Kategoriearchiv: Politik

Direkte und indirekte Macht

Wir erleben ja derzeit wie jeglicher dystopischer Traum über die Überwachung des Bürgers wahr zu sein scheint. Die Tatsache, dass wildgewordene Geheimdienste uns abhören ist eine Sache, die Frage, die dabei zu wenig beachtet wird ist, warum eigentlich die Regierungen und deren Regierende das eigentlich zulassen.

Dazu muss man sich etwas ansehen, was eigentlich so ein moderner Verfassungsstaat sein soll und was sein Zweck ist. In der langen Geschichte der Menschheit, gibt es auch eine lange Geschichte von politischer Herrschaft und Macht. ((Wuhu Platitüden…)) In dieser lag Macht und Herrschaft oft in der Hand von Einzelnen oder kleinen Gruppen und wurde meist gegenüber den Untertanen direkt durchgesetzt, wobei diese keinerlei Recht zum Mitreden hatten. Das lag natürlich daran, dass die Legitimation dieser Herrschaft meist aus Gottesgnadentum oder ähnliches schwer angreifbaren Konzepten abgeleitet wurde. Das war eigentlich sehr schön und man kann auf eine Geschichte aus Oppression und dem gelegentlichen „gerechten Herrscher“ ((Der wurde wohl dadurch definiert, dass er das Volk wenigstens zu sehr gequält und in sinnlose Kriege geschickt hat.)) zurückblicken. Doch dann kam die französische Revolution und die Idee, dass jeder Mensch unveräußerliche Rechte hat, die vom Staat nicht nur berücksichtigt sondern geschützt werden müssen. Das führte dann zur modernen Demokratie, denn die einzige Möglichkeit dafür zu sorgen, dass politische Eliten die Rechte der Bürger zu schützen ist, sie von ihnen abhängig zu machen.

Das bedeutet für die regierenden Politiker übrigens, dass sie sehr wenig direkte Macht über die Bürger haben. Schließlich gibt es Gesetze und die Regierung soll diese nur ausführen. Doch dafür hat man sich nicht jahrelang in Parteiorganisationen abgemüht und diese ganzen Kompromisse sind doch nicht das, was man eigentlich haben will. ((Hinzu kommt, dass in der Welt des finalen Kapitalismus derjenige, der oben steht, den unten verachtet.)) Also wünscht man sich mehr direkte Macht über die Bevölkerung. Denn dann kann man etwas tun, etwas bewegen. Dieses Phänomen kann man immer wieder beobachten. ((Wahlweise hängt das auch mit der Verachtung zusammen, die die Regierenden für die Regierten zu haben scheinen.))

Eine Variante direkter Macht der Exekutive über die Bürger ist das, was mit ALG II Empfängern gemacht wird. Hier muss man sich für eine eigentlich selbstverständliche staatliche Hilfe in Notzeiten zum einen finanziell komplett nackt machen, zum anderen durch alle möglichen Ringe springen. Denn die Strategie des Förderns und Forderns sorgt dafür, dass die Bundesagentur für Arbeit dir eigentlich sogar sagen kann, welchen Job du für welches Geld annimmst und was für dich dann zumutbar ist. ((Ich kann es euch verraten: ALLES!)) Hier findet also direkte Macht statt. Eine Macht, die der Regierung vom Parlament gegeben wurde und die unter bestimmten Gesichtspunkten wohl kaum dem Sinn des Grundgesetzes entspricht.

Das reicht aber anscheinend noch nicht. Die Gesellschaft ist noch zu nonkonform. Also braucht man halt noch mehr direkte Macht. Das tut man dann über Überwachung. Denn Überwachung erzeugt Konformitätsdruck, auch gerne mal Chilling Effect genannt, und dieser ist dann auf einmal wieder direkte Machtausübung. Und das ist es ja, was die Politiker wollen: nämlich, dass die Welt nach ihren Vorstellungen läuft. Das sie berechenbar wird. Denn eigentlich ist unser Gemeinwesen unbeherrschbar und dazu noch von Menschen bevölkert, die nicht dieselbe Meinung haben, wie die Regierenden. Dabei haben die doch Recht und die Macht!

Am Ende bleibt wohl zu sagen, dass wir unsere Verfassung und Grundrechte immer mehr aktiver verteidigen sollten und grundsätzlich Politiker abstrafen sollten, die meinen über uns und nicht für uns zu regieren.

Freiheit und Gleichheit

Wir leben in einer Welt in der verschiedene Dichotomien ((Ja, es wird hier jetzt Fremdwörter geben. Das hier ist ziemlich ernst gemeint.)) verschwunden sind, die noch vor 20 Jahren allgemeingültig waren. Eine der größten ist sicherlich die zwischen Kommunismus und Kapitalismus. ((Ihr merkt, keine Links. Ich erklär die beiden Sachen eh hier.)) Dieser Unterschied endete zumindest für die „westliche Welt“ mit den friedlichen Revolutionen der 90er Jahre. Seitdem herrscht eigentlich nur noch der Kapitalismus und mit ihm das Paradigma der liberalen Ideen. „Untergegangen“ sind der Kommunismus und damit das Paradigma der Gleichheit. ((Gregor Gysi meinte schon in den 90ern, dass der Kapitalismus übrig geblieben ist und nicht gesiegt hat. Er hat da übrigens recht.))

Liberalismus

Diese beiden Werte, Freiheit und Gleichheit, stehen sich eigentlich schon mindestens seit Beginn der Industrialisierung gegenüber. Die entsprechenden Philosophien beruhen auf einem eher protestantisch-christlichen und auf einem atheistisch-materialistischen Weltbild. Die liberalen Gedanken drehen sich schon immer um die Frage des Eigentums. Angefangen mit John Locke stand immer die Frage im Mittelpunkt, wie man das eigene Eigentum im gesetzeslosen Naturzustand schützen kann. Das Eigentum erwirbt man in dem man seine eigene Arbeitskraft mit der von Gott gegeben Natur vermischt. Damit sehen wir auch schon, dass hier Freiheit wirklich bedeutet, dass jeder tun und lassen kann, was er will. Gleichheit kommt maximal als grundlegende Chancengleichheit vor. Das bedeutet, dass jeder sich so weit entwickeln kann, wie er kann. ((Oder im protestantischen Sinne: wie Gott es für ihn oder sie vorgesehen hat.)) Wer wenig kann, kann halt auch wenig erreichen. Diese Chancengleichheit bedeutet auch, dass die grundlegende Gerechtigkeit in einer liberalen Gesellschaft darauf beruht, dass jedem das zukommt, was er qua seiner Anlagen verdient.

