Archiv der Kategorie: Chaos

WMDEDGT – 5.11.2017

So… dann schaue ich mal, ob ich das heute wieder hinkriege. Erstmal vorneweg: Sonntage sind bei mir Arbeitstage. Ich habe so ne Art rollende Woche, bei der Freitag nachmittag und Samstag frei ist und Sonntag morgen am Schreibtisch stattfindet. Aber schauen wir mal…

5:30 Uhr

Viel zu früh wach. Aber gut, anziehen und eine blinkende Flocke durch die noch existierende Nacht führen. Zu Glück habe ich mir die Party gestern Nacht gespart. Zwischendrin den Herzmenschen auf Instagram gesehen und gleich mal wieder festgestellt, wie sehr ich mich darüber freuen kann, dass sie so viel Spaß hat.

6:45 Uhr

Die To-Do Liste für den Haushalt sagt Treppenhaus wischen und Küche und Bad also wird das nach dem Frühstück gemacht und der Keller gleich dazu, weil ich mit „Hausordnung“ dran bin. 😉

7:45 Uhr

Eine Blutdruckmessung später diesen Blogpost angefangen. Auf der Liste stehen: 3 Kurzarbeiten erstellen und ca. 25 Aufsätze lesen. Letztere sind so halb auf Freitag verschoben, weil vorher die Kurzarbeiten geschrieben werden wollen. Ich fange dann also wohl mit den Kurzarbeiten an.

Okay, Prokrastination ist ja was tolles, und ich hab dann mal noch kurz Wäsche in die angeschmissen und erstmal die Wochenplanung gemacht.

9:20 Uhr

Kurzarbeit 1 nimmt langsam Form an. Nebenbei prokrastiniere ich damit rum einen Direktposter für mein Blog auf Twitter zu finden, nachdem IFTTT irgendwie stinkt. Kann sein, dass dieser Post schon anders beworben wird. Update 9:49 Uhr: Die Kurzarbeit ist halbfertig, aber dafür habe ich jetzt direkte Crossposts von meinem WordPress. Die Podcasts stelle ich wahrscheinlich die Tage um. Ich mach da mal ein To-Do…

10:00 Uhr

Wäsche aufgegangen und die erste Kurzarbeit ist fertig.1 Die Aufsätze sind auf Dienstag/Mittwoch verschoben. Onwards!

10:45 Uhr

Die nächste Arbeit ist fertig. Noch eine weiter… die ist jetzt die schwierigste, weil ich die Thematiken der anderen etwas umdrehen muss, um noch genug Fragenvielfalt zu haben.

11:02 Uhr

Das ging jetzt fix. Ich hab alle Kurzarbeiten fertig und werde jetzt noch schnell eine neue Seite für die Schulhomepage bauen. Zum Glück brauche ich heute kein Mealprep zu machen, weil die tolle rote Linsensuppe schon auftaut für morgen.

14:35 Uhr

Ich sitze halb-nass auf der Couch. Vor mir Flocke ungefähr 1/4 nass. Ich war zwischenzeitlich schwimmen (1000m – 35 min), habe Mittag gemacht und war danach noch ne Dreiviertelstunde bei beschissenstem Wetter mit dem enthusiastischen Tier im Wald. Die Heizung ist an, die Jacke am Trocknen und ich komme erstmal runter. Perspektivisch gibt es noch einen Eintrag und dann ist das fertig. 😉

17:00 Uhr

Ich sitze im Jugendtreff und warte auf die junge Dame, die mir nochmal ihre Seminararbeit zeigen wollte. Gegen 18:30 geht es mit blinkendem Hund nach Hause, dann ins Auto und zu Hagen Rether! \o/

  1. Hoch lebe das Archiv! []

Sondierungen als postmodernes Drama

Stefan Schulz vom Aufwachen Podcast hat sich in Folge 247 gewünscht, dass sich jemand mit literaturwissenschaftlichen oder theaterwissenschaftlichem Hintergrund mit den Sondierungsgesprächen von CDU/CSU, FDP und Grünen zu beschäftigen.

