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korrigierender Nachtrag zu der Sache mit dem protestierenden Schüler

In meinem letzten Post habe ich mich ja diesem Vorfall gewidmet, der es mittlerweile auch auf die taz geschafft hat. Dazu habe ich noch einige korrigierende Bemerkungen zu machen. Zum einen sollte man sich folgenden Artikel der Lokalpresse durchlesen. Dieser Artikel bestätigt einige Vermutungen, die mir auch durch Quellen zugetragen worden, die an der Schule direkt anwesend sind.

Schulrechtliches

Also, das mit Art.84 BayEUG ist ein Grund, dass ich Schüler von der Schule schmeißen würde. Ich bin da überhaupt nicht kompromissbereit. Dass Lehrer sich nicht von dem Schüler überwältigen lassen sollten ist okay, wenn er Schüler überwältigt und mit seiner aus meiner Sicht verschrobenen Meinung überwältigen und beeinflussen will, kracht es. Gewaltig.

Hinzu kommt, dass der Schüler hier tatsächlich seien Pflichten verletzt hat. In diesem Alter darf er das Schulgelände nicht verlassen, auch nicht, wenn er krank geschrieben ist. Entweder er ist da oder nicht. Das bedeutet also, dass ein Verweis durch den Direktor allein dafür schon gerechtfertigt ist. Lehrerverweise gelten hierfür als zu schwach.

Der Lärm, der da in den linken Medien gemacht wurde, ist also leicht unbegründet. Allerdings kann man, gerade als bayerische, Schule nur verlieren. Der Beißreflex gegenüber ungerechten Lehrern und fiesen Kultusministerien ist so stark, dass sich die meisten der Beißenden nicht mit Schulrecht auseinandersetzen und Schulen eigentlich nur verlieren können. Das Schulrecht ist im übrigen nicht im geringsten schülerfeindlich, obwohl man es durchaus so einsetzen kann. Und auch das ist hier wirklich nicht passiert. Man hätte den Schüler auch rauswerfen und ihm damit eine komplette Bildungslaufbahn  berauben können. ((Die Wirtschaftsschule gehört zum Berufsschulwesen und bietet einen mittleren Schulabschluss, der einem die letzte realistische Möglichkeit zum Fachabitur oder Abitur ermöglicht.)) Das wollte man explizit vermeiden.

Politisches

Im Zentrum der ganzen Sache stehen für mich zwei Probleme:

  1. Wie soll man mit politisch radikalen Schülern umgehen?
  2. Wie soll man mit dem Wunsch von Polizei und Bundeswehr umgehen bei Berufswahlveranstaltungen als „Arbeitgeber“ aufzutreten?

Die erste Frage hatte ich schon angeschnitten: mit Dialog. Wir haben aber weniger Möglichkeiten auf solche Leute einzuwirken als man denkt. Dazu steigt die Menge an jungen Menschen, die eigentlich gar nicht mehr von ihren verworrenen Pfaden abzulenken sind. Das hier wäre nicht der erste verbrämte links-radikale Schnullermarxist, der Feinde an einer Stelle sieht, an der es keine gibt. Diese Weltsicht in der man nur von Feinden umgeben ist, ist auch in anderen Aktivismusformen verbreitet und immer dazu führt, dass diese Ideologien nicht mehr ernstzunehmen sind. Schule muss diese Leute aber ernst nehmen. Sie ist verpflichtet diese Menschen noch nicht aufzugeben, auch wenn man die Energie nicht verschwenden sollte. Trotzdem gibt es hier Grenzen und die werden in den harten Regeln des Schulrechts erreicht.

Die Bundeswehr und Polizei gelten heute als sehr nachgefragte Berufszweige. Die Unsicherheit, die junge Menschen heutzutage spüren, die Angst die eigene Existenz nicht sichern zu können treibt sie zum Beamtentum als letztem sicheren Platz und die Polizei und Bundeswehr nutzen das. Die Polizei weitaus weniger als die Bundeswehr, deren Bedarf an Soldaten nach dem Wegfall der Wehrpflicht immer schlechter gedeckt werden kann. Im CRE zur Bundeswehr wird schon mit Recht darauf hingewiesen, dass die Werbungsstrategie der Bundeswehr mit Jobchancen und guter Ausbildung irreführend ist für ein Militär. Man bekommt diese Ausbildung, aber im Wüstensand oder irgendwo im Wald und bevor man Ingenieur ist lernt man erst einmal Menschen erschießen, weil dafür haben wir ein Militär. ((Oder zumindest die Reste davon…)) Die Werbung der Bundeswehr ist somit unlauter.

