Kategoriearchiv: Soziales

Für eine bessere Welt!

Nachdem es hier bisher ja darum ging die Romantik in dieser Welt darzustellen und zu dekonstruieren und aufzuzeigen, warum sie eine schlechte Idee ist, muss sich ja dann die Frage danach gestellt werden, wie wir diese Gesellschaft weiterbekommen, wenn es durch romantische Verklärung und den daraus resultierenden Zwang nicht wirklich möglich ist. Wie kann also eine Einstellung zur Welt aussehen, die positive Effekte hat, aber nicht dogmatisch oder unterdrückend ist oder in ihren Resultaten wird.

Egal um welche Facette des Sozialen oder Politischen es sich handelt, wenn man eine positive Veränderung möchte, dann braucht es mehrere Komponenten. Ein paar davon sind eher trocken, ein paar sind hier natürlich von meiner persönlichen Philosophie geprägt. ((Die schreibe ich irgendwann mal auf. Oder auch nicht…)) Also fangen wir mal vorne an.

Fakten

Es klingt jetzt irgendwie banal, wird aber in der medienverseuchten Postmoderne immer wichtiger, dass man wirklich die Fakten überprüft, soweit man es kann und sich auch bewusst ist, wenn man es nicht kann. Dazu sollte man gegenüber allen Quellen einen gewissen Grundsatzskeptizismus hegen und noch einmal mehr gegenüber welchen, die man nicht überprüfen kann und die offensichtlich eine Agenda haben. ((Beispiel: Das Innenministerium und die Terrorabwehr.)) Dazu sollten man immer versuchen alle Fakten zu haben oder sich wiederum bewusst sein, dass man diese eben nicht hat. Bevor man sich mit einem Problem beschäftigt muss man Fakten über dieses Problem haben, sonst wird es nur Gequatsche oder postmoderner Werteeinheitsbrei, bei dem man sich wahlweise aufgrund religiöser Tendenzen die Gurgeln rausreißt oder sich bestätigt, dass ja der andere genauso viel recht hat und man ja total tolerant ist. ((Also so tut, als würde man sich nicht gegenseitig die Gurgeln rausreißen wollen.))

Konsistenz

Ist das mit den Fakten geregelt, muss man diese bewerten. Das kann man eigentlich nach jeder Philosophie machen und das ist auch legitim, allerdings sollte man tatsächlich eine konsistente Argumentation aufbauen und sich die Frage stellen, ob das, was man da erzählt überhaupt noch mit den Fakten und vor allem mit dem restlichen Weltbild, was man so gerade zur Bewertung verwenden will, übereinstimmt. Egal, worum es geht, es wird nicht besser, wenn man sich selbst lieber und den anderen ein Märchen erzählt, das man dringend glauben will, aber das eben nicht stimmt. Gerade persönliche kognitive Dissonanz führt oft dazu, dass man eben die falsche Entscheidung trifft, weil man nicht einsieht, dass die eigenen Wünsche eine größere Rolle spielen, als man glaubt. Das ist alles okay, aber Konsistenz bedeutet eben eine Ehrlichkeit gegenüber der Sache und sich selbst und ohne diese wird das mit dem Weltretten nichts. Denn auf Lügen kann keine Strategie aufbauen, die dann belastbar die Welt verbessern kann.

Respekt

Doch, jenseits des eigenen Kopfes gibt es auch noch andere Köpfe und nur weil man Ordnung und eine Perspektive in seinem eigenen Schädel hat, heißt das noch nicht, dass das was man da denkt auch den anderen Leuten einleuchtet. Die Wahrscheinlichkeit, dass es mindestens eine Person gibt, die es genau anders sieht als man selbst. Diese und auch der Rest der Menschen benötigt eines: Respekt. Man muss den Standpunkt anderer Menschen nicht nachvollziehen können, obwohl das definitiv sehr hilft, aber man sollte ihn immer respektieren. Dabei ist die respektloseste Handlung gegenüber einem intellektuellen Gegner ihn mit eigenen Kampfbegriffen zu überziehen und a priori zu stereotypisieren. Respekt ist hier eine der wichtigsten Komponenten. Wir können nur zu einer möglichst idealen Einigung über ein Problem kommen, wenn sich jeder respektiert fühlt, denn nur dann kann man auch davon ausgehen, dass der Konsens zwischen allen Parteien tragfähig ist. Gegenseitige Vorwürfe und Zwang führen dazu, dass das beste Konzept zur Weltrettung nicht angewendet wird, weil die Mauer des Sozialen dazwischen steht. Wollen wir hier Probleme lösen, dann hilft es nicht die Menschen, die andere Ideen über die Lösung haben von vorneherein gegen uns und unsere Position aufzubringen.

Klare und einfache Sprache

Wenn man möchte, dass die ideale Weltrettungsidee, die wir auf Fakten hrausgefunden haben, konsistent begründen können und die von allen anderen als valide respektiert wird, auch irgendwie eine Wirkung bekommt, dann muss man sie so verpacken, dass sie jeder Depp und sein Bruder und im Zweifel dessen Hundesitterin versteht. Also kann man nicht irgendwelchen hochgestochenen überdefinierten Wissenschaftsdiskursen ankommen. ((Jedes Mal, wenn jemand auf twitter von einem wichtigen Diskurs redet, tötet Gott ein Kätzchen aus Frust darüber, dass irgendwelche Sesselfurzer angeblich tolle Gedanken im Lehnstuhl haben, aber anstatt zu handeln lieber quatschen.)) Es muss klar und einfach auch an den letzten Mann und die letzte Frau gebracht werden. Dabei geht es dann auch wieder um Respekt gegenüber dem jeweils anderen Menschen. Denn wenn ich ihn respektiere, dann ist er mir eine Erklärung wert, die er auch versteht.

