Archiv der Kategorie: Chaos

Drei Worte und ein Halleluja

Ich habe gerade den Fehler begangen auf twitter nach Stichworten zu fragen, weil ich mich langweile. Also schreibe ich jetzt mal kurze Geschichten zu drei Sätzen Stichworte, die mir so gegeben wurden. Es waren genug damit es mehrere kurze Vignetten werden. Wer komischen Kram angibt ist für komische Geschichten verantwortlich. Los geht’s!

Starbuck Reihe Mais

Ein Venti Latte musste es jetzt sein! Marie-Luise Müllers Tag war eine Katastrophe! Alles fing mit den absolut indiskutablen kindischen Essenwünschen von Günther an! Maiskolben, wie in der Jugend! Mit Butter! Weiß er überhaupt, wie viel Fett da drin ist? Und dann der Wochenmarkt! So viele Menschen, warum hat sie nicht einfach Magdalena geschickt? Nein, sie musste ja versprechen ein „Familienessen“ mit allen „Lieblingsgerichten“ zu kochen. Das war alles zu viel! Jetzt stand sie endlich in der Reihe um ihren verdienten Kaffee zu kriegen. Wenn der Typ vor ihr doch nur wüsste, was er will!

Wunderkerze Nase Gullideckel

Silvester war wieder so schön! Die knisternde Kälte unter dem klaren Winterhimmel versprach einen Jahresübergang, an den sich viele Menschen liebevoll romantisch erinnern. Frierend mit einer Wunderkerze in der einen und einem Glas etwas zu schlechtem Sekt in der anderen Hand das neue Jahr begrüßen, macht viele Menschen glücklich, auch wenn sie die nächsten zwei Wochen verrotzte Nasen und Keuchhusten vom ganzen Feinstaub haben, der die Straßen vernebelt bis man nur noch die Gullideckel sehen kann. Und so standen sie auch diesmal wieder auf der Straße, um das Jahr zu verabschieden und zu begrüßen.

Homebanking Holunder Schilddrüsenüberfunktion

Die Holunderschorle schmeckte vorzüglich zum warmen Sonnenschein, der auf die hölzerne Terrasse fiel. Es war ein langsamer Tag für Johnny Malone, der in Jeans und Unterhemd in seinem Korbstuhl saß und müde das Drama im Homebanking ansah. Wenn er nicht bald einen neuen Auftrag an Land ziehen konnte, dann musste er wieder Bohnen aus der Dose essen. Das war immer so ein Drama, weil er dann noch mehr abnahm. Seine Schilddrüsenüberfunktion machte ihn so schon sehr dünn und während er zitternd die Zigarette zum Mund führte, ärgerte er sich jetzt schon, obwohl er sicherlich noch für zwei Wochen genug Geld zum Leben ohne Dosenbohne hatte. Während Johnny in der Erwartung schlechten Essens gefangen weiter an der Zigarette zog, verdunkelte sich auf einmal die Sonne. Er drehte sich dem Schatten zu, der von einem Mann in einem langen Staubmantel geworfen wurde. Als er in das vernarbte Gesicht sah, wurden die Bohnen auf einmal wieder sehr attraktiv. Aber Johnny konnte noch nie dem Unheil widerstehen, also zeigte er rauchend auf den Stuhl vor seinem Tisch. Der Fremde setzte sich und schaute Johnny lange mit herausfordernder Ruhe an, bevor er zu sprechen begann.

So, mehr gibt’s nicht. Die Übung war schon schön genug. Ich danke für alle Stichworte!

Projektabrechnung 2017

So, ich hatte ja auch 2017 wieder Projekte. Dann schauen wir mal, was aus denen so geworden ist.

Fotografie

Der Workshop war gut und schön, und bescherte mir ein LED Striplight. Ich hatte dieses Jahr mehr Spaß am Gerät und auch etwas mehr Bandbreite. Ich bin da sehr zufrieden.

Infinity

Ich habe mehr gespielt und bin da besser geworden. Ich hab da auch das eine oder andere Spielzeug dazu gecrowdfunded. Mit Aristeia! ist ein weiteres Spiel, das ich da dauerhaft spielen werde. Der Infinity Manga war auch cool. Ich habe auch neue Spieler kriegen können, weswegen wir jetzt perspektivisch tatsächlich eine zweite Spielplatte brauchen.

