Archiv der Kategorie: Kunst, Literatur, Musik

Watch_dogs 2 – Review

Ubisoft hat in den letzten Jahren schwer bei mir gelitten. Ungefähr auf der Höhe von Assassin’s Creed – Black Flag kam auch Watch_dogs heraus. Beide Spiele gingen mir gehörig auf den Zeiger, weil die Geschichten, die sie erzählten nicht nur schlecht konstruiert waren, sondern vor allem darauf fußten die weiblichen Hauptpersonen vor der letzten Mission möglich sinnlos und grausam ums Leben kommen zu lassen, damit der Spielercharakter einen Grund hatte am Ende alle sinnlos umzubringen.

WAS FÜR EINE SCHEISSE!

Watchdogs war dabei besonders doof. Der Hauptcharakter war ein Holzklotz, die zugegebenermaßen mein Beuteschema übererfüllende Hackerin wurde vor seinen Augen erschossen, weil er keine nachvollziehbar menschliche Regung zeigen konnte. Dieser Tod, der dann in einer sinnfreien Endmission mündete, brachte mich dazu Watch_dogs 2 erst einmal nicht anzufassen.

Ich habe es dann doch getan und bin ehrlich gesagt, sehr beeindruckt vom Spiel. Zum ersten sind die Hauptfiguren erstaunlich divers. Die Hackerin Sitara stirbt nicht am Ende, dafür leider ein dunkelhäutiger Hacker. Das ist aber noch in Ordnung, weil der Hauptcharakter selbst dunkler Hauptfarbe ist und das teilweise auch mal raushängen lässt. Zu diesem Ensemble kommt noch ein asperger-autistischer Hacker, der relativ realistisch wirkt und nie mit seinem Zustand aufgezogen oder bloßgestellt wird und ein bombenbauender Introvert, der sich hinter einer Maske versteckt. Diese ganzen Menschen sitzen in einem Hackerspace, der sehr nah an dem ist, wie amerikanische Spaces so aussehen. Das ist alles herrlich passend für die amerikanische Hackerkultur und sehr liebevoll gemacht. Auch die Seitenhiebe auf die Silicon Valley Industrie und sogar Ubisoft selbst, sind wundervoll.

Auch inhaltlich ist Watch_dogs 2 irgendwie eine nahe Zukunft. Es werden viele Datenschutzverbrechen und Probleme thematisiert, auf die Spitze getrieben und durchaus so dargestellt, dass es nah an der Wahrheit ist, die spielende Person involviert und eine Bedeutung erlangt. Ein weiterer wichtiger Teil sind die Interaktionen zwischen den Charakteren und die Authentizität, die dadurch hergestellt wird. Obwohl die Charaktere nicht die Tiefe von Rollenspielen erreicht, sind sie doch relativ klar erkennbare Figuren, bis auf die Person, die umgebracht wird. Die ist dann auch leider flach.

Das Hacking ist relativ gut dargestellt und manchmal wird sogar Pseudocode gezeigt. Die Abstrahierungen funktionieren aber und machen Spaß, wenn man die ganze Sachbeschädigung mag.

Also, Watch_dogs 2 hat mir sehr viel Spaß bereitet, es hat mich mit der Serie versöhnt und es funktioniert sehr gut. Als jemand, der die Hackerszene kennt,1 kann ich sagen, dass es nicht schmerzhaft dumm oder daneben ist. Wenn man also auf Hollywoodhacking mit einem guten relevanten Plot steht und nebenbei mal ein Nudle Auto fahren will, dem sei Watch_dogs 2 empfohlen.

  1. Ob ich ein Mitglied bin, überlasse ich anderen zu entscheiden. []

Crowdfunderei

Diesmal etwas anderes… mir fiel auf, dass ich relativ viel Zeug in letzter Zeit gefunded habe und da dachte ich mir, das kannste ja auch mal erzählen, vielleicht will ja noch jemand mitmachen.

Los geht es mit dem wohl moralischsten Funding: All Creatures Welcome ist ein Film über das CCCamp und die Congresse. Wenn genug Geld zusammenkommt, dann ist der Film komplett frei. Gehet hin, gebet.

Dann kommt ein Produkt von dem ich mir viel verspreche. Die Prepd Lunchbox ist ein modulares System mit angeschlossener App, bei dem hoffentlich am Ende gesünderes Mittagessen in der Schule rausfällt. Weil das könnte ich dringend gebrauchen.

