32C3 – Ich wäre da dann auch dabei.

Nachdem ich mich schon länger damit trage auf den Chaos Communication Congress zu fahren, habe ich mich entschieden, da auch dieses Jahr aufzutauchen. Das bedeutet hauptsächlich erst einmal, dass man mich wohl in der Backspace Assembly finden kann, wenn ich nicht irgendwo anders herumlungere. Und da ich ein alter bequemer Sack bin, habe ich mir schon mal ein Hotel geschossen.

Ich sage das nochmal vorher an, wenn ich weiß, was ich aufm Congress genau mache. Aber das ist nun auch offiziell ein Projekt.

Essigbrätlein 26.Mai 2015

Zusammen mit meiner lieben Bekannten Victoria beschloss ich vor einiger Zeit mal wirklich krass edel essen zu gehen. Dabei fiel unsere Wahl auf das Restaurant Essigbrätlein in Nürnberg. Das Essigbrätlein hat zwei Sterne des Guide Michelin und ist bekannt für bodenständige, aber exquisite Küche. 

Okay, stop. Ehrlich? Ich hab keine Ahnung von dem Zeug. Ich bin Fan des fränkischen Schäuferla und das letzte Mal, dass ich ernsthaft anspruchsvoll gegessen habe war vor drei Jahren im Hotel beim Castlefest. Ich hatte vor diesem Essen tierische Angst, dass ich nicht edel genug gekleidet, nicht wissend genug oder sonstwas bin. Es stellte sich heraus, dass man in diesem Restaurant problemlos leger sitzen kann und trotzdem vorzüglich und freundlich behandelt wird. Ich habe mich drei Stunden lang unheimlich wohl gefühlt, was natürlich auch an der freundlichen Begleitung lag, die auch die folgenden Bilder geschossen hat. Also, dank an Victoria.

So, wir fangen mal an mit der Karte:

P1040802

Wie man sieht, ist die Karte eher einsilbig und wird definitiv der Anforderung gerecht, dass man immer nur auf die Karte schreiben sollte. was man auch anbietet. Ich habe dazu die Weinbegleitung gewählt und werde diese auch etwas mitbetrachten.

Wir ließen uns nieder und bekamen dann erst einmal drei Grüße aus der Küche:

P1040805

P1040807

P1040808

Alle drei basierten auf Gemüsesäften mit Ölen und kleinen Samen, wobei diese mild anfingen und die letzte Kombination mit Radieschen und Radieschensamen war echt absolut spannend. Alle wurden apart auf perfekt gekühlten Löffeln angerichtet und wir nahmen mal den Hausaperitif auf Hollunderbasis zu uns. Danach wurden wir mit tollem warmen Brot und grüner Bohnen Butter versorgt.  

P1040811

Dann kam auch schon der erste Gang. Mariniertes und eingelegtes Gemüse, begleitet von einem absolut spannenden Posip Majstor, der sehr mineraltisch und salzig schmeckte, aber sehr gut mit den eingelegten Gemüsen harmonisierte. Ich muss sagen, da war Sellerie dabei und den finde ich eher so doof. Hier war aber alles auf eine feine Art abgestimmt, dass es eigentlich primär zu schnell vorbei war. Dabei hatte ich auch immer ein Gefühl, dass das Gemüse der Star war. Ein Eindruck, der sich durch das Menü zieht, genauso wie bestimmte Geschmackseindrücke, die sich von diesem ersten Gang bis zu Dessert ziehen. Also, da hat mal jemand drüber nachgedacht.

P1040814

Bei Gang zwei kam ein butterzarter Saibling, um den Aubergine angerichtet war. Dazu gab es auch einen sehr gut passenden Weißwein, an den ich mich jetzt aber nicht besonders erinnere. Für mich war spannender, dass die Aubergine zum einen eine leichte Süße hatte und zum anderen nicht grausam fettig war. Da schmeckt dann auch mir Aubergine. Besonders war auch der Sauerampfer in diesem Gericht, der uns dann noch einmal in der Schokolade begegnet ist.

