Bitte nicht beim Skill stehen bleiben…

Ich habe ja viel mit Bildung und so Kram zu tun, immerhin arbeite ich da ja, und eine Sache, die mir immer wieder auffällt, ist wie wenig eigentlich darauf geachtet wird, dass die jungen Menschen mit den ganzen tollen Kompetenzen und Fähigkeiten, die sie so von uns beigebracht (bekommen sollen)1 eigentlich nichts anfangen können. Warum das so ist, versuche ich hier mal zu erklären.

Theorie und Praxis

Theorie und Praxis stehen sich im Verständnis vieler Menschen immer antagonistisch gegenüber. Theorie ist grundsätzlich so komisches Rumgedenke, dass in Schulen und Unis gemacht wird und da als Grundlage von hohem Sozialstatus gilt.2 Praxis hingegen ist das was in der Realtität wichtig ist. Der Theoretiker ist als schlauer als der Praktiker, der wiederum weiß, wie es wirklich geht.

Beide Vorstellungen sind natürlich totaler Käse. Theorie informiert Praxis und Praxis informiert Theorie. Nur im Wechselspiel zwischen beiden kann irgendetwas entstehen. Es hilft halt nicht, eine Schraube anziehen zu können, wenn ich nicht weiß, welchen Zweck diese Schraube im Großen und Ganzen so hat. Der Ingenieur ist halt ohne den Naturwissenschaftler, der Neues erforscht, gelangweilt und aufgeschmissen, wie der Naturwissenschaftler ohne den Ingenieur nicht forschen kann. Soziale Theorien sind nur so gut, wie sie empirischen Erkenntnissen entsprechen.

Theorie und Praxis befinden sich also nicht in einem Kampf, sondern eher in einem Tanz um die gemeinsamen Probleme.

Der Unterschied zwischen den Mitteln und den Inhalten

In den letzten Jahren hat im Bildungssystem ein steter Trend weg von Inhalten hin zu Skills stattgefunden. Die vielbeschworenen Kompetenzen haben da den Weg geebnet und die Konstruktion der „Wissenskompetenzen“ zeigt auch, wie kaputt der Kompetenzbegriff hier schon ist. Kompetenz sollte eigentlich bedeuten, dass eine Person Probleme eigenständig lösen kann und das auch bei ähnlichen Problemen, die diese Person nicht vorher mal eingeübt hat. Aussehen tut es dann so, dass immer mehr hochformalisierte Skills ohne große Freiheitsgrade gelehrt werden. Es ist halt einfacher eine Musterlösung auswendig lernen zu lassen, als Menschen die Unsicherheit zuzumuten einfach einen Text zu produzieren. Das ist natürlich ein komplett unnötiger Skill, aber selbst wenn wir sowas wie Integralrechnung nehmen, dann wird es auch nicht besser, wenn die Relevanz für die Lebenswelt fehlt. Nun werden die Mathematiker sagen, es geht hier um die Schulung des logischen Denkens und der Punkt ist in Ordnung, allerdings wäre das auch einfacher vermittelbar, wenn es da mal Inhalte gäbe.3 

Skills sind also ohne Inhalte sinnlos. Trotzdem gibt es einen festen Glauben, dass die Fähigkeit eine komplexe Handlung auszuführen an sich schon eine Qualifikation bedeutet. Das erkennt man unter anderem in der Lehrerbildung. Ist die Person im Referendariat in der Lage einen Stundenablauf zusammenzulügen und eine Überschrift an die Tafel zu malen, kann sie auf Kinder losgelassen werden. Menschliche Eignung spielt eine eher untergeordnete Rolle, wenn nicht gerade Unterordnung in eine Hierarchie gemeint ist. Dass dann am Ende irgendwie wichtig ist, was da so erzählt wird, dass inhaltliche Kompetenz und vor allem auch intellektuelle Kompetenz eine immanente Rolle spielen, wird halt gerne vergessen, wenn der Stundenablauf gut aussieht.

Der wahre Skill ist halt genau da, wo ihn keiner vermutet und informiert von Inhalten, die auch gewusst und verstanden sein wollen.

