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Einfach mal die Fresse halten und machen…

Nach dem letzten, eher depressiven Beitrag, kommt hier jetzt der Krawall zurück. Es wird nämlich mal Zeit sich darüber zu unterhalten, warum das ganze soziale Gerechtigkeitsgelaber vielleicht doch nicht so gut ist, keinen Fortschritt bringt und am Ende nur den Konservativen in die Hand spielt. Wenn ich das aber tue, dann muss ich ja auch erzählen, wie es anders geht.

Hört doch mal auf zu quatschen.

Eine Weisheit der Soziologie ist, dass wenn über etwas geredet wird, es von den Kräften der Gesellschaft verarbeitet wird. Das ist dann das, was in Politik endet. Die landläufige Idee, wie Gesellschaftsänderung vonstatten geht, ist:

  1. Thema aufbringen
  2. Agenda Setting
  3. Politischer Diskurs
  4. Bessere Welt
  5. Rinse Repeat

Jetzt ist die Bevölkerung überaltert und das funktioniert nicht mehr, weil die Leute die Mehrheit im Diskurs haben, die gerne die Welt so hätten, wie es früher war. Dazu kommt, dass die einzelnen Teile der Gesellschaft eigentlich gar nicht mehr miteinander reden und wenn dann nur durch Vorwürfe und in schreiendem Ton. Gesellschaftliche Probleme werden als öffentlich nur noch als Spektakel behandelt und nicht mehr diskutiert, weil soundso jede Seite glaubt, dass sie recht hat und am Ende die alte konservative Mehrheit mit dem Stillstand gewinnt.

Die ganzen Versuche neue Ideen auf die Agenda zu setzen, in dem darüber geredet wird, sind also sehr kontraproduktiv. Zum einen reißen sie nur noch mehr Nebenschauplätze auf, zum anderen ist nur noch der Konflikt interessant nicht der Inhalt. Hinzu kommt, dass die konservative alte Mehrheitsgesellschaft das Thema dann in Ruhe versanden oder konservativ umdeuten kann. Das schafft wahlweise Perversionen des Fortschritts (Mindestlohn, Rentesystem) oder einfache Feindbilder („Feminazi“), die dann halt auch gerne wieder verschwinden. Gesellschaftlicher Fortschritt findet also nicht mehr statt.

Deswegen wäre es vielleicht mal gut, weniger zu quatschen, weniger anzuklagen, weniger zu schreien. Wenn dann sollte gefragt, erklärt und sich ausgetauscht werden.

Wer macht hat Recht!

Und das fragen, erklären und austauschen funktioniert viel besser, wenn die Leute einfach machen. Die normative Kraft des Faktischen gilt in postfaktischen Zeiten umso mehr. Wird eine Realität geschaffen, dann kann man sich darüber unterhalten und vor allem in dieser leben. Das bedeutet also, dass sich das Schaffen einer eigenen Realität gut dazu eigenen eine zu haben, in der man leben will. Das führt dann schon zum gesellschaftlichen Diskurs. Dieser wird aber nicht unter der Annahme geführt, dass alternative Lebensformen und Realitäten Spinnereien einer Minderheit sind, sondern mit den existierenden Phänomenen einer pluralen Gesellschaft. Will heiße, wenn eine Familie aus mehreren Elternteilen (2+) bestehen möchte, dann sollte sie das. Legal lässt sich das regeln. Wenn dann jemand fragt, wie das funktioniert, dann erzählt und erklären die Menschen das, die dieses Modell leben. Dabei müssen sie nicht die Person gegenüber überzeugen und auch keine große gesellschaftliche Debatte vom Zaun brechen. Die Gesellschaft ändert sich hier schon durch die neuen Lebensformen, die einfach gelebt werden.

Wer macht hat also erstmal Recht und muss nur erkennen, dass es keinen Grund gibt sich für das eigene Leben und die eigene Realitätsgestaltung rechtfertigen zu müssen, genauso wie es keinen Grund gibt, andere für deren Version anzugehen. Am Ende gelingt so ein Zusammenleben unheimlicher vieler verschiedener Menschen. Es muss zwar noch ein Rechtssystem, das die allgemeinen Regeln des Zusammenlebens durchsetzt, doch je mehr Dinge als alltäglich gelebt werden desto weniger können diese Regeln in alternative Lebensmodelle hineinpfuschen. Gelebter Pluralismus führt am ehesten dazu, dass sich sinnlose soziale Schranken auflösen.

