Brexit – Dinge die es zu bedenken gibt

Die Bevölkerung des Vereinigte Königreichs von Großbritannien und Nordirland hat mit 51,6% für das Verlassen der Eu abgestimmt. Im Kater dieses Morgens schauen wir uns Brexit nochmal an. Es gilt hier besonders: wer noch Informationen hat, die ich vergessen habe, bitte melden, dann pflege ich die ein! 

Was war

  • David Cameron ist ein schwacher läppischer Premierminister, der durch neoliberales Gequatsche, finanzwirtschaftsfreundliche Politik und weitere Austerität, dafür gesorgt hat, dass die unteren sozialen Statusgruppen sich abgehängt fühlen und Nigel Farage und UKIP folgen.
  • Um den rechten Rand zu befrieden, beschliesst Cameron das Volk über den Verbleib in der EU abstimmen zu lassen.
  • Boris Johnson, ehemaliger Bürgermeister von London und scharf auf den Premierministerposten, schließt sich in reiner innerparteilicher Opposition der LEAVE Kampagne an.

Was ist

  • Bei einer Wahlbeteiligung von 71% haben 51,6% für einen Austritt gestimmt.
  • Dabei haben vor allem, die älteren Menschen für einen Austritt gestimmt.
  • Dazu haben Schottland und Nordirland geschlossengegen einen Austritt gestimmt.
  • Das britische Pfund ist um bis 10% gegen den Dollar eingebrochen. Die Börsen crashen etwas vor sich hin.
  • Schock bei der EU und allen Mitgliedsländern.

Was wird

  • Nordirlands Sinn Fein hat schon ein Unabhängigkeitsreferendum angekündigt.
  • Schottlands SNP wird zeitnah folgen.
  • Die prophezeiten wirtschaftlichen Einbrüche werden passieren.

Offene Fragen

  • Was sagt die Königin dazu?
  • Hält sich das Parlament an das Referendum?
  • Wollen wir das Vereinigte Königreich wieder haben?

23 Gedanken zu „Brexit – Dinge die es zu bedenken gibt

      1. Fabian

        Na gut, weil es im Fakten geht, erst einmal etwas Polemik:
        Juhu, Brexit! “DAS WAR’S WERT!” | HEADLINEZ https://youtu.be/kiC1sxSfGuM
        ^^
        (Die Haltung teile ich aber.)

        Ergänzung zu die NIren und die Schotten haben geschlossen gegen den Brexit gestimmt:
        http://www.spiegel.de/politik/ausland/brexit-die-ergebnisse-in-einer-karte-a-1099133.html
        Eine 44%ige Zustimmung sieht für mich alles andere wie eine eindeutige Ablehnung des Brexits aus. Selbst die 38% der Schotten halte ich für enorm hoch. Immerhin waren dass die, die aus dem UK austreten und gesondert in die EU eintreten wollten.
        London liegt mit 40% sogar noch unter NIrland.

        Am Meisten überrascht mich aber das Ergebnis der Waliser. Mit einer solch hohen Zustimmung hatte ich nicht gerechnet. Die liegen mit England gleichauf und haben mir damit einen Strich durch die Rechnung gemacht.

        Weiterhin:
        Naitschell Fahrasch hat gleich mal sein wichtigstes BREXIT-Argument kassiert:
        http://www.sueddeutsche.de/politik/ukip-chef-farage-kassiert-wichtigstes-brexit-versprechen-direkt-wieder-ein-1.3049615

        Ob das Parlament überhaupt noch gegen das Votum abstimmen kann (dürfen tut es das wohl), kann ich nicht sagen. Jeder mit dem ich gesprochen habe verneinte dies entweder mit “Dann fliegt denen der Laden ganz um die Ohren.” oder “In einer Demokratie ginge sowas nicht.”.
        Obwohl ich Letzteres wohl weniger für ein Argument halte, so kann wohl diese Grundhaltung der Grund für Ersteres sein.
        In ihrer echt sinnleeren und lächerlichen Rede hat die Kanzlerin auch nicht angedeutet, dass das Parlament ja jetzt entscheiden müsse. Sie hat die Entscheidung mit voller Endgültigkeit zur Kenntnis genommen.