Dazu widerspricht aus meiner persönlichen Sicht der Auftrag an mich den Aufträgen der Bundeswehr und der Polizei. Es ist nicht mein Job gute Soldaten und Polizisten zu bilden sondern mündige Menschen, die selbst entscheiden können, was sie möchten und wo sie in dieser Welt stehen. Wenn sie sich dann aus freiem Willen für einen Dienst in diesen Organisationen entscheiden, dann sei dem so, aber lasse nicht zu, dass diese Organisationen als Arbeitgeber auftreten, dabei sind sie eben keine normalen Arbeitgeber.

Kommentar zu „Schule gibt Verweis für Bundeswehrablehnung“

Twitter spülte mir heute eine mittlerweile depublizierte Meldung der jungen Welt in den Stream. Hierbei geht es um einen jungen Mann, der an einer bayerischen Wirtschaftsschule ein eher ungewöhnliches Erlebnis hatte, nachdem er sich kritisch gegenüber der Bundeswehr positionierte.

Hinweis: Ich schreibe hier das nieder, woran ich mich noch aus dem Artikel erinnern kann. Korrekturen zu Details sind erwünscht, sie machen einen Unterschied in der Bewertung aus.

Ich setze mich erst einmal mit der schulrechtlichen Seite auseinander, bevor ich etwas zum Konflikt sage, der da ausgefochten wird und wie man damit aus meiner Sicht umgehen sollte.

Schulrechtliches

Der 17-jährige Schüler gab an, dass er als Mitglied der Organisation VVN-BdA während der Berufsbildungstage der Schule einen von dieser Organisation betreuten Infostand gegen die da auch anwesende Bundeswehr mitorganisiert und in der Pause besucht hat. Als er dann wieder auf das Schulgelände wollte, wurde er von den drei Hausmeistern des Schulzentrums ((Es sind eigentlich zwei Schulen in einem Haus…)) aufgehalten und verdächtigt, Sticker mit politischen Inhalten geholt zu haben um diese im Schulhaus anzubringen. Sie wollten ihn und seinen Rucksack durchsuchen und nachdem er das verweigerte wurde die Polizei geholt, die allerdings keinen Grund sah aktiv zu werden.

Hierzu sind erst einmal mehrere Sachen zu sagen. Die grundlegende Frage ist, ob der Schüler überhaupt das Schulgelände hätte verlassen dürfen. Dies ist nämlich minderjährigen Schülern nicht immer erlaubt. Die Regelung trifft aber die Schule. Die Durchsuchung ist allerdings auch widerrechtlich, denn dazu haben Hausmeister natürlich keine Befugnis. Nicht einmal Schuldirektoren haben das so ohne weiteres. Allerdings haben beide Hausrecht in der Schule und können somit den Schüler vor die Tür setzen. Das Anbringen und Verteilen von politischer Propaganda in Schulen ist tatsächlich strafbar, genauso wie es Sachbeschädigung an sich auch ist. Dem sollte man sich fügen, sonst begeht man Hausfriedensbruch.

Der Schüler wurde dann am nächsten Tag ins Direktorat gebeten und bekam erklärt, dass sich die Lehrer von ihm in „Diskussionen überwältigt fühlten“ und er deswegen einen verschärften Verweis erhält und gefälligst nicht mehr solche linken Ideen verbreiten soll. Der Verweis sei wie eine Androhung der Schulentlassung zu werten und er kommt nur deshalb nicht vor den Disziplinarausschuss weil seine Mutter auch schon da Schülerin war. Der Schüler wurde im Laufe dieser Unterhaltung vom Direktor wie auch den Hausmeistern noch einmal unter Druck gesetzt.

