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HCH019 – Interview mit Andrea Bottlinger

Diesmal gibt es etwas anderes im Podcast. Ich rede mit Andrea Bottlinger über ihr neues Buch “Der Fluch des Wüstenfeuers”, das gloriose Leben als Fantasyautorin, ihre anderen Bücher und die Buchmessen in Frankfurt und Leipzig.

Links:

Rezension – Mara und der Feuerbringer

Vor sehr langer Zeit hörte ich etwas über den Film Mara und der Feuerbringer. Der Film ist die erste und vielleicht auch einzige deutsche Young-Adult Fantasyfilm, der mit ansprechender Produktion aufwarten kann. Ich konnte ihn damals nicht im Kino sehen, aber nun habe ich das endlich mal nachgeholt.

UND DER FILM IST GUT! So. Das muss erst einmal gesagt werden, vor allem in Kapitälchen. Wir können auch als Deutsche gute Fantasyfilme machen und der Stoff ist auch schon von vornherein ziemlich gut. Zum einen wird Bezug auf die nordische Mythologie genommen, die nicht wirklich ausgelutscht ist, zum anderen sind alle Charaktere irgendwie glaubhaft. Besonders gut finde ich hier, dass Mara tatsächlich ein integerer Charakter ist, der nicht nur einen moralischen Kompass hat, sondern auch glaubhaft in ihre Heldenrolle findet. Das Ensemble, dass sie umgibt ist, vielleicht mit Ausnahme der Mutter, nicht wirklich überzeichnet. Jan-Josef Liefers ist als schnellsprechender Professor einschlägig, aber gut besetzt. Das ist alles schon einmal ziemlich gut.

Die Geschichte ist tatsächlich komplett solide erzählt, es gibt keinen Moment an dem man sich fragt, warum etwas passiert, jenseits einer gewissen Kürze, die eher dem Medium geschuldet ist. Dafür hat man sich mal wirklich Mühe mit der Produktion gegeben. CGI Lindwürmer und Flammengötter sind überzeugend und gut gerendert. Endlich gibt es mal einen deutschen Fantasyfilm, der nicht nur anständig geschrieben ist, sondern auch gut aussieht. Ich würde mir da auch den zweiten und den dritten Teil ansehen, denn Mara und der Feuerbringer ist eigentlich der erste Teil einer Trilogie.

Rezension: Ocean at the End of the Lane

Ich kaufe Neil Gaiman Bücher ja blind. Das liegt daran, dass er wohl die Art von Geschichten erzählt, die mich am meisten berühren. Jedes Buch von ihm hatte eine Resonanz mit meinem Leben und hat sie auch immer wieder. Sein neustes Werk The Ocean at the End of the Lane tut das auch wieder.

Wie in den meisten seiner anderen Werke zieht Gaiman das Alltägliche in eine phantastische Parallelwelt. Diesmal geht es allerdings weniger um zufällige Helden, die schon öfter sein Thema waren, sondern eher um das Erwachsenwerden, Erwachsensein und die Tatsache, dass wir nur eine Chance haben alles richtig zu machen und am Ende das Vertrauen der Menschen um uns darauf beruht, dass wir uns anständig anstellen. Das alles ist das Ergebnis einer Handlung, die der Erzähler aus seiner Jugend erzählt und die nicht nur eine wunderbare und spannende dunkle Fantasygeschichte ist, sondern einen auch in das eigene Leben blicken lässt und es jedenfalls bei mir rekontextualisiert hat. Und mehr will ich eigentlich nicht erzählen, außer, dass es auch wieder Spaß gemacht hat, zu sehen aus welchen Quellen die phantastischeren Teile stammen können.

Also, Ich kann ja alles von Gaiman empfehlen, aber The Ocean at the End of the Lane kam auch irgendwie mal wieder an einer dieser Stellen in meinem persönlichen Leben, in dem es besonders gewirkt hat. Das zeichnet ja eigentlich Literatur aus.

Interview mit Andrea Bottlinger (wg. Aeternum)

AeternumIch bin erfreut, dass Andrea Bottlinger in meinem Blog zu Gast ist. Andrea und ich kennen uns schon etwas länger und sind uns in etlichen Bereichen der Literatur einig, dass wir uns uneinig sind. Nichtsdestotrotz hat es mich sehr gefreut, dass sie nun neben ihrem ersten Sachbuch Sorge dich nicht. Beame! auch mit Aeternum ihr Romandebut feiern kann.

Ich muss vorausschicken, dass ich nicht die Gelegenheit hatte das Buch zu lesen und sich meine Fragen über den Inhalt eher auf Rezensionen stützen. Diese Fragen stehen für mich aber soundso nicht im Mittelpunkt. Das können andere Leute besser als ich.

Also, dann.

Hallo Andrea! Erst einmal Glückwunsch zum ersten Roman, ich bin ja wirklich beeindruckt mit welcher Konsequenz du den Weg zur Autorenschaft verfolgt hast. Als alter Dauerskeptiker hätte ich das nie geglaubt. Überrascht dich das selbst?

