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HCH024 – Unterricht mit Smartphones

Ich wurde gefragt, ob ich mal sagen kann, was ich dazu mache und es wurde ein kleiner Rundumschlag durch die Didaktik, mit einem kleinen Abstecher dahin, was ich so im Sozialkundeunterricht mache.

Shownotes

Über Handlungsfähigkeit…

Nachdem es beim letzten Mal um Skills und die Idee ging, dass Inhalte Skills erst wertvoll machen, muss ich auch über eine zweite soziale Dimension reden, die mich da umtreibt. Fähigkeiten und Inhalte sind nämlich leider nur soviel wert, wie sich die einzelne Person zutraut. Und da beobachte ich eine Veränderung in die Richtung, dass immer weniger Leute ihre eigene Handlungsfähigkeit (Agency) und Selbstwirksamkeit in der Welt wahrnehmen. Darauf gestoßen haben mich die Geschichten von Menschen um mich herum, bei denen es sehr viel um Körperbestimmung geht. Fangen wir mal da an, und werden dann irgendwie allgemein.

Es ist dein Körper…

Die Geschichten, die ich hierzu kenne, sind weniger meine eigenen. Ich bin zwar volltätowiert, aber halt auch ein großer weißer hetero- und cis-gelesener Mann. Leute finden mich eigenartig, aber halten generell den Mund. Anders ist das bei meinem weiblichen Umfeld. Da das aber für sich selbst sprechen kann1, werde ich das nur grob umreißen. Das weibliche Umfeld hat sich nämlich zum einen großflächige Tätowierungen in „unweiblich“2 stechen lassen oder vor der Frage gestanden3, ob es sich ein Piercing stechen lässt. Das führt zu allerlei Einlassungen von außen, die irgendwelche Bilder an das Umfeld herantragen, seien es dezidierte Machtaussagen von Menschen, die glauben, dass romantische Beziehungen Machtbeziehungen sind4, oder aber antiquierte Vorstellungen von Schönheit.5 Dabei ist natürlich klar, dass entgegen dem gesellschaftlichen Mythos die Person selbst erst einmal Hoheit über ihren Körper hat. Auch, und eigentlich dann insbesondere, wenn sie diese nicht vollständig ausüben kann. Ich habe komische Tattoos und das ist mein Ding. Dasselbe gilt für sexuelle Präferenzen und so weiter. Egal wie sehr konservative Politiker und ähnliche Instanzen da hereinreden wollen, ist es grundsätzlich so, dass der Körper zur Person gehört.

Agency

Nach dem eher dogmatischen Statement geht es jetzt um die Frage, was das denn eigentlich bedeutet. Die Konstruktionsmacht der Person durch die Gesellschaft ist stark und wird immer wieder sozial reproduziert. Dabei geht sehr oft die Handlungsfähigkeit der Person im wahrgenommenen Druck der Gesellschaft unter. Die Konformitätsdrohung münzt sich in der individuellen Erfahrung in Gefühle von Ungeliebtheit und damit soziale Erwünschbarkeit um. Du wirst nur geliebt und bist nur wertvoll, wenn du dich richtig verhältst, also mit dem was du tust nicht den Rahmen dessen verlässt, was allgemein als gutes Verhalten konstruiert wird. Also bitte keine großen Bodymods, bitte über sexuelle Gewalterfahrungen durch Machtkonstruktionen schweigen, bitte immer so tun, als wäre jeder Stress willkommen und soundso kein Problem oder bitte immer perfekte Eltern sein und zwar nach allen sich-widersprechenden Elternratgebern gleichzeitig. Dieser Druck nimmt der einzelnen Person die Möglichkeit im Rahmen ihrer Beziehungen und in Bezug auf sich kompetent und eigenständig zu handeln. Individuelle Handlungsfähigkeit und das Nutzen alle Möglichkeiten, die einer Person zur Verfügung stehen sind aber integral für das Selbsterlebnis als eigenständiges Individuum, und das unbenommen von Sozialisation.

Dieses Phänomen wird mit dem Blick in niedrigere soziale Statusgruppen noch deutlicher. Hier wird ja nicht nur sozialer, sondern auch ökonomischer Konformitätsdruck ausgeübt. Die EmpfängerInnen von ALG II und ähnlichen Transferleistungen müssen sich in ihre Leben und damit ihre Handlungsfähigkeit in einem Maße hineinredenlassen, die vielen modernen Pseudopädagogen bei Kindern sofort die Zornesröte ins Gesicht steigen ließe. Die Unwürdigkeit, die da gegenüber Kindern reklamiert wird, ist dann bei Erwachsenen Menschen, die aus ihrer unabhängigen Handlungsfähigkeit viel Identität ziehen umso schlimmer.

Die sozialen Konstrukte, die benutzt werden um Menschen davon zu überzeugen, dass sie gegenüber sich selbst nicht handlungsfähig sind und keine Selbstwirksamkeit mehr haben, sind zutiefst schädlich und normal.

Und nu?

Hilft eigentlich nur etwas dagegen zu tun. Weil der einfache Ratschlag „Dann mach doch, was du willst.“ ist zwar richtig, aber auch zynisch. Denn Menschen, die immer wieder die Erfahrung gemacht haben, dass ihre eigene Handlungsfähigkeit in Frage gestellt wird, egal wie wohlmeinend das getan wurde6, trauen sich irgendwann selbst nicht mehr zu das Richtige zu tun, obwohl das nicht existiert.7 Also braucht es die wohlmeinende Hilfe von außen, die Menschen immer wieder darauf zurückführt, dass sie ihre Entscheidungen selbst treffen müssen. Man kann eine Meinung äußern, aber diese Meinung als für die andere Person als wichtig oder gar richtig aufzufassen ist übergriffig. Es ist nett zu wissen, was die anderen denken. Das bedeutet nicht, dass das auch nur im geringsten eine Richtlinie ist. 

  1. Und ja nichts dem Feminismus mehr hilft, als wenn Männer für Frauen sprechen… []
  2. Fragt mich, bitte, bitte nicht, was das ist. Es wurde mir berichtet. Ich dachte weiblich sei das mit den Brüsten und der Vulva, und davon gerne auch was optional. []
  3. Und die anscheinend im Sinne dieses Textes beantwortet. []
  4. Bitte hören Sie hierzu unser soziologisches Kaffeekränzchen zu Liebe []
  5. Hören Sie hierzu das passende Kaffeekränzchen über Schönheit. []
  6. Ich als Lehrer und total wohlmeinender Mensch muss auch aufpassen, dass ich das nicht tu… Es ist eben nicht einfach. []
  7. Hier kann man dann auch endlich mal von Gaslighting sprechen… []

Bitte nicht beim Skill stehen bleiben…

Ich habe ja viel mit Bildung und so Kram zu tun, immerhin arbeite ich da ja, und eine Sache, die mir immer wieder auffällt, ist wie wenig eigentlich darauf geachtet wird, dass die jungen Menschen mit den ganzen tollen Kompetenzen und Fähigkeiten, die sie so von uns beigebracht (bekommen sollen)1 eigentlich nichts anfangen können. Warum das so ist, versuche ich hier mal zu erklären.

Theorie und Praxis

Theorie und Praxis stehen sich im Verständnis vieler Menschen immer antagonistisch gegenüber. Theorie ist grundsätzlich so komisches Rumgedenke, dass in Schulen und Unis gemacht wird und da als Grundlage von hohem Sozialstatus gilt.2 Praxis hingegen ist das was in der Realtität wichtig ist. Der Theoretiker ist als schlauer als der Praktiker, der wiederum weiß, wie es wirklich geht.