Rollenspielerei

Ging absolut nix dieses Jahr, wurde aber gegen eine hoffentlich halbwegs regelmäßige Runde Kingdom Death Monster ersetzt. Mal sehen, ob das besser läuft. Dadurch, dass da die Spielmaterialien großflächig vorbereitet sind, gibt es halt weniger Vorbereitung.

Die Küche

Wurde eingebaut und hat meine Lebensqualität stark erhöht. Dazu kommt das mit dem Mealprep.

Podcasterei

Schulsprecher ging weiter, dazu kam das soziologische Kaffeekränzchen und spontan Lernfragen. Es ist schon relativ viel los da… mir gefällt durchaus der Impact, den wir haben, auch wenn er noch klein ist.

Jahreswechsel 2017/18

Grenzen sind magisch. An Ihnen entscheiden sich Dinge, Entscheidungen werden zu Wirklichkeit und Realitäten ändern sich. Der Jahreswechsel ist eine rein sozial definierte Grenze, aber sie ist genauso real wie alles, was wir uns vorstellen können.

Für viele war 2017 ein scheußliches Jahr, für mich nicht. Während die Welt ihr bestes getan hat so zu tun, als würde sie untergehen und während immer mehr Menschen das zum Anlass für katatonisches Stillhalten oder aber hysterisches Agitieren nehmen, bleibt doch der Ausgleich zurück…

Ich möchte mich noch schnell bei allen bedanken, die mir auf irgendeine Art gefolgt sind und die mir Zuwendung entgegen gebracht haben. Insbesondere gilt das für die wunderbare Isabell, Claudia und Melli vom Jugendtreff, den sanen Teil meiner Kollegenschaft, Christiane, Mareike, meine Eltern, Jennifer und Christoph vom soziologischen Kaffekränzchen, Christoph vom Schulsprecher Podcast und alle anderen, die ich jetzt gerade vergesse.

Kommt alle gut über diese Grenze und nehmt das Gute mit! Die Welt wird uns auch 2018 brauchen.

Weihnachten 2017

So, es ist der 24.12.2017 also Weihnachten… ich hoffe ihr habt alle den Modus gefunden in dem ihre an den drei Feiertagen leben möchtet und findet die Ruhe oder Unruhe, die ihr für euch braucht.

Ich wünsche euch: frohe Weihnachten, ein schönes Geschenkefest, ein gutes Kwanzaa, ein schönes Yule, ein gutes Hannuka, einen schönen Dies Natis Solis Inviciti, oder was auch immer ihr feiern wollt.

Lasst es euch gut gehen.

HCH024 Unterricht mit Smartphones

Ich wurde gefragt, ob ich mal sagen kann, was ich dazu mache und es wurde ein kleiner Rundumschlag durch die Didaktik, mit einem kleinen Abstecher dahin, was ich so im Sozialkundeunterricht mache.

Shownotes

Gewohnheiten…

Ich benutze ja Zeitmanagement und ähnliches um mein Leben zu organisieren. Normalerweise mache ich das über OmniFocus. Das ist furchtbar mächtig, erstaunlich teuer und seit langem meine Waffe der Wahl wegen Sync und so weiter. 

Nun habe ich in letzter Zeit habitica ausprobiert. Das ist ein To-Do Listen Dingsbums mit einem RPG-Community Ansatz. Man bekommt also kleine Belohnungen für getane Arbeit, die sich in Ausrüstung für einen Rollenspielcharakter äußern und dann dabei helfen Quests abzuschließen. In den Quests arbeiten Leute zusammen und dann hat man auch etwas Sozialdruck. So fein so gut. Allerdings doppelt das nun mein OmniFocus und ist nicht so verlässlich. Also ging es für mich zurück zu OmniFocus, weil das einfach beruhigend gimmickfrei und verlässlich ist. Allerdings hatte Habitica die Möglichkeit Gewohnheiten einzutragen, die dann abgehakt werden können.

Nun habe ich zuerst gedacht, dass ich diese Funktion dringend brauche, und dann mal nach Ersatzapps nachgesehen und festgestellt, dass es genau eine Anwendung gibt und da nervt mich meine Apple Watch schon mit.

Und so stellt sich heraus… ich muss mich nicht mehr zu Gewohnheiten dressieren lassen, als ich das eh schon tu.

