Archiv der Kategorie: Kunst, Literatur, Musik

HCH027 Advi liest: Thief of Time

Ich habe Zeit an den Händen und lese Thief of Time von Terry Pratchett. Und weil ich das Buch sehr mag, bespreche ich mal die, für mich, wichtigsten Inhalte, die es so in diesem Buch gibt. Es wird gespoilert, aber das Ding ist relativ alt. Wenn ihr es noch nicht gelesen habt, dann lest es lieber vorher.

Shownotes

Blogeintrag zu Moralischem Handeln

HCH026 Advi liest: Jabberwocky

Ich mache mal etwas neues, weil ich das neue Equipment und Kapitelmarken testen möchte und ihr habt davon, dass ich Jabberwocky lese, etwas dazu erkläre und euch auch eine kleine Aufgabe gebe.

Im folgenden seht ihr den Jabberwock in der Originalzeichnung von John Tenniel, Deutlich erkennbar: KEIN DRACHE!

Und hier ist Humpty Dumpty’s Explanation of Jabberwocky, für diejenigen, die sich wundern und diejenigen die mir gerne etwas malen wollen.

“You seem very clever at explaining words, Sir”, said Alice. “Would you kindly tell me the meaning of the poem ‘Jabberwocky’?”

“Let’s hear it”, said Humpty Dumpty. “I can explain all the poems that ever were invented–and a good many that haven’t been invented just yet.”

This sounded very hopeful, so Alice repeated the first verse:

‘Twas brillig, and the slithy toves
Did gyre and gimble in the wabe:
All mimsy were the borogoves,
And the mome raths outgrabe.
“That’s enough to begin with”, Humpty Dumpty interrupted: “there are plenty of hard words there. ‘Brillig’ means four o’clock in the afternoon–the time when you begin broiling things for dinner.”

“That’ll do very well”, said Alice: “and ‘slithy’?”

“Well, ‘slithy’ means ‘lithe and slimy’. ‘Lithe’ is the same as ‘active’. You see it’s like a portmanteau–there are two meanings packed up into one word.”

I see it now”, Alice remarked thoughfully: “and what are ‘toves’?”

“Well, ‘toves’ are something like badgers–they’re something like lizards–and they’re something like corkscrews.”

“They must be very curious creatures.”

“They are that”, said Humpty Dumpty: “also they make their nests under sun-dials–also they live on cheese.”

“And what’s to ‘gyre’ and to ‘gimble’?”

“To ‘gyre’ is to go round and round like a gyroscope. To ‘gimble’ is to make holes like a gimlet.”

“And ‘the wabe’ is the grass plot round a sun-dial, I suppose?” said Alice, surprised at her own ingenuity.

“Of course it is. It’s called ‘wabe’, you know, because it goes a long way before it, and a long way behind it–”

“And a long way beyond it on each side”, Alice added.

“Exactly so. Well then, ‘mimsy’ is ‘flimsy and miserable’ (there’s another portmanteau for you). And a ‘borogove’ is a thin shabby-looking bird with its feathers sticking out all round–something like a live mop.”

“And then ‘mome raths’?” said Alice. “If I’m not giving you too much trouble.”

“Well a ‘rath’ is a sort of green pig, but ‘mome’ I’m not certain about. I think it’s sort for ‘from home’–meaning that they’d lost their way, you know.”

“And what does ‘outgrabe’ mean?”

“Well, ‘outgribing’ is something between bellowing an whistling, with a kind of sneeze in the middle: however, you’ll hear it done, maybe–down in the wood yonder–and when you’ve once heard it, you’ll be quite content. Who’s been repeating all that hard stuff to you?”

“I read it in a book”, said Alice.

–Through The Looking Glass, Lewis Carroll

Advi testet: Kingdom Death Monster 1.5

Ich habe letztes Jahr Kingdom Death Monster 1.5 mitgekickstartet und es im November irgendwann bekommen. Nun, im April habe ich endlich das Gefühl ein halbwegs belastbares Review schreiben zu können.

Grundlegendes über das Spiel

Kingdom Death Monster ist ein Horrorbrettspiel mit taktischen und strategischen Phasen. Es dreht sich um eine Gruppe von Überlebenden, die in einer dunklen Albtraumwelt voller Monster um ihr Leben kämpfen müssen. Dabei müssen sie diese Monster jagen, ihre Siedlung aufbauen und bevorzugt nicht zu schnell sterben.

Das Spiel besteht aus einer riesigen Kiste, über 40 Plastikminiaturen teilweise erstaunlicher Größe, einem riesigen Spielfeld plus zwei sekundäre Spielfelder und jede Menge Karten und Kärtchen. Es ist durchaus beeindruckend und ich habe bisher noch keinen Platz gefunden, wo ich es sinnvoll verstauen kann.

Spielphasen

Das Spiel beginnt immer mit der First Story, die neue SpielerInnen leicht geskriptet durch sämtliche Spielphasen führt. Diese sind eine Jagdphase, in der die Überlebenden das auserwählte Monster jagen und dabei Unbillen und Abenteuer erleben, eine Showdown-Phase, in der die Überlebenden mit dem Monster kämpfen und eine Siedlungsphase in der die Siedlung der Überlebenden weiterentwickelt wird.

