Am Ende des Alphabets – Die Generation Z, die Zukunft und warum sie nicht kommt.

Ich habe Ferien und deswegen Zeit für längliche Artikel. Im ganzen Input, der gerade so über mich drüber fließt, und auch in der Betrachtung meiner Seminarfahrt nach Berlin, will ich mal darüber reden, was wir am Horizont sehen, was wir wissen, das sich bald ändert und warum die aktuelle Generation an Studierenden und Schüler*innen wahrscheinlich an dieser Zukunft scheitern wird.

Die Zukunft der Wirtschaft

Die Automatisierung kommt, wenn sie nicht schon da gewesen ist. Als nächstes sind die ersten white collar jobs dran, die wir gegen neuronale Netze ersetzen. Je rationalistischer und sachbezogener ein Beruf ist, desto weniger braucht man dafür noch Menschen. Je kreativer und sozialer ein Beruf ist, desto mehr braucht man dafür Menschen, doch bezahlt wird dafür umso weniger. Die Religion des Rationalismus frisst sich langsam selbst. aber immerhin macht es Spaß dabei zuzusehen.

Die Zukunft der Gesellschaft

Gleichzeitig fragmentiert sich die soziale Realität immer mehr in kleine Stücke, die durch Algorithmen mit immer den gleichen Informationen versorgt werden und sich damit von einer geteilten medial vermittelten Wirklichkeit immer mehr entfernen. Die Gesellschaft zerfällt also in kleine Teile, die alle nebeneinander stehen, aber nicht mehr mit einer gemeinsamen Realitätserzählung verbunden werden. Jeder lebt in seiner Blase, die schön bequem und gleichzeitig unwirklich ist.

Die Zukunft der Politik

Und damit wird Politik zum Selbstläufer, weil es keinen Sinn mehr macht die einzelnen granularen Gesellschaftsbrocken noch zu fragen. Also wird einfach nach Bequemlichkeit regiert. Solange die meisten Leute keine offensichtlichen Nachteile haben, ist alles okay. Es geht nur noch um Zufriedenheit als Wert, genauso wie in den sozialen Netzwerken. Politik versucht aus der Wahrnehmung zu verschwinden und nur noch Wohlgefühl hervorzurufen. Dabei geht die Idee der Gesellschaftsgestaltung komplett unter. Aber dann, eine granulare Gesellschaft ist auch nicht mehr zu gestalten.

Die Zukunft der Bildung

Setzt dem allen nichts entgegen, sondern forciert es. Es werden einfache formelhafte Lösungen, gesellschaftliche Anpassung und berechenbares Verhalten belohnt. Das Ziel der Bildung wurde für Selektion und Qualifikation aufgegeben und an den Hochschulen wird noch mehr Schule betrieben als an den Schulen. Die Kreativität und Freiheit, die Innovation möglich macht, wird unter Strukturen erstickt, anstatt Lernen freier zu machen, wird versucht es durch Organisation zu zähmen. Die Bildungssysteme sollen Bildung produzieren, aber dieser Gedanke allein macht Bildung unmöglich.

Die Zukunft des Planeten

Es wird über viele Dinge nicht ausreichend diskutiert, weil die überalternden Gesellschaften des Westens kein Interesse mehr an Zukunftsgestaltung haben. Konservativismus erstickt die sozialen, diplomatischen und ökologischen Diskussionen, die wir führen müssten.

Generation Z

Und in diesem Umfeld wächst eine junge Generation auf, der eingeredet wird, dass sie in den jetzt schon versagenden Regeln nur Erfolg haben wird, wenn sie diesen folgt. Dabei wird sie wie keine Generation zuvor mit falschen Aufstiegsversprechen gelockt und mit Existenzverlust bedroht. Uniformität und Anpassung an ein System, das jetzt schon ungeeignet ist Menschen auf die Zukunft vorzubereiten, wird als Allheilmittel gesehen und ist dabei nur ein Cargo Cult, dem sinnlos in der Hoffnung hinterhergerannt wird, dass man das alles noch gesund beten kann. Die Generation Z steckt zwischen Anforderungsüberfrachtung, Zukunftsangst und sinnfreien Ritualen fest und hat Angst sich zu bewegen, weil man da etwas falsch machen kann. Also wird Eskapismus zur größten Aufgabe, lieber noch mal schnell auf Snapchat, als in eine Welt blicken, die einem Angst macht. Irgendwo zwischen Duldungsstarre und Disengagiertheit versuchen den letzten sicheren Job zu kriegen, damit die Eltern nicht meckern.

Noch nie waren Jugendliche so angepasst wie heute, noch nie hatten Jugendliche so viel Angst sich selbst zu verwirklichen, noch nie haben die Alten so gut dafür gesorgt, dass sich Fortschritt nicht mehr durchsetzt und noch nie haben es junge Leute so bereitwillig akzeptiert.

In einem neuen Biedermeier werden Instagramfotos getauscht und sich selbst beweihräuchert, während die Welt um einen herum durch das Missmanagement der Großelterngeneration verrottet. Und während die Generation Y sich noch darüber streitet, welche Soja-Latte jetzt bei gleichzeitiger Umweltfreundlichkeit besser schmeckt und wie sie am besten gegendert wird, ist das der nächsten Generation schon egal, weil die nur noch hoffen kann, dass sie einen Arbeitsplatz bekommt, an dem sie nicht offensichtlich ausgebeutet wird.

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