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Who are you?

‚Who are YOU?‘ said the Caterpillar.
This was not an encouraging opening for a conversation. Alice replied, rather shyly, ‚I—I hardly know, sir, just at present—at least I know who I WAS when I got up this morning, but I think I must have been changed several times since then.‘
‚What do you mean by that?‘ said the Caterpillar sternly. ‚Explain yourself!‘
‚I can’t explain MYSELF, I’m afraid, sir‘ said Alice, ‚because I’m not myself, you see.‘
‚I don’t see,‘ said the Caterpillar.
‚I’m afraid I can’t put it more clearly,‘ Alice replied very politely, ‚for I can’t understand it myself to begin with; and being so many different sizes in a day is very confusing.‘
‚It isn’t,‘ said the Caterpillar.
‚Well, perhaps you haven’t found it so yet,‘ said Alice; ‚but when you have to turn into a chrysalis—you will some day, you know—and then after that into a butterfly, I should think you’ll feel it a little queer, won’t you?‘
‚Not a bit,‘ said the Caterpillar.
‚Well, perhaps your feelings may be different,‘ said Alice; ‚all I know is, it would feel very queer to ME.‘
‚You!‘ said the Caterpillar contemptuously. ‚Who are YOU?‘

Alice’s Adventures in Wonderland by Lewis Carroll

Ich habe das ja schon öfter erlebt. Menschen, die so furchtbar unauthentisch sind, dass man sich fragt, wie sie die kognitive Dissonanz aushalten. Erst kürzlich fiel mir wieder eine Schülerin auf, die schon den anderen Schülern dadurch aufgefallen ist, dass sie besonders oft und übermäßig in tiefem amerikanischen Akzent Englisch im Alltag spricht. Natürlich war sie schon in den „States“ und das ist alles total toll. ((Äh, nein. Die USA sind beim besten Willen nicht der beste Ort zum Leben. Selbst wenn man ein Auskommen hat, ist das Land unangenehmer als die meisten vergleichbaren Länder der westlichen Welt.)) Das hat die junge Dame gratis, die spannende Frage für mich ist: warum trägt sie das so vor sich her? Welche romantische Idee verbindet sie damit, oder welches Trauma hat sie hier? Was bringt einen dazu möglichst fix die eigene Sozialisation wegzuwerfen, und sich eine fremde anzueignen.

Eine Erklärung könnte sein, dass man etwas sein möchte. Das Phänomen, dass das Individuum übersteigert wurde ist ja immer noch in der Gesellschaft verhaftet. Das egozentrische Ich, das als komplett eigenständig und einzigartig verstanden wird, ist für viele die einzige Rettung die persönliche Relevanz für die Welt anzuerkennen. Es geht also darum, dass man sich sagt, dass man jemand ist, damit man jemand ist. Anstatt jemand zu sein, erzählt man sich, dass man jemand ist. Die Menschen, die jemand sind, haben nämlich genug damit zu tun, dieser zu sein. Das Phänomen anderen sagen zu müssen, wer und wie man ist, zeigt dann auch auf, woran es für viele Menschen krankt: eine positive Eigendefinition. Weniger quatschen und mehr soziale Bestärkung in dem was man ist.

Kann vor der Postmoderne der Vorwurf erhoben werden, dass die Gesellschaft in den Einzelnen hineinregiert und ihm vorschreibt wie seine Identität zu strukturieren sei ((Ist ja teilweise immer noch so. Lehrer sollen auf eine bestimmte Art sein, sexuelle Orientierungen sind eine riesige Debatte, politische Orientierungen waren es immer und die Frage wo sozial bedingte psychische Störungen anfangen rundet das dann ab.)) müssen wir nach der Postmoderne den Vorwurf erheben, dass das Konstrukt des Individuums zu weitaus mehr Problemen führt. Die Individuen müssen sich nun immer sagen, dass sie welche sind. Das geht dann soweit, dass ganze Fernsehsendungen und Medienformate um diese Konstruktion der Person aufgebaut sind. Dort wird dann die Darstellung im Privaten übernommen und in ihrer entlarvenden Wirkung deutlich.

Es wird oft über den Verlust des Individuums geweint, wenn über neue Medien gesprochen wird. Die Frage muss eher sein, ob die neuen Medien nicht nur dabei helfen das Individuum als die Fata Morgana zu zeigen, die sie ist.

Schulvisionen

Wenn man Menschen wie Molche und Lurche behandelt, dann werden sie sich auch so verhalten.—– Theodor W. Adorno

Ich habe schon öfter darüber geredet, wie ich mir das Schulsystem idealerweise vorstelle und warum das so aussehen soll. Das ist nicht der Weisheit letzter Schluss, aber vielleicht eine Diskussionsbasis.

