Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Ich und Du und die Distinktion

Ich war die Tage bei einem Konzert der Brass Band Bamberg. Es war sehr gut und hat mir großen Spaß bereitet. Allerdings war ich eher zufällig dort, weil Isa als Fotografin da war und mich mitgenommen hat. Während des Konzertes sprachen wir über die verschiedene Musik und was sie für uns bedeutet und was nicht. Und dabei fiel mir wieder auf, dass es verschiedene Arten gibt über sowas wie klassische Musik und Konzerte zu denken und dass das davon abhängt, welche Ziele und Ideen man mit Musik verbindet.

Distinktion und Habitus

Doch vorher, eine kurze dreckige Wiederholung von Sachen, die ich schon öfter erzählt habe. Der Soziologe und Ethnologe Pierre Bourdieu sagt in seinem Buch Die feinen Unterschiede, dass sich soziale Schichten nicht nur durch unterschiedliche Mengen an Kapital, sondern auch durch ihren Habitus unterscheiden. Der Habitus ist dabei als eine bestimmte Art die Welt zu sehen und sich in ihr zu verhalten. Je nachdem, in welchen sozialen Schichten eine Person sozialisiert wurde, erwirbt sie bestimmte Habitus, die dann aber auch beschränken, in welche Schichten diese Person sich holperfrei eingliedern kann. Bourdieu sagt, dass die Unterschiede im Verhalten einer Person den Zugang zu anderen sozialen Statusgruppen verwehrt, solange diese Person nicht weiß, wie sie sich zu verhalten hat. Damit werden bestimmte Verhaltensweisen zu Distinktionsmerkmalen, mit denen sich Menschen von anderen in ihrem sozialen Status unterscheiden lassen. Das wichtige ist hierbei, dass diese Merkmale sozial generiert, verteilt und erlernt werden. Der soziale Unterschied wird also weitergegeben und kultiviert. Man kommt nur in den sozialen Kreis, wenn man das geheime Verhalten und Wort kennt.

E und U und so weiter

Und das ist auch bei Musik so. Die große Unterteilung, die den meisten Menschen wahrscheinlich bekannt ist, ist die zwischen E- und U- Musik. E steht dabei für „ernsthaft“ und U für „Unterhaltung“. E-Musik ist damit definiert als etwas mit dem man sich auseinandersetzen muss, U-Musik ist etwas für alle und hat keinen Anspruch oder anders ausgedrückt, man muss angeblich dabei nicht nachdenken. Damit ist dann Math Metal definitiv E-Musik. E-Musik ist also Musik, die ähnlich der modernen Kunst Deutung braucht und den Menschen nicht nur emotional, sondern auch kognitiv herausfordert. Je moderner die Musik, desto schlimmer wird das. Bei der „alten“ klassischen Musik gibt es durchaus Unterhaltungsstücke, die aber so fremdartig für die modernen Hörgewohnheiten sind, dass die Dekodierung immer noch ein kognitiver Prozess wird. Man kann sich diese Musik auch einfach so anhören, aber die reine Unterscheidung in schön und nicht-schön ist dann halt auch sehr einfältig.

Distinktionmerkmale

Denn in Wirklichkeit gibt es hier natürlich sozialen Grenzen, die durch die Art des Musikgenusses gekennzeichnet sind. Und da gibt es im Endeffekt drei Arten von Leuten: diejenigen, die selbst Musik machen und deswegen eine persönliche Verbindung zu einem Musikstück haben, dann diejenigen, die keine Musik machen, aber sich für sie interessieren, sie verstehen und genießen, und dann gibt es die dritte Gruppe: diejenigen, die Musik konsumieren, weil dieser Konsum zu ihrem angestrebten Habitus gehört. Die dritte Gruppe gibt es, weil es traditionell zum Habitus des Bildungsbürgertums und der Oberschicht gehört, dass man Kunst und Musik schätzt. Schon in den feinen Unterschieden macht Bourdieu an der Kunst fest, wo der Unterschied zwischen den verschiedenen sozialen Statusgruppen ist. Er sagt allerdings auch, dass das Geheimnis des Habitus der gehobenen Statusgruppen ist, das eben das erhöhte Verständnis von Musik und Kunst ein Zeichen des Status ist, nicht die Teilnahme an entsprechenden Veranstaltungen. Man muss also auf eine bestimmte Art über Kunst und Musik reden können, wenn man Teil der Gruppe sein will, nicht zwingend Konzerte besuchen. Deswegen achten Menschen in den gehobenen Statusgruppen dann die Musiker, denn dort verbinden sich der Habitus beider Gruppen, obwohl Musiker ja eigentlich sozial niedriger stehen.

Zusammengefasst kann also gesagt werden: es gibt Leute, die E-Musik hören, weil ihnen diese etwas gibt und es gibt Leute, die E-Musik hören, weil sie glauben, dass das Erscheinen bei entsprechenden Konzerten zum sozialen Status gehört, den sie haben möchten: dem des intellektuellen Schöngeists und der bürgerlichen Oberschicht. Jenseits von Überlappungen, die es da natürlich geben kann, bedeutet das allerdings auch, dass die Leute, die sich vom Besuch des Sinfoniekonzerts einen Vorteil für den sozialen Status versprechen, eigentlich keinen Zugang zu dem haben, was die entsprechenden Statusgruppen schon per Erziehung mitbekommen und Musiker und Musikliebhaber durch ihr Hobby erhalten: nämlich die Fähigkeit E-Musik zu deuten, ein Orchester zu lesen und damit den eigenen Horizont durch die kognitive Interaktion mit der Musik zu erweitern. Dafür entlarven sich diese Menschen dann als diejenigen, die nur aus sozialer Erwünschbarkeit oder Geltungsverlangen kulturelle Veranstaltungen aufsuchen. Das ist so etwas wie das soziale Shibboleth. Um das zu beschreiben kann ich anekdotisch noch folgende Aussage eines Dauerkarteninhabers der lokalen Sinfoniker anführen:

Ja, der Sparkassenvorstand ist die „Schüttelfraktion“. Die sind nur da, um sich gegenseitig die Hände zu schütteln. Aber ich bin froh, dass die da sind. Sie bezahlen ja die Sinfoniker und ich genieße die Musik.