Ich bin jetzt kein Theatermensch, also beschäftige ich mich etwas weniger mit der Inszenierung. Dafür fiel mir eines dieser postmodernen Theaterstücke ein, die ich im Studium allein dafür genossen habe, weil sie ein Publikum komplett kirre machen.1 Ich stelle erst einmal das Stück vor und dann ziehe dann Parallelen.

Synopse: Tom Stoppard – The Real Inspector Hound

Das Stück, das sich auf der einen Seite an den Sherlock Holmes Klassiker The Hound of Baskervilles anlehnt und auf der anderen ein Kommentar über journalistische Theaterkritiker. Zum Bühnenbild gehört die Tribüne, auf der die zwei Kritiker Moon und Birdboot sitzen, die sich ein eher lahmes Whodunnit Stück ansehen. Moon ist eigentlich nur da, weil der Oberkritiker Higgs nicht kann und Birdboot findet die Schauspielerin von Felicity ziemlich nett, obwohl er verheiratet ist. Er scheint hauptsächlich daran interessiert zu sein junge Schauspielerinnen gegen sexuelle Gefallen hochzuschreiben.

Der Plot des Stück-im-Stück ist einfach zusammen gefasst: in einem Herrenhaus am Arsch der Welt liegt ne Leiche rum.2 Es wird per Holzhammerexposition bekannt gegeben, dass ein Wahnsinniger in den Sümpfen um das Herrenhaus unterwegs ist. Dazu kommt ein doppelbödige Liebesgeschichte, bei der Cynthia, eine der Personen im Stück im Stück, das Interesse zweier männlicher Charaktere geweckt hat, während Birdboot gleichzeitig anfängt sich mehr für ihre Schuspielerin zu entscheiden. Während sich Moon und Birdboot über das eher dröge Stück unterhalten klingelt auf der Bühne das Telefon. Moon geht ran und Birdboots Frau ist dran. Das führt dazu, dass Birdboot auf der Bühne ist, während das Stück wieder losgeht und prompt aus dem Off erschossen wird, nachdem er die Leiche als Oberkritiker Higgs erkennt. Moon wird zum Inspector Hound und dann als der falsche erkannt und auch erschossen. Woraufhin in einer dreifachen Enthüllung herauskommt, dass der Täter der drittrangige Kritiker ist, der Moon, Birdboot und Higgs ausm Weg haben wollte. 

Sondierung als postmodernes Drama

Nun, die aktuellen Sondierungsgespräche sind aus meiner Sicht auf vielen Ebenen ähnlich. Wir haben einmal ein lock-room-mystery bei dem sich keine der Personengruppen gegenseitig trauen können und dazu eine Gruppe der Zuschauer, die Teil des Stücks sind und sich doch gleichzeitig für distanziert halten. Wie in Stoppards Stück geht es eigentlich überhaupt nicht um das angebliche Kriminalstück auf der Bühne, sondern um die Zuschauer, die sich die echte Bühne teilen. Ihre Befindlichkeiten, wie die von Moon und Birdboot, sind am Ende wichtig. Das gilt für die Balkonfotos, wie die politischen Kommentatoren, die sich darüber aufregen, dass Sondierungspapiere vertwittert werden. Wir lernen als Beobachter des gesamten Dramas eigentlich hauptsächlich etwas über die professionellen Zuschauer, die das Geschehen auf der Bühne beurteilen sollen.

Und so sind es auch bei den Sondierungen die Fragen, die uns Beobachter umtreiben. Was treibt die Kommentatoren an? Warum stehen da jeden Tag Fotografen sinnlos im Regen um Angela Merkels Gesäß an einen Sims gelehnt zu fotografieren? Die wirtschaftliche Verzweiflung und gleichzeitig arrogante Blasiertheit von Moon und Birdboot scheint eine gute Parallele darzustellen. Auch diese sind da, weil sie da sein müssen und ihre Motive haben nichts mit dem Inhalt des Stückes zu tun.

Was sagt uns das über die Protagonisten, die sich unbeobachtet für Beobachter und Bewerter halten? Birdboot, der entscheidet, welche junge Schauspielerin hochgeschrieben wird, je nachdem ob sie sich mit ihm ins Bett legt, scheint eine einfache Parallele zu Boulevardpresse wie aber auch seriöserer Medien zu sein. Die Selbstimportanz der politischen Kommentatoren ohne Einblick ist faszinierend.