Wo wir schon in der Schule sind, kommt mit dem Everyday Backpack etwas, was ich sogar schon habe. Mein getreuer Schulrucksack ging nach mehr als 7 Jahren den Weg allen Irdischens und ich suchte einen Ersatz, der nicht so schrecklich lehrerhaft ist wie z.B. die Maxima Classic (Achtung Link führt zu einem wunderbaren Produktvideo.) Der Rucksack ist kleiner als sein Vorgänger, aber es geht alles rein, was ich heute noch brauche: Lehrerkalender, Zettelorganiser und Laptop und Stiftsammlung. Dazu ist das Everyday Backpack noch unheimlich flexibel und sieht nicht scheiße aus.

Wo wir bei Zeug für die Schule sind, kommt jetzt etwas eigenartiges. Ich habe das Butterfly Board gesehen und sofort erkannt, warum ich das haben will. Ich mache regelmäßig impromptu Lernsessions und Nachhilfe mit Leuten und die magischen Worte sind dann meist: „Hast du nen Zettel und nen Stift?“ Nachdem die Jugend dann eh den Zettel sinnlos fotografiert, kann ich Dinosaurier mein kleines flexibles Whiteboard mitschleppen.

Weiter geht es mit Skinners. Nachdem mir aufn Congress viele Leute gesagt haben, dass ich nicht so aussehe, wie ich klinge, kommt jetzt vielleicht der zweite Schock: ich laufe unheimlich gern barfuß rum, wenn es nicht dienstlich ist und die Dinger passen da sehr gut hin.

Als letztes von indiegogo gibt es noch Musik, nämlich ThunderCrow. Rob und Daphyd spielen auch bei Omnia mit und das war Grund genug.

So, bei Kickstarter habe ich hauptsächlich Gaming Kram. Zum einen das Gamefolio System mit dem ich hoffe meine Brettspiele etwas besser zu verstauen. Das müsste eigentlich bald hier eintreffen. Im Endeffekt ist das ne Tasche mit den Folios drin, mit der Spiele einfach transportiert werden können.

Das Spiel, was sicher nicht hineinpasst ist Kingdom Death Monster 1.5. Der höchste Betrag, den ich je in ein Crowdfundig geworfen habe, aber auch ein Spiel, dass ich UNBEDINGT haben wollte. Ich mein, schaut euch die Minis an, und das Feld und die Minis!!!

Als letztes und wohl am längsten laufendes Spiel habe ich noch Geld für die PDFs des Infinity RPGs abgeworfen. Es ist immer noch nicht vollständig fertig, aber nunja… RPG geht immer.

Review: Dark Tranquillity – Atoma und In Flames – Battles

Die Tage sind dunkel, nicht nur weltpolitisch und gesellschaftlich sondern auch herbstbedingt. In diese Dunkelheit hinein gibt es zwei neue Alben meiner Lieblings- Göteborg Metalbands. Dark Tranquillity und In Flames haben ja traditionell so das eine und andere miteinander zu tun und so finden sich auch ein paar Gemeinsamkeiten in den beiden Alben. Während Dark Tranquillity die cleane Gesangsstimme von Mikeal Stanne mehr einsetzt, hat sich In Flames dazu entschieden Chöre einzusetzen. Ich halte beides für gelungen. Eigentlich wollte ich jetzt alle Lieder durchsprechen, aber das ist langweilig. Hört euch beide Alben an.

In Flames geht weiter den Weg Richtung, puh was eigentlich? Nu Metal, Metalcore, Modern Melodic Death? Egal, wie es genannt wird, es klingt immer runder. Während Siren Charms mich irgendwie nicht mitnehmen konnte, hat es Battles schon geschafft.

Das gleiche gilt für Dark Tranquillitys Atoma. Weitaus dunkler als Battles vereint es die cleane Gesangsstimme, die bisher zu selten gehört wurde mit den Keyboard Hooks, die einem immer wieder im Kopf hängen bleiben. Der Sound ist eine Evolution, die wie auch bei den letzten Alben in die richtige Richtung geht. Wie Battles fühlt sich Atoma auch als das Album an, an dem die Entwicklung idealstmöglich angekommen ist.

Also: Reinhören!

