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HCH024 – Unterricht mit Smartphones

Ich wurde gefragt, ob ich mal sagen kann, was ich dazu mache und es wurde ein kleiner Rundumschlag durch die Didaktik, mit einem kleinen Abstecher dahin, was ich so im Sozialkundeunterricht mache.

Shownotes

Über Handlungsfähigkeit…

Nachdem es beim letzten Mal um Skills und die Idee ging, dass Inhalte Skills erst wertvoll machen, muss ich auch über eine zweite soziale Dimension reden, die mich da umtreibt. Fähigkeiten und Inhalte sind nämlich leider nur soviel wert, wie sich die einzelne Person zutraut. Und da beobachte ich eine Veränderung in die Richtung, dass immer weniger Leute ihre eigene Handlungsfähigkeit (Agency) und Selbstwirksamkeit in der Welt wahrnehmen. Darauf gestoßen haben mich die Geschichten von Menschen um mich herum, bei denen es sehr viel um Körperbestimmung geht. Fangen wir mal da an, und werden dann irgendwie allgemein.

Es ist dein Körper…

Die Geschichten, die ich hierzu kenne, sind weniger meine eigenen. Ich bin zwar volltätowiert, aber halt auch ein großer weißer hetero- und cis-gelesener Mann. Leute finden mich eigenartig, aber halten generell den Mund. Anders ist das bei meinem weiblichen Umfeld. Da das aber für sich selbst sprechen kann1, werde ich das nur grob umreißen. Das weibliche Umfeld hat sich nämlich zum einen großflächige Tätowierungen in „unweiblich“2 stechen lassen oder vor der Frage gestanden3, ob es sich ein Piercing stechen lässt. Das führt zu allerlei Einlassungen von außen, die irgendwelche Bilder an das Umfeld herantragen, seien es dezidierte Machtaussagen von Menschen, die glauben, dass romantische Beziehungen Machtbeziehungen sind4, oder aber antiquierte Vorstellungen von Schönheit.5 Dabei ist natürlich klar, dass entgegen dem gesellschaftlichen Mythos die Person selbst erst einmal Hoheit über ihren Körper hat. Auch, und eigentlich dann insbesondere, wenn sie diese nicht vollständig ausüben kann. Ich habe komische Tattoos und das ist mein Ding. Dasselbe gilt für sexuelle Präferenzen und so weiter. Egal wie sehr konservative Politiker und ähnliche Instanzen da hereinreden wollen, ist es grundsätzlich so, dass der Körper zur Person gehört.

Agency

Nach dem eher dogmatischen Statement geht es jetzt um die Frage, was das denn eigentlich bedeutet. Die Konstruktionsmacht der Person durch die Gesellschaft ist stark und wird immer wieder sozial reproduziert. Dabei geht sehr oft die Handlungsfähigkeit der Person im wahrgenommenen Druck der Gesellschaft unter. Die Konformitätsdrohung münzt sich in der individuellen Erfahrung in Gefühle von Ungeliebtheit und damit soziale Erwünschbarkeit um. Du wirst nur geliebt und bist nur wertvoll, wenn du dich richtig verhältst, also mit dem was du tust nicht den Rahmen dessen verlässt, was allgemein als gutes Verhalten konstruiert wird. Also bitte keine großen Bodymods, bitte über sexuelle Gewalterfahrungen durch Machtkonstruktionen schweigen, bitte immer so tun, als wäre jeder Stress willkommen und soundso kein Problem oder bitte immer perfekte Eltern sein und zwar nach allen sich-widersprechenden Elternratgebern gleichzeitig. Dieser Druck nimmt der einzelnen Person die Möglichkeit im Rahmen ihrer Beziehungen und in Bezug auf sich kompetent und eigenständig zu handeln. Individuelle Handlungsfähigkeit und das Nutzen alle Möglichkeiten, die einer Person zur Verfügung stehen sind aber integral für das Selbsterlebnis als eigenständiges Individuum, und das unbenommen von Sozialisation.

Dieses Phänomen wird mit dem Blick in niedrigere soziale Statusgruppen noch deutlicher. Hier wird ja nicht nur sozialer, sondern auch ökonomischer Konformitätsdruck ausgeübt. Die EmpfängerInnen von ALG II und ähnlichen Transferleistungen müssen sich in ihre Leben und damit ihre Handlungsfähigkeit in einem Maße hineinredenlassen, die vielen modernen Pseudopädagogen bei Kindern sofort die Zornesröte ins Gesicht steigen ließe. Die Unwürdigkeit, die da gegenüber Kindern reklamiert wird, ist dann bei Erwachsenen Menschen, die aus ihrer unabhängigen Handlungsfähigkeit viel Identität ziehen umso schlimmer.

Die sozialen Konstrukte, die benutzt werden um Menschen davon zu überzeugen, dass sie gegenüber sich selbst nicht handlungsfähig sind und keine Selbstwirksamkeit mehr haben, sind zutiefst schädlich und normal.

Und nu?

Hilft eigentlich nur etwas dagegen zu tun. Weil der einfache Ratschlag „Dann mach doch, was du willst.“ ist zwar richtig, aber auch zynisch. Denn Menschen, die immer wieder die Erfahrung gemacht haben, dass ihre eigene Handlungsfähigkeit in Frage gestellt wird, egal wie wohlmeinend das getan wurde6, trauen sich irgendwann selbst nicht mehr zu das Richtige zu tun, obwohl das nicht existiert.7 Also braucht es die wohlmeinende Hilfe von außen, die Menschen immer wieder darauf zurückführt, dass sie ihre Entscheidungen selbst treffen müssen. Man kann eine Meinung äußern, aber diese Meinung als für die andere Person als wichtig oder gar richtig aufzufassen ist übergriffig. Es ist nett zu wissen, was die anderen denken. Das bedeutet nicht, dass das auch nur im geringsten eine Richtlinie ist. 

