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Rezension: Beyond: Ready… Fight!

DSC0002Genereller Disclaimer: Ich kenne die Autorin schon lange persönlich, die Wahrscheinlichkeit, dass ich öffentlich je ein Buch verreißen werde ist deswegen sehr gering. ((Wer hier mitliest weiß das, aber auch.)) Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich das soundso tue, ist mittlerweile soundso gesunken.

Andrea Bottlinger ist schon seit ein paar Jahren Fantasyautorin und Lektorin und hat Anfang dieses Jahres ihren ersten Roman Aeternum veröffentlicht. Da ging es um Engel und Dämonen und sowas interessiert mich eigentlich kaum. Doch sie meinte dann, dass sie auch einen Cyberpunkroman schreibt und da war ich dann eher interessiert. Doch bevor ich zum Inhalt komme, hier noch einmal schnell die Fakten zu Beyond. Beyond erscheint als Ebook in sechs Teilen. Ich habe es mit bei Apple im iBook Store gekauft und war erstaunt, dass ich nur 2,49€ für etwas bezahlen musste, dass sich durchaus als lange Kurzgeschichte oder eben der erste Teil eines längeren Roman begreifen lässt. Die Geschichte ist an sich abgeschlossen aber man merkt ihr an, dass es hier noch weiter geht und da der Preis und das Produkt wirklich gut sind, werde ich sicher auch Teil zwei kaufen und lesen. Generell finde ich das Konzept des Rohde Verlags hier sehr gut, weil es das Ebook als Medium ernst nimmt und gleichzeitig dessen Vorteile besser nutzt. Ich hoffe, besonders für den deutschen Buchmarkt, dass dieses Experiment gut geht.

Doch nun zum Werk selbst. Es ist moderner Cyberpunk und hat mich als solcher wirklich überzeugen können. ((Und das ist nicht einfach!)) Die Prosa fließt locker flockig vor sich hin und steht der Geschichte nicht im Weg. Ich finde es immer sehr angenehm, wenn Sprache Stil hat, aber gleichzeitig nicht zum Selbstzweck wird. Das schafft Andrea hier ziemlich gut. Die Welt von Beyond ist logisch an dem weitergedacht, was wir heute schon kennen. Google Ads werden automatisch und inhaltlich passend an jede Email angehangen. Diese werden auch grundsätzlich mitgelesen und wenn man mit seinen interaktiven Brillen oder Kontaktlinsen durch die Straßen läuft werden soviele Werbecodes eingelesen, dass man sie filtern muss, um nicht von den Elektroautos überfahren zu werden. Also schlicht, das was uns in zehn Jahren so blüht.

In dieser Welt begegnet uns Leander, ein desillusionierter und leicht bitterer Programmierer, der eigentlich nichts mehr mit Beyond dem augmented reality game, das der letzte Schrei unter allem hippen in dieser Welt ist, zu tun hat. Das ändert sich, als er eine Nachricht eines alten Freundes erhält und damit nach Beyond zurückkehren muss. Nicht, bevor er feststellen muss, dass anscheinend echte Gegner hinter ihm her sind. Er findet in Charlotte, der Ex-Freundin seines Bekannten eine Gefährtin und beide begeben sich nicht ganz freiwillig zurück nach Beyond. Kämpfe gegen lustige Metaphern und ähnliche Späße aus den üblichen Computerspielen. Rollenspieler und Computerspieler werden hier ihre wahre Freude haben.

Meine Freude war, dass ich dieses Buch wirklich mit Genuss abends im Bett lesen konnte. Es durchaus schon zeigt, wohin die Reise geht und trotzdem eine gewisse Leichtigkeit und Treue zum Genre besitzt, die ich sehr charmant fand. Also, wenn ihr mal kurzen, angenehmen und durchaus genretreuen modernen Cyberpunk lesen wollt: Greift zu Beyond.

Cyberpunkage und Romantik

Wir leben in einer Cyberpunkwelt. Vieles dessen, was in den 80ern des letzten Jahrhunderts von den Autoren der ersten Cyberpunkromane als Zukunft vorausgesagt wurde, ist heute Realität. Vielleicht auch, weil diejenigen die unsere moderne Realität formen genau diese Romane gelesen haben und sich so ihre Idee von Zukunft gebildet hat. Wir haben moderne vernetzte Technologie und damit auch die weltweite Überwachung an der Tür. Wir haben Implantate um Sehvermögen und Hören wieder herzustellen. Es gibt die ersten Exoskelette um Menschen mit neurologischen Lähmungen mobil zu machen und ähnliches. Kurz: Technologie ist in jedem Bereich unseres Lebens angekommen und eigentlich totalitär.

Allerdings ist Technologie auch der schnelle Weg der menschlichen Entwicklung. Evolution ist erstaunlich langsam, also bauen wir uns unsere Evolution selbst. Doch natürlich macht Technologie auch Angst und wie jede Zeit, in der Rationalität und Technologie das Primat übernommen haben, gibt es eine Gegenströmung. Nach der Aufklärung, die Logik und Vernunft zu den höchsten Tugenden erhoben hat, kam die Romantik, die sich gerade im Kontrast der wirtschaftlichen Früchte dieser Aufklärung das Programm der Rückkehr zum Naturzustand auf die Fahnen schrieb. Es ging auf einmal um Emotionen, Liebe und Reinheit. Als Vorbild nahm man sich das Mittelalter und verklärte es schon damals. Auf einmal gab es Frühlingsfeste wie den Eisenacher Sommergewinn und Historismus war der letzte Schrei. Gleichzeitig wurden Märchen gesammelt und von zuviel Gewalt und Boshaftigkeit bereinigt, weil während man das Schöne in der Vergangenheit suchte, hatte man doch klare Sensibilitäten. Von hier gibt es eine klare Linie zu den Mittelalterfreunden und Liverollenspielern von heute. Dieselbe verklärte Romantisierung der Vergangenheit. Es wird gerne behauptet, dass Menschen damals mehr im Einklang mit der Natur gelebt haben. Dabei tun wir das immer. Wir können nicht nicht im Einklang mit der Natur leben. ((Aber man darf gerne mal probieren die Gravitation zu ignorieren.)) Was wir aber können ist, sie zu analysieren und zu formen. Und das tun wir schon seitdem wir Instrumente und Werkzeuge erstellen, Feuer am Leben erhalten und ähnliches. Das ist das Missverständnis der Romantik, die Idee, dass es jemals einen reinen Naturzustand gab.

