Projektupdate – Infinity

So, es tut sich mal wieder etwas an der Front der eigenartigen Zinnminiaturenspiele. Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen, jeden Monat 30€ für Miniaturen und sowas zurückzulegen. Dafür habe ich jetzt mal meine Startarmee erweitert.

Ich spiele immer noch die Nomaden, die laut der Hintergrundgeschichte rebellische Außenseiter sind. Sie sind diejenigen, die gerne dagegen sind und der KI, die den Rest der Menschheit kontrolliert, absolut misstrauen. Aus spielerischer Sicht, haben sie sehr gute Medium Infantry, die besten Hacker und sehr spannende Roboteinheiten. Das bedeutet auch, dass man sich sehr gut mit Tricks am Gegner abarbeiten kann, aber es vermeiden sollte rohe Gewalt anzuwenden, da sind irgendwie andere Leute besser.

Die neuen Einheiten zeigen das auch irgendwie, anstatt die großen bösen Kampfroboter, habe ich mir Medium Infantry zugelegt, die den Gegner böse überraschen kann und kleine Kampfroboter, die flexibel einsetzbar sind zusammen mit den spezialisierten Hackern.

Die Miniaturen sehen sehr gut aus, sind allerdings noch nicht bemalt, also führe ich hier lieber mal nichts vor.

Alles in allem, bin ich spielerisch sehr zufrieden und habe langsam ein Gefühl für meine Fraktion und auch die Regelfeinheiten entwickelt.

Normalitätsupdate 04.05.2015

Heute ist der 4. Mai 2015. May the fourth be with you.

Heute:

Rezension: Castle Hangnail

Ich war wohl schon ein Fan von Ursula Vernon, als die meisten Menschen sie nur als Internetphänomen auf Livejournal kannten und wahrscheinlich einer der ersten Kunden in Deutschland. Auch heute noch hängt nur ihre Kunst in meiner Wohnung und war sogar Inspiration für die außergewöhnlich bunte Gestaltung der selbigen. ((Ganz ehrlich, die Menge an Leuten, die ungläubig schauen, wenn ich sage, dass ich in einer kribbelbunten Wohnung wohne, ist Legion. Anscheinend muss du auch schwarz wohnen, wenn du schwarz trägst.))

Nun, Mrs. Vernon hat mit Castle Hangnail ihr erstes Buch für Kinder im Alter von 10-13 Jahren geschrieben. Ich habe es mir aus Impuls bestellt und es sehr genossen. Besser gesagt, ich habe das Buch in circa fünf Stunden verschlungen.

Inhalt

Die Prämisse von Castle Hangnail ist liebevoll verschroben wie vieles, dass Mrs. Vernon so produziert. Die magische Burg Hangnail bekommt von der Verwaltung für Magie eine Deadline gesetzt, entweder einen neuen Burgherren zu bekommen, oder sie wird aufgelassen und alle Lakaien werden entlassen. Die Situation scheint ernst, bis auf einmal eine neue Burgherrin vor der Tür steht. Es ist die zwölfjährige Molly, die sich als böse Hexe (Wicked Witch) für die Burg bewerben will. Das gefällt gerade dem traditionsbewußten Guardian, den Molly erst einmal in Majordomo umbenennt, nicht. Er mutmaßt seit Mollys Erscheinen, dass etwas mit seiner neuen Hausherrin nicht stimmt und lässt sich auch nicht von den mehr oder weniger geplanten Erfüllungen der Aufgaben zur Übernahme der Burg komplett überzeugen. Und das zurecht, Molly ist nämlich gar nicht diejenige, die aufgefordert wurde die Burg zu übernehmen, aber als diese dann erscheint haben die Lakaien, das nahe Dorf und der Leser schon sein Herz an Molly verloren.

Stil

Castle Hangnail ist diese Art von Buch für jüngere Kinder, das etliche schwierige Anforderungen stellt: es soll nicht so blöde und lustig sein, aber leicht, es soll echte Konflikte erhalten, aber nicht zu düster sein und dabei bevorzugt noch irgendwie eine positive Botschaft für die Kinder haben. Das ist erstaunlich schwierig zu machen, doch Mrs. Vernon schafft es. Das liegt unter anderem wohl daran, dass sie einem Prinzip treu bleibt, das man schon bei Digger beobachten konnte. Ihre Charaktere sind glaubhafte Personen und ihre Heldinnen mit Vernunft und Bodenständigkeit ausgestattet. So ist es auch kein Wunder, dass Molly in ihrem Kampf um die Burg so authentisch ist. Dazu findet der wissende Leser alle Sachen, die Ursula selbst toll findet: Gärtnerei, eigenartige Tiere und leichten Gothic Style. Sie wäre selbst eine gute Wicked Witch geworden, wäre sie nicht die Autorin des Buches.