  1. Und ja nichts dem Feminismus mehr hilft, als wenn Männer für Frauen sprechen… []
  2. Fragt mich, bitte, bitte nicht, was das ist. Es wurde mir berichtet. Ich dachte weiblich sei das mit den Brüsten und der Vulva, und davon gerne auch was optional. []
  3. Und die anscheinend im Sinne dieses Textes beantwortet. []
  4. Bitte hören Sie hierzu unser soziologisches Kaffeekränzchen zu Liebe []
  5. Hören Sie hierzu das passende Kaffeekränzchen über Schönheit. []
  6. Ich als Lehrer und total wohlmeinender Mensch muss auch aufpassen, dass ich das nicht tu… Es ist eben nicht einfach. []
  7. Hier kann man dann auch endlich mal von Gaslighting sprechen… []

Bitte nicht beim Skill stehen bleiben…

Ich habe ja viel mit Bildung und so Kram zu tun, immerhin arbeite ich da ja, und eine Sache, die mir immer wieder auffällt, ist wie wenig eigentlich darauf geachtet wird, dass die jungen Menschen mit den ganzen tollen Kompetenzen und Fähigkeiten, die sie so von uns beigebracht (bekommen sollen)1 eigentlich nichts anfangen können. Warum das so ist, versuche ich hier mal zu erklären.

Theorie und Praxis

Theorie und Praxis stehen sich im Verständnis vieler Menschen immer antagonistisch gegenüber. Theorie ist grundsätzlich so komisches Rumgedenke, dass in Schulen und Unis gemacht wird und da als Grundlage von hohem Sozialstatus gilt.2 Praxis hingegen ist das was in der Realtität wichtig ist. Der Theoretiker ist als schlauer als der Praktiker, der wiederum weiß, wie es wirklich geht.

Beide Vorstellungen sind natürlich totaler Käse. Theorie informiert Praxis und Praxis informiert Theorie. Nur im Wechselspiel zwischen beiden kann irgendetwas entstehen. Es hilft halt nicht, eine Schraube anziehen zu können, wenn ich nicht weiß, welchen Zweck diese Schraube im Großen und Ganzen so hat. Der Ingenieur ist halt ohne den Naturwissenschaftler, der Neues erforscht, gelangweilt und aufgeschmissen, wie der Naturwissenschaftler ohne den Ingenieur nicht forschen kann. Soziale Theorien sind nur so gut, wie sie empirischen Erkenntnissen entsprechen.

Theorie und Praxis befinden sich also nicht in einem Kampf, sondern eher in einem Tanz um die gemeinsamen Probleme.

Der Unterschied zwischen den Mitteln und den Inhalten

In den letzten Jahren hat im Bildungssystem ein steter Trend weg von Inhalten hin zu Skills stattgefunden. Die vielbeschworenen Kompetenzen haben da den Weg geebnet und die Konstruktion der „Wissenskompetenzen“ zeigt auch, wie kaputt der Kompetenzbegriff hier schon ist. Kompetenz sollte eigentlich bedeuten, dass eine Person Probleme eigenständig lösen kann und das auch bei ähnlichen Problemen, die diese Person nicht vorher mal eingeübt hat. Aussehen tut es dann so, dass immer mehr hochformalisierte Skills ohne große Freiheitsgrade gelehrt werden. Es ist halt einfacher eine Musterlösung auswendig lernen zu lassen, als Menschen die Unsicherheit zuzumuten einfach einen Text zu produzieren. Das ist natürlich ein komplett unnötiger Skill, aber selbst wenn wir sowas wie Integralrechnung nehmen, dann wird es auch nicht besser, wenn die Relevanz für die Lebenswelt fehlt. Nun werden die Mathematiker sagen, es geht hier um die Schulung des logischen Denkens und der Punkt ist in Ordnung, allerdings wäre das auch einfacher vermittelbar, wenn es da mal Inhalte gäbe.3 

Skills sind also ohne Inhalte sinnlos. Trotzdem gibt es einen festen Glauben, dass die Fähigkeit eine komplexe Handlung auszuführen an sich schon eine Qualifikation bedeutet. Das erkennt man unter anderem in der Lehrerbildung. Ist die Person im Referendariat in der Lage einen Stundenablauf zusammenzulügen und eine Überschrift an die Tafel zu malen, kann sie auf Kinder losgelassen werden. Menschliche Eignung spielt eine eher untergeordnete Rolle, wenn nicht gerade Unterordnung in eine Hierarchie gemeint ist. Dass dann am Ende irgendwie wichtig ist, was da so erzählt wird, dass inhaltliche Kompetenz und vor allem auch intellektuelle Kompetenz eine immanente Rolle spielen, wird halt gerne vergessen, wenn der Stundenablauf gut aussieht.

Der wahre Skill ist halt genau da, wo ihn keiner vermutet und informiert von Inhalten, die auch gewusst und verstanden sein wollen.

