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Schulvisionen – Update 2018

Vor etwas mehr als fünf Jahren habe ich diesen Blogpost dazu geschrieben, wie ich mir moderne Schule vorstelle. Ich glaube es wird Zeit, mal zu sehen, ob ich dazu etwas mehr zu sagen habe.

Weg mit Schulstunden
Die Schulstunde ist ein Relikt aus einer Zeit, in der man glaubte, dass rhythmische Arbeit sinnvoll ist. Wir leben in einer Dienstleistungsgesellschaft mit flexiblen Arbeitszeiten, also was soll das noch? Dazu sollte Schule ein Ort sein, in dem man sich frei mit Informationen und Wissen beschäftigen kann. Die frontale Schulstunde ist blödsinnige Zeitverschwendung in einer Welt in der nahezu jegliches Wissen über das Netz oder zumindest Zugang zu Büchern erhalten werden kann. Dazu kommt, dass die Didaktiker seit Jahren davon erzählen, dass man explorativ lernen soll, induktiv und handlungsorientiert. So, warum also Schulstunden? In 45 Minuten kann man doch eigentlich keine sinnvollen Zusammenhänge erforschen lassen, die Schüler an Informationen  ihr Wissen selber bilden oder sie was herstellen lassen. Also weg mit dem Blödsinn, nebenbei kann ich mich dabei um weitaus mehr Leute mit mehr Aufmerksamkeit kümmern. Warum?

Die Erfahrung der letzten Jahre hat mir gezeigt, dass das immer noch genauso wahr ist. Weg mit dem Quatsch.

Projektorientierte schülerzentrierte Aufgaben und Betreuung
Die Antwort auf die Cliffhangerfrage ist einfach, dass man Schülern mehr Freiheit im Erforschen der Welt geben sollte und sich als Lehrer mehr darauf verlegen sollte Probleme und Fragen der Schüler zu lösen. Der Lehrer ist nicht mehr der vorbereitende Mensch, der sagt was, wie, wo gelernt wird, sondern derjenige, der Format und Inhalt mit den Schülern abstimmt und sie berät. Daraus ergeben sich dann schon die nächsten Forderungen.

Auch immer noch richtig. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass ich in der beruflichen Oberschule mit hart erlernten Strategien zu kämpfen habe, die damit zu tun haben, eine Aufgabe möglichst gut ohne eigentlichen Lernerfolg zu bewältigen. Also das Erfüllen der Regeln der Aufgabe ohne den Inhalt zu erfüllen.

Ich will ein Büro! Mit Couch!
Die Schule voller Klassenräume ist ein Raum in dem kreatives Lernen schwer möglich ist. Sie ist primär eine Präsentationsbühne für die Lehrkraft und kein Raum zum kollaborativen Arbeiten. Wir brauchen Schulen mit offenen Plätzen, weiten Räumen, schnellem WLAN, Einzelarbeitsplätzen und Konferenzräumen und damit auch mit Büros für die Lehrkräfte. Da gehört dann neben einem Arbeitsplatz auch eine Couch, eine Tafel und sowas rein, denn die Schüler sollen auch die Möglichkeit haben, jederzeit als Gruppe oder allein die Lehrkraft aufzusuchen und um Hilfe zu bitten. Je weniger desto besser, aber es ist viel effektiver Menschen bei ihren Problemen zu helfen als ihnen zu sagen, was sie wie zu denken oder zu bearbeiten haben. Dabei können wir dann sogar mehr Schüler in der gegebenen Zeit intensiver betreuen. Damit das dann auch erzieherisch klappt, brauchen wir dazu auch:

Mehr Sozialarbeiter und Erzieher
Denn ernsthaft, wir Lehrer sind Experten im Inhalte vermitteln, wir sind nicht unbedingt perfekt geschult für das Erzieherische und wir haben eine andere Autorität als ein Sozialarbeiter hat. Wir haben hoheitliche Aufgaben und Befugnisse, aber wir sind auch andere Leute als diejenigen, die dir zuhören und mit denen du über deine privaten Probleme redest. Damit beschäftigt sich implizit auch die nächste Forderung, aber gerade die intellektuelle Seite bei der Lehrerschaft ist glaube ich sehr glücklich, eher intellektuell zu sein. Doch uns steht noch eine andere Problematik im Weg, die den Lehrer in seiner neuen Aufgabe als Berater und Mentor einschränkt.

Beides immer noch richtig. Letzteres ist noch wichtiger geworden.