In die Zukunft…

Nachdem ich öfter von jungen Menschen gefragt werde, was sie denn mit ihrer Zukunft anfangen sollen, möchte ich meine Perspektive geben.4 Zum einen ist formale Bildung heutzutage nur noch wertvoll, weil sie Zettel generiert, die Sozialstatus bedeuten. Das ist großflächig ein Cargo Cult der Moderne: Ich habe einen Zettel und kann auf einmal was. Auf dem Weg zu dem Zettel kann Bildung stattfinden, aber das ist nicht verpflichtend und auch nicht so häufig wie gedacht wird. Deswegen gibt es immer mehr Bereiche in denen formaler Bildung misstraut wird und in der die formularische Ausbildung sogar kontraproduktiv sind. Das ist vor allem in kreativen und künstlerischen Berufen der Fall. Die haben einen handwerklichen Anteil, aber die wahre Bildung ist das, was die Menschen beim Ausprobieren des Handwerks an Erfahrungen sammeln. Das ist auch ein Kontrapunkt zum immer verschulteren Hochschulwesen, das Ausbildungen, in denen Dinge getan werden, durch Studiengänge ersetzt, in denen hauptsächlich Dinge gelernt werden. Dazu kommt, dass formale Ausbildungen den Blick unheimlich einschränken. Oder wie es Neil Gaiman in dieser Commencement Speech so schön sagt:

First of all: When you start out on a career in the arts you have no idea what you are doing.

This is great. People who know what they are doing know the rules, and know what is possible and impossible. You do not. And you should not. The rules on what is possible and impossible in the arts were made by people who had not tested the bounds of the possible by going beyond them. And you can.

If you don’t know it’s impossible it’s easier to do. And because nobody’s done it before, they haven’t made up rules to stop anyone doing that again, yet.

Oder wie ich als Lehrer gerne sage: „Wenn wir SchülerInnen nicht sagen, dass etwas zu schwer ist, dann merken die das nicht und tun es einfach.“ Formale Bildung tut das aber die ganze Zeit und die Reaktion der Schülerschaft auf Freiheitsgrade in Aufgaben ist oft die von Angst und Unsicherheit und selten die von Freude. 

Das Unterscheidungsmerkmal für gute Arbeit wird also immer mehr der Inhalt und die Anwendung der Skills, die es zweifelsohne braucht. Und das ist auf jedem Level wahr… und manchmal sogar wahrer für die „kleinen“ Jobs wie Handwerker als für die tollen akademischen Berufe, die sehr oft nur glorifizierte Bürojobs sind.

Es ist halt wichtig, nicht zu glauben, dass irgendetwas gut zu können, ein Garant für Erfolg oder Anerkennung oder auch nur ein Wert ist. Das wird alles erst wertvoll, wenn es mit Inhalten, Menschlichkeit und Authentizität gefüllt wird. Also bitte nicht beim Skill stehen bleiben… 

  1. Glaubt das jemand ernsthaft, dass das so funktioniert? o.O []
  2. Herr Bourdieu an die Infotheke bitte! []
  3. Das wird dann mit absolut peinlichen „lebensweltlichen“ Aufgaben probiert, die primär zeigen, dass die Menschen, die sie erstellt haben, in ihrer Lebenswelt keine Notwendigkeit für diese Inhalte haben. []
  4. Achtung: ich bin so hoch privilegiert was das alles angeht, dass es total ironisch ist, dass ich das tue. Es ist mir bekannt, dass ich lebenszeitverbeamtet bin und mir überhaupt keine Mühe geben muss… entsprechende Einlassungen darf man sich klemmen. []

WMDEDGT – 5.11.2017

So… dann schaue ich mal, ob ich das heute wieder hinkriege. Erstmal vorneweg: Sonntage sind bei mir Arbeitstage. Ich habe so ne Art rollende Woche, bei der Freitag nachmittag und Samstag frei ist und Sonntag morgen am Schreibtisch stattfindet. Aber schauen wir mal…

5:30 Uhr

Viel zu früh wach. Aber gut, anziehen und eine blinkende Flocke durch die noch existierende Nacht führen. Zu Glück habe ich mir die Party gestern Nacht gespart. Zwischendrin den Herzmenschen auf Instagram gesehen und gleich mal wieder festgestellt, wie sehr ich mich darüber freuen kann, dass sie so viel Spaß hat.

6:45 Uhr

Die To-Do Liste für den Haushalt sagt Treppenhaus wischen und Küche und Bad also wird das nach dem Frühstück gemacht und der Keller gleich dazu, weil ich mit „Hausordnung“ dran bin. 😉

7:45 Uhr

Eine Blutdruckmessung später diesen Blogpost angefangen. Auf der Liste stehen: 3 Kurzarbeiten erstellen und ca. 25 Aufsätze lesen. Letztere sind so halb auf Freitag verschoben, weil vorher die Kurzarbeiten geschrieben werden wollen. Ich fange dann also wohl mit den Kurzarbeiten an.