Und da ist der Fehler der modernen Romantiker, zum einen hängen sie einem Ideal nach, das selbst ein verklärtes Ideal ist, zum anderen flüchten sie sich in dieses Traumbild, weil die Welt angeblich ihren Zauber verloren hat. Das hat sie nicht, sie hat an Zauber gewonnen. Aber sie ist auch komplex geworden und Komplexität schreckt ab. Wir Menschen erzählen uns seit Urzeiten Geschichten um die Welt zu erklären. Götter sind die Ursprünge solcher Geschichten. Wir wollen die Welt verstehen und wir empfinden es als unheimlich unangenehm, wenn die Welt unsicher ist. Und weil das für die Welt hinter unseren Augen noch wahrer ist, als das was wir durch sie wahrnehmen, glauben wir lieber unseren Geschichten über die Welt als die Welt anzusehen und ihr zu glauben. Denn die Welt ist komplex, unsauber und irregulär. Sie funktioniert erstaunlich gut, aber wir haben kaum eine Ahnung warum und damit können die Märchenerzähler und Quacksalber uns mit einfachen plausibelklingenden Geschichten täuschen. Weil Fakten sind messy, sie sind kompliziert und wir möchten eine einfache und plausible Geschichte, nicht diese dauernde Unsicherheit und Komplexität.

Deswegen ist Romantik so virulent. Wir wollen diese kalte Cyberpunkwelt nicht, wir wollen warme Geschichten, wir wollen nicht hören, dass wir überwacht werden und dass wir uns der kalten Rationalität der Wirtschaft ausgeliefert haben, weil wir die Geschichte des Wohlstands aus ewigem Wachstum glauben wollen. Deswegen sitzen die Leute wieder in Zelten und legen das Smartphone unter das Schafsfell ihres Holzbettes. Lassen sich wieder mehr von der angeblichen bösen und kalten modernen Medizin abschrecken und nehmen angebliche Naturmedizin ohne Wirkung. ((Siehe oben, warum Medizin nicht unnatürlich sein kann. Sie kann maximal synthetisch sein.)) Wir haben uns dem Rationalen ergeben und denken nun, dass es dasselbe wie Technologie und Wissenschaft ist. Dabei ist Wissenschaft und Technologie gar nicht zwingend rational und muss auch nicht bekämpft. Das Primat des Rationalen stammt aus den Theorien der Wirtschaftswissenschaften und Spieltheoretiker. Die Idee, dass man menschliches Verhalten mit einem Computer abbilden können muss hat eher dazu geführt, dass wir uns wie Computer verhalten wollen als die Idee zu verwerfen. ((Meme also kulturelle Konzepte sterben sehr schwer aus, und noch schwerer ist es sich davon zu überzeugen, dass das identitätsstiftende Mem einer Gesellschaft schädlich für sie ist oder gar widernatürlich.)) Und so rennen die Leute blind in das andere Extrem, die romantische Verklärung und die Überbetonung des Emotionalen, einen Status also, der mehrere tausend Jahre die Grundlage für jeglichen blutigen Krieg war. ((Okay, ja anscheinend ist dem Mensch bei Krieg die Begründung egal, aber es ist eben nicht besser.))

Und so gibt es auf der einen Seite das romantische Spiel mit der Technologie in der wir Star Trek- und Cyberpunktechnologien haben wollen, aber nicht verstehen, dass man dann auch die totalitäre Gesellschaft bekommt und die kopflose Flucht in die verklärte Vergangenheit, von der wir nicht verstehen, dass sie nur früher aber nicht besser war. Am Ende lässt sich das nur durch Synthese lösen und die Erkenntnis, dass alles Natur ist, dass wir alles sind und alles gleichwertig ist und nichts besser und dass das Hier-und-Jetzt uns braucht und nicht die Vergangenheit. Denn wir leben in der Welt des Cyberpunks und wir wollen eigentlich nur die Spielzeuge, bekommen stattdessen aber die dystopische Gesellschaft.

Interview mit Andrea Bottlinger II (wg. Beyond)

Es ist mir zum wiederholten Mal eine Freude Andrea Bottlinger zu befragen. Sie hat vor Kurzem ihre Buchreihe Beyond auf allen digitalen Kanälen veröffentlicht, die es so gibt. Es handelt sich hierbei um eine Serie von „Büchern“, die in Folge veröffentlicht werden. Ich selbst habe mir das erste Buch Ready…Fight! im iBook Store von Apple gekauft und gelesen. Deswegen möchte ich heute mit ihr über das neue Buch reden.

Hallo! Da sind wir mal wieder. Diesmal habe ich dein Buch sogar gelesen. Doch bevor wir über den Inhalt von Beyond: Ready… Fight! reden, möchte ich erst einmal wieder etwas die publizistische Seite beleuchten. Was führt dich dazu Beyond als Ebook zu vertreiben?

Mir hat das Konzept des Rohde Verlags gefallen, eine Geschichte in einer EBook-Reihe zu erzählen. Die Idee ist folgende: EBooks werden ein immer größerer Markt, aber es ist ein Markt, den die großen Verlage versuchen möglichst von sich fernzuhalten, indem sie ihre Bücher im EBook vielleicht einen Euro billiger anbieten als in gedruckter Form. Da muss es einen besseren Weg geben, und genau das wollen wir ausprobieren. Deshalb wird Beyond in Episoden zu je 2,45 Euro verkauft. Das ist ein Preis, den man sehr viel eher bereit ist zu bezahlen, um ein Buch von einem verhältnismäßig unbekannten Autor anzutesten.

Dazu kommt, dass der Rohde Verlag auch vom Genre her die richtige Idee hatte, wie ich finde: Science Fiction Leser gelten ja generell als technikaffin, also liegt es nahe, Science-Fiction-EBooks herauszubringen.

Das Ganze ist also ein Experiment. Ich möchte herausfinden, ob dieses Konzept funktioniert.

Das Buch erscheint ja in sechs Folgen oder Büchern, war das allein deine Entscheidung und was waren die Gründe das so zu tun?

