Archiv der Kategorie: Bildung

Das mit der Integrität…

Ich habe gestern The Intern mit Robert De Niro gesehen. Man mag vieles über den Film denken, und großes Kino ist es sicherlich nicht, aber es gab so eine Sache, die ich tatsächlich mitgenommen habe. Doch vorher eine kurze Synopse, für diejenigen, die den Film nicht kennen und sehen wollen.

Ben Whitaker (Robert De Niro) ist pensioniert, Witwer und langweilt sich. Also bewirbt er sich für das „Senior Internship Program“ eines Internetmodeunternehmens. Er kommt dort mit seiner leicht anachronistisch antiquierten Businesseinstellung an und wird langsam zu einem geschätzten Mitarbeiter der Firma, besonders für die überarbeitete Gründerin Jules Ostin (Anne Hathaway). Es werden Krisen überstanden und am Ende lernen alle was fürs Leben. Es ist das, was man eine schöne Geschichte nennt.

Doch, ich wollte eigentlich woanders hin. Am Anfang des Filmes sagt Whitaker in eine Kamera „I’m a company man. I’m loyal, I’m trustworthy and I’m reliable.“ Was er vergisst zu sagen ist, dass er komplett integer ist und das bedeutet auch, dass er Gewissenskrisen gegenüber seiner Chefin bekommt, wenn er merkt, dass diese von ihrem Mann betrogen wird, aber diese auch dazu anhält sich bei ihrer Sekretärin für gute Arbeit zu bedanken. Whitaker hat klassische Werte, die sich in seiner Kleidung und Einstellung (klassischer Anzug, professionelle Verschwiegenheit, Aufmerksamkeit und niemals vor der Chefin gehen) zeigen, aber diese Werte sind auch etwas, das ihn am Ende von den eher ziellosen Mit-Dreißigern und Endzwanzigern unterscheidet und ihnen auch irgendwie fehlt. Dieses Fehlen von Werten hat sehr viel damit zu tun, dass sich vieles in den Leben junger Menschen an imaginären Zielen, Aufgaben und Herausforderungen orientiert, für die man dann im Zweifel seinen ganzen Wertekanon, den man sich gerade mit Anfang 20 noch revolutionär auf die Fahnen geschrieben hat, aufgibt. Denn auf einmal ist Geldverdienen und Erfolg haben, weitaus wichtiger als den eigenen Anspruch an die Welt selbst gerecht und sich die Frage zu stellen, was die eigenen Handlungen in derselben Welt verursachen. Integrität, wie sie Ben Whitaker zeigt, ist aber etwas, das gerade in der Post-Post-Moderne, in der Strukturlosigkeit und Werteliberalität nur noch von extremen Botschaften eingefangen zu werden scheinen, gar nicht so schlecht erscheint. Denn am Ende allen Erfolges, aller Facebooklikerei, aller Herzen auf Twitter und Instagram, ist Erfolg weniger wichtig als die Frage, wie man ihn erreicht hat, was man dafür aufgegeben hat und ob man sich selbst noch im Spiegel ansehen kann.

Und obwohl es eine Art wertkonservative Avantgarde zu geben scheint, die Werte als Inhalt begreift und nicht als Steigbügel, ist der Rest dieser Gesellschaft noch zu sehr in pseudo-neoliberalem Erfolgsgelaber und nicht-zukunftsfähigem Solipszismus zu gefangen, dass Menschen, die, wie Ben Whitaker, integer sind, als schöne anachronistische Ausnahmen angesehen werden können.

Inhalte und Beziehungen – ein kleiner Guide zur Kommunikation

Das Soziale ist ja eher so schwierig. Es mag den meisten Menschen nicht so erscheinen, aber tatsächlich beschäftigt sich ein größerer Teil unseres Gehirns mit Kommunikation und Informationsverarbeitung sozialer Signale und liegt dabei gerne immer noch falsch. Doch es gibt ein paar Sachen, die man so generell mal über soziale Interaktion wissen kann, damit etwas besser versteht, was da passiert.