WMDEDGT – Dezember Edition

Einen wunderschönen Tag wünsche ich euch. Heute ist wieder der 5. des Monats und ich mache wieder beim Tagebuchprojekt von Fr. Brüllen mit.

Los ging es heute relativ früh, nachdem mich das Tier der Nachbarn ausm Schlaf gebellt hat. Um sechs bin ich mit meinem Tier unterwegs gewesen und bin gerade am Frühstücken. Alles ist gut, vor allem hatte ich eine Rückfall zu HIM, weil die Herzensperson auf der Abschiedtour war. Das brachte dann eine Runde „Join me in Death“ und „Wicked Game1

So, jetzt geht es weiter mit der vorerst letzten Kurzarbeit dieses Jahres. Die möchte bis morgen fertig werden, aber nachdem erst um 11 das mit dem Unterricht angesagt ist, kriege ich das hin.

Kurzarbeit ist mittlerweile geschafft. Das mit dem Unterricht auch, dazu noch Leute zu Nachschriften eingeladen2, eingekauft und ein Weihnachtsgeschenk abgeschickt. Dann nach Hause gestürzt und mit dem Schnuffeltier wieder in den Wald. Jetzt sitze ich mit dem Laptop am Arbeitsschreibtisch, weil ich noch Weihnachtsgeschenke mit InkScape zeichnen muss und die Software aufm Laptop und nicht dem Arbeitsrechner ist, ich aber auch ein ordentlich Unterlage dafür brauch.

So, die Weihnachtsgeschenke, in Form von Namensschildern für die Kinderzimmer, sind großflächig fertig gestellt und ich habe zwei Jungs aus dem Jugendtreff mal mit in den Space genommen und ihnen das Nerdwunderland gezeigt.

Und dann bin ich daheim durch die Tür gestürzt mit dem kuschelbedürftigen Hund unterwegs gewesen und schreibe diese Zeilen hier…

  1. Der junge Villa Valo… *miau* []
  2. Probezeiten kommen und es ist ein Scheiß. []

Über Handlungsfähigkeit…

Nachdem es beim letzten Mal um Skills und die Idee ging, dass Inhalte Skills erst wertvoll machen, muss ich auch über eine zweite soziale Dimension reden, die mich da umtreibt. Fähigkeiten und Inhalte sind nämlich leider nur soviel wert, wie sich die einzelne Person zutraut. Und da beobachte ich eine Veränderung in die Richtung, dass immer weniger Leute ihre eigene Handlungsfähigkeit (Agency) und Selbstwirksamkeit in der Welt wahrnehmen. Darauf gestoßen haben mich die Geschichten von Menschen um mich herum, bei denen es sehr viel um Körperbestimmung geht. Fangen wir mal da an, und werden dann irgendwie allgemein.

Es ist dein Körper…

Die Geschichten, die ich hierzu kenne, sind weniger meine eigenen. Ich bin zwar volltätowiert, aber halt auch ein großer weißer hetero- und cis-gelesener Mann. Leute finden mich eigenartig, aber halten generell den Mund. Anders ist das bei meinem weiblichen Umfeld. Da das aber für sich selbst sprechen kann1, werde ich das nur grob umreißen. Das weibliche Umfeld hat sich nämlich zum einen großflächige Tätowierungen in „unweiblich“2 stechen lassen oder vor der Frage gestanden3, ob es sich ein Piercing stechen lässt. Das führt zu allerlei Einlassungen von außen, die irgendwelche Bilder an das Umfeld herantragen, seien es dezidierte Machtaussagen von Menschen, die glauben, dass romantische Beziehungen Machtbeziehungen sind4, oder aber antiquierte Vorstellungen von Schönheit.5 Dabei ist natürlich klar, dass entgegen dem gesellschaftlichen Mythos die Person selbst erst einmal Hoheit über ihren Körper hat. Auch, und eigentlich dann insbesondere, wenn sie diese nicht vollständig ausüben kann. Ich habe komische Tattoos und das ist mein Ding. Dasselbe gilt für sexuelle Präferenzen und so weiter. Egal wie sehr konservative Politiker und ähnliche Instanzen da hereinreden wollen, ist es grundsätzlich so, dass der Körper zur Person gehört.