HCH019 – Interview mit Andrea Bottlinger

Diesmal gibt es etwas anderes im Podcast. Ich rede mit Andrea Bottlinger über ihr neues Buch “Der Fluch des Wüstenfeuers”, das gloriose Leben als Fantasyautorin, ihre anderen Bücher und die Buchmessen in Frankfurt und Leipzig.

Links:

[Lyrik] Die Wahrheit an der Straßenecke

Wir erzählen uns alle Märchen

und wünschten sie wären wahr.

Wir sagen uns: „Ich hab die Wahrheit gesehen!

Sie stand unten an der Straßenecke,

mit einem Bobonglas in Hand.

Sie gab mir Himbeerbonbons

und sagte, dass alles scheiße ist,

aber ich alleine Glück haben werde,

weil ich besonders bin,

weil ich mich an die Regeln halte,

und weil keiner merkt, dass ich trotzdem betrüge.

Sie gab mir Gummibärchen,

voll vegan und glutenfrei

und sagte mir, dass ich die Welt retten werde

und alle nur auf mich gewartet haben.

Sie gab mir Lakritz, scharf und süß,

und sagte, dass jede Liebe glücklich werde,

der Sex immer geil mit mir sei.

Die Wahrheit stand da und gab mir Bonbons,

und ich aß und ich aß und

mir wurde schlecht.”

Und speiend überm Klo hängend, merken wir dann:

Nur im Märchen ist Wahrheit süß.

Über der Kloschlüssel schmeckt dann alles nur noch nach Galle.

Über Selbstwirksamkeit…

Ich habe die letzten Tage mit verschiedenen Menschen über die Zukunft und den Sinn im Leben geredet. Dabei drehte es sich um das Konzept des Ikigai. Bei dieser Technik stellt man sich vier Fragen:

  • Was liebst du?
  • Was kannst du gut?
  • Wofür kannst du bezahlt werden?
  • Was braucht die Gesellschaft?

Nun möchte ich nicht aufschreiben, wie man damit den Sinn des Lebens findet. Da ist Google euer Freund. Die Fragen sollen helfen, herauszufinden, was einen antreibt, womit man wirtschaftlichen Erfolg haben kann und welche Fähigkeiten man hat. Die letzte Frage zeigt die japanische Herkunft des Prinzips und stellt die Frage nach der gesellschaftlichen Wirkung. Meine beiden Gesprächpartner hatten mit dieser Frage das größte Problem und beide aus ähnlichen Gründen. Wir sind kulturell darauf getrimmt unsere Selbstwirksamkeit in dieser Welt und diese Dimension unserer Existenz zu unterschätzen. Das ist tragisch, doch weil ich einen Bildungsauftrag habe, erkläre ich erstmal kurz, wo es herkommt.

Exkurs: Prädestination und das Lied der eigenen Unfähigkeit

Das Christentum beruft sich auf die Aussagen eines Zimmermanns, der vor ungefähr 2000 Jahren in Vorderasien gewohnt hat. Das, was dieser laut verschiedener schriftlicher Überlieferungen so erzählt hat, war eine Menschenbild, das darauf beruhte Menschen als das zu akzeptieren, wer sie waren und jeder Person einen Wert zuzugestehen, der weder vehandelbar noch von sozialem Status abhängig ist. Ethisch großes Tennis, dann folgten 2000 Jahre Menschheit und die Verwässerung dieser Idee durch Hierarchie, Macht und zu kurze Penisse.1

Das wurde so schlimm, bis am Ende des 15. Jahrhunderts Leute das System rebooten wollten. Einer davon war Luther, ein anderer hieß Calvin. Calvin hatte ne Superidee: Was, wenn Gott schon vor unserer Geburt festlegt, wieviel wir in seiner Gunst stehen oder auch: wieviel Erfolg wir im Leben haben. Der Fachbegriff ist Prädestination. Unsere Bestimmung ist von Gott vorher festgelegt. Doch wir können herausfinden, ob Gott es gut mit uns meint

Daraus wurde dann in den nächsten 200-300 Jahren das, was Max Weber als protestantische Ethik beschreibt. Die Idee, dass nur der eigene Erfolg einen zu einem guten Menschen macht, ist so wirkmächtig geworden, dass Erfolg und Leistung zu den nahezu einzigen Dimensionen des Lebens geworden sind, die Relevanz zu besitzen scheinen. Dabei gibt es weder für Erfolg noch Leistung eines Menschen eine Messbarkeit. Genau dieser Umstand wird seitdem dazu genutzt Menschen anzutreiben, sich selbst auszubeuten. Das geschieht in dem Erfolg und Leistung schlicht immer als mehr als was du gerade tust operationalisiert wird.