In diesen Bereich gehört auch das Vermeiden von Diskussionsskripten und ähnlichen rhetorischen Tricks. Zum einen sind wir hier wieder beim Respekt angekommen, zum anderen bedeutet das Verwenden solcher Tricks, dass das mit den Fakten und der Konsistenz nicht stattgefunden hat. Wenn ich nämlich meinen Punkt anständig machen kann, dann brauche ich keine rhetorischen Tricks. ((Mit dem Gedanken mal ’ne Rede von irgendeinem Großpolitiker außer Gysi und Ströbele schauen. Die beiden glauben 100% was sie da erzählen.))

Eine Subkategorie dieser Skripte muss ich hier auch noch erwähnen. ((Weil mir davon besonders schlecht wird.)) Gerne wird versucht mit Hilfe emotionaler Wendungen Argumente zu gewinnen. Die Bochumer Arbeitsgruppe für sozialen Konstruktivismus und Wirklichkeitsprüfung hat in ihrem famosen Arbeitspapier 5 einige Varianten dieser Struktur dargestellt:

Der um den anderen besorgte Menschenfreund

  • „Wie kannst du nur mit diesen Gedanken glücklich sein?“
  • „Wie kannst du überhaupt mit diesen Gedanken leben?“
  • „Da mußt du doch mit verzweifeln!“
  • „Das du überhaupt noch ruhig schlafen kannst!“
  • „Du bist ein armes Schwein, wenn du solche Gedanken hast!“

Erklärung: Wie in anderen Skripten wird hier personalisiert, gleichzeitig dabei aber großes Verständnis für A gezeigt. B erscheint geradezu menschenfreundlich. B unterstellt mit seinem/ihrem Skript der anderen Person Gefühle, die diese eigentlich haben müßte (wenn er/sie nur ehrlich wäre und es zugeben würde etc.). A’s Gedanken sind nicht vereinbar mit einem stimmigen und zufriedenen Leben. B macht mit seinem/ihrem Skript auch klar, daß A als Person nicht ganz okay ist, bzw. nicht ganz okay sein kann, da sie solche Gedanken vertritt.

Konsequenzen: B stellt Distanz her, indem er/sie nicht das Thema behandelt, nicht auf das Argument von A ein- geht, sondern, scheinbar außenstehend, die Person in ihrem So-Sein und in ihrer Welt betrachtet. B erscheint als externer Psycho-Päda-Therapie-Gucker bzw. als durchaus einfühlender Menschen- freund, der sich eben augenscheinlich Sorgen um A macht. B wirkt nicht so, als würde er/sie A angreifen.

Coping: Ehrenwerte Copingstrategien scheinen rar zu sein, da A als beratene Person die Haltung von B nicht verändern und auch die Meinung von B nicht entkräften kann. A sollte auf jeden Fall versuchen, die von B vorgenommene Entmündigung zu thematisieren. „Bitte beschäftige dich doch mit meinen Argumenten und nicht mit meiner Psyche!“ „Um meinen psychischen Zustand kümmere ich mich schon, daß brauchst du nicht!“ Eine weitere mögliche Offensive ist: „Du, ich bin ja wohl das beste Beispiel dafür, daß man mit diesen Gedanken wunderbar leben und glücklich sein kann!“

Das letzte Coping gefällt mir besonders gut. Das ist mir schon öfter passiert und ich kann da dann auch nur sagen, dass man hier eigentlich noch mehr mit absurder Intervention draufhauen kann. Ein zweites Beispiel ist mir auch noch wichtig:

eigene Gefühle einbringen

  • „Du ich fühle jetzt, wie ich dir gar nicht mehr zuhören möchte.“
  • „Du ich bin sehr traurig, wenn du so etwas sagst.“
  • „Wissen Sie, das macht mich sehr betroffen, wenn Sie hier einfach sagen, daß…“
  • Auch die Kombination ist möglich: „Du, das macht mich sehr betroffen, wenn ich mir vorstelle, wie du unter deinen Gedanken leiden mußt!“

Erklärung: Es lassen sich zwei Vorgehensweisen unterscheiden:

B bringt eigene Gefühle ein, indem er/sie sich auf den Inhalt oder die Art und Weise des von A Gesagten bezieht.

Eigene Gefühle einbringen und auf den Inhalt beziehen: B gibt zu erkennen, daß der Inhalt von A’s Argument ihn/sie betroffen macht. Gleichzeitig drückt B aus, daß er/sie emotional beteiligt ist und deswegen auch wesentlich authentischer mit dem inhaltlichen Thema umgehen kann (siehe Beispiele 2 und 3)

Eigene Gefühle einbringen und auf die Art und Weise des von A Gesagten beziehen: B versucht durch Einbringen seiner/ihrer Gefühle zu zeigen, daß in Wirklichkeit in der Diskussion etwas schief läuft: so könne dies Thema nicht angemessen behandelt werden, sonst hätten sich ja seine/ihre Gefühle als authentisch-eigentliche Instanz nicht von selbst gemeldet (siehe Beispiel 1)! Sehr wichtig ist natürlich das kulturell definierte Hintergrundstereotyp, daß Gefühle viel wesentli- chere und zuverlässigere Indikatoren für die angemessene Bearbeitung und die richtige Bewertung von Themen sind, als irgendwelcher kopflastiger Schnickschnack.

Auf den Inhalt bezogen ergeben sich folgende Konsequenzen: Da Gefühle das wesentlichere sind, kann B offensichtlich mit dem derzeitigen Inhalt angemessener umgehen als A. Somit erscheint B authentischer, A dagegen hoffnungslos verkopft. Auf die Art und Weise bezogen erreicht B durch das Einbringen seiner/ihrer Gefühle, daß A sich dem Vorwurf ausgesetzt sieht, offensichtlich unnormal und unangemessen mit dem Thema umzugehen.