Das Reihenformat gehört mit zum Konzept des Rohde-Verlags. Wir halten uns auch offen, mehr als sechs Folgen zu machen, auch wenn Band 6 definitiv die aktuelle Handlung abschließen wird. Ich baue in die derzeitigen Romane immer wieder kleine Hinweise ein, die ich später verwenden kann, um neue Geschichten daraus zu stricken.

Ich war sehr erstaunt über den relativ niedrigen Preis des Einzelkapitels, ist das Teil der Strategie? Immerhin ist Ready…Fight! durchaus schon ein gutes Drittel eines normalen Buches.

Das ist definitiv Teil der Strategie. Der Preis ist so berechnet, dass man, wenn man alle 6 Teile kauft, die zusammen ungefähr 600 Seiten haben werden, einen Preis gezahlt hat, der noch unter dem des durchschnittlichen 600-Seiten-Fantasy-Paperpacks liegt.

Denkst du, dass diese Art der Verbreitung und Vermarktung ein zukunftsfähiges Modell oder ein Modell der Zukunft sein wird?

Genau das will ich herausfinden. Ich sehe die Möglichkeit durchaus.

Doch nun zum Inhalt des Buches, oder besser des ersten Teils. Ich muss sagen, dass ich meinen Spaß mit Ready…Fight! hatte. Ich werde zwar hier im Blog noch einmal ausführlicher rezensieren, aber kann jetzt schon sagen, dass es mir gefallen hat. Die Anfangsfrage muss dann aber trotzdem sein: Cyberpunk? Ich dachte der sei tot!

Cyberpunk ist nicht tot. Die Ideen, die es früher in dem Genre gab, sind nur zu größeren Teilen Realität geworden oder wurden  noch übertroffen. Viele der alten Cyberpunkautoren konnten sich ja zum Beispiel die Möglichkeiten des W-LANs noch nicht vorstellen, oder die Idee, dass man mit seinem Handy von überall online gehen könnte.

Cyberpunk ist bisher einfach zu wenig mit der Zeit gegangen. Es braucht keine Leute mehr, die klobige Decks mit weniger Rechenleistung als ein heutiges Smartphone mit sich herumtragen, um sich irgendwo einzustöpseln. Das war zu den Zeiten von Neuromancer eine geniale Idee, aber wenn man in der heutigen Zeit Cyberpunk schreibt, sollte man von der heutigen Zeit ausgehen und versuchen, das ein Stück weiter in die Zukunft zu denken.

Wir leben ja eigentlich zumindest teilweise in der Welt, die die Cyberpunkromane der 80er beschreiben. Ist es schwer da noch etwas auf diese Welt draufzusetzen?

Wie gesagt gehe ich nicht von dem aus, was in den 80ern in dem Genre beschrieben wurde, sondern ich schaue mir an, was es heute gibt, und überlege, wie es in 20 oder 30 Jahren aussehen könnte. Ich denke, das ist mehr im Sinne des Genres, als einfach zu kopieren, was andere Leute vor Jahren geschrieben haben.

Wovon lässt du dich für die Welt von Beyond inspirieren?

Von allem Möglichen. Ich schaue mir an, was gerade erfunden wurde oder in der Entwicklung steckt und versuche mir vorzustellen, wie es wäre, wenn das Teil des Alltags wäre. Oder ich schaue mir derzeitige gesellschaftliche oder politische Entwicklungen an. Ich sage nur NSA. So lande ich dann zum Beispiel bei einer Welt, in der man keine Mail mehr schreiben kann, ohne dass irgendjemand mitliest und in der man einen Pop-up-Blocker braucht, um über die Straße gehen zu können, ohne dass man seine Glasses so voll mit Pop-ups hat, dass man die Straße nicht mehr sieht.

Ich fand es beim Lesen sehr angenehm, dass die Welt nicht gewaltsam konstruiert wirkte sondern sehr oft logisch an unserer weitergedacht war. Ist es da schwer sich nicht zu verrennen und unplausibel zu werden?

Es ist eher schwer, mit der Entwicklung mitzuhalten. Ich hatte die allgegenwärtige Überwachung für Beyond erfunden, bevor das mit der NSA bekannt wurde. Und danach saß ich da und dachte: „Wie setze ich da jetzt noch einen drauf?“

Im Roman bewegen sich die Charaktere durch eine Welt voller augmented reality. Dieses Konzept ist mir das erste Mal in Charles Stross‘ Halting State begegnet. Hältst du das für eine wünschenswerte Welt?

Ich halte neue technische Erfindungen generell für wünschenswert. Es ist halt immer eine Frage, was man dann damit anstellt.

Würdest du gerne in ihr leben?

In der Welt von Beyond würde ich nicht gerne leben, nein. Ich glaube nicht, dass Autoren da einen guten Stand haben. Im Zweifelsfall erginge es mir so wie der Reporterin Nina, die man in Band 3 kennenlernt.

In einer Welt mit Augmented Reality würde ich aber durchaus gerne leben. Das fände ich cool.

Kommen wir mal zu ein paar inhaltlichen Details. Ich fand die Werbung und auch den gelben Drachen sehr witzig. Letzteren kennen die Leser deines Blogs als allmächtige Metapher für unseren größten Logistiker. Wie viele dieser Ideen landeten im Buch, weil sie dich selbst nerven?

Ich glaube, jeder findet Werbung nervig. Die ist aber eher im Buch gelandet, weil es mir Spaß gemacht hat, sie zu schreiben – und weil ich es nur logisch finde, dass man sich in der Zukunft vor Werbung kaum mehr retten kann.

Der gelbe Drache hat sich einfach so ergeben. Meine Protagonisten müssen in dem Spiel Beyond eine Mission erledigen, die mit Post zu tun hatte, und ich brauchte einen Endgegner. Da habe ich wieder an das Bild gedacht, das ich schon vor Jahren entworfen habe: Der gelbe Drache, der auf den Briefen und Päckchen sitzt, die nie zugestellt wurden.

War es eine Genugtuung den gelben Drachen zu erlegen?

Das hat auf jeden Fall Spaß gemacht *g*

Ich fand die kleinen und großen Lacher im Buch sehr gelungen. Wie viel Freiheit hattest du beim Inhalt verglichen mit den anderen Werken?