Zentrale kompetenzorientierte Leistungstests
Eines der größten Probleme, die man systembedingt als Lehrkraft hat, ist, dass die Leistungsmessung in der selben Hand wie die Leistungsvermittlung liegt. Dazu kommt, dass einem nicht vorgeschrieben wird, welche Kompetenzen der Schüler erlernen soll, sondern welche Spiegelstriche einer Liste mit Informationen man ihnen ins Hirn prügeln soll. Das ist eine Weisheit der modernen Pädagogik und Didaktik, die da beide Recht haben. Um aber die oben genannte Freiheit in der Betreuung der Schüler zu haben, sollte die eigentliche Leistungsmessung nicht mehr von der selben Person durchgeführt werden, die auch den Unterricht gestaltet. Da kann man ansonsten weder überprüfen, ob die Leistungsvermittlung effektiv und zielgerichtet ist und man öffnet Manipulationen Tür und Tor. Das ist einer der Hauptgründe, warum Schulzeugnisse eigentlich kaum das Papier wert sind auf dem sie stehen und als institutionalisiertes kulturelles Kapital auch immer weniger ernst genommen werden.

Wären die entsprechenden Tests standardisiert und von einer dritten Partei durchgeführt, dann könnte man garantieren, dass ein erreichtes Level auch eine Wert hat. Konsequenterweise kann man anhand der erreichten Niveaustufen eines Schülers diesen besser betreuen und fördern als ihn dumm eine Jahrgangsstufe wiederholen zu lassen. Anhand dieser Kompetenzstufen kann dann auch eine sinnvolle Selektion für die Universität oder Wirtschaft stattfinden. Diese wird auch den individuellen Stärken und Schwächen des Einzelnen mehr gerecht als diese eindimensionale Bewertung, die wir da jetzt so haben und bei der nicht einmal die Skala passt. Das braucht man halt in nachvollziehbar und definiert und evaluierbar.

Und als Synthese mit dem vorhergehenden Punkt: Lehrer sein, sollte sich auf bilden und Fürsorge konzentrieren, nicht auf das Messen von Leistung. Die Menge an jungen Menschen, die im System, mit sich oder mit ihrem Umfeld verloren und Spielball der Gesellschaft sind, steigt von Jahr zu Jahr. Dabei ist egal, ob es sich um diejenigen handelt, die blind der heiligen Religion des Neoliberalismus folgen, oder denjenigen, die mit sich nicht klar kommen, mit den unsichtbaren, den zu sichtbaren oder denjenigen, die sich verstecken, während sie sich dringend zeigen müssen. LehrerInnen müssen für sie alle da sein, zusammen mit den Sozialarbeitern und Schulpsychologen. Der Fokus von Bildung kann eben nicht nur das Wissen und die Selektion sein. 

We also need to care for people.

WMDEDGT – Juli 2018

Ja, ich laufe dem ganzen etwas nach mit einem Blogpost am nächsten Morgen, aber ihr werdet gleich sehen, warum das so ist. Der 5. Juli 2018 war nämlich einer dieser Tage, die nur selten im Jahr stattfinden und deswegen ist das eher speziell.

Ich fiel gegen 6 Uhr aus dem Bett und bewegte Flocke in den sonnigen Morgen hinein. Nach dem Frühstück ging es los Richtung Schule, um zwei Workshops zum Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten mit Word und LibreOffice zu halten. (Tagline: wenn du so, wie du Word benutzt Auto fährst, dann bist nur im ersten Gang mit Vollgas unterwegs.)

Dann stürzte ich aus der Schule heraus und nach Hause, um mit Flocke durch die Hitze zu gehen. Das arme Tier hatte gestern sehr wenig von mir und dafür aber etwas mehr Beschäftigung durch eine Freundin. Nach einem schnellen Mittagessen, stieg ich in meinen Anzug1 und fuhr zum Friseur, um mich für die Abifeier aufhübschen zu lassen. Dabei kam dann dieses Kunstwerk heraus:

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Ja, das ist ein hellrotes Hemd. Es steht mir erstaunlich gut. Nachdem das schon mal hübsch war, ging es weiter zu Veranstaltungshalle. Die Schule feiert aus Menschenmassengründen in einer großen Basketballhalle.2 Die professionelle Technik baute gerade auf und die Schülerschaft hatte schon dekoriert. Dann kam es zum einen oder anderen technischen Problem und kleinen Unfällen mit der Deko, die dazu führten, dass wir irgendwie nun auch noch Menschen von Nervenzusammenbrüchen beschützen mussten und irgendwie dieses Ding über die Bühne musste. Wir haben es hinbekommen. Alle Absolventen waren glücklich, die Eltern auch, die Schulleitung auch. Alles toll.3

