik, Sprachtheorie und Zeitverlauf im Comic. Das war eigentlich das ganz lustig. Dem wenigen Publikum scheint es gefallen zu haben, die Kellerbühne im E-Werk ist etwas eigenartig, weil man im Endeffekt nach oben redet.

Danach gab es einen losen Vortrag über Entwicklungshilfe und Steuerflucht, dessen Quintessenz wohl damit zusammengefasst werden kann, dass die Nationalstaaten der globalisierten Wirtschaft nichts entgegenzusetzen haben.