Die Jagdphase und die Siedlungsphase finden auf einem kleineren Spielbrett an, da sie hauptsächlich aus dem Ziehen und Legen von Karten sowie dem passenden Würfeln besteht. Die Showdown-Phase findet auf einem großen begitterten Spielplan statt, In jeder der Phasen werden Miniaturen benutzt um die Überlebenden und das Monster zu symbolisieren.

In der Jagdphase decken die Überlebenden abwechselnd Karten mit Ereignissen auf, die sie positiv und negativ auf der Jagd nach dem Monster beeinflussen.

Die Showdown-Phase ist ein rundenbasierter Kampf, bei dem die SpielerInnen die Aktionen des Monsters mitspielen. Dabei wird ein AI Deck benutzt, das für jedes Monster speziell zusammengestellt wird. Die Kämpfe werden mit einem einfachen System gelöst, das auf modifizierten W10 Würfen beruht. Dieses gilt für die Monster, wie die Überlebenden. Allerdings werden für Treffer an den Überlebenden besondere Trefferzonenwürfel gewürfelt, während die Monster detaillierte Trefferzonenkarten besitzen. Auf diesen interagieren sie dann mit den Angreifern und manchmal auch dem schön gestalteten Terrain.

Die Überlebenden, die neben ihrer Miniatur durch einen Charakterbogen und das Ausrüstungsfeld dargestellt werden, haben dafür jede Menge Ausrüstung dabei und können sich gegen das Monster koordinieren. Dazu können die SpielerInnen gemeinsam die Monsteraktionen auch gegen das Monster wenden, was durchaus manchmal notwendig ist.

Ist das Monster besiegt kommt die Gruppe heim in die Siedlung, die durch als eine Art eigener Charakter durch einen großen Bogen dargestellt wird und in der Kultur entwickelt, aus den erbeuteten Ressourcen Ausrüstung und neue Innovationen hergestellt und dabei hoffentlich nicht gestorben wird. In dieser Phase können auch Monster die Behausung überfallen und ähnliche Katastrophen passieren. Das alles wird die ganze Zeit durch verschiedene Storyevents geleitet, die in einem wunderschön gestalteten Regelbuch zu finden sind.

Fazit

Kingdom Death Monster sieht anfangs wie ein rundenbasiertes Tabletop aus, erhält seine Besonderheit aber aus dem Universum, in dem es spielt, und dem Siedlungsbau, der bei jeder Entscheidung mitschwingt. Das Spiel ist für langfristiges Spielen ausgelegt und meine monatliche Spielrunde schafft derzeit einen Durchgang in drei Stunden. Das Spielsystem ist dabei so schlank und gradlinig, dass die Komplexität der Entscheidungen nicht durch komplexe Mechaniken behindert wird. Für erfahrenere Spielegruppen ist es definitiv empfohlen und bietet durch die Komplexität und mehrere Erweiterungen einen hohen Wiederspielwert. 

Der große Fotoequipment-Post – mit Fotos!

Ich fotografiere ja regelmäßig und hatte vor einiger Zeit mal aufgeschrieben, warum ich welche Kamera gern hätte. Nun habe ich endlich den Fuhrpark, den ich gerne hätte und eigentlich sogar mehr, also stelle ich das ganze Spielzeug mal vor. Mit Bildern der Geräte und so weiter… ich verlinke keine Shops oder sowas. Ihr dürft selbst danach suchen.

Kameras

The trusty K-30

Ich habe mich damals mehr so intuitiv für eine Pentax K-30 entschieden. Zum einen, weil ich ein stabiles wetterfestes Gehäuse haben wollte und mich schon immer zu den kleineren Marken hingezogen fühlte. Am Ende habe ich sie echt lieben gelernt. Sie ist relativ klein, handlich und durchaus leistungsfähig, insbesondere auch bei niedrigen ISO Zahlen in eher dunklen Verhältnissen.1  Dazu ist sie im Vergleich zu den Canons, die ich in der Hand hatte tatsächlich irgendwie mehr feature-complete. Das Menü ist relativ übersichtlich2 und für eine Kamera im unteren Segment sind die zwei Einstellräder echt super. Hier auf dem Bild ist sie mit meinem Lieblingsobjektiv für die K-30 zu sehen, dem 40mm Pancake. Damit ist sie wirklich eine Art unauffällige Streetkamera.

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Das Wunschgerät die K-3 II

Es gab so die eine oder andere Sache, die mir an der K-30 gefehlt haben. Ganz vorne dabei ist das fehlende GPS. Das Problem wird durch die K-3 II behoben, die keinen Blitz und dafür besagtes GPS hat. Dazu besitzt sie die Pixel Shift Auflösung, bei der die Kamera tatsächlich jeden Pixel in allen Farben ablichtet und nicht die Farben zusammenrechnet.3 Dazu ist sie natürlich höher aufgelöst, hat eine bessere Bildstabilisierung und so weiter. Das ist irgendwie klar, wenn die Kamera ca. 3 Jahre jünger als die K-30 ist. Sie ist jetzt nicht das modernste auf dem Markt, aber das, was ich immer haben wollte. Auf dem Bild sehr ihr sie mit ihrem neuen Dauerfreund, meinem Tamron 18-200mm Reisezoom.

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Glas

Hier ist erstmal ein Bild aller Objektive.