Sprache und Alter

Da das Buch derzeit nur auf Englisch existiert muss ich noch etwas über die Sprache sagen. Wie auch bei ihren Dragonbreath Büchern, ist die Sprache des Buches etwas einfacher, aber keinesfalls auf diese gezwungene Art kindgerecht, die man eigentlich nur als verdummend bezeichnen kann. Das bedeutet auch, dass das Buch für deutsche Kinder in diesem Alter aufgrund der Sprachhürde vielleicht erst einmal nichts ist. ((Wir hoffen auf eine Übersetzung. EINE GUTE!)) Man kann Kinder ab ca. 8 Jahren das Buch problemlos lesen lassen. Ich bin soundso der Meinung, dass düstere Themen für Kinder okay, sind aber Castle Hangnail ist nicht wirklich düster und wird auch die wirklich bösen Protagonisten zeichnen sich primär dadurch aus, dass sie amoralisch sind.

Illustrationen

Ursula Vernon ist auch Künstlerin und Illustratorin, und das zeigt auch Castle Hangnail wieder. Die Illustrationen sind zwar nicht der Mittelpunkt des Buches, aber sie vermitteln an entsprechenden Stellen der Erzählung eine zusätzliche Tiefe. Die Liebe, die hier in die Illustration geht, zeigt sich auch im Text und macht das Buch wirklich zu einem Erlebnis.

Fazit

Das Buch bekommt von mir eine vollkommene Empfehlung. Ich habe mich seit langem nicht mehr so amüsiert und mit Charakteren identifiziert wie in diesem Buch. Ich werde überlegen es meinen Schülern als Buch zur Lektüre zu empfehlen.

Die Merkel-Technik (oder: wie ich das Bild der eigenen Partei stärke.)

Ich habe ja letztens darüber geredet, dass Heiko Maas wahrscheinlich weniger Prügel für die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung verdient, als er bekommt. Im damaligen Text habe ich schon etwas angedeutet, dass ich hier noch etwas ausführen will.

Angela Merkel hat mehrere Verdienste für die deutsche Politiklandschaft vorzuweisen. Der herausragendste von diesen ist die Tatsache, dass sie es geschafft hat, Farblosigkeit zu einer Waffe zu entwickeln und damit die, von den Medien herbeigeredete, Politikverdrossenheit dafür zu nutzen dauerhaft im Amt zu bleiben und ihre eigene Agenda voranzutreiben. Da wir uns in einer Welt befinden, in der Politiker versuchen ihre Wählerschaft zu umsorgen und von der Bürde des Sich-Sorgenmachens zu befreien, ist jede ernsthafte politische Entscheidung zu vermeiden. Denn diese wird eine Bevölkerungsgruppe beeinträchtigen und diese könnte dann unzufrieden sein und wegbrechen. Deswegen sind echte Entscheidungen zu vermeiden und Symbolpolitik empfohlen, und wenn dies nicht geht, braucht es Floskeln wie das unwahre alternativlos oder ähnliche Nebelkerzen.

Doch wie nutzt Angela Merkel diesen, von ihr wohl mitgesetzten, Trend um andere Parteien zu beschädigen? Nunja, in dem sie immer wieder einen Prozess anwendet, bei dem die Öffentlichkeit und auch gerade die Internetöffentlichkeit nur zu gerne mitspielt. Wir können uns das bei der aktuellen Debatte zur Vorratsdatenspeicherung ansehen.

Phase 1 – Agendasetting

Die CDU positioniert sich mit de Maizíere schön weit rechts außen. Als Innenminister sagt er an, dass er die größtmögliche Überwachung für unser Supergrundrecht Sicherheit haben will. Er fordert damit auch weitaus mehr, als er je weiß, dass er bekommen wird, aber er weiß auch, dass er da runterverhandelt wird, also wie beim TrödelTrupp: hoch ansetzen.

Der junge Justizminister der SPD wird beraten gegen die Vorratsdatenspeicherung zu sein, weil das die sinnvollste Handlungsweise ist. Er vertwittert das und macht es zu seiner Agenda, weil er damit beliebter ist als der Innenminister und es schlicht sinnvoll ist.

Vizekanzler und SPD Vorsitzender Sigmar Gabriel ist schon auf VDS Werbetour, weil er weiß, was kommt.

Merkel sagt nichts.

Phase 2 – Aushandlung

Der Innenminister trifft sich mit dem Justizminister und setzt ihm das Messer auf die Brust. Maas verhandelt aus einer absolut indiskutablen Position de Maizíeres eine halbwegs verhältnismässige heraus, kann aber natürlich aufgrund der beschriebenen Mehrheiten im Kabinett nur verlieren. Davon merkt die Bevölkerung nichts. Maas ist noch der Gute, de Maizíere der Böse. Merkel erscheint nicht, hat aber die Richtlinienkompetenz, also das Sagen.