Da gibt es natürlich auch ein paar Probleme aus denen dann die entsprechende politische Philosophie erwächst. Denn wenn ich in einer Welt lebe, in der ich viel Wohlstand anhäufen kann, in dem ich mein Potenzial voll ausnutze, dann habe ich eigentlich nur eine Sorge: dass die Freiheit der anderen so weit geht, dass sie es mir wegnehmen können. Und das ist der einzige Grund, warum wir laut den liberalen Theorien einen Staat brauchen. ((Okay, Locke entwirft dann die erste Verfassung, die eine Demokratie vorsieht und ist da relativ spannend, aber bis dahin ist das halt die Basis des Liberalen.)) Das findet dann seine extreme Form im Liberalismus von John Rawls und in den Theorien des Libertarismus, bei denen Staaten ganz klar nur dafür da sind, eine grundlegende Notversorgung des Einzelnen vorzunehmen ((Und teilweise nicht einmal das…)) und ansonsten gar nicht in die Wirtschaft oder die Gesellschaft einzugreifen. ((Große Proponentin hier ist Ayn Rand.))

Der Liberalismus ist also die Philosophie der Freiheit. Dabei sind wir alle so frei, dass sich im Zweifel auch niemand darum kümmert, wenn wir in Not sind. Dies ist der Freiheitsbegriff, den zum Beispiel die FDP anhängt. Freiheit als Prinzip des Politischen bedeutet, dass der Einzelne viel erreichen kann, aber halt auch frei ist daran zugrunde zu gehen. Sie ist nicht wirklich freundlich, wie auch liberale Ideen des Sozialsstaates nicht freundlich sind. Sie gehen immer davon aus, dass der Einzelne selbst an seinem Schicksal schuld ist, weil er ist ja frei daran etwas zu ändern. Und wenn es Drittfaktoren gibt, dann hat man halt Pech gehabt und soll das Beste daraus machen. Auch dann hängt es nur an dir.

Kommunismus/Sozialismus

Ganz anders sieht es da bei den politischen Philosophien aus, die auf Gleichheit aus sind. Diese Ideen kommen auch aus einer Betrachtung von Wirtschaft und vor allem, was die Wirtschaft mit Menschen macht. Während also der Liberalismus sich mit der Frage beschäftigt, wie man den einzelnen in der Wirtschaft beschützen kann, fragt sich der Kommunismus wie man den ihn davor beschützen kann, dass er im Kapitalismus seine Menschlichkeit verliert. Karl Marx sagt an der Stelle, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt und wenn man in der Industrie arbeitet, dann wird man zu einer Art Maschine, die immer nur wirtschaftliche produziert und zwar zum Wohle anderer. Es geht Marx also irgendwie um die Frage, was der Kapitalismus mit denen macht, die im Kapitalismus keine Macht haben. Also diejenigen, die nach der Logik des Liberalismus soundso nichts Höheres verdient haben. ((Der vergisst da übrigens, dass jeder von uns seine Chancengleichheit von seinen Vorfahren vererbt bekommt.))

Seine Analyse ist dann halt auch die, dass es diesen Menschen, die im Kapitalismus unten stehen, eigentlich mehr hilft sich zu kollektivieren. Denn das einzige, was die Massen für sich als Vorteil haben ist die Tatsache, dass sie die Massen sind. Es können halt sehr viele Menschen an kleinen Positionen die Welt stürzen. Das ist auch schön und gut, allerdings muss dann verhindert werden, dass wieder eine Ungerechtigkeit auf der Basis von Chancengleichheit entsteht. Da diese auf dem Konzept der Freiheit beruht, muss also ein anderes Konzept her und dieses ist Gleichheit. Gleichheit ist die Gerechtigkeit, die jedem dasselbe gibt, unabhängig davon, was er kann. ((Also das Gegenteil von Freiheit.)) Aus der Sicht der Kommunisten ist diese Gleichheit dann halt auch die ultimative Freiheit, weil wenn alle gleich sind, sind alle gleich frei und können nicht vom anderen unterdrückt werden. ((Hat nicht funktioniert… Wenige waren gleicher als der Rest.))

Allerdings ist das dann auch nicht so romantisch. Schliesslich bedeutet Gleichheit für alle auch, dass ein Staat diese Gleichheit immer gewähren muss. Da wir von Natur aus unterschiedliche Eigenschaften haben, führt dies zu einem Szenario in dem man die Menschen mit hohem Potenzial bremsen muss und die mit weniger Potenzial ewig anschiebt. Letzteres ist für eine Volkswirtschaft problematisch und ersteres führt im Zweifel zu Staatsterrorismus. Da gerade dieser Staatsterrorismus das Bild des Kommunismus prägt, ist es natürlich nicht verwunderlich, dass Gleichheitsphilosophien eher verpönt sind.

Abwägungen

Wenn man sich das jetzt so ansieht, dann stellt man fest, dass man eigentlich in keiner dieser Welten leben will und derzeit in einer davon lebt. Wir leben in der liberal-libertären Welt der Chancengleichheit in der der Staat sich immer weiter zurückzieht und der wirtschaftliche Erfolg alles ist. Das führt halt dann auch dazu, dass wir wieder Entwicklungen zu einem modernen Proletariat haben. ((Nur diesmal wird diesem sogar noch erzählt, dass es an seiner Lage selbst schuld ist und die Leute glauben das.)) Also müssen wir zu einer größeren Gleichheitskomponente in der Politik zurück. Die Politik muss halt mehr langfristige Ungleichheiten ausgleichen, damit zum einen irgendwie der Frieden bewahrt wird ((Nicht vergessen: Marx sagt die proletarische Revolution voraus, wenn die Proletarier zu prekär leben.)) und zum anderen der Staatsauftrag ((Fürsorge für die Bevölkerung.)) zumindest grundlegend erfüllt wird.