Das Distinktionsmerkmal im Bereich Musik ist, wie in nahezu jedem sozialen Bereich also das Wissen um die Deutung des Phänomens und je vielfältiger und breiter dieses Wissen ist, desto anerkannter ist man. Das gilt für alle sozialen Statusgruppen und meist dreht sich die Betonung, was man wie sehr deuten können muss, von den oberen Statusgruppen zu den niedrigen um: muss man für den hohen Status einen Monet erkennen können, muss man im niedrigen Bereich die Konnotationen und Grenzen des rassistischen Witzes kennen.

Interesant ist dabei dann folgendes: egal welche soziale Statusgruppe, egal welcher Habitus, alle erkennen Menschen, die aufgrund mangelnden Wissens nicht dazu gehören, sofort. Deswegen wird die „Schüttelfraktion“ genauso belächelt wie der Uniprofessor auf der Baustelle und deswegen ist sozialer Aufstieg, wenn man ihn sich ersehnt, nur darüber machbar, dass man neue Deutungsebenen erkennen kann, also die Fähigkeit besitzt, die Wilhelm von Humboldt Bildung nannte.

Über die bröckelnde Wirklichkeit

Es heißt ja so schön, dass die moderne Technologie die Welt entzaubert und uns immer mehr Wahrheiten zeigen kann. Information ist unheimlich schnell und kann immer ungefilterter wahrgenommen werden. Das ist jedenfalls das Märchen, das sich da gegenseitig erzählt wird und das nur für wenige Menschen an sich wahr ist. In Stefan Schulz’ Buch Redaktionsschluss stellt er die Frage, ob und wie wir uns eigentlich noch darüber verständigen können, was uns betrifft. Paraphrasiert ist das die Frage nach der gesamtgesellschaftlichen Realitätskonstruktion, die durch Medien und gegenseitige Erzählung generiert wird.

Die wird eigentlich immer friedfertiger, weil der oder die Einzelne in der Facebooktimeline nur noch Sachen findet, die die eigene Realitätskonstruktion unterstützt und bevorzugt alles wegfiltert was ein Ausloggen verhindern kann. Der Anwender denkt also, dass das was ihn betrifft alle betrifft und seine Meinung die Mehrheitsmeinung ist. Das scheitert nur, wenn die Benutzer aus ihrer Weltsicht heraus versuchen ihre nichtvorhandene Reichweite auf Facebook zu benutzen, um die „Andersdenkenden“, die solche Nachrichten gar nicht zu sehen bekommen zu bekehren oder wenn die eigene Blase aus sozialen Gründen Menschen beinhaltet, die eine andere Realität haben.

Letztere sind dann meist der rassistische Onkel, dessen NPD Beiträge man lesen muss und erstere die Veganer und Vegetarier, die anderen Veganern und Vegetariern die ganze Zeit gequälte Tiere zeigen, damit diese aufhören Fleisch zu essen. Daran kann man auch erkennen, dass Realität für viele nur noch in Medien existiert und die meisten Menschen sich nach einer heilen Welt sehen, die ihnen digital vorgegaukelt wird und dann in einer massiven kognitiven Dissonanz mit der wahrgenommenen Realität endet, die sich dann halt auch entlädt. Dabei ist die Wirklichkeit, die uns verbindet meist ganz anders strukturiert als die Geschichten, die man sich erzählt und die Frage, was das Gute ist, hängt dann doch sehr von der eigenen Weltkonstruktion ab. Was dann passiert kann man sich nun immer wieder ansehen. Alle wollen nur das Gute, aber das gibt es nicht, denn die Welt ist komplex und wird nicht mehr verstanden. Stattdessen stehen sich Menschen mit ihren partikularen Weltkonstrukten gegenüber und schreien sich gegenseitig in Unverständnis an. Und weil es so schön ist, gibt es jetzt mal das aktuelle Beispiel.

Panama und Böhmermann, Edogan und PEGIDA, AfD und GEZ

Was hat das alles miteinander zu tun? Wenig? Nichts? Etwas? Das ist alles Realität, aber erstmal die groben Fakten. ((Details interessieren uns hier nicht. Die lenken eh nur ab.))

Die Fakten

Die Panamapapers sind das Ergebnis einer einjährigen Recherche von Datenleaks aus einer Anwaltskanzlei, die Briefkastenfirmen in Panama besorgt hat. Das Ergebnis ist erstaunlich: die Reichen haben Briefkastenfirmen und hinterziehen damit vielleicht(!) sogar Steuern. 

Jan Böhmermann hat den türkischen Staatspräsidenten Erdogan (und die komplette Türkei) in einem Schmähgedicht mit metaphorischer Gülle übergossen und vorher gesagt, dass man das nicht darf. Das ZDF hat das gelöscht, die Staatsanwälte ermitteln.

PEGIDA steht regelmäßig auf allen möglichen Plätzen und hetzt mehr oder weniger offen gegen die regierende Politikerkaste. Die selbe Gruppe an Menschen wählt die AfD und hofft, dass Politik mit dieser wieder ehrlich wird.

Dazu betiteln sie die Medien gerne als Lügenpresse, was dann AfD Europaparlamentarierin Beatrix von Storch ein gepfändetes Konto beschert, weil sie zwar bei Anne Will sitzt, aber das eigene Honorar nicht mitbezahlen möchte.