Phase 3 – Verkündung

Jetzt kommt der eigentlich tolle Schachzug. Für die Bekanntmachung der neuen Gesetzesinitiative stellt die Regierung Heiko Maas hin. Ist ja auch klar: für ihn ist das, was er da präsentiert aus seiner Innensicht ein Erfolg. Er weiß ja auch, was er haben wollte und was das Innenministerium gerne gehabt hätte. Für Merkel und de Maizíere ist es aber Kalkül, dass er da steht. Denn diese wissen, dass er aufn Sack bekommt. Er ist hinter seinen Versprechen zurückgeblieben und muss dies nun auch noch als Erfolg verkaufen. Dafür wird er dann fröhlich von den Medien und der Twittergemeinde zerlegt und beschimpft. Die SPD ist wieder die Verräterpartei. Alle fühlen sich bestätigt und wer hat den Profit? Der Innenminister, denn er hat mehr als er vorher hatte und Angela Merkel, denn die SPD ist auch wieder beschädigt worden und zwar bei den Leuten, die ihrer stehenden Wahlmehrheit aus Kleinbürgern und Rentnern gefährlich werden konnte. Merkel ist dabei nicht einmal aufgetaucht, dabei trägt sie am Ende die Verantwortung und hat die Fäden in der Hand.

Und so macht man das, wenn man den politischen Gegner während der eigenen Regierung demontieren möchte. Die Bevölkerung spielt das Spiel gerne mit, weil Aufmerksamkeit in den Medien Trumpf ist, und nicht Analyse. Am Ende gewinnt da nur Angela Merkel als diejenige, die mit Kalkül im Hintergrund die Fäden zieht.

Ein Wort hier noch zu Sigmar Gabriel. Der wollte sich mit seinen Argumenten für die Vorratsdatenspeicherung schon mal in Sicherheit bringen, denn der hat schon gesehen, wohin dieser Zug fährt. Hat ihm leider auch nicht geholfen.

In Verteidigung von Heiko Maas

Die Bundesregierung möchte die Vorratsdatenspeicherung wieder einführen. Sie haben das angekündigt und es ist auch überhaupt nicht anders zu erwarten, denn die Fraktion, die im zentralen Parlament in diesem Land die einfache Mehrheit hat ist die CDU/CSU. Also Menschen, die schon seit Jahren offen sagen, dass sie für die Sicherheit der Bürger jegliche Art von bürgerlichen Freiheiten opfern möchten. Diese Fraktion wird von den meisten Wahlberechtigten, die zur Wahl gehen, gewählt.

Das Spannende ist, wer jetzt schon seit drei Tagen von der „Netzgemeinde“ Prügel bezieht: Bundesjustizminister Heiko Maas. Und ja, es ist natürlich klar, dass er das Ziel der Empörung ist, hat er doch bisher in seinen Veröffentlichungen immer wieder betont, dass es mit ihm keine Vorratsdatenspeicherung geben wird. ((Nun gut, die gibt es auch nicht. Sie wird Höchstspeicherfrist genannt.)) Herr Maas war damit in einer Linie mit der Rechtsprechung des EUGH und des Bundesverfassungsgerichts. Beide Verfassungsgerichte haben die jeweiligen Richtlinien und Gesetze für nicht verhältnismäßig und nicht erklärt. Herr Maas ist nicht mehr dieser Meinung. Er vertritt jetzt eine Einigung mit dem Innenministerium. Damit ist er ein Verräter und bekommt auf den Sack. Leider vergessen alle, die da Herrn Maas jetzt auf Twitter auseinanderlegen, wie die Verfassungrealität in diesem Land aussieht und was soziale Dynamik von politischen Gremien ist. Fangen wir beim ersteren an:

Exkurs: Wie funktioniert das Bundeskabinett?

Man schaue bitte mal auf dieses Schaubild.

So, die Bundesregierung hängt am Bundeskanzler, derzeit an der Bundeskanzlerin. Diese hat die Richtlinienkompetenz. Sie legt die Richtlinien der Politik fest. Das Bundeskabinett wird von ihr bestellt und vom Bundespräsidenten ernannt. Die Minister sind ihr ausgeliefert. Das wird gerne mal unter Angela Merkel vergessen. Sie hat die Fäden in der Hand und wir wären sehr sehr kurzsichtig, nicht davon auszugehen, dass Angela Merkel auch die Vorratsdatenspeicherung befürwortet hat. Ohne ihre Zustimmung geht das wohl kaum.

