Sachen, die okay sind…

Es ist Wintersonnenwende und der dunkelste Tag des Jahres. Auf meiner Terrasse versucht die Plane für die Gartenmöbel Flug aufzunehmen und eine einsame Kerze erleuchtet das Wohnzimmer. In dieser dunklen Nacht möchte ich etwas positives verbreiten. Es ist eine Liste mit Sachen, die okay sind. Das wird viel zu wenig gesagt und man sollte sich öfter daran erinnern. Die Reihenfolge ist komplett zufällig, wie mir die Sachen einfallen. Wenn euch noch etwas einfällt, dann schreibt es in die Kommentare, ich füge es gerne hinzu. 

Es ist okay, verrückt zu sein.

Es mag erscheinen, dass wir uns möglichst konform verhalten sollen. Der Druck dies zu tun ist auf jeden Fall vorhanden und kriecht uns gerne den Rücken herauf, wenn wir uns im Alltag befinden. Sei normal und angepasst, aber wir haben alle das, was Edgar Allan Poe als den Imp of the Perverse bezeichnet hat. Okay, damit meinte er eine Entschuldigung für Mord, aber auch diese Gedanken dürfen wir halt eigentlich nicht haben. Was noch weniger geht ist, sich irrational und eigenartig zu verhalten. Doch es ist okay, denn alles was als normal geht ist eigentlich ein unmenschliches Ideal und viele der großen Fortschritte unserer Welt kommen aus dem, was ungewöhnlich oder schlicht verrückt ist. Normalität ist die Angst vor Veränderung und die Hoffnung, das Erwartbarkeit dem Leben einen Sinn verleiht, den es nicht hat.

Es ist okay, nein zu sagen.

Etwas total verrücktes ist, wenn man auf eine Anfrage „nein“ sagt. Dabei sollte es vollkommen okay sein. Die meisten sozialen Beziehungen zwingen uns die Idee auf, dass wir eine soziale Verpflichtung haben etwas zu tun. Dies ist sogar im Arbeitsleben weitaus weniger der Fall, als wir es uns einbilden. Nicht „nein“ sagen zu können hat mehr damit zu tun, dass wir uns selbst meist nicht wert genug sind. Deswegen sagen wir an Stellen, an denen wir für uns „nein“ sagen sollen, gerne mal nicht „nein“ oder müssen erst Gründe herbeirationalisieren, dabei ist es okay „nein“ zu sagen und das ohne Gründe angeben zu müssen.

Es ist okay, Menschen zu verlieren.

Wir lernen so viele Leute in unserem Leben kennen, manche davon näher, manche davon auch eine längere Zeit. Es gibt die Idee, dass wir diese Menschen ewig in unserem Leben haben, doch leider verändern sich soziale Beziehungen und wir verlieren Menschen aus den Augen, wenn nicht sogar final. Wir möchten vielleicht gerne, dass es immer so bleibt, aber Menschen gehen weiter und Beziehungen verändern sich oder enden. Die Menge an Leuten, die wir wirklich lange in unserem Leben haben, ist wirklich klein und meiste dauerhafte Partner. Es mag weh tun, aber Leute zu verlieren ist okay.

Es ist okay, normal auszusehen.

Mit normal ist hiermit gemeint, dass eigentlich jegliche Art von Aussehen von Menschen normal ist. Wir müssen nicht dafür entschuldigen, wie wir aussehen oder was unser Kleidungsgeschmack ist. Die von den Medien verbreiteten Schönheitsideale sind komplett illusorisch und reden einem nur blöde Ideen ein. In Wahrheit ist es okay so auszusehen, wie man aussieht, nämlich normal.

Es ist okay, nicht alles richtig zu machen.