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Fangen wir links mit dem kleinsten an. Das smc DA 40mm F/2,8 Pancake wurde mir relativ preiswert von einem Podcasthörer und Twitterfollower verkauft und ich bin bis heute sehr dankbar. Ich dachte nicht, dass mir das so einen Spaß machen würde. Gerade die K-30 macht das schmale Profil zu einer wirklich handlichen Kamera. Dazu gefällt mir die Brennweite an einer APS-C Kamera unheimlich gut. Wenn ich nicht gerade auf Reisezoom bin, ist das 40mm wirklich mein Lieblingsobjektiv.

Danach kommt mit dem smc DA 50 F/1,8. Die Standardlinse für das Portrait mit dem verschwommenen Bokeh, nach dem Kit und dem Reisezoom, meine dritte Linse. Es gibt sehr schöne Bilder, die ich mit ihr gemacht habe. Ich bevorzuge nur das 40mm vom Bildwinkel mehr. Wenn es aber wirklich mal die große Tiefenunschärfe sein muss, dann kommt das 50mm aus der Tasche.

Das smc DA 18-55mm F/3,5-5,6 WR. Das WR ist wichtig. Das Kitobjektiv benutze ich eigentlich nicht. Es kommt zusammen mit dem anderen WR Zoom nur in die Tasche, wenn es in Strömen regnet. Das WR ist nämlich die Allwettervergütung. Das Ding hat eine Extradichtung und so weiter. Es sieht sehr wenig Einsatz.

Das gilt auch für das smc DA 50-200 WR habe ich vielleicht zweimal an die Kamera geschraubt. Auch dieses Objektiv habe ich von einem freundlichen Hörer sehr preiswert bekommen. Es ist vor allem noch in der Sammlung, falls ich wirklich mal ganz dringend im Regen fotografieren muss.

Das Tamron 18-200mm F/3,5-6,3 Di II ist meine Allzweckwaffe. Ja, es gibt besseres und teureres von Sigma und Pentax selbst aber das Tamron hat mich bisher noch nicht enttäuscht. Nahezu alle Bilder, die ich wirklich mag, sind mit diesem Objektiv entstanden. Es kann ziemlich verzerren, aber für sowas gibt es ja Lightroom. Bildbeispiel:

Berlin at Night 2

Sonstiges Spielzeug

Capture Clip und Three-Legged Things Corey

Zum Fixieren der Kamera hatte ich längere Zeit ein relativ preiswertes Stativ, das dann irgendwann von Isabell gemundraubt wurde.4 Das habe ich dann gegen ein Corey von Three Legged Things ausgetauscht. Das ist ein kleines Reisestativ mit etwas vielen Schrauben, das aber ein wichtiges Feature hat: die Stativplatte passt auch an den Capture Clip von Peak Design. Das ist eine Halterung, an die man einfach die Kamera anklippen kann, wenn man sie bereit haben möchte, aber ansonsten sicher verstaut wissen will. Diese Synergie brachte mich zum Stativ und ich bin damit sehr zufrieden. Es wird mit der Pixel Shift Auflösung der K-3 II wohl noch etwas mehr Einsatz sehen. Die Stativplatten und die Platte des Capture Clips könnt ihr oben an die Kameras angeschraubt sehen.

Yongnuo LED Striplight

Als ich auf dem Villaworkshop Mensch in Hannover keine Idee für mein ausgefalleneres Portrait hatte, drückte mir Chris Marquardt so ein Teil in die Hand. Es ist im Prinzip ein Leuchtstab, der in verschiedenen Farben eingestellt werden kann, dazu noch in verschiedenen Weißtönen und so weiter. Dabei entstehen unter anderem solche Bilder.

Lichtexperiment II

Peakdesign Everyday Backpack

Ich habe zwar zwei Fotorucksäcke von Deviantart5, aber der aktuelle Fotorucksack ist auch mein täglicher Rucksack für die Arbeit. Das Everyday Backpack ist nicht preiswert, aber unheimlich flexibel, robust und auch ganz hübsch. Für den Fotoeinsatz kann man Teiler einsetzen, die Seitentaschen sind farbkodiert für volle und leere Akkus. Ich habe schon ausprobiert das komplette restliche Equipment reinzustopfen und dranzuhängen und das funktioniert sehr gut. 

Ansonsten habe ich noch eine Handschlaufe, ein paar Nackenstrappen und Filter für das Tamron, und das war es. Ich bin, wie gesagt, sehr zufrieden damit.

  1. Für eine Kamera im „Einsteigersegment“… []
  2. Ich kann sagen, dass mich Canons immer wieder verwirren und dass die D70 in der Schule einfach nur eine Katastrophe in der Einstellbarkeit ist, gegenüber meiner kleinen Pentax. []
  3. Ja, total nerdy… und es funktioniert nur mit Landschaften und nem Stativ. []
  4. Sie braucht das mehr, sie ist der Profi und hat mittlerweile auch ein neues. []
  5. Fragt nicht… lange Geschichte. []

Drei Worte und ein Halleluja

Ich habe gerade den Fehler begangen auf twitter nach Stichworten zu fragen, weil ich mich langweile. Also schreibe ich jetzt mal kurze Geschichten zu drei Sätzen Stichworte, die mir so gegeben wurden. Es waren genug damit es mehrere kurze Vignetten werden. Wer komischen Kram angibt ist für komische Geschichten verantwortlich. Los geht’s!