Ich hatte vollständige Freiheit. Die einzige Vorgabe war, dass die Story auf 6 Bände passen muss, wobei jeder Band einen in sich abgeschlossenen Handlungsbogen hat. Das war kein Problem. Ich habe dann mit Markus Rohde erst über das Exposé und später noch mal über den eigentlichen Text gesprochen, und er hatte ein paar sehr gute Anmerkungen, aber es ist nicht so, als hätte er mich dazu verdonnert, irgendetwas zu ändern, was ich nicht ändern wollte. Die Zusammenarbeit mit ihm ist sehr gut.

Bisher hat ja der Hauptcharakter Leander einen gewissen Hintergrund bekommen, erfahren wir im nächsten Teil auch mehr über Charlotte?

Das tun wir tatsächlich. Wobei es im Gegensatz zu Leander nichts mit ihrer Vergangenheit zu tun hat, sondern wir in Band 2 sehen, was die derzeitigen Ereignisse aus ihr machen.

Das war es erst einmal mit meinen Fragen, ich hoffe, dass ich nach dem nächsten Teil wiederkommen darf. Ich danke für deine Geduld und Bereitschaft zu antworten.

Ich danke ebenfalls, und ich freue mich schon darauf, über den nächsten Teil wieder mit dir zu reden.

Also gehet hin und kauft Beyond: Ready…Fight! wo ihr es überall bekommt findet ihr hier.

Wie und ob man mit Extremisten diskutiert

Es ist Wahlkampf und im Wahlkampf kommt noch mehr vom Klärschlamm der Menschenfeindlichkeit hoch, die sich in den Untiefen des Alltagsrassismus verbirgt. Da steigen einem dann die wohlmeinenden Rassisten und angeblichen Normalbürger aus dem Abgrund des Spießbürgertums entgegen und erzählen einem Weisheiten, die auch 1933 populär waren.

Will man als aufgeklärter und zumindest engagierter Mensch nun dagegen gehen, dann empfiehlt es sich ein paar kommunikationstheoretische Grundlagen mitzubringen und vielleicht auch ein paar Informationen vorher parat zu haben.

Lohnt es sich?

Das erste, was man entscheiden muss, wenn man mit jemandem in eine politische Diskussion eintritt oder in sie hereingezogen wird, ist ob es sich überhaupt lohnt mit dieser Person eine Diskussion zu führen. Ich würde hier jetzt gerne sagen, dass man jeden Menschen von besseren Ideen überzeugen oder seine eigenen Ideen soweit erschüttern kann, dass er sich öffnet. Das ist leider nicht so. Es gibt sie immer wieder, die Leute, die auf ihren Standpunkten dogmatisch beruhen. Diese Fundamentalisten werden nicht zu überzeugen sein und einen nur durch kommunikative Tricks ausmanövrieren. Denn sie wissen, was richtig ist und das war es dann für sie. Das kann man einfach daran merken, dass immer wieder Nebenschauplätze aufgemacht werden, und jeglicher Angriff auf die Urprämisse, die diese Menschen ins Feld führen ignoriert wird. Trefft ihr in einer Diskussion auf so einen Menschen, drückt offen euer Mitleid für ihn aus und geht. Der wird das als Erfolg feiern, aber nachdem ihr nie gewinnen konntet und es auch nicht ums Gewinnen geht, lasst ihm diesen „Erfolg“, immerhin hat er ja seine Mitgliedschaft im Verein denkender Menschen gekündigt.

Jetzt stecke ich doch drin…

Falls man sich dann doch entscheidet in eine Diskussion einzusteigen, ergeben sich mehrere Ansatzpunkte. Wichtig ist zuerst einmal, dass man die Menschen ernst nehmen sollte, die absolut hirnrissige Forderungen von sich geben. Meist tun sie das aus mehreren Gründen:

  • mangelnde Information
  • mangelnde Bildung
  • persönliche Ängste
  • Unsicherheit

Meist ist es eine Gemengelage aus allen vieren und diese muss man versuchen aufzudröseln und einzelne Aspekte langsam zu widerlegen. Wenn man sachlich und überzeugend gegen die klassischen Argumente vorgeht, die übrigens auch meist nicht substanziell sind, dann zeigt sich meist, dass Menschen diese vorbringen, weil sie eigentlich unsicher sind und Existenzängste haben. Dann muss man ihnen die Frage stellen, was eigentlich ihre Existenz hier bedroht und was man als Gegenstrategie sieht. Dann muss man erforschen, ob diese Gegenstrategie den philosophischen Ansichten desjenigen der sie äußert und den Fakten in der Welt widerspricht. Meist scheitern sie dann an letzterem und man sieht, dass die Lösungen, die derzeit als praktikabel gelten am Ende doch sinnvoller sind.

Besonders spannend ist hier auch, wenn Menschen Ansichten vertreten, die ihnen selbst schaden würden, würden sie in die Tat umgesetzt. Hier muss man dann mit diesen Leuten einfach mal das Konzept durcharbeiten und am Ende fragen, ob die das wirklich wollen. Meist endet das dann in der Erkenntnis, dass dem eben nicht so ist. Und wenn doch: nuja, dann dürfen die das weiter glauben.

Fazit

Also, wenn man in eine Diskussion mit Menschen gerät, die eher fundamentalistisch argumentieren, dann sollte man immer die Menschen ernst nehmen, sich selbst aber nicht so. Die Sache sollte im Mittelpunkt gehalten werden und man sollte schauen, was die Gründe des Gegenüber sind, seine Meinung zu vertreten und ob es nicht diese Gründe sind, die ihn dazu bringen auf seiner Meinung zu beharren. Wenn es dann nur noch um dogmatisches Wiederholen von Blödsinn geht, kann man in Ruhe gehen.

Quarriors! – Rise of the Demons Erweiterung

Ich habe ja schon über Quarriors! und die Erweiterung Quarmageddon geschrieben. Nun war ich im Urlaub und konnte nicht widerstehen mir ein weitere Erweiterung zu kaufen. Das ist zwar auf Englisch und ich habe nun ein sprachgemischtes Spiel, aber das interessiert mich nicht wirklich.