Und natürlich: Wer ist der/die wahre Kanzler(in)? und: Welche der Personen in den Sondierungen wird am Ende die Kritiker erschießen?3 

  1. Das sei bitte nicht mit dieser prätentiösen Scheiße verwechselt, wie man sie z.B bei diesem Trump Theaterstück findet. Dramatische Mittel müssen immer einen Sinn verfolgen, der den Zuschauer transzendieren lässt. []
  2. Übrigens seit Anfang des Stückes, die aber freundlich ignoriert wird, bis sie wichtig wird. Postmoderne FTW! []
  3. Ich tippe da auf Christian Lindner… []

Samhain 2017

Es ist wieder Samhain, die Nacht der Toten und der Grenzen… heute ist wieder eine dieser Grenzen. 

Letztes Jahr ging es im Text Neuanfänge und ich sprach darüber, dass Samhain ein Ort der Grenzen und damit ein Symbol des Neuanfangs ist. Auf der anderen Seite gibt es in der Philosophie des Jahreskreises keine wirklichen Enden. Es endet der Zyklus, aber nicht der Kreis. Und deswegen geht es dieses Jahr darum weiterzugehen.

Also, geht weiter auf euren Wegen… und seht euch um, mit wem ihr geht. Nehmt die Menschen in eurer Nähe an die Hand und geht gemeinsam. Die Welt ist dunkel, insbesondere heute Nacht. Tragt eure Lampen gemeinsam und findet eure Wege…

Happy Samhain!

Übergänge

Übergänge

Die Straßenbeleuchtung hat noch halb die Augen geschlossen
Ein blaues Blinken fliegt durch die Dunkelheit des Parks
Das orangene Licht wirft willkürliche Schatten an den Hauswänden entlang
In der S-Bahn legt sich ein müder Kopf auf eine müde Schulter
Der Geruch der durchtanzten Nacht mischt sich mit frischem Kaffee To Go

Das Blinken wird zum Hund
Das Licht führt nach Hause
Der Ofen offenbart warme Brötchen
Eine Tür öffnet sich, eine andere schließt sich.

Wir sind hier
Aus der Welt, in der Welt
Im Nirgendwo des Morgens

WMDEDGT – Versuch

Die Vrouwelin hat ihren ersten WMDEDGT1 Eintrag veröffentlicht und weil ich manchmal ein Herdentier bin, mache ich zumindest heute mal mit. Ich verspreche nicht, dass das irgendwie dauerhaft wird…

Die Woche ist ja an sich schon etwas wonky und fürn Arsch, weil der Feiertag mir den Rhythmus raubte. Heute war dann alles irgendwie normal, aber etwas früh. Nach dem Aufstehen habe ich festgestellt, dass die aktuelle Stimmung etwas MBSR brauchen könnte.

Also, wie aktuell üblich gegen halb sechs ausm Bett gefallen, den morgenmuffeligen Hund in die windig-laue Herbstnacht herausgeführt und dann sollte es eigentlich Frühstück geben. Ich war aber total neben der Mütze und zu hungrig und bin zum Bäcker gefahren, um da zu frühstücken.

Kurz vor sieben in der Schule aufgeschlagen und einen schönen großen Stapel Arbeitsanweisungen für das neue Sozialkundethemengebiet kopiert, noch mit dem jungen Kollegen verabredet, wo wir die Klassenfotos machen und dann ab in den Unterrichtsalltag. Bis zur 5. Stunde dreimal das selbe Spiel, dazwischen endlich alle Termine für große Leistungsnachweise eingetragen und etwas mit Kollegen geredet. Dazu den Kuchen der vergeburtstagten Kollegin gemampft.

Statt die ausgefallene sechste Stunde zu nutzen, sie mit ner Kollegin verquatscht, dann zum Schreibwarenladen, auf Schulrechnung Zeug für den Workshop morgen gekauft, wieder schlecht gegessen und heim zum Hund.