Es ist also sinnvoller, zu versuchen ein Leben zu leben, dass einem selbst gefällt und erfüllt, als sich die ganze Zeit hinzustellen und anklagend zu versuchen die Welt von oben nach unten besser zu machen. Akzeptanz von alternativen Lebensvorstellungen führt zu gesellschaftlichem Fortschritt, nicht das heulende Einklagen diffuser Rechte, das immer in einem sinnlosen Vergleich der Privilegien endet. Anstatt Privilegien mit gesetzlicher Gewalt zu minimieren, hilft es mehr Menschen die Möglichkeit und Einstellung zu geben, dass sie sich Privilegien anderer nehmen können, wenn sie vergleichbares nur anders tun. Neid und Einklagen sind kontraproduktiv, sich selbst einen Platz zu schaffen nicht. Wenn das zum Standard unserer Sicht auf Pluralismus wird, dann wird es am Ende auch zu einer Politik führen, die Möglichkeitsräume öffnen muss, anstatt sich in Konflikten zu schließen.

Update: Die Vrouwelin hat sich in einem eigenen Artikel hierzu geäußert und eine wichtige Dimension hinzugefügt: Solidarität und Empathie. Ich möchte mich bedanken und ihr ausdrücklich zustimmen. Ich gehe implizit davon aus, dass Empathie und die daraus folgende Solidarität in jedem Menschen angelegt sind. Das ist vielleicht zu idealistisch gedacht, aber dann eine Aufgabe für unser Bildungssystem.

Update 2: Der Soziobloge hat sich mit einem zweiten Beitrag gemeldet, der vielleicht den wichtigsten Punkt aufmacht: mal entspannen im Diskurs. Ich schließe mich auch hier vollständig an und bedanke mich für den Beitrag.

Samhain 2016

Für Isa

Grenzen sind magisch. An Grenzen ändern sich Dinge, werden Konventionen sichtbar, durchbrochen, können Entscheidungen und Wendungen stehen. Grenzen zeigen unsere Menschlichkeit weitaus mehr, als unser tägliches Verhalten, sie zeigen unsere Werte und unsere Schwächen.

Samhain ist das keltische Fest des Jahresendes, ein Fest der Grenzen. Das Jahr geht zuende, die Barrieren zwischen den Welten der Toten und Lebendigen werden dünn. Es wird den Ahnen gedacht und Geschichten erzählt.

Passender kann es kaum einen Tag geben nach dem ein neuer Lebensabschnitt anfangen soll. Doch es ist auch wichtig zu erkennen, dass so eine Grenze nie absolut ist. Ihr Überschreiten, das Weitergehen braucht Kontinuität, Rückbezug, Selbstbezug. Nur, wenn du, du selbst bist, dann verlierst du dich auch hinter der Grenze nicht. Vorwärts zu gehen sollte nicht nicht bedeuten, sich selbst zu verlassen sondern, einen Schritt näher auf sich zuzugehen. Versuche nicht jemand anderes zu werden, versuche du selbst zu sein und dich zu finden und treffe jede Entscheidung so, dass du dich wohl damit fühlst.

Heute ist ein Tag an dem viel gefeiert wird. Doch viele Menschen sind auch in der Menge allein. Gemeinschaft entsteht nicht durch Anwesenheit, sondern durch Handeln. Wer wir sind, erfahren wir dadurch, was wir tun und warum. Wer unsere Freunde, Lieben und Partner sind, erfahren wir dadurch, was diese tun. Zuneigung ist nicht klammern, Zuneigung ist gehen und sein lassen. Beziehungen entstehen dadurch, dass Menschen etwas für andere tun, weil sie diese Handlung für richtig halten, nicht weil sie einen Nutzen bringt, und das muss von beiden Seiten kommen.

Grenzen sind spannend, Grenzen sind eindeutig… Heute ist eine Nacht der Grenzen… kommt gut auf der anderen Seite an.

Happy Samhain!