Okay, Prokrastination ist ja was tolles, und ich hab dann mal noch kurz Wäsche in die angeschmissen und erstmal die Wochenplanung gemacht.

9:20 Uhr

Kurzarbeit 1 nimmt langsam Form an. Nebenbei prokrastiniere ich damit rum einen Direktposter für mein Blog auf Twitter zu finden, nachdem IFTTT irgendwie stinkt. Kann sein, dass dieser Post schon anders beworben wird. Update 9:49 Uhr: Die Kurzarbeit ist halbfertig, aber dafür habe ich jetzt direkte Crossposts von meinem WordPress. Die Podcasts stelle ich wahrscheinlich die Tage um. Ich mach da mal ein To-Do…

10:00 Uhr

Wäsche aufgegangen und die erste Kurzarbeit ist fertig.1 Die Aufsätze sind auf Dienstag/Mittwoch verschoben. Onwards!

10:45 Uhr

Die nächste Arbeit ist fertig. Noch eine weiter… die ist jetzt die schwierigste, weil ich die Thematiken der anderen etwas umdrehen muss, um noch genug Fragenvielfalt zu haben.

11:02 Uhr

Das ging jetzt fix. Ich hab alle Kurzarbeiten fertig und werde jetzt noch schnell eine neue Seite für die Schulhomepage bauen. Zum Glück brauche ich heute kein Mealprep zu machen, weil die tolle rote Linsensuppe schon auftaut für morgen.

14:35 Uhr

Ich sitze halb-nass auf der Couch. Vor mir Flocke ungefähr 1/4 nass. Ich war zwischenzeitlich schwimmen (1000m – 35 min), habe Mittag gemacht und war danach noch ne Dreiviertelstunde bei beschissenstem Wetter mit dem enthusiastischen Tier im Wald. Die Heizung ist an, die Jacke am Trocknen und ich komme erstmal runter. Perspektivisch gibt es noch einen Eintrag und dann ist das fertig. 😉

17:00 Uhr

Ich sitze im Jugendtreff und warte auf die junge Dame, die mir nochmal ihre Seminararbeit zeigen wollte. Gegen 18:30 geht es mit blinkendem Hund nach Hause, dann ins Auto und zu Hagen Rether! \o/

  1. Hoch lebe das Archiv! []

Sondierungen als postmodernes Drama

Stefan Schulz vom Aufwachen Podcast hat sich in Folge 247 gewünscht, dass sich jemand mit literaturwissenschaftlichen oder theaterwissenschaftlichem Hintergrund mit den Sondierungsgesprächen von CDU/CSU, FDP und Grünen zu beschäftigen.

Ich bin jetzt kein Theatermensch, also beschäftige ich mich etwas weniger mit der Inszenierung. Dafür fiel mir eines dieser postmodernen Theaterstücke ein, die ich im Studium allein dafür genossen habe, weil sie ein Publikum komplett kirre machen.1 Ich stelle erst einmal das Stück vor und dann ziehe dann Parallelen.

Synopse: Tom Stoppard – The Real Inspector Hound

Das Stück, das sich auf der einen Seite an den Sherlock Holmes Klassiker The Hound of Baskervilles anlehnt und auf der anderen ein Kommentar über journalistische Theaterkritiker. Zum Bühnenbild gehört die Tribüne, auf der die zwei Kritiker Moon und Birdboot sitzen, die sich ein eher lahmes Whodunnit Stück ansehen. Moon ist eigentlich nur da, weil der Oberkritiker Higgs nicht kann und Birdboot findet die Schauspielerin von Felicity ziemlich nett, obwohl er verheiratet ist. Er scheint hauptsächlich daran interessiert zu sein junge Schauspielerinnen gegen sexuelle Gefallen hochzuschreiben.