Beide Vorstellungen sind natürlich totaler Käse. Theorie informiert Praxis und Praxis informiert Theorie. Nur im Wechselspiel zwischen beiden kann irgendetwas entstehen. Es hilft halt nicht, eine Schraube anziehen zu können, wenn ich nicht weiß, welchen Zweck diese Schraube im Großen und Ganzen so hat. Der Ingenieur ist halt ohne den Naturwissenschaftler, der Neues erforscht, gelangweilt und aufgeschmissen, wie der Naturwissenschaftler ohne den Ingenieur nicht forschen kann. Soziale Theorien sind nur so gut, wie sie empirischen Erkenntnissen entsprechen.

Theorie und Praxis befinden sich also nicht in einem Kampf, sondern eher in einem Tanz um die gemeinsamen Probleme.

Der Unterschied zwischen den Mitteln und den Inhalten

In den letzten Jahren hat im Bildungssystem ein steter Trend weg von Inhalten hin zu Skills stattgefunden. Die vielbeschworenen Kompetenzen haben da den Weg geebnet und die Konstruktion der „Wissenskompetenzen“ zeigt auch, wie kaputt der Kompetenzbegriff hier schon ist. Kompetenz sollte eigentlich bedeuten, dass eine Person Probleme eigenständig lösen kann und das auch bei ähnlichen Problemen, die diese Person nicht vorher mal eingeübt hat. Aussehen tut es dann so, dass immer mehr hochformalisierte Skills ohne große Freiheitsgrade gelehrt werden. Es ist halt einfacher eine Musterlösung auswendig lernen zu lassen, als Menschen die Unsicherheit zuzumuten einfach einen Text zu produzieren. Das ist natürlich ein komplett unnötiger Skill, aber selbst wenn wir sowas wie Integralrechnung nehmen, dann wird es auch nicht besser, wenn die Relevanz für die Lebenswelt fehlt. Nun werden die Mathematiker sagen, es geht hier um die Schulung des logischen Denkens und der Punkt ist in Ordnung, allerdings wäre das auch einfacher vermittelbar, wenn es da mal Inhalte gäbe.3 

Skills sind also ohne Inhalte sinnlos. Trotzdem gibt es einen festen Glauben, dass die Fähigkeit eine komplexe Handlung auszuführen an sich schon eine Qualifikation bedeutet. Das erkennt man unter anderem in der Lehrerbildung. Ist die Person im Referendariat in der Lage einen Stundenablauf zusammenzulügen und eine Überschrift an die Tafel zu malen, kann sie auf Kinder losgelassen werden. Menschliche Eignung spielt eine eher untergeordnete Rolle, wenn nicht gerade Unterordnung in eine Hierarchie gemeint ist. Dass dann am Ende irgendwie wichtig ist, was da so erzählt wird, dass inhaltliche Kompetenz und vor allem auch intellektuelle Kompetenz eine immanente Rolle spielen, wird halt gerne vergessen, wenn der Stundenablauf gut aussieht.

Der wahre Skill ist halt genau da, wo ihn keiner vermutet und informiert von Inhalten, die auch gewusst und verstanden sein wollen.

In die Zukunft…

Nachdem ich öfter von jungen Menschen gefragt werde, was sie denn mit ihrer Zukunft anfangen sollen, möchte ich meine Perspektive geben.4 Zum einen ist formale Bildung heutzutage nur noch wertvoll, weil sie Zettel generiert, die Sozialstatus bedeuten. Das ist großflächig ein Cargo Cult der Moderne: Ich habe einen Zettel und kann auf einmal was. Auf dem Weg zu dem Zettel kann Bildung stattfinden, aber das ist nicht verpflichtend und auch nicht so häufig wie gedacht wird. Deswegen gibt es immer mehr Bereiche in denen formaler Bildung misstraut wird und in der die formularische Ausbildung sogar kontraproduktiv sind. Das ist vor allem in kreativen und künstlerischen Berufen der Fall. Die haben einen handwerklichen Anteil, aber die wahre Bildung ist das, was die Menschen beim Ausprobieren des Handwerks an Erfahrungen sammeln. Das ist auch ein Kontrapunkt zum immer verschulteren Hochschulwesen, das Ausbildungen, in denen Dinge getan werden, durch Studiengänge ersetzt, in denen hauptsächlich Dinge gelernt werden. Dazu kommt, dass formale Ausbildungen den Blick unheimlich einschränken. Oder wie es Neil Gaiman in dieser Commencement Speech so schön sagt:

First of all: When you start out on a career in the arts you have no idea what you are doing.

This is great. People who know what they are doing know the rules, and know what is possible and impossible. You do not. And you should not. The rules on what is possible and impossible in the arts were made by people who had not tested the bounds of the possible by going beyond them. And you can.

If you don’t know it’s impossible it’s easier to do. And because nobody’s done it before, they haven’t made up rules to stop anyone doing that again, yet.

Oder wie ich als Lehrer gerne sage: „Wenn wir SchülerInnen nicht sagen, dass etwas zu schwer ist, dann merken die das nicht und tun es einfach.“ Formale Bildung tut das aber die ganze Zeit und die Reaktion der Schülerschaft auf Freiheitsgrade in Aufgaben ist oft die von Angst und Unsicherheit und selten die von Freude. 

Das Unterscheidungsmerkmal für gute Arbeit wird also immer mehr der Inhalt und die Anwendung der Skills, die es zweifelsohne braucht. Und das ist auf jedem Level wahr… und manchmal sogar wahrer für die „kleinen“ Jobs wie Handwerker als für die tollen akademischen Berufe, die sehr oft nur glorifizierte Bürojobs sind.

Es ist halt wichtig, nicht zu glauben, dass irgendetwas gut zu können, ein Garant für Erfolg oder Anerkennung oder auch nur ein Wert ist. Das wird alles erst wertvoll, wenn es mit Inhalten, Menschlichkeit und Authentizität gefüllt wird. Also bitte nicht beim Skill stehen bleiben… 

  1. Glaubt das jemand ernsthaft, dass das so funktioniert? o.O []
  2. Herr Bourdieu an die Infotheke bitte! []
  3. Das wird dann mit absolut peinlichen „lebensweltlichen“ Aufgaben probiert, die primär zeigen, dass die Menschen, die sie erstellt haben, in ihrer Lebenswelt keine Notwendigkeit für diese Inhalte haben. []
  4. Achtung: ich bin so hoch privilegiert was das alles angeht, dass es total ironisch ist, dass ich das tue. Es ist mir bekannt, dass ich lebenszeitverbeamtet bin und mir überhaupt keine Mühe geben muss… entsprechende Einlassungen darf man sich klemmen. []

Sondierungen als postmodernes Drama

Stefan Schulz vom Aufwachen Podcast hat sich in Folge 247 gewünscht, dass sich jemand mit literaturwissenschaftlichen oder theaterwissenschaftlichem Hintergrund mit den Sondierungsgesprächen von CDU/CSU, FDP und Grünen zu beschäftigen.

Ich bin jetzt kein Theatermensch, also beschäftige ich mich etwas weniger mit der Inszenierung. Dafür fiel mir eines dieser postmodernen Theaterstücke ein, die ich im Studium allein dafür genossen habe, weil sie ein Publikum komplett kirre machen.1 Ich stelle erst einmal das Stück vor und dann ziehe dann Parallelen.