        Noch was zu “Was war”, was mir persönlich sehr wichtig erscheint.
        Im Zuge der Brexit-Kampagnen wurde auf beiden Seiten nur über Sorgen und Ängste performt. Einen Diskurs über die EU als Ganzes und UK als Mitglied hat es nicht ein einziges mal gegeben. Zu mindest habe ich das so nicht mitbekommen.
        Die einen sagten, die EU kostet zu viel Geld und die anderen sagen, dass wir Geld verlieren werden, im Falle eines Brexits.
        Was die Vorzüge oder gar die Notwendigkeiten der EU sind, haben die Remainer nicht diskutiert. Ständig wurde das alles als rein ökonomisches Problem erachtet, als wäre die EU nur ein Wirtschaftsbündnis. Obwohl die Beweggründe für beide Parteien ganz klar politischer Natur waren.

        Die EU selbst hat diese Chance auch weder genutzt um öffentlich sachlich über die EU zu diskutieren oder gar notwendige Reformen zu erörtern.

        Dass die Leaver nur krakeelen, damit kann ich leben. Immerhin haben die auch gewonnen. Und wenn man etwas ablehnt, braucht es im Prinzip auch keinen guten Grund.
        Die Remainer und die EU selbst wären aber in der Pflicht gewesen über die EU sachlich aufzuklären und offen darüber zu diskutieren. Dann wäre es einem vielleicht sogar gelungen die Leaver zu dekonstruieren.

        Gruß
        Fabian

        Antworten
        1. advi Beitragsautor

          Ob das Parlament überhaupt noch gegen das Votum abstimmen kann (dürfen tut es das wohl), kann ich nicht sagen. Jeder mit dem ich gesprochen habe verneinte dies entweder mit “Dann fliegt denen der Laden ganz um die Ohren.” oder “In einer Demokratie ginge sowas nicht.”.
          Obwohl ich Letzteres wohl weniger für ein Argument halte, so kann wohl diese Grundhaltung der Grund für Ersteres sein.
          In ihrer echt sinnleeren und lächerlichen Rede hat die Kanzlerin auch nicht angedeutet, dass das Parlament ja jetzt entscheiden müsse. Sie hat die Entscheidung mit voller Endgültigkeit zur Kenntnis genommen.

          Ich wollte es ja nicht sagen, aber technisch gesehen ist das UK keine Demokratie. Das ist maximal eine konstitutionelle Monarchie. Merkel habe ich nicht gehört, ist mir auch egal. Denen fliegt so oder so der Laden um die Ohren.

          Was die Vorzüge oder gar die Notwendigkeiten der EU sind, haben die Remainer nicht diskutiert. Ständig wurde das alles als rein ökonomisches Problem erachtet, als wäre die EU nur ein Wirtschaftsbündnis. Obwohl die Beweggründe für beide Parteien ganz klar politischer Natur waren.

          So, Nicola Sturgeon hat heute was interessantes gesagt, nämlich, dass sie die Kampagne über Angst total dämlich fand und, dass die positive Kampagne der SNP zu den hohen Stimmenzahlen in Schottland geführt haben. (Ich finde 28% dagegen nicht schlimm. Die hätten wir auch, die wählen nämlich AfD.) So und dann schaut man mal hier: http://www.snp.org/updates und ist allein schon bei den Überschriften bass erstaunt, was die SNP, die Mehrheitspartei in Schottland da für eine Kampagne gefahren hat.

          Die EU selbst hat diese Chance auch weder genutzt um öffentlich sachlich über die EU zu diskutieren oder gar notwendige Reformen zu erörtern.

          Doch, doch, aber das kam nur auf Phoenix. Veränderung in der EU könnte zu Störungen im öffentlichen Nahverkehr führen.

          Antworten
          1. advi Beitragsautor

            Das ist auch kein Sarkasmus. Das ist Ergebenheit mit der Welt. Es ist halt alles nicht so, wie es erzählt wird und es gilt nur noch, dass nur über eine bestimmte Art über die Welt nachgedacht wird. Im Aufwachen Podcast über Konstruktivismus, erklären die beiden, dass dieser ein Angebot ist, anders über die Welt nachzudenken. Doch dieses Angebot nimmt keiner mehr an. Es wird nur noch in digitalen Hallkammern (Willkommen in meiner…) kommuniziert, ohne dass Wirklichkeitsprüfung stattfindet. Wie das endet sieht man am Brexit einen Tag danach, wenn die Leute checken, dass Handeln in der Welt immer noch Konsequenzen hat.