Mit Rise of the Demons wird eine neue Grundkarte dem Spiel hinzugefügt: Corrupted Quiddity, also korrumpierte Grundkraft. Dies sind zehn graue Würfel, die man nur als Wirkung eines der neuen Corrupted Creatures bekommen kann und die zum einen Seiten haben, die einem eben keine Grundkraft geben oder sogar dazu führen, dass man sich einen neuen Würfel Corrupted Quiddity nehmen muss. Damit vermehrt sich diese nutzlose Würfelart immer mehr im Beutel und nimmt einem natürlich Platz weg.

Die neuen Monsterkarten sind alles korrumpierte Versionen der Monster aus dem Urspiel außer dem Dämon, der komplett neu dazu kommt. Er ist besonders stark und kann auch auf Level 4 beschworen werden. Dafür hat er auch besonders hässliche Nebenwirkungen für den Spieler, auch denjenigen, der ihn spielt. Dazu gibt es noch einen neuen Zauberspruch, der diese korrumpierte Idee fortführt und damit auch ein zweischneidiges Schwert ist.

Generell bietet Rise of the Demons die Möglichkeit deutlich direkter fies zu seinen Mitspielern zu sein. Sie macht das Spiel aber auch teilweise etwas einseitig. Ein weiteres Problem ist, dass Corrupted Quiddity teilweise gar nicht eingesetzt werden kann, weil einem die passenden Monster fehlen, die es ermöglichen es den anderen Spielern draufzudrücken. Deswegen sollte man ein Spiel mit Rise of the Demon tatsächlich um diese Erweiterung aufbauen oder sie weglassen. Zwischenformen gehen, aber sind irgendwie eigenartig oder sinnfrei zu spielen.

Wahlen in Bayern – persönliche Eindrücke

Habt ihr es schon mitbekommen? Es sind Wahlen! Politiker tun so, als würden wir sie interessieren und die ganzen Straßen sind mit Wahlplakaten voll. Es ist etwas wie Weihnachten, nur die Straßendekoration ist bunter. Ich stehe natürlich auch vor der Wahl ((Hier in Bayern auch Landtags- und Bezirkstagswahl.)) und weil ich das mit dem politischen Meinungsbilden professionell gelernt habe, begab ich mich letztens in die Innenstadt um mich von den Parteien informieren zu lassen. Ich habe jede relevante Partei gefragt, was ihre Claims sind, in drei Begriffen und mir den relevanten Wahlkampfflyer mitgeben lassen. Bei Abweichungen habe ich das vermerkt.

Piratenpartei

Hier muss ich gleich sagen, dass ich das Personal der Piratenpartei persönlich kenne, und dass ich keinen Flyer mitgenommen habe, weil mir die Positionen durchgehend bekannt sind. Das Personal war deswegen natürlich sehr offen und wir hatten eine gute Unterhaltung. Mein Eindruck des Wahlkampfes der Piratenpartei ist, dass hier solide intelligente Menschen gegen eine Hypothek kämpfen müssen, die ihnen egomanische Vollpfosten eingebrockt haben. Inhaltlich sind sie progressiv auf eine sozialliberale Art. Ich denke, dass die Piraten eine sehr heterogene Gruppe von Menschen ansprechen können, aber es sehr schwer ist das zu tun, wenn die Leute dich auf journalistisch erarbeitete Klischees reduzieren.

Die Grünen

Die Grünen machen hier Lokalwahlkampf und tradieren ihre Bundeswerte für die Bundestagswahl. Die Kandidatin für den Bundestagswahlkampf wollte ein Bild mit mir für die Internetseite, weil ich interessant ((Lies: Eigenartig genug.)) aussehe. Nachdem ich ihr erklärte, dass ich das aus Berufsgründen nicht machen kann und werde ((Der goldene Engel, den sie da hielt war auch ein Argument.)), war sie etwas verwirrt. Aber die inhaltliche Diskussion war sehr fruchtbar. Sie hat sich klar als Spartenpolitikerin bekannt und ich traue ihr in dieser Sparte auch Kompetenz zu. Ich fand das erfrischend ehrlich. Der Flyer der Grünen enthält Thementexte und die meisten Forderungen in bestem Neusprech „Schuldenbremse für Banken“ als Listen auf der rechten Seite. Dabei wird mal gar nicht darauf eingegangen, was das alles bedeutet. Nunja, als unwissender Bürger wüsste ich nur das, was ich mir so einbilde zu wissen. Generell wirkt der Flyer vage und soll das wahrscheinlich auch sein. Die Hauptpunkte sind wohl: Umwelt, sozial und bitte schnell vergessen unter welcher Regierung der soziale Kahlschlag begonnen hat.

FDP

Die FDP hat es ja nicht leicht, aber schlägt sich tapfer. Spannend war im Gespräch mit dem Bezirkstagskandidaten, dass der kalten Liberalismus super über so eine Verantwortungsschiene verkaufen konnte. Im Land kam hier das Argument, dass eine starke FDP vielleicht die renitente CSU beeinflussen kann.((Moment… *bwahahahaaa*)) Alles in allem wird hier sehr viel Wahlkampf gemacht, der darauf zielt, dass die FDP die einzigen sind, die den Konservativen etwas Menschlichkeit abringen können. Da passt dann auch der Flyer, der mit dem Slogan aufmacht: „Geld ist einfach heller als Schwarz.“ Gut, das trifft jetzt auf jede Farbe zu, aber der Versuch wird respektiert. Das Programm ist auch kurz gehalten und dreht sich um Deregulierung, die aber gerne als Förderung von Eigenverantwortung getarnt wird, und um Bürgerrechte. Letzteres ist ihnen dankt der Justizministerin wenigstens teilweise abzunehmen.

Die Linke

Hatte ich an diesem Tag nicht gesehen, aber vorher schon getroffen. Das spannende war der minderjährige Wahlhelfer, der zuviel Marx gelesen hat und etwas an der Tatsache verzweifelte, dass ich nicht so idealistisch bin. Die Unterhaltung war auch gut. Die Linke ist sich ihrer Rolle als Underdog bewusst und deshalb umso schamloser in der Platzierung ihrer Inhalte. Hier wird klar gesagt, was alles in diesem Land stinkt und versucht Antworten zu geben. Mit denen kann man dann glücklich sein, oder eben nicht. Wichtig ist: sie geben welche.