Die Sichtweisen

Bei den Panamapapers sind sich alle einig, dass sowas ((das ist nicht näher definiert)) nicht okay ist. Was immer das auch sein mag. Hier eine kurze unvollständige Liste:

  • Briefkastenfirmen an sich
  • Der Großkapitalismus
  • Steuerhinterziehung allgemein
  • Steuerhinterziehung des Cellisten von Vladimir Putin
  • Dass die da oben mit allem durchkommen
  • die Presse eh wieder lügt
  • bekannt wird, wer Briefkastenfirmen hat
  • in Idomeni Menschen sitzen und uns das hier interessiret
  • die immer noch alle Fleisch essen!
  • sinnloser Datenjournalismus ohne das Aufdecken einer Struktur

Im allgemeinen kann man hier sehr gut seine ungerichtete Unzfriedenheit gut wiederfinden. Es gibt nahezu niemanden der die Komplexität des Materials versteht und die Frage, wo eigentlich der Nachrichtenwert ist, also jetzt mal jenseits der SZ, die sehr viel Papier und Klickwerbung verkauft hat in den letzten Tagen. Das Ergebnis und die Wirkung dieses „größten Leaks in der Geschichte des Journalismus“ werden wohl in einem halben Jahr mit dem Wort „überschaubar“ gewertet werden. Sicher ist nur eins, man konnte sich empören, konnte sich ablenken und Gerechtigkeiten fordern, die dann nicht geliefert werden.

Zu Jan Böhmermann gibt es eher so Aussagen, dass es doch nicht sein kann, dass:

  • jemand das nicht lustig findet
  • jemand das lustig findet
  • jemand sich dadurch beleidigt fühlt
  • jemand sich nicht dadurch beleidigt fühlt
  • Satire alles können sollte
  • Satire nicht alles können sollte
  • das keine Kunst ist
  • das Kunst ist
  • Böhmermann angeklagt wird
  • Böhmermann nicht angeklagt wird
  • Erdogan das Ziel von Beleidigungen ist
  • Erdogan nicht das Ziel von Beleidigungen ist

Was dabei komplett verloren ging sind zwei Fragen, die mich hierzu auch umtreiben: 

Erstens wie möchten wir überhaupt miteinander kommunizieren. Kritik und Meinungsäußerung gegenüber Politikern ist nötig, sinnvoll und wichtig für eine Demokratie ((Siehe dann auch den nächsten Teil…)). Doch nur einfach nur Leute anpissen, ja auch mit der ironischen Brechung vorneweg, dass man sagt, dass es verboten ist, zeigt dann doch eine Art der Kommunikation, die einfach Beifall bekommt, aber von der niemand Ziel sein möchte. Deswegen gibt es Regeln, die bestimmte Arten von Äußerungen justiziabel machen. Dazu haben wir eh kaum eine moralisch bessere Position gegen Erdogan, kurz nachdem der uns vertraglich zugesichert hat uns schön die ganzen flüchtenden Syrer und Syrerinnen vom Leibe zu halten.

Das zweite ist die Frage, wer da eigentlich das Ziel der Aktion war. Immerhin haben sich viele Menschen dazu geäußert. Böhmermann ist, auch hier, Thema, aber ist es nicht auch die eigene Bigotterie in Deutschland? Zum einen haben wir Beleidigungsgesetze, zum anderen scheint es für Böhmermann nur soviel Zustimmung von den billigen Rängen zu geben, weil er einen aufgebauten Feind der Demokratie als Ziel hatte. Erdogan ist also das Ziel und als solches akzeptabel, weil er selbst eher zum Großherrschergebahren neigt. Wenn das Ziel die Bundeskanzlerin ist, ist es nicht mehr okay.

Das merkt man dann bei PEGIDA oder Beatrix von Storch. Die wollen ja die Kanzlerin gern im Gefängnis oder der Irrenanstalt sehen. Das ist natürlich überhaupt nicht okay für die mit leichtem Merkelfetisch ausgestattete Mehrheitsgesellschaft. Doch: die Kanzlerin darf auch öffentlich so angegangen werden. Interessieren tut sie das eh nicht und die Meinungsfreiheit deckt halt auch den Wunsch, den politischen Gegner ins Sanatorium zu schicken. Doch hier wird dann wieder die Abneigung groß. Das ist das dunkle Deutschland, weil ja der Rest das Licht gesehen hat. Im Schatten rotten sich dann die Zurückgelassenen und Enttäuschten zusammen und sind der Meinung die regierende Elite gehört ins Gefängnis, genauso wie die angeblich Mitte der Gesellschaft das mit Erdogan macht.

Doch eines aus der Liste führt den „Dunkeldeutschen“ mit dem „Lichtdeutschen“ zusammen: der Rundfunkbeitrag. Denn egal, wieviel Fernsehen sich der Einzelne da antut, wie sehr er am Montagabend Lügenpresse ruft und wie oft er indiskutabel schlechte Tatorte sieht, sie alle finden, dass sie nicht dafür bezahlen sollten. Schon gar nicht so viel!

Synthese

Und damit kommt die Frage zurück, die am Anfang stand. Schaut man sich die ganzen Listen und Erläuterungen an, fällt auf, dass Einigkeit eigentlich nur noch auftaucht, wenn es irgendwie eine viable Realitätskonstruktion gibt, die alle aufgrund der universellen Viabilität vereint. Wir können uns noch darauf einigen, dass die Sonne scheint und Bus zu spät kommt. Alles andere ist nur noch in Gruppen von Meinungen zu sehen und verhandelbar. Eine einheitliche Erzählung, was der Gesellschaft wichtig ist, wird immer schwieriger zu gestalten, dabei geben uns die ganzen Themen von oben durchaus einen Weg vor.