Dazu gelten drei wichtige Prinzipien im Kabinett:

Das Ressortprinzip sagt, dass jeder Minister eigenständig für seinen Politikbereich verantwortlich ist. Hierzu sollte man nicht vergessen, dass die Richtlinienkompetenz immer noch gilt. Also ist er zwar verantwortlich, aber seine politische Richtung kann durchaus vorgegeben sein. Es ist also nicht so, dass Herr Maas einfach so seine Meinung geändert hat.

Dazu kommt das Kollegialprinzip, das sagt, dass die Ministerien beim Politikmachen zusammenarbeiten müssen. Das ist hier passiert zwischen dem Innenministerium und dem Justizministerium. Auch diese Zusammenarbeit unterliegt der Richtlinienkompetenz also ist klar, dass Maas maximal bremsen konnte, aber mehr auch nicht. Das ist ja seine Aufgabe. Die Aufgabe des Innenministers ist das Bewachen der Verfassung. Das wird aber seit Schily traditionell mit der Reduzierung der Bürgerrechte gemacht, weil weniger Bürgerrechte einfacher zu schützen sind.

Das letzte Prinzip ist aus meiner Sicht für die Diskussion das Wichtigste: Das Kabinett verabschiedet Gesetze nach dem Mehrheitsprinzip. Das bedeutet, dass alle Minister und die Kanzlerin über einen Gesetzesentwurf oder eine Verordnung abstimmen. Diese Abstimmung ist nicht öffentlich, weil das ja nun wirklich pikant wäre.

Was bedeutet das?

Schauen wir uns mal kurz die Liste der Minister an, kommen wir auf 7 Mitglieder aus der CDU, 3 Mitglieder aus der CSU und 6 Mitglieder aus der SPD. Das bedeutet, dass die SPD selbst im besten Fall schlicht von der CDU/CSU überstimmt wird. Im aktuellen Fall stimmt Sigmar Gabriel, der in der letzten Zeit ein großer Proponent der Vorratsdatenspeicherung war, wahrscheinlich auch noch dafür. Dazu sicher noch etliche andere Minister, die das nicht betrifft. Im schlimmsten Fall hat Herr Maas als einzige Person die Hand gegen diesen Vorschlag gehoben und wird jetzt dafür von der Masse geprügelt.

Dazu ist Maas ein junger Politiker, der die Stiefel von Gabriel und den anderen abgehangenen SPD Granden lecken muss, damit sie ihn nach seiner Zeit als Minister auch weiterhin für Jobs vorsehen. Er hat also kaum die Wahl als gegenüber den Menschen, die tatsächlich über seinen Broterwerb bestimmen können, Zugeständnisse zu machen.

Dazu vergisst die ganze Netzgemeinde in ihrer Empörung über Maas, dass Innenminister Thomas de Maizière auf der anderen Seite der Verhandlungen gesessen hat. Der wollte garantiert mehr als Maas ihm durchgelassen hat. Er und Angela Merkel bekommen keine Prügel. Warum? Weil sie Heiko Maas vor ein Mikrofon gestellt haben, damit die Netzgemeinde diesen lyncht. „Die SPD hat uns wieder verraten, yadda yadda yadda.“ Genau, ohne die SPD hätten wir eine volle sechsmonatige Vorratsdatenspeicherung schon lange. Verglichen damit ist das, was Maas da macht ein Erfolg. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat nur so lange gegen die Vorratsdatenspeicherung durchgehalten, weil sie selbst eine alte respektierte Politikerin war und schlicht nicht einmal angefangen in die Verhandlung mit dem Innenministerium zu gehen. Das kann Maas alles nicht und das mag einer der Gründe sein, warum Gabriel und Merkel ihn auf diesen Stuhl gesetzt haben. Er muss ihnen dankbar sein. Auch wieder: hierfür ist das noch halbwegs glimpflich abgelaufen.

Im Übrigen kann man Gabriels Sprechen für VDS in den letzten Wochen als strategisches Positionieren sehen, mit dem er sich gegen den Peacetrain, auf dem Maas jetzt ist, abgrenzt. Damit im Zweifel nur dieser gehen muss und die SPD an sich weniger mit dem Thema zu tun hat.

Ihr tretet den Falschen.

Im Abschluss muss ich sagen, dass Heiko Maas wahrscheinlich gar nicht so sehr das Opfer des Volkszorns sein sollte. Die Leute, die da die größeren Entscheidungen getroffen haben, haben ihn vorgeschickt und die Netzgemeinde hat ihnen den Gefallen getan, die vielleicht(!) einzige Person zu lynchen, die auf der Seite ihrer Interessen war. Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Thomas de Maizière haben viel mehr mit diesem Gesetz und dessen Verabschiedung durch das Kabinett zu tun, als das Bauernopfer Maas, das jetzt auf Twitter dumm angemacht wird.