Der Plot des Stück-im-Stück ist einfach zusammen gefasst: in einem Herrenhaus am Arsch der Welt liegt ne Leiche rum.2 Es wird per Holzhammerexposition bekannt gegeben, dass ein Wahnsinniger in den Sümpfen um das Herrenhaus unterwegs ist. Dazu kommt ein doppelbödige Liebesgeschichte, bei der Cynthia, eine der Personen im Stück im Stück, das Interesse zweier männlicher Charaktere geweckt hat, während Birdboot gleichzeitig anfängt sich mehr für ihre Schuspielerin zu entscheiden. Während sich Moon und Birdboot über das eher dröge Stück unterhalten klingelt auf der Bühne das Telefon. Moon geht ran und Birdboots Frau ist dran. Das führt dazu, dass Birdboot auf der Bühne ist, während das Stück wieder losgeht und prompt aus dem Off erschossen wird, nachdem er die Leiche als Oberkritiker Higgs erkennt. Moon wird zum Inspector Hound und dann als der falsche erkannt und auch erschossen. Woraufhin in einer dreifachen Enthüllung herauskommt, dass der Täter der drittrangige Kritiker ist, der Moon, Birdboot und Higgs ausm Weg haben wollte. 

Sondierung als postmodernes Drama

Nun, die aktuellen Sondierungsgespräche sind aus meiner Sicht auf vielen Ebenen ähnlich. Wir haben einmal ein lock-room-mystery bei dem sich keine der Personengruppen gegenseitig trauen können und dazu eine Gruppe der Zuschauer, die Teil des Stücks sind und sich doch gleichzeitig für distanziert halten. Wie in Stoppards Stück geht es eigentlich überhaupt nicht um das angebliche Kriminalstück auf der Bühne, sondern um die Zuschauer, die sich die echte Bühne teilen. Ihre Befindlichkeiten, wie die von Moon und Birdboot, sind am Ende wichtig. Das gilt für die Balkonfotos, wie die politischen Kommentatoren, die sich darüber aufregen, dass Sondierungspapiere vertwittert werden. Wir lernen als Beobachter des gesamten Dramas eigentlich hauptsächlich etwas über die professionellen Zuschauer, die das Geschehen auf der Bühne beurteilen sollen.

Und so sind es auch bei den Sondierungen die Fragen, die uns Beobachter umtreiben. Was treibt die Kommentatoren an? Warum stehen da jeden Tag Fotografen sinnlos im Regen um Angela Merkels Gesäß an einen Sims gelehnt zu fotografieren? Die wirtschaftliche Verzweiflung und gleichzeitig arrogante Blasiertheit von Moon und Birdboot scheint eine gute Parallele darzustellen. Auch diese sind da, weil sie da sein müssen und ihre Motive haben nichts mit dem Inhalt des Stückes zu tun.

Was sagt uns das über die Protagonisten, die sich unbeobachtet für Beobachter und Bewerter halten? Birdboot, der entscheidet, welche junge Schauspielerin hochgeschrieben wird, je nachdem ob sie sich mit ihm ins Bett legt, scheint eine einfache Parallele zu Boulevardpresse wie aber auch seriöserer Medien zu sein. Die Selbstimportanz der politischen Kommentatoren ohne Einblick ist faszinierend.

Und natürlich: Wer ist der/die wahre Kanzler(in)? und: Welche der Personen in den Sondierungen wird am Ende die Kritiker erschießen?3 

  1. Das sei bitte nicht mit dieser prätentiösen Scheiße verwechselt, wie man sie z.B bei diesem Trump Theaterstück findet. Dramatische Mittel müssen immer einen Sinn verfolgen, der den Zuschauer transzendieren lässt. []
  2. Übrigens seit Anfang des Stückes, die aber freundlich ignoriert wird, bis sie wichtig wird. Postmoderne FTW! []
  3. Ich tippe da auf Christian Lindner… []

Samhain 2017

Es ist wieder Samhain, die Nacht der Toten und der Grenzen… heute ist wieder eine dieser Grenzen. 

Letztes Jahr ging es im Text Neuanfänge und ich sprach darüber, dass Samhain ein Ort der Grenzen und damit ein Symbol des Neuanfangs ist. Auf der anderen Seite gibt es in der Philosophie des Jahreskreises keine wirklichen Enden. Es endet der Zyklus, aber nicht der Kreis. Und deswegen geht es dieses Jahr darum weiterzugehen.

Also, geht weiter auf euren Wegen… und seht euch um, mit wem ihr geht. Nehmt die Menschen in eurer Nähe an die Hand und geht gemeinsam. Die Welt ist dunkel, insbesondere heute Nacht. Tragt eure Lampen gemeinsam und findet eure Wege…

Happy Samhain!

