Update Fotografie

So, ich habe ja dann mal an meinem Setup geschraubt, etwas geübt und mir grundlegendes Wissen angelesen und gehört. ((Hier seien die Podcasts Happyshooting und Wrint:Fotografie empfohlen.)) Und dann ergab es sich, dass ich mal zur Burgruine Rotenhan kam, weil meine liebe Freundin Isa einen Ort für ein Shooting brauchte. Also habe ich auch die Kamera eingepackt und hier gibt es ein paar der gelungenen Bilder.

Unbenannt

Das ist ein Burgrest. Die Burg ist eine Felsenburg und deswegen gibt diese Teile noch, obwohl sie im 14. Jahrhundert zerstört wurde.
Unbenannt
Ich nutze dann gleich mal die Gelegenheit, wieder etwas Markofotografie auszuprobieren und hier gefällt mir, dass die Schärfe in der Mitte des Bildes ist und nicht rein vorne oder hinten.
Unbenannt

 

Der Baumstamm gefällt mir, wegen des Lichtes.

Mehr Bilder gibt es im entsprechenden Album auf flickr.

Update Kurzreisen

So, aus dem Nichts kommt etwas zum Thema „ein paar Tage unterwegs sein“. Die lange Phase zwischen Weihnachtsferien und Faschingsferien ((Bayern richtet seine Schulferien an christlichen Feiertagen aus. Diesmal haben wir da acht Wochen Schule, dafür für die wichtigen Sachen, wie Fachabitur kaum Zeit.)) macht so ziemlich alle Leute fertig, darunter auch mich. Deswegen habe ich mich nach kurzem Überlegen und Befragen dazu entschieden in den Faschingsferien ein paar Tage nach Wien zu fahren. Dabei sein wird die Kamera, damit ich mal ein bisschen Zeit in Fotografie investieren kann. Mal schauen, wie’s wird.

Die Geschichte mit dem Strandbuggy

Ich fand diese Geschichte in Double Share aus den Trader Tales von Nathan Lowell. Der Kontext ist, dass der Protagonist der Geschichte von seinen Untergebenen gefragt wird, ob sie in einer anderen Abteilung helfen sollten und dabei kommt die Frage auf, ob es fair ist, wenn man sich extra Arbeit macht und andere davon dann einen Vorteil haben. Das Gedankenexperiment, das dann gegeben wird ist einfach sehr einleuchtend.

Gegeben ist, dass jemand ein Wagen mieten muss, um zu seinem Hotel am Strand zu kommen. Diese Person bezahlt den Wagen und zwar vollständig, weil sie ihn ja benutzen will. Was ist nun, wenn eine zweite, ihr bekannte Person auch zum Strand möchte? Die zweite Person mag vielleicht anbieten sich an den Spritkosten zu beteiligen oder ähnliches. Man wird sich sicher einig, denn man will ja zum Strand. Ist das fair? Sicher. Ist es auch fair, wenn die andere Person nichts dazuzahlt? Müssen tut sie nämlich nicht. Es sieht zwar so aus, als wäre es besonders großzügig, wenn man die andere Person mitnimmt, aber man hat den Strandbuggy eh schon bezahlt und die Fahrt mit mehr Leuten ist nicht nur umweltfreundlicher sondern hat im Zweifel sogar einen Mehrwert für sich. Wenn jemand die Spritkosten mitträgt, ist das schön, aber man fährt eh in die selbe Richtung.

Kameraupdate

Also, ich hatte ja meine Projekte für 2014 angekündigt und es gibt auch schon die ersten Neuerungen im Bereich Fotografie.

Kamera

Also, ich habe mir eine Pentax K-30 angeschafft, in der Modefarbe schwarz. Die Kamera ist so ausm Einsteigerbereich und wettergeschützt. Bisher hat sie mir gute Dienste geleistet und scheint auch sehr schöne Fotos zu machen.

Objektive

Bei der Kamera war ein wasserfestes Pentax 18-50mm Objektiv dabei und ich habe mir jetzt ein preiswertes Tamrom Reisezoom 18-200mm geschoppt, dass auf großer Vergrößerung makrofähig ist und für seinen Preis anständige Fotos produziert.

Stativ

Nachdem ich bei etlichen Fotos schon bemerkt habe, dass ich gerne eine längere Belichtungszeit hätte, um mit niedriger ISOzahl im Dunkeln zu fotografieren. Da lief ich in den örtlichen Fotoladen und die hatten gerade eines für sehr preiswert rumstehen. Das ist nun mir und wird wahrscheinlich reichen.

