Streitkultur in Beziehungen

Ich wurde ja schon gestern gefragt, was das eigentlich sollte und worauf ich hinaus will. Das hat noch seine Zeit. Ich baue hier noch etwas meine Sammlung für die Argumentation auf. Nicht nur, weil das hilfreich ist, sondern auch, weil es mir kindlichen Spaß bereitet.

Im letzten Post habe ich ein paar der standardisierten Begründungen gesammelt, die man so für das Führen einer Beziehung angeben kann ohne komisch angesehen zu werden, die also sozial akzeptiert sind. Diesmal geht es um die Kommunikation in Beziehungen und hier um den Streit. Streit als Krise der Beziehung bietet dann wiederum Raum um die gemeinsame Wirklichkeit der Beziehung mehr in die Richtung der eigenen Realitätsvorstellung zu rücken als in die des anderen. Es geht hier also auch um Macht1 den anderen in die Ecke zu drängen und ihm damit die eigene Weltsicht aufzudrücken.

In den gegebenen Streitskripten geht es dann auch von den Standardfloskeln bis hin zu dem Punkt, wo man schon im Streit die Trennung vorbereitet.

Allgemeine Floskeln
Beispiele: Das ist eine Unterstellung!, Das ist reine Provokation!, Das war schon immer so!2

Diskurszurechtweisungen
Beispiel: Das ist doch kein Argument! Mit dir kann man ja nicht diskutieren! Du drehst einem ja das Wort im Mund rum!3

Vorwürfe
Beispiel: Das tust du nur, um mich zu provozieren! Das sagst du nur, weil du sauer bist! An mir liegt es nicht, dass alles so schlecht ist.4

Einklagen
Beispiel: Du willst wirklich gehen? So will ich das nicht mehr!5

Pseudobeschwichtigung
Beispiel: Nimm das doch nicht gleich wieder zu ernst.6

Finale Skripte
Beispiel: Ich glaube das hat keinen Sinn mehr mit uns. So will ich das nicht mehr.7

Auch hier wieder der Hinweis, dass es sich um Zitate der BOAG handelt.

  1. Es sei an dieser Stelle die Machtdefinition von Max Weber gegeben: „Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“ []
  2. Auch beliebt bei Schülern… []
  3. Diese Art der Argumentation ist übrigens ein Grund für mich, einfach mit jemandem nicht mehr zu diskutieren. Macht keinen Sinn. []
  4. Gerade das Pathologisierende ist total eklig, denn es setzt voraus, dass man den Gegenüber besser kennt als er sich selbst. []
  5. Hier sehen wir schon, dass es um Macht geht. Dadurch, dass ich hier ja sagen müsste um die Beziehung zu retten, hat der andere jede Möglichkeit klare Bedingungen an mich stellen, denen ich mich unterwerfen muss. Macht halt. []
  6. Wenn dir jemand so kommt, trenne dich doch besser gleich. []
  7. Ist auch ein Druckmittel, dem man eigentlich nachgeben sollte. []

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