In die Zukunft…

Nachdem ich öfter von jungen Menschen gefragt werde, was sie denn mit ihrer Zukunft anfangen sollen, möchte ich meine Perspektive geben.4 Zum einen ist formale Bildung heutzutage nur noch wertvoll, weil sie Zettel generiert, die Sozialstatus bedeuten. Das ist großflächig ein Cargo Cult der Moderne: Ich habe einen Zettel und kann auf einmal was. Auf dem Weg zu dem Zettel kann Bildung stattfinden, aber das ist nicht verpflichtend und auch nicht so häufig wie gedacht wird. Deswegen gibt es immer mehr Bereiche in denen formaler Bildung misstraut wird und in der die formularische Ausbildung sogar kontraproduktiv sind. Das ist vor allem in kreativen und künstlerischen Berufen der Fall. Die haben einen handwerklichen Anteil, aber die wahre Bildung ist das, was die Menschen beim Ausprobieren des Handwerks an Erfahrungen sammeln. Das ist auch ein Kontrapunkt zum immer verschulteren Hochschulwesen, das Ausbildungen, in denen Dinge getan werden, durch Studiengänge ersetzt, in denen hauptsächlich Dinge gelernt werden. Dazu kommt, dass formale Ausbildungen den Blick unheimlich einschränken. Oder wie es Neil Gaiman in dieser Commencement Speech so schön sagt:

First of all: When you start out on a career in the arts you have no idea what you are doing.

This is great. People who know what they are doing know the rules, and know what is possible and impossible. You do not. And you should not. The rules on what is possible and impossible in the arts were made by people who had not tested the bounds of the possible by going beyond them. And you can.

If you don’t know it’s impossible it’s easier to do. And because nobody’s done it before, they haven’t made up rules to stop anyone doing that again, yet.

Oder wie ich als Lehrer gerne sage: „Wenn wir SchülerInnen nicht sagen, dass etwas zu schwer ist, dann merken die das nicht und tun es einfach.“ Formale Bildung tut das aber die ganze Zeit und die Reaktion der Schülerschaft auf Freiheitsgrade in Aufgaben ist oft die von Angst und Unsicherheit und selten die von Freude. 

Das Unterscheidungsmerkmal für gute Arbeit wird also immer mehr der Inhalt und die Anwendung der Skills, die es zweifelsohne braucht. Und das ist auf jedem Level wahr… und manchmal sogar wahrer für die „kleinen“ Jobs wie Handwerker als für die tollen akademischen Berufe, die sehr oft nur glorifizierte Bürojobs sind.

Es ist halt wichtig, nicht zu glauben, dass irgendetwas gut zu können, ein Garant für Erfolg oder Anerkennung oder auch nur ein Wert ist. Das wird alles erst wertvoll, wenn es mit Inhalten, Menschlichkeit und Authentizität gefüllt wird. Also bitte nicht beim Skill stehen bleiben… 

  1. Glaubt das jemand ernsthaft, dass das so funktioniert? o.O []
  2. Herr Bourdieu an die Infotheke bitte! []
  3. Das wird dann mit absolut peinlichen „lebensweltlichen“ Aufgaben probiert, die primär zeigen, dass die Menschen, die sie erstellt haben, in ihrer Lebenswelt keine Notwendigkeit für diese Inhalte haben. []
  4. Achtung: ich bin so hoch privilegiert was das alles angeht, dass es total ironisch ist, dass ich das tue. Es ist mir bekannt, dass ich lebenszeitverbeamtet bin und mir überhaupt keine Mühe geben muss… entsprechende Einlassungen darf man sich klemmen. []

HCH023-Unterrichtsstunde englische Zeiten

Im Nachgang zu den Schulsprechern über den Schuljahresanfang wurde ich nach der berühmten “englische-Zeiten-in-90-Minuten” Stunde gefragt. Und deswegen erkläre ich die hier jetzt mal mit Bildern und Downloads und so weiter.

Das ist OER. Die Arbeitsblätter und Infoblätter sind gemeinfrei und brauchen auch nicht mich als Quelle. Alle anderen Quellen stehen drauf.

Einstieg

Progressive

Infoblatt Progressive erste Seite ist die Lösung. 😉

Übungblatt Progressive

Perfect

Infoblatt Perfect

Übungsblatt Perfect gibt keine Lösung, ihr könnt das auch so. 😉

Perfect Progressive

 

 

Das Care Prinzip

Ich sitze gerade auf einer Parkbank unter den Linden in Berlin und genieße einen Tabletoppodcast während der berliner Morgenverkehr um mich herum versucht mich mit Feinstaub und Stickoxiden zu vergiften. In ungefähr zwei Stunden habe ich den ersten Termin meiner Fortbildung bei der bayrischen Botschaft in Berlin und bis dahin kann ich ja mal etwas aufschreiben, dass für mich mittlerweile sehr selbstverständlich ist, aber vielleicht mal erzählt werden sollte.

Die Konsequenz des Sozialen

Wir sind alle in einer Welt miteinander und haben mehr oder minder direkt miteinander zu tun. Sei es mittelbar wie bei den gerade aufkommenden Wahlen, oder unmittelbar, weil wir miteinander Lebenszeit und -räume teilen. Und wir haben dabei eine Wahl, die David Foster Wallace in seiner Rede „This is Water“ folgenderweise beschreibt:

The really important kind of freedom involves attention and awareness and discipline, and being able truly to care about other people and to sacrifice for them over and over in a myriad petty, unsexy way every day. That is real freedom.