Was jetzt, die Konsequenz oder die Tatsache, dass ich es geschafft habe? Was die Konsequenz angeht, da ist es so, dass ich einfach gerne schreibe. Ich mache das also so oder so, ob es nun gedruckt wird oder nicht. Was die Tatsache angeht, dass ich jetzt tatsächlich mit einem Roman in einem großen Publikumsverlag gelandet bin: Ich habe es mit drei Romanen vorher nicht geschafft. Wenn ich es mit „Aeternum“ auch nicht hinbekommen hätte, hätte ich einfach den nächsten geschrieben und danach den nächsten, bis es irgendwann geklappt hätte. Ich war recht überzeugt davon, dass man mit genug Beharrlichkeit irgendwann zu Ziel kommt. Schon allein aus statistischen Gründen 😉

Du arbeitest ja auch als Lektorin. Hat diese Arbeit deinen Schreibstil und deine Arbeit an Aeternum beeinflusst und hat man dann mehr Mitleid mit dem eigenen Lektor?

Nein. Die meisten Autoren tauschen sich mit anderen Autoren aus und lesen gegenseitig ihre Romane. Das heißt, bis auf wenige Ausnahmen betätigen sich alle Autoren ein wenig als Lektor. Ich habe das nur auf ein Level gehoben, auf dem ich dafür bezahlt werde. Und im Umgang mit meiner Lektorin hat es eher dazu geführt, dass ich mehr mit ihr gestritten habe, glaube ich.

Da sind wir dann auch schon bei dem, worauf ich erst einmal mein Augenmerk legen möchte. Es gibt tausend Philosophien, wie so ein Roman entsteht. Was ist deine?

Normalerweise reiht man ein Wort ans andere. Wenn man Glück hat, entsteht dabei etwas, das nicht nur Sinn ergibt, sondern auch gut klingt.

Ich selbst habe relativ große Probleme mich jeden Tag an den Schreibtisch zu schleppen und in dem kleinen Rahmen kreativ arbeitend zu sein, in dem ich das so bin. Wie schafft man als Autorin sowas?

Ich werde unruhig, wenn ich länger nicht kreativ bin. Ganz ohne Deadline würde ich zwar nicht jeden Tag schreiben, aber für mich ist es einfach wichtig, regelmäßig irgendwas Kreatives zu tun. Also ist es gar nicht so schwer.

Und weiterführend, kam irgendwann mal der Moment, in dem du deine Charaktere nicht mehr sehen konntest?

Wenn man seine Charaktere nicht mehr sehen kann, hat man irgendwas falsch gemacht, denke ich. Du bist doch Rollenspieler. Wenn du einen Charakter wirklich schon lange spielst, dann hängst du ja eher immer mehr an ihm. Je länger du dich mit ihm beschäftigst, desto mehr Tiefe bekommt er, desto genauer wird das Bild, das du von ihm hast. Und du denkst nie: „Ach, verdammt, jetzt muss ich schon wieder zu dieser Rollenspielrunde und diesen blöden Typen spielen, den ich mir ausgedacht habe.“ Romancharaktere sind genauso.

Du hast dich entschieden, dass der Roman in Deutschland und zwar primär in oder unter Berlin spielt. Ich finde die Entscheidung Deutschland als Ort für einen Roman zu wählen gut, wie kam es dazu und welche Möglichkeiten bietet Berlin, die die Standards wie London nicht bieten?

London oder New York macht ja jeder. Ich dachte mir, ich nehme mal was, wozu man als deutscher Leser mehr Bezug hat. Berlin bietet mir letztendlich nicht mehr Möglichkeiten als London oder New York, sieht man mal davon ab, dass ich leichter dorthin fahren konnte und dass ich Leute dort kenne, die mir bei den Details geholfen haben. Aber ich hätte die Geschichte auch anderswo erzählen können.

Und die wichtigste Frage für die Leser: Wird es eine Fortsetzung geben?

Geplant war „Aeternum“ als Einzelroman. Es gibt aber Hintertürchen für eine Fortsetzung, sollte der Verlag Interesse daran haben.

Doch zurück zum Prozess des Schreibens. Wie ist Aeternum handwerklich entstanden? Was sind deine Werkzeuge zum Romanschreiben?

Ich fange immer mit den Protagonisten an und überlege mir, was deren Ziele sind. Dann denke ich mir jemanden oder etwas aus, der oder das entgegengesetzte Ziele hat, und ergründe dessen Motivation. Daraus entsteht automatisch ein Konflikt, und damit habe ich meine Geschichte. Dann schreibe ich, werfe meinen Plan mindestens dreimal um, schreibe Kapitel mehrmals neu, bis ich zufrieden bin, und stelle fest, dass Nebencharakter X viel wichtiger geworden ist, als ich erwartet hatte, was meinen Plan noch einmal etwas abändert …
Irgendwann bin ich fertig, und dann überarbeite ich so lange, bis ich einen Rappel bekomme und den Roman für fertig erkläre. Und Werkzeuge? Notizbuch und Laptop.