Agency

Nach dem eher dogmatischen Statement geht es jetzt um die Frage, was das denn eigentlich bedeutet. Die Konstruktionsmacht der Person durch die Gesellschaft ist stark und wird immer wieder sozial reproduziert. Dabei geht sehr oft die Handlungsfähigkeit der Person im wahrgenommenen Druck der Gesellschaft unter. Die Konformitätsdrohung münzt sich in der individuellen Erfahrung in Gefühle von Ungeliebtheit und damit soziale Erwünschbarkeit um. Du wirst nur geliebt und bist nur wertvoll, wenn du dich richtig verhältst, also mit dem was du tust nicht den Rahmen dessen verlässt, was allgemein als gutes Verhalten konstruiert wird. Also bitte keine großen Bodymods, bitte über sexuelle Gewalterfahrungen durch Machtkonstruktionen schweigen, bitte immer so tun, als wäre jeder Stress willkommen und soundso kein Problem oder bitte immer perfekte Eltern sein und zwar nach allen sich-widersprechenden Elternratgebern gleichzeitig. Dieser Druck nimmt der einzelnen Person die Möglichkeit im Rahmen ihrer Beziehungen und in Bezug auf sich kompetent und eigenständig zu handeln. Individuelle Handlungsfähigkeit und das Nutzen alle Möglichkeiten, die einer Person zur Verfügung stehen sind aber integral für das Selbsterlebnis als eigenständiges Individuum, und das unbenommen von Sozialisation.

Dieses Phänomen wird mit dem Blick in niedrigere soziale Statusgruppen noch deutlicher. Hier wird ja nicht nur sozialer, sondern auch ökonomischer Konformitätsdruck ausgeübt. Die EmpfängerInnen von ALG II und ähnlichen Transferleistungen müssen sich in ihre Leben und damit ihre Handlungsfähigkeit in einem Maße hineinredenlassen, die vielen modernen Pseudopädagogen bei Kindern sofort die Zornesröte ins Gesicht steigen ließe. Die Unwürdigkeit, die da gegenüber Kindern reklamiert wird, ist dann bei Erwachsenen Menschen, die aus ihrer unabhängigen Handlungsfähigkeit viel Identität ziehen umso schlimmer.

Die sozialen Konstrukte, die benutzt werden um Menschen davon zu überzeugen, dass sie gegenüber sich selbst nicht handlungsfähig sind und keine Selbstwirksamkeit mehr haben, sind zutiefst schädlich und normal.

Und nu?

Hilft eigentlich nur etwas dagegen zu tun. Weil der einfache Ratschlag „Dann mach doch, was du willst.“ ist zwar richtig, aber auch zynisch. Denn Menschen, die immer wieder die Erfahrung gemacht haben, dass ihre eigene Handlungsfähigkeit in Frage gestellt wird, egal wie wohlmeinend das getan wurde6, trauen sich irgendwann selbst nicht mehr zu das Richtige zu tun, obwohl das nicht existiert.7 Also braucht es die wohlmeinende Hilfe von außen, die Menschen immer wieder darauf zurückführt, dass sie ihre Entscheidungen selbst treffen müssen. Man kann eine Meinung äußern, aber diese Meinung als für die andere Person als wichtig oder gar richtig aufzufassen ist übergriffig. Es ist nett zu wissen, was die anderen denken. Das bedeutet nicht, dass das auch nur im geringsten eine Richtlinie ist. 

  1. Und ja nichts dem Feminismus mehr hilft, als wenn Männer für Frauen sprechen… []
  2. Fragt mich, bitte, bitte nicht, was das ist. Es wurde mir berichtet. Ich dachte weiblich sei das mit den Brüsten und der Vulva, und davon gerne auch was optional. []
  3. Und die anscheinend im Sinne dieses Textes beantwortet. []
  4. Bitte hören Sie hierzu unser soziologisches Kaffeekränzchen zu Liebe []
  5. Hören Sie hierzu das passende Kaffeekränzchen über Schönheit. []
  6. Ich als Lehrer und total wohlmeinender Mensch muss auch aufpassen, dass ich das nicht tu… Es ist eben nicht einfach. []
  7. Hier kann man dann auch endlich mal von Gaslighting sprechen… []

WMDEDGT – 5.11.2017

So… dann schaue ich mal, ob ich das heute wieder hinkriege. Erstmal vorneweg: Sonntage sind bei mir Arbeitstage. Ich habe so ne Art rollende Woche, bei der Freitag nachmittag und Samstag frei ist und Sonntag morgen am Schreibtisch stattfindet. Aber schauen wir mal…

5:30 Uhr

Viel zu früh wach. Aber gut, anziehen und eine blinkende Flocke durch die noch existierende Nacht führen. Zu Glück habe ich mir die Party gestern Nacht gespart. Zwischendrin den Herzmenschen auf Instagram gesehen und gleich mal wieder festgestellt, wie sehr ich mich darüber freuen kann, dass sie so viel Spaß hat.