Erfahrungen

Die meisten Fotos, an denen ich mit Kamera herumspiele finden sich auf meinem Deviantartaccount. Ich habe die Wirkung der einzelnen Belichtungskomponenten (ISO, Blende und Belichtungszeit) mittlerweile halbwegs kapiert und denke, dass ich weiß, wie ich etwas erreiche, das ich will. Als nächstes geht es also darum mal in die Natur rauszugehen und eine längere Serie Bilder zu machen.

Die Hoffnung liegt in Leuten, die ihren Job machen

Nach seinem Vortrag auf dem 30c3 hat sich der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar mehrfach dafür bedankt, dass das Publikum ihn beklatscht, sich bei ihm bedankt und ihm standing ovations gibt. Er war augenscheinlich berührt, aber wirkte auch etwas beschämt, denn aus seiner Sicht hat er nur seinen Job gemacht. Diese Eigenschaft ist aber seltener als man glaubt und doch liegt in Leuten, die das tun eine Hoffnung für diese Welt, gerade bei Beamten.

Das Beamtentum ist so schön sicher, dass es einfach ist zu vergessen, was eigentlich der Job ist, den man da hat. Das mag bei Lehrern noch etwas schwerer sein, kommt aber schon da gerne vor. Bei Verwaltungsbeamten ist das dann noch schwieriger, obwohl gerade bei denen unheimlich wichtig ist, dass sie irgendwie einen Berufsethos haben. Denn wenn diese „unscheinbaren“ Beamten ihren Job nach den meistens gar nicht so schlechten Gesetzen machen und vor allem den Ethos des Gesetzes nicht vergessen, dann ist das die wahre Macht dieses Staates, die dann auch für die Bürger eingesetzt werden kann. Peter Schaar ist klar ein Beispiel. Er bekam die standing Ovations auf dem 30c3 vor allem dafür, dass er seinen Job ernst genommen und gemacht hat. Gleiches gilt für die Beamten, die beim BER dafür gesorgt haben, dass diese Bauruine keine Menschenleben kostet.

Gerade in so öffentlichen Ämtern hat man eben eine Verantwortung und die kann man dank Lebenszeitverbeamtung und ähnlichen Annehmlichkeiten auch schön im Trott vergessen. Doch dafür wird man bezahlt und die Leute, die ihren Job da ernst nehmen, retten dann auch mal die eine oder andere Welt. Die Hoffnung liegt also bei den Leuten, die ihren Job machen.

Geister

Der beißende Rauch legt sich langsam über die nächtliche Stadt während du durch die Kälte läufst. Hier und dort stehen Hülsen auf der Straße, aus Pappe, aus Glas oder aus Fleisch. Der Smog des Rituals färbt sich orange im Licht der Laternen. Du siehst in die Schatten und siehst wie sie sich winden. Du gehst weiter und es blitzt rhythmisch auf der leeren Straße. Du näherst dich dem Rettungswagen und blickst an den Häusern hoch. Dort ist ein Lichtschein hinter den Gardinen und aus den Schatten des Fenstersims scheint eine Hand zu greifen. Im orange der Nacht kriechen gierige Krallen zum Lichtschein. Das schwache Leben scheint sie anzuziehen.

Du gehst weiter in die Nacht und passierst eine Gruppe Menschen, Musik dringt aus einer Tür und Papphütchen vermitteln verzweifelte Fröhlichkeit. Die vielen Flaschen auf der Straßen deuten darauf hin, dass man den betäubenden Knall gesucht hat, der das Leben wenigstens heute erträglicher machen soll. Und die vielen Flaschen in den Händen zeigen, dass man lieber auf Nummer sicher geht. Die Schatten der Menschen zerfliessen ineinander, bilden eine schwarze Wolke, die größer zu sein scheint als die wenigen Personen, die da stehen.

Du kommst an deine Tür und dein Schatten wird im Licht immer kleiner und verschwindet. Du denkst, dass du ein leises Fluchen hörst. Vielleicht bist du doch entkommen.

Der Jahresrückblick 2013

Das Jahr geht zuende und was darf da nicht fehlen, genau der Jahresrückblick. Da es hier im Blog ja eher um das Denken über die Welt geht, wird es der Jahresrückblick der Konzepte.