Dann ging es heim, aus den komischen Klamotten, in denen ich mich verkleidet fühle, in die komischen Klamotten, in denen ich mich wohl fühle, und dann erst einmal im Jugendtreff eine Stunde runterkommen. Mit dem besten Beerencider, den ich kenne:IMG 0835

Gegen 22 Uhr in die Bar, in der die Schülerschaft mich haben wollte. Da ein paar gute Drinks getrunken und festgestellt, dass ich noch nicht weiß, ob ich diese Lokalität der üblichen Bar vorziehe.4 Dann zur Partylocation der Schülerschaft und noch etwas mit Leuten geredet. Es gab immer noch Menschen, die on-edge waren, wegen allem… schwierig. Und dann fiel ich irgendwann gegen 2 aus dem Taxi in mein Bett.

So… ja… das mache einmal im Jahr den ganzen Tag. Und nun werde ich mit Flocke in einen trüben Morgen gehen, etwas frühstücken und dann rekonvaleszent in die Sauna gehen. Gehabt’s euch wohl!

  1. Ja, ich habe sowas… []
  2. Wir haben insgesamt über 1000 Menschen in dem Raum. Alle anderen Säle, die das fassen sind der große Saal der Bamberger Symphoniker und die Brose Arena des örtlichen Mehrfach-Basketballmeisters. []
  3. Wie war das bei Terry Pratchett Opera happens because a large number if things amazingly fail to go wrong. []
  4. Sie liegt näher, aber hm… weniger coole Drinks… Dafür noch mehr Hipsterfeeling… []

WMDEDGT Juni 2018

Es ist mal wieder soweit…

Heute ist sogar mal halbwegs spannend. Ich fiel aus dem Bett, ging mit dem Hund frühstückte erfolgreich. Dann ging es zur Schule, und zur Besprechung meiner Nachkorrektur in der nicht klar war, wer der „good cop“ und wer der „bad cop“ ist.1

Nachdem das erledigt war, ging ich dann mal meinem Berufe nach und war diesmal auch mit der Geschichtsstunde zufrieden.

Dann sprang ich ins Auto und ab zur Tätowiererin um den Rücken fertig stellen zu lassen. Ich habe da immer noch Problemchen mit der Bluterei, aber es klappte alles und ich bin endlich fertig und alle Beteiligten mit dem Ergebnis zufrieden.

Dann ging es heim und gleich darauf wieder los mit dem Tiere, das es sehr genoss im Teich zu baden und mir meine Wohnung einzunässen, in dem sich zum Schütteln extra noch einmal hereinbegeben hat. (FLOCKEEEE!!!)

Der Abend wird entspannt auf der Terrasse verbracht werden… 

  1. Technisch gesehen ist der Nachkorrektor eher der bad cop. []

Ein Blick in den Rollenspielschrank

Mir kam gerade der Gedanke, dass ich ja mal über den Rollenspielschrank schreiben könnte, den ich so besitze.

Rollenspiel? Wasn das?

Rollenspiel, auch RPG1, ist eine Art von Spiel, bei der mehrere Menschen im Dialog gemeinsam ein Abenteuer erleben. Dabei füllen die SpielerInnen die Rollen von Charakteren aus, und die SpieleiterIn, stellt das Universum dar und hat eine Idee wohin sich die Geschichte, die sich da im Dialog entwickelt gehen soll, wie sich andere Figuren (NPCs)2 verhalten. Diese Spiele finden immer in bestimmten Welten statt und haben meist ein Spielsystem, das relative Erfolgswahrscheinlichkeiten von Handlungen abbildet, um Willkür der SpielerInnen vorzubeugen. Wie das geschieht, wieviel Freiheiten es da gibt und so weiter hängt direkt vom System ab.

Der Schrank

Ich habe über die Jahre des aktiveren Spielens das eine oder andere Rollenspiel angesammelt und werde die mal alle vorstellen. Dazu werde ich sie nach Genre sortieren…

Fantasy

Das Fantasy Genre hat grundsätzlich einen historischen Anstrich. Es gibt meist Magie und keine moderne Technologie. Die Standardvorstellung basiert auf Tolkiens Herr der Ringe, aber da gibt es natürlich viel mehr, vor allem auch außerhalb Europas.

Arcane Codex

Arcane Codex begann als eine Art Fanprojekt und ich war damals dabei. Deswegen bin ich im Besitz der ersten Edition mit dem brachialen Spielleiterband. Es gibt mittlerweile die dritte Edition des Werkes, aber ich denke das Prinzip ist dasselbe: einmal alles, was sich so in Fantasy vorgestellt werden kann, auf einen Kontinent, viele Regeln mit viel Flexibilität und los geht’s. Wenn jemand tatsächlich mal klassische Fantasy mit mir spielen wollen würde, wäre dies meine einzige Option und ich müsste den Kram erstmal wieder lesen.