Jetzt kommt der coole Teil: nix ist schöner als mit Flocke im Sturm über Wiese zu latschen, dann noch mit meiner Mutter telefoniert, während ich abspannen wollte und jetzt Ehrenamt.

Später: mit wunderbaren Menschen telefonieren…

  1. Was machst du eigentlich den ganzen Tag? []

Weil das was bringt.

In Talkshows sitzen Politiker
und bewerfen sich mit Anklagen
zu Themen, die niemand interessieren

Weil das was bringt.

Auf Facebook träumen die Vergessenen
von alter Glorie und einer einfacheren Welt
in der sie immer noch vergessen sind

Weil das was bringt.

In Schulen sitzen junge Menschen
in Reihen und lernen, dass
Zahlen auf Zetteln Leben bestimmen

Weil das was bringt.

Auf twitter gießt jede(r) über jede(m)
Häme aus, der nicht der selben Meinung ist.

Weil das was bringt?

Vor irgendeinem Haus stehen
Menschen mit Schildern und skandieren Parolen.

Weil das was bringt?

im nirgendwo wechselt
eine übermüdete Pflegekraft
einen Katheter.

Weil das was bringt.

Auf einer Couch sitzen zwei Menschen
umarmt und sprechen
über sich und ihre Welt.

Weil das was bringt.

Rocky Horror und der unverklemmte Umgang mit Sexualität und Geschlecht

Heute ist einer von diesen Tagen… deswegen geht es jetzt mal um die Rocky Horror Picture Show und Gender und Sexualität, weil es da durchaus ein paar lustige Perspektiven gibt, die immer noch aktuell sind. Doch fangen wir vorne an. Ich hoffe ihr kennt den Film1, ansonsten gibt es hier Spoiler. Bei allem, was ich hier so erzähle vergesst übrigens nicht, dass der Film immer noch ab 12 ist.

Also, die Rocky Horror Picture Show, das Anti-Musical, das Richard O’Brien schrieb, nachdem Lloyd Webber ihn nicht als Sänger haben wollte, zieht sexuelle Verklemmtheit mit einem gehörigen Maß Horror durch den Kakao. Es ist am Ende eine Geschichte zweier junger durchgeklemmter Durchschnittsamerikaner der 70er, die mit der motorisierten Kettensäge befreit werden. Doch schauen wir uns erstmal Brad und Janet an:

Wir sehen schon hier, Brad ist total unsicher und Janet eine oberflächliche Tante. Bonuspunkte für American Gothic an der Tür der Kirche. Spannender ist noch, dass Brad drei Optionen für den Verlauf einer Liebe hat: gut, schlecht und mittelmäßig, wobei letzteres irgendwie die unschönste Variante ist. Brad kann sich dazu mal überhaupt offen artikulieren und antwortet auf Janets „I’m mad for you.“ „I love you, too.“ Alles in allem total verklemmte Einheitsbeziehungsbrei, dem gesellschaftliche Glück zugeschrieben wird.

Das ändert sich Mitten in der Nacht, wenn die beiden in Frank’n’Furters Schloss ankommen. Schon die Begrüßung trieft vor Innuendo, wenn Riff Raff Janet mit dem Satz „You’re wet.“ begrüßt und dann in den berühmten Time Warp startet:

Außer, dass das alles schon angemessen durchgeknallt ist, besteht der Tanz, der dem Publikum beigebracht wird, und den schönen Namen „Pelvic Thrust“2 trägt, aus relativ eindeutigen Bewegungen. Janet fällt dann auch gleich mehrfach in Ohnmacht, während Brad versucht furchtbar männlich zu sein in dem er sie beschützt und die Kontrolle behält, während er diese schon bei geplatzten Autoreifen3 abgegeben hat.