Es wird zu schnell vergessen, dass diese Leute die wahren Bösen in dem Spiel sind und das schon immer offen gesagt haben. Diese Menschen haben es wieder mit Perfektion geschafft durch Nichtbewegen nicht erschossen zu werden.

Die CDU/CSU hat gewonnen: Sie hat ihre Vorratsdatenspeicherung, sie hat die SPD beschädigt und die Netzgemeinde hat mit allen ihren Memes, Tweets und Gehässigkeiten brav mitgespielt.

London Calling 2015

So, auch dieses Jahr war ich wieder in London mit meinen Schülern. Dieses Mal war es eher stürmisch und kalt. Wie jedes Jahr ist etwas schief gegangen, aber diesmal ist es wenigstens nur darauf zurückzuführen, dass Ryanair unberechenbar ist. Dafür bekamen wir die Erfahrung in Black Cabs durch das mitternächtliche London zu düsen. Der nächste Tag begann sehr spät. Ich wollte zu Schülerinnen und Schülern schon immer ma sagen: „Ich will sie vor um 11 nicht sehen.“ Dann ging es in die Innenstadt und in einen dieser Touristenbusse zur Stadtrundfahrt.

Wir haben dabei einen guten Überblick über die Stadt bekommen. Es war allerdings auch kalt genug, das ich mir eine Erkältung holte. Der Bus bietet allerdings die Möglichkeit die ganze Stadt im Überblick zu erkunden und sich eine schöne englischsprachige Moderation anzuhören.

Tower Bridge and HMS Belfast

London Eye and Houses of Parliament

Houses of Parliament 2

 

Piccadilly Circus

Am Abend waren wir dann indisch essen, was die Schülerinnen und Schüler leicht überforderte, aber ansonsten sehr spaßig war.

Am zweiten Tag ging es dann in den Tower of London. Wir hatten eine der Führungen durch einen Yeoman Warder und konnten uns dann in Ruhe die Museum und Kronjuwelen ansehen.

Beefeater with Stereotypical Background

Raven at the Tower of London

Hier waren wir zum Mittagessen auf Betreiben der Schülerschaft bei Jamie Oliver’s Diner, das sehr lecker aber auch nicht wirklich preiswert war.

Der letzte Tag führte uns in British Museum. Viel Kunst, viel erzählt, aber keine Bilder. Der Rückflug war eher unspannend. London war wie immer gut. Ich habe eine Flasche Whisky und eine Erkältung mitgebracht. Alles gut, wie immer.

Faun – Bamberg Konzert und Kongresshalle 2015

Am Montag war ich auf einem Konzert von Faun. Die Band hat ja seit einiger Zeit einen großen Plattenvertrag und während das zu eigenartigem fanbasespaltenden Aktionen wie einer Teilnahme am ESC führt, gibt es ihnen auch die Möglichkeit mit größerem Aufwand zu touren. Das mag für bestimmte Bands keine Rolle spielen, aber für Faun ist es ein Segen. Die Band legte schon immer Wert auf ausgefallene Lichteffekte und da kam ihr ein Konzert auf großer Bühne mit schöner Deko in einem echten Konzertsaal sehr zugute.

Ich hatte mir sehr früh Karten gekauft und damit den Luxus mit meiner bezaubernden Begelitung in der ersten Reihe direkt an der Bühne zu sitzen. Das sah dann so aus:

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Das Konzert beinhaltete viele Lieder des aktuellen Albums Luna, aber auch alte Klassiker von Faun. Neben der Band selbst, waren noch ein Multiinstrumentalist und eine sehr gute Cellisting sowie zwei Tänzerinnen/Jonglagekünstlerinnen mit von der Partie. Das Konzert war sehr durchchoreographiert, aber keinesfalls langweilig. Es war ideal zum gepflegten zuschauen im Sitzen im Gegensatz zu den eher schnipsigeren Festivalprogrammen, die einen geringern Akustik und einen höheren Pagan-Goa Anteil haben. Alles in allem also ein sehr schönes Erlebnis.

korrigierender Nachtrag zu der Sache mit dem protestierenden Schüler

In meinem letzten Post habe ich mich ja diesem Vorfall gewidmet, der es mittlerweile auch auf die taz geschafft hat. Dazu habe ich noch einige korrigierende Bemerkungen zu machen. Zum einen sollte man sich folgenden Artikel der Lokalpresse durchlesen. Dieser Artikel bestätigt einige Vermutungen, die mir auch durch Quellen zugetragen worden, die an der Schule direkt anwesend sind.