Legends of the 5 Rings

Es war immer ein Traum von mir dieses Spiel zu besitzen. Legends of the 5 Rings ist eines der herausragendsten Rollenspiele. In einer Fantasyvariante des historischen Japans (Rokugan) spielt man einen Samurai. Neben den politischen Intrigen und den Dämonen, muss vor allem das tägliche Leben nach dem Bushi Kodex überlebt werden. Denn wenn der Charakter entehrt wird, heißt es Seppuku und neu anfangen. L5R ist legendär für sein unheimlich tödliches Kampfsystem, das schnelle Kämpfe dank schnellsterbender Figuren garantiert.

Qin – The Warring States

Im antiken China angelegt ähnelt sich Qin etwas L5R. Allerdings wird hier mehr wert auf die Wuxia Techniken gelegt. Das Würfelsystem ist verspielt und die Charaktere sterben einem nicht die ganze Zeit durch rituellen Selbstmord dahin. Dafür ist das China der Warring States eine wirklich harte Welt. Angelehnt ist Qin am Ende an Filme wie Crouching Tiger, Hidden Dragon und Hero. Das Spielsystem gibt dann auch genau diese Kampfstile her. Es ist durchaus spaßig, wenn ich es auch zuwenig spiele.

Steampunk und Ähnliches

In Steampunkwelten existiert keine Elektrizität und damit werden alle industriellen Anwendungen primär durch Dampf angetrieben. In diesen Bereich fallen bei mir auch generell Rollenspiele, die einen viktorianischen Anstrich haben.

Opus Anima

Ach… Opus Anima. Was gibt es da nicht zu lieben an diesem Buch. Der Hintergrund ist unheimlich spannend, die Welt toll und erstaunlich. Es werden Aliens mit einer zerbrochenen Welt und seelenbestohlenen Charakteren kombiniert. Es klingt alles so toll, und sieht noch toller aus. Und dann versuchst du eine Runde zu spielen und stellst fest, dass eigentlich nur das brachiale Konstruieren von Situationen dazu führt, dass da was passiert. Es ist ein sehr schönes Buch, ein unheimlich gute Idee und ein Spiel, das bisher nicht für mich funktioniert hat.

Unhallowed Metropolis

Unhallowed Metropolis wiederum… tut so viel mehr. Die Zombies kriechen zur Zeit des Viktorianismus aus den Gräbern und 300 Jahre später ist alles irgendwie immer noch viktorianisch, voller Ruß, Dreck und allem was im Horroralmanach so steht. Das wird kombiniert mit jungen Frauen mit Kampfkorsage, Gasmaske und Flammenwerfer. Man kann einmal durch jeden klassischen Horror in einer frischen Sicht durchspielen. Ein Spiel mit viel Potential, dass ich auch immer mal wieder gerne spiele.

Science Fiction und Space Opera

Science Fiction spielt irgendwo in der Zukunft und unterscheidet sich von Space Opera dadurch, dass generell versucht wird, Technologien glaubwürdig darzustellen. Space Opera nimmt es da nicht ganz so wichtig, dafür werden hier die großen Geschichten erzählt.

NOVA

Ich lernte den Autor von NOVA auf der Leipziger Spielemesse persönlich kennen und habe glaube ich sogar eine Edition ohne ISBN hier rumliegen. Das Spiel bietet innovative Aliens, sehr viel System um wirklich alles zu gestalten und eine riesige Welt. Es ist für mich immer noch das ideale Sci-Fi Spiel, wenn man Science Fiction richtig ernst meint. Okay, und die kommunistischen Echsenmenschen sind halt auch echt der Brüller.

Serenity – RPG

Ich hoffe für euch, dass ihr Serenity oder Firefly kennt, eine sehr kurzlebige, aber sehr gute Fernsehserie von Joss Whedon. Es ist Western im Weltall und damit eher Space Opera. Die Charaktere sind quirky, die Welten auch, sogar Spielsystem ist strange. Ich habe es noch nie gespielt, aber würde auch mal gerne.

Cyberpunk

Im Gegensatz zum Steampunk geht es im Cyberpunk ohne Elektrizität gar nicht. Globale Großkonzerne haben hier die Herrschaft über eine meist eher kaputte Welt voller modifizierter Straßencowboys und anderer abgewrackter Gestalten. Alle kämpfen gegeneinander ums Überleben, während die wenigen Reichen alle Strippen ziehen.