Also, da sind ein paar schöne Sachen drin. Denn was die Schule da macht ist ein alter Trick, aber leider schön justiziabel. Also, ein verschärfter Verweis ist eine Ordnungsmaßnahme und eigentlich Verweis, den der Direktor unterschreibt. Er ist aber mitnichten eine Androhung der Schulentlassung. Diese kann nämlich Laut Art. 86 BayEUG nur die Lehrerkonferenz aussprechen und diese ist erst nach einer Ankündigung mit Wochenfrist entscheidungsfähig und wird meist zuvor durch den Disziplinarausschuss vertreten, beide sind hier nicht eingeschritten. Der Schüler wird also mit Chimären bedroht. Ordnungsmaßnahmen wie Verweise bauen auch nicht aufeinander auf, also ist der Verweis einfach nur ein Zettel, den der Direktor unterschrieben hat. Aber man kann es ja mal probieren. Der Schüler berichtete, dass auch die Noten in Sport eingebrochen seien. Das ist scheißegal, die sind nicht relevant für irgendetwas auch nicht sein Bewerbungszeugnis. Spannend ist übrigens auch, was auf dem Verweis als Begründung stand. Schülern steht zwar Meinungsfreiheit (Art. 56 BayEUG) zu, allerdings nicht, wenn sie als politische Werbung gesehen werden kann (Art.85 BayEUG). Ich denke nicht, dass es bei dem Verhalten des Schülers um letzteres gehandelt haben kann. Es wirkt eher so, als wollte man einen Störenfried loswerden und bedrängen.

Der Schüler berichtete dann noch, dass auch die Klassenleiterin ihm Redeverbot erteilt hätte im Unterricht wie in den Pausen, weil er seine Schüler argumentativ überwältige und indoktriniere.

Generell halte ich es für ein Armutszeugnis, wenn Lehrer Angst haben von Schülern argumentativ überwältigt zu werden. Falls es einem dennoch passiert hat man genug Autorität des Amtes um den Schüler doch niederzuknüppeln. Aber ehrlich: man sollte in der Lage sein, einem kleinen Linken die Butter vom Brot zu nehmen. Bei anderen Schülern sieht das etwas anders aus. Dort sollte die Schule im Zweifel schützend eingreifen, aber das geht wohl am besten in dem man das Problem im Unterricht thematisiert und nicht in dem man Zettel ausstellt.

Der politische Konflikt

Und da sind wir auch bei der letzten Teil. Der Konflikt, der hier dahinter steht, ist auch eine Betrachtung wert. Da gibt es auf der einen Seite eine Bundeswehr, die um Soldaten werben muss und das schon seit Jahr und Tag mit dem Verbrechen hochwertiger Berufsausbildung und dem gleichzeitigen Verschweigen der Tatsache macht, dass man bei dieser erschossen werden kann und Leute erschießt. Auf der anderen Seite gibt es eine Gruppe von Menschen im politisch linken Spektrum, die die Bundeswehr als eines der größten Übel der Welt sehen, weil Armeen schießen und sind böse. In diesem Bereich gibt es auch viele junge Menschen, die sich mit linker Ideologie vollpumpen und pseudophilosophische Parolen daherquatschen ohne den Überbau ihrer Philosophie tatsächlich zu kennen und erfasst zu haben. Diese Schüler kenne ich auch, sie rennen meist in ein scharfes Messer, wenn sie das erste Mal versuchen mit mir über Sachen zu diskutieren, die sie eigentlich nicht verstehen, sondern nur auswendig gelernt haben. Diese jungen Leute sind auch Fans von Aktionismus und ihre verschrobene Weltsicht muss man auffangen und im Diskurs zum Denken anregen. Das Mundtotmachen von Menschen mit radikaleren Ansichten ist kontraproduktiv. Diese fühlen sich schon unterdrückt, da hilft es nicht, wenn man das bestätigt, schon gar nicht, wenn man sich nicht einmal grenzwertig an das geltende Recht dabei hält.

Blogstöckchen

Jetzt kriege ich schon Kettenbriefe… dieser ist von moepern und weil ich gerade Zeit habe und noch etwas verprokrastinieren will, mache ich das gleich.

Wie lang waren deine Haare, als du 17 warst?

Ca. 16 mm… Jedenfalls hatte ich sie mir damals immer auf die Länge schneiden lassen. Es gibt da ein furchtbares Führerscheinfoto von, das ich immer gern zeige, da ich heutzutage eher so um 30cm+ Haarlänge habe.

Wann (Alter) und warum hast du dich entschieden, das zu studieren, was du studiert hast?