            Ich hab an der richtigen Stelle die richtigen Leute reden sehen und schon sieht meine Welt anders aus als deine. Was uns verbindet wird immer kleiner und verhandelbarer.

          2. advi Beitragsautor

            Das ist auch kein Defätismus sondern eine Bestandsaufnahme. Wenn du dir überlegst, dass wir beide hier jetzt seit zwei Tagen unter Ausschluss jeglicher echten Öffentlichkeit diskutieren, dann müssen wir uns mal die Frage stellen, ob das persönlich nicht besser wäre und ob nicht genau diese persönliche Interaktion, in einer realen Welt durchführen sollten. Ich merke immer, dass ich unheimlich gern mit Menschen direkt zu tun habe, und mich entfremdet fühle, wenn ich das per Messenger mache.

      1. Fabian

        Wäre aber gut das mal klar zustellen und aufzuarbeiten.
        Bei den Alten kann ich grantig sagen, die trifft es ja nicht mehr, die haben kein Problem damit ihre Alters-Renitents auszuleben.
        Aber bei den Ärmeren sieht es ja anders aus.
        Zumal der Thatcher’sche Neoliberalismus daran schuld ist und weniger die EU als solches.

        Antworten
          1. Fabian

            Schuld war für mich schon der falsche begriff als ihn tippte. Aber mir viel nichts besseres ein.
            Jedoch wenn wir von Ursachen und Wirkung sprechen, käme ich auf eine ähnliche Aussage.

            Ich habe offen gestanden manchmal echte Probleme Dir zu folgen. Etwas, was ich bei deinen Podcasts nie habe. Wo siehst Du hier einen Catch-22?

            Gruß
            Fabian
            P.S. Schon gesehen: https://petition.parliament.uk/petitions/131215 ?

          2. advi Beitragsautor

            Ursache und Wirkung implizieren aber nicht, dass jemand einen Fehler absichtlich verursacht hat, Schuld schon. Schuld bedeutet immer, dass jemand schlecht ist, weil er etwas falsch gemacht hat, man kann sie nur bei absichtlichem berechnendem Fehlverhalten haben.

            Das liegt daran, dass geschriebener Text schwieriger zu dekodieren ist und ich beim schreiben fauler bin alle Prämissen zu erklären. Daran bin ich also schuld. 🙂

            Wir können den Armen nicht erklären, warum sie ein Problem haben, wenn wir sie nicht bilden. Wenn wir Leute bilden, dann gefährden wir unseren eigenen Hoheitsanspruch. Wir möchten aber unsere Privilegien immer behalten, also lassen wir die Leute doof und wundern uns dann, wenn sie doofes tun. Und da Bildung ein Fahrstuhl ist, sind immer Leute unten, die doofes tun. Wir können nur mehr Leute in der Mitte des Fahrstuhls einsteigen lassen. Dann verlieren wir aber wieder die Kontrolle über die Gesellschaft und müssen ernsthaft verhandeln und das wollen wir nicht, weil Privilegien und deswegen erzählen wir lieber Geschichten und es ist alles so anstrengend und das wollen wir auch nicht. FURCHTBAR!

            Die Petition habe ich gesehen. Das wird nix. Ich kann nicht per Parlament und Petition eine Volksabstimmung aufheben. Plebiszitäre Entscheidungen sind so stark, weil es in einer Demokratie nichts gibt, was sie übertrumpfen kann.

            Okay, UK ist eine Monarchie, man könnte mal Lizzy fragen.

          3. Fabian

            “Plebiszitäre Entscheidungen sind so stark, weil es in einer Demokratie nichts gibt, was sie übertrumpfen kann.”
            Das Parlament.
            1. Es würde mich wundern, wenn ein Referendum den gleichen oder gar höheren Stellenwert als eine Abstimmung im Parlament hätte.
            2. Man hätte alle UK-Bürger abstimmen lassen sollen. Hat man aber nicht.
            Die Bürger, die von der Freizügigkeit gebraucht machen und seit mind. einem halben Jahr im EU-Ausland leben und arbeiten durften nicht mit abstimmen. Ausgerechnet die, welche am meisten von der EU profitieren und jetzt am ehesten gekniffen sind. Wie viele werden das sein? 5-6Mio? Gewiss weit mehr als der lächerliche Diff.