Synopse: Tom Stoppard – The Real Inspector Hound

Das Stück, das sich auf der einen Seite an den Sherlock Holmes Klassiker The Hound of Baskervilles anlehnt und auf der anderen ein Kommentar über journalistische Theaterkritiker. Zum Bühnenbild gehört die Tribüne, auf der die zwei Kritiker Moon und Birdboot sitzen, die sich ein eher lahmes Whodunnit Stück ansehen. Moon ist eigentlich nur da, weil der Oberkritiker Higgs nicht kann und Birdboot findet die Schauspielerin von Felicity ziemlich nett, obwohl er verheiratet ist. Er scheint hauptsächlich daran interessiert zu sein junge Schauspielerinnen gegen sexuelle Gefallen hochzuschreiben.

Der Plot des Stück-im-Stück ist einfach zusammen gefasst: in einem Herrenhaus am Arsch der Welt liegt ne Leiche rum.2 Es wird per Holzhammerexposition bekannt gegeben, dass ein Wahnsinniger in den Sümpfen um das Herrenhaus unterwegs ist. Dazu kommt ein doppelbödige Liebesgeschichte, bei der Cynthia, eine der Personen im Stück im Stück, das Interesse zweier männlicher Charaktere geweckt hat, während Birdboot gleichzeitig anfängt sich mehr für ihre Schuspielerin zu entscheiden. Während sich Moon und Birdboot über das eher dröge Stück unterhalten klingelt auf der Bühne das Telefon. Moon geht ran und Birdboots Frau ist dran. Das führt dazu, dass Birdboot auf der Bühne ist, während das Stück wieder losgeht und prompt aus dem Off erschossen wird, nachdem er die Leiche als Oberkritiker Higgs erkennt. Moon wird zum Inspector Hound und dann als der falsche erkannt und auch erschossen. Woraufhin in einer dreifachen Enthüllung herauskommt, dass der Täter der drittrangige Kritiker ist, der Moon, Birdboot und Higgs ausm Weg haben wollte. 

Sondierung als postmodernes Drama

Nun, die aktuellen Sondierungsgespräche sind aus meiner Sicht auf vielen Ebenen ähnlich. Wir haben einmal ein lock-room-mystery bei dem sich keine der Personengruppen gegenseitig trauen können und dazu eine Gruppe der Zuschauer, die Teil des Stücks sind und sich doch gleichzeitig für distanziert halten. Wie in Stoppards Stück geht es eigentlich überhaupt nicht um das angebliche Kriminalstück auf der Bühne, sondern um die Zuschauer, die sich die echte Bühne teilen. Ihre Befindlichkeiten, wie die von Moon und Birdboot, sind am Ende wichtig. Das gilt für die Balkonfotos, wie die politischen Kommentatoren, die sich darüber aufregen, dass Sondierungspapiere vertwittert werden. Wir lernen als Beobachter des gesamten Dramas eigentlich hauptsächlich etwas über die professionellen Zuschauer, die das Geschehen auf der Bühne beurteilen sollen.

Und so sind es auch bei den Sondierungen die Fragen, die uns Beobachter umtreiben. Was treibt die Kommentatoren an? Warum stehen da jeden Tag Fotografen sinnlos im Regen um Angela Merkels Gesäß an einen Sims gelehnt zu fotografieren? Die wirtschaftliche Verzweiflung und gleichzeitig arrogante Blasiertheit von Moon und Birdboot scheint eine gute Parallele darzustellen. Auch diese sind da, weil sie da sein müssen und ihre Motive haben nichts mit dem Inhalt des Stückes zu tun.

Was sagt uns das über die Protagonisten, die sich unbeobachtet für Beobachter und Bewerter halten? Birdboot, der entscheidet, welche junge Schauspielerin hochgeschrieben wird, je nachdem ob sie sich mit ihm ins Bett legt, scheint eine einfache Parallele zu Boulevardpresse wie aber auch seriöserer Medien zu sein. Die Selbstimportanz der politischen Kommentatoren ohne Einblick ist faszinierend.

Und natürlich: Wer ist der/die wahre Kanzler(in)? und: Welche der Personen in den Sondierungen wird am Ende die Kritiker erschießen?3 

  1. Das sei bitte nicht mit dieser prätentiösen Scheiße verwechselt, wie man sie z.B bei diesem Trump Theaterstück findet. Dramatische Mittel müssen immer einen Sinn verfolgen, der den Zuschauer transzendieren lässt. []
  2. Übrigens seit Anfang des Stückes, die aber freundlich ignoriert wird, bis sie wichtig wird. Postmoderne FTW! []
  3. Ich tippe da auf Christian Lindner… []

Das Care Prinzip

Ich sitze gerade auf einer Parkbank unter den Linden in Berlin und genieße einen Tabletoppodcast während der berliner Morgenverkehr um mich herum versucht mich mit Feinstaub und Stickoxiden zu vergiften. In ungefähr zwei Stunden habe ich den ersten Termin meiner Fortbildung bei der bayrischen Botschaft in Berlin und bis dahin kann ich ja mal etwas aufschreiben, dass für mich mittlerweile sehr selbstverständlich ist, aber vielleicht mal erzählt werden sollte.

Die Konsequenz des Sozialen

Wir sind alle in einer Welt miteinander und haben mehr oder minder direkt miteinander zu tun. Sei es mittelbar wie bei den gerade aufkommenden Wahlen, oder unmittelbar, weil wir miteinander Lebenszeit und -räume teilen. Und wir haben dabei eine Wahl, die David Foster Wallace in seiner Rede „This is Water“ folgenderweise beschreibt:

The really important kind of freedom involves attention and awareness and discipline, and being able truly to care about other people and to sacrifice for them over and over in a myriad petty, unsexy way every day. That is real freedom.

Wir können uns also aussuchen, ob wir für andere Menschen etwas empfinden und ob wir für andere Menschen Sorge tragen. Nachdem im sozialen Raum jede Handlung einen Gegeneffekt hat und dieser sehr oft reziprok ist, gibt es rational gut Gründe sich um andere Menschen zu kümmern. Das haben wir als Gesellschaft in der Größe allerdings professionalisiert und deswegen entsteht der Anschein, dass wir selbst uns wenig kümmern müssen. Meine These ist, dass care – also die Idee, dass eine Person sich um jemanden sorgt und passend handelt -, ein wichtiges Prinzip ist, dem man sich verschreiben sollte.1

Moderne Kälte

Ein Hauptgrund ist, dass die moderne arbeitsteilige Gesellschaft gut dafür sorgen kann, dass organisch gewachsene Solidarität nicht mehr stattfindet. Wir sind immer weiter verteilt und bekommen sehr gerne eingeredet, dass wir nur für uns sind. Das erste ist wahr, das zweite totaler Quark. Es ist einfach zu glauben, dass man allein in der Welt ist, aber das ist objektiv nicht wahr und subjektiv eine Katastrophe. Die Kälte des sozialen Raums, die viele Menschen heutzutage erleben ist also nur teilweise eine Funktion der differenzierten Gesellschaft, wie es schon bei Durkheim in der Abhandlung zum Selbstmord beschrieben wurde, und ansonsten eine Funktion verschiedener sozialer Konstrukte, die ich als schädlich bezeichnen würde. Die Konsequenzen für die einzelne Person sind aber eher so unangenehm bis gefährlich. Viele Menschen haben unzureichende Supportnetzwerke, die im Zweifel auch aus anderen Leuten bestehen, die glauben, dass ihre Interessen der ultimative Maßstab für ihr Handeln ist und haben dazu beigebracht bekommen, dass um Hilfe fragen ein Zeichen von Schwäche ist, dass soundso nicht beantwortet wird.