Nach dieser Vorstellung fangen wir dann an mal etwas tiefer einzusteigen, wenn Frank’n’Furter4 mit dem Fahrstuhl in die Szene herabfährt und Janet wieder in Ohnmacht fallen lässt:

Franks Crossdressing und seine generelle ironische Verachtung von Brads Ernsthaftigkeit zeigen schon, dass in seiner Welt alle Regeln nicht gelten, die Brad und Janet für angemessen halten. Frank überschreitet binnen kürzester Zeit einmal alle Grenzen und seine Selbstbezeichnung als „Sweet Tranvestite from Transsexual Transsilvania“ macht es nicht einfacher. Er beschließt die beiden jungfräulichen Spießer mit in sein Labor zu nehmen, um ihnen sein Experiment zu zeigen. Dafür werden Brad und Janet bis auf die Feinrippunterwäsche ausgezogen und verwundbar unter jede Menge sehr formell oder anzüglich gekleideter Menschen gestellt. Wie in „Sweet Transvestite“ angekündigt möchte er seine Kreation Rocky zum Leben erwecken. Das ultimative Spielzeug für den moralisch bankrotten Omnisexuellen, der er ist. Das passende Lied heißt dann auch „I Can Make You a Man“ und trieft vor Innuendo. Die Tatsache, dass Janet langsam auftaut und den weitaus „männlicheren“ Rocky ziemlich geil findet, zeigt dann auch die Wege auf, die Brad und Janet gehen. Während Brad immer mehr in eine Krise der eigenen Männlichkeit fällt, befreit sich Janet langsam. Das fängt mit ihrer Begeisterung für Rockys Muskeln an, geht dann aber in eine Tiefe, die sich in der Floor Show zeigt. Doch vorher kurz zu Eddie und Columbia und das nicht nur, damit ich diese musikalische Meisterleistung verlinken kann:

Der Stuntman fiel übrigens bei Versuch 1 mit dem Motorrad vom Vorsprung und verletzte sich dabei. Wir können sehen, dass Columbia den eher unangenehmen (und vielleicht sogar leicht misshandelnden) Eddie doch vergöttert und er Zeichen seiner Zuneigung zeigt. Das ist vielleicht die einzige halbwegs gesunde Beziehung hier, zwischen dem Groupie und dem rücksichtlosen Ex-Lieferjungen.5 Was nur zwischen den Zeilen klar wird: Eddie teilt sich das Hirn mit Rocky. Ist aber eh, egal, weil Eddie ist ja dahin und Columbia ernsthaft im Herzen gebrochen.

Frank’n’Furter interessiert das alles nen Scheiß. Er hat seinen Rocky und nimmt den erstmal ins Bett mit. Nachdem er sich mit Rocky vergnügt hat, erscheint er allerdings nacheinander mit dem selben Trick bei Janet und Brad6 und legt beide flach. Janet, die ein schlechtes Gewissen hat und gleichzeitig erstaunlich rattig ist, findet den verängstigten Rocky und ähja.

Auf der einen Seite sehen wir, dass Janet irgendwie ihre Selbstsicherheit gewonnen hat und Rocky relativ klar anleitet, während Columbia und Magenta da irgendwas laufen haben.7 Die beiden haben sichtlich Spaß daran zuzusehen, wie Janet sich selbst entdeckt. Brad wiederum ist vollkommen verstört und Frank’n’Furter totsauer. Immerhin ist Rocky sein Spielzeug, das Janet doch bitte nicht wie einen Menschen zu behandeln hat. Das verschlimmert sich noch, als Dr. Scott auftaucht, ein UFO Forscher, der seinen Neffen Eddie sucht.8 Also zurück zu Eddie und Columbia. Bei einem durchgehend eigenartigen Abendessen erzählt Dr Scott und der Kiminologe9 vom traurigen Leben Eddies und seiner Angst vor Frank’n’Furter:

Während Frank komplett gelangweilt ist, zeigt Columbia ihre Zuneigung. Na gut, „I very nearly loved him.“ zeigt auch, dass es anscheinend schwer ist, einen Verbrecher wie Eddie zu lieben, obwohl er Sympathie verdient hat. Vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass Eddies Leiche unter dem Essentisch liegt. Als Frank dies zeigt, flüchtet sich Rocky automatisch zu Janet und Frank tickt komplett aus. Er verwandelt alle Beteiligten in Statuen um dann eine Bühnenshow vor leerem Saal abzuziehen in der eigentlich nur er in der Mitte steht.