Diese Idee wird in alle Menschen von verschiedenen Akteuren hineinsozialisiert. Ganz vorne stehen hierbei die Schulen und die Wirtschaft. Wichtig ist auch, dass Minderleistung immer als persönliches Defizit und nie als Chance oder naturgegeben gesehen werden kann. Um es salopp auszudrücken: wir werden alle dazu erzogen uns selbst ein Lied unserer eigenen Unfähigkeit vorzusingen und danach zu streben ein besserer Mensch zu werden, in dem wir uns selbst ausbeuten.

Selbstwirksamkeit erkennen und entwickeln

Wie alle sozialen Konstrukte braucht auch dieses Viabilität, wir müssen also die Wirklichkeit dahingehend prüfen, ob das, was wir uns erzählen damit übereinstimmt. Schauen wir doch erst einmal auf die Auswirkungen dieses Konstruktes:

Die Europäische Organisation für Sicherheit und Gesundheit sagt, dass es zwar keine europäischen Zahlen für Burnout gibt, nennt aber Werte von 2-10% der Bevölkerung, die darunter leiden. Die Anzahl der Menschen, die unter arbeitsbegründetem Stress leiden liegt bei 20%. Das kostet uns 20 Milliarden Euro jedes Jahr.

Die Unzufriedenheit mit dem beruflichen Erfolg und ähnliche Phänomene führen zu Depressionen, die 25% der Ausfalltage pro Jahr verursachen.

Soweit, so traurig… doch das ist noch nicht alles. Der Umgang mit Menschen, die sich selbst als unfähig wahrnehmen ist auch pädagogisch relevant. In einem Schulsystem, das rein auf Performance abgestellt ist, haben gerade misserfolgsmotivierte Personen ein Problem, da ihnen das Versagen auf der Sachebene immer ein Versagen auf der menschlichen Ebene attestiert. Hier müssen dann Lehrkräfte und pädagogisches Unterstützungspersonal unheimlich viel Arbeit leisten, um dieses Problem zu behandeln.

Und im Kern hiervon steht die große Frage: was braucht die Welt? Deren Antwort aber grundlegend immer: „DICH!” lautet. Die Tatsache, dass so viele Menschen nicht an ihrer Wirksamkeit für die Welt glauben, ist ein Ergebnis dessen, dass die tägliche soziale Arbeit, die sie an ihrer Umwelt verrichten, genauso wenig gewürdigt wird, wie diese Menschen angeleitet werden zu erkennen, dass ihr Beitrag zur Gesellschaft immer mehr als das Verkaufen der eigenen Arbeitskraft ist. Ihre Selbstwirksamkeit in der Welt zu erkennen und entgegen ihrer Sozialisation anzunehmen ist eine der wichtigsten Aufgaben, die wir als Gesellschaft zu bewältigen haben. Es muss davon weggehen, dass der Mensch nur eine wirtschaftliche Relevanz und hin zu einer holistischen Betrachtung einer Person. Dazu muss es Ziel von Bildung und Erziehung sein, dass jede Person ihre Selbstwirksamkeit in dieser Welt aktiv erlebt und richtig einschätzt. Viel zu oft wird geglaubt, dass eine Person zu wenig für die Welt tut, dass das Menschenmögliche nicht genug ist, dass ich nicht genug bin, dass mein Beitrag zu wenig ist.

Diese Perspektive ist zutiefst schädlich für diejenigen, die sie einnehmen und für eine Welt, die eigentlich hofft, dass diese Menschen ihr Bestes geben. Diese Erwartung muss beinhalten, dass klar ist, dass diese Leistung ihre Grenzen im Möglichen hat und nur vollkommen ausgeschöpft werden kann, wenn sich die Person ihrer Selbstwirksamkeit, deren Grenzen, und der entsprechenden Verantwortung gegenüber sich und der Welt bewusst ist.