Kommunikation bedeutet eigentlich nur Zeichenübertragung. Sehr oft wird darunter Sprache verstanden, egal ob geschrieben oder gesprochen ((Da gibt es riesige Unterschiede. Soviel sei einmal gesagt: geschriebene Sprache ist ein Zeichensystem das auf der gesprochenen Sprache basiert.)). Doch wir benutzen noch ein paar Zeichen mehr als das und gerade Sprache kann sehr gut verschleiern, was die Menschen wirklich sagen. Doch dazu gleich mehr, erstmal interessiert uns die Frage, was eine Botschaft beinhaltet.

Dazu gibt es ein paar Standardtheorien. Diejenige, die man auf jeden Fall mal gehört haben sollte, wenn man etwas unmündiger kommunizieren will, ist die von den vier Seiten einer Nachricht.

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Eine Nachricht hat also immer vier verschiedene Aussagen, die vom Sender und Empfänger unterschiedliche betont werden können. Dazu benutzen wir den Beispielsatz: „Es ist aber sehr stickig in diesem Raum.“

Zum einen ist eine Nachricht immer eine Aufforderung an den Empfänger. Die Appellseite unserer Aussage ist: „Mach mal das Fenster auf.“

Dazu gibt der Sender der Nachricht etwas über sich preis. Nämlich, dass er die Luft im Raum für stickig empfindet, es ihm also zu warm ist.

Dazu ist der Satz natürlich auch eine Sachaussage. Die Luft im Raum wird als stickig wahrgenommen.

Und sie ist eine Aussage über die Beziehung von Sender und Empfänger. Der Sender ist auf den Empfänger angewiesen, er möchte, dass dieser das Fenster öffnet. Dazu möchte er aber auch die Zustimmung des Empfängers zu seiner Sachaussage haben. Man kann natürlich auch sagen, dass der Sender einen Befehl sendet.

Soweit zur Theorie, doch was bedeutet das jetzt? Eine Nachricht hat immer diese Seiten und der Sender sucht sich in seiner Intention eine aus. Der Empfänger empfängt aber auch alle vier und kann sich fragen, was denn das alles bedeutet und ob eine der anderen Seiten nicht auch etwas verrät, was der Sender eigentlich gar nicht so sehr preisgeben wollte. Der Sender kann natürlich auch Botschaften verstecken, die er dem Empfänger so mitgeben will. Als Lehrer lernt man sowas aktiv auszunutzen.

Doch bleiben wir kurz bei der Beziehungsebene und der Sachebene. Diese beiden werden gerne verwechselt und bieten damit viel Ansatz für Kummer in menschlichen Beziehungen. Dazu wird die Beziehungsebene sehr oft benutzt um etwas auf der Sachebene zu erreichen. Die Vermengung von Sach- und Beziehungsebene ist vor allem in engen sozialen Beziehungen üblich und man muss schon sehr dagegen wehren, dass die Bedrohung mit Beziehungsänderung nicht dazu führt, dass man auf der Sachebene nachgibt. 

Doch das ist nicht alles. Die Aussagen einer Person beinhalten nicht nur Selbstoffenbarung, man kann sie auch mit dem Vergleichen, was eine Person tut. Handlungen sind auch Nachrichten im obigen Sinne, das bedeutet, dass wenn Menschen etwas tun oder auch nicht tun, dann hat diese Handlung auch diese Seiten und kann mit dem, was Menschen sagen, in Beziehung gesetzt werden. Das führt dann öfter mal zu der unangenehmen Erkenntnis, dass das Gegenüber nur quatscht, um davon abzulenken, dass es etwas tut, dass eigentlich soziale Nachteile mit sich zieht. Diese Inkonsistenzen sind zwar sehr menschlich, wenn sie aber in Beziehungen auftreten und jemand im Endeffekt die ganze Zeit durch seine Handlungen lügt, wird es schwierig. Vertrauen zwischen Menschen entsteht durch diese Konsistenz von bedeutungsvoller Handlung und verbaler Aussage und wird durch Inkonsistenz beschädigt.