Das ist alles tragisch. Es führt zu Konkurrenzhetze, Nervenzusammenbrüchen, Burnouts und vor allem vielen Therapiestunden, die sich die Gesellschaft sparen könnte, wenn wir füreinander da sind. Wertschätzung, Hilfe und vor allem die Überzeugung, dass der und die jeweils andere unsere Aufmerksamkeit und Zuwendung wert sind, wie wir sie selbst wert sind, sind alles etwas verloren gegangene Ideen. Sie waren in den Zeiten der engen, kleineren sozialen Gemeinschaften, die aufeinander angewiesen waren häufiger, genauso wie die Strafen für Missachtung gemeinschaftlicher Regeln härter waren. 

So… Care!

Es ist aber leider ein Fehlschluss zu glauben, dass nur weil unsere sozialen Kontakte sich nun über Kontinente erstrecken können, wir nicht füreinander da sein sollten. Die selben Medien, die uns diese Lebensstile ermöglichen, sind dann auch diejenigen, die wir dafür nutzen können uns weiterhin um Menschen zu kümmern und ihnen zu zeigen, dass sie für uns wichtig und damit nicht allein sind. Im  Umkehrschluss können wir selbst auch erfahren, dass wir selbst nicht allein sind. Die soziale Kohäsion der Gesellschaft ist wichtiger als wir glauben. Sie beruht darauf, dass Menschen füreinander und miteinander die Welt gestalten. Differenzen dürfen sind dabei normal und wichtig, aber sie sollten und können nicht der Anlass dafür sein, dass die Person gegenüber unserer grundlegenden Aufmerksamkeit nicht wert ist und dass wir Menschen, die uns wichtig sind, vergessen. Denn wir wollen auch nicht vergessen werden und brauchen manchmal Care…

  1. Ja, das ist eine Empfehlung. Und so selbstlos ist die nicht. []

Ich bin wahlmüde…

Ihr habt die Überschrift gesehen, ich bin wahlmüde. Jetzt werden sich einige denken: „Aber du bist doch Sozilehrer!“ oder „Aber du bist doch immer so laut, was Politik angeht.“ Ja, bin ich und ich bin müde. Weil es dafür aber Gründe gibt und weil die wiederum viel mit der Welt da draußen zu tun haben, werde ich diese mal formulieren.

Scheiße, ist das langweilig.

Es ist so schon nervig dem Brimborium der Wahlen zu folgen. Mit Angela Merkel, die Einlullen als Politikmodus etabliert hat, und Martin Schulz, der als Person die Intensität eines weichen Kekses besitzt, hat das alles nun die anregende Wirkung einer Schlaftablette. Langweilige Menschen reden über langweilige Sachen und über sich selbst. Ist es nicht toll… also der Entertainmentwert ist so niedrig wie noch nie.

Nicht die Zielgruppe.

Ich bin anscheinend nicht die Zielgruppe dieser Wahl. Also so mit Mitte 30, gutem Einkommen, hoher Steuerlast und der Option eine Familie zu gründen, bin ich schon mal uninteressant. Aber weder meine FreundInnen mit Familie, meine FreundInnen in der Ausbildung, meine FreundInnen in der Wirtschaft noch irgendwer anders, nichtmal meine Eltern sind irgendwie die Zielgruppe dieser Wahl. Anscheinend soll hier die potente Gruppe der reichen Ausländerfeinde irgendwie Thema sein. Angesprochen fühle ich mich gerade so von einer Partei und die kompletten Themen berühren meine Realität nicht.

Selbstreferenzielles Mediengeblubber und abwehrendes AfD Gepushe

Die klassischen Medien scheinen mir auch komplett disjunkt von meiner Wirklichkeit zu sein. Ich weiß ja nicht worüber die reden, aber relevant für mich ist es nicht. Die Social Media Welt ist hingegen voller passiv-aggressiver Scheiße, die eine diffuse Angst vor der AfD verbreitet und gleichzeitig das beste tut, diese Partei immer wieder zu erwähnen. Anstatt endlich aufzuhören gegen die reden und stattdessen positive Botschaften zu senden. Wie wenig negative Botschaften bringen, kann Hillary Clinton erzählen. Sie machen nur die eigenen Reihen hysterisch, wenn das selbstaufgebaute „Böse“ dann doch im Bundestag sitzt. Konstruktiv wäre ja schön, positiv wäre auch schön. Bei der Hysterie möchte ich am liebsten allen Dildos schenken.1 Und bitte dabei nicht über die AfD reden, sondern darüber, was wir für eine Welt haben wollen. Und das immer wieder…

Und das macht mich unendlich müde. Ich muss mich ab Dienstag wieder vor SchülerInnen stellen und eine meine Hauptaufgaben ist es jungen Menschen, Ausbildung und Perspektive zu bieten. Und das nicht in dem ich mich einfach nur hinstelle und weine, wie schlimm die Welt ist. Denn ich habe es hier mit echten Menschen in einem direkten sozialen Verhältnis zu tun. Was ich da tu, hat weitaus mehr Konsequenzen als das Wahlkreuzchen und weitaus mehr Relevanz als dieser Blogeintrag oder ein verfickter agitierter Tweet. Es geht mir sowas von an die Löffel, dass ich mir diese selbstreferenzielle Scheiße von irgendwelchen Labertaschen anschauen muss, deren einziger Beitrag eine Tweetkette ist. Wenn ihr was bewegen wollt, dann nicht passiv-aggressiv von der Tastatur aus.

Absolutes Missverständnis des Wahlsystems und der Wahlen allenthalben

Es gibt da einen Politikunterricht zu. Hört ihn euch bitte an. Wahlen sind wichtig und der Mittelpunkt einer Demokratie. Es geht hier darum, das Gremium zu bestellen, dass die Regeln für unsere Gesellschaft festlegt. Wenn ihr der Meinung seid, dass das ein Sandkasten sein sollte, dann halte ich euch nicht auf, weil das meine politikphilosophische Überzeugung ist. Aber es macht mich auch müde zu sehen, wie die Diskurse über die Wahl von dem wegdriften, worüber wir reden sollten. Zwei Wochen vor dem Wahltermin überlegen, ob eine Satirepartei nicht eine tolle Gegenveranstaltung zu irgendwelchen abgehalfterten Rechtspopulisten im Parlament wäre, zeigt, dass wir anscheinend keine Probleme haben, die dringend gelöst werden müssen. Dem Sozialstaat geht’s ja blendend, die Leute sind alle glücklich und es regnet Zimtschnecken.

Dazu gehören auch die unsäglichen Wahlempfehlungen. Also Empfehlungen, dass ich wählen gehen soll und dann bitte nur die etablierten Parteien, weil wir ja die AfD verhindern müssen. Was für ein Bullshit. Die Menschen haben die Freiheit wählen zu gehen, und das ist gut so. Genauso wie sie die Freiheit haben, zu wählen was sie wollen, nach ihren eigenen Prinzipien. Wer empfiehlt, dass jemand etablierte Parteien wählen soll, um eine andere Partei zu verhindern hat damit den Traum des rechten Einheitsstaats auch erfüllt. Aus Angst seine persönliche Freiheiten einschränken ist nicht freiheitlich und der Traum der Rechtspopulisten.