Schock oder Sicherheit

Die Welt war 2013 im Schock. Also mit Welt meine ich natürliche die westliche Welt ((Der Rest hat seine Verwandten unter eingestürzten Nähereien, in zerstörten Städten und den Überresten von Kriegsgebieten gesucht, versucht etwas zu essen zu haben oder schlicht zu überleben.)) und Schock war in manchen Bereichen der Gesellschaft eher so das Pokerface, das die endgültige Sicherheit ausdrückt, das unsere Bürgerrechte oder auch Menschenrechte den Herrschenden und vor allem ihren nahezu autonomen Untergebenen scheißegal sind. Hier dann natürlich besonders, wenn es sich um Herrschende anderer Staaten handelt. Erst war die Bevölkerung schockiert, dass sie jenseits der freiwilligen Herausgabe aller Daten an Facebook und Google diese in Kopie auch noch einmal bei der NSA abgeben, dann war die Regierung schockiert, dass sie wie ein Bürger behandelt wird.

Stasis

Es bleibt 2013 auch vieles, wie es war. Die Bevölkerung hat ihr Interesse an Stasis eindeutig in verschiedenen Wahlen Ausdruck verliehen und die Regierung ist dem mit dem neuen Koalitionsvertrag nachgekommen. Die SPD hat uns mal wieder verraten und die Verachtung der Regierenden für die Bevölkerung ist genauso groß wie vorher und wir dürfen erwarten, dass keinerlei der immanenten Probleme gelöst oder aber auch nur erkannt werden. Damit bleibt dann auch die Erwartung, dass die Politikerverdrossenheit weiter mit dem revolutionären Potenzial steigt. Blieb also alles beim Alten.

Empörung

Gerade im Internet, aber auch in den Mainstreammedien, hat die Tendenz zur Empörung zugenommen. Die sozialen Medien haben sich als Ort der Empörung (twitter) und als Quelle der Empörung (Facebook) etabliert. Die extremen alternativen Positionen haben sich alle fröhlich eingemauert und sind für Argumente nicht mehr zugänglich. Der gesellschaftliche Fortschritt wird dem Aufregen über die Position des jeweils anderen geopfert. Denn die Welt hinter meinen Augen ist wichtiger als das Schicksal der Welt auf deren Existenz wir uns geeinigt haben.

Tidbits

Hier noch die kleinen und großen Fakten, die man für 2013 nicht vergessen sollte.

  • Die Menschheit hat ihr Potenzial nicht ausgeschöpft.
  • Politischer Protest wird Mainstream.
  • Es hören mehr Menschen bei Omniakonzerten auch auf die Ansagen.
  • Russland ist definitiv keine Demokratie mehr.
  • Die USA haben noch die Wahl, ob sie wieder eine werden.
  • Deutschland ist verzweifelt, dass das Grundgesetz eine Abschaffung der Demokratie verbietet.
  • Shopping Queen ist die Sendung des Jahres.
  • Auch im deutschen Fernsehen wird jetzt gebacken.
  • Markus Lanz macht immer noch Wetten Dass?!
  • Die Presselandschaft ist trotz Leistungsschutzrecht am Sterben.
  • Im Pazifik schwimmt immer noch ein Floß aus Plastikmüll.
  • Fukushima schmilzt immer noch vor sich hin.

Projekte 2014

Nachdem ich mich 2013 irgendwie in meinem Leben einrichten konnte, habe ich mir überlegt für 2014 doch mal Projekte anzusagen, die ich verwirklichen will. Das geht auf die Idee zurück, dass man sich Ziele setzen sollte, die man versucht(!) zu verwirklichen und eine gewisse Übersicht muss dann auch hier rein. Deswegen gibt es jetzt die Projekte für 2014.

Naturfotografie

Ich habe mir zu Weihnachten eine Kamera zugelegt und damit beginnt auch das erste Projekt. Da ich Naturfotografie mag, möchte ich versuchen mindestens zwei Mal eine kleine Reise machen um Fotos zu schießen. Die Ergebnisse davon und jede Menge anderer Spielereien am Gerät findet man dann auf meinem Deviantartaccount.

Infinity

Ich habe schon länger mit dem Tabletopspiel Infinity geliebäugelt und möchte endlich mal das Geld und die Zeit investieren eine Armee und entsprechende Spielmaterialien für mich zu bauen. Das wird wohl primär im Backspace stattfinden und ich hoffe am Ende des Jahres mit dieser Armee auch gespielt zu haben.