SPD

Die SPD kämpft natürlich auf allen Fronten und da lokal die SPD den Bürgermeister stellt, spielt der auch eine Rolle bei der Wahl. Im Land ist die SPD seit über 50 Jahren die zweite Geige und will das mit dem Münchner Oberbürgermeister Ude als Spitzenkandidat ändern. Hier wird Personenwahl gemacht, egal wo. Da verwundert es einen nicht, dass der Wahlflyer voller Gesichter ist. Generelle Claims: alles einfach in sozial. Also soziale Energiewende, soziales Bildungssystem und so weiter. Konkret ist da nichts, warum man die jetzt der CSU vorziehen sollte, keine Ahnung, wurde mir nicht gesagt.

CSU

Die CSU hatte schon abgebaut, als ich kam: 13 Uhr ist eindeutig zu spät um den Bürger zu informieren. Immerhin weiß ich jetzt, dass die Kandidatin für Bamberg, die mir bisher nichts sagte wohl Gesundheitsministerin werden könnte.

AfD

Zu guter Letzt die aufstrebende Partei des gepflegten Nationalismus. Die gaben mir gleich zwei Flyer, haben aber nicht mit mir geredet. ((Ist auch besser so.)) Die Flyer sind voller Vorwürfe an die Politik und komplett ohne Lösungsvorschläge. Dazu kommt dann noch Pseudo-identifikation mit „Wir sind keine Berufspolitiker sondern Bürger!“ Darunter stehen dann nur Menschen mit Doktoren und Professorentitel. Das ist klar, dass die Menschen, die diese Partei führen auf keinen Fall das Wahlvolk geringschätzen oder missachten werden. Mein Lieblingsslogan ist: „Der Euro spaltet Europa.“ Das man sowas ironiefrei schreiben kann zeugt von einer Wahrnehmungsverzerrung, die dringend psychologisch untersucht gehört.

Fazit

Je näher eine Partei der tatsächlich Machterlangung ist, desto weicher werden die Inhalte, bis sie dann komplett verschwinden. Immerhin gibt man sich gegenüber dem geübten Auge nicht mal mehr die Mühe vorzugeben man hätte diese Inhalte. Die AfD ist zu beobachten, sie fischt mit plumpen Wutparolen den Stammtisch ab, verachtet diesen jedoch in dem, was man beim Programm sehen kann.

Discounterleid

Ich kann durchaus verstehen, dass es in dieser Wirtschaft und Welt einen logischen Platz für Discountsupermärkte gibt. Doch ich habe da meine Probleme mit. Es gibt hier so einen großen Discounter bekannten Namens in den ich manchmal mit Freunden gehe und bei dem es mittlerweile legendär ist, dass es mir nach dem Besuch nicht wirklich psychisch gut geht. Das ist leider kein Witz und ich klinge sicher wie ein arrogantes Arschloch mit tierischen first-world problems, aber man möge mir bitte zuhören, bevor man mich shitstormed oder ähnliches. ((Hey, ehrlich? Ich kenne die Zugriffszahlen hier. Den Shitstorm möchte ich sehen… Und wo ihr dabei seid, flattrt mich doch gleich.))

Warum ist das mit dem Discountsupermarkt so ein Problem? Weil hier etliche Sachen, die mich an unserer Welt stören geballt aufeinander treffen, und das in einer Atmosphäre, die an sich schon furchtbar ist. Discountsupermärkte sind ein Sinnbild für die Unmenschlichkeit dieser unserer Welt. Große, künstlich beleuchtete Räume voller Produkte, die aufgrund ihrer Preise schon eine moralisch zweifelhafte Herkunft haben, aufgereiht in engen Gängen, die einen riesigen Überfluss zeigen, den wir nicht brauchen und durch die unterbezahlte Bedienstete, die mit etlichen der Besucher das Schicksal teilen, möglichst preiswerte Produkte kaufen zu müssen, um ihr Überleben zu sichern. Wir haben also den billigen Überfluss für den unsere Welt und die produzierenden Menschen belastet und ausgebeutet werden, der dann an Menschen verkauft wird, die von jemandem anders genauso weit ausgebeutet werden, dass sie sich dieses Zeug kaufen müssen. ((Jaja, auch für ein paar Menschen, die glauben ihren Reichtum durch einen Einkauf hier zu sichern. Es gibt halt auch Arschlöcher in der Welt.))

Und so ist es also, dass der Discountsupermarkt mir nicht nur die Sinne schwummrig macht, weil er wie ein heller Sarg aus Konsum wirkt, er ist auch alles, was an dieser Welt schlecht ist. Der massenhafte Konsum einer aufs Wachsen fixierten Wirtschaft auf Kosten der Menschen und der Natur. Hier ist alles so billig, dass man sich fragt, wie es überhaupt hergestellt werden kann und die Menschen, die hier arbeiten wirken zu oft so, als hätte man ihnen ihr Potenzial mit ihrem Blut ausgesaugt. Und ich fühle oft, wie meine Lebensenergie von diesen Läden aufgesaugt wird.

Ich spende jetzt mit!

Die Bundesregierung hat die Krankenkassen dazu veranlasst jedem Mitglied einen Organspendeausweis zu schicken, damit sich mehr Leute melden. Ich habe einen bekommen und prompt ausgefüllt. Da ich nie genug Kopf habe um mich um so etwas selbst zu kümmern bin ich sehr dankbar, dass mir das abgenommen wurde.

Es ist nicht so sehr, dass ich nicht wollte, ich verpeile es nur. Deswegen spende ich ab jetzt Organe, wenn ich das zeitliche segne.

Direkte und indirekte Macht

Wir erleben ja derzeit wie jeglicher dystopischer Traum über die Überwachung des Bürgers wahr zu sein scheint. Die Tatsache, dass wildgewordene Geheimdienste uns abhören ist eine Sache, die Frage, die dabei zu wenig beachtet wird ist, warum eigentlich die Regierungen und deren Regierende das eigentlich zulassen.

