Archiv der Kategorie: Politik

Digitalisierung im Unterricht – über einen abgefahrenen Zug

Ich mag das Bild mit dem abgefahrenen Zug derzeit sehr. Irgendwie fühlen sich unheimlich viele Dinge so an, als könnte am Horizont gerade noch so die roten Rücklichter sehen, während man das vollgeheulte Taschentuch wegsteckt. Okay, zumeist stecken die anderen das Taschentuch weg und setzen sich noch etwas verheult auf den Bahnsteig. Wir als Gesellschaft sind nämlich der Zug, der da fährt und der hält eigentlich nicht einmal an.

Doch genug von überstrapazierten Metaphern und zurück zum eigentlichen Thema dieses Textes. Angefangen hat alles mit der Bildungsministerin, die in den nächsten Jahre fünf Milliarden Euro in die Neuausstattung von Schulen mit Rechnern stecken möchte. Daraufhin folgten zweierlei negative Reaktionen: zum einen der Hinweis, dass Schule ja etwas anderes bräuchten als neue Rechner, wenn die Bausubstanz kaputt ist, zum anderen die Digitalisierungsfeinde, die den Untergang des Abendlandes herbeibeschwören. Den ersten sei gesagt: Bausubstanz ist Aufgabe des Sachaufwandsträgers. Das sind die Kommunen und wer hat die mit neoliberaler Scheißpolitik kaputtgespart? Die selben bornierten Statuswichser, die jetzt darüber meckern, dass der Flügel im Musiksaal nur einmal im Jahr gestimmt werden kann.

Die Digitalisierungsfeinde sind da schon amüsanter. Sind es doch Leute, die selbst keine Angst mehr zu haben brauchen in der granularen, digitalisierten Welt der Zukunft einen Platz und vielleicht sogar Erfolg haben zu müssen. Das ist eine Angst, die ich auch nicht mehr haben muss, und die mich nur beschäftigt, weil meine Klientel sie haben sollte. Immerhin wird denen von allen Seiten erklärt, dass sie Erfolg haben müssen, weil das a) ihr einziger Wertbeweis für diese Gesellschaft ist und b) sie auf Dauer die ganzen ganzen grantelnden Rentner und Pensionisten durchfüttern müssen, die da gerade gegen eine Welt wettern, die sie nicht mehr verstehen müssen. Diese Rentner wiederum können ihr Bildungsbürgertum und die damit einhergehende Technikfeindlichkeit gerne als Distinktionsmerkmal ins Grab nehmen, allein hilft es gesellschaftlich nicht, wenn die Institution, die für die Bildung der zukünftigen Generationen zuständig ist, in ihrer Ausrichtung religiös rückständig ist. Das wird sie aber weiterhin sein, wenn Präsidenten des Lehrerverbands im Jahre 2016 noch nicht klar ist, dass Digitalisierung nicht nur sofort stattfinden muss, sondern eigentlich schon länger fertig sein sollte als der Berliner Großflughafen. Der Abstand der Bildungsrealität dieser Leute zur Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler ist mittlerweile nur noch in Parsec zu messen.

Deswegen gibt es hier kurz die Liste zum modernen digitalen Unterricht:

  • Das Internet ist eine Quelle an Information, die in Schulen genutzt werden muss, weil sie es im Rest des Lebens auch schon genutzt wird.
  • Prozedurales Wissen ist in der Wissensgesellschaft das wichtige Wissen. Inhalten ist einfach beizukommen. Will Schule relevant sein, dann müssen wir aufhören von Skills, Kompetenzen so einen Quatsch zu reden und diese endlich vermitteln. Dabei bleibt klassischer Unterricht auf der Strecke, Punkt, Ende aus die Maus.
  • Jede Schule braucht WLAN und anständig Netz (100Mbit+!), alle Schülerinnen und Schüler sollten Zugang zu Hardware haben.
  • Code lesen können und grundlegendes Verstehen digitaler Geräte ist kein Spartenwissen, wollen wir die Hoheit über die Geräte und Informationen behalten. Informatik ist dafür nicht einmal im geringsten ausgestattet dies zu leisten. Der Lehrplan ist ein Witz, die Ausrichtung veraltet und der Fokus zu eng.
  • Kleinschrittiger Unterricht ist in der digitalen Gesellschaft kompletter Quark.
  • Es gibt Tastaturen, Mäuse und Trackpads. Es gäbe erstaunlich viele Schülerinnen und Schüler, deren Schriftbild und Lesbarkeit sich verbessern würde, es gäbe noch mehr von meinen, die sich wünschen würden, ich würde gar nichts mit der Hand schreiben.
  • Wir können es uns nicht leisten, Annahmen über die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler zu treffen.
  • Nur weil komplexe Aufgabenformen mit aktueller Lernsoftware nicht möglich sind, heißt das nicht, dass man sie nicht stellen sollte. Man sollte die Lernsoftware wegwerfen.

Der Zug der Digitalisierung ist aus dem Bahnhof draußen, der ist weg. Wir können heulend hinterwinken oder die Schulen auf ein Pferd setzen und ihn einholen. Das wird ein teures Pferd, doch so ist, wenn man einen beschleunigenden Zug mit 20 Jahren Vorsprung einholen will. 

HCH018 Nach Mecklenburg-Vorpommern

In dieser eher denkerischen Folge gibt es den Blick aus der Distanz auf die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Irgendwo zwischen Dystopie und Resignation erwächst auch hier wieder die Hoffnung im Kleinen.

Als kleine Anregung sei noch auf This is Water von David Foster Wallace hingewiesen, das einen ähnlichen Gedanken, wie ich ihn formuliere besser aufgreift.

Lasst uns mehr über Geld reden…

In einem der geschützten Kommunikationsräume in diesem Netz bekam ich gerade einen Impuls meine Finanzen mal aufzuschreiben und darüber zu schreiben, wie die so aussehen. Es ist ein sehr interessantes Experiment, das hier seinen Ursprung hat. Dazu gibt es jetzt ein paar Gedanken…

Das verbotene Thema

Über Geld zu reden gilt als Tabu. Es bringt Neid, Ungerechtigkeit und so weiter. Das ist jedenfalls etwas, das meine Eltern sagen. Ich habe das nie so empfunden, was unter anderem daran liegt, dass mein Gehalt öffentlich ist. Doch es ist ein verbotenes Thema, aber warum eigentlich?

Status, Status, fuck you…

Es geht hier eigentlich um Status und es geht auch wieder um die Annahme, dass die neoliberale Denke des selbstbezogenen rational denkenden Konkurrenzmenschen, tatsächlich eine realistische Beschreibung von Menschen ist. Dass das Quatsch ist, habe ich nun mittlerweile so länglich beschrieben, dass ich es nicht noch einmal mache. Die Frage, die sich aber stellt ist: wer hat eigentlich davon noch einen Vorteil, dass die Gesellschaft nicht großflächig anfängt über ihr Einkommen zu reden? Es ist die neoliberal organisierte Wirtschaft, die Vorteile davon hat, dass Menschen Neid aufeinander haben und eben nicht vergleichen können, ob sie genauso viel Geld bekommen wie andere. Dann kann man nämlich jeder Person etwas anderes erzählen und mit dem angeblichen Gehalt der anderen den Preis drücken.