Weg mit Schulstunden

Die Schulstunde ist ein Relikt aus einer Zeit, in der man glaubte, dass rhythmische Arbeit sinnvoll ist. Wir leben in einer Dienstleistungsgesellschaft mit flexiblen Arbeitszeiten, also was soll das noch? Dazu sollte Schule ein Ort sein, in dem man sich frei mit Informationen und Wissen beschäftigen kann. Die frontale Schulstunde ist blödsinnige Zeitverschwendung in einer Welt in der nahezu jegliches Wissen über das Netz oder zumindest Zugang zu Büchern erhalten werden kann. Dazu kommt, dass die Didaktiker seit Jahren davon erzählen, dass man explorativ lernen soll, induktiv und handlungsorientiert. So, warum also Schulstunden? In 45 Minuten kann man doch eigentlich keine sinnvollen Zusammenhänge erforschen lassen, die Schüler an Informationen  ihr Wissen selber bilden oder sie was herstellen lassen. Also weg mit dem Blödsinn, nebenbei kann ich mich dabei um weitaus mehr Leute mit mehr Aufmerksamkeit kümmern. Warum?

Projektorientierte schülerzentrierte Aufgaben und Betreuung

Die Antwort auf die Cliffhangerfrage ist einfach, dass man Schülern mehr Freiheit im Erforschen der Welt geben sollte und sich als Lehrer mehr darauf verlegen sollte Probleme und Fragen der Schüler zu lösen. Der Lehrer ist nicht mehr der vorbereitende Mensch, der sagt was, wie, wo gelernt wird, sondern derjenige, der Format und Inhalt mit den Schülern abstimmt und sie berät. Daraus ergeben sich dann schon die nächsten Forderungen.

Ich will ein Büro! Mit Couch!

Die Schule voller Klassenräume ist ein Raum in dem kreatives Lernen schwer möglich ist. Sie ist primär eine Präsentationsbühne für die Lehrkraft und kein Raum zum kollaborativen Arbeiten. Wir brauchen Schulen mit offenen Plätzen, weiten Räumen, schnellem WLAN, Einzelarbeitsplätzen und Konferenzräumen und damit auch mit Büros für die Lehrkräfte. Da gehört dann neben einem Arbeitsplatz auch eine Couch, eine Tafel und sowas rein, denn die Schüler sollen auch die Möglichkeit haben, jederzeit als Gruppe oder allein die Lehrkraft aufzusuchen und um Hilfe zu bitten. Je weniger desto besser, aber es ist viel effektiver Menschen bei ihren Problemen zu helfen als ihnen zu sagen, was sie wie zu denken oder zu bearbeiten haben. Dabei können wir dann sogar mehr Schüler in der gegebenen Zeit intensiver betreuen. Damit das dann auch erzieherisch klappt, brauchen wir dazu auch:

Mehr Sozialarbeiter und Erzieher

Denn ernsthaft, wir Lehrer sind Experten im Inhalte vermitteln, wir sind nicht unbedingt perfekt geschult für das Erzieherische und wir haben eine andere Autorität als ein Sozialarbeiter hat. Wir haben hoheitliche Aufgaben und Befugnisse, aber wir sind auch andere Leute als diejenigen, die dir zuhören und mit denen du über deine privaten Probleme redest. Damit beschäftigt sich implizit auch die nächste Forderung, aber gerade die intellektuelle Seite bei der Lehrerschaft ist glaube ich sehr glücklich, eher intellektuell zu sein. Doch uns steht noch eine andere Problematik im Weg, die den Lehrer in seiner neuen Aufgabe als Berater und Mentor einschränkt.

Zentrale kompetenzorientierte Leistungstests

Eines der größten Probleme, die man systembedingt als Lehrkraft hat, ist, dass die Leistungsmessung in der selben Hand wie die Leistungsvermittlung liegt. Dazu kommt, dass einem nicht vorgeschrieben wird, welche Kompetenzen der Schüler erlernen soll, sondern welche Spiegelstriche einer Liste mit Informationen man ihnen ins Hirn prügeln soll. Das ist eine Weisheit der modernen Pädagogik und Didaktik, die da beide Recht haben. Um aber die oben genannte Freiheit in der Betreuung der Schüler zu haben, sollte die eigentliche Leistungsmessung nicht mehr von der selben Person durchgeführt werden, die auch den Unterricht gestaltet. Da kann man ansonsten weder überprüfen, ob die Leistungsvermittlung effektiv und zielgerichtet ist und man öffnet Manipulationen Tür und Tor. Das ist einer der Hauptgründe, warum Schulzeugnisse eigentlich kaum das Papier wert sind auf dem sie stehen und als institutionalisiertes kulturelles Kapital auch immer weniger ernst genommen werden.