6:45 Uhr

Die To-Do Liste für den Haushalt sagt Treppenhaus wischen und Küche und Bad also wird das nach dem Frühstück gemacht und der Keller gleich dazu, weil ich mit „Hausordnung“ dran bin. 😉

7:45 Uhr

Eine Blutdruckmessung später diesen Blogpost angefangen. Auf der Liste stehen: 3 Kurzarbeiten erstellen und ca. 25 Aufsätze lesen. Letztere sind so halb auf Freitag verschoben, weil vorher die Kurzarbeiten geschrieben werden wollen. Ich fange dann also wohl mit den Kurzarbeiten an.

Okay, Prokrastination ist ja was tolles, und ich hab dann mal noch kurz Wäsche in die angeschmissen und erstmal die Wochenplanung gemacht.

9:20 Uhr

Kurzarbeit 1 nimmt langsam Form an. Nebenbei prokrastiniere ich damit rum einen Direktposter für mein Blog auf Twitter zu finden, nachdem IFTTT irgendwie stinkt. Kann sein, dass dieser Post schon anders beworben wird. Update 9:49 Uhr: Die Kurzarbeit ist halbfertig, aber dafür habe ich jetzt direkte Crossposts von meinem WordPress. Die Podcasts stelle ich wahrscheinlich die Tage um. Ich mach da mal ein To-Do…

10:00 Uhr

Wäsche aufgegangen und die erste Kurzarbeit ist fertig.1 Die Aufsätze sind auf Dienstag/Mittwoch verschoben. Onwards!

10:45 Uhr

Die nächste Arbeit ist fertig. Noch eine weiter… die ist jetzt die schwierigste, weil ich die Thematiken der anderen etwas umdrehen muss, um noch genug Fragenvielfalt zu haben.

11:02 Uhr

Das ging jetzt fix. Ich hab alle Kurzarbeiten fertig und werde jetzt noch schnell eine neue Seite für die Schulhomepage bauen. Zum Glück brauche ich heute kein Mealprep zu machen, weil die tolle rote Linsensuppe schon auftaut für morgen.

14:35 Uhr

Ich sitze halb-nass auf der Couch. Vor mir Flocke ungefähr 1/4 nass. Ich war zwischenzeitlich schwimmen (1000m – 35 min), habe Mittag gemacht und war danach noch ne Dreiviertelstunde bei beschissenstem Wetter mit dem enthusiastischen Tier im Wald. Die Heizung ist an, die Jacke am Trocknen und ich komme erstmal runter. Perspektivisch gibt es noch einen Eintrag und dann ist das fertig. 😉

17:00 Uhr

Ich sitze im Jugendtreff und warte auf die junge Dame, die mir nochmal ihre Seminararbeit zeigen wollte. Gegen 18:30 geht es mit blinkendem Hund nach Hause, dann ins Auto und zu Hagen Rether! \o/

  1. Hoch lebe das Archiv! []

Sondierungen als postmodernes Drama

Stefan Schulz vom Aufwachen Podcast hat sich in Folge 247 gewünscht, dass sich jemand mit literaturwissenschaftlichen oder theaterwissenschaftlichem Hintergrund mit den Sondierungsgesprächen von CDU/CSU, FDP und Grünen zu beschäftigen.

Ich bin jetzt kein Theatermensch, also beschäftige ich mich etwas weniger mit der Inszenierung. Dafür fiel mir eines dieser postmodernen Theaterstücke ein, die ich im Studium allein dafür genossen habe, weil sie ein Publikum komplett kirre machen.1 Ich stelle erst einmal das Stück vor und dann ziehe dann Parallelen.