Schulrechtliches

Also, das mit Art.84 BayEUG ist ein Grund, dass ich Schüler von der Schule schmeißen würde. Ich bin da überhaupt nicht kompromissbereit. Dass Lehrer sich nicht von dem Schüler überwältigen lassen sollten ist okay, wenn er Schüler überwältigt und mit seiner aus meiner Sicht verschrobenen Meinung überwältigen und beeinflussen will, kracht es. Gewaltig.

Hinzu kommt, dass der Schüler hier tatsächlich seien Pflichten verletzt hat. In diesem Alter darf er das Schulgelände nicht verlassen, auch nicht, wenn er krank geschrieben ist. Entweder er ist da oder nicht. Das bedeutet also, dass ein Verweis durch den Direktor allein dafür schon gerechtfertigt ist. Lehrerverweise gelten hierfür als zu schwach.

Der Lärm, der da in den linken Medien gemacht wurde, ist also leicht unbegründet. Allerdings kann man, gerade als bayerische, Schule nur verlieren. Der Beißreflex gegenüber ungerechten Lehrern und fiesen Kultusministerien ist so stark, dass sich die meisten der Beißenden nicht mit Schulrecht auseinandersetzen und Schulen eigentlich nur verlieren können. Das Schulrecht ist im übrigen nicht im geringsten schülerfeindlich, obwohl man es durchaus so einsetzen kann. Und auch das ist hier wirklich nicht passiert. Man hätte den Schüler auch rauswerfen und ihm damit eine komplette Bildungslaufbahn  berauben können. ((Die Wirtschaftsschule gehört zum Berufsschulwesen und bietet einen mittleren Schulabschluss, der einem die letzte realistische Möglichkeit zum Fachabitur oder Abitur ermöglicht.)) Das wollte man explizit vermeiden.

Politisches

Im Zentrum der ganzen Sache stehen für mich zwei Probleme:

  1. Wie soll man mit politisch radikalen Schülern umgehen?
  2. Wie soll man mit dem Wunsch von Polizei und Bundeswehr umgehen bei Berufswahlveranstaltungen als „Arbeitgeber“ aufzutreten?

Die erste Frage hatte ich schon angeschnitten: mit Dialog. Wir haben aber weniger Möglichkeiten auf solche Leute einzuwirken als man denkt. Dazu steigt die Menge an jungen Menschen, die eigentlich gar nicht mehr von ihren verworrenen Pfaden abzulenken sind. Das hier wäre nicht der erste verbrämte links-radikale Schnullermarxist, der Feinde an einer Stelle sieht, an der es keine gibt. Diese Weltsicht in der man nur von Feinden umgeben ist, ist auch in anderen Aktivismusformen verbreitet und immer dazu führt, dass diese Ideologien nicht mehr ernstzunehmen sind. Schule muss diese Leute aber ernst nehmen. Sie ist verpflichtet diese Menschen noch nicht aufzugeben, auch wenn man die Energie nicht verschwenden sollte. Trotzdem gibt es hier Grenzen und die werden in den harten Regeln des Schulrechts erreicht.

Die Bundeswehr und Polizei gelten heute als sehr nachgefragte Berufszweige. Die Unsicherheit, die junge Menschen heutzutage spüren, die Angst die eigene Existenz nicht sichern zu können treibt sie zum Beamtentum als letztem sicheren Platz und die Polizei und Bundeswehr nutzen das. Die Polizei weitaus weniger als die Bundeswehr, deren Bedarf an Soldaten nach dem Wegfall der Wehrpflicht immer schlechter gedeckt werden kann. Im CRE zur Bundeswehr wird schon mit Recht darauf hingewiesen, dass die Werbungsstrategie der Bundeswehr mit Jobchancen und guter Ausbildung irreführend ist für ein Militär. Man bekommt diese Ausbildung, aber im Wüstensand oder irgendwo im Wald und bevor man Ingenieur ist lernt man erst einmal Menschen erschießen, weil dafür haben wir ein Militär. ((Oder zumindest die Reste davon…)) Die Werbung der Bundeswehr ist somit unlauter.

Dazu widerspricht aus meiner persönlichen Sicht der Auftrag an mich den Aufträgen der Bundeswehr und der Polizei. Es ist nicht mein Job gute Soldaten und Polizisten zu bilden sondern mündige Menschen, die selbst entscheiden können, was sie möchten und wo sie in dieser Welt stehen. Wenn sie sich dann aus freiem Willen für einen Dienst in diesen Organisationen entscheiden, dann sei dem so, aber lasse nicht zu, dass diese Organisationen als Arbeitgeber auftreten, dabei sind sie eben keine normalen Arbeitgeber.

Kommentar zu „Schule gibt Verweis für Bundeswehrablehnung“

Twitter spülte mir heute eine mittlerweile depublizierte Meldung der jungen Welt in den Stream. Hierbei geht es um einen jungen Mann, der an einer bayerischen Wirtschaftsschule ein eher ungewöhnliches Erlebnis hatte, nachdem er sich kritisch gegenüber der Bundeswehr positionierte.