Coping dürfte sehr, sehr schwierig sein. Natürlich läßt sich auf die Struktur verweisen. Des weiteren steht A vor der Alternative, ob er/sie bei dieser Gefühlseinbringung mitmachen will oder nicht. „Was macht dich denn so traurig?“ „Was stört dich denn genau?“ „O. K., sprechen wir über unsere Gefühle, aber dann sollten wir zum Thema zurückkehren.“

Diese Art des Argumentierens ist, wenn man sich die erste Regel anschaut, die ich dort oben formuliert habe, schon schwierig. Schliesslich soll es um Fakten gehen und diese Art von Kommunikation wischt die Fakten weg. Allerdings ist sie gerade bei den romantischen Vertretern der Weltveränderer sehr beliebt, denn diese fühlen sich meist emotional von einem Problem betroffen. Diese tragen sie dann gerne in den Diskurs und erpressen den Gegenüber emotional mit solchen Skripten. Das führt dann zu einem sozialen Terrorismus durch Menschen, die es nur gut meinen.

Fazit

Wenn wir die Welt verändern wollen, dann müssen wir dafür sorgen, dass diejenigen, die anderer Meinung sind überzeugt werden, aber nicht überwältigt. Denn nur, wenn Menschen sich selbst von einem Standpunkt überzeugt haben, werden sie ihn im Zweifel auch vertreten. Das bedeutet, dass jegliche Art von Zwang kontraproduktiv ist. Die Art wie viele wichtige und moderne Diskurse innerhalb, aber auch außerhalb, des Netzes geführt werden ist also eigentlich der Mittelpunkt der Frage, wie wir eine bessere ((lies: den moralischen und politischen Vorstellungen des Vertreters besser entsprechende)) Welt bekommen. In dem wir die Sache und die Freiheit des Einzelnen ernst nehmen, aber nicht uns selbst und unsere Mission.

Vorsicht vor den guten Menschen…

Nachdem ich mich jetzt schon einmal darüber geäußert habe, dass wir romantische Strömungen in unserer Gesellschaft haben und ich dem Phänomen eher negativ gegenüberstehe, ((Okay, das ist ein reiner Euphemismus. Ich find’s eklig.)) muss ich jetzt auch mal erklären, warum dem so ist. Dazu mache ich hier mal eine kleine philosophische Einteilung auf.

Jedes philosophische System erstellt auch ein Menschenbild. Und diese Menschenbilder zeigen bestimmte Hoffnungen und Annahmen über den Menschen. Das ist schön, aber um das gleich klarzustellen: die sind alle falsch. Oder sie sind alle richtig, sucht es euch aus. Diese Menschenbilder kann man grob in diejenigen unterteilen, die den Menschen positiv und die, die ihn negativ sehen. Ich erkläre das mal an zwei Beispielen.

Thomas Hobbes – Hilfe, wir brauchen einen Diktator

Thomas Hobbes schrieb in seinem Leviathan die erste der politischen Vertragstheorien der Neuzeit. Er plädiert in dem Werk, dass man einen eigenständigen Souverän braucht. Seine Begründung zieht er dabei aus einer Analyse des Menschen im sogenannten Naturzustand dieser fiktive Zustand ist Hobbes‘ Vorstellung für eine ungeregelte menschliche Gesellschaft. Seine Vorstellung ist die einer gewalttätigen unberechenbaren Gesellschaft in der sich der Stärkste jedes Recht nimmt und man in dauerhafter Angst und Unsicherheit lebt. Dafür braucht es dann eben einen regulierenden Staat.

Hobbes ist ein Pessimist und Zyniker. Er erwartet von den Menschen nichts Gutes. Er misstraut ihnen auf Schritt und Tritt und gesteht deswegen einem Gemeinwesen nicht einmal zu, dass es nach der Einsetzung seines Souveräns, des titelgebenden Leviathans, keinen Einfluss mehr auf diesen hat. ((Ob das so eine gute Idee ist, ist eine andere Diskussion.)) Hobbes ist durchgehend skeptisch gegenüber der menschlichen Natur. Das führt allerdings auch dazu, dass er sich für ein politisches System ausspricht, das eigentlich nur das Schlechte im Menschen, das er sieht, reguliert und sich damit zufrieden gibt. Hobbes halt also ein negatives Menschenbild, es führt aber in der Verwirklichung zu einem Staat, der Freiheiten nur einschränkt, damit das Tier in uns die  anderen nicht umbringt. Man sieht hier also, dass ein eher negatives Menschenbild einen zu einer regulierenden Idee über menschliches Zusammenleben führt. Man möchte etwas verbessern, das man als negativ wahr nimmt. Und mehr als diese Verbesserung braucht es meistens nicht. ((Okay, man kann über das Ziel hinausschießen, aber dann landet man automatisch in der anderen Kategorie.))

Karl Marx – Die Hoffnung stirbt zuletzt ((Das tat sie dann ungefähr auf Höhe Stalins.))

Marx hat uns eine Vielzahl philosophischer Ideen hinterlassen. Das Ziel seiner Philosophie ist aber der sogenannte wissenschaftliche Kommunismus. In diesem soll es kurz gesagt dann keine Herrschaft mehr geben. Er begründet seine historisch-kritische Theorie auf einer Wirtschaftsanalyse und zieht damit seinen Kommunismus basierend auf wirtschaftlichen Ideen auf. In diesem zukünftigen Kommunismus soll es aber keine Herrschaft mehr geben. ((Lies: Die Produktionsmittel gehören allen.)) Das bedeutet allerdings auch, dass jeder in der kommunistischen Gesellschaft freiwillig arbeiten muss, damit die Welt weiter läuft. In Marx‘ Ideenwelt machen die Menschen das auch, weil sie erkennen, dass es das Beste für sie ist, wenn sie der Gesellschaft dienen. Diese Idee setzte sich dann im realen Sozialismus Osteuropas erstmal auf irgendeine Art fort. Doch stellte man schnell fest, dass es nicht funktionierte. Die Menschen begannen weniger zu Arbeit zu erledigen, weil sie soundso bezahlt wurden. Keiner tat etwas, was er nicht dringend musste und so musste sich der Staat Anreizmodelle einfallen lassen. Die eine Idee waren die Aktivistenorden in der DDR, also ein positiver Stimulus. Die leiern sich nur leider aus. Deswegen setzte man dazu auch noch auf geheimdienstliche Überwachung und Oppression. ((Die wurde auch eingesetzt um Landflucht vorzubeugen. Immerhin brauchte man die Leute und konnte sich auch nicht vorstellen, warum die überhaupt nicht im Sozialismus leben wollen.))

