Anleitung zum offenen Netz

Ich habe ja letztens darüber geschrieben, dass man am besten selbst seinen eigenen Content hosten sollte. Dann fiel mir auf, dass die meisten Leute wahrscheinlich gar nicht wissen, welche Technologien da draußen so sind und wie man sie nutzen kann. Einer der Hauptgründe für die Popularität in Facebook ist dessen angebliche einfache Zugänglichkeit. Diese existiertbauch bei vielen anderen Technologien, sogar sowas wie serverinstallierten Contentmanagementsystemen (CMS). Deswegen hier mal die Liste an Sachen, die man neben oder anstatt der blau-weißen Großplattform verwenden kann.

Foren und Diskussionsplattformen

Foren und Diskussion scheint ja das Hauptsächliche an Facebook zu sein1 Das geht natürlich auch auf dem eigenen Webspace, obwohl ich gerade vor Webforen und deren legalen Problemen warnen muss. Trotzdem gibt’s da was, was man schon basteln kann, was abgehangen ist und was eigentlich jeden etwas gealterten internetaffinen Menschen zu stöhnendem Erinnern bringt. Ja, genau: phpBB. Ist halt da so die Waffe der Wahl. Aber dann habt ihr am Ende die Facebookdiskussionen auf eurem eigenen Webspace. Wer drauf steht…

Wer nicht drauf steht, dem sei das Web 1.0 (vielleicht sogar 0,5) ans Herz gelegt. Das Usenet gibt’s immer noch. Reinschauen wird immer schwieriger und man sollte hier noch mehr die FAQs lesen. Gibt’s noch. Historisch wertvoll.

Eigene Websites

Also man kann das billig haben bei verschiedenen Internetanbietern und solchen 1-Click Websitebuden. Das ist aber echt so arm. Selbst HTML schreiben ist auch problematisch, aber möglich. Soweit ich weiß gibt es immer noch visuelle HTML Editoren, wo dann hinten eine Seite rausfällt, die man im Zweifel nicht von der W3C validieren lässt. Wer’s braucht, kann das immer noch haben, allerdings ist eigentlich heute so das Blog die Waffe der Wahl.

Wenn man allerdings etwas interaktives haben möchte, dann kann man auch gleich ein CMS installieren. Dazu braucht es dann etwas Vorbereitung2 und auch Administrationsaufwand, aber das sieht auch alles fix richtig gut aus.

CMS

Kommen wir doch gleich dazu. CMS3 sind so eigentlich die Waffe der Wahl, wie man mit einem anständigen Backend ohne Schmerzen seine Inhalte ins Netz packen kann. Doch nicht alles kann alles. Ich habe so die großen Sachen alle mal ausprobiert und werde mal zwei Standard Open Source CMS vorstellen.

WordPress

Das hier ist ein WordPress. Es ist so die Standardplattform fürs Bloggen, aber auch für viele andere Fälle. Die Installation ist mittlerweile eine Sache von ungefähr 5 Minuten, wenn Domain und Datenbank vorhanden sind. Dann gibt es eine riesige Menge an Themes und Plugins, die das Ding zu fast allem machen können, was man so als Präsentationsinstanz braucht. Ich habe mittlerweile zwei Blogs und eine Galerie aufgesetzt und das schnippt alles nur so. Für eure Mitteilungen an die Welt also genau das Richtige.

WordPress kann noch etwas sehr gut, nämlich Podcasts. Seitdem es das Podlove Projekt gibt, ist Podcasts erstellen mit WordPress echt gut geworden. Es ist mittlerweile die Standardsoftware um sein Audio ins Netz zu blasen.

Drupal

Drupal ist schwieriger zu managen als WordPress, aber aus meiner Sicht auch noch flexibler. Die Wartung ist nicht ganz so galant wie die von WordPress, ansonsten ist es ähnlich. Die Module und das Updaten braucht noch so manuellen Zugang. Es ist aus meiner Sicht aber sogar etwas mächtiger als WordPress, weil dies doch eher Blog sagt.4

Wie kriegen die Leute mich da aber mit?

Da muss ich doch noch drüber reden. Das offene Web in dem ihr das alles selbst hostet und selbst macht hat natürlich einen Nachteil in dem er das, was er da selbst macht auch verbreiten muss. Dafür sind soziale Netzwerke unabdingbar, aber nicht die einzige Lösung. Doch fangen wir mal mit denen an.

Facebook, Twitter und Co.