Realität statt Fiktion

Ich bin also müde, dass ein Großteil dieser Wahl, die am Ende ein Parlament und mittelbar eine Regierung wählt, die über unsere Zukunft die nächsten vier Jahre entscheiden, anhand von Fiktionen diskutiert wird. Weder Satiriker noch nicht-satisfaktionsfähige Rechtspopulisten sind eine Bedrohung für die freiheitlich demokratische Grundordnung. Eine Wahlbevölkerung, die komplett nicht mehr miteinander spricht, die schon in ihren Medien, und damit auch Realitätsfiktionen, gespalten ist und in der jeder glaubt, dass die Welt untergeht, wenn sie sich nicht genau nach den eigenen Vorstellungen entwickelt, die wiederum ist eine Gefahr für die komplette Gesellschaft.

Und weil ich zu der Gruppe gehöre, die versucht die Risse in dieser Bevölkerung zu überbrücken, bin ich müde… denn einfacher ist das nicht geworden…

  1. Wer das nicht versteht: Dildos waren das „Heilmittel“ gegen Hysterie im Viktorianismus. []

Jung? Aber sicher!

Wir reden ja regelmäßig, aber letztens hat die Vrouwelin mal wieder in das Netz geschrieben und zwar über aktuelle Jugend. Die trieb uns schon im letzten Podcast um, und Vrouwel geht es um den ganzen Jugendpessimismus, der durch die Gesellschaft schwappt. Die Jugend sei narzisstisch, dumm und verdorben und alles sei ganz schlimm.

Vrouwel weißt schon darauf hin, dass das alles Quatsch und nicht sonderlich neu ist und Christoph meckert zurecht an einem komplett bekloppten Generationenbegriff herum. Ich möchte hier aus der Lehrerperspektive auch etwas dazu geben. Immerhin darf ich mir das öfter ansehen.

Und der Begriff, der für mich derzeit zentral ist, wenn ich über die jungen Erwachsenen nachdenke, die da vor mir sitzen, ist Sicherheit. Sie ist eines der wichtigsten Themen, die immer wieder, auch im Englischunterricht auftauchen. Dabei geht es zum einen darum, wie sich die Schülerinnen und Schüler am besten für eine finanziell und beruflich sichere Zukunft in Stellung bringen können, zum anderen sehr oft um das Gefühl von Sicherheit im schulischen Alltag.

Die finanzielle und berufliche Sicherheit ist wahrscheinlich das offensichtlichste Thema. Dabei werden mir immer wieder die Vorstellungen vermittelt, dass ein sicherer Job besser ist als ein gut bezahlter und dass gute Noten dafür zentral sind, einen solchen Job zu bekommen. Beides ist leider nicht ganz richtig und letzteres hat direkt mit dem Sicherheitsgefühl zu tun. Es hat sich mittlerweile als Erkenntnis durchgesetzt, dass wir in unsicheren Zeiten leben. Die aktuelle Shell-Jugendstudie1 sagt, dass es für junge Menschen zentral ist, einen sicheren Job zu haben. Das hat direkt miteinander zu tun. Und weil Regeln sicher sind und die meisten sicheren Jobs viel mit staatlicher Regulation und der alten Welt der sinnlosen Zertifikate zu tun hat. Dabei liegt eine erfolgreiche und sichere berufliche Zukunft eben nicht in irgendwelchen Zertifikaten und Verbeamtungen, sondern in der Fähigkeit, etwas zur Welt beitragen zu können. Dabei braucht es also eine inhaltliche und kognitive Ausstattung, die das Gegenteil davon ist, was an Schulen hinlänglich gute Noten beschert.2 Dabei wird Schule eigentlich nur noch „Spiel“ verstanden. Ich habe dieses Jahr wieder erleben müssen, dass erstaunlich viele Schülerinnen und Schüler glauben, dass das Erfüllen fester Regeln am ehesten zu einem Schulerfolg führt. Das ging soweit, dass es direkt zu Feindseligkeiten gegenüber Lehrkräften führt, wenn die sich nicht an die geheimen Regeln halten. Dabei scheint es wieder um Sicherheit zu gehen. Die Sicherheit, verlässlich gute Noten produzieren zu können, die Sicherheit daheim gut dazustehen und die Sicherheit, dass aus einem etwas wird, weil ja die Noten gut sind.

Dabei ist das alles falschestmöglich. Sicherheit ist eine schlechte Strategie in einer inhärent unsicheren Welt. Stattdessen braucht es Flexibilität und zwar nicht als neoliberales Schlagwort sondern als Grundprinzip der eigenen Ausstattung. Dafür benötigen die jungen Menschen aber Dinge, die ihnen nicht gegeben werden und die sie gefühlt auch nicht möchten: eine eigenständige Identität, eine echte Kompetenz in der Wissensbeschaffung, Auswertung und Interpretation und eine emotionale Stärke, die sie Unsicherheit aushalten lässt. Das alles müsste die Schule und die Eltern ihnen geben, stattdessen bekommen die Jugend Regeln und Ängste serviert und muss sich dann anhören, dass sie zu wenig Mut hat, zu wenig Intelligenz und immer verhätschelt werden muss.

Self-fulfilling prophecies sind halt toll…

  1. unter anderem zu finden in diesem tollen Text von Stefan Schulz []
  2. Darüber müssen wir eh mal reden… []

Podcasts und Monetarisierung

Ich verfolge die Entwicklung der Podcastingwelt aus persönlichem Interesse und persönlicher Involvierung.1 Die deutsche Podcastwelt ist ja nach Podlove, Auphonic und Ultraschall technisch auf einem Niveau, dass es auch Amateuren möglich ist, auf ziemlich hohem Produktionsniveau Sendungen in den digitalen Äther zu senden. Gleichzeitig wird in den USA der Podcastboom ausgerufen und Deutschland bekommt Podcastlabel. Podcasting ist also aus der Nische draußen, in der sie die Podcaster gern verorten. Dazu wird immer mehr über die Monetarisierung gesprochen. Das ist für mich kein Thema, weil ich einen gut bezahlten Day-Job habe und die Kosten von Podcasts nicht ins Gewicht fallen. Dazu verwurste ich ja in den Podcasts hauptsächlich Dinge, für die ich schon in diesem Day-Job gut bezahlt werde. Weil mich das alles nicht betrifft und ich da trotzdem eine Meinung habe, gehe ich mal die verschiedenen Optionen ernsthafter Monetarisierung von Podcasts durch.

Werbung

Der Klassiker der Monetarisierung und der Standardmodus in den USA. Hört man da so Podcasts wird man regelmäßig mit selbstvorgelesenen Werbetexten erschlagen, meist mit nem Couponcode versehen, damit die Firma, die den Auftrag gibt auch etwas nachvollziehen kann, ob die Werbung Wirkung zeigt. Immerhin lassen sich weder Downloadzahlen noch Hörerzahlen anständig messen und verfizieren. Obwohl sich das jetzt dank einer Initiative von Apple verändern soll. Dort wird es dann genauer Analytics geben, die vielen werbegestützten Podcasts Schwierigkeiten machen werden. Denn dann werden die Werbeunternehmen erstmal Zahlen sehen wollen, bevor sie investieren. Und da ist das Problem. Podcasts zählen als eine der attraktivsten Werbeträger derzeit. Vor allem in den USA, wo die Podcaster auch noch selbst die Werbung sprechen, gibt es eine hohe Identifikation mit dem Produkt. Es ist sowas wie Native Advertising, das meist nicht einmal durch Jingles getrennt ist.