Dieses soziale Konstrukt hat wie in vielen anderen Bereichen unser Denken vergiftet. Nun gibt es Neid schon immer, aber man weiß trotzdem grob, welche finanziellen Verhältnisse andere Menschen haben und meist ist es gar nicht so wichtig. Geld ist für erstaunlich viele Menschen nicht der Mittelpunkt der Welt und wenn es für das für Menschen ist, dann eigentlich nur aus zwei möglichen Gründen: sie haben zuviel oder zuwenig davon. Letztere sind in ihrer Existenz bedroht, erstere wissen nicht was sie mit der Kohle anfangen sollen oder haben Angst sie zu verlieren. Beides verbaut die Sicht auf die wichtigen Dinge im Leben. Das bedeutet umso mehr, dass Geld ein Thema werden muss, über das man redet, allein schon aus gesellschaftlichen Gerechtigkeitserwägungen. Solange Geld von Menschen als Neidmotor gesehen wird, solange kann es einfach zur gesellschaftlichen Manipulation genutzt werden.

Lasst uns mehr über Geld reden…

Deswegen denke ich, dass es besser ist, wenn wir mehr über Geld reden. Nicht unbedingt mit der lieben weiten Welt, dafür ist die Zelt noch nicht bereit.1 Denn dafür müssten die Deutschen in der Breite die Heterogenität der eigenen Gesellschaft akzeptieren und sich dann mit der Frage beschäftigen, was eigentlich die einzelnen sozialen Gruppen so ausmacht. Doch mit Freunden, Bekannten und so weiter, sollte man vielleicht regelmäßig über Geld reden, allein schon, weil die Person gegenüber vielleicht sogar eine Hilfestellung hat, wie man das eigene Problem lösen kann.

  1. Wir sind ja nicht Norwegen, wo die Steuerdaten von allen öffentlich sind. []

Über Explosionen, Amokläufe und Geschichten…

Seit ungefähr zwei Wochen scheint die Welt aus allen Fugen. Scheint. Die Welt ist nie gut, sie war es nie und wir Menschen sind daran ursächlich schuld. Soweit die depressive Realitätseinschätzung. Doch in Deutschland ist erst seit drei Wochen die Welt nicht mehr in Ordnung. Ungefähr seit wir gegen Frankreich aus der WM rausgeflogen sind.

Von da an ging’s bergab mit der Welt. Jedenfalls aus der Sicht der Mehrheitsgesellschaft. Erst Nizza, dann Militärputsch in der Türkei inklusive großem Aufräumen des Staatspräsidenten, dann Axtangriff in Würzburg, Amoklauf in München, heute Explosion in Ansbach. Das schöne heile Leben ist medienwirksam erschüttert worden. Die Welt wird nicht mehr verstanden, am besten daran zu sehen, wie bei der Sache in München die Tagesschau und das heute journal einmal geschlossen durchdrehen, nur damit sich danach rausstellt, das whopping 80% der geäußerten Theorien (Islamismus, Terror, Anzahl der Täter…) kompletter Quatsch waren.

Wenn wir eigentlich was hätten faktisch lernen sollen, dann ist es, dass unsere Polizei gut arbeitet und dass die Zivilbevölkerung gut reagiert. Die Kopflosigkeit aus anderen Ländern

Aber das ist langsam scheißegal.

Wir brauchen uns gar nicht erst damit beschäftigen, dass das alles Quatsch war, dass es da draußen Fakten gibt. Es geht hier nur noch im die Geschichte. Und weil man sich in einer Welt voller Geschichten am besten mit Literaturwissenschaft kratzt, schauen wir uns mal an, wie gut die Geschichten sind.

Los geht es mit Nizza. Ein Traum aus der Horrogeschichtenbude. Wir haben alle klassischen Möglichkeiten ausgeschöpft, die Angst erzeugen: Schusswaffen und Bomben sind doch nun ein alter Hut. Jetzt fährt jemand Amok und juhu, eine neue Dimension des Horrors, als sei es geskriptet worden. Und natürlich brauchen wir Videos von vor Ort und so weiter. Damit wir auch wissen, wie schlimm der Terror ist. Da wird dann sofort erzählt, dass es der IS ist, der sich zu allem dann auch automatisch bekennt. Ein klassischer Bösewicht, ein besonderer Modus operandi, alles super. Da kann man nochmal eine alte Story neu aufkochen.