Allerdings erfahren wir hier auch die Motivationen aller Charaktere nochmal und sehen: Rocky ist komplett verwirrt, Columbia hat Herzschmerz, Janet findet Sex geil und ist selbstbewusster, während Brad auch an allem, was richtig ist zweifelt. Die Strapse tun jetzt nicht wirklich was das besser zu machen. Oder der Pool10, oder…

Wichtig ist hier vielleicht noch die Zeile, die wohl die größte Aufforderung des Filmes ist: „Don’’t dream it, be it.“ Die Aufforderung zur Emanzipation, die wünschenswert ist, aber auch große soziale Konsequenzen haben kann. 

Sie kommt von Frank, der aber einfach nur selbstzentriert ist und sich hinter wilder hedonistischer Sexualität versteckt, die allerdings im nächsten Lied gebrochen wird, wenn er angestachelt durch Magenta und RiffRaff traurig sagt, dass er heimkehrt.

Das passiert dann nicht. Der ewig vernachlässigte RiffRaff tötet Columbia, Rocky und Frank, lässt die Menschen im Krater des verschwundenen Hauses und den rauchenden Ruinen ihre Identitäten zurück.

Wie geht es danach für Brad und Janet weiter? Der eine ist sich seiner vorher schon fragilen Männlichkeit komplett unsicher, die andere ist selbstbewusst und möchte gerne mehr Sex in einer Welt, die sie als Frau gerne als devote Kindergebährmaschine hätte. Ihre Verklemmungen sind gelöst, doch um welchen Preis in einer Welt, die sich bis heute in dieser Hinsicht kaum geändert hat? 

Da bleibt nur der Endsong zu zitieren:
„And crawling on the planets face
Some insects called the human race
Lost in time and lost in space
And meaning.” 

  1. Hallo?, das ist ein Klassiker! Wenn nicht ansehen! []
  2. Schaut’s selbst nach… []
  3. Gummi… []
  4. In der Neuverfilmung übrigens als Transfrau/Drag Queen mit dem Pronomen she. Whatever floats your boat. []
  5. Dazu später mehr… []
  6. In der Reihenfolge… []
  7. Die Micky Maus Mütze ist geil, oder? []
  8. Ups. []
  9. DIESER MANN HAT KEINEN HALS! []
  10. In dem sich Susan Sarandon fast ne Lungeentzündung geholt hat. []

Keine Spiele…

Wer uns beim Soziologischen Kaffeekränzchen schon zuhört, der weiß schon, dass das Soziale eher so schwierig ist und zwischen Menschen sehr viel abgeht und es gleichzeitig komplex ist. Die sozialen Medien, die eigentlich gar nicht so sozial sind, haben das nicht leichter gemacht.

Und so fängt dieser Eintrag mit ein paar Erkenntnissen an und mäandert sich in eine Handlungsaufforderung hinein. Bleibt dabei, es kann sich lohnen.

Also, generell neigen soziale Beziehungen dazu, dass Kommunikation in ihnen kommunal definierten Konstrukten entsprechen soll. Ein kommunal definiertes Konstrukt ist ein Stückchen heimlicher Konsens darüber wie eine Person und eine soziale Gruppe über ein bestimmtes soziales Phänomen zu sprechen und bevorzugt auch zu denken hat. Es definiert also, was zu einem Sachverhalt sagbar ist, und wer auf welche Art spruchfähig ist. Das ist natürlich ganz großer Quatsch. In einer sozialen Beziehung sind erst einmal alle Menschen gleich spruchfähig und alles ist sagbar. Die Konsequenzen errechnen sich aber aus den kommunalen Konstrukten, an die sich alle anderen erst einmal implizit halten. Die sozialen Strafen, die für das unhinterfragte Einhalten dieser Konstrukte gezahlt werden, sind aber fast genauso groß wie diejenigen, die es für das Nichteinhalten zu zahlen gibt. Um genau zu sein, sind diese Strafen sogar garantiert, während es bei Nichteinhalten immerhin die Chance geben kann, dass sich etwas an der kommunikativen Landschaft um einen herum ändert. Doch, die kommunalen Konstrukte sind stark und die Leute glauben, dass das Gerümpel, dass ihnen qua Sozialisation ins Hirn gelegt wurde, in ihrem Leben so imperativ sind, dass es sofort an die eigene Identität geht, wenn das Verhalten der Person gegenüber unerwartbar wird. Dabei wäre es eine große emanzipatorische Leistung, wenn diese Menschen die Konstrukte erkennen und reflektieren können und das ist nur die pädagogische Seite. Wichtiger ist noch: es würde viel persönliches Unglück vermeiden. Denn die Erfahrung der konstanten Identitätskrise ist weder sonderlich angenehm noch einem gesunden Leben förderlich.