Wären die entsprechenden Tests standardisiert und von einer dritten Partei durchgeführt, dann könnte man garantieren, dass ein erreichtes Level auch eine Wert hat. Konsequenterweise kann man anhand der erreichten Niveaustufen eines Schülers diesen besser betreuen und fördern als ihn dumm eine Jahrgangsstufe wiederholen zu lassen. Anhand dieser Kompetenzstufen kann dann auch eine sinnvolle Selektion für die Universität oder Wirtschaft stattfinden. Diese wird auch den individuellen Stärken und Schwächen des Einzelnen mehr gerecht als diese eindimensionale Bewertung, die wir da jetzt so haben und bei der nicht einmal die Skala passt. Das braucht man halt in nachvollziehbar und definiert und evaluierbar.

Fazit

Wir müssen unser Schulsystem auf den Kopf stellen. Es darf nicht mehr um Inhalte sondern um Kompetenzen gehen. Diese müssen vom Schulpersonal schülerbezogen und frei an den Mann gebracht werden und sich an den Realitäten der modernen Arbeitswelt orientieren. Dabei sollte am Ende ein Abschluss stehen, der eine ernsthafte Aussage über die Kompetenzen des Einzelnen gibt und der Möglichkeiten aufzeigt anstatt Rätsel aufzugeben. Das Schulsystem muss die Gesellschaft in ihrer Vielfältigkeit und ihrem Reichtum repräsentieren und fördern, anstatt sie zu spalten und zu uniformieren.

Wenn Bildung unser Rohstoff ist, dann hätte ich gerne eine moderne Mine und keinen von vermoderten Holzbalken gestützen Stollen.

Wie man Beziehungen zur Hölle macht…

So nachdem ich etwas über die Streitkultur geschrieben habe, kann ich auch noch was zu den Strukturen beitragen mit denen man eine Zweierbeziehung zur Hölle macht. Dies sind kommunikative Spielarten an denen man erkennt, dass es dem anderen primär um Machtausübung geht.

Sehr oft wird hier die Objektebene und die Beziehungsebene verwechselt. Auf der Objektebene kann man nur Aussagen über ein Objekt machen, in der Beziehungsebene unterhält man sich darüber, wie man sich selbst und andere zu diesem Objekt verhalten. Beides gleichzeitig kann man nicht ausdrücken und in Beziehungen geht es viel zu oft darum, was Sachen bedeuten, als darum was tatsächlich das Problem ist.

Ein Klassiker ist das Ausnutzen der Beziehungsebene um etwas auf der Objektebene zu erreichen. Das funktioniert dann mit Sätzen wie: „Hast du Lust Kaffee zu kochen?“ oder in der deutlichen Variante „Hast du Lust für mich Kaffee zu kochen?“ Das kann man dann aber noch weiter treiben, in dem man die etwas konstruktivistische Antwort, dass man eigentlich keinen Kaffe machen will, es aber für den anderen tut, mit der Bedingung kontert, dass der andere es auch gerne tut.

Das nächste ist die Illusion der Alternativen, die wirklich vorzüglich eingesetzt werden kann. Hier wird dem Partner eine Wahl auf der Objektebene gestellt, die dann auf der Beziehungsebene für Vorwürfe genutzt wird. Dabei ist es übrigens scheißegal, wie die Wahl aussieht. Sprich, man bringt dem Partner zum Beispiel zwei CDs mit und fragt ihn unabhängig davon, welche er nimmt mit traurigen Augen: „Hat dir die andere nicht gefallen?“

Auch toll und allein von der Kommunikationsstruktur total klasse sind paradoxe Aufforderungen, bei denen man etwas vom anderen verlangt, was er nach dem Verlangen nicht mehr erfüllen kann. „Ich finde es mal toll, wenn du sagen würdest, was wir am Wochenende machen!“ zum Beispiel führt dazu, dass wenn man dann etwas vorschlägt, einem vorgeworfen wird, dass man es nur tut, weil es gesagt wurde. Daraus kann man dem anderen dann vielseitige andere Vorwürfe machen. Ein wahrer Strauss der Freude kommt aus dieser Struktur.

Da gibt es noch viel mehr, aber dies sind die Klassiker. Bitte benutzt sie nicht.

Ist das jetzt eigentlich schade?