Lösungsmöglichkeiten

Denn es gibt eine Art, wie man die ganzen zersplitterten Gruppen wieder einfangen kann: in dem man versucht wieder in einen Dialog zu kommen. Dazu braucht es aber Stellen, die nicht aufgeladen sind, die nicht direkt und nicht medial sind. Und es braucht Energie, denn den anderen mit seiner anderen Meinung zu ertragen ist schwer, wenn das Welterlebnis uns immer wieder bestätigt, dass sich alles nur um uns dreht. Gelingt es nicht das zu Überwinden, bleibt irgendwann nur noch der Sonnenaufgang, der uns verbindet und selbst über dessen Bedeutung kann man streiten.

Aus dem Leben des Politiklehrers im Schuljahr 2015/16

Die heute-show hatte letztens so ein lustiges Bildchen, in dem davon geredet wird, dass wir Politiklehrer es so schwer haben werden unseren Schülerinnen und Schülern zu erklären, warum sich welche Politiker nicht wie die Parteienlegende verhalten, die sie vertreten sollen. Das ist natürlich nur ein dümmlicher Witz. Sowas interessiert mich schon lange nicht mehr. Deswegen möchte ich mal heute am 22. März 2016 kurz auflisten, worüber ich dieses Schuljahr schon mit meinen Schülerinnen und Schülern reden musste:

  • September 2015 Schuljahresbeginn
  • Stehende Themen: PEGIDA, AfD, Flüchtlinge, Syrienkrieg, Soziale Ungleichheit, Vorratsdatenspeicherung, Sicherheit und Überwachung
  • 13. November 2015 Anschläge in Paris
  • 17. November 2015 Absage eines Fußballsspiels inklusive Terrortheater
  • Landtagswahlen im März 2016
  • Amerikanischer Wahlkampf
  • EU Austritt Großbritanniens
  • 22. März 2016 Anschläge in Belgien

Ich weiß nicht, wie da draußen irgendjemand auf die Schnapsidee kommen kann, dass mich Parteipolitik noch interessiert. Ich habe jetzt zum zweiten Mal in ca. 6 Monaten damit zu tun Massenmorde zu erklären. Ich darf jetzt schon seit 6 Monaten PEGIDA und das Aufstreben der AfD erklären. Das bedeutet für junge Menschen, die heutzutage in einem Sturm von Informationen stehen und diese nicht einordnen können, Orientierung und Analyse zu bieten, Ängste einzufangen und zu reflektieren. 

Um es kurz zu sagen: der Politiklehrer ist derzeit hauptsächlich damit beschäftigt den Wahnsinn der Welt zu ordnen, zu analysieren und eine freiheitlich-demokratische Perspektive zu etablieren.

In welcher Partei welche Nase auf Grund ihres Verhaltens zu sein hat, ist nun wirklich scheißegal.

Wofür kämpfst du? Und wie?

Zu einem meiner Lieblingswerken aus den Dresden Files von Jim Butcher gehört die Kurzgeschichte „The Warrior“ aus der Sammlung Side Jobs. In dieser Geschichte geht es vordergründig um jemanden, der Harry Dresdens Freund Michael von einem selbsternannten Krieger des Guten bedroht wird. Doch die Action ist gar nicht so sehr die Sache der Geschichte. Für mich ist es das finale Gespräch zwischen Harry Dresden und dem Erzengel Uriel:

‚Courtney‘, Jake said. ‚The little girl who almost got hit by a car.‘

‚What about her?‘ I asked.

‚You saved her life,‘ he said. ‚Moreover, you noted the bruise on her cheek – one she acquired from her abusive father. Your presence heightened her mother’s response to the realization that her daughter was being abused. She moved out the next morning.‘ He spread his hands. ‚In that moment, you saved a child’s life, prevented her mother from alcohol addiction in response to the loss, and shattered a generational cycle of abuse more than three hundred years old.‘

‚I … um.‘

‚Chuck the electrician,‘ Jake continued. ‚He was drunk because he’d been fighting with his wife. Two months from now, their four-year-old daughter is going to be diagnosed with cancer and require a marrow transplant. Her father is the only viable donor. You saved his life with what you did – and his daughter’s life, too. And the struggle that family is going to face together is going to leave them stronger and happier than they’ve ever been.‘

I grunted. ‚That smells an awful lot like predestination to me. What if those people choose something different?‘

‚It’s a complex issue,‘ Jake admitted. ‚But think of the course of the future as, oh, flowing water. If you know the lay of the land, you can make a good guess where it’s going. Now, someone can always come along and dig a ditch and change that flow of water – but honestly, you’d be shocked how seldom people truly choose to exercise their will withing their lives.‘

I grunted. ‚What about second baseperson Kelly? I saved her life, too?‘

‚No. But you made a young woman feel better in a moment where she felt as though she didn’t have anyone she could talk to. Just a few kind words. But it’s going to make her think about the difference those words made. She’s got a good chance of winding up as a counselor to her fellow man. The five minutes of kindness you showed her is going to help thousands of others.‘ He spread his hands. ‚And that only takes into account the past day. Despair and pain were averted, loss and tragedy thwarted. Do you think you haven’t struck a blow for the light, Warrior?‘

‚Um…‘

‚And last but not least, let’s not forget Michael,‘ he said. ‚He’s a good man, but where his childrean are involved, he can be completely irrational. He was a hairbreadth from losing control when he stood over Douglas on the beach. Your words, your presence, your will helped him to choose mercy over vengeance.‘

I just stared at him for a moment. ‚But … I didn’t actually mean to do any of that.‘

He smiled. ‚But you chose the actions that led to it. No one forced you to do it. And to those people, what you did saved them from danger as real as any creature of the night.‘ He turned to look down at the church below and pursed his lops. ‚People have far more power than they realize, if they would only choose to use it. Michael might not be cutting demons with a sword anymore, Harry. but don’t think for a second that he isn’t fighting the good fight. It’s just harder for you to see the results from down here.‘

I swigged more Scotch, thinking about that.

‚He’s happier now,‘ I said. ‚His family, too.‘

‚Funny how making good choices leads to that.‘

Aus: Butcher, Jim. ‘The Warrior’ in Side Jobs. 2010.