Deswegen sollte man immer genau schauen, was andere Menschen sagen, wie sie es sagen und was sie tun.

Die Rückkehr der Ideologie

Das neue Jahr ist jung und wir haben schon jede Menge Stress in der Gesellschaft. Was sich allerdings schon seit dem Frühjahr 20115 abzeichnet ist, dass die Ideologie als gesellschaftliche Instanz wieder da ist.

Bevor es darum geht, was das nun genau bedeutet, vielleicht erstmal die Bestandsaufnahme. Im Laufe der 2000er Jahre hat sich in der deutschen Politik die Angst vor normativ begründeten politischen Entscheidungen breit gemacht. Der letzte Politiker, der ernsthaft eine solche getroffen hat, ist Gerhard Schröder gewesen. Und dieser wurde dafür bestraft. Nun ist man im Nachhinein immer schlauer und weiß nun, dass der Umbau des Sozialsstaates vielleicht eine blöde Idee war. Doch seit Schröder wird eben keine ideologische Politik betrieben aus der Angst, dass alles außer Reflex und Verwaltung dazu führt, dass man die Zustimmung des Volkes verliert. Wer nicht auffällt, hat nichts zu verlieren. Angela Merkel hat das perfektioniert. Doch nun ändern sich die Umstände.

Die neuen Probleme, vor denen Europa und mit ihm auch Deutschland steht, angefangen bei der Wirtschafts- und Finanzkrise, über die Flüchtlinge, die Auseinandersetzungen mit Russland und jetzt die Diskussionen über sexuelle Gewalt, sie können alle nicht wegverwaltet werden. Diese Probleme brauchen eine inhaltliche Positionierung. Und während das bei der Finanzkrise mit knallharter Austerität noch ging, wurde 2015 klar, dass man sich bei vielen anderen Themen positionieren muss. Das ist aber etwas, das die großen Volksparteien scheuen, immerhin hängt Machterhalt davon ab, von möglichst vielen Leuten als positiv wahrgenommen zu werden. Doch dieses Spiel ist langsam ausgespielt. Der Aufstieg von PEGIDA und der AfD, aber auch die immer stärkere Präsenz linker Diskurse zeigt, dass Ideologie wieder da ist.

Das bedeutet für die etablierte Politik 2016 natürlich auch, dass sie sich entscheiden muss: entweder es gibt wieder klare ideologische Aussagen wie die CDU das mit Merkel (bürgerliche Mitte), de Maiziere und Seehofer (rechts) angefangen hat und Politik, die darauf zurückzuführen ist, und nicht nur Theaterspielerei oder die Leute mit den klaren ideologischen Aussagen, wie die AfD oder auch die Linke werden hier gewinnen. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Vertreter der „Mitte“ verhalten. Diese Mitte wird auf jeden Fall kleiner und kleiner, je weniger Richtung sie von der etablierten Politik sieht und das bedeutet am Ende, dass sie denjenigen in die Arme läuft, die keiner an der Macht haben wollte.

[32c3] Retrospektive

So, nun ist er vorbei, der 32c3. Es waren sehr angenehme Tage in Hamburg. Hier kommt dann mal die Rückschau.

Ich habe es netto in zwei Talks geschafft. Zum einen den sehr empfehlenswerten über Floskeln in der politischen Sprache von Kai Biermann und Martin Haase und zum anderen in den über Landesverrat von Markus Beckedahl. Ansonsten werde ich, genauso wie wahrscheinlich viele von euch, den Congress in Ruhe nachsehen.

Ich habe viel Zeit im Sendezentrum verbracht und dabei die ganzen Podcaster kennen gelernt. Dazu auch neue Kontakte geknüpft aus denen vielleicht in Zukunft neue Projekte erwachsen werden.