P1040816

Das nächste Gericht auf der Karte war Spargel. Begleitet von einem weiteren Weißwein, an den ich mich nicht wirklich erinnere, gab es drei Variationen. Unten links fing die Reise mit Zitronensaft an, dann ein Bett von Spargelasche und dann oben recht, Spargelmousse mit Bratensoße. Die Reihenfolge spielte wirklich eine Rolle und der Abschluss hat mich umgehauen. Hier gab es eine fantastische Zimt/Lebkuchennote, die meine Begleitung dazu brachte, mehrere Minuten Genussruhe zu verlangen.

P1040818

Und dann kam das Lamm und vor dem Lamm einer meiner Weine des Tages. Ich stehe tierisch auf torfig-rauchige Whiskys und dieser Ridge Geyserville aus Kalifornien war ein rauchiger Rotwein. Alter Falter! Und dann kam das angegrillte Lamm mit Lauch und passte perfekt zu diesem Wein. Dieses Lamm ist nicht umsonst gestorben.

P1040820

Dann gab es einen total frischen, aber trotzdem süßen Dessertwein mit dem das Hefeeis mit Rhabarber begleitet wurde. Ab spätestens hier wußte ich, warum Leute nach sowas nur noch heimgehen. Ich war leicht tüdelig, aber die Frische des Rhabarbers und das Hefeeis schlossen geschmacklich auch einen Bogen zum ersten Gang. Nach dem Nachtisch kam dann noch Schokolade:

P1040823

Die Himbeerschokolade war geil, aber die Schokolade mit dem Sauerampfermarzipan war noch genialer und schlug einen Bogen zum Saibling zurück. Absolut fantastisch. Dies war also die Erfahrung Essigbrätlein, die zur neuen Kategorie „Lukullisches“ führt. Erwartet also mehr… 

Hoffnungsvolles Reisen

Im kleinen, aber feinen Anti-Ratgeberbüchlein Anleitung zum Unglücklichsein von Paul Watzlawick gibt es ein Kapitel, das sich mit dem Ankommen beschäftigt. Im Tone des Büchleins warnt Watzlawick davor an irgendeinem Ziel im Leben anzukommen. Denn das Ankommen bedeutet zwar etwas erreicht zu haben, aber auch die Erkenntnis, dass man keinen Sinn und Zweck mehr hat, dem man folgt. Watzlawick zitiert hier George Bernard Shaw, der sich auf Oscar Wilde bezieht, wenn er eine Figur in seinem Wert Man and Superman sagen lässt, dass es zwei Tragödien im Leben gibt: die Nichterfüllung eines Herzenswunsches und dessen Nichterfüllung.

Natürlich sind wir enttäuscht, wenn sich unsere Wünsche nicht erfüllen, doch wir sind auch unglücklich, wenn wir sie erfüllt bekommen. Denn dann haben wir ja keinen Herzenswunsch mehr und egal welches Glück man beim Erfüllen des Wunsches empfinden, bald verschwindet diese Freude und wird durch den Tod der Gewohnheit ersetzt. Als ich meine Zulassungsarbeit für das Staatsexamen abgegeben und mit einer zwei bewertet bekommen habe, war ich sehr stolz und glücklich auf sie. Heute, knapp sieben Jahre später, kriege ich primär Augenrollen, wenn ich dieses Geschreibe lesen muss. Ich zeige das, auch regelmäßig mit einem leicht gequälten Gesichtsausdruck meinen Schülerinnen und Schülern als gutes Beispiel und bin doch selbst der Meinung, dass es heute für mich keine Leistung mehr ist. Unsere Ziele sind, wenn wir sie erreicht haben sehr schnell nur noch Grund für einen Kater und neue Ziele. ((Das ist einer der Gründe, warum es hier die Rubrik Projekte gibt… Damit ich Ziele habe, die ich erfüllen will und meinen Fortschritt sehe.))