Hier sieht man, dass ein positives Menschenbild das Problem birgt, dass man oppressiv werden muss, wenn die Menschen sich nicht an die Vorstellungen halten, die man selbst von ihnen hat. Man muss sie also zu ihrem Glück zwingen. Das bedeutet dann auch, dass sie dieses Glück verlieren, denn sie sind in einem totalitären Zwangsstaat. Ein positives Menschenbild führt also langfristig zu Überwachung und Staatsterrorismus.

Vorsicht vor den guten Menschen…

Man kann also sehen, dass Ideale über das menschliche Zusammenleben und ein idealistisches Menschenbild immer dazu führen, dass man Menschen, die sich nicht an diese hohen Standards halten, also einfach Menschen sind, zu ihrem eigenen Glück zwingen muss. Das kollidiert dann mit der Welle an Romantik, die da durch die Welt schwappt. Es gibt also sehr viele Menschen, die sich nach einer heilen Welt sehnen und glauben, dass man die dadurch erreichen kann, dass man andere Menschen dazu auffordert sich entsprechend zu verhalten. Gerade soziale Netzwerke sind ein einfacher Weg sozialen Druck auf Menschen aufzubauen, die das persönliche Romantikempfinden stören oder aber sogar daran zweifeln, dass diese Ansicht eine valide auf der Welt ist. Sie haben also ein negatives Menschenbild und das kann man ja nicht haben. Die Welt soll gut und toll sein, wir sollen uns alle lieb haben und die niederen Teile unseres Wesens überwinden oder unterdrücken.

Doch was ist, wenn die anderen das nicht tun? Dann wird Druck aufgebaut, gerne über die emotionale Schiene und über einen diffusen Moralbegriff. ((Beide zutiefst verabscheuungswürdig.)) Dabei werden essentielle Grundlagen des zwischenmenschlichen Umgangs ignoriert und verletzt. Weder wird auf die Eigenständigkeit des anderen, noch auf sein Recht zu einer eigenen Meinung Rücksicht genommen. Man weiß ja schliesslich selbst, was die bessere Welt wäre. Dazu kommt noch, dass dieses Verhalten einen blind gegenüber den meisten Dimensionen einer multivariaten und komplexen Welt macht. Es ist also auch jenseits absoluter Menschenfeindlichkeit als Problemlösungsstrategie für eine soziale Gruppe eine absolute Katastrophe. Denn der Einzelne ist immer blind gegenüber den Änderungen in der Welt und die einzige Hoffnung ist der Diskurs mit den anderen. Wenn man diesen dann unterdrückt, weil es nicht dem kitschig-romantischen Weltvorstellungen entspricht, endet man im Terrorismus der guten Menschen.

Fazit

Wie die Überschrift sagt: misstraut Menschen, die nur das Gute wollen. Sie sind die Diktatoren von morgen. Sie haben nicht mehr Ahnung, wie die Welt läuft als man selbst und sie haben im Zweifel keine Skrupel ihre Interessen mit sozialer oder sogar körperlicher Gewalt durchzusetzen, denn sie nehmen für sich in Anspruch das richtige und Gute zu tun. Aus einem positiven Menschenbild folgt nämlich immer Terrorismus, ob in sozialen Netzwerken oder an der Spitze von Staaten ist hierbei vollkommen egal.

Soziale Entropie II

Ich hatte schon einmal über das Phänomen der sozialen Entropie gesprochen oder besser es irgendwie erfunden ((Bisher hat sich keiner beschwert, aber das ganze Konzept ist eh nur ein glorifizierter Name für etwas, das jeder kennt. Das ist aber öfter so, besonders in der Geisteswissenschaft.)) Nachdem ich beim letzten mal eher darüber geredet habe, wie man Kontakte, die man haben möchte, aufrecht erhält, geht es diesmal um die Frage, die ich da am Ende gestellt habe: Welche Menschen sind mir diese Kosten warum wert? und erweiternd: Was bin ich bereit in Kauf zu nehmen um mit diesen Menschen Kontakt zu halten?

Beziehungskreise

Die erste Frage sieht aus, als wäre sie einfach zu beantworten, ist sie aber nicht. Wir existieren ja in einem Geflecht aus Beziehungen und alle Menschen um uns herum auch. Das bedeutet zum einen, dass man in bestimmten Bereichen Beziehungen zu Menschen hat, die man nicht lösen kann und bei denen man die entsprechenden Menschen akzeptieren muss ((Klassisches Beispiel wäre der Beruf, wobei man da ja immer noch die ultima ratio der Kündigung hat. Leider sind auf diese Möglichkeit nur hohe gesellschaftliche Strafen drauf ausgesetzt.)), und es bedeutet auch, dass man über seine Beziehungen automatisch Teil anderer Beziehungsnetzwerke wird. Nimmt man da die Welt der modernen sozialen Netzwerke hinzu, lassen sich wohl mehrere Kreise aufmachen. Zum einen der Kreis derjenigen, die man als enge Beziehungspartner sieht ((Also sowas wie Familie, enge Freunde und Liebespartner.)). Dann gibt es die Menschen mit denen man regelmäßig zu tun hat. Die letzte Gruppe ist die größte: Menschen, mit denen man eigentlich nichts zu tun hat, außer dass sie jemand sind, den jemand anderes kennt, der im Idealfall eine enge Beziehung zu einem hat.