Rollenspielcon

Das habe ich zwar schon letztes Jahr angeleiert, aber es wird jetzt konkret. Ich möchte im Rahmen meiner Mitglieschaft bei Nexus eine Rollenspiel/Tabletop/TCG Con in Bamberg zu veranstalten. Die Kirche, bei der ich nebenbei ehrenamtlich im Jugendtreff tätig bin, hat mir den Gemeinderaum zugesagt und damit wird hier schon fleißig geplant. Wenn alles klappt kann ich da auch schon Infinity vorführen, ich bezweifle es aber.

Reise, Reise

Ich habe immer noch das Gefühl etwas zu sehr in Bamberg festzukleben und so möchte ich dieses Jahr mehr Kurzreisen machen. Ein paar Ideen und Ziele habe ich schon, aber wer gern mal von mir besucht werden will hinterlasse einen Kommentar oder eine Mail. Das geht dann auch etwas mit der Fotografie zusammen.

Fortschritt

Soweit es in den Projekten Fortschritte gibt erscheinen diese in der neuen Kategorie, die ich hiermit dafür schaffe. Wenn neue Projekte dazukommen, gibt es auch eine Meldung. Mal sehen, wie das wird.

Quiz mit Strategie: Bezzerwizzer

Es kommt die Weihnachtszeit und damit auch etwas die Zeit der Familienspiele. In einem Impulskauf griff ich ins Regal und trug Bezzerwizzer nach Hause. Dort angekommen stellte ich mit etwas Bestürzung fest, dass es ein Spiel von Mattel ist. Den Schreck überwunden habe ich es mit ein paar Gegnern getestet.

Spielablauf

Es spielen mindestens zwei Menschen und maximal vier Teams gegeneinander. Jedes Team hat eine Farbe und zieht sich vier verschiedene Fragekategorien. Diese sind breit gefächert von Religion bis zu Medien oder Sprache. Diese vier gezogenen Kategorien setzen die Teams auf ihrem Spielplan auf einen Punktwert von eins bis vier. Danach beantworten sie abwechselnd reihum die Fragen in aufsteigender Reihenfolge. Die Punkte werden gleich auf dem Spielplan gesetzt. So weit, so langweilig und Standard.

Die Teams haben die Möglichkeit auf verschiedene Arten taktisch in das Spiel einzugreifen. Zum einen bekommen sie einen zwap Stein, mit dem sie einmal alle Kategorien auf dem Spielplan tauschen können. Zum anderen zwei bezzerwizzer Steine mit denen sie andere Teams herausfordern können und Punkte dafür bekommen, wenn sie deren falschbeantwortete Fragen richtig beantworten. Das ist nicht ganz risikofrei, denn da kann man auch Strafpunkte bekommen.

Testeindruck

Nachdem ich eher so Quizprofi bin, bin ich gegen ein ganzes Team angetreten und die erste Feststellung ist, dass die Fragen teilweise sehr einfach und teilweise sehr weit draussen sind. Die Schwere entsteht hier einfach in dem Spezialwissen abgefragt wird. Das macht das Spiel gerade gegen Menschen mit diesem Wissen frustrierend.

Das taktische Element des Spiels wurde von meinen Testern zu wenig genutzt, unter anderem weil man frustriert über die Schwere der Fragen war und keine Chance sah.

Fazit

In einem Umfeld mit ungefähr gleich-gebildeten Spielern, die sich auch taktisches Spielen zutrauen ist bezzerwizzer okay. Dieser Kram mit dem „z“ finde ich persönlich albern und es ist ein schönes Spiel, wenn man mal nichts komplexes spielen will. Das taktische Element macht es im Zweifel interessanter als Trivial Pursuit, aber das war dann auch schon. Bezzerwizzer ist also Quizspieldurchschnittskost.

Für eine bessere Welt!

Nachdem es hier bisher ja darum ging die Romantik in dieser Welt darzustellen und zu dekonstruieren und aufzuzeigen, warum sie eine schlechte Idee ist, muss sich ja dann die Frage danach gestellt werden, wie wir diese Gesellschaft weiterbekommen, wenn es durch romantische Verklärung und den daraus resultierenden Zwang nicht wirklich möglich ist. Wie kann also eine Einstellung zur Welt aussehen, die positive Effekte hat, aber nicht dogmatisch oder unterdrückend ist oder in ihren Resultaten wird.