Starbuck Reihe Mais

Ein Venti Latte musste es jetzt sein! Marie-Luise Müllers Tag war eine Katastrophe! Alles fing mit den absolut indiskutablen kindischen Essenwünschen von Günther an! Maiskolben, wie in der Jugend! Mit Butter! Weiß er überhaupt, wie viel Fett da drin ist? Und dann der Wochenmarkt! So viele Menschen, warum hat sie nicht einfach Magdalena geschickt? Nein, sie musste ja versprechen ein „Familienessen“ mit allen „Lieblingsgerichten“ zu kochen. Das war alles zu viel! Jetzt stand sie endlich in der Reihe um ihren verdienten Kaffee zu kriegen. Wenn der Typ vor ihr doch nur wüsste, was er will!

Wunderkerze Nase Gullideckel

Silvester war wieder so schön! Die knisternde Kälte unter dem klaren Winterhimmel versprach einen Jahresübergang, an den sich viele Menschen liebevoll romantisch erinnern. Frierend mit einer Wunderkerze in der einen und einem Glas etwas zu schlechtem Sekt in der anderen Hand das neue Jahr begrüßen, macht viele Menschen glücklich, auch wenn sie die nächsten zwei Wochen verrotzte Nasen und Keuchhusten vom ganzen Feinstaub haben, der die Straßen vernebelt bis man nur noch die Gullideckel sehen kann. Und so standen sie auch diesmal wieder auf der Straße, um das Jahr zu verabschieden und zu begrüßen.

Homebanking Holunder Schilddrüsenüberfunktion

Die Holunderschorle schmeckte vorzüglich zum warmen Sonnenschein, der auf die hölzerne Terrasse fiel. Es war ein langsamer Tag für Johnny Malone, der in Jeans und Unterhemd in seinem Korbstuhl saß und müde das Drama im Homebanking ansah. Wenn er nicht bald einen neuen Auftrag an Land ziehen konnte, dann musste er wieder Bohnen aus der Dose essen. Das war immer so ein Drama, weil er dann noch mehr abnahm. Seine Schilddrüsenüberfunktion machte ihn so schon sehr dünn und während er zitternd die Zigarette zum Mund führte, ärgerte er sich jetzt schon, obwohl er sicherlich noch für zwei Wochen genug Geld zum Leben ohne Dosenbohne hatte. Während Johnny in der Erwartung schlechten Essens gefangen weiter an der Zigarette zog, verdunkelte sich auf einmal die Sonne. Er drehte sich dem Schatten zu, der von einem Mann in einem langen Staubmantel geworfen wurde. Als er in das vernarbte Gesicht sah, wurden die Bohnen auf einmal wieder sehr attraktiv. Aber Johnny konnte noch nie dem Unheil widerstehen, also zeigte er rauchend auf den Stuhl vor seinem Tisch. Der Fremde setzte sich und schaute Johnny lange mit herausfordernder Ruhe an, bevor er zu sprechen begann.

So, mehr gibt’s nicht. Die Übung war schon schön genug. Ich danke für alle Stichworte!

Sondierungen als postmodernes Drama

Stefan Schulz vom Aufwachen Podcast hat sich in Folge 247 gewünscht, dass sich jemand mit literaturwissenschaftlichen oder theaterwissenschaftlichem Hintergrund mit den Sondierungsgesprächen von CDU/CSU, FDP und Grünen zu beschäftigen.

Ich bin jetzt kein Theatermensch, also beschäftige ich mich etwas weniger mit der Inszenierung. Dafür fiel mir eines dieser postmodernen Theaterstücke ein, die ich im Studium allein dafür genossen habe, weil sie ein Publikum komplett kirre machen.1 Ich stelle erst einmal das Stück vor und dann ziehe dann Parallelen.

Synopse: Tom Stoppard – The Real Inspector Hound

Das Stück, das sich auf der einen Seite an den Sherlock Holmes Klassiker The Hound of Baskervilles anlehnt und auf der anderen ein Kommentar über journalistische Theaterkritiker. Zum Bühnenbild gehört die Tribüne, auf der die zwei Kritiker Moon und Birdboot sitzen, die sich ein eher lahmes Whodunnit Stück ansehen. Moon ist eigentlich nur da, weil der Oberkritiker Higgs nicht kann und Birdboot findet die Schauspielerin von Felicity ziemlich nett, obwohl er verheiratet ist. Er scheint hauptsächlich daran interessiert zu sein junge Schauspielerinnen gegen sexuelle Gefallen hochzuschreiben.

Der Plot des Stück-im-Stück ist einfach zusammen gefasst: in einem Herrenhaus am Arsch der Welt liegt ne Leiche rum.2 Es wird per Holzhammerexposition bekannt gegeben, dass ein Wahnsinniger in den Sümpfen um das Herrenhaus unterwegs ist. Dazu kommt ein doppelbödige Liebesgeschichte, bei der Cynthia, eine der Personen im Stück im Stück, das Interesse zweier männlicher Charaktere geweckt hat, während Birdboot gleichzeitig anfängt sich mehr für ihre Schuspielerin zu entscheiden. Während sich Moon und Birdboot über das eher dröge Stück unterhalten klingelt auf der Bühne das Telefon. Moon geht ran und Birdboots Frau ist dran. Das führt dazu, dass Birdboot auf der Bühne ist, während das Stück wieder losgeht und prompt aus dem Off erschossen wird, nachdem er die Leiche als Oberkritiker Higgs erkennt. Moon wird zum Inspector Hound und dann als der falsche erkannt und auch erschossen. Woraufhin in einer dreifachen Enthüllung herauskommt, dass der Täter der drittrangige Kritiker ist, der Moon, Birdboot und Higgs ausm Weg haben wollte. 