Soweit der Status quo. doch was bedeutet das für die Podcasterinnen und Podcaster? Nun zum einen ändert sich hier, wie auch bei einigen anderen Beispielen die folgen, wer eigentlich der „Kunde“ oder die „Zielgruppe“ des Podcasts ist. Das wechselt nämlich von den Hörenden zu den Werbetreibenden. Es geht nicht mehr darum, etwas anzubieten, dass dann eine interessierte Hörerschaft findet, sondern etwas anzubieten, dass möglichst viele Hörerinnen und Hörer hat und möglichst gut vermarktbar ist. Dazu mischt sich der Werbetreibende dann gerne mal in die Gestaltung der Sendung ein und hat natürlich jedes Recht, weil er das Geld gibt. Die Abhängigkeiten ändern sich also. Dazu ist es schwierig, Werbung zu machen und dann zum Beispiel über Produkte zu reden, die von Konkurrenzfirmen sind oder aber wie bei den Schulsprechern sich mit Themen zu beschäftigen, die werbefrei sein müssen.

Amazon Affiliate

Eine Sonderform hier ist, dass Menschen in Podcasts über Produkte sprechen, aber dafür nicht bezahlt werden und stattdessen einen Prozentanteil von Amazon bekommen können, wenn HörerInnen über einen bestimmten Link den Einkauf machen. Das ist komplett problemfrei, aber dafür auch keine sichere Einnahmequelle. Dazu ist Amazon auch mal eklig, wenn es darum geht, wer affiliate sein darf.

Spendenplattformen

Der aktuelle heiße Scheiß, wenn es nicht Werbung sein soll, sind Spendenplattformen. Ganz vorn dabei sind Patreon und in Deutschland Steady.2 Die Idee ist relativ einfach: die Plattformen aggregieren zahlungswillige NutzerInnen und nehmen eine kleine anteilige Gebühr für diesen „Service“. Dabei wird gerne so getan, als wären die Podcasts Eigentum der Plattformen. Die größte Kritik an diesen Spendenplattformen ist, dass niemand so richtig weiß, warum da eigentlich doppelt und dreifach Steuern und Kommission bezahlt werden soll, wenn es doch auch einfacher geht. Hier ist vielleicht noch ein Satz zu Flattr zu sagen: Flattr ist eine tolle Idee, die tot ist.

Direktspenden

Mit Direktspenden nämlich.3 Es gibt SEPA und das kostet heute nichts mehr, ist zuverlässig, steuerabziehbar und nachverfolgbar. Dazu kostet es jenseits Umsatzsteuer für die Gewerbetreibenden nichts. Die zweite Möglichkeit, von der ich auch Gebrauch mache sind Amazon Wunschlisten. Hier wird in Sachmitteln gespendet, was einen Überraschungseffekt hat, aber im Zweifel für Freiberufler kompliziert sein kann. Dazu bleiben bei direkten Spenden die Hörenden weiterhin die Gruppe, die angesprochen wird.

Plattformen und Auftragsarbeiten

Die letzte Möglichkeit ist nur für Leute, die schon ordentlich Erfolg haben. Wobei zwischen diesen beiden Möglichkeiten auch Unterschiede bestehen. Sind Auftragsarbeiten generell eine faire Sache, weil sie schlicht ein Angebot sind, für das von vorneherein bezahlt wird und auch offen kommuniziert wird, dass es sich um ein solches Angebot handelt, ist das bei Plattformen schon schwieriger. Podcasts sind an sich etwas, das direkt im Web existieren kann und somit frei zugänglich ist. Kommen jedoch die Spotifys und Audibles dieser Welt an und bieten in ihren Ökosystemen wieder exklusiv Sendungen an, führt das dauerhaft zu Fragmentierungen, die zu vermeiden eigentlich im Interesse aller Beteiligten außer den Plattformen ist. Nicht einmal die Podcastenden haben davon so richtig Vorteile, außer, dass sie bezahlt werden.

Fazit

Am Ende ist die Frage, wer der Kunde des Podcastenden ist. Ist es der/die Hörende oder aber Menschen, die da Werbung machen. Ist der/die Hörende der Kunde, dann stellt sich nur die Frage, wie das Geld, dass da bereit ist gezahlt zu werden, am einfachsten und beständigsten zu den Produzenten von Podcasts kommt. Dabei zeigt sich dann, dass die klassischen Methoden wahrscheinlich die für alle Seiten effektivsten sind. Das Podcastökosystem wächst gerade, aber vielleicht sollte es die Fehler der anderen Webangebote vermeiden. Wir hatten AOL, wir haben Facebook und Adblocker en masse. Das brauchen wir alles für ein gesundes Ökosystem nicht, wenn genug Menschen schlicht einen Dauerauftrag ausfüllen.

  1. Meine Podcasts sind hoffentlich bekannt, ansonsten: Seitenleiste. []
  2. Keine Links… []
  3. Juhu, Fragmente! []

The Non-Town Square – Warum sekundäre Oralität eben nur sekundär ist…

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie in meinem Literaturwissenschaftsstudium der Hypertext alle Vorstellungen von Literatur verändern wird. Netzartige Texte und sowas… ist jetzt alles irgendwie nicht passiert. Stattdessen haben wir Facebook, die dunkle Seite jeglicher textlicher Kultur. Und das ist auf die Dauer wahrscheinlich auch ein gesellschaftliches Problem.

Kommunikation ist die Methode der sozialen Umfeldgestaltung und Sprache das Mittel der Kommunikation. Die Medien in denen Sprache vermittelt wird wiederum beeinflussen die Botschaften, die gesendet werden können und wieviel Inhalt überhaupt vermittelt werden kann. Gesprochene Sprache, die von Gesicht zu Gesicht vorgetragen wird, ist die Art der Kommunikation für die Menschen biologisch geschaffen sind. Sprechen, Hören und Sehen sind alles Teile dieser Kommunikation. Wir hören nicht nur Lauten zu, denen wir Inhalte zuordnen, wir hören auch die Modulation der Stimme, auch produzieren wir diese Laute und schauen dabei dem Gegenüber ins Gesicht um dessen Ausdrücke zu deuten. Diese Art der Kommunikation ist nicht nur voller Redundanzen, sie ist auch diejenige Form, die die höchste Inhaltsdichte hat. Bei geschriebener Sprache wird das schon schwieriger. Hier müssen dann Ersatzkonstrukte her, die die Stimmflexion und ähnliches zur Not beschreiben. Das endet dann in Emojis und so. Bildlicher Ersatz für etwas, dass mit Text nicht zu vermitteln ist. Text ist nun einmal das abstrakteste Medium, das es so gibt. Bilder repräsentieren direkt, Text gar nicht. Technisch gesehen ist Text ja Bilder, die bestimmte Laute oder Lautkombinationen repräsentieren.