Das Perfide ist nun, dass heutzutage jeder sich für einen Kapitalisten hält und es zu einen Mem geworden ist, das sich die anderen nicht genug anstrengen und man sich selbst nur genug anstrengen muss, damit es klappt. Dem ist aber gerade bei einem Blick in die Bildungssoziologie nicht so. Solange Menschen aus Gründen der Sozialstruktur von Bildungsmöglichkeiten abgehalten werden, solange braucht man diesen Käse gar nicht glauben. Trotzdem wird es immer wieder getan. Wir glauben, dass wir nur mehr Freiheit brauchen, damit wir besser dran sind, aber die meisten wären eigentlich besser dran, wenn sie weniger Freiheit und mehr Staatseingriff hätten.

Emailkrypto für Anfänger

Nach PRISM ist es mal wieder im Fokus: die Tatsache, dass wir von Geheimdiensten abgehört werden. ((Und zwar nicht nur amerikanischen, sondern auch unseren eigenen.))

Das ergibt viel Diskussionen, Empörung und so weiter, aber eigentlich zeigt es nur auf ein Problem: wir schützen uns noch nicht genug davor. Klar, jetzt mögen die Post-privacy Advokaten wieder sagen, dass man sich damit einem erzwungenem Privatismus ergibt.

Doch wie kann man sich schützen? SSL ist keine ernsthafte Lösung. ((Die Staaten haben alle ein root-Zertifikat. Schaut lieber nicht in die Liste in eurem Browser.)) Also, nehmen wir halt PGP. Das ist relativ einfach einzurichten und schützt euch (vorerst) dank Ende-zu-Ende Verschlüsselung vor Schnüffeleien. Es ist eigentlich relativ einfach einzurichten.

Der Standard für Windowskisten ((Für Mac frage man mich mal in den Kommentaren. Linuxuser sind Linuxuser und wissen, was sie da zu tun haben.)) ist sich einen Mozilla Thunderbird zu installieren und diesen mit GPG und dem Add-On Enigmail dazu zu bringen Emails verschlüsseln und entschlüsseln zu können. Dann generiert man sich seinen Schlüssel für die jeweilige Emailadresse und schmeisst diese auf den Schlüsselserver und los geht es. Leider gibt es immer (noch) zuwenige Anwender dieser einfachen Technik, aber dank der erneuten Aufmerksamkeit für dieses Thema hoffe ich, dass wenigstens einige von euch dies auszuprobieren.

Eine Frage der Qualität

Die Schulen stehen im 21. Jahrhundert vor großen Herausforderungen. Das liest man zumindest überall und es bemüßigen sich viele Leute an Analysen, Forderungen und ähnlichem. Dazu gehöre ich, der sich schon auf seinen Bierkasten gestellt hat, aber auch die Kultusministerien und Gremien, die diesen angegliedert sind. Im Gegensatz zu mir, hat das bayrische Kultusministerium da natürlich tatsächlich etwas zu sagen und die Entscheidungen und Ideen, die dort entwickelt und getroffen werden, landen dann bei uns Lehrkräften. Eine der aktuell am meisten diskutierten Ideen ist ein Qualitätsmanagement für Schulen. Da mich dies betrifft möchte ich eigentlich nur einmal festhalten, wie dieses strukturiert ist und was mir das am Ende sagt. ((Ja, langweilig, aber das hier ist ja mein Blog.)) Die meisten dieser Informationen findet man auch auf der offiziellen Seite des Projekts. Ich fasse das nur grob zusammen.

Schulqualitätsmanagement – Ein Anfang

Bevor es allerdings wirklich losgeht muss man sich ja erst einmal irgendwie darüber klar werden, was denn eigentlich Schulqualität ist. Die Liste dazu ist so erstaunlich lang, dass es eigentlich gar nicht möglich ist das in einem zu operationalisieren. Die Anforderungen an Schule sind halt so vielschichtig und komplex, dass es auch sehr schwer ist zu sagen, was eine Schule gut macht. ((Vielleicht wäre es auch einfacher sich anzusehen, was eine Schule schlecht macht und das einfach abzustellen und den Rest einfach laufen zu lassen, bis es Probleme gibt.)) Während die Schulverwaltung sehr abstrakte Ziele ansetzt, stört den Lehrer vor allem unwegsame Verwaltung und das eine oder andere pädagogisch-psychologische Problem, dass die Fähigkeiten des einzelnen übersteigt. Dazu kommen noch die Schüler, die klare Vorstellungen haben, wie das so aussehen soll ((Witzigerweise hat das wenig mit „gar keine Schule“ zu tun, und mehr mit freundlichem Umgang, Transparenz und spürbarer Kompetenz.)) und auch die Eltern, die gerne mal dem neurotischen Druck der Gesellschaft erliegen und der Schule nicht vertrauen. ((Leute, ganz ernsthaft: das ist alles nicht ideal, aber wir wissen relativ gut, was wir da tun…)) Am Ende hat aber alles sein Zentrum in den zentralen Schulabläufen, also schlicht Rahmenbedingungen die den Lehrern und der Schulleitung ermöglichen möglichst gut die Wünsche der Eltern, Schüler und Schulverwaltung zu erfüllen.

Dazu benötigt man Strukturen und auch einen klaren Plan der Verbesserung. Das soll dann das Qualitätsmanagement machen. Dafür muss dieses Managementsystem aber auch bestimmte Anforderungen erfüllen. Es muss schlank, flexibel, transparent und dabei auch dokumentierbar sein. Diese Aufgabe versucht man derzeit in meinem Bereich mit dem QMBS ((Qualitätsmangement an beruflichen Schulen)) zu lösen. Das ist das System, das ich hier jetzt erst einmal darstellen möchte. ((Allein schon, weil ich es endlich mal in Ruhe kapieren will.))

Grundlegende Ideen von QMBS

Das System besteht im Endeffekt aus vier Komplexen, die sich um ein zentrales schulisches Qualitätsverständnis drehen. Das Qualitätsverständnis ist individuell für jede Schule festlegbar und gilt als Ausgangspunkt für alle anderen Aktivitäten der Schulqualitätssicherung. Das macht dieses Verständnis jetzt nicht einfacher zu erreichen und die Chance, dass dieses Qualitätsverständnis suboptimal definiert wird ist durchaus vorhanden. Schließlich sind Lehrer Experten für ihre Fächer und Unterricht, aber nicht für Prozessanalyse, schon gar nicht der eigenen Prozesse.