Das mit dem #mealprep…

Wer mir auf Instagram und twitter folgt hat schon bemerkt, dass ich seit Anfang des Schuljahres regelmäßig am Sonntag Fotos von so Essenskisten poste. Das hat für etwas Verwirrung gesorgt, also werde ich das mal kurz erklären.

Vorraussetzungen

Das zentrale Element hier ist ein typischer Schultag. Im Durchschnitt hat man fünf von sechs Stunden und in den offiziellen Pausen spricht man mit der Schülerschaft oder rennt durch die Gegend. Für Lehrer bleiben maximal die Freistunden, so vorhanden, um irgendwas zu essen. Das Angebot in der Schule besteht meist aus belegten Semmeln und Leberkäsbrötchen. Dazu kommt Mittagessen der rustikaleren Art. Das wird alles vom Hausmeisterehepaar zubereitet und ist vollkommen okay. Allerdings aber auch teurer als selbst zu kochen und leider nicht unbedingt gesund.

Ganz konkret sieht das für dieses Jahr so für mich aus: Montags habe ich von 8:45 bis 16 Uhr Unterricht. Dazwischen liegen zwei 15 Minuten und eine 45 Minuten Pause. Der Rest ist reden, Tafel anmalen und so weiter. Donnerstag und Freitag sind jeweils fünf von sechs Stunden verplant. Für diese drei Tage wäre es irgendwie gut etwas zu essen dabei zu haben und wie gesagt, die Optionen in der Schule sind okay, aber weder finanziell noch gesundheitlich zukunftsfähig.

Prepping…

Nerd und Hipster, der ich bin, bin ich auf der Suche einer Lösung über die indiegogo Kampagne von prepd gestolpert. Das ist eine hipsterige Lunchbox mit passenden Containern und einer App, die Rezepte anbietet. Und obwohl man die Container auch anders füllen kann, bin ich immer wieder erstaunt wie die etwas eigenartig anmutenden Kombinationen gut harmonieren. Deswegen habe ich langsam aber sicher auch Lieblingsgerichte.1 Es ist dazu eine Befreiung einfach jeden Tag zu wissen, was man zu essen mit in der Schule hat, was drin ist und so weiter. Alles in allem bin ich bisher sehr glücklich mit dem Konzept, vor allem, weil leckeres Essen immer toll ist.2

  1. Avo and Eggs!! []
  2. Vom Neid der KollegInnen reden wir ma gar nicht.. []

Übergänge

Übergänge

Die Straßenbeleuchtung hat noch halb die Augen geschlossen
Ein blaues Blinken fliegt durch die Dunkelheit des Parks
Das orangene Licht wirft willkürliche Schatten an den Hauswänden entlang
In der S-Bahn legt sich ein müder Kopf auf eine müde Schulter
Der Geruch der durchtanzten Nacht mischt sich mit frischem Kaffee To Go

Das Blinken wird zum Hund
Das Licht führt nach Hause
Der Ofen offenbart warme Brötchen
Eine Tür öffnet sich, eine andere schließt sich.

Wir sind hier
Aus der Welt, in der Welt
Im Nirgendwo des Morgens

HCH023-Unterrichtsstunde englische Zeiten

Im Nachgang zu den Schulsprechern über den Schuljahresanfang wurde ich nach der berühmten “englische-Zeiten-in-90-Minuten” Stunde gefragt. Und deswegen erkläre ich die hier jetzt mal mit Bildern und Downloads und so weiter.

Das ist OER. Die Arbeitsblätter und Infoblätter sind gemeinfrei und brauchen auch nicht mich als Quelle. Alle anderen Quellen stehen drauf.

Einstieg

Progressive

Infoblatt Progressive erste Seite ist die Lösung. 😉

Übungblatt Progressive

Perfect

Infoblatt Perfect

Übungsblatt Perfect gibt keine Lösung, ihr könnt das auch so. 😉

Perfect Progressive

 

 

WMDEDGT – Versuch

Die Vrouwelin hat ihren ersten WMDEDGT1 Eintrag veröffentlicht und weil ich manchmal ein Herdentier bin, mache ich zumindest heute mal mit. Ich verspreche nicht, dass das irgendwie dauerhaft wird…

Die Woche ist ja an sich schon etwas wonky und fürn Arsch, weil der Feiertag mir den Rhythmus raubte. Heute war dann alles irgendwie normal, aber etwas früh. Nach dem Aufstehen habe ich festgestellt, dass die aktuelle Stimmung etwas MBSR brauchen könnte.