Der wahre Kampf zwischen Gut und Böse findet also regelmäßig durch kleine Taten des Mitgefühls, des Mitleids und der Menschlichkeit statt. Sei es, dass man den Menschen an der Kasse des Supermarkts als Menschen anerkennt, seine Nachbarn grüßt und mit ihnen redet oder einfach nur einer alten Dame mal über die Strasse hilft. Einfache Akte der Menschlichkeit machen also einen Unterschied und zwar mehr als man das denkt. Es sind nämlich diese Akte der Menschlichkeit, die sich multiplizieren. Und wie kalt und furchtbar die Entmenschlichung anderer Personen durch Selbstzentriertheit sein kann beschreibt Brené Brown sehr gut:

[…]On the way home, I stopped at Barnes&Noble to pick up a magazine. The woman ahead of me in line bought two books, applied for a new „reader card,“ and asked to get one book gift-wrapped without getting off her cell phone. She plowed though the entire exchange without making eye contact or directly speaking to the young woman working at the counter. She never acknowledged the presence of the human being across from her.

After leaving Barnes&Noble, I went to a drive-through fast food restaurant to get a Diet Dr. Pepper. Right as I pulled up to the window, my cell phone rang. I wasn’t quite sure, but I thought it might be Charlie’s school calling, so I answered it. It wasn’t the school – it was someone calling to confirm an appointment. I got off the phone as quickly as I could.

In the short time it took me to say, „Yes, I’ll be at my appointment,“ the woman in the window and I had finished our soda-for-money transaction. I apologized to the second I got off of the phone. I said, „I’m so sorry. The phone rang right when I was pulling up and I thought it was my son’s school.“

I must have surprised her because she got huge tears in her eyes and said, „Thank you. Thank you so much. You have no idea how humiliating it is sometimes. They don’t even see us.“

Aus: Brown, Brené. Daring Greatly. 2014

So wie wir Menschen im Alltag durch Missbilligung schädigen und durch einfache Gesten wieder zu anderen menschlichen Wesen machen, so ist jeder kleine Akt von Menschlichkeit ein Gegengift zu den psychischen Schäden, die eine immer anonymer werdende Gesellschaft an uns allen anrichtet. 

Das kann man auch in der Schule sehen. Die Schülerinnen und Schüler als Menschen wahr- und ernstzunehmen fällt als Lehrperson nicht immer leicht, weil man immer denkt, dass da je eine Gruppe vor einem sitzt. Es ist aber keine Gruppe, es sind Individuen in einem Raum und jede Interaktion mit einem davon ist eine öffentliche zwischen einem selbst und dem Individuum gegenüber. Es gibt nicht „die Klasse“, es gibt nur die Menschen, die da drin sitzen. Bricht man dann eben diese Gruppensicht auf, dann kann man auch pädagogisch was erreichen. Das Ernstnehmen von Menschen als Menschen ist der Beginn davon etwas für diese Welt zu tun.

Doch es gibt neben dem grundsätzlichen Gedanken etwas dafür zu tun, dass die Welt ein besserer Ort wird, noch eine weitere Dimension, die philosophisch immer dazu gehört: die Frage nach der Art und Weise, in der man mit anderen Menschen interagiert und daran angeknüpft die Frage des Zwecks. Beides hängt zusammen. Der Zweck diktiert nämlich die Art und Weise, wie man interagiert. Eine positive Interaktion kann eigentlich nur erfolgen, wenn der Zweck an sich auf die Person bezieht und nicht auf sekundäre Motive. Wenn das Ziel einer Interaktion nicht die Bereicherung des Lebens aller Personen ist, die daran beteiligt sind, dann wird da auch nix besser.

Und so muss man sich auch immer die Frage stellen, welcher Modus der richtige ist und ob das eigene gut gemeinte Handeln auch eine gute Wirkung entfaltet. In der Folge One Day, One Room von House. M.D. sieht sich der Hauptcharakter einer jungen Frau gegenüber, die vergewaltigt wurde und nun beruhend auf ihrem Glauben das Baby behalten möchte. Durch ein – für House uncharakteristisches – persönliches Öffnen bekommt er sie dazu ihre Geschichte zu teilen und das Kind abzutreiben. Ganz am Ende der Folge findet dann folgender Dialog statt:

Cuddy: She’s gonna be OK.

House: Yeah, it’s that simple.

Cuddy: She’s talking about what happened. That’s huge. You did good.

House: Everyone will tell you: That’s what we gotta make her do. We gotta help her, right? Except we can’t. Instead, we drag out her story and tell each other that’ll help her heal. We feel real good about ourselves. Maybe all we’ve done is make a girl cry.

Wilson: Then why did you…?

House: Because, I don’t know.

Wilson: You gonna follow up with her?

House: One day, one room.

House M.D. Season 3/12 One Day, One Room

Die zentrale Frage ist also auch immer, wie wir etwas tun und für wen es ultimativ getan wird. Wird es getan, damit wir uns gut fühlen? Wird es vielleicht nur getan, um aus der Geschichte einen Gewinn zu schlagen, egal ob monetär oder moralisch? Oder damit danach darüber erzählt werden kann, wie gut man selbst ist?

Hier kommt eine Unterscheidung ins Spiel, die immer wieder sehr wichtig ist. Gut und böse sind keine inherent moralischen Kategorien, die moralischen Kategorien sind richtig und falsch. Eine gute Handlung ist nicht unbedingt richtig. Ganz im Gegenteil gut war sehr oft schon die Begründung dafür Dinge zu tun, die schlicht falsch sind. Und am Ende ist die Frage, ob man sich am Ende des Tages im Spiegel ansehen kann, wichtiger als der Ruhm, den man dafür bekommt die Geschichte eines Menschen ans Tageslicht gezerrt zu haben, oder darauf hingewiesen zu haben, wie gut man selbst ist.