Doch gibt es auch Herzenswünsche, die keine Ziele, sondern Zustände oder Prozesse sind. Hier bedeutet Ankommen dann meist auch noch, dass die Realisierung ansteht, dass das Ende an das man gekommen ist, gleichzeitig bedeutet, dass dieser Herzenswunsch an sich gescheitert ist. Sei es das erträumte Studium, der tolle Job bei der Traumfirma oder aber die romantische Beziehung, wenn man an deren Ende ankommt ((Und man wird. Selbst lange glückliche Ehen enden. Meist am Grab eines der beiden Partner.)), kann man auf einen glücklichen Prozess zurückblicken, ist aber nur traurig um das Ende und erlebt den Katzenjammer. Dieser ist umso größer je höher die Investition in diesen Prozess oder Zustand gewesen ist. Und nicht immer enden solche Prozesse und Zustände wirklich, sondern scheitern leise und laufen formal weiter, allein schon, weil die Beteiligten nicht möchten, dass sie scheitern. Deswegen werden untragbare Arbeitnehmer nur schwerfällig gefeuert, Teams langsam aufgelöst und tote Beziehungen zu Zombies.

Und von innen sagen die Beteiligten dann, dass noch Hoffnung haben, dass sie dem Arbeitnehmer noch vertrauen und dass die Tatsache, dass sie ihren Partner seit einem halben Jahr nicht gesehen haben nicht bedeutet, dass sich beide nicht himmelhoch lieben. Man reist also hoffnungsvoll weiter, obwohl die Endstation schon erreicht wurde und der Bus nun auf einen steilen Abgrund zurollt, auf den aufzuschlagen man sich hätte sparen können, wenn man an der Endstation ausgestiegen wäre. Aber dann ist die manchmal nicht gut beleuchtet oder man hat sich gerade umgedreht um die Kinder aufm Rücksitz zu versorgen, bevor der Partner einen verlässt oder man hat mit Gewalt die Augen zusammengekniffen, um das Wort „End“ nicht am Schild zu sehen.

Und so reist man hoffnungsvoll weiter, bis man nur noch zurückblicken und im Katzenjammer hoffen, dass man nicht so lange hoffnungsvoll gereist ist, dass die Gesamtstrecke aus mehr Selbsttäuschung als aus schöner Landschaft bestanden hat.

Gerechtigkeit, Fairness und Freiheit

Ich sah mich letztens den mündlichen Gruppenprüfungen gegenüber und diskutierte dann mit Isa darüber, inwiefern das Auslosen von Gruppen besser ist als die Entscheidung, wer mit wem in eine Gruppe gehen sollte. Während die eigene Entscheidung der Schülerinnen und Schüler mehr Freiheit bedeutet war ich der Meinung, das ein Los entscheiden soll, weil dies fairer ist. Im Laufe der ganzen Diskussion habe ich mir noch einmal Gedanken über die zentralen Konzepte und deren Eigenschaften und Wertigkeit gemacht.

Freiheit

Freiheit wird gerne als ein grundlegendes menschliches Recht dargestellt, dabei ist Freiheit ein sehr zweischneidiges Schwert. Natürlich möchten möglichst viele Menschen möglichst frei entscheiden können, was sie tun, was sie betrifft und wie sie ihr Leben gestalten. Doch Freiheit an sich ist erst einmal komplett amoralisch. In einer sozialen Gruppe Freiheit als Hauptwert anzunehmen bedeutet die  totale Auflösung dieser Gemeinschaft, denn die Freiheit des Individuums endet an der eines anderen. Wenn immer davon geredet wird, dass unsere Freiheit beschützt werden muss, in dem mehr Regeln für das Gemeinwesen eingeführt werden, dann ist die Freiheit als Wert schon tot. Sie ist an sich wertvoll, zählt sie doch zu den menschlichen Grundbedürfnissen, aber als hauptsächlicher Wert eines Gemeinwesens ist sie schwierig, denn Menschen sind nicht gleich und ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten sind nicht gleich verteilt. Das bedeutet dann, dass größtmögliche Freiheit automatisch auch keinerlei Gleichheit garantiert und das könnte für den sozialen Frieden problematisch sein. Also braucht es auch noch andere Prinzipien.