Das ist jetzt schon eklig, furchtbar und ein Problem, doch es hört da nicht auf. Die Tatsache, dass viele Menschen vieles für unsagbar halten, führt dazu, dass sie versuchen Kommunikation auf impliziten Ebenen zu führen. Dabei muss die Person, die da kommuniziert davon ausgehen, dass ihre Sendung so verstanden wird, wie sie gemeint ist. Da aber implizit kommuniziert wird, kann sich der Sender gar nicht sicher sein, dass der Empfänger das „richtige“ versteht. Das ist schon bei direkter Kommunikation ein großer Spaß, herauszufinden, ob und wie man verstanden wurde. Implizit ist es Gänseblümchensuchen im nächtlichen Minenfeld. Das hält Menschen natürlich nicht auf. Direkte Ansprache ist meist aus Gründen der eigenen als wahr und unumstößlich angenommenen kommunalen Konstrukte nicht möglich, weil es dann ja wieder an die eigene Realität und Identität geht und Verwundbarkeit ja die Katastrophe an sich ist. Also wird versucht implizit über diese kommunalen Konstrukte zu kommunizieren. Da wird es halt spaßig, wenn die andere Person die Konstrukte nicht teilt, oder aber kennt und dann ignoriert. Die Peinlichkeit des ganzen Verfahrens ist also greifbar. Man könnte auch sagen: das sind alles Spiele, die gespielt werden, damit Menschen ihre eigene Welt in Konsistenz halten. Kognitive Dissonanz ist halt schrecklich und wenn man im Rahmen der eigenen kommunalen Konstrukte kommunikativ handelt, dann glaubt man, dass das auch die passende Wirkung hat. Nichts ist natürlich weiter von der Wahrheit entfernt. Direkte Kommunikation ist die einzige, die uns am Ende die Möglichkeit des Verstandenwerdens ermöglicht. Aber diese bürgt halt auch die Möglichkeit, dass man selbst verstehen muss, dass die eigene Welt und die eigenen Vorstellungen nicht kongruent mit der Welt und der Realität der anderen Menschen um einen ist und im Zweifel vielleicht nicht mit der von Menschen, die einem etwas bedeuten. Im Ernstfall können da halt komplette Lebenslügen auffliegen und das ist furchtbar. Also, schön indirekt kommunizieren und hoffen, dass die Welt schon mitkriegt was gemeint ist. Oder anders: schön Spiele spielen.

Und damit sind wir an der Stelle, wo wir von der Analyse zur Handlungsaufforderung kommen. Liebe Leserschaft, versucht nicht Spiele zu spielen. Ich selbst habe langsam keine Lust mehr darauf und ich kann verstehen, warum es vielen anderen Menschen auch so geht. Wir haben das alle nicht nötig, und wenn wir glauben, dass wir es nötig haben, sagt das doch auch etwas und das ist nicht charmant.

Also… keine Spiele. Wir haben besseres zu tun…

Crowdfunderei

Diesmal etwas anderes… mir fiel auf, dass ich relativ viel Zeug in letzter Zeit gefunded habe und da dachte ich mir, das kannste ja auch mal erzählen, vielleicht will ja noch jemand mitmachen.

Los geht es mit dem wohl moralischsten Funding: All Creatures Welcome ist ein Film über das CCCamp und die Congresse. Wenn genug Geld zusammenkommt, dann ist der Film komplett frei. Gehet hin, gebet.

Dann kommt ein Produkt von dem ich mir viel verspreche. Die Prepd Lunchbox ist ein modulares System mit angeschlossener App, bei dem hoffentlich am Ende gesünderes Mittagessen in der Schule rausfällt. Weil das könnte ich dringend gebrauchen.