Etwas erstaunlich war, dass ich irgendwie bekannt bin für den Podcast, den ich da mit Holger mache. Also, ich bin in der Congresswelt C-Promi. Das ist befremdlich, aber wirkt bisher nicht bedrohlich. Ich freue mich, dass diese Sendung so vielen Leuten was bringt.

Alles in allem habe ich das Gefühl, dass ich sehr viel, aber irgendwie noch nicht in der Tiefe mit vielen Leuten geredet habe. Ich denke, dass ich „noch nicht ganz angekommen“ bin. Ist aber nicht schlimm… kommt.

So… das war der 32c3. Jedenfalls der Teil, über den ich reden werde… 

[32c3] Tag 2

Tag zwei war ansonsten geprägt von viel Podcast live sehen, etwas spazieren gehen und guten Unterhaltungen mit den Leuten, die ich hier schon so getroffen habe. Etwas eigenartig ist es, dass ich im Bereich der Podcaster eine sehr (!) leicht Berühmtheit geniesse, die daher kommt, dass ich bei Holger Dauergast bin. Es kamen schon viele Leute und haben sich dafür bedankt, dass wir diese Sendung machen. Das ist irgendwie eigenartig.

Dazu hatte ich die Freude ein paar andere Podcaster zu treffen. Allein die Unterhaltungen waren es schon mal wert. Dazu kommen jede Menge andere Leute, die da irgendwie im Umfeld und spannende Menschen sind.

All is well…

[32c3] Unter dem Headset hört dich keiner sterben…

Ich hatte meinen ersten Einsatz als Translation Engel und als Engel an sich. Als Engel saß ich vor einem Ausgang, den es zu bewachen galt.

Als Übersetzer muss ich echt sagen, dass ich da an meine Grenzen gekommen bin. Ich hatte mich etwas blauäugig für den Talk über Hannah Ahrendt und Privatsphäre entschieden. Der war an sich schon harte Kost, aber die Fragen haben mich dann echt zerlegt. Wenn jemand kontextfrei über Foucault daherbrabbelt, dann bin jedenfalls ich mit meinem Latein am Ende.

Es war eine gute Erfahrung, und beim zweiten Mal wird es besser… wenn ich mich entscheide das nochmal zu versuchen…

Das Pfeifen im Walde

Hey, wart ihr schonmal im Dunkeln allein im Wald unterwegs? Schauriger Ort, oder? Die Dunkelheit sorgt dafür, dass man sich alles mögliche im Gestrüpp einbilden kann. Da hilft es nur sich selbst Mut zu machen. Also pfeift man verzweifelt ein fröhliches Liedchen, damit man den Wolf im Dunkeln verjagt oder besser glaubt, dass er sich dadurch verjagen lässt. Deswegen pfeift man, wenn man allein im dunklen Wald ist.

Ist man zu zweit erzählt man sich gegenseitig, wie wenig Angst man zu haben braucht. Aber das ersetzt auch nur das Pfeifen. Der Wald ist immer noch dunkel und der Wolf ist immer noch da draußen.

Wir leben in Zeiten, die immer dunkler werden. Die Menschheit wußte noch nie so sehr bescheid über die Welt wie heute. Wir waren noch nie so informiert, aber das führt nur dazu, dass wir noch mehr Angst vor dem Dunkeln haben und immer besser wissen, wie der Wolf aussieht: Klimawandel, Neoliberalismus, sozialer Abstieg, Krieg oder extremistische Vollpfosten mit Sprengstoffgürteln.
Deswegen wird immer lauter gepfiffen. Sei es das Schreien der Flachnasen auf irgendwelchen Demos, die Durchhaltereden der Regierung oder aber das monotone Mantra des Politikfernsehens, das uns einlullt, das alles ist nur das Pfeifen im Walde, während der Wolf näher kommt. Wenn man sich ansieht, wie hier alle immer nur ironisch sind, während sie sich mit Hedonismus betäuben, sich über die Dummheit der anderen aufregen ohne selbst etwas dagegen zu tun, oder betroffen eine sinnlos Geschichte nach der anderen aufschreiben, weil sie selbst nur noch etwas spüren, wenn sie betroffen sind, dann weiß man, wie laut das Pfeifen ist. Und man merkt, dass keiner eine Lösung zu haben scheint, geschweige denn über eine nachdenken will. Schließlich sind sie alle zu sehr mit Pfeifen beschäftigt. Das Dunkel scheint immer manifester zu werden und der Wolf ist schon nahe, also muss man lauter pfeifen, oder?