Der erste Komplex, der sich an das Qualitätsverständnis anschließt ist eine interne Evaluation der schulischen Prozesse. Ohne Daten darüber, wie die Schule läuft, können wir ja eigentlich keinerlei Aussagen treffen oder Maßnahmen ergreifen. Dazu braucht es dann also eine standardisierte und reliable Datenerhebung. ((Wie man das in einer Schule anstellt, wenn eigentlich das gesamte Personal keine Bildungsforscher sind, gute Frage… Man wird dabei anscheinend unterstützt.))

Um dann irgendwie die Maßnahmen umzusetzen und auch eine Kontrolle der Umsetzung zu haben, ist dann auch noch eine externe Evaluation vorgesehen. Dabei kommen dann halt Leute vorbei, schauen sich alles an und bereichern die Schule mit ihrer Kompetenz ((Oder wenigstens einem Stapel Papier…)). Das ist vor allem das Mittel der Schulverwaltung um sicher zu gehen, dass hier nach Vorgaben und Ideen gearbeitet wird, die akzeptiert und sinnvoll sind.

Das gibt es dann auch noch einmal auf der persönlichen Ebene. Aus der Idee, dass sich der Einzelne immer verbessern kann, entsteht das Indivualfeedback für Lehrer. Hierbei sollen sich die Lehrer gegenseitig beobachten und unterstützen. Vorgegeben ist da nur, dass man das als Lehrer so einmal im Jahr machen sollte.

Zuletzt muss die ganze Qualitätssicherung natürlich auch noch organisiert werden. Das geschieht im Beriech Prozessteuerung. Hier gibt es dann eine Lenkungsgruppe, die die Schulleitung dabei unterstützen soll, dass da die Qualität gemanagt wird. Da geht es natürlich auch um Beteiligung, aber halt auch Verwaltung.

Dies stellt jetzt erst einmal die grobe Struktur dar, doch da kann man natürlich auch mal ins Detail gehen.

Schulisches Qualitätsverständnis

Das SQV ((Ja, Akronyme sind immer toll!)) steht „in der Mitte allen schulischen Qualitätshandelns“. Es wird sich von der Schule selbst gegeben in einem Prozess, der irgendwie nach Demokratie aussieht. Dabei wird die Lehrerschaft gefragt, wie sie das so sieht und dann werden daraus Leitsätze gebildet nach dem Qualität an der Schule so begriffen wird. Die Schulgemeinschaft soll also für sich klären, was Schulqualität ist und daraus dann Ziele und Aufgaben ableiten.

Das ist auf der einen Seite sehr nett und sicherlich der einzige Weg, wie man überhaupt Schulqualität umsetzen kann, es ist aber auch problematisch, da hier am Ende ein Kompromiss getroffen werden muss. Da bestimmte Personen in einer Schule sämtliche Abläufe wahlweise torpedieren oder zumindest erschweren können, haben diese den Vorteil der bestimmenden Minderheit. Das bedeutet dann leider nicht, dass deren Ideen zur Schulqualität tatsächlich die für die Schule geeignetsten sind. Da hier alles demokratisch läuft, kann es zu Blockaden oder aber zu Manipulationen kommen, die die Legitimität des gesamten Prozesses gefährden. Das gesamte System hängt aber am Qualitätsverständnis und hier wird es dann schon schwieriger.

Interne Evaluation

Eine Schule intern zu evaluieren ist, mit gegebenen Mitteln, eigentlich ganz einfach. Man baut einen Fragebogen, bei dem sich der empirische Sozialforscher nicht gleich durch Lachen oder Suizid aus der Welt entfernt, und schmeisst diesen den Schülern und Lehrern entgegen. Dann setzt man sich hin, oder lässt jemanden hinsetzen, und macht dann Datenanalyse. Ein paar hübsche Tortendiagramme ((Tortendiagramme sind übrigens das Comic Sans des Statistikers…)) später hat man grundlegende Informationen über die Schule gesammelt. Das ist durchgehend sinnvoll und praktikabel. Das einzige Manko ist dann die Frage, welche Problemfelder eigentlich überhaupt analysiert werden und das fällt auf das Qualitätsverständnis zurück.

Eine interne Evaluation der Abläufe kann eigentlich nur hilfreich sein, solange sie professionell durchgeführt ist. Das ist dann auch der einzige Punkt an dem dies in der Schulrealität gerne mal scheitern kann. Aber hierfür gäbe es sicher Hilfe, weswegen dies eigentlich etwas ist, was man machen kann und wahrscheinlich auch sollte.

Externe Evaluation

Das wird bei externen Prozessen noch einfacher. Eigentlich kann man sich der externen Evaluation einfach ergeben und im Behördensystem muss man das halt schlicht einfach tun. Damit wird es aber auch erst problematisch, da hier eigentlich Werte von außen an die Schule herangetragen werden, die wiederum nicht mit dem schulischen Qualitätsverständnis übereinstimmen müssen und dank der Breite der pädagogischen Welt auch gerne komplett im Widerspruch zum Qualitätsverständnis stehen können. Das führt entweder zur Entwertung des externen Feedbacks oder aber zu zusätzlichem Konformitätsdruck auf die Schule. Beide Szenarien sind nicht sonderlich hilfreich. Hier hängt sich das Problem wieder am Qualitätsverständnis der Schulen auf.

Generell ist zu sagen, dass eine externe Evaluation mit klaren und transparenten Anforderungen und Regeln sicherlich sinnvoll sein kann, wenn diese dann Rücksicht auf die schulinternen Vorstellungen von Qualität nimmt.

Individualfeedback

Der nächste Bestandteil ist das individuelle Feedback für jeden Lehrer. Dies wird generell als freiwilliges Angebot formuliert. Es wird davon ausgegangen, dass Lehrer Feedback wünschen und sich fortbilden wollen. Dazu gibt es dann individuelles Feedback, dass sich die Lehrkraft selbst aussuchen kann. Zwar wird in allen Texten betont, dass dieser Prozess unabhängig von etwaigen Beurteilungsszenarien ist, aber man darf es dem dauerkontrollierten Beamten nicht übel nehmen, wenn er da skeptisch ist. Die Akzeptanz solcher Methoden hilft sicherlich die Qualität an Schulen zu verbessern, doch die Beurteilungs- und Kontrollpraxis in staatlichen Schulen kann dafür sorgen, dass sie wenig Akzeptanz erfahren werden, da man gelernt hat Feedback und Kontrolle wahlweise zu ignorieren oder zu fürchten. ((Ich weiß nicht, was davon schlimmer ist.))