Wir können uns also aussuchen, ob wir für andere Menschen etwas empfinden und ob wir für andere Menschen Sorge tragen. Nachdem im sozialen Raum jede Handlung einen Gegeneffekt hat und dieser sehr oft reziprok ist, gibt es rational gut Gründe sich um andere Menschen zu kümmern. Das haben wir als Gesellschaft in der Größe allerdings professionalisiert und deswegen entsteht der Anschein, dass wir selbst uns wenig kümmern müssen. Meine These ist, dass care – also die Idee, dass eine Person sich um jemanden sorgt und passend handelt -, ein wichtiges Prinzip ist, dem man sich verschreiben sollte.1

Moderne Kälte

Ein Hauptgrund ist, dass die moderne arbeitsteilige Gesellschaft gut dafür sorgen kann, dass organisch gewachsene Solidarität nicht mehr stattfindet. Wir sind immer weiter verteilt und bekommen sehr gerne eingeredet, dass wir nur für uns sind. Das erste ist wahr, das zweite totaler Quark. Es ist einfach zu glauben, dass man allein in der Welt ist, aber das ist objektiv nicht wahr und subjektiv eine Katastrophe. Die Kälte des sozialen Raums, die viele Menschen heutzutage erleben ist also nur teilweise eine Funktion der differenzierten Gesellschaft, wie es schon bei Durkheim in der Abhandlung zum Selbstmord beschrieben wurde, und ansonsten eine Funktion verschiedener sozialer Konstrukte, die ich als schädlich bezeichnen würde. Die Konsequenzen für die einzelne Person sind aber eher so unangenehm bis gefährlich. Viele Menschen haben unzureichende Supportnetzwerke, die im Zweifel auch aus anderen Leuten bestehen, die glauben, dass ihre Interessen der ultimative Maßstab für ihr Handeln ist und haben dazu beigebracht bekommen, dass um Hilfe fragen ein Zeichen von Schwäche ist, dass soundso nicht beantwortet wird.

Das ist alles tragisch. Es führt zu Konkurrenzhetze, Nervenzusammenbrüchen, Burnouts und vor allem vielen Therapiestunden, die sich die Gesellschaft sparen könnte, wenn wir füreinander da sind. Wertschätzung, Hilfe und vor allem die Überzeugung, dass der und die jeweils andere unsere Aufmerksamkeit und Zuwendung wert sind, wie wir sie selbst wert sind, sind alles etwas verloren gegangene Ideen. Sie waren in den Zeiten der engen, kleineren sozialen Gemeinschaften, die aufeinander angewiesen waren häufiger, genauso wie die Strafen für Missachtung gemeinschaftlicher Regeln härter waren. 

So… Care!

Es ist aber leider ein Fehlschluss zu glauben, dass nur weil unsere sozialen Kontakte sich nun über Kontinente erstrecken können, wir nicht füreinander da sein sollten. Die selben Medien, die uns diese Lebensstile ermöglichen, sind dann auch diejenigen, die wir dafür nutzen können uns weiterhin um Menschen zu kümmern und ihnen zu zeigen, dass sie für uns wichtig und damit nicht allein sind. Im  Umkehrschluss können wir selbst auch erfahren, dass wir selbst nicht allein sind. Die soziale Kohäsion der Gesellschaft ist wichtiger als wir glauben. Sie beruht darauf, dass Menschen füreinander und miteinander die Welt gestalten. Differenzen dürfen sind dabei normal und wichtig, aber sie sollten und können nicht der Anlass dafür sein, dass die Person gegenüber unserer grundlegenden Aufmerksamkeit nicht wert ist und dass wir Menschen, die uns wichtig sind, vergessen. Denn wir wollen auch nicht vergessen werden und brauchen manchmal Care…

  1. Ja, das ist eine Empfehlung. Und so selbstlos ist die nicht. []

Ich bin wahlmüde…

Ihr habt die Überschrift gesehen, ich bin wahlmüde. Jetzt werden sich einige denken: „Aber du bist doch Sozilehrer!“ oder „Aber du bist doch immer so laut, was Politik angeht.“ Ja, bin ich und ich bin müde. Weil es dafür aber Gründe gibt und weil die wiederum viel mit der Welt da draußen zu tun haben, werde ich diese mal formulieren.

Scheiße, ist das langweilig.

Es ist so schon nervig dem Brimborium der Wahlen zu folgen. Mit Angela Merkel, die Einlullen als Politikmodus etabliert hat, und Martin Schulz, der als Person die Intensität eines weichen Kekses besitzt, hat das alles nun die anregende Wirkung einer Schlaftablette. Langweilige Menschen reden über langweilige Sachen und über sich selbst. Ist es nicht toll… also der Entertainmentwert ist so niedrig wie noch nie.

Nicht die Zielgruppe.

Ich bin anscheinend nicht die Zielgruppe dieser Wahl. Also so mit Mitte 30, gutem Einkommen, hoher Steuerlast und der Option eine Familie zu gründen, bin ich schon mal uninteressant. Aber weder meine FreundInnen mit Familie, meine FreundInnen in der Ausbildung, meine FreundInnen in der Wirtschaft noch irgendwer anders, nichtmal meine Eltern sind irgendwie die Zielgruppe dieser Wahl. Anscheinend soll hier die potente Gruppe der reichen Ausländerfeinde irgendwie Thema sein. Angesprochen fühle ich mich gerade so von einer Partei und die kompletten Themen berühren meine Realität nicht.