            Ich lasse diese technokratische Argumentation eh nicht gelten.
            Alle sind sich jetzt einig, dass das Ergebnis großer Rotz ist. Dennoch wirft man die Verfahrensmachinerie an, entgegen dem Willen der halben Bevölkerung, ohne nach vorn und zurück zuschauen. Und das wegen eines Referendums.
            Es kann mir keiner Erklären, dass der EU-Beitritt von UK auch nur mit einer Stimme Mehrheit im Parlament gültig gewesen wäre. Ich würde mich über einen Beitritt bei einem Referendum mit 51% Zustimmung genauso ärgern. Was soll das?
            Man befragt das Volk™ und am Ende entscheiden die Würfel? Am Ende wird gegen die Hälfte der Bevölkerung entschieden?

            Gruß
            Fabian

          4. advi Beitragsautor

            Ich bin ja ein Fan einfacher Fragen. Die erste ist: wer wählt das Parlament? Die zweite: Wenn diejenigen, die das Parlament wählen, sich äußern, wie kann das Parlament sie dann überstimmen? Dritte Frage: Sind die 5-6 Mio im Parlament repräsentiert?

            Wenn du das nicht gelten lässt, habe ich auch ein paar Fragen: 1. Warum soll die Argumentation denn nicht gelten? 2. Gehört zur Demokratie nicht das Mehrheitsprinzip? 3. Kann es sein, dass bei einem gegenteiligen Ergebnis diese Diskussion nicht geführt werden würde?

          5. Fabian

            @Thomas
            Das machen wir aber mal mündlich. Du versuchst mich hier genauso auszutänzeln wie die Jungs von Caputnix oder deine Schüler.
            Da ich Etwas, was sicher seine Berechtigung hat, aber bei dem ich mir die Finger wund tippe.

            Also versuche ich mal ebenso kurz zu antworten.

            Die erste ist: wer wählt das Parlament?

            Die Bürger (mit Ausnahmen und mal mittelbar und mal unmittelbar).

            Die zweite: Wenn diejenigen, die das Parlament wählen, sich äußern, wie kann das Parlament sie dann überstimmen?

            Das ist eine Frage der Gesetzeslage. Wenn wir eine representative Demokratie haben, in der wir diese Aufgabe Parlamentariern übertragen haben, dann ja. Genau wie ein Polizist verhaften und eine Schusswaffe tragen darf und ich nicht. Sonst könnten wir ja auch alle den (von uns gewählten) Innenminister überstimmen und morgen selbst Cop spielen.

            Dritte Frage: Sind die 5-6 Mio im Parlament repräsentiert?

            Völlig belanglos, wenn man äußere Zwänge konstruiert, an die sich diese dann zu halten haben. Offenbar gibt es in UK imperative Mandate.

            1. Warum soll die Argumentation denn nicht gelten? 2. Gehört zur Demokratie nicht das Mehrheitsprinzip? 3. Kann es sein, dass bei einem gegenteiligen Ergebnis diese Diskussion nicht geführt werden würde?

            Ich beantworte nur Frage drei, da ich denke, dass es lediglich darauf hinaus läuft.
            Schau in den letzten Post von mir und Du wirst lesen: “Es kann mir keiner Erklären, dass der EU-Beitritt von UK auch nur mit einer Stimme Mehrheit im Parlament gültig gewesen wäre. Ich würde mich über einen Beitritt bei einem Referendum mit 51% Zustimmung genauso ärgern. Was soll das?”
            Dann hätten wir doch nahezu das gleiche Spiel.
            Die eine Hälfte bejubeln ihren Vorsprung von 1,8% und die andere Hälfte verstehen nicht, dass sich gerade für sie die Welt ändert. Bei 10% zu 90% Prozent oder 30% zu 70% kann jeder die Mehrheitsentscheidung akzeptieren. Und selbst dann wäre es nicht verkehrt darüber nochmal zu beraten. Stattdessen aber tun jetzt alle so, als hätte es gottgleichen Charakter wenn die einen 50% beschließen auszutreten und die anderen 50% übergangen werden. Die Medien und Frau Merkel tun aber so als wäre es genauso und ich verstehe das einfach nicht.

            Ach so, eins noch, falls Du mit Gegenteil nicht den EU-Beitritt meinst, sondern dass die Remainer mit knapp 52% davon gekommen wären: Ja, klar. Es macht halt einen Unterschied ob ich als EU-Mitglied austrete oder alles bleibt wie es ist. Genauso macht es einen Unterschied ob ich als Nicht-EU-Mitglied beitrete oder alles so bleibt wie es ist.