Das fragt mich ansonsten immer keiner. Ich bin mit 18, wie damals noch üblich zum Zivildienst gegangen und hatte vorher keine richtige Idee, was es werden soll. Während des Zivildienstes habe ich dann festgestellt, dass ich anscheinend an jeden Patienten irgendwann herangekommen bin. Selbst an den, der mich locker ein-zwei Monate total scheiße fand. Deswegen habe ich mich entschlossen Lehramt zu studieren und es ist erstaunlich, aber ich schaffe es heute noch an Leute ranzukommen, bei denen der Rest eher mit den Schultern zuckt. Ich hatte damals auch Schulpsychologie auf dem Zettel und bin sehr froh das nicht studiert zu haben. Ich denke nicht, dass ich diesen Job lange hätte machen können.

Bist du Arbeiterkind, Akademikerkind, Mixed oder was anderes?

Ich bin das, was man ein Arbeiterkind nennen kann. Da ich aus dem Osten dieses schönen Landes komme, war ich also Mitten im Durchschnitt.

Hat das Auswirkungen auf dein Benehmen anderen gegenüber oder bist du “Habituschamäleon”?

Ja hat es, aber mehr in der Art, dass ich mich in meinem eigenen Habitus unwohl fühle, obwohl ich ihn eigentlich gut ausfülle. Dazu ist dieser Lehrerhabitus sehr eng, wenn man ihn ernst nimmt. Ich habe eher ein Problem damit, dass ich bestimmte Sachen tun kann und sie nicht tue, obwohl ich wahlweise das Recht oder den Anspruch dazu habe. Ich fühle immer, dass das nicht gerecht ist, obwohl ich einen Vorteil davon hab.

Republica oder CCC? Oder beides? Oder keines?

Definitiv der Chaos Communication Congress. Die re:publica liegt nicht nur zeitlich absolut unmöglich für mich, sie ist auch zu hipsterig, damit ich mich da wohlfühle. Der C3 wiederum ist eher mein Ding. Mein Hackerspace fährt schon seit Jahren hin und vielleicht(!) werde ich dieses Jahr auch da sein.

Kurzreisen: Berlin – Kieze und Schnellzüge

ICE 1511

Ich sitze auf dem Heimweg im ICE Richtung München. Mir gegenüber sitzt ein junger Mann, der definitiv jünger als ich aussieht und mich gleichzeitig mehrfach despektierlich gemustert hat. Er sieht aus, als wäre das einzige, was er auf seinem Rechner macht, Wagner hören, während er Spreadsheets ausfüllt. ((In Wirklichkeit zockt er übrigens Strategiespiele…)) Nun gut ich sehe immer noch aus wie ein Greenpeaceaktivist, der nach dem letzten Einsatz auf hoher See noch nicht zum Duschen gekommen ist. Vielleicht kann den jungen Mann ja in ein Spiel römische Mühle verwickeln. Er sieht aber irgendwie unhappy aus…

Ich habe mir übrigens auf dem Bahnhof Rolf Dobellis Die Kunst des klaren Denkens gekauft und schon sehr genossen.

Ku-Damm

Gestern war ich total random unterwegs und fing aus Schulbewusstsein gegenüber dem westlichen Teil der Stadt am Ku-Damm an. Der Apple Store ist sehr apple-ig ansonsten hatte ich kein Konsumbedürfnis und fand das alles nur genauso befremdlich, wie die Oxford Street in London.

Kreuzberg – Markthalle Neun

Auf Holgis Empfehlung hin machte ich mich dann auf nach Kreuzberg in die Markthalle Neun. Kreuzberg ist etwas industrieller als Neukölln, aber genauso liebenswert in seiner Kiezigkeit. Man merkt an der Auswahl der Geschäfte, dass der Stadtteil hipper ist als Neukölln, aber das war es auch. Die ungefähre Stunde, die ich dort durch die Strassen wanderte zeigte auf der einen Seite viel Armut, aber auch einen gewissen jugendlichen Trotz mit dem sich Geschäfte und Menschen gegen diese stellen. Es scheint fast so, als wäre es prekärer als Neukölln, das eher bürgerlicher wirkt. Wohlgemerkt bin ich kein Berliner Sozialforscher oder -politiker und kann das eigentlich nur aus dem Gefühl heraus sagen. Ich würde in beiden Gebieten gerne leben, viel lieber als den Trabantenstädten von Mitte oder in der verzweifelten Elite des Prenzlauer Bergs.