Unsere Großpolitik hadert ja seit Ewigkeiten mit der Linken. ((Die ist ja so böse linksextrem und wird schon seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Das heißt im Klartext: sie sagt die ganze Zeit Dinge, die nicht dem Großkonsens der Restpolitik entsprechen. Ist ja auch furchtbar, wenn jemand eine grundlegend andere Sicht auf Dinge hat und dann mit Tatsachen argumentiert.)) Das zieht sich bis in die Finanzierung der Jugendorganisationen. Gerade unter der aktuellen Familienministerin Christina Schröder gab es schon seit längerem Bestrebungen gerade den antifaschistischen und damit eher linken Projekten und Organisationen die staatliche Förderung zu entziehen. ((Achtung! Link geht zur Jungle World. Das ist ja nicht jedem seine Sache.))

Besonders hat es der armen Frau Schröder die Jugendorganisation der Linken, die Linksjugend Solid, angetan. Deswegen ging sie mit ihrem Ministerium vor dem Berlin-Brandenburger Verwaltungsgericht in den Kampf mit der Linksjugend. Den hat sie heute so schallend verloren, dass sogar in Frage steht, ob die anderen Parteijugenden überhaupt gefördert werden dürfen. Nunja, und da sind wir bei der Frage, die sich mir das stellt: ist das jetzt eigentlich schade?

Immerhin kann von keiner parteilich finanzierten Organisation ((Nur so, ein Großteil der politischen Erwachsenenbildung kommt von Parteienstiftungen oder kommerziellen Anbietern. Die haben sicher alle keine Agenda.)) eine reine ideologiefreie Inhaltsauswahl oder eine sachbasierte Analyse erwartet werden. Das ist ja schon staatsbezahlt relativ schwer zu bewerkstelligen. Also ist da so die Frage, ob eine Verteilung der Finanzen auf neutralere Träger, die eben nicht direkt an den Parteien hängen, aber dafür die Bevölkerung breiter abbilden, besser ist. Schließlich sind die Jugendorganisationen die Kaderschmieden der Parteien und Teil deren Elitenbildung. Das bedeutet, dass sie aus der Sicht der politischen Bildung, die die Mündigkeit des Bürgers im Blick hat, nicht unbedingt ideal sind. Stattdessen sollte dies ansetzen, nachdem die Jugendlichen mal eine neutralere Politiksicht gezeigt bekommen haben.

Aber dafür bräuchten wir ja ma eine politische Bildung, die nicht fünf Minuten vorm Abi stattfindet!

Streitkultur in Beziehungen

Ich wurde ja schon gestern gefragt, was das eigentlich sollte und worauf ich hinaus will. Das hat noch seine Zeit. Ich baue hier noch etwas meine Sammlung für die Argumentation auf. Nicht nur, weil das hilfreich ist, sondern auch, weil es mir kindlichen Spaß bereitet.

Im letzten Post habe ich ein paar der standardisierten Begründungen gesammelt, die man so für das Führen einer Beziehung angeben kann ohne komisch angesehen zu werden, die also sozial akzeptiert sind. Diesmal geht es um die Kommunikation in Beziehungen und hier um den Streit. Streit als Krise der Beziehung bietet dann wiederum Raum um die gemeinsame Wirklichkeit der Beziehung mehr in die Richtung der eigenen Realitätsvorstellung zu rücken als in die des anderen. Es geht hier also auch um Macht ((Es sei an dieser Stelle die Machtdefinition von Max Weber gegeben: „Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“)) den anderen in die Ecke zu drängen und ihm damit die eigene Weltsicht aufzudrücken.

In den gegebenen Streitskripten geht es dann auch von den Standardfloskeln bis hin zu dem Punkt, wo man schon im Streit die Trennung vorbereitet.

Allgemeine Floskeln
Beispiele: Das ist eine Unterstellung!, Das ist reine Provokation!, Das war schon immer so! ((Auch beliebt bei Schülern…))

Diskurszurechtweisungen
Beispiel: Das ist doch kein Argument! Mit dir kann man ja nicht diskutieren! Du drehst einem ja das Wort im Mund rum! ((Diese Art der Argumentation ist übrigens ein Grund für mich, einfach mit jemandem nicht mehr zu diskutieren. Macht keinen Sinn.))

Vorwürfe
Beispiel: Das tust du nur, um mich zu provozieren! Das sagst du nur, weil du sauer bist! An mir liegt es nicht, dass alles so schlecht ist. ((Gerade das Pathologisierende ist total eklig, denn es setzt voraus, dass man den Gegenüber besser kennt als er sich selbst.))