Gerechtigkeit

Gerechtigkeit schein da das erste Prinzip zu sein, dass vielen Menschen zuerst einfällt um zu entscheiden, wieviel Freiheit wir zulassen. Es ist auch das Wort, das sofort im Mund geführt wird, wenn es um Strafverfahren und Bestrafung anderer und der Nicht-Bestrafung von einem selbst geht. Gerechtigkeit ist eine sehr persönliche Sache. Sie hängt direkt mit unseren persönlichen Einstellungen zur Welt zusammen. Wir empfinden Gerechtigkeit unterschiedlich und halten sie gerne für absolut, aber das stimmt nicht. Schon Aristoteles unterschied verschiedene Arten von Gerechtigkeit, die davon abhängen, ob man eine soziale Hierarchie annimmt oder nicht. Allein die Wikipedia hat zum Thema Gerechtigkeit eine lange Liste von verschiedenen Auffassungen was Gerechtigkeit ist. Das Problem ist also, dass Gerechtigkeit nicht wirklich definiert ist und damit natürlich auch schwierig als ein verpflichtendes Kriterium für die Erlangung sozialen Friedens und größtmöglicher Freiheit gesehen werden kann. Denn diejenigen, die Vorteile von viel Freiheit haben finden das viel gerechter als diejenigen die Vorteile von weniger Freiheit haben und andersherum. Gerechtigkeit existiert also nicht, wir bilden uns nur ein, dass die Welt gerecht ist, solange wir nicht negativ betroffen sind. Trotzdem müssen wir versuchen einen Modus zu finden, wie man Ungleichheiten zwischen Menschen ausgleicht.

Fairness

Auf die Frage, wie man Ungleichheiten ausgleicht, haben verschiedene Philosophien unterschiedliche Antworten. Die links-marxistische Antwort besteht darin, dass die Gesellschaft an sich zu einer mit mehr Gleichheit umgeformt wird und Ungleichheiten aktiv ausgeglichen werden. Das führt leider am Ende zu Oppression, denn Menschen sind inherent ungleich. Die konservative-rechte Meinung ist, dass das mit der Ungleichheit gut so ist, weil das zeigt wer die besseren Menschen sind. Die liberale Seite stellt sich auf eine mehr oder minder radikale Position von Chancengleichheit. Nach ihr sollen diejenigen, die gute Fähigkeiten besitzen möglichst weit kommen. Was mit denen wird, die nicht so viel Glück haben, steht auf einem anderen Blatt und hier muss die Gesellschaft im Bildungssystem und der Sozialstaat dafür sorgen, dass es einen Ausgleich gibt und dieser ist am Besten mit Wort Fairness  umschrieben. Ungleichheiten sind für Menschen erträglich, solange sie das Gefühl haben, dass sie grundlegend gleich also fair behandelt werden. Das kann man am einfachsten erreichen in dem man es halt einfach tut und das bedeutet zumeist klare sachbezogene Kriterien zu generieren und anzulegen und zufallsgenerierte Auswahlen zu bevorzugen. Denn nur, wenn niemand einen nachvollziehbaren Vor- oder Nachteil hat, und eine Entscheidung transparent ist, wird sie akzeptiert. Dann sieht sie der oder die Einzelne immer noch nicht als gerecht und es kann immer noch die Freiheit einschränken, aber es führt am Ende zu einem Konsens in dem man leben kann.

Wir erleben unsere Welt zu oft als ungerecht und wir erleben, dass wir in unserer natürlichen Freiheit eingeschränkt werden. Das ist der Hauptgrund, warum wir eine soziale Institution von Fairness haben müssen. Die Welt ist an sich unfair, also sollten wir wenigstens manchmal dafür sorgen, dass sie es sein kann.

Don’t Bullshit Me!

Willkommen zu einer seltenen Episode aus dem Bereich angry rants. Es geht um etwas, das mir im beruflichen, wie persönlichen Alltag gerne mal begegnet und das mich auf die Palme bekommen kann. Es ist eine seltene Gelegenheit, dass das passiert, aber mit der folgenden Technik, ist ein Mindesterfolg garantiert. ((Bitte probiert es nicht aus. Ich bin gut darin euch einfach zu blocken, löschen oder ähnliches.))