Also, wie aktuell üblich gegen halb sechs ausm Bett gefallen, den morgenmuffeligen Hund in die windig-laue Herbstnacht herausgeführt und dann sollte es eigentlich Frühstück geben. Ich war aber total neben der Mütze und zu hungrig und bin zum Bäcker gefahren, um da zu frühstücken.

Kurz vor sieben in der Schule aufgeschlagen und einen schönen großen Stapel Arbeitsanweisungen für das neue Sozialkundethemengebiet kopiert, noch mit dem jungen Kollegen verabredet, wo wir die Klassenfotos machen und dann ab in den Unterrichtsalltag. Bis zur 5. Stunde dreimal das selbe Spiel, dazwischen endlich alle Termine für große Leistungsnachweise eingetragen und etwas mit Kollegen geredet. Dazu den Kuchen der vergeburtstagten Kollegin gemampft.

Statt die ausgefallene sechste Stunde zu nutzen, sie mit ner Kollegin verquatscht, dann zum Schreibwarenladen, auf Schulrechnung Zeug für den Workshop morgen gekauft, wieder schlecht gegessen und heim zum Hund.

Jetzt kommt der coole Teil: nix ist schöner als mit Flocke im Sturm über Wiese zu latschen, dann noch mit meiner Mutter telefoniert, während ich abspannen wollte und jetzt Ehrenamt.

Später: mit wunderbaren Menschen telefonieren…

  1. Was machst du eigentlich den ganzen Tag? []

Das Care Prinzip

Ich sitze gerade auf einer Parkbank unter den Linden in Berlin und genieße einen Tabletoppodcast während der berliner Morgenverkehr um mich herum versucht mich mit Feinstaub und Stickoxiden zu vergiften. In ungefähr zwei Stunden habe ich den ersten Termin meiner Fortbildung bei der bayrischen Botschaft in Berlin und bis dahin kann ich ja mal etwas aufschreiben, dass für mich mittlerweile sehr selbstverständlich ist, aber vielleicht mal erzählt werden sollte.

Die Konsequenz des Sozialen

Wir sind alle in einer Welt miteinander und haben mehr oder minder direkt miteinander zu tun. Sei es mittelbar wie bei den gerade aufkommenden Wahlen, oder unmittelbar, weil wir miteinander Lebenszeit und -räume teilen. Und wir haben dabei eine Wahl, die David Foster Wallace in seiner Rede „This is Water“ folgenderweise beschreibt:

The really important kind of freedom involves attention and awareness and discipline, and being able truly to care about other people and to sacrifice for them over and over in a myriad petty, unsexy way every day. That is real freedom.

Wir können uns also aussuchen, ob wir für andere Menschen etwas empfinden und ob wir für andere Menschen Sorge tragen. Nachdem im sozialen Raum jede Handlung einen Gegeneffekt hat und dieser sehr oft reziprok ist, gibt es rational gut Gründe sich um andere Menschen zu kümmern. Das haben wir als Gesellschaft in der Größe allerdings professionalisiert und deswegen entsteht der Anschein, dass wir selbst uns wenig kümmern müssen. Meine These ist, dass care – also die Idee, dass eine Person sich um jemanden sorgt und passend handelt -, ein wichtiges Prinzip ist, dem man sich verschreiben sollte.1

Moderne Kälte

Ein Hauptgrund ist, dass die moderne arbeitsteilige Gesellschaft gut dafür sorgen kann, dass organisch gewachsene Solidarität nicht mehr stattfindet. Wir sind immer weiter verteilt und bekommen sehr gerne eingeredet, dass wir nur für uns sind. Das erste ist wahr, das zweite totaler Quark. Es ist einfach zu glauben, dass man allein in der Welt ist, aber das ist objektiv nicht wahr und subjektiv eine Katastrophe. Die Kälte des sozialen Raums, die viele Menschen heutzutage erleben ist also nur teilweise eine Funktion der differenzierten Gesellschaft, wie es schon bei Durkheim in der Abhandlung zum Selbstmord beschrieben wurde, und ansonsten eine Funktion verschiedener sozialer Konstrukte, die ich als schädlich bezeichnen würde. Die Konsequenzen für die einzelne Person sind aber eher so unangenehm bis gefährlich. Viele Menschen haben unzureichende Supportnetzwerke, die im Zweifel auch aus anderen Leuten bestehen, die glauben, dass ihre Interessen der ultimative Maßstab für ihr Handeln ist und haben dazu beigebracht bekommen, dass um Hilfe fragen ein Zeichen von Schwäche ist, dass soundso nicht beantwortet wird.