Und diese informationsarme Textform ist also die Basis der Internetkommunikation.1 Das trifft insbesondere für die Sprachverwendung in social media zu. Hierbei wird textbasiert kommuniziert, aber die Form ähnelt den oralen Verfahren der prä-Gutenberg Zeit. Dieses Phänomen des sekundären Oralität bedeutet, dass heutzutage orale Kommunikation mit schriftsprachlichen Mitteln durchgeführt wird. War nach Gutenberg und bis zur social media Schriftsprache hauptsächlich ein Medium, in dem Inhalte mit einer gewissen kulturellen Tragweite oder Offizialität vermittelt wurde2 und in dem im Endeffekt die großen Debatten der Gesellschaft verhandelt wurden, ist sie in der social media das Medium dessen geworden, was früher oral am Stammtisch oder Dorfbrunnen verhandelt wurde. Die These ist also, dass wir über social media zu einer weltweiten oralen Tradition zurückkehren, die allerdings auf literacy also Schriftsprache beruht. Damit wird die Zeit von Gutenberg bis zur social media zu einer Art Klammer in der Schriftsprache zur Verhandlung gesellschaftlich wichtiger Inhalte benutzt wurde, und hinter deren schließendem Teil wir nun wieder partikular in der Schriftform über unsere Nachbarn quatschen. Was das alles genau bedeutet, weiß ich auch erst einmal nicht.

Allerdings kann ich einen Beitrag leisten. Der oben genannte Unterschied zwischen gesprochener Sprache und Schriftsprache ist nämlich für die Kommunikation in der social media und damit dem virtuellen Dorfplatz durchaus wichtig. Dieser lebt nämlich von großen Mengen schriftlich übermittelter Information und wie ich oben schon gesagt habe, hat diese doch einige Defizite. Das bedeutet also, dass der Ort an dem ein Großteil der Kommunikation ausgeführt wird, auf einem Medium beruht, dass demjenigen, mit dem zwischenmenschliche Interaktion normalerweise abgehandelt wird, unterlegen ist. Das erhöht Missverständnisse und damit langläufig Konflikte, die dann auch weitaus schwerer aus der Welt geschafft werden können. Das bedeutet, dass auf dem neuen Marktplatz weitaus öfter Schlägereien ausbrechen werden, die dann auch weitaus weniger erfolgreich gelöst werden können. Der Ersatz der gesprochenen Sprache durch die Schriftsprache bedeutet eben auch, dass die gesprochene Sprache nicht adäquat ersetzt wird. Und das kann jetzt schon auf twitter und Facebook gesehen werden. Es wird unheimlich viel unheimlich ambivalenter Text produziert, der regelmäßig zu unbeabsichtigten Nebenwirkungen führt. Wenn die Beobachtung, dass schriftliche Medien die zentrale Kommunikationsform der sozialen Interaktion wird, stimmt, dann wird sehr wahrscheinlich auch gelten, dass diese soziale Interaktion sich im guten Fall neu strukturieren muss, um die sprachlichen Redundanzen zu schaffen,3 oder aber die gesellschaftlichen Konfliktlinien und die Störungen im Diskurs, die wir heute sehen, sind alles noch milde Phänomene.

  1. Ja, die Jugend spricht jetzt wieder in Mikrofone um sich Sprachnachrichten in Chats zu schicken. Das ist auch irgendwie… strange. Das Versprechen des Chats war es doch, dass mich nicht jeder Depp übergriffig anruft, oder? []
  2. Das ist auch im Schriftsprache vermittelnden Schulunterricht zu erkennen. Selbst der kitschige Liebesbrief hat eine gewisse Formailtät. []
  3. Emoji und die Sprachnachrichten sind ja da Zeichen. []

Zinnmänner, Raumschiffe und Mädchen – Tabletop und das Weibliche

In Lila Podcast 072 ging es darum, dass Schach auf Dauer weibliche Personen strukturell ausschließt. Dabei fiel mir mein eigenes Hobby wieder ein, dass umso mehr als „Jungenspielzeug“ verschrien ist und tatsächlich ein strukturelles Problem mit mangelnden Spielerinnen hat. Doch bevor ich auf der Geschlechterseite einsteige, gibt es hier eine kurze Geschichte und Soziotopbeschreibung.1

Von Zinnsoldaten zu Space Marines und Warjacks

Die Geschichte des Tabletop Wargaming beginnt tatsächlich mit den Kriegsspielen der Mächtigen. Zinnfiguren auf nachgebauten Schlachtfeldern dienten Feldherren und Kaisern schon seit der frühen Neuzeit. Friedrich II von Preußen war schon dafür bekannt, dass er seine Militäraktionen mit Zinnsoldaten plante und wenn dies der Kaiser tut, dann tun es auch die Untertanen. Das Bemalen, Sammeln und Ausstellen von historisch korrekten Zinnfiguren ist bis heute ein vorwiegend männliches Hobby.

Von diesen Anfängen aus entwickelte sich in den 70er Jahren in den USA und in Großbritannien die ersten Tabletop Wargames. Das Nachstellen von Schlachten nach Spielregeln wurde etabliert und gliederte dann auch noch die ersten Rollenspiele aus.2 Während die Rollenspiele in ihren Regeln immer freier wurden und sich das Erzählspiel als feste Dimension entwickelte, wurden die Wargames immer komplexer in ihren Regeln. Ab den 90ern wurde das durch die Entwicklung und Verbreitung von Warhammer und Warhammer 40.000 (kurz:40k), den protoypischen Wargames der Firma Games Workshop manifestiert. Beide Systeme benötigen eine größere Anzahl an Miniaturen, die selbst zusammengesetzt und bemalt werden müssen und besonders 40k entwickelte einen Regelreichtum, der ein einzelnes Spiel unübersichtlich machen kann.   Warhammer und 40k waren auch insofern prototypisch, dass sie die Themen von Wargames vorgaben. Orks, Elfen und Menschen sowie die finsteren Dämonen des Chaos3 und die ständige Gefahr des Welt und Galaxieuntergangs bestimmte die Inhalte der Wargames. Da im Zentrum des Spiels immer ein bewaffneter Konflikt steht, sind düstere Kriegsthemen der passende Hintergrund. Das gilt auch für die, besonders in den USA verbreiteten Spielserien Warmachine und Hordes von Privateer Press. Krieg steht also immer im Mittelpunkt des Wargames, obwohl sich alle Hersteller Mühe geben eine Narration um die Schlachten herum zu erfinden, die ihnen mehr Kontext als das gegenseitige Umballern geben.

Genreverbreitungen, historische Wargames und einfacher Einstieg

Warhammer 40.000 war lange in Europa das Maß aller Dinge im Wargaming. Jenseits 40k war seine Fantasy Variante Warhammer und Battletech, ein Spiel in dem wenige sehr komplexe Kampfroboter vom Spieler gesteuert wurden, noch bekannt und danach gab es nicht viel. Doch nachdem die Produktionstechniken, die Zinnguß, Plastikguß und die Verarbeitung von Kunstharz preiswerter wurden, kamen immer mehr Spiele mit der Vielfalt der Rollenspielgenres auf den Markt, die meistens auch Wert auf weniger Miniaturen als in den Massenschlachten von 40k legen. Nicht nur kommen Spiele im Animestyle oder mit Steampunkflair auf den Markt, sondern es werden auch große bekannte Marken wie der Herr der Ringe oder aber Star Wars lizensiert. Insbesondere X-Wing und Star Wars Armada von Fantasy Flight Games öffneten den Markt für neue Spielerinnen und Spieler, in dem sie fertig bemalte Figuren mit überschaubaren Regelkonstrukten anbieten. Auf der „engagierteren Seite“ kommt mit Infinity4 ein komplexes Spiel mit erschwinglichen Miniaturen und ansprechender heller Ästhetik und gutem Spielerengagement als Konkurrent von 40k auf, der zu beachten ist. In Pulp und Steampunkspielen wie Malifaux, Wildwest Exodus oder Wolsung finden sich Spielerinnen und Spieler wieder, die mit der dauerhaften dunklen Untergangsstimmung von 40k nichts anzufangen wissen.