            2/3-Mehrheitsentscheidungen werden im B-Tag auch nicht so oft durchgeführt, bis eine der beiden Positionen durchgesetzt hat, sondern einmal. Wenn sich dann die schwerwiegendere Position (z.B. eine Verfassungsänderung) mit 2/3 durchgesetzt hat OK, wenn nicht dann nicht.
            Ggf. werden solche Anträge umgeschrieben und neu eingebracht.

            Schon wieder wunde Finger. 😉

            Gruß
            Fabian

          6. advi Beitragsautor

            Nein, das ist eine ganz einfache Strategie, sie nennt sich Wirklichkeitsprüfung. Ich stelle diese Fragen, weil wir Prämissen klären müssen und weil aus diesen Prämissen ein Schluss gezogen werden kann. Es ist aber nicht meine Aufgabe, diesen Schluss einfach hinzuknallen, weil dann akzeptierst du den ja nicht. Also machen wir es schrittweise.

            Die zweite: Wenn diejenigen, die das Parlament wählen, sich äußern, wie kann das Parlament sie dann überstimmen?

            Das ist eine Frage der Gesetzeslage. Wenn wir eine representative Demokratie haben, in der wir diese Aufgabe Parlamentariern übertragen haben, dann ja. Genau wie ein Polizist verhaften und eine Schusswaffe tragen darf und ich nicht. Sonst könnten wir ja auch alle den (von uns gewählten) Innenminister überstimmen und morgen selbst Cop spielen.

            Nein, es ist keine Frage der Gesetzeslage, sondern eine der Legitimität. Du argumentierst hier auch rein technokratisch. UK hat keine geschriebene Verfassung, also ist alles Konvention. In dieser Konvention ist die Königin der Souverän, nicht das Volk. Dem Volk wird aber Mitsprache garantiert und normalerweise spricht es mit, in dem es das House of Commons wählt. Allerdings steht nirgendwo, dass das Volk nicht auch direkt mitsprechen kann und dann ist seine Entscheidung legitimer als die des Parlamentes, da dieses seinen Auftrag vom Volk empfängt, aber auch nicht an dieses gebunden ist. Das bedeutet, dass das Parlament eben nicht dasselbe Volk überstimmen kann, das es wählt.

            Dritte Frage: Sind die 5-6 Mio im Parlament repräsentiert?

            Völlig belanglos, wenn man äußere Zwänge konstruiert, an die sich diese dann zu halten haben. Offenbar gibt es in UK imperative Mandate.

            Es gibt schon immer Whipping, also institutionalisierten Fraktionszwang. Aber es ist eben nicht belanglos, wenn du es demokratietheoretisch siehst: sind diese 5-6 Mio. Leute berechtigt das Parlament zu wählen, dann muss man die Frage nach der besseren Repräsentation durch das Parlament stellen und sich fragen, ob es damit das Referendum überstimmen kann, weil es eben von mehr Menschen legitimiert ist, als am Referendum teilnehmen konnten.

            Frage 1 ist unheimlich wichtig. Es geht aus meiner Sicht nicht, dass alternative Wege einfach aus ideologischen Gründen weggewischt werden. Das ist nämlich “alternativlos” in der subjektiven Setzung dessen, was objektiv diskutiert werden muss.

            Ich beantworte nur Frage drei, da ich denke, dass es lediglich darauf hinaus läuft.
            Schau in den letzten Post von mir und Du wirst lesen: “Es kann mir keiner Erklären, dass der EU-Beitritt von UK auch nur mit einer Stimme Mehrheit im Parlament gültig gewesen wäre. Ich würde mich über einen Beitritt bei einem Referendum mit 51% Zustimmung genauso ärgern. Was soll das?”

            Zum ersten: doch und natürlich. Allerdings hätte sich dann das Volk gegen sein Parlament gestellt. So, jetzt hat man aber dieses Volk gefragt und es hat so entschieden und damit ist die Sache gegessen. Volk hat gesprochen, das Mehrheitsprinzip gilt (darüber ob die Mehrheit dumm gewählt war, darf man in Ruhe müßig streiten. (ja, war sie.)) und damit ist das jetzt so. Hurra Demokratie!