  1. Das ist bei der Kirche kein Sexismus… []

Aus der Zeitung – die Generation Z liegt auf der Gamescom rum…

„Pointiert gesagt: Man wurde – nach der „Prosumenten„-Phase des Web 2.0 – mit Haut und Haar wieder zum Konsumenten. Kann das ohne soziale Folgen bleiben? Schon heute halten es viele Jüngere ja für weniger absurd, große Umwege auf sich zu nehmen, um Pokémons einzusammeln, als sich etwa gegen den Zerfall Europas zu engagieren. Mit dem Übergang in die neue Epoche der Virtual-Reality-Spiele könnte der Abstand zur Lebenswirklichkeit noch einmal zunehmen. Innere Emigration darf man es vielleicht nicht nennen, wenn ein ganzes Subsystem der Gesellschaft diesen so viel logischer als die Wirklichkeit strukturierten Raum kollektiv aufsucht. Weltflucht aber allemal.“

Aus: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/auf-der-gamescom-in-koeln-herrscht-die-virtuelle-realitaet-14396612-p3.html

Oder um es anders zu sagen: die Generation Y hinterfragt gerade die Welt, während die Generation Z die Gegenbewegung ausführt und sich in eine konservative Duldungsstarre ergibt in der sie hofft, dass die schöne alte Welt, die ihre Vorgänger aus der Erkenntnis der dauerhaften Veränderung hinterfragen, wieder zurückkommt und sie auch alle tolle 9-5 Jobs mit Einfamilienhaus und Garten haben können.

Diesen Traum hat aber die Generation der Babyboomer mit ihrem Raubbau an der Welt zerstört und jetzt deren Verhalten zu simulieren dreht die Uhr nicht zurück.

Review – Ghostbusters (2016)

Ich war in Ghostbusters und es gibt viel darüber zu reden. Zum einen natürlich den Film an sich, zum anderen über die ganze eher so Metadiskussion und die gesellschaftliche Wirkung, sofern Filmesowas haben können. Doch, zuerst einmal zu Werk, bevor wir zur gesellschaftlichen Analyse kommen.

Ghostbusters ist ein genialer Film neuer Machart. Schnell geschnitten, guter Humor und er ist der erste Film, bei dem 3D wirklich etwas funktioniert hat. Die Effekte fand ich gut, aber die Interaktion war besser.1 Die vier neuen Geisterjäger sind coole Frauen, die gut miteinander interagieren. Der Film schafft es auch binnen von ungefähr zehn Minuten den Bechdel Test zu absolvieren. Die Charaktere sind eigenständig und haben auch für eine Komödie eine entsprechende Tiefe. Okay, bis auf Kevin. Kevin ist strunzdumm, aber sieht unheimlich gut aus. Seine ganze Erscheinung wird tatsächlich auf einen Stereotyp reduziert, der aber liebevoll präsentiert wird. Die Damen wollen ihn retten, obwohl er eigentlich nur hohl und hübsch ist.

Die Hauptcharaktere sind coole Frauen, die New York retten. Was interessanterweise gegenüber dem Original geändert wird, ist dass die Ghostbusters ein eigenständiges Unternehmen sind. Sie werden sehr schnell vom Staat subventioniert. Der Bürgermeister ist auf ihrer Seite, öffentlich allerdings gegen sie. Das entspricht aber irgendwie den Ideen einer USA im Jahr 2016. War man 1984 als Geisterjäger noch ein Entrepeneur, hat das heute halt gleich Sicherheitscharakter und wird vom Staat bezahlt.

Es gibt am Ende natürlich eine große Kampfszene, die an Bombast kaum zu übertreffen ist, allerdings auch erstaunlich viel Spaß macht, weil die Damen sich nicht unbedingt ernst nehmen.

Der Film macht also Spaß, ist locker wegzusehen und gut gemacht.

Soweit so gut, jetzt kommt der ganze gesellschaftlich-soziale Kram im Metabereich. Wen das schon jetzt nervt, der liest bitte nicht weiter.

Der Film hat ja viel mit Geschlechterrollen und verletzten Kindheitsillusionen zu tun. Deswegen muss das jetzt mal auseinandergelegt werden. Es gab da so drei grundsätzliche Kritikpunkte:

Ihr habt mir meine Kindheit kaputt gemacht!

Bullshit. Ich habe Ghostbusters in den frühen 90ern auf VHS2 gesehen. Es ist ein anderer Film. Eine dunkle, fantastische Komödie aus den 80ern, in der vier Underdog-Wissenschaftler die Welt retten. Es gibt weitaus mehr sexuelles Innuendo, als man das heute in einen Film ab 12 packen würde. Die Geisterjäger waren die Helden der Nerds und man kann das verstehen. Aber die neuen Geisterjäger sind eigentlich genau dasselbe. Drei von den Damen haben einen akademischen Abschluss und die Vierte kennt aus unerfindlichen Gründen die Geschichte einzelner Gebäude in New York bis in die Frühzeit. Die Tatsache, dass die neuen Geisterjäger noch mehr Wert darauf legen ernstgenommen zu werden, hat vielleicht etwas mit ihrem Geschlecht zu tun, ist aber auch etwas, das den alten Fan durchaus anspricht.