Dann kam der Militärputsch. Hier ist jetzt schon schwierig, wer da der Böse und der Gute ist. Immerhin schreiben wir Erdogan die ganze Zeit als Demokrator runter, gleichzeitig ist der nunmal gewählt und wir in der „Flüchtlingskrise“ auf ihn angewiesen. Also, einmal abwarten und dann so tun, als wäre die Demokratie gerettet, weil Erdogan an der Macht geblieben ist. Man hätte das Gegenteil erzählt, wenn das Militär gewonnen hätte. Hauptsache wir waren immer auf der richtigen[™] Seite.

Würzburg, Ansbach und München sind dreimal dieselbe Geschichte. Menschen, die aus verschiedenen Gründen unzurechnungsfähig sind, üben Gewalttaten aus. Diese werden dann unter kompletter Ignoranz als Geschichten der Betroffenheit gestaltet. Natürlich nicht für die wirklich betroffenen Personen, sondern für die Mehrheitsgesellschaft, die a) nicht direkt betroffen und b) wahrscheinlich sogar ein Teil der Ursache des Problems ist. Aber die Geschichte ist natürlich die des verrückten Einzeltäters. Es ist wichtig, dass er nicht zu uns gehört, obwohl jeder durchknallen kann und dass es natürlich ein Versagen der Normalität ist, und nicht die Normalität. Es hat nichts mit uns zu tun und wenn die Person am Ende der Geschichte tot ist, gibt es keine Konsequenzen und man kann in Ruhe zum Freitagabendkrimi übergehen.

Es geht nur noch um die Geschichte: der islamistische Terror ist eine, die Demokratie zu retten, in dem man sie abschafft, die nächste und der verrückte Einzeltäter, der einfach so durchknallt, die nächste.

Denn nach solchen Geschichten kann man weiter in Ruhe schlafen, ohne sich je die Frage zu stellen, ob die Welt eben generell nicht in Ordnung ist.

Militärputsch in der Türkei – Spickzettel

Ich schreibe das hier nur schnell auf, damit man drauf referenziertem kann. Das sind alles die Frage, die man nicht vergessen sollte in allem was da gerade los ist:

Was ist mit den syrischen Flüchtlingen?

Was ist mit dem Deal von Merkel?

Was ist mit dem Verhältnis zu Russland?

Was ist mit dem Verhältnis zum IS?

Wie ist die Lage zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen in der Türkei?

Das mit der Demokratie…

Politik ist das Lösen gesellschaftlicher Konflikte und irgendwie hat sich durchgesetzt, dass man die gesamte Gesellschaft1 an dieser Konfliktlösung beteiligen sollte, damit die dann auch irgendwie eine nennenswerte Resonanz hat und nicht mit (übermäßiger) Gewalt durchgesetzt werden muss.

Das nennt sich dann landläufig Demokratie, also die Herrschaft des Volkes. Diese gilt als der Königweg der dysfunktionalen gesellschaftlichen Problemregelung. Doch damit Demokratie funktionieren kann, braucht es bestimmte ideologische und strukturelle Voraussetzungen in einer Gesellschaft. 

Dabei ist generell zu wissen, dass diese Voraussetzungen vorpolitisch sind, und damit etwas, das Gesellschaften beachten müssen, möchten sie dauerhaft demokratisch sein.

Die erste Voraussetzung ist Offenheit. Nur eine offene Gesellschaft kann auf Dauer demokratisch sein, jegliche Art von Schließung gegenüber bestimmten Ideen diskreditiert nicht nur das demokratische Bestreben sondern macht auch blind für eine Änderung der Umstände, auf die reagiert werden sollte. Und ja das beinhaltet auch Ansichten, die erst einmal nicht mehr den Konsens der Gesellschaft widerspiegeln. Denen darf man entgegentreten, aber sie müssen zugelassen werden, denn gerade die Ansichten, die selbst eine Ausgrenzung können mit der eigenen Ausgrenzung weitaus besser gerechtfertigt werden. Man muss sie also zulassen, um dieses Argument zu entkräften und dann bessere Argumente haben.