Einklagen
Beispiel: Du willst wirklich gehen? So will ich das nicht mehr! ((Hier sehen wir schon, dass es um Macht geht. Dadurch, dass ich hier ja sagen müsste um die Beziehung zu retten, hat der andere jede Möglichkeit klare Bedingungen an mich stellen, denen ich mich unterwerfen muss. Macht halt.))

Pseudobeschwichtigung
Beispiel: Nimm das doch nicht gleich wieder zu ernst. ((Wenn dir jemand so kommt, trenne dich doch besser gleich.))

Finale Skripte
Beispiel: Ich glaube das hat keinen Sinn mehr mit uns. So will ich das nicht mehr. ((Ist auch ein Druckmittel, dem man eigentlich nachgeben sollte.))

Auch hier wieder der Hinweis, dass es sich um Zitate der BOAG handelt.

Beziehungsbegründungen

Romantische Liebe ist ja eine Erfindung des Bürgertums des 18. Jahrhunderts, das eine Begründung für Beziehungen brauchte, die sich von der Zweckrationalität des Adel und der Baueren ((Heiraten zum Land- und Geldgewinn)) unterschied. Also, jedenfalls war das am Anfang die Begründung. Heute geht es gerade bei dem was man so als Reste des Hochbürgertums sehen kann wieder nur um die Kohle.

Was allerdings davon übrig blieb sind die Vorstellungen, die die Menschen von der Liebe haben und die sind voller Selbstverwirklichung und zwischenmenschlicher Harmonie. ((Genau, so sieht das auch normalerweise aus. HARMONISCH! KLAR?)) Und deswegen sind Beziehungen ein schönes Studienobjekt. Ich möchte hier gerne ein paar Erkenntnisse über die Mythen wiedergeben, die man sich so als Begründung für Beziehungen erzählt, denn Beziehungen sind natürlich auch eine sozial konstruierte Angelegenheit. Nennt man eine Beziehung Beziehung dann muss man sich auch an die entsprechenden Mythen halten, mit denen diese begründet werden. Da Beziehungen aus verschiedenen Mythen bestehen, die die Liebenden, so sie sich auf einen Satz geeinigt haben, mittels Skripten abspielen können. Der Hauptmythos scheint eine dauerhafte vollkommene Liebe zu sein, bei der man gleichzeitig kameradschaftlich, leidenschaftlich und glücklich gebunden ist. Doch auch der Verlauf einer Beziehung ist aufgeteilt und durchgeskriptet und ich stelle euch ein paar meiner Lieblingsskripte vor. Hier schließt sich gleich die Aufforderung an das Publikum an mitzumachen und beizutragen.

Begründungsskripte

Hier gibt es zum einen Standardsituationen und zum anderen Schicksalsmedien mit denen Beziehungsanfänge beschrieben werden. Schaut zu… Boshaftigkeiten in den Fußnoten.

Die Macht der Liebe
Beispiel: Weil wir uns lieben. Es traf mich wie aus heiterem Himmel. ((Ja klar, der/die hat dir nicht gefallen oder so, gell?))

Emotionaler Kontrollverlust
Beispiel: Ich verliebe mich immer so schnell. ((Ist ja eigentlich schon pathologisch, wenn das so ohne Einfluss geht.))

Abhängigkeit vom Partner
Beispiel: Weil wir uns brauchen. Weil er/sie mich braucht. Weil ich ihn/sie brauche. ((Es gibt da auch preiswert Therapiemöglichkeiten.))

Beziehung brauchen
Beispiel: Weil ich nicht allein sein kann. Weil ich Torschlusspanik hatte. ((Weil ich kein selbstbestimmtes Wesen sein kann ohne mir ein anderes an die Backe zu binden.))

Postmoderne Autonomie
Beispiel: Weil er/sie mich nicht braucht. ((Naja, schon geil, oder?))

Sex
Beispiel: Weil er/sie gut im Bett ist. Weil er/sie der/die erste ist, der/die mich im Bett glücklich machen konnte. ((Joa, endlich mal ein Grund, der ehrlich ist.))

So. Ich danke hier auch der Bochumer Arbeitsgruppe für sozialen Konstruktivismus und Wirklichkeitsprüfung, die mir diese Ideen in den Kopf setzte und deren Arbeitspapier Nr. 8 hier auch zitiert ist.

Interview mit Andrea Bottlinger (wg. Aeternum)

AeternumIch bin erfreut, dass Andrea Bottlinger in meinem Blog zu Gast ist. Andrea und ich kennen uns schon etwas länger und sind uns in etlichen Bereichen der Literatur einig, dass wir uns uneinig sind. Nichtsdestotrotz hat es mich sehr gefreut, dass sie nun neben ihrem ersten Sachbuch Sorge dich nicht. Beame! auch mit Aeternum ihr Romandebut feiern kann.