Die Filme sind ähnliche Geschichten, aber es geht hier eben nicht um meine Kindheit, die ist vorbei. Es geht darum, ob der Stoff in der modernen Welt funktioniert und das tut er ausgesprochen gut. Zerstört es Erinnungen? Nein…

Kevin ist voll die Hohlbirne und ein dummes Stereotyp als Mann!

Ja, schön, dass das auch mal meinem Geschlecht passiert. Ich persönlich fand es teilweise so übertrieben, dass es wirklich nur noch lustig war, und habe deswegen kein Problem mit Kevin. Interessantweise hätte ich den aber auch draufgehen lassen. Er ist echt zu dumm zum leben. Interessanter ist aber, dass sich Männer davon angegriffen fühlen, dass man unser Geschlecht dran ist, ein negatives Stereotyp zu sein. Das ist ja eigentlich nur gerecht. Kevin ist ausnehmend hohl, wird von Erin objektifiziert und generell als das dumme Blondchen hingestellt. Allein die Ironie ist köstlich und er wäre ein Mensch, mit dem ich mich nicht eine Minute beschäftigen würde.

Für die Männerschaft ist das anscheinend total schlimm, wenn ihre Männlichkeit mal untergraben wird. Aber ist das nicht der Zwecke von Humor und Ironie? Und ganz unter uns Jungs: wenn wir so unsicher sind, dass wir uns nicht von Kevin distanzieren können, dann haben wir ein ganz anderes Problem.

Im übrigen sind alle anderen männlichen Charaktere in dem Film etwas, was uns mehr zu denken geben sollte:

  • Der Dekan, der von Anfang an nur Verachtung für Erin übrig hat und sie dann wegen einer Lappalie feuert.
  • Der College Chef, der einfach nur ein infantiles Arschloch ist.
  • Der Big Bad, der eigentlich ein weinerlicher Egozentriker ist, der glaubt, dass er der Welt dringend mit Gewalt zeigen muss, wie sehr sie ihn verletzt. Hier ist besonders spannend, dass er auch ohne Gadget auf das Metalkonzert hätte gehen können und vielleicht Gemeinschaft gefunden hätte, aber dafür war er dann zu arrogant.
Alles klassische Männerrollen, die Gewalt, Macht und Arroganz zeigen. Nur leider sind diese Leute eben nicht die Helden. Wenn sie das wären, würde sich aber keiner daran stören.

Das ist feministischer Dreck!

Nein, das ist schlicht ein Film, der kulturellen Fortschritt zeigt. Und dieser ist doch gar nicht so groß, wie man denkt. Es gibt jede Menge coole Wissenschaftlerinnen da draußen. Das ist Normalität.

Was nicht normal ist, dass es irgendwie niemand erträgt, dass diese Wissenschaftlerinnen in einem Film Overalls tragen und Monster jagen. Dabei ist das eine sehr gute Botschaft. Es wird schon seit Jahrzehnten geweint, dass in den MINT Fächern Mädchen unterrepräsentiert sind und wenn man dann mal coole Rollenvorbilder anbietet, wird geweint, dass die cool sind, Mann keine Titten sieht und die doch ernsthaft keine Kerle brauchen. So fucking what? Das brauchen die Heldinnen in unserer echten sozialen Welt doch auch nicht! Ich helfe meinen Kolleginnen nicht beim Kopieren, ich trage ihnen nicht die Tasche und den besseren Unterricht bereiten die meist auch noch vor. Ich wusste nicht, dass das meine Männlichkeit beschneidet.

Wenn Ghostbusters dafür sorgen kann, dass wir mehr coole junge Frauen haben, die sich für Wissenschaft interessieren und ihr Ding machen, dann ist das ein reiner Gewinn für diese Gesellschaft.