Oder?

Oder wie wäre es, wenn man mal die Strategie wechselt? Der Wolf hat Angst vorm Licht, also zünden wir in der Dunkelheit ein Licht an. Dann kann man zum einen den Weg viel besser sehen, und zum anderen finden einen vielleicht auch andere verlorene Menschen. Die müssen dann auch nicht mehr durch die Dunkelheit irren und gemeinsam sind dann alle eine schwerere Beute für den Wolf.
Aber wo kommt jetzt dieses Licht her? Darauf gibt es viele Antworten, aber die schönste kommt für mich von Aristoteles. Dieser sagte, dass jeder von uns ein „telos“ hat, ein Ziel, und wenn wir dieses erfüllen, dann tun wir das beste für uns und die Welt. Unser telos ist das nach dem wir streben und in uns angelegt, hat aber auch etwas mit unseren Talenten zu tun. Man sollte das tun, was einem zukommt und nicht versuchen etwas anderes zu tun, denn dann erfüllt man nicht sein Ziel in der Welt. Wenn wir alle das tun, was wir gut können, dann machen wir die Welt besser. Das geschieht durch alles mögliche: gute Kunst, schöne Fotos, tolle Musik, schöne Podcasts, inspirierender Unterricht, tolle Gute-Nacht Geschichten, gut gebaute moderne Autos, geile Astrophysik, leckeres gutes Brot.
Alles das ist besser als im Wald zu pfeifen. Wenn man durch das, was man tut ein Licht anzündet, anstatt sich selbst einzureden, dass da draußen im Dunkeln der Wolf verschwindet, weil man möglichst viel Lärm macht, dann wird der ganze Wald weniger bedrohlich.

Tell me your story.

Ich mag es durch die Gegend zu laufen und mich aktiv umzusehen. Aktives Umsehen bringt einem nicht nur die eine oder andere Fotoidee und damit etwas für eines meiner Dauerprojekte, sondern auch Impulse zum nachdenken. Eines davon kommt von Menschen, die man so auf der Strasse sieht. Und das können alle möglichen Leute sein: von jungen Müttern, die mit abgehetzt an der Kasse des Supermarkts stehen und mit einem quengelnden Kind über alte Damen in Pelzmänteln, denen das Kleingeld für die Butter fehlt, bis zum genervten Busfahrer, bei allen frage ich mich regelmäßig, was ihre Geschichte ist.

Und eigentlich wäre es ziemlich einfach, sich Zeit zu nehmen und mit diesen Menschen zu reden. Einfach mal hinstellen und interessiert und respektvoll nachfragen. Seine Geschichte zu teilen, macht viele Menschen glücklich, denn sie fühlen sich wertgeschätzt. Doch dafür hat man wenig Zeit. Ich mache das öfter bei meinen Schülern, dass ich mir von denen erzählen lasse, wie ihr Leben so ist. Doch mit Leuten auf der Strasse klappt das nur selten und wenn dann ist mir nicht wichtig, die Geschichte zu personalisieren. Die Geschichte ist wichtig erzählt zu werden, aber wir brauchen nicht die Person für die Geschichte.