Es geht um Bullshitting. Einfach mal Scheiße labern, obwohl man keine Ahnung hat, oder die eigene verzerrte Wahrnehmung einfach mal als gegeben hinnehmen. Meist wird das schlampig ausgeführt und hat vor allem die anmaßende Grundidee, dass man selbst etwas besser versteht, als man es tut. In der Schule begegnet einem das als Lehrer ja ständig. Da stellen sich Schüler hin und labern mal was zusammen, und fragen sich, warum die Leute mit der Kompetenz sie dann auflaufen lassen. Aber auch im privaten Bereich ist das eigentlich unerträglich, Unwissen ist vollkommen okay, wenn auch nicht zwingend sozial anerkannt, ((Das ist übrigens eine Krankheit, dieser Gesellschaft, die Rationalität zu einer Religion gemacht hat. Wenn alles Rationale automatisch gut ist, dann darf man nie unwissend sein. Und das ist in einer immer komplexeren Welt eigentlich unmöglich.)) es wird nur kritisch, wenn man seine komplette Kompetenz auf Bullshitting aufbaut. Dann wird man entweder krimineller Bankmanager oder Straßensänger. ((Ich entschuldige mich bei den Straßenmusikern schon einmal für diesen Vergleich…))

Doch, was noch schäbiger ist, wenn Bullshitting verwendet wird, um soziale Interaktion zu manipulieren und zu steuern. Es wird also Bullshit erzählt unter der Annahme, dass sich dann soziale Beziehungen und Interaktionen weiterhin so verhalten, wie man das möchte. Dann wird halt auch einfach mal was dahingequatscht. Nur hier meist mit emotionalisierten Untertönen, die die Beziehungsebene betonen um die Tatsache, dass auf der Objektebene ein Missverhalten stattgefunden hat. Des Weiteren wird gerne etwas behauptet, dass auf der Objektebene nicht überprüfbar ist. Ich habe schon mehrere Menschen erlebt, die mir erzählt haben, wie sehr sie mich lieben, mögen, schätzen, sonstwas, die dann primär ihre eigene Weltsicht im Sinn hatten und mich ausnutzen oder manipulieren wollten. ((Meine Damen und Herren, DIES ist keine Beziehung. Eine Beziehung ist ein Ort der Aushandlung und des Konseses, aber nicht ein Ort von Machtausübung.)) Sei es um eine zerüttete Beziehung am Leben zu erhalten oder nur den Hals aus der Schlinge ziehen zu wollen, weil man beim Bruch des Konsenses erwischt wurde, es wird halt lieber gebullshittet, wenn schlichtes Lügen oder Unterschlagen nicht reicht.

Da wird dann die empfangende Person schnell zum Opfer der eigenen Wünsche und Vorstellungen, anstatt dem Bullshitter mit möglichst stahlarmierten Stiefeln in den eigennützigen Arsch zu treten. Man bekommt nur Scheiß erzählt, damit man nicht merkt, dass die Person gegenüber einem nicht einmal genug Wert zuweist, dass sie einen Fehler eingesteht oder zumindest versucht den Vertrauensverlust auszugleichen. Aber das Schöne ist ja, dass man ihr glauben will, weil man den Bullshit lieber glaubt als die traurige Wahrheit, die im Zweifel weh tun kann. Und so kommen die Flachpfeifen und Arschlöcher mit ihrem nicht einmal anständig zusammengelogenen Bullshit durch und man selbst fühlt sich danach noch schlechter.

Wenn ihr also merkt, dass nichts von dem, was jemand erzählt auch nur im geringsten was mit den Fakten zu tun hat und nur den Zweck hat euch in eine Position zu manipulieren in der ihr eure eigene Anliegen für deren Willen liegen lasst, dann nehmt die stahlarmierten Stiefel und tretet ihnen in den Arsch. Denn mehr haben Bullshitter nicht verdient.

Projekte: Sonnensegel

Letztes Jahr habe ich es mal endlich geschafft meine Terrasse in einen funktionsfähigen Zustand zu bringen und im Laufe der Nutzung habe ich festgestellt, dass die Terrasse sehr sonnig ist und man deswegen gerade tagsüber nur begrenzt auf ihr arbeiten oder rumsitzen kann. Deswegen habe ich mir überlegt ein Sonnensegel anzubringen, was jetzt endlich geglückt ist.