Bei einer entsprechenden Schulkultur ist Individualfeedback sicherlich eine gute Idee und hilfreich. Diese Schulkultur herzustellen ist ähnlich komplex wie das entsprechende Qualitätsverständnis herbeizuzaubern.

Prozesssteuerung

Der letzte Bestandteil ist dann auch der wichtigste, denn ohne eine entsprechende Organisation ist ein Management nicht möglich. Mit diesem Teil beschäftigt sich die Prozesssteuerung. Wie der Namensbestandteil Steuerung schon angibt, geht es hier nicht um einen demokratischen Prozess, sondern die Aufgabe obliegt der Schulleitung und einer Lenkungsgruppe ((Die Begrifflichkeiten sind klasse, oder?)). Diese Gruppe soll Qualitätsmassnahmen entwickeln, kontrollieren und dokumentieren.

Abhängigkeiten sollen natürlich nicht gegeben sein, aber sie sind am Ende informell natürlich da. Damit kann befürchtet werden, dass die Menschen, die den Prozess lenken sich durch den Prozess verändern müssen oder zumindest ihre Umstände verändert sehen. Das ist dann natürlich für diese Menschen ein Problem und im Endeffekt ein Grund, dass die Organisatoren des Qualitätsmanagements eigentlich nur viel Papier, aber keine Ergebnisse abliefern.

Und nun?

Nun, die Idee einer irgendwie gearteten Sicherung von Schulqualtität ist an sich nicht schlecht, wenn die grundlegenden Fragen geklärt sind. Diese Fragen sind:

  • Was ist denn Schulqualität?
  • Wie ist sie operationalisiert?
  • Welche Relevanz hat sie für die Betroffenen?

Diese Fragen werden durch QMBS nur wenig beantwortet, weil es eigentlich später ansetzt. Im Mittelpunkt steht halt ein Qualitätsverständnis, das schwammiger nicht sein kann und auch schwieriger nicht vereinbart werden kann. Da die Alternative, nämlich global vorgegebene Qualitätsstandards als schlechter gesehen werden, ist dies ein saurer Apfel, in den man beißen muss, will man Schulqualität herstellen. Der primäre Kritikpunkt, der mir hier auffällt ist, dass das Qualitätsverständnis positiv formuliert wird. Es ist viel einfacher zu sagen, was man nicht haben will, als immer positiv etwas zu formulieren. Meist bleiben diese Formulierungen auch leer.

Während interne Evaluation und Individualfeedback absolut sinnvolle Ideen sind, können sie am Ende an veralteten Vorstellungen in der Lehrerschaft scheitern. Aber sie werden sicherlich in Zukunft zu sinnvollen Standards werden. ((Dass die erst jetzt die Idee haben, dass das vielleicht sinnvoll wäre, sagt mehr über unsere Schulverwaltung, als man wissen möchte.)) Die externe Evaluation spielt hier eine untergeordnete Rolle, weil QMBS es sie nur insofern betrifft, dass man dafür sorgt, dass man zu ihr kompatibel ist. ((Egal wie hirnrissig die Kriterien dann sind.))

Die Prozessteuerung ist am Ende das Sorgenkind dieses Konzepts. Sie macht eigentlich alles schlecht, was man sich hier erhofft. Sie ist weniger flexibel und hat eine Chance viel Filz und wenig Inhalte zu produzieren. Dies scheint mir die eigentliche Achillesferse dieses Systems zu sein. Es wird viel Geld und Zeit in etwas investiert, dass eigentlich Schule schlanker und effizienter machen sollte. Die Anfangsinvestition an Zeit und mentaler Arbeit ist hoch und verspricht keinerlei Ergebnisse oder auch nur Ergebnisansätze.

Dementsprechend ist mein Bild vom QMBS das einer guten Idee, die nicht gut umgesetzt ist. Es ist gut gemeint aber im Detail nicht gut gemacht.

Demokratienormalitätsupdate – Zynikerversion

So, Deutschland versinkt gerade in den Fluten. Das Jahrhunderthochwasser von 2002 ((Das war vielleicht auch etwas früh…)) wird durch das von 2013 abgelöst. Bevor das nächste dann gegen 2022 kommt. Das hilft natürlich andere kleine Probleme zu verdrängen. Da wäre einmal dieser Aufstand in der Türkei. Fangen wir doch mit dem mal an. ((Keine Sorge, ich hab sogar eine Pointe am Ende.))

Also hier kurz die Lage, wie sie sich mir durch die Medien darstellt. Alles begann mit einem Protest gegen die Abholzung hunderter Bäume in einem zentralen Platz. Diese wurde von der Polizei bedroht und entglitt in eine veritable Straßenschlacht, bei der die Polizei nicht nur sämtliche Vorräte an Tränengas verbraucht, sondern auch gleich noch zu schwerer Waffen gegriffen hat. Dabei galt dann erst einmal, dass die Regierung in ihrem Vorgehen komplett kompromisslos vorging und die Bevölkerung in großen Mengen dagegen stand. Die Medien wurden geknebelt, so dass unsere Berichterstattung in Deutschland weitaus detaillierter ist als die in der Türkei selbst. Internet wurde mal kurz abgestellt, es roch schon leicht nach arabischem Frühling. Doch dann hat sich die Situation beruhigt und die türkische Regierung rudert zurück, nachdem mehrere hundert Menschen mitunter sogar schwer verletzt wurden.