Man sollte immer sein Zeug auch in Facebook und Twitter kübeln. Hier eignen sich bestimmte Plugins in den CMS. Ich mache das ja auch hier. Dann braucht man nur noch die passenden Accounts und los gehts. Du hast den einfachen Zugang zur Öffentlichkeit und gleichzeitig deine eigene Infrastruktur auf der das läuft. Das ist so das Beste, was man hier haben kann.

RSS/Atom

Das ist ja eigentlich die geilste Technologie, die man haben kann. RSS ist ein Standard der Seitendaten zusammenfasst und für eine Lesesoftware automatisiert lesbar macht. Die guggt dann regelmäßig nach und zeigt dir eine Zusammenfassung dessen, was du abonniert hast. Sehr edel und weitaus selektiver und lesbarer als die Twitter- oder Facebooktimeline.5 Die ganze CMS Software spuckt automatisch RSS aus und man braucht nur den Feed auslesen. Das ist dann auch noch für Podcasts wichtig, weil die auch darauf basieren.

So, das ist so die Kiste an Zeug, das man auch verwenden kann, wenn man seinen eigenen Content im Netz haben möchte und unabhängig auch lesen möchte, was man will ohne sich einen Wolf zu klicken.

  1. Und eine Sache in der es aus meiner Sicht grandios versagt. []
  2. Will heißen Geld für den entsprechenden Webspace. []
  3. Contentmanagementsysteme []
  4. rein persönliche Einschätzung! []
  5. Vor allem selektiver, weil du aussuchst, was du liest und nicht Facebook. []

5 Gedanken zu „Anleitung zum offenen Netz

  1. Christian N. Hofmann

    Also das ganze ist ja schon spannend – ich habe mittlerweile hunderte von Seiten auf- und wieder untergehen sehen, nicht nur meine eigenen – jeder Informatiker, der etwas auf sich hält, unterhält mindestens eine eigene Domain, und pflegt den Content mehr oder weniger gut.
    Denn eines ist sicher: Die schönste Seite lebt nicht lange, wenn kein Content generiert wird. Und der schönste Content hilft nichts, wenn die Seite nicht gelesen wird.

    Aber zurück zum Thema: Die drei Großen – Typo 3, Joomla und WordPress – sind für einen unbedarften Nutzer der blanke Horror. Allein die Voraussetzung einer MySQL-Datenbank überfordert den Großteil der Anwender. Dazu kommt noch, dass die Dinger immer wie “von der Stange” aussehen, die wenigen angebotenen Layouts, die dann mal von dem tristen Grau des WordPress-Himmels abweichen, rangieren zumeist zwischen “Uäääh, sowas kommt mir nicht auf den Webspace!” und “Das kriegt mein Cousin besser hin, und der ist noch im Kindergarten!”.
    Ich würde an dieser Stelle eher auf kleinere, unbekanntere Systeme verweisen, wie z.B. das Get Simple CMS, welches mit einer Flatfile-Datenbank im XML-Format daher kommt, und erstmal nichts von dem unnötigen Ballast (Multiuser, Gästebuch, Datenmüll-Generator (“Besucherzähler”), und was nicht noch alles) mitbringt. Für ein Blog wäre die Software FlatPress sinvoll, auch wenn diese für meinen Geschmack schon wieder zuviel Firlefanz integriert. Webspace für Flatfile-Systeme ist teilweise bereits für unter einen Euro inkl. Domain zu haben, und man ist schonmal eine Sicherheitslücke los…

    Ach so… dein Design hier hat einen Design Flaw: Wenn ich mit meinem FireFox Daten eingebe (Name/Email/Website – naja, auf letzterer läuft momentan nur ein Issue Tracker, also vernachlässigbar), werden mir diese nicht angezeigt.
    Und wo wir grade dabei sind: Warum keine openID-Unterstützung?

    Na dann,
    cubistische Grüße,
    Christian das meckernde IT-Schaf

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    1. advi Beitragsautor

      Ja, deswegen musst du halt deinen Content auch wieder in die Social Networks reinkippen. Aber ich lasse mir ungern meine Meinung von irgendwelchen Privatunternehmen löschen oder erteile denen eine Generallizenz für meine Bilder. Es geht halt nur mit beidem.

      Also WordPress ist mittlerweile echt einfach und die MySQL Datenbanken wirft man dir mit Webspace angemessener Größe eigentlich auch hinterher. Ich brauchte für die Installationen hier jeweils maximal 10 Minuten. Typo3 und Joomla sind beides tatsächlich schmerzhaft und ich würde die auch nicht benutzen wollen. Das Drupal geht, aber ist manchmal auch echt behämmert.