Also, die Welt ist dunkel und wir sollten alle unsere Lichter entzünden, damit sie etwas heller wird. Doch wenn es nur darum geht, dass wir im Licht besser zu sehen sind, dann zeigen wir niemandem den Weg und bleiben ewig stehen.

„But where does contagion end and art begin?“

Okay. Hier mal, etwas eher eigenartiges. Die Vorklasse BOS liest mit mir derzeit ein Buch. Okay, nein die Schülerinnen und Schüler lesen das Buch und ich stelle neumalkluge Fragen dazu. Um sie darauf vorzubereiten, haben wir die Kurzgeschichte „How to Talk to Girls at Parties“ von Neil Gaiman gelesen.

Und in dieser kommt das Zitat aus der Überschrift vor. Es wird von Triolet, einem lebenden Gedicht gesagt und weil ich manchmal ein absolut herausfordernder sadistischer Sack sein kann, mussten die Schülerinnen und Schüler dazu einen freien Aufsatz schreiben. Allerdings wurde von mir verlangt, dass ich auch einen schreibe, allein schon um zu zeigen, dass es geht. Und weil ich es lustig finde, bekommt ihr das jetzt auch zu lesen. 

„But where does contagion end and art begin?“

Have you ever thought that you cannot get a song out of your head? It is even possible to have you mentally listen to a song by just writing down the words ‘Dschingis Khan’, ‘Atemlos durch die Nacht’ or ‘The Final Countdown’. Art and culture are, in the best sense, contagious diseases that we as people share and pass down.to our descendants.

In his book The Selfish Gene the famed biologist Richard Dawkins created the idea of the meme being a piece of cultural knowledge that passes from one individual to another. The way these pieces of cultural knowledge are transmitted are plentiful, but most of the ways have one common denominator: art. Art is the virus that plants the new memetic information in our brains and even the act of implanting that information can itself be art. Thus every piece of art can be seen as a mental and cultural virus that infects the brains coming into contact with it and it can even mutate into new pieces of art based on the cultural memetic makeup of its new recipient. This leads to new forms of art which then can be spread through cultural spaces again.

This process as magnificent it sounds is also deeply troubling to certain people. They, as the advocates of genetic purity, claim that new cultural ideas, especially from foreign cultures are quite literally endangering the memetic purity of the culture and pose a grave threat to the culture itself by changing or mutating it into something that is sick and unhealthy, or so the logic goes.

But as with evolution which shows that adaptation through change is the only way to survive in an everchanging world, cultural change may be the only way how humanity as a cultural body can survive. By getting infected with different and new cultural knowledge there is the opportunity of cultural adaptation and in this lies the hope for the survival of humanity.

Inhalte und Beziehungen – ein kleiner Guide zur Kommunikation

Das Soziale ist ja eher so schwierig. Es mag den meisten Menschen nicht so erscheinen, aber tatsächlich beschäftigt sich ein größerer Teil unseres Gehirns mit Kommunikation und Informationsverarbeitung sozialer Signale und liegt dabei gerne immer noch falsch. Doch es gibt ein paar Sachen, die man so generell mal über soziale Interaktion wissen kann, damit etwas besser versteht, was da passiert.

Kommunikation bedeutet eigentlich nur Zeichenübertragung. Sehr oft wird darunter Sprache verstanden, egal ob geschrieben oder gesprochen ((Da gibt es riesige Unterschiede. Soviel sei einmal gesagt: geschriebene Sprache ist ein Zeichensystem das auf der gesprochenen Sprache basiert.)). Doch wir benutzen noch ein paar Zeichen mehr als das und gerade Sprache kann sehr gut verschleiern, was die Menschen wirklich sagen. Doch dazu gleich mehr, erstmal interessiert uns die Frage, was eine Botschaft beinhaltet.

Dazu gibt es ein paar Standardtheorien. Diejenige, die man auf jeden Fall mal gehört haben sollte, wenn man etwas unmündiger kommunizieren will, ist die von den vier Seiten einer Nachricht.

700px Vier Seiten Modell de svg

Eine Nachricht hat also immer vier verschiedene Aussagen, die vom Sender und Empfänger unterschiedliche betont werden können. Dazu benutzen wir den Beispielsatz: „Es ist aber sehr stickig in diesem Raum.“

Zum einen ist eine Nachricht immer eine Aufforderung an den Empfänger. Die Appellseite unserer Aussage ist: „Mach mal das Fenster auf.“

Dazu gibt der Sender der Nachricht etwas über sich preis. Nämlich, dass er die Luft im Raum für stickig empfindet, es ihm also zu warm ist.

Dazu ist der Satz natürlich auch eine Sachaussage. Die Luft im Raum wird als stickig wahrgenommen.

Und sie ist eine Aussage über die Beziehung von Sender und Empfänger. Der Sender ist auf den Empfänger angewiesen, er möchte, dass dieser das Fenster öffnet. Dazu möchte er aber auch die Zustimmung des Empfängers zu seiner Sachaussage haben. Man kann natürlich auch sagen, dass der Sender einen Befehl sendet.

Soweit zur Theorie, doch was bedeutet das jetzt? Eine Nachricht hat immer diese Seiten und der Sender sucht sich in seiner Intention eine aus. Der Empfänger empfängt aber auch alle vier und kann sich fragen, was denn das alles bedeutet und ob eine der anderen Seiten nicht auch etwas verrät, was der Sender eigentlich gar nicht so sehr preisgeben wollte. Der Sender kann natürlich auch Botschaften verstecken, die er dem Empfänger so mitgeben will. Als Lehrer lernt man sowas aktiv auszunutzen.