Das bedeutet dann auch, dass man sehr viel Energie investieren muss, um diese ganzen losen Beziehungen zu bewältigen, obwohl sie alle gemeinsam nicht genug sozialen Wert gegenüber auch nur einer engen Beziehung haben. Man beschäftigt sich also immerzu mit den Äußerungen von Menschen, die eigentlich kaum Beschäftigung bedürfen oder keinerlei signifikante Wirkung auf das persönliche Leben haben. Sie nehmen aber viel Zeit und Energie in Anspruch ohne einen Mehrwert zu haben. Es entsteht da eine hohe soziale Entropie, die man immer wieder bewältigen muss. Die Menge an bewegenden „Teilchen“ ist halt sehr hoch.

Modalitäten

Doch auch die Art, wie ein soziales Netzwerk funktioniert hat einen Einfluss darauf, wie groß die Kosten sozialen Kontakts sind. Es gibt zwei große Modelle, nach denen soziale Netzwerke Menschen miteinander verbinden.

  • Das Freundschaftsprinzip wird vor allem von Facebook propagiert. Dies ist generiert immer synchrone Beziehungen zwischen Nutzern. Ich bin dein Freund und du meiner und wir haben den selben Zugang zu allen unseren Daten, Informationen und Posts. Es bedeutet, dass man immer genauso große Mengen an Informationen bekommt, wie man sendet. ((Also, abhängig davon, wer wieviel von sich gibt. Es ist eine relative Angabe. Ungleichgewichte verschlimmern das Problem für den passiveren Partner aber sogar noch.))
  • Das Followerprinzip ist die Basis von twitter und beruht darauf, dass jede Äußerung von vorneherein öffentlich ist, außer sie ist explizit privat. Den öffentlichen Äußerungen kann ich dann folgen, ohne dass für denjenigen, der sie tätigt eine Verpflichtung entsteht auch mir zu folgen.

Für diese Betrachtung ist damit natürlich auch klar, dass ein soziales Netzwerk nach dem Freundschaftsprinzip eine weitaus höhere soziale Entropie aufweist, als eines, das nach dem Followerprinzip funktioniert. Denn man ist den Nachrichten der anderen ausgeliefert und das Beziehungsformat impliziert, dass man sich alles anhören muss, wenn man auch gehört werden will. Das ist beim Followerprinzip nicht der Fall, denn dort besteht keine soziale Verpflichtung Menschen zu folgen, die einem folgen und umgekehrt. Man selektiert also, welchen sozialen Lärm man sich antun möchgte und welchen nicht.

Fazit

Wir haben durch das Internet die Möglichkeit mit Menschen in Kontakt zu bleiben, bei denen wir ansonsten viel investieren müssten, um es zu tun. Die Kosten dafür sind also niedriger geworden, doch die Möglichkeiten, die wir dafür primär benutzen generieren soviel soziale Entropie, dass die Gesamtkosten für unser Leben, Energie und Zeit, am Ende größer sind als zuvor, wo man konzentriert und punktuell miteinander in Kontakt getreten ist. Das tut man im Prinzip immer noch, aber das Getöse an Nebensächlichkeiten ist um ein vielfaches lauter geworden.

Damit bleibt die Frage, was man in Kauf nimmt um mit Menschen in Kontakt zu bleiben und was nicht. Wir haben viele neue Möglichkeiten, aber diese führen nicht immer dazu, dass man besser Kontakt hält. Oft erhöhen sie nur den Lärm im Leben. Es ist also eine gute Idee sich zu überlegen, was man benutzt um mit den anderen zu kommunizieren und wie.

Die Kunst gehen zu können…

Wir Menschen sind soziale Wesen und als solche abhängig von Beziehungen ((Beziehungen sind hier als breit definiert also sprich alle Arten zwischen Menschen.)), doch Beziehungen sind auch der Beginn allen Leids in vielen Fällen. Denn vieles kann schief gehen. Ich kann mich an jemandem aufreiben, der eher soziopathisch ist, ich kann in sozialen Umständen sein, die mich ausbeuten oder mir schlicht und ergreifend von der Persönlichkeit her nicht liegen oder sogar offen schaden. Doch man ist oder wird so sehr an diese Beziehungen gebunden, dass man sie weiter aufrecht erhält. Gründe können vieles sein, meine Einbildung, die Psychopathologie des anderen, soziale Zwänge oder finanzielle Zwänge. Ist die Beziehung schädlich genug, geht man da schnell an seine Grenze und das kann dann auch gern ma in den Bereich gehen in dem man in geschlossenen Anstalten oder zumindest auf der einen oder anderen Couch landet. ((Oder aber auch nicht, weil man ist ja nicht verrückt!))

Deswegen wäre es ja eigentlich gut, wenn man diese Beziehungen dann auch verlässt, aber das ist wie gesagt schwer. Vor allem bei Beziehungen, die einen hohen sozialen oder emotionalen Wert für uns zu haben. Doch es sind dann meist auch diese aus denen man gehen muss. Zu gehen ist deswegen wichtig und eine Kunst, die man beherrschen sollte. Auch, wenn es bedeutet, dass man soziale Verluste eingeht, sollte einem das eigene Seelenheil wichtiger sein als eine Beziehung, der man im Zweifel soundso zuviel Wert beimisst. Man reisst sich vielleicht das Herz raus, aber das ist ein kurzfristiger Schmerz gegenüber dauerhaftem Leiden.

Also, die Kunst ist es gehen zu können. Ihr könnt nahezu jede Beziehung in eurem Leben beenden, außer vielleicht den Job ((Ja, weil der ernährt einen…)), aber den kann man immerhin wechseln.

Shopping Queen und Pierre Bourdieu

Ich habe ja schon mal über Shopping Queen geschrieben. Diesmal beschäftige ich mich mal eher sozialwissenschaftlich damit. Ursache ist der letzte Soziopod über Pierre Bourdieu, in dem es eher um Bourdieus Grundlagen der Sozialanalyse und den Habitus geht. Da ich irgendwie bezweifle, dass meine Leser jetzt hier unterbrechen und sich mehr als eine Stunde tiefe Unterhaltung über das Thema ansehen, gibt es die Reader’s Digest Variante ((Auch Unterrichtsvariante genannt.)) der ganzen Theorie und dann geht es gleich weiter.