Das ist alles tragisch. Es führt zu Konkurrenzhetze, Nervenzusammenbrüchen, Burnouts und vor allem vielen Therapiestunden, die sich die Gesellschaft sparen könnte, wenn wir füreinander da sind. Wertschätzung, Hilfe und vor allem die Überzeugung, dass der und die jeweils andere unsere Aufmerksamkeit und Zuwendung wert sind, wie wir sie selbst wert sind, sind alles etwas verloren gegangene Ideen. Sie waren in den Zeiten der engen, kleineren sozialen Gemeinschaften, die aufeinander angewiesen waren häufiger, genauso wie die Strafen für Missachtung gemeinschaftlicher Regeln härter waren. 

So… Care!

Es ist aber leider ein Fehlschluss zu glauben, dass nur weil unsere sozialen Kontakte sich nun über Kontinente erstrecken können, wir nicht füreinander da sein sollten. Die selben Medien, die uns diese Lebensstile ermöglichen, sind dann auch diejenigen, die wir dafür nutzen können uns weiterhin um Menschen zu kümmern und ihnen zu zeigen, dass sie für uns wichtig und damit nicht allein sind. Im  Umkehrschluss können wir selbst auch erfahren, dass wir selbst nicht allein sind. Die soziale Kohäsion der Gesellschaft ist wichtiger als wir glauben. Sie beruht darauf, dass Menschen füreinander und miteinander die Welt gestalten. Differenzen dürfen sind dabei normal und wichtig, aber sie sollten und können nicht der Anlass dafür sein, dass die Person gegenüber unserer grundlegenden Aufmerksamkeit nicht wert ist und dass wir Menschen, die uns wichtig sind, vergessen. Denn wir wollen auch nicht vergessen werden und brauchen manchmal Care…

  1. Ja, das ist eine Empfehlung. Und so selbstlos ist die nicht. []

Ich bin wahlmüde…

Ihr habt die Überschrift gesehen, ich bin wahlmüde. Jetzt werden sich einige denken: „Aber du bist doch Sozilehrer!“ oder „Aber du bist doch immer so laut, was Politik angeht.“ Ja, bin ich und ich bin müde. Weil es dafür aber Gründe gibt und weil die wiederum viel mit der Welt da draußen zu tun haben, werde ich diese mal formulieren.

Scheiße, ist das langweilig.

Es ist so schon nervig dem Brimborium der Wahlen zu folgen. Mit Angela Merkel, die Einlullen als Politikmodus etabliert hat, und Martin Schulz, der als Person die Intensität eines weichen Kekses besitzt, hat das alles nun die anregende Wirkung einer Schlaftablette. Langweilige Menschen reden über langweilige Sachen und über sich selbst. Ist es nicht toll… also der Entertainmentwert ist so niedrig wie noch nie.

Nicht die Zielgruppe.

Ich bin anscheinend nicht die Zielgruppe dieser Wahl. Also so mit Mitte 30, gutem Einkommen, hoher Steuerlast und der Option eine Familie zu gründen, bin ich schon mal uninteressant. Aber weder meine FreundInnen mit Familie, meine FreundInnen in der Ausbildung, meine FreundInnen in der Wirtschaft noch irgendwer anders, nichtmal meine Eltern sind irgendwie die Zielgruppe dieser Wahl. Anscheinend soll hier die potente Gruppe der reichen Ausländerfeinde irgendwie Thema sein. Angesprochen fühle ich mich gerade so von einer Partei und die kompletten Themen berühren meine Realität nicht.