Selbstreferenzielles Mediengeblubber und abwehrendes AfD Gepushe

Die klassischen Medien scheinen mir auch komplett disjunkt von meiner Wirklichkeit zu sein. Ich weiß ja nicht worüber die reden, aber relevant für mich ist es nicht. Die Social Media Welt ist hingegen voller passiv-aggressiver Scheiße, die eine diffuse Angst vor der AfD verbreitet und gleichzeitig das beste tut, diese Partei immer wieder zu erwähnen. Anstatt endlich aufzuhören gegen die reden und stattdessen positive Botschaften zu senden. Wie wenig negative Botschaften bringen, kann Hillary Clinton erzählen. Sie machen nur die eigenen Reihen hysterisch, wenn das selbstaufgebaute „Böse“ dann doch im Bundestag sitzt. Konstruktiv wäre ja schön, positiv wäre auch schön. Bei der Hysterie möchte ich am liebsten allen Dildos schenken.1 Und bitte dabei nicht über die AfD reden, sondern darüber, was wir für eine Welt haben wollen. Und das immer wieder…

Und das macht mich unendlich müde. Ich muss mich ab Dienstag wieder vor SchülerInnen stellen und eine meine Hauptaufgaben ist es jungen Menschen, Ausbildung und Perspektive zu bieten. Und das nicht in dem ich mich einfach nur hinstelle und weine, wie schlimm die Welt ist. Denn ich habe es hier mit echten Menschen in einem direkten sozialen Verhältnis zu tun. Was ich da tu, hat weitaus mehr Konsequenzen als das Wahlkreuzchen und weitaus mehr Relevanz als dieser Blogeintrag oder ein verfickter agitierter Tweet. Es geht mir sowas von an die Löffel, dass ich mir diese selbstreferenzielle Scheiße von irgendwelchen Labertaschen anschauen muss, deren einziger Beitrag eine Tweetkette ist. Wenn ihr was bewegen wollt, dann nicht passiv-aggressiv von der Tastatur aus.

Absolutes Missverständnis des Wahlsystems und der Wahlen allenthalben

Es gibt da einen Politikunterricht zu. Hört ihn euch bitte an. Wahlen sind wichtig und der Mittelpunkt einer Demokratie. Es geht hier darum, das Gremium zu bestellen, dass die Regeln für unsere Gesellschaft festlegt. Wenn ihr der Meinung seid, dass das ein Sandkasten sein sollte, dann halte ich euch nicht auf, weil das meine politikphilosophische Überzeugung ist. Aber es macht mich auch müde zu sehen, wie die Diskurse über die Wahl von dem wegdriften, worüber wir reden sollten. Zwei Wochen vor dem Wahltermin überlegen, ob eine Satirepartei nicht eine tolle Gegenveranstaltung zu irgendwelchen abgehalfterten Rechtspopulisten im Parlament wäre, zeigt, dass wir anscheinend keine Probleme haben, die dringend gelöst werden müssen. Dem Sozialstaat geht’s ja blendend, die Leute sind alle glücklich und es regnet Zimtschnecken.

Dazu gehören auch die unsäglichen Wahlempfehlungen. Also Empfehlungen, dass ich wählen gehen soll und dann bitte nur die etablierten Parteien, weil wir ja die AfD verhindern müssen. Was für ein Bullshit. Die Menschen haben die Freiheit wählen zu gehen, und das ist gut so. Genauso wie sie die Freiheit haben, zu wählen was sie wollen, nach ihren eigenen Prinzipien. Wer empfiehlt, dass jemand etablierte Parteien wählen soll, um eine andere Partei zu verhindern hat damit den Traum des rechten Einheitsstaats auch erfüllt. Aus Angst seine persönliche Freiheiten einschränken ist nicht freiheitlich und der Traum der Rechtspopulisten.

Realität statt Fiktion

Ich bin also müde, dass ein Großteil dieser Wahl, die am Ende ein Parlament und mittelbar eine Regierung wählt, die über unsere Zukunft die nächsten vier Jahre entscheiden, anhand von Fiktionen diskutiert wird. Weder Satiriker noch nicht-satisfaktionsfähige Rechtspopulisten sind eine Bedrohung für die freiheitlich demokratische Grundordnung. Eine Wahlbevölkerung, die komplett nicht mehr miteinander spricht, die schon in ihren Medien, und damit auch Realitätsfiktionen, gespalten ist und in der jeder glaubt, dass die Welt untergeht, wenn sie sich nicht genau nach den eigenen Vorstellungen entwickelt, die wiederum ist eine Gefahr für die komplette Gesellschaft.

Und weil ich zu der Gruppe gehöre, die versucht die Risse in dieser Bevölkerung zu überbrücken, bin ich müde… denn einfacher ist das nicht geworden…

  1. Wer das nicht versteht: Dildos waren das „Heilmittel“ gegen Hysterie im Viktorianismus. []

Jung? Aber sicher!

Wir reden ja regelmäßig, aber letztens hat die Vrouwelin mal wieder in das Netz geschrieben und zwar über aktuelle Jugend. Die trieb uns schon im letzten Podcast um, und Vrouwel geht es um den ganzen Jugendpessimismus, der durch die Gesellschaft schwappt. Die Jugend sei narzisstisch, dumm und verdorben und alles sei ganz schlimm.

Vrouwel weißt schon darauf hin, dass das alles Quatsch und nicht sonderlich neu ist und Christoph meckert zurecht an einem komplett bekloppten Generationenbegriff herum. Ich möchte hier aus der Lehrerperspektive auch etwas dazu geben. Immerhin darf ich mir das öfter ansehen.

Und der Begriff, der für mich derzeit zentral ist, wenn ich über die jungen Erwachsenen nachdenke, die da vor mir sitzen, ist Sicherheit. Sie ist eines der wichtigsten Themen, die immer wieder, auch im Englischunterricht auftauchen. Dabei geht es zum einen darum, wie sich die Schülerinnen und Schüler am besten für eine finanziell und beruflich sichere Zukunft in Stellung bringen können, zum anderen sehr oft um das Gefühl von Sicherheit im schulischen Alltag.