Exkurs: Bourdieu, Kapital und Habitus

Pierre Bourdieu ist einer der bekanntesten Soziologen und Ethnologen. Er beschäftigte sich unter anderem mit der Sozialstruktur. Er entwickelte dabei ein System, dass sich an Karl Marx‘ Idee des ökonomischen Kapitals anlehnt, aber noch zwei weitere Kapitalsorten, das kulturelle und soziale, hinzufügt. Während ökonomisches Kapital das Vermögen darstellt, stellen das kulturelle Kapital Bildung und Bildungsergebnisse und das soziale Kapital das Netzwerk, das den jeweiligen Menschen umgibt, dar.

Allerdings sagt Bourdieu da auch, dass die Verfügbarkeit dieser Kapitale auch einen Habitus schaffen in dem sich der Mensch befindet. Er verhält sich also der Statusgruppe entsprechend in der er sich befindet und jede Gruppe hat ihre geheimen kleinen Verhaltensweisen mit denen sich Menschen dieser Gruppen gegenseitig erkennen. Man kann zwar die Gruppe wechseln, aber es ist sehr schwierig auch die kleinen feinen Unterschiede zu erkennen, die die entsprechende Gruppe auszeichnet. Nach Bourdieu geben Menschen also immer durch ihren Habitus zu erkennen, welchen sozialen Status sie haben.

Shopping Queen

Warum jetzt also Shopping Queen? Weil man hier endlich mal in Ruhe sehen kann, wie sowas funktioniert. Es wird ja aus dramaturgischen Gründen eine möglichst bunte Gruppe an Frauen ausgewählt und da kann man zum einen den vorherrschenden Habitus der Stadt sehen, aus der sie kommen und zum anderen sehen, wer warum nicht reinpasst. Meist lässt sich allein am Verhalten der Kandidatinnen erkennen, ob sie der Menge der Anderen ein für diese gefälliges Outfit vorstellen werden. ((Spannend ist hier, dass der Designer tatsächlich komplett nur das Thema und die Frau sieht und teilweise komplett andere Urteile trifft.))

Die verschiedenen Habiti kann man dann auch gut beobachten. Sehr prävalent sind Menschen, die zwar erhebliches ökonomisches Kapital haben, allerdings den Habitus entweder eines Migrationshintergrunds oder der niedrigen Statusgruppen. Zu erkennen ist das meist daran, dass Reichtum und Wohlstand eher offensiv zur Schau gestellt wird. Etwas, dass in den oberen Schichten klassischerweise verpönt ist. ((Man stellt sein Reichtum nicht dar, wenn man das muss, dann hat man keinen. Vulgo: Wenn sie nach dem Preis fragen müssen, dann ist es zu teuer.)) Auch der eher stille Geschmack, der bei wohlbetuchten Menschen gerade in Deutschland üblich ist, wird hier meist gegen lauten Diamant- und Goldschmuck ausgetauscht.

Genauso findet man aber auch Kandidatinnen, die in ihrem Habitus daheim sind und dann aus diesem heraustreten können um das Thema zu erfüllen. Wenn sie allerdings zu weit von der „Mitte“ der Gruppe entfernt sind, können sie hier kaum gewinnen, weil sie die geheimen Vorschriften wie man sich zum Thema zu kleiden hat nicht kennen. Die bekommen sie erst im Nachhinein erklärt. Es gibt nämlich aus dem Habitus heraus Erwartungen an diese Themen und wie man sich da verhält und so geben dann auch unterschiedliche Gründen, warum ein Outfit nicht passt. Das kann man nach einer Viertelstunde schon sagen, jenseits der psychologischen Disposition, die die Damen dann teilweise noch mitbringen und die ihnen zum Verhängnis werden können.

Und nun?

Shopping Queen zeigt uns exemplarisch und im Gegensatz zu vielen anderen Realityshows, die sich nur auf „Unterschicht“ kaprizieren, die Vielfalt an Habiti, die unsere Gesellschaft hat. Es gibt mehr als nur Geld, Bildung und soziales Netz, das Menschen unterscheidet. Es gibt auch ein kulturell bestimmtes Verhaltensmuster und wenn man Mitglied einer Statusgruppe sein möchte, dann muss man dieses erlernen oder besser erlernt haben, denn diese „feinen Unterschiede“ werden niemals direkt oder offen vermittelt. Wenn du Mitglied der Intelligenzia sein willst, dann ist es weniger deine Intelligenz sondern dein Verhalten gegenüber anderen Menschen.

Wie und ob man mit Extremisten diskutiert

Es ist Wahlkampf und im Wahlkampf kommt noch mehr vom Klärschlamm der Menschenfeindlichkeit hoch, die sich in den Untiefen des Alltagsrassismus verbirgt. Da steigen einem dann die wohlmeinenden Rassisten und angeblichen Normalbürger aus dem Abgrund des Spießbürgertums entgegen und erzählen einem Weisheiten, die auch 1933 populär waren.

Will man als aufgeklärter und zumindest engagierter Mensch nun dagegen gehen, dann empfiehlt es sich ein paar kommunikationstheoretische Grundlagen mitzubringen und vielleicht auch ein paar Informationen vorher parat zu haben.

Lohnt es sich?

Das erste, was man entscheiden muss, wenn man mit jemandem in eine politische Diskussion eintritt oder in sie hereingezogen wird, ist ob es sich überhaupt lohnt mit dieser Person eine Diskussion zu führen. Ich würde hier jetzt gerne sagen, dass man jeden Menschen von besseren Ideen überzeugen oder seine eigenen Ideen soweit erschüttern kann, dass er sich öffnet. Das ist leider nicht so. Es gibt sie immer wieder, die Leute, die auf ihren Standpunkten dogmatisch beruhen. Diese Fundamentalisten werden nicht zu überzeugen sein und einen nur durch kommunikative Tricks ausmanövrieren. Denn sie wissen, was richtig ist und das war es dann für sie. Das kann man einfach daran merken, dass immer wieder Nebenschauplätze aufgemacht werden, und jeglicher Angriff auf die Urprämisse, die diese Menschen ins Feld führen ignoriert wird. Trefft ihr in einer Diskussion auf so einen Menschen, drückt offen euer Mitleid für ihn aus und geht. Der wird das als Erfolg feiern, aber nachdem ihr nie gewinnen konntet und es auch nicht ums Gewinnen geht, lasst ihm diesen „Erfolg“, immerhin hat er ja seine Mitgliedschaft im Verein denkender Menschen gekündigt.