Denn die Person ist den Lesern doch eh scheißegal. Sie steht für uns selbst, damit wir uns etwas begreiflich machen können, das uns total fremd ist. Also brauchen wir doch nicht Person, die die Geschichte erlebt hat, da hinzustellen. Die Geschichte spricht für sich und wir sprechen aus der Reaktion auf die Geschichte. Es ist sogar fragwürdig, ob es wirklich ethisch vertretbar ist, immer die Person hervorzuzerren, die eine meist eher bedrückende Geschichte erlebt hat. Vor allem, damit man dann das Thema am Ende eh verallgemeinert und damit klar macht, dass es jeden betreffen kann und bevorzugt etwas ist, worüber man „schon immer mal schreiben wollte“.

Dabei bleibt am Ende die Person und ihre Geschichte auf der Strecke. Aus einem Menschen, der an sich interessant ist mit seiner Geschichte, wurde ein Abziehbild gemacht. Deswegen sind die Geschichten wichtig, aber nicht, wer sie erzählt. Denn die Geschichte lässt uns etwas fremdes erfahren, aber nur wenn sie für sich steht und nicht Mittel für eine Geschichte wird, die jemand anders erzählen wollte.

Warum muss ich das eigentlich machen? – Ein Rant

Wir Lehrkräfte gelten ja eher als die Buhmänner in Bildung und Erziehung und das nicht ganz zu unrecht. Da gibt es zum einen ausbildungsbedingte Mängel, wie fehlende pädagogische oder fachliche  Eignung, soziale Probleme, wie fehlende menschliche Eignung, und die Tatsache, dass wir ein kaltes, blindes und verknöchertes System vertreten, in dem politische Symbole wichtiger sind als pragmatische Entscheidungen. Doch ganz ehrlich, diese Rolle haben wir Lehrer so langsam abgegeben.

Warum?

Deswegen: ((Alle Geschichten haben einen realen Hintergrund, sind aber polemisiert, weil mir dieser ganze Scheiß aufn Sack geht!))

Fangen wir an mit den lieben Eltern an. Anscheinend ist der Leistungsdruck der elterlichen Peergroup so groß, dass Kinder heutzutage Angst haben müssen nach Hause zu kommen. Immerhin gibt es so Eltern, die ihr Kind schonmal mit Hausarrest bedrohen, wenn es mit einer Note schlechter als 3 nach Hause kommt.

Es kann aber auch sein, dass sie denken, dass die 40-Stunden Woche auch führ 12-Jährige gilt. Weswegen diese dann noch eine Stunde Vokabeln abschreiben müssen. Also nachdem sie bis um 16 Uhr Unterricht hatten und dann noch anderthalb Stunden im Bus aufs platte Land unterwegs waren.

Oder aber die Eltern, die am Elternsprechtag Lehrkräfte unter Druck setzen wollen, weil sie meinen, dass man „schlechte Noten“ nur vergibt, weil man das Kind nicht leiden kann, und die das selbe Kind am Vormittag vor der Knie-OP in die Schule schicken, weil „wer stehen kann, kann auch arbeiten“. Also da weiß ich ja gar nicht, wer das Kind mehr nicht leiden kann. Allen ist, gemeinsam, dass ich nicht weiß, was die alle nehmen, aber die aktuelle Dosis ist nicht gut.

Doch auch erwachsene Schüler zeigen mittlerweile ein besorgniserregendes Verhalten. Die Leistungsrhetorik ist mittlerweile so weit, dass Nervenzusammenbrüche vor Lehrkräften normal geworden sind. Irgendwann sitzt immer wieder jemand weinend vor einem, weil die hohen Ziele, die man sich sinnloserweise und in absoluter Abwesenheit eigener Selbsteinschätzung gesteckt hat, jetzt „in Gefahr“ sind.