Doch bleiben wir kurz bei der Beziehungsebene und der Sachebene. Diese beiden werden gerne verwechselt und bieten damit viel Ansatz für Kummer in menschlichen Beziehungen. Dazu wird die Beziehungsebene sehr oft benutzt um etwas auf der Sachebene zu erreichen. Die Vermengung von Sach- und Beziehungsebene ist vor allem in engen sozialen Beziehungen üblich und man muss schon sehr dagegen wehren, dass die Bedrohung mit Beziehungsänderung nicht dazu führt, dass man auf der Sachebene nachgibt. 

Doch das ist nicht alles. Die Aussagen einer Person beinhalten nicht nur Selbstoffenbarung, man kann sie auch mit dem Vergleichen, was eine Person tut. Handlungen sind auch Nachrichten im obigen Sinne, das bedeutet, dass wenn Menschen etwas tun oder auch nicht tun, dann hat diese Handlung auch diese Seiten und kann mit dem, was Menschen sagen, in Beziehung gesetzt werden. Das führt dann öfter mal zu der unangenehmen Erkenntnis, dass das Gegenüber nur quatscht, um davon abzulenken, dass es etwas tut, dass eigentlich soziale Nachteile mit sich zieht. Diese Inkonsistenzen sind zwar sehr menschlich, wenn sie aber in Beziehungen auftreten und jemand im Endeffekt die ganze Zeit durch seine Handlungen lügt, wird es schwierig. Vertrauen zwischen Menschen entsteht durch diese Konsistenz von bedeutungsvoller Handlung und verbaler Aussage und wird durch Inkonsistenz beschädigt.

Deswegen sollte man immer genau schauen, was andere Menschen sagen, wie sie es sagen und was sie tun.

Nürnberger Spielemesse 2016

Ich konnte dieses Jahr die Nürnberger Spielwarenmesse besuchen und deswegen gibt es jetzt einen Blick auf die Spielwarenindustrie, wie sie sich auf ihrer Industriemesse präsentiert. Gewehre bereit Stormtrooper!

IMGP7674

Kitsch für Jungs und Mädchen

Fangen wir mit Kitsch für Jungs und Mädchen an. Die Sektion für Babyspielzeug überzeugte unter anderen mit perfekten Kinderzimmern für Jungs.

IMGP7634

Und Mädchen…

IMGP7635

Wenn man dann älter ist, bekommt man entweder freundlich lächelnde Mädchengesichter.

IMGP7644

Oder doch lieber Superhelden…

IMGP7645

Wobei irgendwie klar ist, dass die Mädchengesichter aus dem Horrorfilm für die selben Menschen bestimmt sind, wie diese wunderbare Schminksammlung:

IMGP7641

Während die Träger der Superheldenrucksäcke bestimmt auch als Zielgruppe für diese wunderbaren Zweitweltkriegsfahrzeuge aus Plastiksteinen gesehen wird.

IMGP7642

Und wenn sich Mädchen für Naturwissenschaft interessieren muss uns das nicht aufhalten. Immerhin gibt’s auch die Erde in rosa:

IMGP7660

Und wer sich wehrt, der wird von dieser Puppe angesehen…

IMGP7632

oder bekommt dieses wunderbare Plastikbaby mit Ohrstecker geschenkt.

IMGP7623

Cooles Spielzeug

Ganz vorn beim coolen Spielzeug war der Kettcar mit Nerfgun und Pfeilhalterungen:

IMGP7637

Wir erwarten den Nachbau für Erwachsene in Jahresfrist und die erste Schlacht aufm Congress.

Sehr schön waren auch die liebevollen Modelleisenbahnanlagen, die teilweise sehr ausgefallen aussahen:

IMGP7652

Den Realismus leicht übertrieben…

IMGP7656

aber sehr schöne Fotomotive ergaben.

IMGP7659

Business baby, business.

Doch das ist gar nicht das Spannendste an der Messe gewesen. Das Spannendste ist, dass es sich hier ja um eine Fachmesse ohne Publikum handelt. Es gibt also keine lauten Bühnen, viele Schlipse und Marketingfuzzis, und die Stände der Branchenführer sind bei weitem nicht so einladend, wie die des Mittelstands. Stattdessen wird sich abgeschottet:

IMGP7663

Und bevor es Fragen gibt: Mattel, dasselbe in pink und weiß, Playmobil blau-weiß, Hasbro rot-blau… und so weiter. Wenn sich jemand fragt, wo die Deals geschlossen werden. Hinter diesen netten Damen am Empfang und der Security. Leider werden da so Nasen wie ich nicht reingelassen.

Fazit

Die Spielwarenmesse ist das Branchentreffen und vor allem ein Hort seelenlosen Plastiks, das unter Marketinggesichtspunkten zumeist in fremden Ländern produziert wird. Man merkt, dass hier sehr viel Geld durch die Gegend geschoben wird, wenn man sieht wie auch kleine Unternehmen sich präsentieren. Hinter den Wänden der großen Stände wird, ohne störenden Einfluss festgelegt, was den Geist vieler Kinder im nächsten Jahr bewegen wird. Was vielleicht fehlt, ist eine Präsenz, die hier gesellschaftlich beratend agiert. Dann gäbe es weniger Hello! Barbies, Pinkstinks Artikel und Ausbeutung…

Die Rückkehr der Ideologie

Das neue Jahr ist jung und wir haben schon jede Menge Stress in der Gesellschaft. Was sich allerdings schon seit dem Frühjahr 20115 abzeichnet ist, dass die Ideologie als gesellschaftliche Instanz wieder da ist.

Bevor es darum geht, was das nun genau bedeutet, vielleicht erstmal die Bestandsaufnahme. Im Laufe der 2000er Jahre hat sich in der deutschen Politik die Angst vor normativ begründeten politischen Entscheidungen breit gemacht. Der letzte Politiker, der ernsthaft eine solche getroffen hat, ist Gerhard Schröder gewesen. Und dieser wurde dafür bestraft. Nun ist man im Nachhinein immer schlauer und weiß nun, dass der Umbau des Sozialsstaates vielleicht eine blöde Idee war. Doch seit Schröder wird eben keine ideologische Politik betrieben aus der Angst, dass alles außer Reflex und Verwaltung dazu führt, dass man die Zustimmung des Volkes verliert. Wer nicht auffällt, hat nichts zu verlieren. Angela Merkel hat das perfektioniert. Doch nun ändern sich die Umstände.