Egal um welche Facette des Sozialen oder Politischen es sich handelt, wenn man eine positive Veränderung möchte, dann braucht es mehrere Komponenten. Ein paar davon sind eher trocken, ein paar sind hier natürlich von meiner persönlichen Philosophie geprägt. ((Die schreibe ich irgendwann mal auf. Oder auch nicht…)) Also fangen wir mal vorne an.

Fakten

Es klingt jetzt irgendwie banal, wird aber in der medienverseuchten Postmoderne immer wichtiger, dass man wirklich die Fakten überprüft, soweit man es kann und sich auch bewusst ist, wenn man es nicht kann. Dazu sollte man gegenüber allen Quellen einen gewissen Grundsatzskeptizismus hegen und noch einmal mehr gegenüber welchen, die man nicht überprüfen kann und die offensichtlich eine Agenda haben. ((Beispiel: Das Innenministerium und die Terrorabwehr.)) Dazu sollten man immer versuchen alle Fakten zu haben oder sich wiederum bewusst sein, dass man diese eben nicht hat. Bevor man sich mit einem Problem beschäftigt muss man Fakten über dieses Problem haben, sonst wird es nur Gequatsche oder postmoderner Werteeinheitsbrei, bei dem man sich wahlweise aufgrund religiöser Tendenzen die Gurgeln rausreißt oder sich bestätigt, dass ja der andere genauso viel recht hat und man ja total tolerant ist. ((Also so tut, als würde man sich nicht gegenseitig die Gurgeln rausreißen wollen.))

Konsistenz

Ist das mit den Fakten geregelt, muss man diese bewerten. Das kann man eigentlich nach jeder Philosophie machen und das ist auch legitim, allerdings sollte man tatsächlich eine konsistente Argumentation aufbauen und sich die Frage stellen, ob das, was man da erzählt überhaupt noch mit den Fakten und vor allem mit dem restlichen Weltbild, was man so gerade zur Bewertung verwenden will, übereinstimmt. Egal, worum es geht, es wird nicht besser, wenn man sich selbst lieber und den anderen ein Märchen erzählt, das man dringend glauben will, aber das eben nicht stimmt. Gerade persönliche kognitive Dissonanz führt oft dazu, dass man eben die falsche Entscheidung trifft, weil man nicht einsieht, dass die eigenen Wünsche eine größere Rolle spielen, als man glaubt. Das ist alles okay, aber Konsistenz bedeutet eben eine Ehrlichkeit gegenüber der Sache und sich selbst und ohne diese wird das mit dem Weltretten nichts. Denn auf Lügen kann keine Strategie aufbauen, die dann belastbar die Welt verbessern kann.

Respekt

Doch, jenseits des eigenen Kopfes gibt es auch noch andere Köpfe und nur weil man Ordnung und eine Perspektive in seinem eigenen Schädel hat, heißt das noch nicht, dass das was man da denkt auch den anderen Leuten einleuchtet. Die Wahrscheinlichkeit, dass es mindestens eine Person gibt, die es genau anders sieht als man selbst. Diese und auch der Rest der Menschen benötigt eines: Respekt. Man muss den Standpunkt anderer Menschen nicht nachvollziehen können, obwohl das definitiv sehr hilft, aber man sollte ihn immer respektieren. Dabei ist die respektloseste Handlung gegenüber einem intellektuellen Gegner ihn mit eigenen Kampfbegriffen zu überziehen und a priori zu stereotypisieren. Respekt ist hier eine der wichtigsten Komponenten. Wir können nur zu einer möglichst idealen Einigung über ein Problem kommen, wenn sich jeder respektiert fühlt, denn nur dann kann man auch davon ausgehen, dass der Konsens zwischen allen Parteien tragfähig ist. Gegenseitige Vorwürfe und Zwang führen dazu, dass das beste Konzept zur Weltrettung nicht angewendet wird, weil die Mauer des Sozialen dazwischen steht. Wollen wir hier Probleme lösen, dann hilft es nicht die Menschen, die andere Ideen über die Lösung haben von vorneherein gegen uns und unsere Position aufzubringen.