Selbstreferenzielles Mediengeblubber und abwehrendes AfD Gepushe

Die klassischen Medien scheinen mir auch komplett disjunkt von meiner Wirklichkeit zu sein. Ich weiß ja nicht worüber die reden, aber relevant für mich ist es nicht. Die Social Media Welt ist hingegen voller passiv-aggressiver Scheiße, die eine diffuse Angst vor der AfD verbreitet und gleichzeitig das beste tut, diese Partei immer wieder zu erwähnen. Anstatt endlich aufzuhören gegen die reden und stattdessen positive Botschaften zu senden. Wie wenig negative Botschaften bringen, kann Hillary Clinton erzählen. Sie machen nur die eigenen Reihen hysterisch, wenn das selbstaufgebaute „Böse“ dann doch im Bundestag sitzt. Konstruktiv wäre ja schön, positiv wäre auch schön. Bei der Hysterie möchte ich am liebsten allen Dildos schenken.1 Und bitte dabei nicht über die AfD reden, sondern darüber, was wir für eine Welt haben wollen. Und das immer wieder…

Und das macht mich unendlich müde. Ich muss mich ab Dienstag wieder vor SchülerInnen stellen und eine meine Hauptaufgaben ist es jungen Menschen, Ausbildung und Perspektive zu bieten. Und das nicht in dem ich mich einfach nur hinstelle und weine, wie schlimm die Welt ist. Denn ich habe es hier mit echten Menschen in einem direkten sozialen Verhältnis zu tun. Was ich da tu, hat weitaus mehr Konsequenzen als das Wahlkreuzchen und weitaus mehr Relevanz als dieser Blogeintrag oder ein verfickter agitierter Tweet. Es geht mir sowas von an die Löffel, dass ich mir diese selbstreferenzielle Scheiße von irgendwelchen Labertaschen anschauen muss, deren einziger Beitrag eine Tweetkette ist. Wenn ihr was bewegen wollt, dann nicht passiv-aggressiv von der Tastatur aus.

Absolutes Missverständnis des Wahlsystems und der Wahlen allenthalben

Es gibt da einen Politikunterricht zu. Hört ihn euch bitte an. Wahlen sind wichtig und der Mittelpunkt einer Demokratie. Es geht hier darum, das Gremium zu bestellen, dass die Regeln für unsere Gesellschaft festlegt. Wenn ihr der Meinung seid, dass das ein Sandkasten sein sollte, dann halte ich euch nicht auf, weil das meine politikphilosophische Überzeugung ist. Aber es macht mich auch müde zu sehen, wie die Diskurse über die Wahl von dem wegdriften, worüber wir reden sollten. Zwei Wochen vor dem Wahltermin überlegen, ob eine Satirepartei nicht eine tolle Gegenveranstaltung zu irgendwelchen abgehalfterten Rechtspopulisten im Parlament wäre, zeigt, dass wir anscheinend keine Probleme haben, die dringend gelöst werden müssen. Dem Sozialstaat geht’s ja blendend, die Leute sind alle glücklich und es regnet Zimtschnecken.

Dazu gehören auch die unsäglichen Wahlempfehlungen. Also Empfehlungen, dass ich wählen gehen soll und dann bitte nur die etablierten Parteien, weil wir ja die AfD verhindern müssen. Was für ein Bullshit. Die Menschen haben die Freiheit wählen zu gehen, und das ist gut so. Genauso wie sie die Freiheit haben, zu wählen was sie wollen, nach ihren eigenen Prinzipien. Wer empfiehlt, dass jemand etablierte Parteien wählen soll, um eine andere Partei zu verhindern hat damit den Traum des rechten Einheitsstaats auch erfüllt. Aus Angst seine persönliche Freiheiten einschränken ist nicht freiheitlich und der Traum der Rechtspopulisten.

Realität statt Fiktion

Ich bin also müde, dass ein Großteil dieser Wahl, die am Ende ein Parlament und mittelbar eine Regierung wählt, die über unsere Zukunft die nächsten vier Jahre entscheiden, anhand von Fiktionen diskutiert wird. Weder Satiriker noch nicht-satisfaktionsfähige Rechtspopulisten sind eine Bedrohung für die freiheitlich demokratische Grundordnung. Eine Wahlbevölkerung, die komplett nicht mehr miteinander spricht, die schon in ihren Medien, und damit auch Realitätsfiktionen, gespalten ist und in der jeder glaubt, dass die Welt untergeht, wenn sie sich nicht genau nach den eigenen Vorstellungen entwickelt, die wiederum ist eine Gefahr für die komplette Gesellschaft.

Und weil ich zu der Gruppe gehöre, die versucht die Risse in dieser Bevölkerung zu überbrücken, bin ich müde… denn einfacher ist das nicht geworden…

  1. Wer das nicht versteht: Dildos waren das „Heilmittel“ gegen Hysterie im Viktorianismus. []