Cyberpunk 2020

Das Spiel, das wie das Genre heißt. Die Referenzimplementation sozusagen und sie hält, was sie verspricht. Es ist alles am Arsch, man kann sich zum Roboter umstylen lassen oder zum lebendigen Sexspielzeug. Konzerne jagen sich gegenseitig mit bewaffneten Truppen wichtige Angestellte ab. Fast wie heutzutage, nur mit lustigen Computern, die 1980 noch krass klangen.

Shadowrun

Shadowrun, das DSA und D&D der Zukunft. Eines der beliebtesten Systeme, das es so gibt. Und warum auch nicht, immerhin vereinigt es die abgefuckte Grittyness einer Cyberpunkzukunft mit Magie, Orcs, Trollen und Drachen. Eine verwegene Mischung aus Fantasyelementen und kaputter Cyberpunkzukunft tut es vielen Leuten positiv an und auch ich habe da immer meinen Spaß dabei.

Gegenwartshorror

Obwohl die Spiele, die unter Steampunk stehen, auch dem Horrorgenre zugerechnet werden, stehen auch alternative Zeiten im Vordergrund. Aber es gibt auch in unserer Gegenwart Horror und das ist der Fokus dieser Spiele.

Werewolf: The Apocalypse

Das einzige System von dem ich mehr als ein Regalfach voll habe, war es mein Start ins Rollenspiel. Das Schwestersystem zu Vampire: The Masquerade ist Werewolf kampfbezogener und spiritueller. Es hat mir immer mehr gesagt, als Vampire.

Unknown Armies

Wohl eines der mindfuckigsten Rollenspiele da draußen. Unknown Armies hat die Prämisse, dass alle Verschwörungstheorien stimmen und mehr. Es gibt Magier, die aus den Widersprüchen und Konstrukten der modernen Welt ihre Macht ziehen, und irgendwo dazwischen sind die SpielerInnen in einem Strudel aus Wahnsinn. Unknown Armies Runden machen die SpielerInnen meist komplett kirre und das ist mein persönlicher Spaß.

Postapokalypse

Das letzte große Genre ist dasjenige, das sich mit der Frage beschäftigt, was eigentlich kommt, wenn das hier alles durch Katastrophen vorn Sack geht.

Degenesis

Degenesis ist auch eines dieser Spiele, bei denen ich die erste Edition habe. Das Ende kommt hier durch mehrere Meteorite die Europa den Garaus machen. Dadurch wird Afrika zur dominierenden Kultur, während Europa in der Steinzeit rumsitzt und irgendwie durchdreht. Es gibt eine neue komplett überarbeitete Edition, die unheimlich schön aussieht. Allein es ist jetzt kein System, das ich dringend kaufen muss.

Engel

Oh, Engel… dieses Spiel hat vieles umgekrempelt. Hauptsächlich was Spielsysteme angeht. Würfel komplett wegzulassen und alles über das Erzählen mit Impulsen zu machen, ist fantastisch. Die Welt ist dazu noch sehr verführerisch. Die katholische Kirche hat wieder anständig die Macht in Europa und die SpielerInnen sind ihre Engel. Ja, echte Engel, mit flammenden Schwertern, die gegen riesige Insekten kämpfen. Ein sehr spannendes Spiel.

Die Kategorie für Dinge die nicht in Kategorien passen.

Plüsch, Power und Plunder

Das Plüschtierrollenspiel… die Plüschtiere sind mitzubringen und die Hauptcharaktere. Klingt bekloppt? Ist es nicht, es ist auf der einen Seite sehr süß auf der anderen Seite erstaunlich ernst. Ein wunderbares Spiel.

Feng Shui

Das Actionfilm Rollenspiel stellt alle Regeln normalen Spielens auf den Kopf. Es gibt Regeln für alles, auch bodenlose Magazine und es geht nur darum möglichst effektvoll und spannend Kämpfe zu erzählen, während der Grund für diese Kämpfe eigentlich egal ist. Ein wunderbares Spiel, um mal richtig die Sau rauszulassen.

Deliria

Oh, mein Lieblingssystem… Deliria ist nicht mehr erhältlich und eine Besonderheit darin, dass es nicht so sehr um Konflikte der Charaktere mit der Welt geht, sondern um ihr Wachsen als Menschen. Das Ziel hier ist ein Märchen und damit eine Heldenreise mit den eigenen Charakteren zu erzählen. Dabei stehen der SpielleiterIn alle möglichen Wesen des Feenwelt zur Verfügung. Es gibt sogar Magie, die auf Technoparties basiert. Das Spiel mit dem ich dringend mal eine Kampagne spielen würde.