Die Einzigen, die das problematisch finden, sind diejenigen, die eine Welt nicht verstehen in der sie schon seit mindestens fünfzehn Jahren nicht mehr leben. Die Regeln haben sich schon lange geändert und Ghostbusters ist ein Symptom dafür und ein Symptom für die Verzweiflung, die die Reaktion erreicht hat.

Also alles in allem: genauso wie der Vorgänger ein wichtiger und dazu absolut unterhaltender Film.

  1. Ich kann jetzt schon sagen, dass ich die deutsche Synchro scheiße finde. []
  2. Ja, ich bin so alt. []

Textwelten – Der Betroffenheitsartikel

So, weiter geht es jetzt auch hier in diesem kleinen Projekt mit einer der ekligeren Textformen. Es gibt da im journalistischen Bereich den Betroffenheitsartikel. Der ist relativ nett, aber stilistisch von einem Groschenroman nur daran zu unterscheiden, wo er abgedruckt wird. Hart am Boulevard, immer mit der Behauptung der Relevanz, und der kruden Idee, dass die Personalisierung und Emotionalisierung sozialer Probleme dazu führt, dass Menschen sie besser verstehen und vielleicht sogar in der Intention des Autors handeln. Es ist also eine hoch-manipulative und zutiefst predatorische Textsorte. Zum einen müssen ja Beispiele her, an denen das Problem gezeigt wird, zum anderen wird hier nur die gefühlte Realität der Menschen angesprochen. Doch, wie auch zuvor schauen wir uns mal ein Beispiel an. Da diese Textsorte mehrere Abschnitte hat, gibt es das auch abschnittsweise.

Die Finger fallen schwer auf die Tastatur des silbernen Notebooks. Der Blick ist angestrengt auf den Monitor gerichtet. Die kurzen Sätze sind wichtig. Sie beleidigen nicht nur die Intelligenz der Leserschaft sondern sollen Dramatik erzeugen. Eine Dramatik, die keiner wirklich braucht. Der Autor spürt die Macht der Manipulation und genießt sie.

Der Stil, der hier gepflegt wird, ist aus meiner Sicht zutiefst manipulativ und würdigt den Leser herab. Es geht hier nicht um die Vermittlung von Inhalten oder eines Standpunktes, sondern um das Erzeugen von Betroffenheit als Gefühl. Der Glaube, dass dies die Leserschaft besser zugänglich für das Thema macht, oder gar die Idee, dass sie deswegen das Phänomen besser verstehen kommt aus der selben spannend-verwirrten Annahmenwelt in der Lehrer voraussagen können, was ihre Schülerinnen und Schüler verstehen, ohne das mal getestet zu haben. Diese Ideen sind verstörend arrogant und diese Art von Text ist es auch. Man soll emotional manipuliert werden, damit sich dann auch schön eine zumeist einseitige Botschaft festsetzen kann.

Das Problem hierbei ist, dass das alles von einer schlechten literarischen Kurzgeschichte nicht zu unterscheiden ist, und sich die Frage stellt, warum sowas überhaupt produziert wird. Wenn das Problem gesellschaftlich relevant ist, dann steht es für sich allein, wenn es das nicht ist, warum wird hier Lebenszeit von Leserinnen und Lesern verschwendet?

Die zweite Seite dieser Art von Text ist, dass es hier auch immer um Personen geht. Das bedeutet es werden zumeist Schicksale vermittelt. Das wiederum heißt, dass es auch Menschen geben muss, die diese erlebt oder produziert haben.1 Und deren Geschichten erscheinen dann überall und sie müssen sie erzählen. Dabei ist für den Autor vollkommen egal, wie es der Person dabei geht. Hauptsache es gibt den Betroffenheitseinstieg. Und der ist gar nicht so wichtig, weil es geht ja angeblich um den Inhalt.

Wie so viele Autoren hat auch diese/r das Problem, dass er/sie glaubt relevante Inhalte nur an die Frauen und Männer zu bringen, in dem es eine emotionale Ansprache gibt. Laut Prof. Pummeluff scheint das nicht nur ein Gefühl der eigenen Relevanz zu geben, sondern auch die Illusion der eigenen Wichtigkeit. Er sagt, dass diese meist dadurch bestärkt wird, dass Menschen aufgrund der emotionalen Ansprache die Qualität des Textes als höher und relevanter einstufen, als sie tatsächlich ist. Er nannte dann zum Beispiel die Arbeit von Prof. Raichu und Prof. Woingenau, die beide die These vertraten, dass diese Artikel ein Zeichen von Narzissmus und übermäßiger Selbsteinschätzung waren, die wiederum meist eine Kompensation zu Grund hatten.