Die finanzielle und berufliche Sicherheit ist wahrscheinlich das offensichtlichste Thema. Dabei werden mir immer wieder die Vorstellungen vermittelt, dass ein sicherer Job besser ist als ein gut bezahlter und dass gute Noten dafür zentral sind, einen solchen Job zu bekommen. Beides ist leider nicht ganz richtig und letzteres hat direkt mit dem Sicherheitsgefühl zu tun. Es hat sich mittlerweile als Erkenntnis durchgesetzt, dass wir in unsicheren Zeiten leben. Die aktuelle Shell-Jugendstudie1 sagt, dass es für junge Menschen zentral ist, einen sicheren Job zu haben. Das hat direkt miteinander zu tun. Und weil Regeln sicher sind und die meisten sicheren Jobs viel mit staatlicher Regulation und der alten Welt der sinnlosen Zertifikate zu tun hat. Dabei liegt eine erfolgreiche und sichere berufliche Zukunft eben nicht in irgendwelchen Zertifikaten und Verbeamtungen, sondern in der Fähigkeit, etwas zur Welt beitragen zu können. Dabei braucht es also eine inhaltliche und kognitive Ausstattung, die das Gegenteil davon ist, was an Schulen hinlänglich gute Noten beschert.2 Dabei wird Schule eigentlich nur noch „Spiel“ verstanden. Ich habe dieses Jahr wieder erleben müssen, dass erstaunlich viele Schülerinnen und Schüler glauben, dass das Erfüllen fester Regeln am ehesten zu einem Schulerfolg führt. Das ging soweit, dass es direkt zu Feindseligkeiten gegenüber Lehrkräften führt, wenn die sich nicht an die geheimen Regeln halten. Dabei scheint es wieder um Sicherheit zu gehen. Die Sicherheit, verlässlich gute Noten produzieren zu können, die Sicherheit daheim gut dazustehen und die Sicherheit, dass aus einem etwas wird, weil ja die Noten gut sind.

Dabei ist das alles falschestmöglich. Sicherheit ist eine schlechte Strategie in einer inhärent unsicheren Welt. Stattdessen braucht es Flexibilität und zwar nicht als neoliberales Schlagwort sondern als Grundprinzip der eigenen Ausstattung. Dafür benötigen die jungen Menschen aber Dinge, die ihnen nicht gegeben werden und die sie gefühlt auch nicht möchten: eine eigenständige Identität, eine echte Kompetenz in der Wissensbeschaffung, Auswertung und Interpretation und eine emotionale Stärke, die sie Unsicherheit aushalten lässt. Das alles müsste die Schule und die Eltern ihnen geben, stattdessen bekommen die Jugend Regeln und Ängste serviert und muss sich dann anhören, dass sie zu wenig Mut hat, zu wenig Intelligenz und immer verhätschelt werden muss.

Self-fulfilling prophecies sind halt toll…

  1. unter anderem zu finden in diesem tollen Text von Stefan Schulz []
  2. Darüber müssen wir eh mal reden… []

Rocky Horror und der unverklemmte Umgang mit Sexualität und Geschlecht

Heute ist einer von diesen Tagen… deswegen geht es jetzt mal um die Rocky Horror Picture Show und Gender und Sexualität, weil es da durchaus ein paar lustige Perspektiven gibt, die immer noch aktuell sind. Doch fangen wir vorne an. Ich hoffe ihr kennt den Film1, ansonsten gibt es hier Spoiler. Bei allem, was ich hier so erzähle vergesst übrigens nicht, dass der Film immer noch ab 12 ist.

Also, die Rocky Horror Picture Show, das Anti-Musical, das Richard O’Brien schrieb, nachdem Lloyd Webber ihn nicht als Sänger haben wollte, zieht sexuelle Verklemmtheit mit einem gehörigen Maß Horror durch den Kakao. Es ist am Ende eine Geschichte zweier junger durchgeklemmter Durchschnittsamerikaner der 70er, die mit der motorisierten Kettensäge befreit werden. Doch schauen wir uns erstmal Brad und Janet an:

Wir sehen schon hier, Brad ist total unsicher und Janet eine oberflächliche Tante. Bonuspunkte für American Gothic an der Tür der Kirche. Spannender ist noch, dass Brad drei Optionen für den Verlauf einer Liebe hat: gut, schlecht und mittelmäßig, wobei letzteres irgendwie die unschönste Variante ist. Brad kann sich dazu mal überhaupt offen artikulieren und antwortet auf Janets „I’m mad for you.“ „I love you, too.“ Alles in allem total verklemmte Einheitsbeziehungsbrei, dem gesellschaftliche Glück zugeschrieben wird.

Das ändert sich Mitten in der Nacht, wenn die beiden in Frank’n’Furters Schloss ankommen. Schon die Begrüßung trieft vor Innuendo, wenn Riff Raff Janet mit dem Satz „You’re wet.“ begrüßt und dann in den berühmten Time Warp startet:

Außer, dass das alles schon angemessen durchgeknallt ist, besteht der Tanz, der dem Publikum beigebracht wird, und den schönen Namen „Pelvic Thrust“2 trägt, aus relativ eindeutigen Bewegungen. Janet fällt dann auch gleich mehrfach in Ohnmacht, während Brad versucht furchtbar männlich zu sein in dem er sie beschützt und die Kontrolle behält, während er diese schon bei geplatzten Autoreifen3 abgegeben hat.