Ich muss vorausschicken, dass ich nicht die Gelegenheit hatte das Buch zu lesen und sich meine Fragen über den Inhalt eher auf Rezensionen stützen. Diese Fragen stehen für mich aber soundso nicht im Mittelpunkt. Das können andere Leute besser als ich.

Also, dann.

Hallo Andrea! Erst einmal Glückwunsch zum ersten Roman, ich bin ja wirklich beeindruckt mit welcher Konsequenz du den Weg zur Autorenschaft verfolgt hast. Als alter Dauerskeptiker hätte ich das nie geglaubt. Überrascht dich das selbst?

Was jetzt, die Konsequenz oder die Tatsache, dass ich es geschafft habe? Was die Konsequenz angeht, da ist es so, dass ich einfach gerne schreibe. Ich mache das also so oder so, ob es nun gedruckt wird oder nicht. Was die Tatsache angeht, dass ich jetzt tatsächlich mit einem Roman in einem großen Publikumsverlag gelandet bin: Ich habe es mit drei Romanen vorher nicht geschafft. Wenn ich es mit „Aeternum“ auch nicht hinbekommen hätte, hätte ich einfach den nächsten geschrieben und danach den nächsten, bis es irgendwann geklappt hätte. Ich war recht überzeugt davon, dass man mit genug Beharrlichkeit irgendwann zu Ziel kommt. Schon allein aus statistischen Gründen 😉

Du arbeitest ja auch als Lektorin. Hat diese Arbeit deinen Schreibstil und deine Arbeit an Aeternum beeinflusst und hat man dann mehr Mitleid mit dem eigenen Lektor?

Nein. Die meisten Autoren tauschen sich mit anderen Autoren aus und lesen gegenseitig ihre Romane. Das heißt, bis auf wenige Ausnahmen betätigen sich alle Autoren ein wenig als Lektor. Ich habe das nur auf ein Level gehoben, auf dem ich dafür bezahlt werde. Und im Umgang mit meiner Lektorin hat es eher dazu geführt, dass ich mehr mit ihr gestritten habe, glaube ich.

Da sind wir dann auch schon bei dem, worauf ich erst einmal mein Augenmerk legen möchte. Es gibt tausend Philosophien, wie so ein Roman entsteht. Was ist deine?

Normalerweise reiht man ein Wort ans andere. Wenn man Glück hat, entsteht dabei etwas, das nicht nur Sinn ergibt, sondern auch gut klingt.

Ich selbst habe relativ große Probleme mich jeden Tag an den Schreibtisch zu schleppen und in dem kleinen Rahmen kreativ arbeitend zu sein, in dem ich das so bin. Wie schafft man als Autorin sowas?

Ich werde unruhig, wenn ich länger nicht kreativ bin. Ganz ohne Deadline würde ich zwar nicht jeden Tag schreiben, aber für mich ist es einfach wichtig, regelmäßig irgendwas Kreatives zu tun. Also ist es gar nicht so schwer.

Und weiterführend, kam irgendwann mal der Moment, in dem du deine Charaktere nicht mehr sehen konntest?

Wenn man seine Charaktere nicht mehr sehen kann, hat man irgendwas falsch gemacht, denke ich. Du bist doch Rollenspieler. Wenn du einen Charakter wirklich schon lange spielst, dann hängst du ja eher immer mehr an ihm. Je länger du dich mit ihm beschäftigst, desto mehr Tiefe bekommt er, desto genauer wird das Bild, das du von ihm hast. Und du denkst nie: „Ach, verdammt, jetzt muss ich schon wieder zu dieser Rollenspielrunde und diesen blöden Typen spielen, den ich mir ausgedacht habe.“ Romancharaktere sind genauso.

Du hast dich entschieden, dass der Roman in Deutschland und zwar primär in oder unter Berlin spielt. Ich finde die Entscheidung Deutschland als Ort für einen Roman zu wählen gut, wie kam es dazu und welche Möglichkeiten bietet Berlin, die die Standards wie London nicht bieten?

London oder New York macht ja jeder. Ich dachte mir, ich nehme mal was, wozu man als deutscher Leser mehr Bezug hat. Berlin bietet mir letztendlich nicht mehr Möglichkeiten als London oder New York, sieht man mal davon ab, dass ich leichter dorthin fahren konnte und dass ich Leute dort kenne, die mir bei den Details geholfen haben. Aber ich hätte die Geschichte auch anderswo erzählen können.