Hinweis: Ich schreibe hier das nieder, woran ich mich noch aus dem Artikel erinnern kann. Korrekturen zu Details sind erwünscht, sie machen einen Unterschied in der Bewertung aus.

Ich setze mich erst einmal mit der schulrechtlichen Seite auseinander, bevor ich etwas zum Konflikt sage, der da ausgefochten wird und wie man damit aus meiner Sicht umgehen sollte.

Schulrechtliches

Der 17-jährige Schüler gab an, dass er als Mitglied der Organisation VVN-BdA während der Berufsbildungstage der Schule einen von dieser Organisation betreuten Infostand gegen die da auch anwesende Bundeswehr mitorganisiert und in der Pause besucht hat. Als er dann wieder auf das Schulgelände wollte, wurde er von den drei Hausmeistern des Schulzentrums ((Es sind eigentlich zwei Schulen in einem Haus…)) aufgehalten und verdächtigt, Sticker mit politischen Inhalten geholt zu haben um diese im Schulhaus anzubringen. Sie wollten ihn und seinen Rucksack durchsuchen und nachdem er das verweigerte wurde die Polizei geholt, die allerdings keinen Grund sah aktiv zu werden.

Hierzu sind erst einmal mehrere Sachen zu sagen. Die grundlegende Frage ist, ob der Schüler überhaupt das Schulgelände hätte verlassen dürfen. Dies ist nämlich minderjährigen Schülern nicht immer erlaubt. Die Regelung trifft aber die Schule. Die Durchsuchung ist allerdings auch widerrechtlich, denn dazu haben Hausmeister natürlich keine Befugnis. Nicht einmal Schuldirektoren haben das so ohne weiteres. Allerdings haben beide Hausrecht in der Schule und können somit den Schüler vor die Tür setzen. Das Anbringen und Verteilen von politischer Propaganda in Schulen ist tatsächlich strafbar, genauso wie es Sachbeschädigung an sich auch ist. Dem sollte man sich fügen, sonst begeht man Hausfriedensbruch.

Der Schüler wurde dann am nächsten Tag ins Direktorat gebeten und bekam erklärt, dass sich die Lehrer von ihm in „Diskussionen überwältigt fühlten“ und er deswegen einen verschärften Verweis erhält und gefälligst nicht mehr solche linken Ideen verbreiten soll. Der Verweis sei wie eine Androhung der Schulentlassung zu werten und er kommt nur deshalb nicht vor den Disziplinarausschuss weil seine Mutter auch schon da Schülerin war. Der Schüler wurde im Laufe dieser Unterhaltung vom Direktor wie auch den Hausmeistern noch einmal unter Druck gesetzt.

Also, da sind ein paar schöne Sachen drin. Denn was die Schule da macht ist ein alter Trick, aber leider schön justiziabel. Also, ein verschärfter Verweis ist eine Ordnungsmaßnahme und eigentlich Verweis, den der Direktor unterschreibt. Er ist aber mitnichten eine Androhung der Schulentlassung. Diese kann nämlich Laut Art. 86 BayEUG nur die Lehrerkonferenz aussprechen und diese ist erst nach einer Ankündigung mit Wochenfrist entscheidungsfähig und wird meist zuvor durch den Disziplinarausschuss vertreten, beide sind hier nicht eingeschritten. Der Schüler wird also mit Chimären bedroht. Ordnungsmaßnahmen wie Verweise bauen auch nicht aufeinander auf, also ist der Verweis einfach nur ein Zettel, den der Direktor unterschrieben hat. Aber man kann es ja mal probieren. Der Schüler berichtete, dass auch die Noten in Sport eingebrochen seien. Das ist scheißegal, die sind nicht relevant für irgendetwas auch nicht sein Bewerbungszeugnis. Spannend ist übrigens auch, was auf dem Verweis als Begründung stand. Schülern steht zwar Meinungsfreiheit (Art. 56 BayEUG) zu, allerdings nicht, wenn sie als politische Werbung gesehen werden kann (Art.85 BayEUG). Ich denke nicht, dass es bei dem Verhalten des Schülers um letzteres gehandelt haben kann. Es wirkt eher so, als wollte man einen Störenfried loswerden und bedrängen.

Der Schüler berichtete dann noch, dass auch die Klassenleiterin ihm Redeverbot erteilt hätte im Unterricht wie in den Pausen, weil er seine Schüler argumentativ überwältige und indoktriniere.