Dazu muss man sich etwas ansehen, was eigentlich so ein moderner Verfassungsstaat sein soll und was sein Zweck ist. In der langen Geschichte der Menschheit, gibt es auch eine lange Geschichte von politischer Herrschaft und Macht. ((Wuhu Platitüden…)) In dieser lag Macht und Herrschaft oft in der Hand von Einzelnen oder kleinen Gruppen und wurde meist gegenüber den Untertanen direkt durchgesetzt, wobei diese keinerlei Recht zum Mitreden hatten. Das lag natürlich daran, dass die Legitimation dieser Herrschaft meist aus Gottesgnadentum oder ähnliches schwer angreifbaren Konzepten abgeleitet wurde. Das war eigentlich sehr schön und man kann auf eine Geschichte aus Oppression und dem gelegentlichen „gerechten Herrscher“ ((Der wurde wohl dadurch definiert, dass er das Volk wenigstens zu sehr gequält und in sinnlose Kriege geschickt hat.)) zurückblicken. Doch dann kam die französische Revolution und die Idee, dass jeder Mensch unveräußerliche Rechte hat, die vom Staat nicht nur berücksichtigt sondern geschützt werden müssen. Das führte dann zur modernen Demokratie, denn die einzige Möglichkeit dafür zu sorgen, dass politische Eliten die Rechte der Bürger zu schützen ist, sie von ihnen abhängig zu machen.

Das bedeutet für die regierenden Politiker übrigens, dass sie sehr wenig direkte Macht über die Bürger haben. Schließlich gibt es Gesetze und die Regierung soll diese nur ausführen. Doch dafür hat man sich nicht jahrelang in Parteiorganisationen abgemüht und diese ganzen Kompromisse sind doch nicht das, was man eigentlich haben will. ((Hinzu kommt, dass in der Welt des finalen Kapitalismus derjenige, der oben steht, den unten verachtet.)) Also wünscht man sich mehr direkte Macht über die Bevölkerung. Denn dann kann man etwas tun, etwas bewegen. Dieses Phänomen kann man immer wieder beobachten. ((Wahlweise hängt das auch mit der Verachtung zusammen, die die Regierenden für die Regierten zu haben scheinen.))

Eine Variante direkter Macht der Exekutive über die Bürger ist das, was mit ALG II Empfängern gemacht wird. Hier muss man sich für eine eigentlich selbstverständliche staatliche Hilfe in Notzeiten zum einen finanziell komplett nackt machen, zum anderen durch alle möglichen Ringe springen. Denn die Strategie des Förderns und Forderns sorgt dafür, dass die Bundesagentur für Arbeit dir eigentlich sogar sagen kann, welchen Job du für welches Geld annimmst und was für dich dann zumutbar ist. ((Ich kann es euch verraten: ALLES!)) Hier findet also direkte Macht statt. Eine Macht, die der Regierung vom Parlament gegeben wurde und die unter bestimmten Gesichtspunkten wohl kaum dem Sinn des Grundgesetzes entspricht.

Das reicht aber anscheinend noch nicht. Die Gesellschaft ist noch zu nonkonform. Also braucht man halt noch mehr direkte Macht. Das tut man dann über Überwachung. Denn Überwachung erzeugt Konformitätsdruck, auch gerne mal Chilling Effect genannt, und dieser ist dann auf einmal wieder direkte Machtausübung. Und das ist es ja, was die Politiker wollen: nämlich, dass die Welt nach ihren Vorstellungen läuft. Das sie berechenbar wird. Denn eigentlich ist unser Gemeinwesen unbeherrschbar und dazu noch von Menschen bevölkert, die nicht dieselbe Meinung haben, wie die Regierenden. Dabei haben die doch Recht und die Macht!

Am Ende bleibt wohl zu sagen, dass wir unsere Verfassung und Grundrechte immer mehr aktiver verteidigen sollten und grundsätzlich Politiker abstrafen sollten, die meinen über uns und nicht für uns zu regieren.

Freiheit und Gleichheit

Wir leben in einer Welt in der verschiedene Dichotomien ((Ja, es wird hier jetzt Fremdwörter geben. Das hier ist ziemlich ernst gemeint.)) verschwunden sind, die noch vor 20 Jahren allgemeingültig waren. Eine der größten ist sicherlich die zwischen Kommunismus und Kapitalismus. ((Ihr merkt, keine Links. Ich erklär die beiden Sachen eh hier.)) Dieser Unterschied endete zumindest für die „westliche Welt“ mit den friedlichen Revolutionen der 90er Jahre. Seitdem herrscht eigentlich nur noch der Kapitalismus und mit ihm das Paradigma der liberalen Ideen. „Untergegangen“ sind der Kommunismus und damit das Paradigma der Gleichheit. ((Gregor Gysi meinte schon in den 90ern, dass der Kapitalismus übrig geblieben ist und nicht gesiegt hat. Er hat da übrigens recht.))

Liberalismus

Diese beiden Werte, Freiheit und Gleichheit, stehen sich eigentlich schon mindestens seit Beginn der Industrialisierung gegenüber. Die entsprechenden Philosophien beruhen auf einem eher protestantisch-christlichen und auf einem atheistisch-materialistischen Weltbild. Die liberalen Gedanken drehen sich schon immer um die Frage des Eigentums. Angefangen mit John Locke stand immer die Frage im Mittelpunkt, wie man das eigene Eigentum im gesetzeslosen Naturzustand schützen kann. Das Eigentum erwirbt man in dem man seine eigene Arbeitskraft mit der von Gott gegeben Natur vermischt. Damit sehen wir auch schon, dass hier Freiheit wirklich bedeutet, dass jeder tun und lassen kann, was er will. Gleichheit kommt maximal als grundlegende Chancengleichheit vor. Das bedeutet, dass jeder sich so weit entwickeln kann, wie er kann. ((Oder im protestantischen Sinne: wie Gott es für ihn oder sie vorgesehen hat.)) Wer wenig kann, kann halt auch wenig erreichen. Diese Chancengleichheit bedeutet auch, dass die grundlegende Gerechtigkeit in einer liberalen Gesellschaft darauf beruht, dass jedem das zukommt, was er qua seiner Anlagen verdient.