Klare und einfache Sprache

Wenn man möchte, dass die ideale Weltrettungsidee, die wir auf Fakten hrausgefunden haben, konsistent begründen können und die von allen anderen als valide respektiert wird, auch irgendwie eine Wirkung bekommt, dann muss man sie so verpacken, dass sie jeder Depp und sein Bruder und im Zweifel dessen Hundesitterin versteht. Also kann man nicht irgendwelchen hochgestochenen überdefinierten Wissenschaftsdiskursen ankommen. ((Jedes Mal, wenn jemand auf twitter von einem wichtigen Diskurs redet, tötet Gott ein Kätzchen aus Frust darüber, dass irgendwelche Sesselfurzer angeblich tolle Gedanken im Lehnstuhl haben, aber anstatt zu handeln lieber quatschen.)) Es muss klar und einfach auch an den letzten Mann und die letzte Frau gebracht werden. Dabei geht es dann auch wieder um Respekt gegenüber dem jeweils anderen Menschen. Denn wenn ich ihn respektiere, dann ist er mir eine Erklärung wert, die er auch versteht.

In diesen Bereich gehört auch das Vermeiden von Diskussionsskripten und ähnlichen rhetorischen Tricks. Zum einen sind wir hier wieder beim Respekt angekommen, zum anderen bedeutet das Verwenden solcher Tricks, dass das mit den Fakten und der Konsistenz nicht stattgefunden hat. Wenn ich nämlich meinen Punkt anständig machen kann, dann brauche ich keine rhetorischen Tricks. ((Mit dem Gedanken mal ’ne Rede von irgendeinem Großpolitiker außer Gysi und Ströbele schauen. Die beiden glauben 100% was sie da erzählen.))

Eine Subkategorie dieser Skripte muss ich hier auch noch erwähnen. ((Weil mir davon besonders schlecht wird.)) Gerne wird versucht mit Hilfe emotionaler Wendungen Argumente zu gewinnen. Die Bochumer Arbeitsgruppe für sozialen Konstruktivismus und Wirklichkeitsprüfung hat in ihrem famosen Arbeitspapier 5 einige Varianten dieser Struktur dargestellt:

Der um den anderen besorgte Menschenfreund

  • „Wie kannst du nur mit diesen Gedanken glücklich sein?“
  • „Wie kannst du überhaupt mit diesen Gedanken leben?“
  • „Da mußt du doch mit verzweifeln!“
  • „Das du überhaupt noch ruhig schlafen kannst!“
  • „Du bist ein armes Schwein, wenn du solche Gedanken hast!“

Erklärung: Wie in anderen Skripten wird hier personalisiert, gleichzeitig dabei aber großes Verständnis für A gezeigt. B erscheint geradezu menschenfreundlich. B unterstellt mit seinem/ihrem Skript der anderen Person Gefühle, die diese eigentlich haben müßte (wenn er/sie nur ehrlich wäre und es zugeben würde etc.). A’s Gedanken sind nicht vereinbar mit einem stimmigen und zufriedenen Leben. B macht mit seinem/ihrem Skript auch klar, daß A als Person nicht ganz okay ist, bzw. nicht ganz okay sein kann, da sie solche Gedanken vertritt.

Konsequenzen: B stellt Distanz her, indem er/sie nicht das Thema behandelt, nicht auf das Argument von A ein- geht, sondern, scheinbar außenstehend, die Person in ihrem So-Sein und in ihrer Welt betrachtet. B erscheint als externer Psycho-Päda-Therapie-Gucker bzw. als durchaus einfühlender Menschen- freund, der sich eben augenscheinlich Sorgen um A macht. B wirkt nicht so, als würde er/sie A angreifen.

Coping: Ehrenwerte Copingstrategien scheinen rar zu sein, da A als beratene Person die Haltung von B nicht verändern und auch die Meinung von B nicht entkräften kann. A sollte auf jeden Fall versuchen, die von B vorgenommene Entmündigung zu thematisieren. „Bitte beschäftige dich doch mit meinen Argumenten und nicht mit meiner Psyche!“ „Um meinen psychischen Zustand kümmere ich mich schon, daß brauchst du nicht!“ Eine weitere mögliche Offensive ist: „Du, ich bin ja wohl das beste Beispiel dafür, daß man mit diesen Gedanken wunderbar leben und glücklich sein kann!“