IDEE

Von Daniela Festi, einer guten Bekannten, designt ist IDEE ein kartenbasiertes Universalsystem, das die grundlegenden Ideen von Arcana erweitert und verfeinert. Meine Standardwaffe um schnell eine Runde zu erstellen oder klobige Würfelsysteme zu ersetzen.

  1. Für Roleplay-Game… also Rollenspielspiel. []
  2. Nichtspielercharaktere – Non-Playercharacters []

Advi testet: Aspall Cider

Nach dem Old Mout begebe ich mich nun weiter zum großen Ciderhaus Großbritanniens Aspall Cyder. So alt, dass die Schreibung kaputt. Hier habe ich sechs Flaschen des Oevres und werde diese verkosten.Zur Verkostung stehen an:

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Premier Cru Cider ist der Edelstoff der Marke. Und das stimmt auch, hier perlt ein leicht trockener Cider leicht vor sich her und ist wirklich alles, was man unter edel verstehen kann. Der Premier Cru ist das, was ich mit Aspall auch aus Großbritannien verbinde: frischer Apfelcider, leicht trocken mit etwas Frucht. Bevorzugt gekühlt serviert ist das mein ultimativer Bierersatz und ich bin so froh, dass das Zeug nicht so einfach zu kriegen ist. Ein Fass davon im Keller wäre problematisch gut.

Die nächste Flasche ist der Draught Cider also das, was man eigentlich so vom Fass bekommt. Auch hier perlt es fein, allerdings ist der Abgang irgendwie etwas bitterer als beim Premiere Cru. Aber gut, der ist halt auch das Edelprodukt. Der Draught ist immer noch ein sehr leckeres Getränk für den Tag.

Hiernach kommt der Organic Cider dran. Dieser schmeckt irgendwie alkoholischer und bitterer. Gleichzeitig lässt er etwas die Frische der Vorgänger vermissen. Wer also eine bittere Version des Draught möchte, der ist mit dem Organic gut beraten, und wenn man dem Namen glauben kann ist der sogar Bio.

Waren die bisherigen Cider Varianten des Apfelklassikers, bekommt man mit Isabel’s Berry einen Beerencider mit Himbeeren und schwarzen Johannisbeeren. Damit, und mit der angemessenen Süße rennt er bei mir alle Türen ein. Dazu erinnert mich der Name an meine Lieblingsciderkumpanin, der dieses Getränk durchaus gewidmet sein könnte, entspricht es doch auch ihrem Geschmack: leicht süßer Beerencider, der erfrischt, aber nicht klebt.

Der nächste Cider mit Beerenanteil ist Peronelle’s Blush benannt nach der Oma des Hauses. Dieser ist ein Apfelcider der mit Brombeeren verfeinert ist. Letzteres schmecke ich allerdings nicht wirklich raus. Das Getränk ist trocken, rot und lecker, aber irgendwie undefiniert. Die Säure ist okay, die Milde ist okay, es sagt irgendwie nicht viel. Da gefiel mir Isabell’s Berry weitaus mehr.

Das letzte Produkt ist der Imperial Vintage No 288 und der hat mich gerade total mit einem Alkoholgehalt von 8,2% überrascht hat. Der Cider schmeckt ziemlich alkoholisch und gefällt mir damit schon mal gar nicht. Die Farbe erinnert an tiefen Bernsteinn und der Geschmack ist mir zu bierig und ohne die Frische, die ich an einem Cider schätze. Es mag ein furchtbar distinguiertes Getränk für das mir jegliches Verständnis fehlt, und wenn ich den halben Liter weg habe, wahrscheinlich auch der Verstand.

Advi testet: Kingdom Death Monster 1.5

Ich habe letztes Jahr Kingdom Death Monster 1.5 mitgekickstartet und es im November irgendwann bekommen. Nun, im April habe ich endlich das Gefühl ein halbwegs belastbares Review schreiben zu können.

Grundlegendes über das Spiel

Kingdom Death Monster ist ein Horrorbrettspiel mit taktischen und strategischen Phasen. Es dreht sich um eine Gruppe von Überlebenden, die in einer dunklen Albtraumwelt voller Monster um ihr Leben kämpfen müssen. Dabei müssen sie diese Monster jagen, ihre Siedlung aufbauen und bevorzugt nicht zu schnell sterben.