Welches Werkzeug würdest du dir noch wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass Google Street View flächendeckend funktioniert. Das ersetzt Recherchereisen natürlich nicht, aber wenn ich vergessen habe, irgendwas vor Ort nachzusehen, bin ich immerhin nicht komplett aufgeschmissen. Und ich hätte gerne eine richtig große Bibliothek in erreichbarer Nähe.

Inwiefern sind deine Katzen ein wichtiger Einfluss geworden?

Abgesehen davon, dass manchmal unverhofft Dinge wie „dsfghj“ in diversen Textdokumenten auftauchen? Hm … sie haben mich in dem Glauben bestärkt, dass die Welt insgesamt ein bisschen bekloppt ist und dass man ihr nicht gerecht wird, wenn man in seinen Texten nur Drama und noch mehr Drama schreibt. Da haben wir zwei kleine Raubtiere, denen die Natur von Geburt an einen Killerinstinkt und fiese Mordwaffen mit auf den Weg gegeben hat und die keine Ahnung was erlebt haben, bevor sie ins Tierheim und dann zu uns kamen. Und dann kann ich unserer ausgewachsenen Killerkatzendame dabei zusehen, wie sie bei dem Versuch, ihren eigenen Schwanz zu jagen, von der Küchenbank fällt.

Kommen wir zu ein paar Fragen zur Öffentlichkeitsarbeit, die man als Autorin so tun muss. Du hast ja ein Blog sowie einen Twitter- und Facebookaccount. Sind diese neuen Kommunikationsmittel ein absolutes Muss für eine junge Autorin?

Ich mach das alles vor allem, weil es mir Spaß macht. Man sollte es auch nur deshalb tun. Um sich damit zu beschäftigen, ohne Spaß daran zu haben, bringt es einem zu wenig.

Über welches Medium denkst du, dass du die meisten Leute erreichst?

Über den Buchhandel. Es ist immer noch so: Je mehr Exemplare von einem Roman in den Buchläden liegen, vorzugsweise in großen Stapeln, desto mehr wird davon verkauft. Um mal ein paar Zahlen zu nennen: Meinen Blog lesen vielleicht 50 oder 70 Leute regelmäßig. Das heißt, im allerbesten Fall verkaufe ich darüber 70 Bücher. Das ist nicht sehr viel. Dasselbe gilt für Twitter und Facebook. Ich habe derzeit 300 Twitter-Follower. Ich würde schätzen, mindestens die Hälfte davon folgt mir nur in der Hoffnung, mir wiederum ihr selbst herausgegebenes EBook zu verkaufen. Und vom Rest interessiert sich ganz sicher auch nicht jeder für Urban Fantasy. Jetzt ist Aeternum ja erhältlich und es gehört ja zum Autorenleben auch dazu, dass man sein Werk präsentiert.

Du warst auf der Leipziger Buchmesse und machst nun diese Blogtour. Man würde davon ausgehen, dass die Messe die größere Rolle spielt. Siehst du das auch so?

Das kann ich schlecht sagen. Ich habe wirklich keinerlei Vorstellungen, wie viele Leute ich über die Blogtour erreichen werde. Und bei der Buchmesse weiß man ja auch nie genau, wer wirklich der Lesung zuhört und wer gerade nur da sitzt, um die schmerzenden Füße etwas auszuruhen.

Die moderne Medienwelt von der wir ja schon reden ist sehr vielfältig. Kannst du dir auch vorstellen vom Buch zu anderen Medienarten wie Hörbücher, Podcasts oder ähnliches zu gehen?

Ich hoffe, dass irgendwer mal ein Hörspiel zu einem meiner Romane macht. Das fände ich cool. Ich arbeite momentan auch mit einer Zeichnerin zusammen an einem Comic, von dem wir noch nicht wissen, ob wir versuchen, es Verlagen anzubieten, oder ob wir ein Webcomic daraus machen. Ich probiere alles mal aus, was verspricht, Spaß zu machen.

Und eine kurze persönliche Frage zum Abschluss: Wirst du irgendwann mal ein Buch über Vampire schreiben, die durch Zitronen umgebracht werden?

Ich glaube, das Vampire-Zitronen-Thema hat der große Meister Terry Pratchett schon ausreichend abgearbeitet. Da will ich mir nicht anmaßen, gleichzuziehen 😉

Ich danke für die Beantwortung meiner Fragen und wünsche dir natürlich noch viel mehr Erfolg und jede Menge weitere Romane.

Vielen Dank.

Andreas Roman Aeternum kann man überall finden, wo es Bücher gibt, besonders aber beim lokalen Buchhändler, der unterstützt werden sollte.