Synopse: Tom Stoppard – The Real Inspector Hound

Das Stück, das sich auf der einen Seite an den Sherlock Holmes Klassiker The Hound of Baskervilles anlehnt und auf der anderen ein Kommentar über journalistische Theaterkritiker. Zum Bühnenbild gehört die Tribüne, auf der die zwei Kritiker Moon und Birdboot sitzen, die sich ein eher lahmes Whodunnit Stück ansehen. Moon ist eigentlich nur da, weil der Oberkritiker Higgs nicht kann und Birdboot findet die Schauspielerin von Felicity ziemlich nett, obwohl er verheiratet ist. Er scheint hauptsächlich daran interessiert zu sein junge Schauspielerinnen gegen sexuelle Gefallen hochzuschreiben.

Der Plot des Stück-im-Stück ist einfach zusammen gefasst: in einem Herrenhaus am Arsch der Welt liegt ne Leiche rum.2 Es wird per Holzhammerexposition bekannt gegeben, dass ein Wahnsinniger in den Sümpfen um das Herrenhaus unterwegs ist. Dazu kommt ein doppelbödige Liebesgeschichte, bei der Cynthia, eine der Personen im Stück im Stück, das Interesse zweier männlicher Charaktere geweckt hat, während Birdboot gleichzeitig anfängt sich mehr für ihre Schuspielerin zu entscheiden. Während sich Moon und Birdboot über das eher dröge Stück unterhalten klingelt auf der Bühne das Telefon. Moon geht ran und Birdboots Frau ist dran. Das führt dazu, dass Birdboot auf der Bühne ist, während das Stück wieder losgeht und prompt aus dem Off erschossen wird, nachdem er die Leiche als Oberkritiker Higgs erkennt. Moon wird zum Inspector Hound und dann als der falsche erkannt und auch erschossen. Woraufhin in einer dreifachen Enthüllung herauskommt, dass der Täter der drittrangige Kritiker ist, der Moon, Birdboot und Higgs ausm Weg haben wollte. 

Sondierung als postmodernes Drama

Nun, die aktuellen Sondierungsgespräche sind aus meiner Sicht auf vielen Ebenen ähnlich. Wir haben einmal ein lock-room-mystery bei dem sich keine der Personengruppen gegenseitig trauen können und dazu eine Gruppe der Zuschauer, die Teil des Stücks sind und sich doch gleichzeitig für distanziert halten. Wie in Stoppards Stück geht es eigentlich überhaupt nicht um das angebliche Kriminalstück auf der Bühne, sondern um die Zuschauer, die sich die echte Bühne teilen. Ihre Befindlichkeiten, wie die von Moon und Birdboot, sind am Ende wichtig. Das gilt für die Balkonfotos, wie die politischen Kommentatoren, die sich darüber aufregen, dass Sondierungspapiere vertwittert werden. Wir lernen als Beobachter des gesamten Dramas eigentlich hauptsächlich etwas über die professionellen Zuschauer, die das Geschehen auf der Bühne beurteilen sollen.

Und so sind es auch bei den Sondierungen die Fragen, die uns Beobachter umtreiben. Was treibt die Kommentatoren an? Warum stehen da jeden Tag Fotografen sinnlos im Regen um Angela Merkels Gesäß an einen Sims gelehnt zu fotografieren? Die wirtschaftliche Verzweiflung und gleichzeitig arrogante Blasiertheit von Moon und Birdboot scheint eine gute Parallele darzustellen. Auch diese sind da, weil sie da sein müssen und ihre Motive haben nichts mit dem Inhalt des Stückes zu tun.

Was sagt uns das über die Protagonisten, die sich unbeobachtet für Beobachter und Bewerter halten? Birdboot, der entscheidet, welche junge Schauspielerin hochgeschrieben wird, je nachdem ob sie sich mit ihm ins Bett legt, scheint eine einfache Parallele zu Boulevardpresse wie aber auch seriöserer Medien zu sein. Die Selbstimportanz der politischen Kommentatoren ohne Einblick ist faszinierend.

Und natürlich: Wer ist der/die wahre Kanzler(in)? und: Welche der Personen in den Sondierungen wird am Ende die Kritiker erschießen?3 

  1. Das sei bitte nicht mit dieser prätentiösen Scheiße verwechselt, wie man sie z.B bei diesem Trump Theaterstück findet. Dramatische Mittel müssen immer einen Sinn verfolgen, der den Zuschauer transzendieren lässt. []
  2. Übrigens seit Anfang des Stückes, die aber freundlich ignoriert wird, bis sie wichtig wird. Postmoderne FTW! []
  3. Ich tippe da auf Christian Lindner… []