Und die wichtigste Frage für die Leser: Wird es eine Fortsetzung geben?

Geplant war „Aeternum“ als Einzelroman. Es gibt aber Hintertürchen für eine Fortsetzung, sollte der Verlag Interesse daran haben.

Doch zurück zum Prozess des Schreibens. Wie ist Aeternum handwerklich entstanden? Was sind deine Werkzeuge zum Romanschreiben?

Ich fange immer mit den Protagonisten an und überlege mir, was deren Ziele sind. Dann denke ich mir jemanden oder etwas aus, der oder das entgegengesetzte Ziele hat, und ergründe dessen Motivation. Daraus entsteht automatisch ein Konflikt, und damit habe ich meine Geschichte. Dann schreibe ich, werfe meinen Plan mindestens dreimal um, schreibe Kapitel mehrmals neu, bis ich zufrieden bin, und stelle fest, dass Nebencharakter X viel wichtiger geworden ist, als ich erwartet hatte, was meinen Plan noch einmal etwas abändert …
Irgendwann bin ich fertig, und dann überarbeite ich so lange, bis ich einen Rappel bekomme und den Roman für fertig erkläre. Und Werkzeuge? Notizbuch und Laptop.

Welches Werkzeug würdest du dir noch wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass Google Street View flächendeckend funktioniert. Das ersetzt Recherchereisen natürlich nicht, aber wenn ich vergessen habe, irgendwas vor Ort nachzusehen, bin ich immerhin nicht komplett aufgeschmissen. Und ich hätte gerne eine richtig große Bibliothek in erreichbarer Nähe.

Inwiefern sind deine Katzen ein wichtiger Einfluss geworden?

Abgesehen davon, dass manchmal unverhofft Dinge wie „dsfghj“ in diversen Textdokumenten auftauchen? Hm … sie haben mich in dem Glauben bestärkt, dass die Welt insgesamt ein bisschen bekloppt ist und dass man ihr nicht gerecht wird, wenn man in seinen Texten nur Drama und noch mehr Drama schreibt. Da haben wir zwei kleine Raubtiere, denen die Natur von Geburt an einen Killerinstinkt und fiese Mordwaffen mit auf den Weg gegeben hat und die keine Ahnung was erlebt haben, bevor sie ins Tierheim und dann zu uns kamen. Und dann kann ich unserer ausgewachsenen Killerkatzendame dabei zusehen, wie sie bei dem Versuch, ihren eigenen Schwanz zu jagen, von der Küchenbank fällt.

Kommen wir zu ein paar Fragen zur Öffentlichkeitsarbeit, die man als Autorin so tun muss. Du hast ja ein Blog sowie einen Twitter- und Facebookaccount. Sind diese neuen Kommunikationsmittel ein absolutes Muss für eine junge Autorin?

Ich mach das alles vor allem, weil es mir Spaß macht. Man sollte es auch nur deshalb tun. Um sich damit zu beschäftigen, ohne Spaß daran zu haben, bringt es einem zu wenig.

Über welches Medium denkst du, dass du die meisten Leute erreichst?

Über den Buchhandel. Es ist immer noch so: Je mehr Exemplare von einem Roman in den Buchläden liegen, vorzugsweise in großen Stapeln, desto mehr wird davon verkauft. Um mal ein paar Zahlen zu nennen: Meinen Blog lesen vielleicht 50 oder 70 Leute regelmäßig. Das heißt, im allerbesten Fall verkaufe ich darüber 70 Bücher. Das ist nicht sehr viel. Dasselbe gilt für Twitter und Facebook. Ich habe derzeit 300 Twitter-Follower. Ich würde schätzen, mindestens die Hälfte davon folgt mir nur in der Hoffnung, mir wiederum ihr selbst herausgegebenes EBook zu verkaufen. Und vom Rest interessiert sich ganz sicher auch nicht jeder für Urban Fantasy. Jetzt ist Aeternum ja erhältlich und es gehört ja zum Autorenleben auch dazu, dass man sein Werk präsentiert.

Du warst auf der Leipziger Buchmesse und machst nun diese Blogtour. Man würde davon ausgehen, dass die Messe die größere Rolle spielt. Siehst du das auch so?

Das kann ich schlecht sagen. Ich habe wirklich keinerlei Vorstellungen, wie viele Leute ich über die Blogtour erreichen werde. Und bei der Buchmesse weiß man ja auch nie genau, wer wirklich der Lesung zuhört und wer gerade nur da sitzt, um die schmerzenden Füße etwas auszuruhen.