Die zweite Voraussetzung ist Transparenz. Nur, wenn klar ist, nach welchen Regeln die Gesellschaft zusammenleben will und wie diese funktionieren, dann kann dieses Zusammenleben auch gelingen. Wenn die Regeln zu komplex werden, dann müssen sie umso besser erklärt und im Zweifel vereinfacht werden. Hier geht es nicht um eine Einschränkungen der Entscheidungsfähigkeit, die aus mangelnder Transparenz erwächst und zu Willkür führen kann, sie ist auch wichtig um sich besser gegen Angriffe zu immunisieren, die dem gesellschaftlichen Konsens entgegen stehen. Transparenz sorgt für Vertrauen, weil sie keine Unklarheiten zulässt, die Vertrauen vermindern können.

Die dritte Voraussetzung ist Verbindlichkeit. Gibt es gesellschaftliche Regeln, dann sind diese verbindlich einzuhalten und ihre Verbindlichkeit durchzusetzen. Das spielt mit der Transparenz zusammen, hält sich eine Gesellschaft nicht mehr an die Regeln, die von den meisten als geltend angenommen werden, dann zerfällt jegliche Möglichkeit eine Entscheidung als Gemeinschaft zu treffen. Verbindlichkeit ist das einzige, was als Firewall gegen Willkür in einer Gesellschaft eingesetzt werden kann. Nur wenn ausreichend Menschen annehmen können, dass ein bestimmten Problem auf eine bestimmte Art behandelt wird und dass bestimmte Meinungsäußerungen verbindlich sind, kann überhaupt noch politisch gehandelt werden.

Diese Voraussetzungen sind zwingend auf irgendeine von der Bevölkerung akzeptierbare Art zu erfüllen, möchte man eine demokratische und nicht eine Willkürgesellschaft haben. Die eigenen Regeln zu brechen, Informationen zu verschleiern oder Meinungen zu verbieten ebnet auch (und besonders!) wohlgemeint immer den Weg zu Willkür und Diktatur.

  1. Oder zumindest einen möglichst großen Teil… []

Brexit – Wenn WarGames auf politische Realität trifft

Was wir jetzt mit Brexit sehen, ist die Fragmentierung der Gesellschaft entlang ihrer Weltkonstruktionen und deren kommunikative Grenzen. In einer granularen Welt, in der man keinen Überblick mehr darüber hat, wer für wen, wie und warum Informationen generiert, werden politische Entscheidungen nicht mehr auf Basis der realer Informationen sondern von Geschichten getroffen.

Ich habe schon früher erklärt, dass Menschen viel einfacher von Geschichten gelenkt werden, die ihren Vorstellungen entsprechen, als sich mit Fakten zu beschäftigen. Die Realität wird zu einem Computerspiel, das reale Konsquenzen hat. Das Thema kam in den 80ern im Film WarGames vor und beim Brexit können wir das jetzt als nicht-fiktionales Phänomen beobachten:

  • Sämtliche Politiker, die das zu verantworten haben, erklären jetzt, dass sie gelogen haben und tun so, als wäre das alles klar gewesen. Dabei werden heutzutage Informationen, die auf Facebook geteilt werden, als erstaunlich vertrauenswürdig gesehen. Die Illusion der persönlichen Bindung an die Politiker, verleitet die Menschen dazu die Geschichten zu glauben.
  • Die Bevölkerung realisiert, dass sie der Souverän ist, zu ihrem Nachteil entschieden hat, und dass alle diese Entscheidung ernst nehmen. Das entspricht nicht den Geschichten, die sich alle über die Rolle der Bevölkerung in einer Demokratie erzählen. Es ist sogar das Gegenteil.
  • Die gesamten Kampagnen, außer wahrscheinlich die der SNP, waren Schaudergeschichten: von der bösen EU, dem wirtschaftlichen Schaden und so weiter. Information wurde nicht positiv dargestellt und nicht relevant gemacht.
  • Die realen Konsequenzen ihres Handeln wars den Menschen nicht bewusst. Sie konnten intuitiv nicht mehr zwischen fiktionalen und realitätsbezogenen Botschaften unterscheiden. Insbesondere, weil die fiktionalen Texte genauso daher kommen, wie die realitätsbezogenen und sämtliche journalistische Rituale, die Glaubwürdigkeit herstellen sollen, als das Schauspiel erkannt wurden, das es ist.