Okay, jenseits der dreifachen ironischen Brechung, geht es im zweiten Teil des Textes auf einmal um ein wirkliche soziales Problem. Das soll der eigentliche Aufhänger sein, steht aber dank der ganzen persönlichen Laberei am Anfang nicht mehr im Mittelpunkt und wird in seiner sozialen Tragweite auch gar nicht reflektiert, denn das Beispiel grenzt die Menge an erzählbaren Informationen ein. Die volle Breite des sozialen Problems ist vor der Folie einzelner Geschehnisse und Schicksale eben nicht mehr erklärbar. Im verzweifelten Versuch der besseren Ansprache wird eine vollständige Erklärung des Phänomens geopfert. Nun kann man sagen, dass das bei journalistischen Texten soundso immer der Fall ist, aber erstens ist das unehrlich und zweitens entsteht aus einer fragwürdigen Praxis keine Selbstlegitimierung. Wir verbrennen ja auch keine rothaarigen Menschen mehr, weil das früher zu besseren Ernten geführt haben soll. Es könnte also überlegt werden, ob es denn überhaupt persönliche Betroffenheit als Vehikel für die Vermittlung gesellschaftlich relevanter Inhalte braucht und wie bei allen rhetorischen Fragen ist die Antwort auf diese auch schon vorher klar und lautet: nein.

Am Ende bleibt wieder festzuhalten, dass hier Relevanz durch soziale Konstrukte hergestellt wird, anstatt durch Inhalt. Diesmal ist es im Gegensatz zum ersten Beispiel dieser Serie reine emotionale Manipulation und nicht ein angeblich neutraler Stil. Das Persönliche wird als Mittel benutzt um etwas Sachliches zu erzählen und der Text verliert dabei seine komplette Legitimität und Relevanz. Wenn es nur noch um die gefühlte Realität geht, dann ist der Wahrheitsgehalt egal und damit sämtliche Ziele, die vielleicht zur Entstehung des Textes geführt haben, entwertet.

  1. Das ist ja schließlich Journalismus, da kann man sich die nicht einfach wie in der Literatur ausdenken. Okay, man lässt dann alles weg, was nicht passt, aber das ist natürlich nur zulässige Zuspitzung. []

Luna…

Bitte einmal hier drauf klicken, ich rede eh nur über dieses Lied.

Das ist die Neuaufnahme eines sehr alten Liedes von Omnia. Das Original war auf der ersten CD, die ich je von der Band gekauft habe. Es ist mit mir schon seit mehr als zehn Jahren unterwegs und diesmal schreibe ich darüber, warum dieses Lied etwas besonderes für mich ist.

Zuerst einmal können wir die Gestaltung abhaken. Es ist ein Harfenlied, gespielt auf einer keltischen Harfe. Die neuere Version hat auch noch ein paar andere Instrumente, aber die Harfe steht im Mittelpunkt. Harfen sind an sich schon Instrumente, die sich eher fein anhören, aber hier steht auch noch eine simple iterative Melodie im Vordergrund. Diese baut sich immer weiter auf, bis sie kurz vor dem Ende in einen Rhythmuswechsel kippt um dann wieder zu verschwinden. Mir hat es der Rhythmuswechsel angetan, weil diese Gegenstellung dem Stück eine Spannung gibt. Aber jenseits dessen gibt es da noch die Ebene an Musik, über die Leute so selten schreiben: was sie mit einer Person macht.

Luna ist ein Stück, dem eine Ruhe innewohnt. Meine Assoziation, und ich bitte gerne um weitere Kommentare, die da mitassoziieren, ist das, was ich gerade erlebe: eine Sommernacht mit Kerzen, klarem Himmel und der verklingenden Wärme des Tages. Man kann in einer wahnsinnigen Welt mal Atem holen und seinen Frieden finden. Das tut man glaube ich viel zu wenig.

Allerdings ist Luna auch ein melancholisches Lied. Das Booklet zur ersten Version erwähnte, dass es zum Tode einer Person geschrieben wurde und man kann das auch in dem Lied finden. Ruhe und Tod haben ja ein gemeinsame Basis. Also ist es auch Lied mit dem man zur Ruhe kommen kann und das einem Ruhe gibt.

Und Ruhe… haben wir ja leider immer zu wenig.