Die moderne Medienwelt von der wir ja schon reden ist sehr vielfältig. Kannst du dir auch vorstellen vom Buch zu anderen Medienarten wie Hörbücher, Podcasts oder ähnliches zu gehen?

Ich hoffe, dass irgendwer mal ein Hörspiel zu einem meiner Romane macht. Das fände ich cool. Ich arbeite momentan auch mit einer Zeichnerin zusammen an einem Comic, von dem wir noch nicht wissen, ob wir versuchen, es Verlagen anzubieten, oder ob wir ein Webcomic daraus machen. Ich probiere alles mal aus, was verspricht, Spaß zu machen.

Und eine kurze persönliche Frage zum Abschluss: Wirst du irgendwann mal ein Buch über Vampire schreiben, die durch Zitronen umgebracht werden?

Ich glaube, das Vampire-Zitronen-Thema hat der große Meister Terry Pratchett schon ausreichend abgearbeitet. Da will ich mir nicht anmaßen, gleichzuziehen 😉

Ich danke für die Beantwortung meiner Fragen und wünsche dir natürlich noch viel mehr Erfolg und jede Menge weitere Romane.

Vielen Dank.

Andreas Roman Aeternum kann man überall finden, wo es Bücher gibt, besonders aber beim lokalen Buchhändler, der unterstützt werden sollte.

Creative trips…

Aus der Principia Discordia erfolgt heute die Lesung der Seite 00063 nach dem offiziellen diskordischen Nummerierungssystems.

Ordnung der Unordnung oder auch Unordnung der
Ordnung vorzuziehen, ist eine Lebensart, die sowohl aus
Kreativität als auch aus Destruktivität zusammengesetzt ist.
Wenn man nun Kreativität der Destruktivität vorzieht, dann ist
das ein total kreativer Trip, der sowohl aus Ordnung als auch
aus Unordnung zusammengesetzt ist. Um es genau auszu-
drücken – wir Brauchen nur kreative Unordnung gemeinsam
mit, und gleichwertig zu, kreativer Ordnung zu akzeptieren
und bereit dazu sein, destruktive Ordnung als unerwünschtes
Gegenteil von destruktiver Unordnung abzulehnen.

Der Fluch des Graugesichts verursachte die Teilung in
Ordnung/Unordnung als essentielle positiv/negativ Polarität,
anstatt kreativ/destruktiv als die essentielle positiv/negativ
Polarität als Fundament zu verwenden. Dadurch verursachte
er, daß die Menschheit noch immer an den destruktiven
Aspekten der Unordnung leidet und außerdem den Zugang zu
einem kreativen Gebrauch von Unordnung nicht finden kann.
Heutige Zivilisation spiegelt diese unglückliche Teilung wider.

Principia1

POEE verkündet, daß die andere
Unterteilung von kreativ/destruktiv vorzu-
ziehen ist, und wir arbeiten darauf hin, krea-
tive Unordnung sowie kreative Ordnung als
etwas Positives und Begehrenswertes darzu-
stellen, und daß destruktive Ordnung genau-
so wie destruktive Unordnung unnötig und
unerwünscht ist.

Gehet hin und denkt über diese Weisheit bei einem HotDog nach.

Show don’t tell…

Es ist eine kleine psychologische Weisheit, dass das, was einem Menschen erzählen, meistens das ist, was sie selbst hören wollen. Sie erzählen sich also selbst, wie toll sie sind, sie erzählen sich selbst, dass sie dich lieben oder, dass du ihnen sehr wichtig bist. Das ist alles nur Gequatsche und hat wenig mit dem zu tun, was die Person am Ende tut. Stattdessen hat es sehr viel damit zu tun, was die Person denkt, wer sie ist und wie sie sich ihre Welt konstruiert. Das bringt uns dann zum ersten Schluss: man sollte immer etwas darauf hören was man so erzählt und sich die Frage stellen, was das über einen selbst sagt.

Dazu kommt dann der zweite Teil, auf den sich dann auch die Überschrift bezieht. Wenn man nämlich will, dass Menschen einen ernst nehmen, wenn man sich auch so verhält, wie man erzählt. Oder besser: es zum größten Teil versucht. Immer klappt das doch eh nicht. Man muss also zeigen, dass man Menschen liebt, dass sie einem wichtig sind und das beginnt dann wiederum mit Zuhören und handeln. Wenn man dem anderen, egal wer er ist, nur Kram erzählt, dann wird dieser das irgendwann nicht mehr glauben. Man muss konsistent reden und handeln, weil ansonsten wird man irgendwann gar nicht mehr in seinem sozialen Verhalten ernst genommen.

Also, zeigt, was ihr meint und quatscht net.