[Lyrik] Die Wahrheit an der Straßenecke

Wir erzählen uns alle Märchen

und wünschten sie wären wahr.

Wir sagen uns: „Ich hab die Wahrheit gesehen!

Sie stand unten an der Straßenecke,

mit einem Bobonglas in Hand.

Sie gab mir Himbeerbonbons

und sagte, dass alles scheiße ist,

aber ich alleine Glück haben werde,

weil ich besonders bin,

weil ich mich an die Regeln halte,

und weil keiner merkt, dass ich trotzdem betrüge.

Sie gab mir Gummibärchen,

voll vegan und glutenfrei

und sagte mir, dass ich die Welt retten werde

und alle nur auf mich gewartet haben.

Sie gab mir Lakritz, scharf und süß,

und sagte, dass jede Liebe glücklich werde,

der Sex immer geil mit mir sei.

Die Wahrheit stand da und gab mir Bonbons,

und ich aß und ich aß und

mir wurde schlecht.“

Und speiend überm Klo hängend, merken wir dann:

Nur im Märchen ist Wahrheit süß.

Über der Kloschlüssel schmeckt dann alles nur noch nach Galle.

Cheers…

So, erstmal Themenmusik:

Jap, ich bin hier mit meinem Freund Bunnahabhain 12 year.

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Die erste Schulwoche ist vorbei… ((Hallo an alle Schülerinnen und Schüler, die viel zu neugierig waren und das jetzt dringend lesen müssen. Nehmt euch nen Keks…)) Es ist irgendwie Routine geworden… man zockt sowas runter, obwohl es immer noch anstrengend ist.

Der Herbst kommt endlich an und so ist die Nacht schon langsam ziemlich kalt… Morgen wird es in Eimern schütten, wenn man den Wetterdiensten glaubt und irgendwie ist es ganz okay. Im Herbst kommt die Welt langsam zur Ruhe… und das Jahr so langsam auch.

Also, erheben wir das Glas. Die erste Woche geschafft und auch dieses Schuljahr wird wieder versucht das Bestmögliche zu schaffen, was das System so zulässt, während der Versuch gestartet wird das System so weit wie möglich zu hacken, damit am Ende nicht nur Zahlen eine Rolle spielen, sondern diese Zahlen auch eine Bedeutung haben…

Wir werden sehen, wie das geht…

Cheers!

Berlin

So, ich war dann mal in der Bundeshauptstadt. Die ist im Sommer weitaus erträglicher als im Winter und generell war es ja schönes Wetter.

Ich habe nicht viel gemacht, aber das durchaus intensiv. Der Samstag war hauptsächlich davon geprägt, dass ich Jella getroffen habe und wir uns wunderbar unterhalten haben. Nochmal danke dafür.

So, und dann gab es ja touristisches zu tun. Das folgt dann jetzt mit Bildern und so.

Ich war im Magicum einem Museum für Mystik und Magie. Es ist sehr klein, privat, aber eigentlich ganz spannend. Es wird neben der klassischen Zauberei auch die verschiedenen mystischen Traditionen von Alchemie, Theosophie bis keltischer Naturreligion thematisiert. Allerdings alles nur sehr kurz und etwas populärwissenschaftlich, was aber auch etwas mit der geringen Größe des Museums zu tun hat. Ich fand es erhellend, aber etwas ambivalent.

Dann war ich noch nachts unterwegs und habe ein paar Bilder gemacht:

Berlin at Night 2

Reichstag

Der Rest findet sich in der Fotogalerie, die man erreicht wenn man auf die Bilder klickt.

Luna…

Bitte einmal hier drauf klicken, ich rede eh nur über dieses Lied.

Das ist die Neuaufnahme eines sehr alten Liedes von Omnia. Das Original war auf der ersten CD, die ich je von der Band gekauft habe. Es ist mit mir schon seit mehr als zehn Jahren unterwegs und diesmal schreibe ich darüber, warum dieses Lied etwas besonderes für mich ist.