Jetzt stecke ich doch drin…

Falls man sich dann doch entscheidet in eine Diskussion einzusteigen, ergeben sich mehrere Ansatzpunkte. Wichtig ist zuerst einmal, dass man die Menschen ernst nehmen sollte, die absolut hirnrissige Forderungen von sich geben. Meist tun sie das aus mehreren Gründen:

  • mangelnde Information
  • mangelnde Bildung
  • persönliche Ängste
  • Unsicherheit

Meist ist es eine Gemengelage aus allen vieren und diese muss man versuchen aufzudröseln und einzelne Aspekte langsam zu widerlegen. Wenn man sachlich und überzeugend gegen die klassischen Argumente vorgeht, die übrigens auch meist nicht substanziell sind, dann zeigt sich meist, dass Menschen diese vorbringen, weil sie eigentlich unsicher sind und Existenzängste haben. Dann muss man ihnen die Frage stellen, was eigentlich ihre Existenz hier bedroht und was man als Gegenstrategie sieht. Dann muss man erforschen, ob diese Gegenstrategie den philosophischen Ansichten desjenigen der sie äußert und den Fakten in der Welt widerspricht. Meist scheitern sie dann an letzterem und man sieht, dass die Lösungen, die derzeit als praktikabel gelten am Ende doch sinnvoller sind.

Besonders spannend ist hier auch, wenn Menschen Ansichten vertreten, die ihnen selbst schaden würden, würden sie in die Tat umgesetzt. Hier muss man dann mit diesen Leuten einfach mal das Konzept durcharbeiten und am Ende fragen, ob die das wirklich wollen. Meist endet das dann in der Erkenntnis, dass dem eben nicht so ist. Und wenn doch: nuja, dann dürfen die das weiter glauben.

Fazit

Also, wenn man in eine Diskussion mit Menschen gerät, die eher fundamentalistisch argumentieren, dann sollte man immer die Menschen ernst nehmen, sich selbst aber nicht so. Die Sache sollte im Mittelpunkt gehalten werden und man sollte schauen, was die Gründe des Gegenüber sind, seine Meinung zu vertreten und ob es nicht diese Gründe sind, die ihn dazu bringen auf seiner Meinung zu beharren. Wenn es dann nur noch um dogmatisches Wiederholen von Blödsinn geht, kann man in Ruhe gehen.

Discounterleid

Ich kann durchaus verstehen, dass es in dieser Wirtschaft und Welt einen logischen Platz für Discountsupermärkte gibt. Doch ich habe da meine Probleme mit. Es gibt hier so einen großen Discounter bekannten Namens in den ich manchmal mit Freunden gehe und bei dem es mittlerweile legendär ist, dass es mir nach dem Besuch nicht wirklich psychisch gut geht. Das ist leider kein Witz und ich klinge sicher wie ein arrogantes Arschloch mit tierischen first-world problems, aber man möge mir bitte zuhören, bevor man mich shitstormed oder ähnliches. ((Hey, ehrlich? Ich kenne die Zugriffszahlen hier. Den Shitstorm möchte ich sehen… Und wo ihr dabei seid, flattrt mich doch gleich.))

Warum ist das mit dem Discountsupermarkt so ein Problem? Weil hier etliche Sachen, die mich an unserer Welt stören geballt aufeinander treffen, und das in einer Atmosphäre, die an sich schon furchtbar ist. Discountsupermärkte sind ein Sinnbild für die Unmenschlichkeit dieser unserer Welt. Große, künstlich beleuchtete Räume voller Produkte, die aufgrund ihrer Preise schon eine moralisch zweifelhafte Herkunft haben, aufgereiht in engen Gängen, die einen riesigen Überfluss zeigen, den wir nicht brauchen und durch die unterbezahlte Bedienstete, die mit etlichen der Besucher das Schicksal teilen, möglichst preiswerte Produkte kaufen zu müssen, um ihr Überleben zu sichern. Wir haben also den billigen Überfluss für den unsere Welt und die produzierenden Menschen belastet und ausgebeutet werden, der dann an Menschen verkauft wird, die von jemandem anders genauso weit ausgebeutet werden, dass sie sich dieses Zeug kaufen müssen. ((Jaja, auch für ein paar Menschen, die glauben ihren Reichtum durch einen Einkauf hier zu sichern. Es gibt halt auch Arschlöcher in der Welt.))

Und so ist es also, dass der Discountsupermarkt mir nicht nur die Sinne schwummrig macht, weil er wie ein heller Sarg aus Konsum wirkt, er ist auch alles, was an dieser Welt schlecht ist. Der massenhafte Konsum einer aufs Wachsen fixierten Wirtschaft auf Kosten der Menschen und der Natur. Hier ist alles so billig, dass man sich fragt, wie es überhaupt hergestellt werden kann und die Menschen, die hier arbeiten wirken zu oft so, als hätte man ihnen ihr Potenzial mit ihrem Blut ausgesaugt. Und ich fühle oft, wie meine Lebensenergie von diesen Läden aufgesaugt wird.

Ich spende jetzt mit!

Die Bundesregierung hat die Krankenkassen dazu veranlasst jedem Mitglied einen Organspendeausweis zu schicken, damit sich mehr Leute melden. Ich habe einen bekommen und prompt ausgefüllt. Da ich nie genug Kopf habe um mich um so etwas selbst zu kümmern bin ich sehr dankbar, dass mir das abgenommen wurde.