Generell halte ich es für ein Armutszeugnis, wenn Lehrer Angst haben von Schülern argumentativ überwältigt zu werden. Falls es einem dennoch passiert hat man genug Autorität des Amtes um den Schüler doch niederzuknüppeln. Aber ehrlich: man sollte in der Lage sein, einem kleinen Linken die Butter vom Brot zu nehmen. Bei anderen Schülern sieht das etwas anders aus. Dort sollte die Schule im Zweifel schützend eingreifen, aber das geht wohl am besten in dem man das Problem im Unterricht thematisiert und nicht in dem man Zettel ausstellt.

Der politische Konflikt

Und da sind wir auch bei der letzten Teil. Der Konflikt, der hier dahinter steht, ist auch eine Betrachtung wert. Da gibt es auf der einen Seite eine Bundeswehr, die um Soldaten werben muss und das schon seit Jahr und Tag mit dem Verbrechen hochwertiger Berufsausbildung und dem gleichzeitigen Verschweigen der Tatsache macht, dass man bei dieser erschossen werden kann und Leute erschießt. Auf der anderen Seite gibt es eine Gruppe von Menschen im politisch linken Spektrum, die die Bundeswehr als eines der größten Übel der Welt sehen, weil Armeen schießen und sind böse. In diesem Bereich gibt es auch viele junge Menschen, die sich mit linker Ideologie vollpumpen und pseudophilosophische Parolen daherquatschen ohne den Überbau ihrer Philosophie tatsächlich zu kennen und erfasst zu haben. Diese Schüler kenne ich auch, sie rennen meist in ein scharfes Messer, wenn sie das erste Mal versuchen mit mir über Sachen zu diskutieren, die sie eigentlich nicht verstehen, sondern nur auswendig gelernt haben. Diese jungen Leute sind auch Fans von Aktionismus und ihre verschrobene Weltsicht muss man auffangen und im Diskurs zum Denken anregen. Das Mundtotmachen von Menschen mit radikaleren Ansichten ist kontraproduktiv. Diese fühlen sich schon unterdrückt, da hilft es nicht, wenn man das bestätigt, schon gar nicht, wenn man sich nicht einmal grenzwertig an das geltende Recht dabei hält.

Blogstöckchen

Jetzt kriege ich schon Kettenbriefe… dieser ist von moepern und weil ich gerade Zeit habe und noch etwas verprokrastinieren will, mache ich das gleich.

Wie lang waren deine Haare, als du 17 warst?

Ca. 16 mm… Jedenfalls hatte ich sie mir damals immer auf die Länge schneiden lassen. Es gibt da ein furchtbares Führerscheinfoto von, das ich immer gern zeige, da ich heutzutage eher so um 30cm+ Haarlänge habe.

Wann (Alter) und warum hast du dich entschieden, das zu studieren, was du studiert hast?

Das fragt mich ansonsten immer keiner. Ich bin mit 18, wie damals noch üblich zum Zivildienst gegangen und hatte vorher keine richtige Idee, was es werden soll. Während des Zivildienstes habe ich dann festgestellt, dass ich anscheinend an jeden Patienten irgendwann herangekommen bin. Selbst an den, der mich locker ein-zwei Monate total scheiße fand. Deswegen habe ich mich entschlossen Lehramt zu studieren und es ist erstaunlich, aber ich schaffe es heute noch an Leute ranzukommen, bei denen der Rest eher mit den Schultern zuckt. Ich hatte damals auch Schulpsychologie auf dem Zettel und bin sehr froh das nicht studiert zu haben. Ich denke nicht, dass ich diesen Job lange hätte machen können.

Bist du Arbeiterkind, Akademikerkind, Mixed oder was anderes?

Ich bin das, was man ein Arbeiterkind nennen kann. Da ich aus dem Osten dieses schönen Landes komme, war ich also Mitten im Durchschnitt.

Hat das Auswirkungen auf dein Benehmen anderen gegenüber oder bist du “Habituschamäleon”?

Ja hat es, aber mehr in der Art, dass ich mich in meinem eigenen Habitus unwohl fühle, obwohl ich ihn eigentlich gut ausfülle. Dazu ist dieser Lehrerhabitus sehr eng, wenn man ihn ernst nimmt. Ich habe eher ein Problem damit, dass ich bestimmte Sachen tun kann und sie nicht tue, obwohl ich wahlweise das Recht oder den Anspruch dazu habe. Ich fühle immer, dass das nicht gerecht ist, obwohl ich einen Vorteil davon hab.

Republica oder CCC? Oder beides? Oder keines?

Definitiv der Chaos Communication Congress. Die re:publica liegt nicht nur zeitlich absolut unmöglich für mich, sie ist auch zu hipsterig, damit ich mich da wohlfühle. Der C3 wiederum ist eher mein Ding. Mein Hackerspace fährt schon seit Jahren hin und vielleicht(!) werde ich dieses Jahr auch da sein.