Das Spiel besteht aus einer riesigen Kiste, über 40 Plastikminiaturen teilweise erstaunlicher Größe, einem riesigen Spielfeld plus zwei sekundäre Spielfelder und jede Menge Karten und Kärtchen. Es ist durchaus beeindruckend und ich habe bisher noch keinen Platz gefunden, wo ich es sinnvoll verstauen kann.

Spielphasen

Das Spiel beginnt immer mit der First Story, die neue SpielerInnen leicht geskriptet durch sämtliche Spielphasen führt. Diese sind eine Jagdphase, in der die Überlebenden das auserwählte Monster jagen und dabei Unbillen und Abenteuer erleben, eine Showdown-Phase, in der die Überlebenden mit dem Monster kämpfen und eine Siedlungsphase in der die Siedlung der Überlebenden weiterentwickelt wird.

Die Jagdphase und die Siedlungsphase finden auf einem kleineren Spielbrett an, da sie hauptsächlich aus dem Ziehen und Legen von Karten sowie dem passenden Würfeln besteht. Die Showdown-Phase findet auf einem großen begitterten Spielplan statt, In jeder der Phasen werden Miniaturen benutzt um die Überlebenden und das Monster zu symbolisieren.

In der Jagdphase decken die Überlebenden abwechselnd Karten mit Ereignissen auf, die sie positiv und negativ auf der Jagd nach dem Monster beeinflussen.

Die Showdown-Phase ist ein rundenbasierter Kampf, bei dem die SpielerInnen die Aktionen des Monsters mitspielen. Dabei wird ein AI Deck benutzt, das für jedes Monster speziell zusammengestellt wird. Die Kämpfe werden mit einem einfachen System gelöst, das auf modifizierten W10 Würfen beruht. Dieses gilt für die Monster, wie die Überlebenden. Allerdings werden für Treffer an den Überlebenden besondere Trefferzonenwürfel gewürfelt, während die Monster detaillierte Trefferzonenkarten besitzen. Auf diesen interagieren sie dann mit den Angreifern und manchmal auch dem schön gestalteten Terrain.

Die Überlebenden, die neben ihrer Miniatur durch einen Charakterbogen und das Ausrüstungsfeld dargestellt werden, haben dafür jede Menge Ausrüstung dabei und können sich gegen das Monster koordinieren. Dazu können die SpielerInnen gemeinsam die Monsteraktionen auch gegen das Monster wenden, was durchaus manchmal notwendig ist.

Ist das Monster besiegt kommt die Gruppe heim in die Siedlung, die durch als eine Art eigener Charakter durch einen großen Bogen dargestellt wird und in der Kultur entwickelt, aus den erbeuteten Ressourcen Ausrüstung und neue Innovationen hergestellt und dabei hoffentlich nicht gestorben wird. In dieser Phase können auch Monster die Behausung überfallen und ähnliche Katastrophen passieren. Das alles wird die ganze Zeit durch verschiedene Storyevents geleitet, die in einem wunderschön gestalteten Regelbuch zu finden sind.

Fazit

Kingdom Death Monster sieht anfangs wie ein rundenbasiertes Tabletop aus, erhält seine Besonderheit aber aus dem Universum, in dem es spielt, und dem Siedlungsbau, der bei jeder Entscheidung mitschwingt. Das Spiel ist für langfristiges Spielen ausgelegt und meine monatliche Spielrunde schafft derzeit einen Durchgang in drei Stunden. Das Spielsystem ist dabei so schlank und gradlinig, dass die Komplexität der Entscheidungen nicht durch komplexe Mechaniken behindert wird. Für erfahrenere Spielegruppen ist es definitiv empfohlen und bietet durch die Komplexität und mehrere Erweiterungen einen hohen Wiederspielwert. 

Advi testet: Old Mout Cider

Ich habe mich für das Frühjahr und den Sommer mit Cider eingedeckt und neben der Normalversorgung1 Probierpakete für verschieden Cider bestellt und weil das ja hier so Internet ist, bekommt ihr ein Review.2 

Ich fange mit Old Mout /mu:t/ Cider aus Neuseeland an. Seit 1947 wird da Cider hergestellt und mein Probierpaket beinhaltet alle Sorten einmal:

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Wir fangen mit dem Passionfruit and Apple an. Natürlich eine relativ süße Kombination, die aber durch die Passionsfrucht etwas gemildert wird. Der Cider hat insgesamt einen sommerlichen, aber nicht frischen Geschmack. Gekühlt garantiert sehr gut für einen Sommerabend geeignet. Obwohl er süß ist, klebt er nicht wie zum Beispiel Bulmer’s Wild Berry, der ja selbst der Königin des Süßciders zu süß war.