Sonnesegel

 

Die Konstruktion besteht aus zwei gespannten Stahlseilen, an denen das Segel mit Karabinerhaken befestigt ist. Das Segel habe ich mir nach Anbringung der Seile herstellen lassen, damit alles zusammenpasst. Das war nicht ganz preiswert, aber dafür passt das jetzt wenigstens alles. Das Segel funktioniert prima, vor allem sorgt seine Verschiebbarkeit dafür, dass ich immer Schatten auf den Tisch werfen kann, egal welche Tageszeit. Allerdings gibt es im Mittag einen kleinen Streifen Sonne, der über dem Segel durchfällt. Nunja, nichts ist perfekt. Ich bin trotzdem sehr zufrieden.

 

Projektupdate – Infinity

So, es tut sich mal wieder etwas an der Front der eigenartigen Zinnminiaturenspiele. Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen, jeden Monat 30€ für Miniaturen und sowas zurückzulegen. Dafür habe ich jetzt mal meine Startarmee erweitert.

Ich spiele immer noch die Nomaden, die laut der Hintergrundgeschichte rebellische Außenseiter sind. Sie sind diejenigen, die gerne dagegen sind und der KI, die den Rest der Menschheit kontrolliert, absolut misstrauen. Aus spielerischer Sicht, haben sie sehr gute Medium Infantry, die besten Hacker und sehr spannende Roboteinheiten. Das bedeutet auch, dass man sich sehr gut mit Tricks am Gegner abarbeiten kann, aber es vermeiden sollte rohe Gewalt anzuwenden, da sind irgendwie andere Leute besser.

Die neuen Einheiten zeigen das auch irgendwie, anstatt die großen bösen Kampfroboter, habe ich mir Medium Infantry zugelegt, die den Gegner böse überraschen kann und kleine Kampfroboter, die flexibel einsetzbar sind zusammen mit den spezialisierten Hackern.

Die Miniaturen sehen sehr gut aus, sind allerdings noch nicht bemalt, also führe ich hier lieber mal nichts vor.

Alles in allem, bin ich spielerisch sehr zufrieden und habe langsam ein Gefühl für meine Fraktion und auch die Regelfeinheiten entwickelt.

Normalitätsupdate 04.05.2015

Heute ist der 4. Mai 2015. May the fourth be with you.

Heute:

Rezension: Castle Hangnail

Ich war wohl schon ein Fan von Ursula Vernon, als die meisten Menschen sie nur als Internetphänomen auf Livejournal kannten und wahrscheinlich einer der ersten Kunden in Deutschland. Auch heute noch hängt nur ihre Kunst in meiner Wohnung und war sogar Inspiration für die außergewöhnlich bunte Gestaltung der selbigen. ((Ganz ehrlich, die Menge an Leuten, die ungläubig schauen, wenn ich sage, dass ich in einer kribbelbunten Wohnung wohne, ist Legion. Anscheinend muss du auch schwarz wohnen, wenn du schwarz trägst.))

Nun, Mrs. Vernon hat mit Castle Hangnail ihr erstes Buch für Kinder im Alter von 10-13 Jahren geschrieben. Ich habe es mir aus Impuls bestellt und es sehr genossen. Besser gesagt, ich habe das Buch in circa fünf Stunden verschlungen.

Inhalt

Die Prämisse von Castle Hangnail ist liebevoll verschroben wie vieles, dass Mrs. Vernon so produziert. Die magische Burg Hangnail bekommt von der Verwaltung für Magie eine Deadline gesetzt, entweder einen neuen Burgherren zu bekommen, oder sie wird aufgelassen und alle Lakaien werden entlassen. Die Situation scheint ernst, bis auf einmal eine neue Burgherrin vor der Tür steht. Es ist die zwölfjährige Molly, die sich als böse Hexe (Wicked Witch) für die Burg bewerben will. Das gefällt gerade dem traditionsbewußten Guardian, den Molly erst einmal in Majordomo umbenennt, nicht. Er mutmaßt seit Mollys Erscheinen, dass etwas mit seiner neuen Hausherrin nicht stimmt und lässt sich auch nicht von den mehr oder weniger geplanten Erfüllungen der Aufgaben zur Übernahme der Burg komplett überzeugen. Und das zurecht, Molly ist nämlich gar nicht diejenige, die aufgefordert wurde die Burg zu übernehmen, aber als diese dann erscheint haben die Lakaien, das nahe Dorf und der Leser schon sein Herz an Molly verloren.