Das letzte Coping gefällt mir besonders gut. Das ist mir schon öfter passiert und ich kann da dann auch nur sagen, dass man hier eigentlich noch mehr mit absurder Intervention draufhauen kann. Ein zweites Beispiel ist mir auch noch wichtig:

eigene Gefühle einbringen

  • „Du ich fühle jetzt, wie ich dir gar nicht mehr zuhören möchte.“
  • „Du ich bin sehr traurig, wenn du so etwas sagst.“
  • „Wissen Sie, das macht mich sehr betroffen, wenn Sie hier einfach sagen, daß…“
  • Auch die Kombination ist möglich: „Du, das macht mich sehr betroffen, wenn ich mir vorstelle, wie du unter deinen Gedanken leiden mußt!“

Erklärung: Es lassen sich zwei Vorgehensweisen unterscheiden:

B bringt eigene Gefühle ein, indem er/sie sich auf den Inhalt oder die Art und Weise des von A Gesagten bezieht.

Eigene Gefühle einbringen und auf den Inhalt beziehen: B gibt zu erkennen, daß der Inhalt von A’s Argument ihn/sie betroffen macht. Gleichzeitig drückt B aus, daß er/sie emotional beteiligt ist und deswegen auch wesentlich authentischer mit dem inhaltlichen Thema umgehen kann (siehe Beispiele 2 und 3)

Eigene Gefühle einbringen und auf die Art und Weise des von A Gesagten beziehen: B versucht durch Einbringen seiner/ihrer Gefühle zu zeigen, daß in Wirklichkeit in der Diskussion etwas schief läuft: so könne dies Thema nicht angemessen behandelt werden, sonst hätten sich ja seine/ihre Gefühle als authentisch-eigentliche Instanz nicht von selbst gemeldet (siehe Beispiel 1)! Sehr wichtig ist natürlich das kulturell definierte Hintergrundstereotyp, daß Gefühle viel wesentli- chere und zuverlässigere Indikatoren für die angemessene Bearbeitung und die richtige Bewertung von Themen sind, als irgendwelcher kopflastiger Schnickschnack.

Auf den Inhalt bezogen ergeben sich folgende Konsequenzen: Da Gefühle das wesentlichere sind, kann B offensichtlich mit dem derzeitigen Inhalt angemessener umgehen als A. Somit erscheint B authentischer, A dagegen hoffnungslos verkopft. Auf die Art und Weise bezogen erreicht B durch das Einbringen seiner/ihrer Gefühle, daß A sich dem Vorwurf ausgesetzt sieht, offensichtlich unnormal und unangemessen mit dem Thema umzugehen.

Coping dürfte sehr, sehr schwierig sein. Natürlich läßt sich auf die Struktur verweisen. Des weiteren steht A vor der Alternative, ob er/sie bei dieser Gefühlseinbringung mitmachen will oder nicht. „Was macht dich denn so traurig?“ „Was stört dich denn genau?“ „O. K., sprechen wir über unsere Gefühle, aber dann sollten wir zum Thema zurückkehren.“

Diese Art des Argumentierens ist, wenn man sich die erste Regel anschaut, die ich dort oben formuliert habe, schon schwierig. Schliesslich soll es um Fakten gehen und diese Art von Kommunikation wischt die Fakten weg. Allerdings ist sie gerade bei den romantischen Vertretern der Weltveränderer sehr beliebt, denn diese fühlen sich meist emotional von einem Problem betroffen. Diese tragen sie dann gerne in den Diskurs und erpressen den Gegenüber emotional mit solchen Skripten. Das führt dann zu einem sozialen Terrorismus durch Menschen, die es nur gut meinen.

Fazit

Wenn wir die Welt verändern wollen, dann müssen wir dafür sorgen, dass diejenigen, die anderer Meinung sind überzeugt werden, aber nicht überwältigt. Denn nur, wenn Menschen sich selbst von einem Standpunkt überzeugt haben, werden sie ihn im Zweifel auch vertreten. Das bedeutet, dass jegliche Art von Zwang kontraproduktiv ist. Die Art wie viele wichtige und moderne Diskurse innerhalb, aber auch außerhalb, des Netzes geführt werden ist also eigentlich der Mittelpunkt der Frage, wie wir eine bessere ((lies: den moralischen und politischen Vorstellungen des Vertreters besser entsprechende)) Welt bekommen. In dem wir die Sache und die Freiheit des Einzelnen ernst nehmen, aber nicht uns selbst und unsere Mission.