Nach dieser Vorstellung fangen wir dann an mal etwas tiefer einzusteigen, wenn Frank’n’Furter4 mit dem Fahrstuhl in die Szene herabfährt und Janet wieder in Ohnmacht fallen lässt:

Franks Crossdressing und seine generelle ironische Verachtung von Brads Ernsthaftigkeit zeigen schon, dass in seiner Welt alle Regeln nicht gelten, die Brad und Janet für angemessen halten. Frank überschreitet binnen kürzester Zeit einmal alle Grenzen und seine Selbstbezeichnung als „Sweet Tranvestite from Transsexual Transsilvania“ macht es nicht einfacher. Er beschließt die beiden jungfräulichen Spießer mit in sein Labor zu nehmen, um ihnen sein Experiment zu zeigen. Dafür werden Brad und Janet bis auf die Feinrippunterwäsche ausgezogen und verwundbar unter jede Menge sehr formell oder anzüglich gekleideter Menschen gestellt. Wie in „Sweet Transvestite“ angekündigt möchte er seine Kreation Rocky zum Leben erwecken. Das ultimative Spielzeug für den moralisch bankrotten Omnisexuellen, der er ist. Das passende Lied heißt dann auch „I Can Make You a Man“ und trieft vor Innuendo. Die Tatsache, dass Janet langsam auftaut und den weitaus „männlicheren“ Rocky ziemlich geil findet, zeigt dann auch die Wege auf, die Brad und Janet gehen. Während Brad immer mehr in eine Krise der eigenen Männlichkeit fällt, befreit sich Janet langsam. Das fängt mit ihrer Begeisterung für Rockys Muskeln an, geht dann aber in eine Tiefe, die sich in der Floor Show zeigt. Doch vorher kurz zu Eddie und Columbia und das nicht nur, damit ich diese musikalische Meisterleistung verlinken kann:

Der Stuntman fiel übrigens bei Versuch 1 mit dem Motorrad vom Vorsprung und verletzte sich dabei. Wir können sehen, dass Columbia den eher unangenehmen (und vielleicht sogar leicht misshandelnden) Eddie doch vergöttert und er Zeichen seiner Zuneigung zeigt. Das ist vielleicht die einzige halbwegs gesunde Beziehung hier, zwischen dem Groupie und dem rücksichtlosen Ex-Lieferjungen.5 Was nur zwischen den Zeilen klar wird: Eddie teilt sich das Hirn mit Rocky. Ist aber eh, egal, weil Eddie ist ja dahin und Columbia ernsthaft im Herzen gebrochen.

Frank’n’Furter interessiert das alles nen Scheiß. Er hat seinen Rocky und nimmt den erstmal ins Bett mit. Nachdem er sich mit Rocky vergnügt hat, erscheint er allerdings nacheinander mit dem selben Trick bei Janet und Brad6 und legt beide flach. Janet, die ein schlechtes Gewissen hat und gleichzeitig erstaunlich rattig ist, findet den verängstigten Rocky und ähja.

Auf der einen Seite sehen wir, dass Janet irgendwie ihre Selbstsicherheit gewonnen hat und Rocky relativ klar anleitet, während Columbia und Magenta da irgendwas laufen haben.7 Die beiden haben sichtlich Spaß daran zuzusehen, wie Janet sich selbst entdeckt. Brad wiederum ist vollkommen verstört und Frank’n’Furter totsauer. Immerhin ist Rocky sein Spielzeug, das Janet doch bitte nicht wie einen Menschen zu behandeln hat. Das verschlimmert sich noch, als Dr. Scott auftaucht, ein UFO Forscher, der seinen Neffen Eddie sucht.8 Also zurück zu Eddie und Columbia. Bei einem durchgehend eigenartigen Abendessen erzählt Dr Scott und der Kiminologe9 vom traurigen Leben Eddies und seiner Angst vor Frank’n’Furter:

Während Frank komplett gelangweilt ist, zeigt Columbia ihre Zuneigung. Na gut, „I very nearly loved him.“ zeigt auch, dass es anscheinend schwer ist, einen Verbrecher wie Eddie zu lieben, obwohl er Sympathie verdient hat. Vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass Eddies Leiche unter dem Essentisch liegt. Als Frank dies zeigt, flüchtet sich Rocky automatisch zu Janet und Frank tickt komplett aus. Er verwandelt alle Beteiligten in Statuen um dann eine Bühnenshow vor leerem Saal abzuziehen in der eigentlich nur er in der Mitte steht.

Allerdings erfahren wir hier auch die Motivationen aller Charaktere nochmal und sehen: Rocky ist komplett verwirrt, Columbia hat Herzschmerz, Janet findet Sex geil und ist selbstbewusster, während Brad auch an allem, was richtig ist zweifelt. Die Strapse tun jetzt nicht wirklich was das besser zu machen. Oder der Pool10, oder…

Wichtig ist hier vielleicht noch die Zeile, die wohl die größte Aufforderung des Filmes ist: „Don’’t dream it, be it.“ Die Aufforderung zur Emanzipation, die wünschenswert ist, aber auch große soziale Konsequenzen haben kann. 

Sie kommt von Frank, der aber einfach nur selbstzentriert ist und sich hinter wilder hedonistischer Sexualität versteckt, die allerdings im nächsten Lied gebrochen wird, wenn er angestachelt durch Magenta und RiffRaff traurig sagt, dass er heimkehrt.

Das passiert dann nicht. Der ewig vernachlässigte RiffRaff tötet Columbia, Rocky und Frank, lässt die Menschen im Krater des verschwundenen Hauses und den rauchenden Ruinen ihre Identitäten zurück.

Wie geht es danach für Brad und Janet weiter? Der eine ist sich seiner vorher schon fragilen Männlichkeit komplett unsicher, die andere ist selbstbewusst und möchte gerne mehr Sex in einer Welt, die sie als Frau gerne als devote Kindergebährmaschine hätte. Ihre Verklemmungen sind gelöst, doch um welchen Preis in einer Welt, die sich bis heute in dieser Hinsicht kaum geändert hat? 