Zuerst einmal können wir die Gestaltung abhaken. Es ist ein Harfenlied, gespielt auf einer keltischen Harfe. Die neuere Version hat auch noch ein paar andere Instrumente, aber die Harfe steht im Mittelpunkt. Harfen sind an sich schon Instrumente, die sich eher fein anhören, aber hier steht auch noch eine simple iterative Melodie im Vordergrund. Diese baut sich immer weiter auf, bis sie kurz vor dem Ende in einen Rhythmuswechsel kippt um dann wieder zu verschwinden. Mir hat es der Rhythmuswechsel angetan, weil diese Gegenstellung dem Stück eine Spannung gibt. Aber jenseits dessen gibt es da noch die Ebene an Musik, über die Leute so selten schreiben: was sie mit einer Person macht.

Luna ist ein Stück, dem eine Ruhe innewohnt. Meine Assoziation, und ich bitte gerne um weitere Kommentare, die da mitassoziieren, ist das, was ich gerade erlebe: eine Sommernacht mit Kerzen, klarem Himmel und der verklingenden Wärme des Tages. Man kann in einer wahnsinnigen Welt mal Atem holen und seinen Frieden finden. Das tut man glaube ich viel zu wenig.

Allerdings ist Luna auch ein melancholisches Lied. Das Booklet zur ersten Version erwähnte, dass es zum Tode einer Person geschrieben wurde und man kann das auch in dem Lied finden. Ruhe und Tod haben ja ein gemeinsame Basis. Also ist es auch Lied mit dem man zur Ruhe kommen kann und das einem Ruhe gibt.

Und Ruhe… haben wir ja leider immer zu wenig.

Berlin Calling – Hörer- / Leserinnentreffen

So, also ich bin vom 6.-8. August in unserer wunderschönen Hauptstadt. Ich habe am Sonntag, dem 7. August Zeit und würde mich bereit erklären, die verehrte Leser- und Hörerinnenschaft kennen zu lernen.

Dafür würde ich hier bitte um ein virtuelles Handzeichen und einen Vorschlag bitten, wo es sich am besten so trifft. Bevorzugt irgendwie in der Innenstadt ((Ja, ich weiß, dass die groß ist.)) Es gibt keine Versprechen für Verpflegung oder ähnliches, aber ich rede gerne mit euch.

Gut Morgen Sonnenschein – textkritische Ausgabe

Ihr alle kennt sicherlich dieses wunderbare Meisterwerk der Schlagerkultur:

Klingt total harmlos, sehr säuselig, jeder stöhnt schon bei Zeile eins. Den Refrain kennt jede Sau, aber die Strophen. Die haben es in sich…

1.

Alles kannst du ja sehen
Auf dieser Erde, auf dieser Erde
Doch nun ist es geschehen
Dass ich auch ohne dich glücklich werde
Die allerschönsten Stunden
In meinem Leben, in meinem Leben
Hab ich heut Nacht gefunden
Du hast geschlafen, so ist das eben

Also: „Hallo Sonnenschein, ich brauch dich nicht mehr, denn heute Nacht hatte ich so richtig Spaß (lies: wahrscheinlich Sex) und du warst nicht da. Sorry! (not).“ Okay, irgendwie klingt das alles auf einmal nicht nach dem langweiligen Schlagerliedchen. Öhm…

2. 

Wenn ich sehe wie deine Strahlen
So vor mir spielen, so vor mir spielen
Dann versuch ich mir auszumalen
Wie es heute Nacht war, kannst du es fühlen
Der Tag öffnet gerade die Augen
Lass ihn noch träumen, lass ihn noch träumen
Er wird dir sowieso nicht glauben
Was in der Nacht die Tage versäumen

Das wird nicht besser… Also, Sonnenschein, du spielst so und ich überlege, wie das Liebesspiel heute Nacht so war. Achja, erzähl dem neuen Tag nicht, was ich heut Nacht gemacht hab, weil der muss ja nicht wissen. (Man kann das auch als Fremdgeh-Hinweis deuten… nur so…)

Also, der Refrain kommt hundertmal, aber dazwischen geht es irgendwie richtig ab. Wenn ihr bisher nicht wirklich hingehört habt, tut es jetzt und lächelt leise. 