Markthalle Neun

Irgendwann hatte ich die Markhalle Neun gefunden. Ein großer Backsteinbau, der mich wünschen lässt, dass es solche Industrie- und Handelsdenkmäler auch in meiner Nähe gäbe. Natürlich braucht Bamberg das nicht, aber es rührt schon romantisch an mir. In der Halle gibt es neben einem Aldi und einem Kik jede Menge alternativ aussehender Streetfoodstände. Mir wurde das Pulled Pork empfohlen und diese Empfehlung gebe ich jetzt komplett weiter. Von der selbstgemachten Limonade bis zum Essen selbst, war es eine äußerst leckere und puristische Erfahrung. Das Fleisch war unheimlich zart, die Saucen erstaunlich lecker und alles wirkte sehr naturbelassen aber im Einklang miteinander. Auch die anderen Stände, vom italienischen Brot bis zur Kantine, die jeden Tag für die Besucher der Halle kocht, sahen sehr gut aus, wenn ich selbst auch leider kein Hunger mehr hatte.

Pilled Pork und Beef Brisket Plate

Kurzreisen: Berlin – Ausblicke und Einblicke

Der Tag fing mit der Erkenntnis an, dass ich mir irgendetwas geholt habe, das sich in meinem Hals festgesetzt hat. Hoffentlich wird das nicht schlimmer und stirbt unter dem Haufen Medizin mit dem ich es bewerfe. Andererseits muss ich schon am Samstag wieder arbeiten, was irgendwie durch eine Erkältung vermieden werden könnte.

Fernsehturm

Ich ging dann los und musste mich am Morgen entscheiden, ob ich erst zur Museumsinsel gehe oder auf den Fernsehturm. Der rutschte als Option auf die Liste, weil es schönes klares Wetter war. Und er wurde dann auch gleich das erste Ziel.

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Ich stand dann auch erst einmal fröhlich in einer langen Schlange, konnte aber ein frühes Ticket ergattern und war dann auch relativ schnell oben. In der tiefen Morgensonne war fotografieren nicht ganz so einfach, aber ich habe es dann geschafft nach ordentlichem Rumbearbeiten ein paar Bilder zu bekommen.

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Museumsinsel

In meiner WelcomeCard der BVG war ein Tagesticket für die Museumsinsel enthalten und ich habe wieder gemerkt, dass mir Ausstellungen von alten Objekten wenig sagen, wenn ich keinen Kontext habe und dass Audioguides sehr anstrengend sind. Dazu kam, dass das Museumspersonal irgendwie so wirkte, als würde ich es stören. Ich habe die Nofretete gesehen und einen goldenen Hut und festgestellt, dass mir da alles weniger sagte, als es sollte und vielleicht auch wollte. Ich fand das British Museum irgendwie cooler.

Neukölln – Schillerburger

Es zahlt sich aus, wenn man Leute kennt, die die Stadt kennen. Also fragte ich Holgi, wo man noch so essen gehen sollte und kam seiner ersten Empfehlung Schillerburger nach. Der liegt in Neukölln und ich war das erste Mal in einem Kiez, in dem ich sofort wohnen würde. Weder die Boheme der Innenstadt, noch die emotionslosen Plattenbauten um das Hotel würden mich anziehen. Neukölln wiederum? Sofort.

Der Burger war geil und die Fahrt wert:

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Kurzreisen: Berlin – Bars und Bundestage

Bars

Ich war gestern abend dann noch unterwegs und wurde von kompetentem Personal in sehr gute Läden gebracht. Zum einen das Hanage im Prenzlauer Berg. Hier gibt es Okonomiyaki, also japanische Pfannkuchen aus Kraut, Reis und Ei. Da reicht einem wirklich einer, so gehaltvoll waren die. Der Laden ist nett, klein und immer voll. Dann landeten wir in einer Bar. Ich fühle mich in Bars deplatziert, auch wenn ich schon in welchen war und das auch genossen habe. Da kommt die Underdogmentalität heraus. Die Bar war aber geil. Sowas kriegst du in unserer Provinz so nicht. Vor allem nicht diese absolut geilen Cocktails mit schottischem Rauchwhisky. Ich stehe ja schon so auf diesen, aber wow. Das war gut. Die Unterhaltungen waren auch spannend. Ich werde öfter mal in eine Bar gehen in Bamberg.