Da gibt es natürlich auch ein paar Probleme aus denen dann die entsprechende politische Philosophie erwächst. Denn wenn ich in einer Welt lebe, in der ich viel Wohlstand anhäufen kann, in dem ich mein Potenzial voll ausnutze, dann habe ich eigentlich nur eine Sorge: dass die Freiheit der anderen so weit geht, dass sie es mir wegnehmen können. Und das ist der einzige Grund, warum wir laut den liberalen Theorien einen Staat brauchen. ((Okay, Locke entwirft dann die erste Verfassung, die eine Demokratie vorsieht und ist da relativ spannend, aber bis dahin ist das halt die Basis des Liberalen.)) Das findet dann seine extreme Form im Liberalismus von John Rawls und in den Theorien des Libertarismus, bei denen Staaten ganz klar nur dafür da sind, eine grundlegende Notversorgung des Einzelnen vorzunehmen ((Und teilweise nicht einmal das…)) und ansonsten gar nicht in die Wirtschaft oder die Gesellschaft einzugreifen. ((Große Proponentin hier ist Ayn Rand.))

Der Liberalismus ist also die Philosophie der Freiheit. Dabei sind wir alle so frei, dass sich im Zweifel auch niemand darum kümmert, wenn wir in Not sind. Dies ist der Freiheitsbegriff, den zum Beispiel die FDP anhängt. Freiheit als Prinzip des Politischen bedeutet, dass der Einzelne viel erreichen kann, aber halt auch frei ist daran zugrunde zu gehen. Sie ist nicht wirklich freundlich, wie auch liberale Ideen des Sozialsstaates nicht freundlich sind. Sie gehen immer davon aus, dass der Einzelne selbst an seinem Schicksal schuld ist, weil er ist ja frei daran etwas zu ändern. Und wenn es Drittfaktoren gibt, dann hat man halt Pech gehabt und soll das Beste daraus machen. Auch dann hängt es nur an dir.

Kommunismus/Sozialismus

Ganz anders sieht es da bei den politischen Philosophien aus, die auf Gleichheit aus sind. Diese Ideen kommen auch aus einer Betrachtung von Wirtschaft und vor allem, was die Wirtschaft mit Menschen macht. Während also der Liberalismus sich mit der Frage beschäftigt, wie man den einzelnen in der Wirtschaft beschützen kann, fragt sich der Kommunismus wie man den ihn davor beschützen kann, dass er im Kapitalismus seine Menschlichkeit verliert. Karl Marx sagt an der Stelle, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt und wenn man in der Industrie arbeitet, dann wird man zu einer Art Maschine, die immer nur wirtschaftliche produziert und zwar zum Wohle anderer. Es geht Marx also irgendwie um die Frage, was der Kapitalismus mit denen macht, die im Kapitalismus keine Macht haben. Also diejenigen, die nach der Logik des Liberalismus soundso nichts Höheres verdient haben. ((Der vergisst da übrigens, dass jeder von uns seine Chancengleichheit von seinen Vorfahren vererbt bekommt.))

Seine Analyse ist dann halt auch die, dass es diesen Menschen, die im Kapitalismus unten stehen, eigentlich mehr hilft sich zu kollektivieren. Denn das einzige, was die Massen für sich als Vorteil haben ist die Tatsache, dass sie die Massen sind. Es können halt sehr viele Menschen an kleinen Positionen die Welt stürzen. Das ist auch schön und gut, allerdings muss dann verhindert werden, dass wieder eine Ungerechtigkeit auf der Basis von Chancengleichheit entsteht. Da diese auf dem Konzept der Freiheit beruht, muss also ein anderes Konzept her und dieses ist Gleichheit. Gleichheit ist die Gerechtigkeit, die jedem dasselbe gibt, unabhängig davon, was er kann. ((Also das Gegenteil von Freiheit.)) Aus der Sicht der Kommunisten ist diese Gleichheit dann halt auch die ultimative Freiheit, weil wenn alle gleich sind, sind alle gleich frei und können nicht vom anderen unterdrückt werden. ((Hat nicht funktioniert… Wenige waren gleicher als der Rest.))

Allerdings ist das dann auch nicht so romantisch. Schliesslich bedeutet Gleichheit für alle auch, dass ein Staat diese Gleichheit immer gewähren muss. Da wir von Natur aus unterschiedliche Eigenschaften haben, führt dies zu einem Szenario in dem man die Menschen mit hohem Potenzial bremsen muss und die mit weniger Potenzial ewig anschiebt. Letzteres ist für eine Volkswirtschaft problematisch und ersteres führt im Zweifel zu Staatsterrorismus. Da gerade dieser Staatsterrorismus das Bild des Kommunismus prägt, ist es natürlich nicht verwunderlich, dass Gleichheitsphilosophien eher verpönt sind.

Abwägungen

Wenn man sich das jetzt so ansieht, dann stellt man fest, dass man eigentlich in keiner dieser Welten leben will und derzeit in einer davon lebt. Wir leben in der liberal-libertären Welt der Chancengleichheit in der der Staat sich immer weiter zurückzieht und der wirtschaftliche Erfolg alles ist. Das führt halt dann auch dazu, dass wir wieder Entwicklungen zu einem modernen Proletariat haben. ((Nur diesmal wird diesem sogar noch erzählt, dass es an seiner Lage selbst schuld ist und die Leute glauben das.)) Also müssen wir zu einer größeren Gleichheitskomponente in der Politik zurück. Die Politik muss halt mehr langfristige Ungleichheiten ausgleichen, damit zum einen irgendwie der Frieden bewahrt wird ((Nicht vergessen: Marx sagt die proletarische Revolution voraus, wenn die Proletarier zu prekär leben.)) und zum anderen der Staatsauftrag ((Fürsorge für die Bevölkerung.)) zumindest grundlegend erfüllt wird.

Das Perfide ist nun, dass heutzutage jeder sich für einen Kapitalisten hält und es zu einen Mem geworden ist, das sich die anderen nicht genug anstrengen und man sich selbst nur genug anstrengen muss, damit es klappt. Dem ist aber gerade bei einem Blick in die Bildungssoziologie nicht so. Solange Menschen aus Gründen der Sozialstruktur von Bildungsmöglichkeiten abgehalten werden, solange braucht man diesen Käse gar nicht glauben. Trotzdem wird es immer wieder getan. Wir glauben, dass wir nur mehr Freiheit brauchen, damit wir besser dran sind, aber die meisten wären eigentlich besser dran, wenn sie weniger Freiheit und mehr Staatseingriff hätten.