Die neuen Probleme, vor denen Europa und mit ihm auch Deutschland steht, angefangen bei der Wirtschafts- und Finanzkrise, über die Flüchtlinge, die Auseinandersetzungen mit Russland und jetzt die Diskussionen über sexuelle Gewalt, sie können alle nicht wegverwaltet werden. Diese Probleme brauchen eine inhaltliche Positionierung. Und während das bei der Finanzkrise mit knallharter Austerität noch ging, wurde 2015 klar, dass man sich bei vielen anderen Themen positionieren muss. Das ist aber etwas, das die großen Volksparteien scheuen, immerhin hängt Machterhalt davon ab, von möglichst vielen Leuten als positiv wahrgenommen zu werden. Doch dieses Spiel ist langsam ausgespielt. Der Aufstieg von PEGIDA und der AfD, aber auch die immer stärkere Präsenz linker Diskurse zeigt, dass Ideologie wieder da ist.

Das bedeutet für die etablierte Politik 2016 natürlich auch, dass sie sich entscheiden muss: entweder es gibt wieder klare ideologische Aussagen wie die CDU das mit Merkel (bürgerliche Mitte), de Maiziere und Seehofer (rechts) angefangen hat und Politik, die darauf zurückzuführen ist, und nicht nur Theaterspielerei oder die Leute mit den klaren ideologischen Aussagen, wie die AfD oder auch die Linke werden hier gewinnen. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Vertreter der „Mitte“ verhalten. Diese Mitte wird auf jeden Fall kleiner und kleiner, je weniger Richtung sie von der etablierten Politik sieht und das bedeutet am Ende, dass sie denjenigen in die Arme läuft, die keiner an der Macht haben wollte.

Von Betroffenheitslyrik und ernsthaften Perspektiven

Mir reicht es langsam und zwar mit diesem Geheule, das mir immer wieder vor Augen und Ohren kommt. Da wird herumschwadroniert, besonders zum Jahresanfang, dass wir Angst haben müssen, dass es alles schlimmer wird, dass die anderen Menschen in diesem Land alle dumm, böse und deswegen gefährlich sind. Den meisten dieser Artikel, Fernsehbeiträge und sonstigen medialen Einlassungen fehlt es neben sachlicher Analyse auch an jeglicher Perspektive. Wenn ich mit diesem Gejammer meinen Schülern gegenübertreten würde, würden die sich zurecht beschweren, dass sie sich auch gleich erschießen können. Das kann es ja nun wirklich nicht sein.

Wie man vielleicht merkt, hat der 32c3 mich in einem positiven und weltbejahenden Zustand zurückgelassen. Jenseits von schwarzem Hackerhumor, der sich in Weltuntergang und Verschwörung ergeht, ist auf dem Congress immer zu spüren, dass wir als Gesellschaft etwas tun können. Da gibt es die Leute von Refugee Emancipation, oder Freifunk, oder aber Menschen, die Makerspaces in Favelas einrichten oder viele, viele mehr. Die Idee, das man einfach etwas tun kann, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen, ist sehr mächtig und wir sollten ihr mehr folgen. Was wir tun, damit die Welt ein besserer Ort wird, hat viel mit unseren Talenten zu tun. Egal, worin man gut ist und bei mir ist es quatschen, man sollte es tun, damit die Welt besser wird. Und wenn es das ist, dann mache ich das für Flüchtlinge, auf Podien, in Klassenzimmern, in Podcasts oder in diesem Blog. Meine Projekte für 2016 sind noch nicht geschrieben, aber wahrscheinlich wird dieses Jahr mehr hinzukommen, das andere inspirieren soll. Weil das ist es, was ich am besten kann.

Und weil das Jahr unheimlich jung ist, frage ich euch, ob ihr nicht mitmachen wollt? Sucht euch kleine Sachen, die die Welt besser machen und die ihr gut könnt. Nur eines ist wichtig: kein Gejammer, kein Geheule und nicht aufgeben, auch wenn es scheiße aussieht. Wir haben hier was zu verlieren.

Wer macht hat recht und wer Angst und Panik macht, hat die Fresse zu halten!

[32c3] Retrospektive

So, nun ist er vorbei, der 32c3. Es waren sehr angenehme Tage in Hamburg. Hier kommt dann mal die Rückschau.

Ich habe es netto in zwei Talks geschafft. Zum einen den sehr empfehlenswerten über Floskeln in der politischen Sprache von Kai Biermann und Martin Haase und zum anderen in den über Landesverrat von Markus Beckedahl. Ansonsten werde ich, genauso wie wahrscheinlich viele von euch, den Congress in Ruhe nachsehen.

Ich habe viel Zeit im Sendezentrum verbracht und dabei die ganzen Podcaster kennen gelernt. Dazu auch neue Kontakte geknüpft aus denen vielleicht in Zukunft neue Projekte erwachsen werden.

Etwas erstaunlich war, dass ich irgendwie bekannt bin für den Podcast, den ich da mit Holger mache. Also, ich bin in der Congresswelt C-Promi. Das ist befremdlich, aber wirkt bisher nicht bedrohlich. Ich freue mich, dass diese Sendung so vielen Leuten was bringt.

Alles in allem habe ich das Gefühl, dass ich sehr viel, aber irgendwie noch nicht in der Tiefe mit vielen Leuten geredet habe. Ich denke, dass ich „noch nicht ganz angekommen“ bin. Ist aber nicht schlimm… kommt.

So… das war der 32c3. Jedenfalls der Teil, über den ich reden werde…