Spannend ist hier, dass die Äußerungen der Demonstranten sich schnell von einem einfachen Umweltprotest zu einem Protest gegen die Regierung Erdogan gewandelt hat. Dies ist ein Hinweis darauf, dass es eigentlich um mehr geht, als die Nachrichtenlage so angehen lässt. Die Reaktion der Regierung auf die Proteste ist auch ein Hinweis, dass es da um mehr geht. Nun gut, aber vielleicht etwas langsamer. Mein Geschichtslehrer meinte immer zu mir, dass es einen Unterschied zwischen Anlass und Ursache für Konflikte gibt. Das scheint hier auch der Fall zu sein. Anlass war sicherlich die Sache mit dem Park, Ursache wohl kaum. Da scheint eher eine grundlegende Missstimmung zwischen der Bevölkerung und der Regierung zu sein. ((Auch hier…)) Das führt natürlich zu Spannungen und ein überreligiöser Hardliner wie Erdogan ((Unvergessen hier auch, dass er gerade bei den als überkonservativ bekannten Türken in Deutschland sehr beliebt ist und auch hier mit eher konservativen Ansichten antrat.)) greift dann gerne schnell zur groben Keule. Dass dies im Lichte dessen, was rund um die Türkei gerade passiert seiner Angst geschuldet sein kann ist verständlich, aber kann leider auch der Beginn einer wunderbaren self-fulfilling prophecy sein. Wir warten mal ab.

Aber die Türkei ist nicht das einzige Land in dem gerade Demonstranten Probleme mit Polizeigewalt hatten. Natürlich kann das nur ein ähnlich demokratisch fragwürdiger Staat sein, wie die Türkei. Oder Deutschland… Wir hatten mal wieder Blockupy Proteste in der Bankenmetropole Frankfurt ((Also, die Banken sind für mich immer noch das atypischste an Frankfurt…)). Das Ziel ist es den Kapitalismus zu attackieren. Der Sinn hiervon ist eine eigene Diskussion wert. ((Will heißen: ich finde das erstmal grundsätzlich unnötig und halte es für eine falsche Strategie für vielleicht sogar den falschen Zweck.)) Eigentlich wäre das mir auch keine Erwähnung wert, hätte die Frankfurter Polizei nicht strukturell und in der Konsequenz die Demonstration durch Gewaltanwendung und Einkesselung in die Medien gebracht. Es wurde von vorneherein unverhältnismäßig rabiat vorgegangen, obwohl dies wohl eigentlich nicht nötig gewesen wäre. Dafür gab es dann halt auch den entsprechenden Medieneffekt, bei dem die Polizei nicht wirklich gut weggekommen ist, vor allem nicht wenn gleichzeitig das Thema auch international hochschwappt. ((Naja, mittlerweile schwappt ja die Donau hoch. Alles vergessen…)) Doch bedenklich, weil vermeidbar, ist dieses Vorgehen der Polizei schon. Es scheint aber irgendwie auch ein Trend zu werden.

Dieser Trend ist der Grund für die Überschrift, die ich mir gewählt habe. Die Demokratie ist irgendwie in einem schlechten Zustand. Es ist nicht nur Erdogan, der Verachtung für seine Bevölkerung zeigt, auch die Technokraten der EU und die politischen Eliten Deutschlands zeigen in ihren Einstellungen zum Sozialsystem und der Austeritätspolitik in der Eurokrise, dass ihnen die Märkte wichtiger sind als ihre Bevölkerung und dass ein entsprechender Protest gegen diese Märkte ((egal wie blödsinnig er sein mag…)) eine Gefahr darstellt, die groß genug ist, damit man mal draufhaut. Die Entfremdung zwischen den Eliten, die von der Bevölkerung gewählt werden und die eigentlich in deren Sinne handeln sollten, ist ein ständiger Prozess, der zu vielen Fragen führt. ((Unter anderem der, wie eigentlich politische Bildung in diesen Zeiten aussehen muss. Da muss ich auch mal drüber reden…)) Derzeit scheinen die Konfrontationen immer größer zu werden und man kann nur hoffen, dass diese Entfremdung nicht zu einem aufflammenden Extremismus führt, in dem wir alle nur den kurzen ziehen. Es sei den Eliten, egal ob in der Türkei oder in Europa dringend geraten nicht zu vergessen, dass sie am Ende nicht von Märkten und Religionen abhängig sind sondern von Menschen und, dass diese Menschen zumindest das Gefühl haben möchten, dass sie im Mittelpunkt und nicht im Weg der Politik stehen.

Wer wird uns verraten?

Die Telekom möchte in Zukunft den Datenverkehr drosseln. Das ist eklig, aber wird auch erst 2016 kommen. Doch ich möchte hier mal eine kleine Voraussage treffen. Ihr kennt vielleicht dieses schöne Lied von Marc Uwe Kling. Dieser bezieht sich ja unter anderem darauf, dass die kleinen Vorteile der sozialdemokratischen Reformen dem radikalen Kommunismus das Wasser abgegraben haben. Das lag unter anderem daran, dass durch die sozialen Reformen Bismarcks viele Bürger glücklich waren und die Kommunisten ignoriert haben, die noch mehr als die bequeme Sozialversicherung wollten.

Was das mit Drosselkom zu tun hat? Meine Voraussage ist, dass das so kommen wird. Das freie Netz wird sterben, weil die meisten Leuten ihre kurzweilige Bequemlichkeit durch zukaufbare Optionen befriedigen werden und das dann auch tun. Die hehren Ziele der Netzpolitiker interessieren die Facebooknutzer und Youtubeglotzer nicht, wenn denen einfach ihre Bedürfnisse befriedigt werden. Da fallen die Blogger, Podcaster und so weiter schneller runter als wir „Netzneutralität“ sagen können.

Kompetenzkompetenz

Wer es noch nicht mitbekommen hat: es ist Wahlkampf. Deswegen sehen wir mehr abgehalfterte Politiker auf Marktbühnen, die versuchen dasselbe politische Programm mit einem anderen Aufkleber drauf, an möglichst viele Leute zu verteilen.

Dazu gehört dieser pseudoamerikanische Affentanz mit den Kanzlerduellen. Da hat jetzt fnordigerweise Edmund Stoiber den ProSieben Haus- und Hofentertainer Stefan Raab als Moderator für ProSiebenSat1 vorgeschlagen. Dies trifft beim ZDF Chefredakteur Peter Frey auf wenig Gegenliebe. Der behauptet, dass Raab die Kompetenz fehlt, politische Diskussionen zu führen.

Das will ja eigentlich heißen: Stefan Raab hält sich nicht an die Regeln, die die Politjournaille für sich in Berlin gemacht hat. Er ist gefährlich, weil er am nächsten Tag nicht wieder im Dickdarm der politischen sitzen muss. Er könnte am Ende fragen stellen, die Peer Steinbrück und Angela Merkel eigentlich nicht gestellt bekommen könnten. Das wäre ein absolutes Novum gegenüber dem braven, linientreuen und pseudokontroversen Gefrage das jeden Tag in irgendwelchen rundfunkbeitragsverschwendenden Talkshows zelebriert wird.