Sondierung als postmodernes Drama

Nun, die aktuellen Sondierungsgespräche sind aus meiner Sicht auf vielen Ebenen ähnlich. Wir haben einmal ein lock-room-mystery bei dem sich keine der Personengruppen gegenseitig trauen können und dazu eine Gruppe der Zuschauer, die Teil des Stücks sind und sich doch gleichzeitig für distanziert halten. Wie in Stoppards Stück geht es eigentlich überhaupt nicht um das angebliche Kriminalstück auf der Bühne, sondern um die Zuschauer, die sich die echte Bühne teilen. Ihre Befindlichkeiten, wie die von Moon und Birdboot, sind am Ende wichtig. Das gilt für die Balkonfotos, wie die politischen Kommentatoren, die sich darüber aufregen, dass Sondierungspapiere vertwittert werden. Wir lernen als Beobachter des gesamten Dramas eigentlich hauptsächlich etwas über die professionellen Zuschauer, die das Geschehen auf der Bühne beurteilen sollen.

Und so sind es auch bei den Sondierungen die Fragen, die uns Beobachter umtreiben. Was treibt die Kommentatoren an? Warum stehen da jeden Tag Fotografen sinnlos im Regen um Angela Merkels Gesäß an einen Sims gelehnt zu fotografieren? Die wirtschaftliche Verzweiflung und gleichzeitig arrogante Blasiertheit von Moon und Birdboot scheint eine gute Parallele darzustellen. Auch diese sind da, weil sie da sein müssen und ihre Motive haben nichts mit dem Inhalt des Stückes zu tun.

Was sagt uns das über die Protagonisten, die sich unbeobachtet für Beobachter und Bewerter halten? Birdboot, der entscheidet, welche junge Schauspielerin hochgeschrieben wird, je nachdem ob sie sich mit ihm ins Bett legt, scheint eine einfache Parallele zu Boulevardpresse wie aber auch seriöserer Medien zu sein. Die Selbstimportanz der politischen Kommentatoren ohne Einblick ist faszinierend.

Und natürlich: Wer ist der/die wahre Kanzler(in)? und: Welche der Personen in den Sondierungen wird am Ende die Kritiker erschießen?3 

  1. Das sei bitte nicht mit dieser prätentiösen Scheiße verwechselt, wie man sie z.B bei diesem Trump Theaterstück findet. Dramatische Mittel müssen immer einen Sinn verfolgen, der den Zuschauer transzendieren lässt. []
  2. Übrigens seit Anfang des Stückes, die aber freundlich ignoriert wird, bis sie wichtig wird. Postmoderne FTW! []
  3. Ich tippe da auf Christian Lindner… []

Übergänge

Übergänge

Die Straßenbeleuchtung hat noch halb die Augen geschlossen
Ein blaues Blinken fliegt durch die Dunkelheit des Parks
Das orangene Licht wirft willkürliche Schatten an den Hauswänden entlang
In der S-Bahn legt sich ein müder Kopf auf eine müde Schulter
Der Geruch der durchtanzten Nacht mischt sich mit frischem Kaffee To Go

Das Blinken wird zum Hund
Das Licht führt nach Hause
Der Ofen offenbart warme Brötchen
Eine Tür öffnet sich, eine andere schließt sich.

Wir sind hier
Aus der Welt, in der Welt
Im Nirgendwo des Morgens

Podcasts und Monetarisierung

Ich verfolge die Entwicklung der Podcastingwelt aus persönlichem Interesse und persönlicher Involvierung.1 Die deutsche Podcastwelt ist ja nach Podlove, Auphonic und Ultraschall technisch auf einem Niveau, dass es auch Amateuren möglich ist, auf ziemlich hohem Produktionsniveau Sendungen in den digitalen Äther zu senden. Gleichzeitig wird in den USA der Podcastboom ausgerufen und Deutschland bekommt Podcastlabel. Podcasting ist also aus der Nische draußen, in der sie die Podcaster gern verorten. Dazu wird immer mehr über die Monetarisierung gesprochen. Das ist für mich kein Thema, weil ich einen gut bezahlten Day-Job habe und die Kosten von Podcasts nicht ins Gewicht fallen. Dazu verwurste ich ja in den Podcasts hauptsächlich Dinge, für die ich schon in diesem Day-Job gut bezahlt werde. Weil mich das alles nicht betrifft und ich da trotzdem eine Meinung habe, gehe ich mal die verschiedenen Optionen ernsthafter Monetarisierung von Podcasts durch.