Fehler sind menschlich, aber die Erwartungen an uns von uns selbst sind hoch. Die Angst keine Fehler machen zu dürfen lähmt viele Menschen mehr, als sie sollte. Wir haben teilweise mehr Angst vorm Versagen als davor, dass unsere Inaktivität die Situation verschlimmert. Natürlich lässt sich diese weitaus schlechter sehen, ist aber in vielen Fällen das größere Risiko. Uns wird so oft eingeredet, dass wir alles immer richtig machen müssen, dass wir vergessen, dass das nicht einmal technisch möglich ist. Wir leben in einer imperfekten Welt, zu der wir nicht alle Informationen haben und deren Funktionsweise uns nur vertraut erscheint. Betrachtet man das alles, dann ist es vollkommen okay Fehler zu machen. Inaktivität ist schlimmer als ein Fehler.

Es ist okay, Angst zu haben.

Wir sind tief irrationale Wesen und das zeigt sich bei unseren Ängsten. Wir reden uns gerne ein, dass wir die Kontrolle über diese Welt haben und deswegen keine Angst zu haben brauchen. Wir haben aber eigentlich jedes Recht diese Ängste zu haben. Die Arroganz der Moderne ist in der Idee, dass wir die Welt beherrschen. Wir tun das nicht, und wir sollten Angst davor haben. Es ist ein Wunder unseres Gehirns, dass wir diese Angst durch Langeweile ersetzen können. Deswegen ist es okay, wenn man Angst hat. Sogar irrationale Ängste sind in Ordnung, weil niemand anders einem sagen kann, ob sie komplett unrealistisch sind.

Es ist okay, keine Lust zu haben.

Wir tun vieles, das wir nicht dringend wollen. Die Idee, dass wir diese Sachen auch noch gerne tun müssen ist etwas eigenartig. Trotzdem wird es implizit von uns verlangt, dass wir viele Sachen auch gerne tun. Man soll immer motiviert sein und eine positive Einstellung haben. Das ist aber eigentlich Terrorismus, denn das Verlangen von guter Laune und Motivation ist das Verlangen nach etwas, das wir als Menschen selbst nicht immer beeinflussen können. Trotzdem ist der Druck da, dass man Sachen immer gern zu machen hat. Dabei ist es vollkommen okay, wenn man keine Lust hat. Das bedeutet nämlich nicht, dass man etwas schlecht macht.

Es ist okay, keine Ahnung zu haben.

Die Menge an Wissen, die in diese Welt kommt ist enorm. Je älter man wird, desto mehr erkennt man, dass man eigentlich sehr wenig weiß und nur auf wenigen Gebieten ein unvollkommener Experte sein kann. Allerdings leben wir in einer Welt, die Kontrolle für ein hohes Gut und damit vollkommenes Wissen für notwendig hält. Dabei haben wir keine Ahnung, wir wissen nur besser wie groß die nichtvorhandene Ahnung ist, die wir haben. Jedenfalls ist das in der Wissenschaft so. In der Alltagswelt soll man möglichst allwissend und perfekt sein. Das ist gar nicht möglich, also ist es okay, wenn man mal keine Ahnung hat. Sogar in seinem eigenen Fachgebiet.

Es ist okay, zu versagen.

Das schliesst sich an viele andere Sachen auf dieser Liste an. Es wird immer erzählt, dass Erfolg einen Menschen definiert, dabei ist es eigentlich die Art, wie er mit Misserfolg umgeht. Man muss versagen können, damit Erfolg eine Relevanz hat. Wenn man immer nur Erfolg hat, dann ist dieser Erfolg wertlos, denn entweder ist er zu einfach errungen worden oder man hat betrogen. Das Stigma, das durch die protestantische Ethik der westlichen Welt auf Misserfolg gelegt wird, ist wahrscheinlich eine der größten Bremsen individueller Entwicklung. Wir müssen versagen um zu wissen, was wir nicht können, denn dann wissen wir auch, was wir können. Dieser Freiraum wird aber niemandem mehr gelassen. Man muss performen oder man ist unwert. Diese Denke führt zu immer mehr jungen Menschen mit psychischen Störungen und Ängsten, denn Versagen ist keine Option mehr. Das wird jedenfalls erzählt, dabei ist es okay zu versagen.

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