Bundestag

Dann ging es los Richtung Ringbahn und Bundestag. Die Tatsache, dass der Hauptbahnhof dieser Stadt für einen Hauptbahnhof beschissen zu erreichen ist, sagt auch irgendetwas. Ich begab mich die Kamera schwingend ins Regierungsviertel und stellte fest, dass es nicht nur erschreckend kalt sondern auch diesig war.

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Am Kanzleramt vorbei ging es dann über das Paul-Löbe Haus zum Reichtstagsgebäude.

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Dort wurde ich vom äußerst freundlichen Besucherdienst des Bundestages empfangen und durfte mir erst einmal die Kuppel ansehen, bevor es zum Plenarsaal und einem Vortrag auf der Besuchertribüne ging. Die Sicherheitsvorkehrungen hier sind erstaunlich, aber verständlich, trotzdem sind die Leute freundlich entspannt und hilfsbereit gewesen. Der Vortrag war gut, informativ und der Plenarsaal wirkt erstaunlich klein.

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Danach entschied ich mich in einem Anfall von Wahnsinn unter den Linden bis zum Alexanderplatz zu laufen. Zum einen, weil das irgendwie so schön touristisch ist, zum anderen weil von dort eine sinnvolle U-Bahn Verbindung für die nächste Etappe existiert. Dafür gibt es jetzt hier das Klischeefoto vom Brandenburger Tor:

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bpb Medienzentrale – Stadtmitte

Die Gegend um die Friedrichstrasse wirkt als erste, als wäre ich in einer alten Großstadt, hohe Gründerzeitgebäude, U-Bahn Eingänge in der Mitte der Strasse und diesen Restaurants, die sagen: „Auch wir möchten etwas London sein.“ Am Ende ist das auch kurzzeitig glaubwürdig, bis man in die U-Bahn Station zurückkehrt. Achja, bpb Medienzentrale ist toll. Das ist für Politiklehrer wie ein Süßigkeitenladen für Kinder. Ich habe Zeug mitgenommen und dann ging es Richtung Computerspielemuseum.

Computerspielemuseum

Ein anderer Ort, der ein Schlaraffenland ist. Leider ist es noch etwas klein, aber mit sehr viel Liebe gestaltet und ich fühlte mich auch echt wohl. Es ist weniger ein Lesemuseum als ein Anschau- und Spielemuseum, was ich ja immer gut finde. Es ist einen Besuch absolut wert. Hier ein Symbolfoto:

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Hotelbar

Irgendwie landete ich dann übermüdet in der Hotelbar und hatte einen eher durchschnittlichen Long Island Ice Tea mit einem Clubsandwich, das jedenfalls ich nicht mit Würde essen konnte. So, und das war es für heute.

Kurzreisen: Berlin – Anreisetag

IC 2300

So, auf geht es nach Berlin. Ich sitz hier in der nahezu leeren ersten Klasse des IC 2300 neben zwei jungen Menschen, die sich mit einer größeren Sammlung digitaler Geräte beschäftigt und tippe in ein überbuntes Macbook Air, nachdem ich folgendes Symbolbild des morgendlichen Zuges geschossen habe. Es hat Filter. Ich habe Auflagen zu erfüllen.

Die Reise bis zum Zug war kalt und viel Warten geprägt, das teilweise auf die Busfahrpläne in Bamberg und teilweise auf meine neurotische Angst vorm Zuspätkommen zu tun hat. Ich weiß nicht was schlimmer ist, aber im Zweifel meine Neurose. Die nächsten Stunden werde ich hier rumsitzen und podcasthörend Tatort Schrebergarten spielen. Einfach nur, damit eine Person am Tisch Sachen tut, die Kinder so tun.

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Berlin Hauptbahnhof

Ich war länger nicht mehr hier, aber wer hat dieses Ding denn bitte gebaut? Es ist komplett symmetrisch und wenn man die TRAM sucht, dann ist die nirgendwo ausgeschildert. Busse, ja. S-Bahn, ja aber fährt nicht. U-Bahn, ja. TRAM? Nö. Warum? ich fand sie dann bei den Bussen und fuhr eine halbe Stunde fröhlich durch ein kaltes Berlin. Dabei kam ich am Ende an nahezu jeder Punkt der östlichen Innenstadt vorbei. Es ist erstaunlich wie viel hässliche DDR Platte hier noch steht. Bei uns™ hat man die schon aufgehübscht oder gleich komplett zurückgebaut. Hier scheint das alles voll belegt und im Zustand von 1990 zu sein. Irgendwie gruselig.