Alle spielen also mit Computern Kommunikation nach und basieren auf diesen Erfahrungen dann reale Entscheidungen. Unser Umgang mit sozialen Medien hat jetzt also dazu geführt, dass WarGames real geworden ist. Unheimlich viele Leute haben das, was sie vor Bildschirmen gesehen haben, nicht ernst genommen, weil es ist ja nur Gerede. Und jetzt wundern sie sich, dass der thermonukleare Krieg tatsächlich ausgebrochen ist…

Brexit – Dinge die es zu bedenken gibt

Die Bevölkerung des Vereinigte Königreichs von Großbritannien und Nordirland hat mit 51,6% für das Verlassen der Eu abgestimmt. Im Kater dieses Morgens schauen wir uns Brexit nochmal an. Es gilt hier besonders: wer noch Informationen hat, die ich vergessen habe, bitte melden, dann pflege ich die ein! 

Was war

  • David Cameron ist ein schwacher läppischer Premierminister, der durch neoliberales Gequatsche, finanzwirtschaftsfreundliche Politik und weitere Austerität, dafür gesorgt hat, dass die unteren sozialen Statusgruppen sich abgehängt fühlen und Nigel Farage und UKIP folgen.
  • Um den rechten Rand zu befrieden, beschliesst Cameron das Volk über den Verbleib in der EU abstimmen zu lassen.
  • Boris Johnson, ehemaliger Bürgermeister von London und scharf auf den Premierministerposten, schließt sich in reiner innerparteilicher Opposition der LEAVE Kampagne an.

Was ist

  • Bei einer Wahlbeteiligung von 71% haben 51,6% für einen Austritt gestimmt.
  • Dabei haben vor allem, die älteren Menschen für einen Austritt gestimmt.
  • Dazu haben Schottland und Nordirland geschlossengegen einen Austritt gestimmt.
  • Das britische Pfund ist um bis 10% gegen den Dollar eingebrochen. Die Börsen crashen etwas vor sich hin.
  • Schock bei der EU und allen Mitgliedsländern.

Was wird

  • Nordirlands Sinn Fein hat schon ein Unabhängigkeitsreferendum angekündigt.
  • Schottlands SNP wird zeitnah folgen.
  • Die prophezeiten wirtschaftlichen Einbrüche werden passieren.

Offene Fragen

  • Was sagt die Königin dazu?
  • Hält sich das Parlament an das Referendum?
  • Wollen wir das Vereinigte Königreich wieder haben?

Calais

Ich bin gestern mit dem Bus aus England zurückgekehrt. Auf der Zubringerstrasse zum Hafen Calais, rannten jede Menge junge Männer mit augenscheinlich afrikanischem Aussehen durch den dichten Verkehr. Die französische Polizei war in Riot Gear vor Ort und versuchte die Menschen davon abzuhalten auf LKWs zu springen. Sie verschoss Pfefferspray. Unser Bus fuhr über eine entsprechende Granate, weswegen ich das genau sagen kann. Ich gehe davon aus, dass das täglich in Calais stattfindet. Die Grenzvorgänge sind mittlerweile verschärft und das ganze Gelände ist mit hohen Zäunen und Stacheldraht umgeben.

Nur, dass das mal jemand kurz aufgeschrieben hat.