Werbung

Der Klassiker der Monetarisierung und der Standardmodus in den USA. Hört man da so Podcasts wird man regelmäßig mit selbstvorgelesenen Werbetexten erschlagen, meist mit nem Couponcode versehen, damit die Firma, die den Auftrag gibt auch etwas nachvollziehen kann, ob die Werbung Wirkung zeigt. Immerhin lassen sich weder Downloadzahlen noch Hörerzahlen anständig messen und verfizieren. Obwohl sich das jetzt dank einer Initiative von Apple verändern soll. Dort wird es dann genauer Analytics geben, die vielen werbegestützten Podcasts Schwierigkeiten machen werden. Denn dann werden die Werbeunternehmen erstmal Zahlen sehen wollen, bevor sie investieren. Und da ist das Problem. Podcasts zählen als eine der attraktivsten Werbeträger derzeit. Vor allem in den USA, wo die Podcaster auch noch selbst die Werbung sprechen, gibt es eine hohe Identifikation mit dem Produkt. Es ist sowas wie Native Advertising, das meist nicht einmal durch Jingles getrennt ist.

Soweit der Status quo. doch was bedeutet das für die Podcasterinnen und Podcaster? Nun zum einen ändert sich hier, wie auch bei einigen anderen Beispielen die folgen, wer eigentlich der „Kunde“ oder die „Zielgruppe“ des Podcasts ist. Das wechselt nämlich von den Hörenden zu den Werbetreibenden. Es geht nicht mehr darum, etwas anzubieten, dass dann eine interessierte Hörerschaft findet, sondern etwas anzubieten, dass möglichst viele Hörerinnen und Hörer hat und möglichst gut vermarktbar ist. Dazu mischt sich der Werbetreibende dann gerne mal in die Gestaltung der Sendung ein und hat natürlich jedes Recht, weil er das Geld gibt. Die Abhängigkeiten ändern sich also. Dazu ist es schwierig, Werbung zu machen und dann zum Beispiel über Produkte zu reden, die von Konkurrenzfirmen sind oder aber wie bei den Schulsprechern sich mit Themen zu beschäftigen, die werbefrei sein müssen.

Amazon Affiliate

Eine Sonderform hier ist, dass Menschen in Podcasts über Produkte sprechen, aber dafür nicht bezahlt werden und stattdessen einen Prozentanteil von Amazon bekommen können, wenn HörerInnen über einen bestimmten Link den Einkauf machen. Das ist komplett problemfrei, aber dafür auch keine sichere Einnahmequelle. Dazu ist Amazon auch mal eklig, wenn es darum geht, wer affiliate sein darf.

Spendenplattformen

Der aktuelle heiße Scheiß, wenn es nicht Werbung sein soll, sind Spendenplattformen. Ganz vorn dabei sind Patreon und in Deutschland Steady.2 Die Idee ist relativ einfach: die Plattformen aggregieren zahlungswillige NutzerInnen und nehmen eine kleine anteilige Gebühr für diesen „Service“. Dabei wird gerne so getan, als wären die Podcasts Eigentum der Plattformen. Die größte Kritik an diesen Spendenplattformen ist, dass niemand so richtig weiß, warum da eigentlich doppelt und dreifach Steuern und Kommission bezahlt werden soll, wenn es doch auch einfacher geht. Hier ist vielleicht noch ein Satz zu Flattr zu sagen: Flattr ist eine tolle Idee, die tot ist.

Direktspenden

Mit Direktspenden nämlich.3 Es gibt SEPA und das kostet heute nichts mehr, ist zuverlässig, steuerabziehbar und nachverfolgbar. Dazu kostet es jenseits Umsatzsteuer für die Gewerbetreibenden nichts. Die zweite Möglichkeit, von der ich auch Gebrauch mache sind Amazon Wunschlisten. Hier wird in Sachmitteln gespendet, was einen Überraschungseffekt hat, aber im Zweifel für Freiberufler kompliziert sein kann. Dazu bleiben bei direkten Spenden die Hörenden weiterhin die Gruppe, die angesprochen wird.

Plattformen und Auftragsarbeiten

Die letzte Möglichkeit ist nur für Leute, die schon ordentlich Erfolg haben. Wobei zwischen diesen beiden Möglichkeiten auch Unterschiede bestehen. Sind Auftragsarbeiten generell eine faire Sache, weil sie schlicht ein Angebot sind, für das von vorneherein bezahlt wird und auch offen kommuniziert wird, dass es sich um ein solches Angebot handelt, ist das bei Plattformen schon schwieriger. Podcasts sind an sich etwas, das direkt im Web existieren kann und somit frei zugänglich ist. Kommen jedoch die Spotifys und Audibles dieser Welt an und bieten in ihren Ökosystemen wieder exklusiv Sendungen an, führt das dauerhaft zu Fragmentierungen, die zu vermeiden eigentlich im Interesse aller Beteiligten außer den Plattformen ist. Nicht einmal die Podcastenden haben davon so richtig Vorteile, außer, dass sie bezahlt werden.

Fazit

Am Ende ist die Frage, wer der Kunde des Podcastenden ist. Ist es der/die Hörende oder aber Menschen, die da Werbung machen. Ist der/die Hörende der Kunde, dann stellt sich nur die Frage, wie das Geld, dass da bereit ist gezahlt zu werden, am einfachsten und beständigsten zu den Produzenten von Podcasts kommt. Dabei zeigt sich dann, dass die klassischen Methoden wahrscheinlich die für alle Seiten effektivsten sind. Das Podcastökosystem wächst gerade, aber vielleicht sollte es die Fehler der anderen Webangebote vermeiden. Wir hatten AOL, wir haben Facebook und Adblocker en masse. Das brauchen wir alles für ein gesundes Ökosystem nicht, wenn genug Menschen schlicht einen Dauerauftrag ausfüllen.