Stil

Castle Hangnail ist diese Art von Buch für jüngere Kinder, das etliche schwierige Anforderungen stellt: es soll nicht so blöde und lustig sein, aber leicht, es soll echte Konflikte erhalten, aber nicht zu düster sein und dabei bevorzugt noch irgendwie eine positive Botschaft für die Kinder haben. Das ist erstaunlich schwierig zu machen, doch Mrs. Vernon schafft es. Das liegt unter anderem wohl daran, dass sie einem Prinzip treu bleibt, das man schon bei Digger beobachten konnte. Ihre Charaktere sind glaubhafte Personen und ihre Heldinnen mit Vernunft und Bodenständigkeit ausgestattet. So ist es auch kein Wunder, dass Molly in ihrem Kampf um die Burg so authentisch ist. Dazu findet der wissende Leser alle Sachen, die Ursula selbst toll findet: Gärtnerei, eigenartige Tiere und leichten Gothic Style. Sie wäre selbst eine gute Wicked Witch geworden, wäre sie nicht die Autorin des Buches.

Sprache und Alter

Da das Buch derzeit nur auf Englisch existiert muss ich noch etwas über die Sprache sagen. Wie auch bei ihren Dragonbreath Büchern, ist die Sprache des Buches etwas einfacher, aber keinesfalls auf diese gezwungene Art kindgerecht, die man eigentlich nur als verdummend bezeichnen kann. Das bedeutet auch, dass das Buch für deutsche Kinder in diesem Alter aufgrund der Sprachhürde vielleicht erst einmal nichts ist. ((Wir hoffen auf eine Übersetzung. EINE GUTE!)) Man kann Kinder ab ca. 8 Jahren das Buch problemlos lesen lassen. Ich bin soundso der Meinung, dass düstere Themen für Kinder okay, sind aber Castle Hangnail ist nicht wirklich düster und wird auch die wirklich bösen Protagonisten zeichnen sich primär dadurch aus, dass sie amoralisch sind.

Illustrationen

Ursula Vernon ist auch Künstlerin und Illustratorin, und das zeigt auch Castle Hangnail wieder. Die Illustrationen sind zwar nicht der Mittelpunkt des Buches, aber sie vermitteln an entsprechenden Stellen der Erzählung eine zusätzliche Tiefe. Die Liebe, die hier in die Illustration geht, zeigt sich auch im Text und macht das Buch wirklich zu einem Erlebnis.

Fazit

Das Buch bekommt von mir eine vollkommene Empfehlung. Ich habe mich seit langem nicht mehr so amüsiert und mit Charakteren identifiziert wie in diesem Buch. Ich werde überlegen es meinen Schülern als Buch zur Lektüre zu empfehlen.

Die Merkel-Technik (oder: wie ich das Bild der eigenen Partei stärke.)

Ich habe ja letztens darüber geredet, dass Heiko Maas wahrscheinlich weniger Prügel für die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung verdient, als er bekommt. Im damaligen Text habe ich schon etwas angedeutet, dass ich hier noch etwas ausführen will.

Angela Merkel hat mehrere Verdienste für die deutsche Politiklandschaft vorzuweisen. Der herausragendste von diesen ist die Tatsache, dass sie es geschafft hat, Farblosigkeit zu einer Waffe zu entwickeln und damit die, von den Medien herbeigeredete, Politikverdrossenheit dafür zu nutzen dauerhaft im Amt zu bleiben und ihre eigene Agenda voranzutreiben. Da wir uns in einer Welt befinden, in der Politiker versuchen ihre Wählerschaft zu umsorgen und von der Bürde des Sich-Sorgenmachens zu befreien, ist jede ernsthafte politische Entscheidung zu vermeiden. Denn diese wird eine Bevölkerungsgruppe beeinträchtigen und diese könnte dann unzufrieden sein und wegbrechen. Deswegen sind echte Entscheidungen zu vermeiden und Symbolpolitik empfohlen, und wenn dies nicht geht, braucht es Floskeln wie das unwahre alternativlos oder ähnliche Nebelkerzen.