Zu diesen Spielern gesellen sich dann noch Vertreterinnen und Vertreter des historischen Wargamings, das im Endeffekt in jeder Epoche spielt, aber sich mit dem Thema 2. Weltkrieg besonders auseinandersetzt. Diese Spiele scheinen sich in den USA und in Großbritannien einer größeren Beliebtheit zu erfreuen als in Deutschland, was mit dem Verhältnis der Nationen zu diesem Teil der Weltgeschichte zu hat.5

Tabletop und das Weibliche

Nach dieser Rückschau ist schon etwas klar, warum Tabletop als eine solche „Männerdomäne“ gilt: es ruft tradierte Männerbilder auf und stellt auf als „typisch männlich“ angesehene Eigenschaften als vorteilhaft im Spiel ab. Konkret bedeutet das, dass Krieg als Domäne männlich besetzt ist und das Hobby an sich Fähigkeiten wie Basteln, (kunstvoll perfektioniertes) Malen und rationales zweckorientiertes (skrupelloses) Denken für den Erfolg wichtig macht. Diese Fähigkeiten, besonders die Rationalität und Perfektion werden gerne mit dem kalten rationalen Geist assoziiert, der dem männlichen Geschlechterbild traditionell zugeordnet wird.

Hinzu kommt, dass insbesondere die Erzählwelt des Branchenprimus 40k erstaunlich misogyn ist. In der Welt von 40k gibt es genau eine Armee, die hauptsächlich aus Frauen besteht. Weibliche benannte Heldenfiguren sind zwar vorhanden aber eben nur in dieser Armee, die schon seit längerem als nicht konkurrenzfähig gilt. Die Eldar (Weltraumelfen) haben weibliche Modelle und Helden, sind aber halt auch einfach Eldar. Alle wichtigen Figuren, die mit der Geschichte 40ks verbunden sind, sind männlich und zumeist so testosteronbeladen, dass ihre Schwerter eigentlich nur Phalli sein können. Nicht besser wird die Sache, wenn in den Erzählungen aus der soundso menschenverachtenden Welt aus dramaturgischen Gründen von den “Guten” Frauen abgeschlachtet werden. Diese Tatsachen machen die Welt von 40k so unheimlich unattraktiv für Frauen, dass weder das Spiel noch die Welt als guter Einstieg gesehen werden kann.

Anders scheint es da mit den neueren Spielen wie Malifaux, Relic Knights, Wolsung oder Infinity zu sein. Die Genres und Welten sind offener und haben eine größere Menge an weiblichen Charakteren. Infinity neigt zwar gerne zum Pinup, hat aber auch jede Menge toughe Frauencharaktere, die Identifikation bieten.6

Ein zweites Problem scheinen die komplexen Regeln zu sein. Spiele zu spielen ist an sich schon eine Tätigkeit für die viel zu wenig Menschen ernsthaft Zeit einräumen, sind die Regeln dann auch noch komplex sinkt die Zugänglichkeit umso mehr. Das ist an sich für Tabletopspiele schon wahr, allerdings kommt hier noch eine Dimension hinzu, die schon für viele männliche Wesen abschreckt: das Ausnutzen von Regeln und Fehlern in diesen Regeln, um den Gegner fertig zu machen. Dieses Verhalten findet sich hauptsächlich in Turnierspiel. Dabei scheint es größere Gruppe von Männern zu geben, denen das Gewinnen um jeden Preis so unheimlich wichtig ist, dass sozialverträgliches Verhalten schlicht unwichtig ist. Dabei werden Regeln gebogen, „optimiert“ und ausgenutzt um das eigene Gewinnen nahezu zu garantieren. Diese Haltung schreckt aber nicht nur spaßorientierte Männer ab, sondern scheint auch die Grundlage dafür zu sein, dass wenige junge Frauen Spaß am Spielen haben, weil das ritualisierte Verhalten der spielenden Männer schlicht und ergreifend oft rücksichtloses Regelreiten an der Arschlochgrenze ist. Das ist besonders bei kompetetivem Spiel auffällig. Die großen Spielsysteme gehen damit unterschiedlich um. Warhammer 40k ist verschrien als regelkomplex mit einem Hang dazu, dass bestimmte Kombinationen schlicht unschlagbar sind. Warmachine hat Regeln im Stile von juristischen Verträgen um Regelausnutzung auf Turnieren zu verhindern. Bei Infinity gibt es direkt eine „don’t be a dick“ Regel, die immer wieder betont wird, weil das aktive Mitarbeiten des Gegenspielers für eine gute Runde schlicht notwendig ist.7 Das zugrundeliegende Verhalten, das hier viele an den Spielen interessierten Menschen abstößt, ist ein typisches männliches Prestige: der rücksichtslose Gewinner ist der bessere Mann. Und wenn der Spieler schon nicht im echten Leben ein Gewinner ist, so kann er sich auf dem Schlachtfeld der Plastikfiguren schon so fühlen. Dass dauerhaft niemand mit einer solchen Person spielen möchte und neue SpielerInnen sogar abgeschreckt werden, ist hier egal. Der Mythos des kalten Feldherren, der jede Möglichkeit nutzt um zu gewinnen und natürlich weiche Frauen noch weniger als Gegnerinnen ernst nimmt, als andere Männer ist immer noch verbreitet und schadet dem Hobby, nicht nur weil Frauen sich wohl fühlen, sondern auch, weil die meisten Spieler eigentlich keine Lust auf dieses Verhalten haben.

Tabletop sollte allen Spaß machen, dabei sind Regeln und das Gewinnen erst einmal sekundär. Kompetetives Spiel ist für alle Beteiligten weitaus befriedigender, wenn Siege fair errungen werden und das Spiel an sich Spaß macht. Je mehr sich die Tabletopcommunity dem Spielspaß und nicht mehr dem ultimativen Sieg verschreibt, desto mehr wird sie wachsen, auch an Frauen.

Unterstützerdank an Frau Vrouwelin und Julius Beinenke für weiteren Input.

Im übrigen biete ich für jede/n Interessierte/n gerne mal eine Einführungsrunde Rollenspiel oder Infinity an, so es sich räumlich und zeitlich gestalten lässt. 

  1. Zusätze sind erwünscht! []
  2. Dungeons und Dragons ist berühmt dafür, dass es als Miniaturenrollenspiel entstanden ist und spielt sich bis heute sehr toll in diesem Modus. []
  3. Inklusive Chaosstern, der von Michael Moorcock geklaut wurde. []
  4. Disclaimer: Ich spiele das selbst. []
  5. Mir persönlich wäre unwohl die Deutschen im 2. Weltkrieg in irgendwelchen Schlachten zu spielen und ich glaube, dass sich Interessenten für dieses Spiel schwer tun nicht als nationalistisch und geschichtsvergessen angesehen zu werden. []
  6. Nicht zu vergessen, eine komplette Kampfgruppe aus militanten Feministinnen. []
  7. Beispiel: Infinity hat eine Mechanik, bei der die andere spielende Person auf eine Aktion reagieren kann. Es gilt als gute Form den/die aktiven SpielerIn auf übersehene Konsequenzen des Zuges hinzuweisen. []