  1. Meine Podcasts sind hoffentlich bekannt, ansonsten: Seitenleiste. []
  2. Keine Links… []
  3. Juhu, Fragmente! []

Weil das was bringt.

In Talkshows sitzen Politiker
und bewerfen sich mit Anklagen
zu Themen, die niemand interessieren

Weil das was bringt.

Auf Facebook träumen die Vergessenen
von alter Glorie und einer einfacheren Welt
in der sie immer noch vergessen sind

Weil das was bringt.

In Schulen sitzen junge Menschen
in Reihen und lernen, dass
Zahlen auf Zetteln Leben bestimmen

Weil das was bringt.

Auf twitter gießt jede(r) über jede(m)
Häme aus, der nicht der selben Meinung ist.

Weil das was bringt?

Vor irgendeinem Haus stehen
Menschen mit Schildern und skandieren Parolen.

Weil das was bringt?

im nirgendwo wechselt
eine übermüdete Pflegekraft
einen Katheter.

Weil das was bringt.

Auf einer Couch sitzen zwei Menschen
umarmt und sprechen
über sich und ihre Welt.

Weil das was bringt.

Rocky Horror und der unverklemmte Umgang mit Sexualität und Geschlecht

Heute ist einer von diesen Tagen… deswegen geht es jetzt mal um die Rocky Horror Picture Show und Gender und Sexualität, weil es da durchaus ein paar lustige Perspektiven gibt, die immer noch aktuell sind. Doch fangen wir vorne an. Ich hoffe ihr kennt den Film1, ansonsten gibt es hier Spoiler. Bei allem, was ich hier so erzähle vergesst übrigens nicht, dass der Film immer noch ab 12 ist.

Also, die Rocky Horror Picture Show, das Anti-Musical, das Richard O’Brien schrieb, nachdem Lloyd Webber ihn nicht als Sänger haben wollte, zieht sexuelle Verklemmtheit mit einem gehörigen Maß Horror durch den Kakao. Es ist am Ende eine Geschichte zweier junger durchgeklemmter Durchschnittsamerikaner der 70er, die mit der motorisierten Kettensäge befreit werden. Doch schauen wir uns erstmal Brad und Janet an:

Wir sehen schon hier, Brad ist total unsicher und Janet eine oberflächliche Tante. Bonuspunkte für American Gothic an der Tür der Kirche. Spannender ist noch, dass Brad drei Optionen für den Verlauf einer Liebe hat: gut, schlecht und mittelmäßig, wobei letzteres irgendwie die unschönste Variante ist. Brad kann sich dazu mal überhaupt offen artikulieren und antwortet auf Janets „I’m mad for you.“ „I love you, too.“ Alles in allem total verklemmte Einheitsbeziehungsbrei, dem gesellschaftliche Glück zugeschrieben wird.

Das ändert sich Mitten in der Nacht, wenn die beiden in Frank’n’Furters Schloss ankommen. Schon die Begrüßung trieft vor Innuendo, wenn Riff Raff Janet mit dem Satz „You’re wet.“ begrüßt und dann in den berühmten Time Warp startet:

Außer, dass das alles schon angemessen durchgeknallt ist, besteht der Tanz, der dem Publikum beigebracht wird, und den schönen Namen „Pelvic Thrust“2 trägt, aus relativ eindeutigen Bewegungen. Janet fällt dann auch gleich mehrfach in Ohnmacht, während Brad versucht furchtbar männlich zu sein in dem er sie beschützt und die Kontrolle behält, während er diese schon bei geplatzten Autoreifen3 abgegeben hat.

Nach dieser Vorstellung fangen wir dann an mal etwas tiefer einzusteigen, wenn Frank’n’Furter4 mit dem Fahrstuhl in die Szene herabfährt und Janet wieder in Ohnmacht fallen lässt:

Franks Crossdressing und seine generelle ironische Verachtung von Brads Ernsthaftigkeit zeigen schon, dass in seiner Welt alle Regeln nicht gelten, die Brad und Janet für angemessen halten. Frank überschreitet binnen kürzester Zeit einmal alle Grenzen und seine Selbstbezeichnung als „Sweet Tranvestite from Transsexual Transsilvania“ macht es nicht einfacher. Er beschließt die beiden jungfräulichen Spießer mit in sein Labor zu nehmen, um ihnen sein Experiment zu zeigen. Dafür werden Brad und Janet bis auf die Feinrippunterwäsche ausgezogen und verwundbar unter jede Menge sehr formell oder anzüglich gekleideter Menschen gestellt. Wie in „Sweet Transvestite“ angekündigt möchte er seine Kreation Rocky zum Leben erwecken. Das ultimative Spielzeug für den moralisch bankrotten Omnisexuellen, der er ist. Das passende Lied heißt dann auch „I Can Make You a Man“ und trieft vor Innuendo. Die Tatsache, dass Janet langsam auftaut und den weitaus „männlicheren“ Rocky ziemlich geil findet, zeigt dann auch die Wege auf, die Brad und Janet gehen. Während Brad immer mehr in eine Krise der eigenen Männlichkeit fällt, befreit sich Janet langsam. Das fängt mit ihrer Begeisterung für Rockys Muskeln an, geht dann aber in eine Tiefe, die sich in der Floor Show zeigt. Doch vorher kurz zu Eddie und Columbia und das nicht nur, damit ich diese musikalische Meisterleistung verlinken kann:

Der Stuntman fiel übrigens bei Versuch 1 mit dem Motorrad vom Vorsprung und verletzte sich dabei. Wir können sehen, dass Columbia den eher unangenehmen (und vielleicht sogar leicht misshandelnden) Eddie doch vergöttert und er Zeichen seiner Zuneigung zeigt. Das ist vielleicht die einzige halbwegs gesunde Beziehung hier, zwischen dem Groupie und dem rücksichtlosen Ex-Lieferjungen.5 Was nur zwischen den Zeilen klar wird: Eddie teilt sich das Hirn mit Rocky. Ist aber eh, egal, weil Eddie ist ja dahin und Columbia ernsthaft im Herzen gebrochen.

Frank’n’Furter interessiert das alles nen Scheiß. Er hat seinen Rocky und nimmt den erstmal ins Bett mit. Nachdem er sich mit Rocky vergnügt hat, erscheint er allerdings nacheinander mit dem selben Trick bei Janet und Brad6 und legt beide flach. Janet, die ein schlechtes Gewissen hat und gleichzeitig erstaunlich rattig ist, findet den verängstigten Rocky und ähja.

Auf der einen Seite sehen wir, dass Janet irgendwie ihre Selbstsicherheit gewonnen hat und Rocky relativ klar anleitet, während Columbia und Magenta da irgendwas laufen haben.7 Die beiden haben sichtlich Spaß daran zuzusehen, wie Janet sich selbst entdeckt. Brad wiederum ist vollkommen verstört und Frank’n’Furter totsauer. Immerhin ist Rocky sein Spielzeug, das Janet doch bitte nicht wie einen Menschen zu behandeln hat. Das verschlimmert sich noch, als Dr. Scott auftaucht, ein UFO Forscher, der seinen Neffen Eddie sucht.8 Also zurück zu Eddie und Columbia. Bei einem durchgehend eigenartigen Abendessen erzählt Dr Scott und der Kiminologe9 vom traurigen Leben Eddies und seiner Angst vor Frank’n’Furter:

Während Frank komplett gelangweilt ist, zeigt Columbia ihre Zuneigung. Na gut, „I very nearly loved him.“ zeigt auch, dass es anscheinend schwer ist, einen Verbrecher wie Eddie zu lieben, obwohl er Sympathie verdient hat. Vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass Eddies Leiche unter dem Essentisch liegt. Als Frank dies zeigt, flüchtet sich Rocky automatisch zu Janet und Frank tickt komplett aus. Er verwandelt alle Beteiligten in Statuen um dann eine Bühnenshow vor leerem Saal abzuziehen in der eigentlich nur er in der Mitte steht.

Allerdings erfahren wir hier auch die Motivationen aller Charaktere nochmal und sehen: Rocky ist komplett verwirrt, Columbia hat Herzschmerz, Janet findet Sex geil und ist selbstbewusster, während Brad auch an allem, was richtig ist zweifelt. Die Strapse tun jetzt nicht wirklich was das besser zu machen. Oder der Pool10, oder…

Wichtig ist hier vielleicht noch die Zeile, die wohl die größte Aufforderung des Filmes ist: „Don’’t dream it, be it.“ Die Aufforderung zur Emanzipation, die wünschenswert ist, aber auch große soziale Konsequenzen haben kann. 

Sie kommt von Frank, der aber einfach nur selbstzentriert ist und sich hinter wilder hedonistischer Sexualität versteckt, die allerdings im nächsten Lied gebrochen wird, wenn er angestachelt durch Magenta und RiffRaff traurig sagt, dass er heimkehrt.

Das passiert dann nicht. Der ewig vernachlässigte RiffRaff tötet Columbia, Rocky und Frank, lässt die Menschen im Krater des verschwundenen Hauses und den rauchenden Ruinen ihre Identitäten zurück.

Wie geht es danach für Brad und Janet weiter? Der eine ist sich seiner vorher schon fragilen Männlichkeit komplett unsicher, die andere ist selbstbewusst und möchte gerne mehr Sex in einer Welt, die sie als Frau gerne als devote Kindergebährmaschine hätte. Ihre Verklemmungen sind gelöst, doch um welchen Preis in einer Welt, die sich bis heute in dieser Hinsicht kaum geändert hat? 

Da bleibt nur der Endsong zu zitieren:
„And crawling on the planets face
Some insects called the human race
Lost in time and lost in space
And meaning.” 

  1. Hallo?, das ist ein Klassiker! Wenn nicht ansehen! []
  2. Schaut’s selbst nach… []
  3. Gummi… []
  4. In der Neuverfilmung übrigens als Transfrau/Drag Queen mit dem Pronomen she. Whatever floats your boat. []
  5. Dazu später mehr… []
  6. In der Reihenfolge… []
  7. Die Micky Maus Mütze ist geil, oder? []
  8. Ups. []
  9. DIESER MANN HAT KEINEN HALS! []
  10. In dem sich Susan Sarandon fast ne Lungeentzündung geholt hat. []