Ich würde mir das Duell mit Raab vielleicht anschauen, ohne ihn brauche ich es gar nicht zu sehen.

Zukunft erdrosseln

Die Deutsche Telekom hat jetzt mal angekündigt, dass sie ab 2016 Volumengrenzen für ihre, dann nicht mehr passend benannten Flatrates einführt. Mit den neuen Verträgen, die man ab jetzt nur noch abschließen kann, wird einem auch versichert, dass man danach mit 384 kBit/s keinerlei Internet hat. Damit ist der Anschluss funktional kaputt. Wer die Details möchte, dem empfehle ich Netzpolitik.org und LNP062 Zerebrale Flatulenz von Logbuch Netzpolitik. Die Diskussion wird groß im Netz geführt und man darf sich daran beteiligen.

Ich möchte hier aber mal auf eine zweite Dimension hinweisen, warum dies eigentlich so katastrophal ist. Unsere Kanzlerin erzählt gerne vom Zukunftsstandort Deutschland und dass Wissen unser einziger Rohstoff ist. Neben der Tatsache, dass das Bildungssystem nun wirklich der marodeste Bagger für diesen Rohstoff ist, muss dann so eine Entscheidung der Telekom auch einmal unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden.

Meine liebe Arbeitsstätte besitzt zwei Computersäle mit insgesamt um die vierzig Rechner auf denen die Schüler Informatikunterricht erhalten. Diese hängen zusammen mit den Rechnern im Lehrerzimmer an einem internen Netzwerk und über einen Klingeldraht am Telekomnetz hängen. Obwohl wir im Stadtbereich liegen haben wir erstaunliche 6 MBit/s als Vertrag, weil irgendwie kein Netz da ist, wo die Schule liegt. ((Kein Businessvertrag oder so, das können wir uns gar nicht leisten.)) Das bedeutet also, dass über sechzig Lehrkräfte und deren Unterricht an einem Klingeldraht hängen. Der Freistaat Bayern stellt den Schulen übrigens keinerlei digitale Infrastruktur zur Verfügung und die Sachaufwandsträger sind ja sehr oft pleite. Der Ist-Zustand unserer digitalen Infrastruktur ist also irgendwo zwischen vermodert und gerade so benutzbar. Was er definitiv schon mal nicht ist: angemessen dem, was sich die Pädagogik und Didaktik so für die Zukunft ausgedacht hat. Da wird viel von e-learning geredet, moderner Unterricht braucht an sich immer mehr mediale Ressourcen, die es ja auch gibt und eine digitale Verwaltung von Schule und Schulaufgaben wäre ja auch mal großes Kino. ((Wir sind gerade am Planen den Materialienaustausch der Lehrkräfte über dropbox zu regeln, weil wir damit irgendwie im 21. Jahrhundert ankommen könnten.))

So, dann kommt die Telekom daher und will Volumenverträge machen. Wir sind also in der Situation keinerlei staatliche Infrastruktur zu besitzen, mit denen Schulen ihrem Bildungsauftrag nachkommen können oder ihre Verwaltung effizient gestalten können und nun kommt der staatsfinanzierte Telelkommunikationsanbieter daher und kloppt uns irgendwann die Leitung zu. Weil wir natürlich immer in der zweiten Hälfte des Monats theoretischen Informatikunterricht machen. Ist ja kein Netz mehr da und Videos im Geschichtsunterricht oder sowas gehen natürlich auch nicht. Wahrscheinlich wird dann das Datenkontigent für Lehrkräfte eingeführt, so wie beim Kopieren, damit auch die Bits bis zum Ende des Monats reichen.

Das ist das eigentliche Problem. Unsere Schulverwaltungen werden Drosselkom nie kommen sehen. Es kümmert sich niemand in den oberen Etagen um die datentechnische Ausstattung von Schulen, egal welcher Schulart und wenn dann nur als Gequatsche um angebliche moderne Schule, die man mit dem was da investiert und dann auch missverwaltet wird auch nicht bekommen kann. Da wird 2016 irgendwann wer dastehen und weinen, dass das ja total unfair ist und so nicht geht, inklusive niederbayrisch-schimpfendem Kultusminister. Passieren wird nichts. Netzpolitik wird immer mehr zur Bürgerrechtspolitik, aber jetzt muss sie auch zur Bildungspolitik werden. Wenn wir hier der Zukunftsstandort sein wollen, den unsere Politiker immer versprechen, dann brauchen wir eigentlich Glasfaser in jeder Schule und Support und zwar zentral und anständig bezahlt. Das was wir haben und das was uns die Telekom hier verspricht ist nichts weiter als der totale Rückwurf in eine Bildung aus dem 19. Jahrhundert. Es geht hier also eben nicht nur um Netzneutralität, sondern auch um unser bestehen als bildungsabhängige Industrienation.

Ist das jetzt eigentlich schade?

Unsere Großpolitik hadert ja seit Ewigkeiten mit der Linken. ((Die ist ja so böse linksextrem und wird schon seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Das heißt im Klartext: sie sagt die ganze Zeit Dinge, die nicht dem Großkonsens der Restpolitik entsprechen. Ist ja auch furchtbar, wenn jemand eine grundlegend andere Sicht auf Dinge hat und dann mit Tatsachen argumentiert.)) Das zieht sich bis in die Finanzierung der Jugendorganisationen. Gerade unter der aktuellen Familienministerin Christina Schröder gab es schon seit längerem Bestrebungen gerade den antifaschistischen und damit eher linken Projekten und Organisationen die staatliche Förderung zu entziehen. ((Achtung! Link geht zur Jungle World. Das ist ja nicht jedem seine Sache.))

Besonders hat es der armen Frau Schröder die Jugendorganisation der Linken, die Linksjugend Solid, angetan. Deswegen ging sie mit ihrem Ministerium vor dem Berlin-Brandenburger Verwaltungsgericht in den Kampf mit der Linksjugend. Den hat sie heute so schallend verloren, dass sogar in Frage steht, ob die anderen Parteijugenden überhaupt gefördert werden dürfen. Nunja, und da sind wir bei der Frage, die sich mir das stellt: ist das jetzt eigentlich schade?