Da bleibt nur der Endsong zu zitieren:
„And crawling on the planets face
Some insects called the human race
Lost in time and lost in space
And meaning.” 

  1. Hallo?, das ist ein Klassiker! Wenn nicht ansehen! []
  2. Schaut’s selbst nach… []
  3. Gummi… []
  4. In der Neuverfilmung übrigens als Transfrau/Drag Queen mit dem Pronomen she. Whatever floats your boat. []
  5. Dazu später mehr… []
  6. In der Reihenfolge… []
  7. Die Micky Maus Mütze ist geil, oder? []
  8. Ups. []
  9. DIESER MANN HAT KEINEN HALS! []
  10. In dem sich Susan Sarandon fast ne Lungeentzündung geholt hat. []

London Calling 2017

Ich war, wie jedes der letzten Jahre, in London. Ein Post-Brexit, Post-Westminsterbridge Attack London. Es war wie immer. Die einzig ernsthaften Unterschiede zu letztem Jahr war die Abwesenheit des „Dschungels“ in Calais, nachdem die Geflüchteten abgeräumt wurden und die Tatsache, dass sich Brexit direkt darin niederschlug, dass das Pfund so schwach war wie noch nie. Dadurch war shopping sehr angenehm diesmal.

Das Hotel lag am Arsch der Stadt und war etwas abenteuerlich zu erreichen, allerdings war das auch praktisch. Die Qualität war ziemlich gut, es gab English Breakfast, ich war glücklich. In der Nähe war ein sehr gutes Pub, was willst du mehr?

Der Anschlag auf der Westminsterbridge wurde uns direkt bei der Stadtführung am ersten Tag vorgeführt. Der Leichenzug des ermordeten Polizisten fuhr gerade als wir an der Westminster Abbey waren an den Houses of Parliament vorbei. Danach war alles wieder voller Touristen.

Die Stops waren die üblichen, Tower, British Museum. Hier sind die Beweisfotos. Es war irgendwie sehr entspannend, weil die Schülerinnen und Schüler, die ich mithatte, auch sehr entspannend waren.

Beefeater and Shard

Bell Tower

Crowdfunderei

Diesmal etwas anderes… mir fiel auf, dass ich relativ viel Zeug in letzter Zeit gefunded habe und da dachte ich mir, das kannste ja auch mal erzählen, vielleicht will ja noch jemand mitmachen.

Los geht es mit dem wohl moralischsten Funding: All Creatures Welcome ist ein Film über das CCCamp und die Congresse. Wenn genug Geld zusammenkommt, dann ist der Film komplett frei. Gehet hin, gebet.

Dann kommt ein Produkt von dem ich mir viel verspreche. Die Prepd Lunchbox ist ein modulares System mit angeschlossener App, bei dem hoffentlich am Ende gesünderes Mittagessen in der Schule rausfällt. Weil das könnte ich dringend gebrauchen.

Wo wir schon in der Schule sind, kommt mit dem Everyday Backpack etwas, was ich sogar schon habe. Mein getreuer Schulrucksack ging nach mehr als 7 Jahren den Weg allen Irdischens und ich suchte einen Ersatz, der nicht so schrecklich lehrerhaft ist wie z.B. die Maxima Classic (Achtung Link führt zu einem wunderbaren Produktvideo.) Der Rucksack ist kleiner als sein Vorgänger, aber es geht alles rein, was ich heute noch brauche: Lehrerkalender, Zettelorganiser und Laptop und Stiftsammlung. Dazu ist das Everyday Backpack noch unheimlich flexibel und sieht nicht scheiße aus.

Wo wir bei Zeug für die Schule sind, kommt jetzt etwas eigenartiges. Ich habe das Butterfly Board gesehen und sofort erkannt, warum ich das haben will. Ich mache regelmäßig impromptu Lernsessions und Nachhilfe mit Leuten und die magischen Worte sind dann meist: „Hast du nen Zettel und nen Stift?“ Nachdem die Jugend dann eh den Zettel sinnlos fotografiert, kann ich Dinosaurier mein kleines flexibles Whiteboard mitschleppen.

Weiter geht es mit Skinners. Nachdem mir aufn Congress viele Leute gesagt haben, dass ich nicht so aussehe, wie ich klinge, kommt jetzt vielleicht der zweite Schock: ich laufe unheimlich gern barfuß rum, wenn es nicht dienstlich ist und die Dinger passen da sehr gut hin.

Als letztes von indiegogo gibt es noch Musik, nämlich ThunderCrow. Rob und Daphyd spielen auch bei Omnia mit und das war Grund genug.

So, bei Kickstarter habe ich hauptsächlich Gaming Kram. Zum einen das Gamefolio System mit dem ich hoffe meine Brettspiele etwas besser zu verstauen. Das müsste eigentlich bald hier eintreffen. Im Endeffekt ist das ne Tasche mit den Folios drin, mit der Spiele einfach transportiert werden können.

Das Spiel, was sicher nicht hineinpasst ist Kingdom Death Monster 1.5. Der höchste Betrag, den ich je in ein Crowdfundig geworfen habe, aber auch ein Spiel, dass ich UNBEDINGT haben wollte. Ich mein, schaut euch die Minis an, und das Feld und die Minis!!!

Als letztes und wohl am längsten laufendes Spiel habe ich noch Geld für die PDFs des Infinity RPGs abgeworfen. Es ist immer noch nicht vollständig fertig, aber nunja… RPG geht immer.