            Was du missverstehst ist, dass man Referenden ernst nimmt, weil sie Volksentscheidungen sind. Wegen der Legitimitätskaskade, die ich oben gezeigt habe. Parlamente dürfen wankelmütig sein, Volksentscheidungen gelten, weil sonst die gesellschaftliche Kohäsion im Eimer ist. Es gibt Prinzipien, die eben nicht verhandelbar sind und die man nicht anrühren will, möchte man komplette soziale Beliebigkeit in der Welt haben. Das Mehrheitsprinzip ist so eines. Es ist unbefriedigend, wenn es knapp ist, aber die Prozente müssen sich alle Beteiligten vorher überlegen. Es ist nämlich ihr Referendum. Im Nachhinein die Spielregeln zu ändern, weil einem das Ergebnis nicht gefällt, ist gefährlich, weil es technisch von Diktatur nicht zu unterscheiden ist.

            Das mit den Anträgen an den Bundestag funktioniert aber eben auch nur im Parlament, weil das Parlament dafür da ist agil Politik zu diskutieren. Das Volk gibt diese Aufgabe nicht umsonst ab und nicht umsonst müssen bei Referenden klare “ja”-“nein” Fragen gestellt werden. Es ist niemandem zuzumuten im nitty-gritty der Realpolitik eine ausgewogene Inhaltspolitik mit allen anderen Menschen im Land zu gestalten. Deswegen kann man Anträge umschreiben, aber nicht Referenden beliebig durchführen.

            Ach so, eins noch, falls Du mit Gegenteil nicht den EU-Beitritt meinst, sondern dass die Remainer mit knapp 52% davon gekommen wären: Ja, klar. Es macht halt einen Unterschied ob ich als EU-Mitglied austrete oder alles bleibt wie es ist. Genauso macht es einen Unterschied ob ich als Nicht-EU-Mitglied beitrete oder alles so bleibt wie es ist.

            Das habe ich gemeint und die Antwort ist für mich genau das Problem. Wie bei Frage 1 geht es hier darum, dass jetzt versucht wird Regeln zu biegen, die dafür da sind Gemeinwesen regelbar zu halten, weil dieses Gemeinwesen nach dieses Regeln eine Entscheidung getroffen hat, die es selbst nicht wollte. Siehe auch den letzten Blogpost. Das ist keine Spielwiese. Politik hat Konsequenzen in der Realität und Referenden haben immer soziale Konsequenzen und in diesem Fall auch politische. Sie haben alle damit gespielt und jetzt gefällt das Ergebnis nicht, aber die Regeln zu ändern wird schwierig. Wenn man jetzt das Referendum ignoriert, dann bedeutet das, dass politische Regelung gesellschaftlicher Probleme im UK langfristig nicht mehr institutionalisiert ablaufen kann, weil sich die Institutionen selbst nicht an die eigenen Regeln halten. Ist diese Präzedenz erst einmal geschaffen ist der Weg frei für jede Art von Diktatur, weil sich dann niemand mehr an irgendwas halten muss. Und wenn wir hier an der Seitenlinie aus unseren ideologischen Wünschen heraus das Abschaffen der Regeln befürworten, dann machen wir uns an den Konsequenzen dessen mitschuldig, weil auch wir dann Regeln nicht mehr respektieren, die auch unser Land zusammenhalten.

          7. advi Beitragsautor

            Jo people are hoping this is true. Na dann hofft mal. Mir ist das alles zu parteipolitisch gedacht. Cameron ist auf einmal der große Stratege? Wenn dann nur aus Zufall. Und dann: ist das immer noch ein Schmierentheater auf Parteiebene, das reale Auswirkungen auf die Mitgliedschaft in der EU hat.

            Denn, wenn man das Volk fragt, insbesondere bei nahezu 50/50 Ergebnissen, dann hat man nunmal das Problem, dass die einen knapp 50% unzufrieden sind. DESWEGEN FRAGT MAN DAS VOLK NICHT! Jetzt klammern sich alle an solche Theorien, wie die aus dem Artikel. Ganz großes Tennis, weil das auch nur Geschichten sind. Realität ist erstmal: die Mehrheit der Leute hat für Leave gestimmt. Die haben alle gehofft und jetzt muss mit der Realität umgegangen werden und das Gespenst wieder in die Kiste. Egal wie die Nummer läuft: UK ist gesellschaftlich und politisch schwer beschädigt und man kann nur hoffen, dass dabei nicht die Grundregeln der gesellschaftlichen Konfliktlösung drauf gehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.