Immerhin kann von keiner parteilich finanzierten Organisation ((Nur so, ein Großteil der politischen Erwachsenenbildung kommt von Parteienstiftungen oder kommerziellen Anbietern. Die haben sicher alle keine Agenda.)) eine reine ideologiefreie Inhaltsauswahl oder eine sachbasierte Analyse erwartet werden. Das ist ja schon staatsbezahlt relativ schwer zu bewerkstelligen. Also ist da so die Frage, ob eine Verteilung der Finanzen auf neutralere Träger, die eben nicht direkt an den Parteien hängen, aber dafür die Bevölkerung breiter abbilden, besser ist. Schließlich sind die Jugendorganisationen die Kaderschmieden der Parteien und Teil deren Elitenbildung. Das bedeutet, dass sie aus der Sicht der politischen Bildung, die die Mündigkeit des Bürgers im Blick hat, nicht unbedingt ideal sind. Stattdessen sollte dies ansetzen, nachdem die Jugendlichen mal eine neutralere Politiksicht gezeigt bekommen haben.

Aber dafür bräuchten wir ja ma eine politische Bildung, die nicht fünf Minuten vorm Abi stattfindet!

Argumentationshilfen für politische Diskussionen

Ich holte gerade meine Mutter ab und da saßen etliche ältere Herren und diskutierten über Politik und die Welt. Das taten sie natürlich auf die beste Stammtischmanier, die man sich vorstellen kann. Die klassische Idee ist, dass diese Leute ja alle dumm sind und man sich das am Besten nicht antut. Ich denke aber, dass das genauso intelligente Menschen sind, wie das jeder von sich annimmt. Also kann man mit denen auch reden. Das tat ich dann irgendwann mal und siehe da. Die sind nicht dumm, die sind nur nicht informiert und folgen dir locker, wenn du ihnen eine klare Argumentationslinie gibt.

In diesem Sinne habe ich mir gedacht, dass ich doch ein paar der Standards nochmal aufschreibe und die jeweilige Copingstrategie ausführe.

1. „Ausländer“

Das erste Argument, was in diesem Themenbereich kommt ist natürlich die Frage, was denn überhaupt ein Ausländer ist. Meistens wird hier eine pseudobiologische Definition herangenommen, nämlich die, dass man deutsche Eltern gehabt hat. Das ist zwar von alters her die Basis der deutschen Staatsbürgerschaft, allerdings ist ein Deutscher nunmal einfach die Person, die einen deutschen Pass hat. Legt man das an, dann lassen sich viele dieser Diskussionen ganz anders gestalten. Unter anderem diejenige darüber, dass Ausländer bevorzugt werdenDenn wenn erst einmal klar ist, dass diese „Ausländer“ Deutsche sind, dann ist auch klar, dass diese dieselbe Unterstützung bekommen wie wir.

Da sind wir dann auch bei einem zweiten Thema, dass in diesem Zusammenhang gerne kommt, nämlich dass Deutsche mit Migrationshintergrund krimineller wären als echte Deutsche ((oder so…)). Dazu muss man dann in die Sozialstruktur schauen und stellt fest, dass es gar nicht am Migrationshintergrund an sich liegt, dass die Kriminalität da höher ist. Zum einen ist das ein klassischer Fall der Unterreportage von Straftaten Deutscher, weil auch die Presse hier unbewusst voreingenommen ist. Dann gehören die Menschen mit Migrationshintergrund zu großen Teilen zu den unteren Statusgruppen dieser Gesellschaft und diese neigen allein aufgrund ihrer prekären Situation zu mehr Kriminalität. Es ist also nicht so sehr die Eigenschaft als Migrant, sondern eher die als Mitglied der unteren Statusgruppen.

2. „die da oben“

Da ist es schwierig zu argumentieren, denn unsere politischen Eliten sind tatsächlich eher so mau. Trotzdem ist unreflektiertes Schimpfen auf die Obrigkeit natürlich ein Klassiker. Man sollte hier vielleicht eine Argumentationslinie verwenden, die betont, dass die Eliten unfähig sind und manchmal korrupt anstatt durchweg böse. Dummheit ist meist die bessere Erklärung.

Dazu sollte man immer auf die Filterbubble achten in der auch die politischen Eliten leben. Die merken meist durch Lobbying und ähnliches nicht, welche Probleme die Menschen da draußen im Lande haben. Das ist teilweise auch gut, aber man sollte es den Leuten ins Gedächtnis rufen und sie darauf hinweisen, dass mangelnde Beteiligung definitiv nichts im Bereich Bürgerrepräsentation erreicht.

3. falsche Annahmen

Das ist etwas seltener, aber mir auch schon öfter untergekommen. Dabei geht es meist um solche Sachen wie Beamte zahlen keine Steuern ((tun sie, sie zahlen keine Sozialabgaben)), Ostdeutsche müssen keinen Solidaritätszuschlag zahlen ((natürlich müssen sie das)), in Hamburg leben die armen Leute ja auch in der Innenstadt ((so gehört letztens, äh nein?)). Hier sollte man möglichst mit Überzeugung erklären, wie die Sachlage tatsächlich ist.

Soundso basieren die meisten Stammtischargumente auf Wissensmangel, den man bei respektvollem Umgang durchaus ausräumen kann.

4. Bleib sachlich und lasse dich nicht auf Ideologie ein

Man sollte immer argumentativ bei der Sachlage bleiben und sich weder auf persönliche Angriffe noch auf Nebenkriegschauplätze einlassen. Das ist schwerer als man denkt. Dazu ist es von Vorteil, dass die Leute weniger über einen wissen. ((Das kriegt man zwar nicht immer hin, aber es hilft.)) Es hilft natürlich auch klassische Diskussionsskripte, die man kennen sollte. Ad hominem Strategien einfach abperlen lassen, immer zurück auf das Thema, immer Relevanz für den Gegenüber herstellen, damit der sich das vorstellen kann und selbst keine Vorwürfe erheben. Dann wird einem sogar zugehört.

5. früher war alles besser

War es das wirklich? Da würde ich einfach mal nachfragen und einen Vergleich heranziehen. Meist war früher nur anders, nicht besser. Darauf kann man an der Stelle immer abheben und es funktioniert auch.

So, wenn euch noch etwas einfällt, dann kommentiert hier mal und ich baue das noch ein.