Wo wir schon in der Schule sind, kommt mit dem Everyday Backpack etwas, was ich sogar schon habe. Mein getreuer Schulrucksack ging nach mehr als 7 Jahren den Weg allen Irdischens und ich suchte einen Ersatz, der nicht so schrecklich lehrerhaft ist wie z.B. die Maxima Classic (Achtung Link führt zu einem wunderbaren Produktvideo.) Der Rucksack ist kleiner als sein Vorgänger, aber es geht alles rein, was ich heute noch brauche: Lehrerkalender, Zettelorganiser und Laptop und Stiftsammlung. Dazu ist das Everyday Backpack noch unheimlich flexibel und sieht nicht scheiße aus.

Wo wir bei Zeug für die Schule sind, kommt jetzt etwas eigenartiges. Ich habe das Butterfly Board gesehen und sofort erkannt, warum ich das haben will. Ich mache regelmäßig impromptu Lernsessions und Nachhilfe mit Leuten und die magischen Worte sind dann meist: „Hast du nen Zettel und nen Stift?“ Nachdem die Jugend dann eh den Zettel sinnlos fotografiert, kann ich Dinosaurier mein kleines flexibles Whiteboard mitschleppen.

Weiter geht es mit Skinners. Nachdem mir aufn Congress viele Leute gesagt haben, dass ich nicht so aussehe, wie ich klinge, kommt jetzt vielleicht der zweite Schock: ich laufe unheimlich gern barfuß rum, wenn es nicht dienstlich ist und die Dinger passen da sehr gut hin.

Als letztes von indiegogo gibt es noch Musik, nämlich ThunderCrow. Rob und Daphyd spielen auch bei Omnia mit und das war Grund genug.

So, bei Kickstarter habe ich hauptsächlich Gaming Kram. Zum einen das Gamefolio System mit dem ich hoffe meine Brettspiele etwas besser zu verstauen. Das müsste eigentlich bald hier eintreffen. Im Endeffekt ist das ne Tasche mit den Folios drin, mit der Spiele einfach transportiert werden können.

Das Spiel, was sicher nicht hineinpasst ist Kingdom Death Monster 1.5. Der höchste Betrag, den ich je in ein Crowdfundig geworfen habe, aber auch ein Spiel, dass ich UNBEDINGT haben wollte. Ich mein, schaut euch die Minis an, und das Feld und die Minis!!!

Als letztes und wohl am längsten laufendes Spiel habe ich noch Geld für die PDFs des Infinity RPGs abgeworfen. Es ist immer noch nicht vollständig fertig, aber nunja… RPG geht immer.

2016 – Wrap Up

So, das Jahr nähert sich dem Ende und dem Lärm auf der Strasse folgend, bereiten sich alle darauf vor möglichst laut und schnell raus zu kommen.

Rückblick

So, dann schauen wir mal. Eigentlich war 2016 ganz okay. Ich hatte weniger Stress, mehr Bewegung und generell mehr Wurschtigkeit, alles gute Dinge.

Projekte

Fotografisch hat sich wenig getan, aber ich hab ein paar schöne Bilder in London und in Bamberg hinbekommen. Infinity hat sich stabilisiert, auch wenn nächstes Jahr endlich mal anstehen müsste, das Turnierspiel hier zu etablieren. Dazu kam ein neuer Podcast, den wir gleich mal auf die Bühne des 33c3 gebracht haben.

Alles in allem lief 2016 ziemlich gut, auch wenn die Politik und Welt sich nicht im Sinne des liberalen Westeuropäers mit mittleren bis hohen Sozialstatus entwickelt hat.

Wie immer gibt es hier den Hinweis, dass selbst sozial genierte Grenzen Macht haben und wir an ihnen am ehesten auf die Idee kommen, dass wir Selbstwirksamkeit und Agency in der Welt haben. Wir haben die immer, aber an Grenzen kann jeder sie sehen und warhnehmen.

Ich wünsche euch allen einen schönen Jahresübergang, trefft die Entscheidungen, die ihr euch nicht zu treffen trautet, schaut neu auf die Welt und tut was damit sie besser wird.

Und: Glitzer im Bart ist in!