Doch wie nutzt Angela Merkel diesen, von ihr wohl mitgesetzten, Trend um andere Parteien zu beschädigen? Nunja, in dem sie immer wieder einen Prozess anwendet, bei dem die Öffentlichkeit und auch gerade die Internetöffentlichkeit nur zu gerne mitspielt. Wir können uns das bei der aktuellen Debatte zur Vorratsdatenspeicherung ansehen.

Phase 1 – Agendasetting

Die CDU positioniert sich mit de Maizíere schön weit rechts außen. Als Innenminister sagt er an, dass er die größtmögliche Überwachung für unser Supergrundrecht Sicherheit haben will. Er fordert damit auch weitaus mehr, als er je weiß, dass er bekommen wird, aber er weiß auch, dass er da runterverhandelt wird, also wie beim TrödelTrupp: hoch ansetzen.

Der junge Justizminister der SPD wird beraten gegen die Vorratsdatenspeicherung zu sein, weil das die sinnvollste Handlungsweise ist. Er vertwittert das und macht es zu seiner Agenda, weil er damit beliebter ist als der Innenminister und es schlicht sinnvoll ist.

Vizekanzler und SPD Vorsitzender Sigmar Gabriel ist schon auf VDS Werbetour, weil er weiß, was kommt.

Merkel sagt nichts.

Phase 2 – Aushandlung

Der Innenminister trifft sich mit dem Justizminister und setzt ihm das Messer auf die Brust. Maas verhandelt aus einer absolut indiskutablen Position de Maizíeres eine halbwegs verhältnismässige heraus, kann aber natürlich aufgrund der beschriebenen Mehrheiten im Kabinett nur verlieren. Davon merkt die Bevölkerung nichts. Maas ist noch der Gute, de Maizíere der Böse. Merkel erscheint nicht, hat aber die Richtlinienkompetenz, also das Sagen.

Phase 3 – Verkündung

Jetzt kommt der eigentlich tolle Schachzug. Für die Bekanntmachung der neuen Gesetzesinitiative stellt die Regierung Heiko Maas hin. Ist ja auch klar: für ihn ist das, was er da präsentiert aus seiner Innensicht ein Erfolg. Er weiß ja auch, was er haben wollte und was das Innenministerium gerne gehabt hätte. Für Merkel und de Maizíere ist es aber Kalkül, dass er da steht. Denn diese wissen, dass er aufn Sack bekommt. Er ist hinter seinen Versprechen zurückgeblieben und muss dies nun auch noch als Erfolg verkaufen. Dafür wird er dann fröhlich von den Medien und der Twittergemeinde zerlegt und beschimpft. Die SPD ist wieder die Verräterpartei. Alle fühlen sich bestätigt und wer hat den Profit? Der Innenminister, denn er hat mehr als er vorher hatte und Angela Merkel, denn die SPD ist auch wieder beschädigt worden und zwar bei den Leuten, die ihrer stehenden Wahlmehrheit aus Kleinbürgern und Rentnern gefährlich werden konnte. Merkel ist dabei nicht einmal aufgetaucht, dabei trägt sie am Ende die Verantwortung und hat die Fäden in der Hand.

Und so macht man das, wenn man den politischen Gegner während der eigenen Regierung demontieren möchte. Die Bevölkerung spielt das Spiel gerne mit, weil Aufmerksamkeit in den Medien Trumpf ist, und nicht Analyse. Am Ende gewinnt da nur Angela Merkel als diejenige, die mit Kalkül im Hintergrund die Fäden zieht.

Ein Wort hier noch zu Sigmar Gabriel. Der wollte sich mit seinen Argumenten für die Vorratsdatenspeicherung schon mal in Sicherheit bringen, denn der hat schon gesehen, wohin dieser Zug fährt. Hat ihm leider auch nicht geholfen.