Eine weitere Spielart davon sind die jungen Menschen, die total verschnupft oder gar mit schlimmeren, meist epidemiologisch bedenklicheren, Krankheiten in die Schule kommen, weil sie ja dringend alles mitkriegen müssen und von den drei Tagen verpassten sofort das Schuljahr oder die Probezeit nicht bestehen. Dass sie dabei irgendwie die halbe Schule anstecken und selbst nichts in die zugestopfte Birne kriegen. ist dabei auch egal.

Ganz der Gegensatz sind dann die Schüler, an die man als Lehrer die ganze Zeit selbst glauben muss, weil selbst nach positiven Ergebnissen nicht an die eigene Leistungsfähigkeit glauben. Wo die Lehrkraft mit den Arbeiten der Schüler diese selbst davon überzeugen muss, dass sie nicht komplett nutzlos sind.

Das kann dann soweit gehen, dass Menschen solche Prüfungsangst haben, dass nur noch der Schulpsychologe hilft und sie regelmäßig in Schweißattacken und nervöses Zittern ausbrechen.

Und jetzt mal echt die Frage: Bei dem Bild, das die Gesellschaft von uns Lehrern hat, warum müssen wir uns darum kümmern? Warum muss ich Leute nach Hause schicken? Warum muss ich Kinder vor ihren Eltern beschützen? Warum muss ich zerstörte Persönlichkeiten flicken?

Als Lehrer macht man das alles. Regelmäßig. Dabei muss man Gesetze beugen, Regeln brechen und ist doch eigentlich die Person, die hier die kältere Rolle spielen soll.

Wie kaputt ist eigentlich diese Gesellschaft, dass diejenigen, die traditionell immer für Härte standen, die eigentlich keine Spezialausbildung für Pädagogik habe, die mit Gesetzen und Regeln eingewickelt sind, die an Beknackheit kaum zu überbieten sind, die sich jeden Tag um mehrere hundert junge Menschen kümmern müssen. Dass diese Personen heute die sind, die für viele der jungen Menschen die Welt retten müssen?

Kurioses Bamberg – Die Luther Marter

Auf dem Weg zum Supermarkt laufe ich schon seit mehreren Jahren an einer Stele vorbei, die mir wenig sagte, außer dass sie irgendwas Katholisches ist. Letztens kam ich an ihr vorbei, da stand ein älterer Herr und malte an den Bildern in der Säule herum. Diese Gelegenheit nutzte ich um mal dumm zu fragen, was das eigentlich ist. Und weil Wissen weitergeben Spaß macht, erfahrt ihr jetzt etwas über die Luther Marter.

Also, die Säule sieht so aus:

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Sie steht am Rand der Waizenburger Straße in Bamberg. Sie wurde im Jahre 1551 aufgestellt nachdem die Häcker, die Bamberger Gärtner, den Reformator Martin Luther nicht ihre herrliche katholische Stadt gelassen haben. Luther zog dann weiter Richtung Würzburg und man stellt diese Stele auf.

Die Stele hat drei Heiligenbilder. Auf der Frontseite, die der Straße zugewandt ist findet sich der heilige Hubertus.

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Sein Anspruch hat er unter anderem, weil er einen Hirsch mit einem Kreuz zwischen dem Geweih nicht erlegt hat. Die passende Szene ist auf der Stele zu sehen. Auf der rechten Seite findet sich der heilige Urban.

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Urbanus soll ein Gehilfe von Petrus gewesen sein und später Bischof in Makedonien geworden sein. Nach ihm ist auch die Filialkirche in nahen Wohngebiet benannt.

Auf der linken Seite der Stele ist der heilige Jakobus abgebildet.

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Man kann ihn unter anderem an der Muschel erkennen. Dies zeigt, dass die Straße, an der die Stele steht, Teil des Jakobswegs ist, dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela.

Der ältere Herr, den ich beim Ausbessern der Bilder traf war tatsächlich der Maler und kehrt hin und wieder zu ihnen zurück um Witterungsschäden auszubessern. Er hat die Bilder vor ungefähr zehn Jahren gemalt.