Ich kam dann an meinem Hotel, einem Klotz an der Landberger Allee, an und bin wenigstens davon halbwegs befriedigt. Das W-LAN ist kostenlos ohne Quatsch und langsam, aber nunja, man kann ja nicht alles haben.

Prenzlauer Berg – Hotelumgebung

Das Hotel selbst ist direkt an mehreren größeren Strassen und wird gegenüber auch von diesen zärtlich-kasernenartigen Wohnblöcken umringt, die ich automatisch mit Ostdeutschland in Verbindung bringe, aber von denen ich es nicht genau sagen kann, denn auch der Westen hat in den 70 und 80ern viel verbrochen, das sich dagegen noch als nett ausnimmt. Vielleicht ist es gerade die Modernisierung, die der Osten nach der Wende bekommen hat, die da den Unterschied macht. Das Hotel ist in einem Gebäudekomplex, der Wohnen und Geschäft auf diese möglichst trist-unangenehme Art zu verbinden weiß, die einen jetzt schon auf die Cyberpunkzukunft vorbereitet.

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Ich war dann noch bei einem „mexikanischen Restaurant/Cafe“, in dem ich der einzige Gast war und dessen Speisekartenlänge und Salatdressing es als eines dieser Etablissements ausmacht zu denen man geht, weil man keine Wahl mehr hatte. Nach dem eher rudimentären Burrito hoffe ich, dass das Essen heute abend weitaus besser wird und sich dieses hier entweder früh oder besser gar nicht rächt.

Projektupdate Infinity

So, wir haben mittlerweile genug Terrain und Miniaturen zum Infinity spielen zusammen und ich bin göttlich am Verlieren die meiste Zeit. Damit habe ich nicht wirklich kein Problem, wobei ich leider noch nicht auf einem großen Tisch spielen konnte. Und da sind wir dann auch schon irgendwie beim Thema.

Nachdem es genug Papierterrain gibt, um den Tisch zu füllen, kommt jetzt der Bastelteil. Der Backspace hat glücklicherweise nicht nur einen 3D-Drucker, sondern bietet auch die Möglichkeiten Miniaturen zu bemalen und vielleicht längerfristig auch Spaß mit einem Lasercutter zu haben. Die Bastelseite des Hobbys gewinnt also an Fahrt.

Dann muss ich nur noch anfangen taktisch schlau genug zu sein und zu gewinnen.

Wer ist eigentlich dieses „wir“?

Ich bin etwas durch mahas Vorträge über Sprache vielleicht zu sensibilisiert, aber in einiger Kommunikation, die mir in letzter vor die mentale Flinte kam, fiel mir etwas auf. Einzelne Menschen, die etwas von mir möchten, verwenden das Wörtchen wir, wenn sie eigentlich nur erst einmal als Einzelperson auftreten.

Wir kann, wie man aus mahas Vortrag vom 25c3 erfährt, drei verschiedene Bedeutungen haben:

  • das inklusive wir nimmt den adressierten Menschen mit ein „Wir alle“
  • das exklusive wir nimmt den adressierten Menschen aus „Wir Lehrer“ gegenüber Schülern
  • das extensive wir erweitert die Gruppe ins Unendliche „Wir dürfen nicht zulassen.“

Das erste wir, das mir begegnete war in einer Anfrage, die zwar von einer Einzelperson kam, aber ein paradoxes wir enthielt. Das war einfach zu lösen, denn am Ende steckte da doch eine Gruppe dahinter.

Spannender ist da schon ein persönliches Gespräch, das mir passierte. Da sprach die Person gegenüber dann immer wieder von einem wir, dabei ist weder klar, warum noch für welche Gruppe dieses wir gehen sollte, ging es in dem Gespräch technisch gesehen um einen Gedankenaustausch. Aber dieses wir macht daraus etwas anders. Denn auf einmal spricht da wer für jemand anderes und hält sich vor allem für ein Teil der Gruppe, für die er denkt zu sprechen. Das ist dann schon spannend, weil das erste ist eine Chimäre, wenn das zweite nicht stimmt. Trotzdem war dem so… also kommt hier eine Eigenzuschreibung hervor und so offenbahrt man mehr über sich als man wollte.

Sprache ist schon was tolles…