Sommermorgen 13.06.2016

Mühsam reckt sich das Morgengrauen der Sonne entgegen, streckt seine Arme und versucht im grauen Nieselregen aufzustehen. Die Frische der wässrigen Luft unter dem dauerhaft bedeckten Himmel verspricht eine Kühle, die nach der Hitze der Nacht nur klärend wirken kann. Der neue Tag sieht sich in den Trümmern der Nacht um. Hier liegt eine schwarz-weiß-rote Fahne, dort eine Patronehülse, hier ein verbrannter Regenbogen, dort ein zertretener Bierbecher.

Im nationalen Freudentaumel über ein gewonnenes Spiel ist zu erkennen, dass Exzess gefährlich und wieder üblich ist. Sport ist die Ersatzdroge für Völker, die glauben, dass sie nationale Identität brauchen, weil die Identität des Einzelnen schon aufs Feinste zermahlen ist und Gemeinschaft nur darüber herzustellen ist, vor dem Fernseher den Volksvertretern beim Rasenkampf zuzusehen. Und so sitzen tausende Nationaltrainer in der Etappe und warten auf den Sieg, auf das wir in Glorie aufgehen.

Gleichzeitig leckt das Blut unter der verschlossenen Tür eines Nachtklubs hervor. Auch hier erkennt man die Gefährlichkeit des Exzesses, wenn die Identität verwundet wird. Denn allein die Tatsache, dass jemand anders liebt, bedeutet schon eine Bedrohung des Seins, die in Pulverrauch untergehen muss, aber kein Thema ist, solange man die Überreaktion aus Angst einem dämonischen Bösen unterschieben kann, das noch mehr Überreaktion und Angst rechtfertigt. Denn Angst ist irrational und damit der Freibrief für das Gewissen, wenn man die Trümmer des eigenen Handeln sieht.

Der Tag ist grau, der Regen leicht, aber dauerhaft und der Kater am Morgen nach einer Nacht voller Drogen umso schmerzhafter. Es ist der Moment in dem der Vorsatz wächst, nie wieder so über die Stränge zu schlagen und der in Kürze vergessen ist, wenn die Realität wieder so sehr weh tut, dass es nur noch mit Drogen zu ertragen ist.

Über Geschichten, Wahrheit und kaputte Gemeinschaft

Wisst ihr noch, wie das so in alten Romanen auftaucht? So die Dorfgemeinschaft, die sich eine Meinung über einen gebildet hat und jedes Argument aus deren Warte sieht, aber nie mit der Person offen redet? Wo alles ein Beweis dafür ist, dass die Geschichten, die erzählt werden, wahr sind? Das ist jetzt für die komplette Welt normal. Jeder kann eine Geschichte erzählen und ihre Wahrheit spielt keine Rolle, solange die Geschichte gut ist.

Die AfD erzählt Geschichten vom alten guten Deutschland, die Medien erzählen Geschichten von der eigenen Wichtigkeit, die Radikalfeministinnen vom bösen dauervergewaltigenden Mann, die Veganer vom bösen weltzerstörenden Fleischfresser und alle erzählen diese Geschichten hauptsächlich sich selbst.

Jake Applebaum is anscheinend ein Arschloch und vielleicht ist er ein Vergewaltiger und Nötiger. Schön, dann möge man ihn bitte anzeigen. Wenn die Menschen, die betroffen sind das Gefühl haben, dies nicht zu können, dann hat die Gesellschaft, in der sie leben, versagt und muss sich darum kümmern, dass dies nicht mehr passiert.

Was definitiv nicht hilft, weder den Betroffenen noch der Gesellschaft, ist, sich hinzustellen und allen Geschichten zu glauben und eine Welt zu befürworten, wo die beste Geschichte gewinnt und nicht die Fakten. Das ist übrigens dieselbe Welt in der Menschen glauben müssen, dass wenn sie fundierte Anschuldigungen gegen jemanden haben, sie nicht zur Polizei gehen können. Das ist nämlich auch eine Geschichte, die zu gerne geglaubt und erzählt wird.

Wir können uns kein globales Gemeinwesen leisten, in dem jegliche Wahrheit von der Performance der Geschichtenerzähler und unserer Vorliebe für bestimmte Geschichten abhängt. Dann sind wir nämlich in einer totalitären Willkürdystopie angekommen, in der Demagogen immer Recht haben.