Es ist nicht so sehr, dass ich nicht wollte, ich verpeile es nur. Deswegen spende ich ab jetzt Organe, wenn ich das zeitliche segne.

Watching Bones.

Hachja, man hat ja manchmal wenig zu tun und dann muss man sich unterhalten. Ich habe das in den letzten Wochen mit dem chronologischen durchschauen sämtlicher Staffeln von Bones verbracht, weil ich erstaunlich wenig zu tun habe. Und nachdem ich das wirklich mit so 3-5 Folgen täglich mache, bekomme ich einen guten Überblick über die Mechanismen und Strukturen der Serie. Das wird also mal so eine richtig tolle literaturwissenschaftlich-soziologisch-psychologische Besprechung. ((Ich hab Zeit für sowas und habe es lange nicht mehr getan.))

Ich werde die Charaktere hier nicht vorstellen. Ich empfehle dafür die Charakterseite von TvTropes. Weiterlesen →

Zu viel Nerd ist auch nicht gut.

Ich habe mich in den letzten Tagen viel unterhalten können, und dabei fiel mir auf, dass das Wort Nerd mittlerweile sehr inflationär für einen Menschen benutzt wird, irgendeine Art von spezialisiertem Wissen, gerade im technisch-naturwissenschaftlichen, aber auch im sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich besitzt. Dabei wird versucht die eigentlich negative Konnotation des Begriffes als etwas positives umzudeuten. Das kann langfristig gelingen, aber derzeit scheint es mir etwas kontraproduktiv das Nerdtum an sich hochleben zu lassen. Ja, ohne die Nerds würde unsere moderne Welt nicht funktionieren, aber eigentlich sind das doch gar nicht die Nerds. Es ist das, was man Wissenschaft nennt und diese wird nun mit einem neuen erst einmal abwertenden Begriff versehen. Alles ist auf einmal Nerd oder nerdig. Insbesondere die Sachen, die nur einen halben Zentimeter außerhalb des gesellschaftlichen Gemeinkonsenses liegen. Dabei macht man sich besonders, wenn man sich mit diesen Sachen beschäftigt, und das ist ja gerade in. Doch die meisten Menschen, die sich mit genau diesen Themen, die außerhalb der gesellschaftlichen Durchschnittswahrnehmung liegen, sind eben keine Nerds, also keine technikaffinen-fortschrittsbegeisterten Menschen, es sind Wissenschaftler. Menschen, die es sich zur (Lebens-)Aufgabe gemacht haben ein bestimmten Bereich unseres allgemeinen Unwissens zu vernichten. Das sind keine Sonderlinge, wie der Nerdbegriff so hergibt, es sind meist Menschen, die daran arbeiten diese Weltzivilisation ((ja, die gibt’s nicht, ich werde aber doch träumen dürfen…)) zu einer besseren Version zu machen. Sie beschäftigen sich mit Grundfragen des Weltaufbaus ((Und zwar egal ob es die physische, psychische oder geistige Welt ist.)) und spielen nicht nur damit rum. Es ist ihre Aufgabe und wir bezahlen ihnen (ZU WENIG!) Geld dafür, dass sie sich mit Fragen beschäftigen, die wir mit unserer Schulbildung nicht einmal im geringsten überreißen.

Das soll nun nicht bedeuten, dass ich die Nerdfraktion hier kleinreden will. ((Immerhin gehöre ich auch teilweise dazu…)) Es geht mir eher um die Unterscheidung zwischen den Leuten, die sich mit Technik und Wissenschaft nicht nur beschäftigen, weil es ihnen Spaß macht ((Das sei gegeben, die meisten Wissenschaftler lieben ihre Fachgebiete natürlich.)), sondern auch weil sie dafür Geld bekommen und die Gesellschaft diese Dienste braucht. Das unterscheidet sich vom Nerd in einem bestimmten Detail. Die Nerdkultur ist auf eine do-it-yourself, research-it-yourself Basis angelegt, die zwar Ergebnisse hervorbringen kann, aber im größeren Teil auf Erkenntnissen der Wissenschaft beruht. Technik neu anzuwenden ist eben nicht dasselbe wie die Möglichkeit zu haben Technik neu zu entwickeln und die Grundlagen dieser Welt zu finden.

Deswegen ist es problematisch, wenn nahezu alles nerdig ist, dass eigentlich Wissenschaft ist. Ich habe kein Problem meine Begeisterung für U-Boote als nerdig zu bezeichnen. ((Achja, hier in Bälde Vortrag im Backspace.)) Wenn es aber um Zitate und Sprache geht, nunja, das mag für viele Leute sehr abgefahren aussehen, aber es ist mein Job das zu wissen. Es macht mir natürlich einen riesigen Spaß, aber es ist eben mehr als nur ein Sprachhobby. Der Unterschied zwischen den U-Booten und der englischen Sprache ist hier, dass ich mich in einem Bereich professionalisiert habe, im anderen nicht. Dementsprechend, bin ich vielleicht auch Sprach- und Literaturnerd, aber eigentlich mehr, denn es ist ein Gebiet in dem ich auch professionalisiert arbeiten und sogar forschen kann. Das trifft für U-Boote jenseits komischer kulturgeschichtlicher Betrachtungen nicht vor.

Deswegen ist nicht alles nerdy und jeder Mensch, der spezialisiertes Wissen hat ein Nerd. ((Spannend hier: schonmal von Buchhaltungsnerds gehört? Die müßte es ja auch geben…)) Unsere Wissenschaft und deren Personal verdient mehr als mit einem Begriff bezeichnet zu werden, der früher komplett derogativ zeigte, wie intellektuellenfeindlich diese Kultur ist. Wenn ihr also ma wieder einen Wissenschaftsvortrag sehr, nennt den Vortragenden „Wissenschaftler“ und gebt ihm ein Bier aus, und bei den Damen: nennt sie „Wissenschaftlerin“ und gebt ihr einen Cider aus.