      Was die Themes von WordPress angeht, nuja, wenn man was anderes will, dann kriegt man sicher auch was. Aber den meisten, inklusive mir, ist die Suchererei zu doof. Ich fand das Drupal weitaus besser theme-bar als das WordPress.

      Get Simple ist interessant und ich werde es mal aufm Schirm behalten. Allerdings bietet dir so eine Standard-Wordpress Installation jetzt aus der Kiste auch nicht mehr oder weniger. Was die Sicherheit von MySQL angeht: achjechen, ist alles unsicher. Der Support ist dann dafür im Zweifel auch größer.

      Das Design ist, wie du oben bemängelst, der aktuelle WordPressstandard. Warum da was nicht angezeigt wird im Firefox muss ich mir ansehen. Kann an den Plugins liegen… OpenID? Warum nicht…

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      1. Christian N. Hofmann

        Na, zumindest bei mir hat das mit den Social Networks ja funktioniert 😉 In der Regel genügt das Material, das ich in Social Networks veröffentliche, nichtmal der schöpferischen Leistung – damit ist also Urheberrecht und der Rest eh drausen. Für Texte jedweder Art nutze ich selbst keinverlag.de – eine ähnlich inzestöse Plattform wie deviantart, die noch unbekannter ist und noch weniger Nutzer hat.

        WordPress hab ich mir vor nem halben Jahr mal angeschaut, und es dann als nutzlos in die Ecke geworfen – ich selbst habe keinen Nutzen für eine Blogging-Plattform, die müsste man ja pflegen… Sofern ich eine Homepage mit etwas anderem als für den eigenen Gebrauch geschriebenen Tools (bsp. Issue-Tracker und SVN/GIT-Repositories auf cnh-dev.de) betreibe, soll es dann doch lieber eine echte Homepage sein, kein Blog, auf der größtenteils static content (Referenzen, Papers, Kontaktdaten) zu finden sind.
        Was MySQL und die Sicherheit angeht: Klar, die meisten großen Systeme achten auf die Sicherheit. Aber dann muss man auch regelmäßig auf die aktuellste Version aktualisieren, das Theme wieder reparieren, etc. – ist mir persönlich zu viel Stress. Klar, die Wahrscheinlichkeit, dass mir jemand die eigene Seite hacken will ist relativ gering. Aber dummerweise gibt es immer Script-Kiddies, die ihre Spielzeuge im Namen von Anonymous mal ausprobieren wollen…

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        1. advi Beitragsautor

          Das funktioniert sogar ziemlich gut in dem Rahmen, in dem ich arbeite. 😀
          Aber das Ding mit den social networks ist, dass ich dort weder eine anständige Kontrolle über Kommentare noch über das habe, mit dem mein Content in Zusammenhang gebracht wird. Das ist sogar jetzt beim Reinlinken schon problematisch, aber etwas, was ich mir halt beruflich auch nur zu einem gewissen Teil leisten kann und will. Da muss ich mich etwas verstaubter verhalten als so manch anderer, weil ich für eine Organisation arbeite, die Öffentlichkeit und Kontrolle der Information sehr ernst nimmt.

          Ja, static content hatte ich früher. Aber da habe ich lustigerweise viel weniger Lust auf die Pflege gehabt als bei dem Blog hier. Nebenbei ist das Blog ja eben nicht dafür da. Es ist also so ne Strategiegeschichte. Hat viel mit Job und Perspektive zu tun.

          Dadurch, dass ich mindestens einmal die Woche einen festen Spot für Internetarbeit habe, (Nämlich den Besuch im heimischen Hackerspace. 😉 ) habe für die Pflege meinen Rhythmus und deswegen weder nen Problem mit dem Pflegen der Blogs noch dem Rumgehacke, wenn was mit den Seiten schiefgeht.

          Ich denke es hat halt viel damit zu tun, was man tun will. Und so, wie ich sehen kann, warum dir das Zeug nichts bringt, so bringt es mir gerade was. Ich brauch halt meine kleine Bierkiste auf die ich mich stellen kann.

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    2. advi Beitragsautor

      Nachtrag: Geht wieder mitm Firefox. Das war das Plugin und um das Feature isses nicht schade.

      Edit: OpenID ist auch drin. Man erfüllt ja kleine Wünsche gern.

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