Als nächstes ist Kiwi and Lime dran. Eine frischere, grünere Kombination, die kalt wohl noch etwas besser schmeckt. Bei weitem nicht so süß, mit der Säure von Kiwi und Limette gefällt er mir sehr gut. Den würde ich wahrscheinlich regelmäßig trinken. Ich stehe ja eher auf trockene Cider.

Dann ist Strawberry and Pomegranate dran. Ich persönlich mag Erdbeere nicht, aber die Kombination ist noch erträglich. Der Granatapfel ist auch als Saft immer eher so undefiniert, was er auch hier ist. Dadurch wird das ganze aber nicht unerträglich erdbeerig und süß. Dafür, dass ich den Geschmack nicht mag, ist es ziemlich lecker, wenn ihr Erdbeere mögt, dann ist dieser Cider was für euch.

Die letzte Flasche ist Summerberries mit der etwas fragwürdigen Tagline „A fruity little number.“ Die Sommerbeeren sind tatsächlich nicht wirklich nachvollziehbar und werden auch nicht angegeben. Ich glaube Himbeere schmeckt etwas vor, aber das kann ich mir einreden. Gefühlt ist dieser Cider am süßsten, was mir natürlich gar nicht gefällt. Dafür genieße ich ihn gekühlt, es geht also. Wer Sommer mit Süße verbindet ist hier richtig, aber auch gewarnt: die 4% Alkohol schmeckt man wie immer nicht und die machen einen schön knülle.

Alles in allem sind die Kombinationen erstaunlich vielfältig und nicht einfach nur süß. Ich bin Fan der Kiwi-Limette Variante geworden.

  1. 12l Strongbow… []
  2. Nicht als Podcast. Ich bin nicht Holgi und allein in ein Mikrofon trinken ist kurz vor therapiebedürftig. []

WMDEDGT – April 2018

Ich habs fast vergessen, aber Zeit, also hier der Rundown des Tages. Ich habe Ferien, da ist das alles so putzig unstrukturiert.

Es fing mit Kieser Training an. Ich arbeitete mich schon gegen 8 Uhr durch mein Programm, um dann am Schreibtisch zu landen und mich offiziellem Kram und Korrekturen. Für letztere war ich nicht wirklich motiviert, was sich durch die eher durchwachsene Leistung der Schülerschaft nicht besserte. Ich habe also schnell aufgegeben.

Nach dem Tütenmittagessen ging ich mit dem Hund durchn Wald und genoss den frühlingshaften Sonne-Nieselregen Cocktail, der mir da geboten wurde, während ich mich durch größere Mengen Pagan Folk hörte. Ich stellte dann fest, dass ich genug Zeit hatte, die Lektüre für die Vorklasse abzuholen. Es gehört zu den besonderen Weihen der Lehrkraft mit einem großen Karton voller Comics durch die Stadt zu laufen. Danach habe ich noch schnell eine Folge Lernfragen aufgenommen.

Dann spielte ich etwas verloren Baseball auf der Playse und sitze nun im Jugendtreff… all is well… Ferien halt. Ich fühle mich zwar ohne Struktur immer leicht verloren, aber es geht noch…

Über Kleidung, Persönlichkeit und Identität

Nachdem ich letztens schon etwas garstig über Authentizität in der Kommunikation geschrieben habe, und wir uns im soziologischen Kaffeekränzchen über Identität unterhalten haben, möchte ich da eine weitere Dimension aufmachen. Wir hatten es auch in der Sendung über Identität, dass das viel mit Kleidung zu tun hat. Und an der Stelle möchte ich mal etwas abtauchen, vor allem auch, weil die Karnevalssaison vor der Tür steht und damit eine zweite Dimension.

Da ich ja der Typ mit den Texten und der Literatur bin, fange ich mit einer meiner Lieblingsstellen aus einem Podcastbuch ever an. Es ist die Podcastversion von Nathan Lowell’s Trader’s Tales in the Age of the Solar Clipper. Im zweiten Buch Half Share, wird der Protagonist Ishmael zu einem Nobelschneider geschleppt, um sich neu einzukleiden. Die ganze Szene ist eher so ein Coming-of-Age Moment und die entscheidende Szene ist die, in der Ishmael in Unterhosen vor dem Spiegel des Schneiders steht und dieser fragt: „Who do you think, you are?“. In der Folge finden sie gemeinsam einen Kleidungsstil, der Ishmael als Person entspricht.1 Das ist der zentrale Punkt, um den sich dieser Text drehen soll.

Kleidung ist eines der hauptsächlichen Zeichen, die wir an die Welt senden und es generiert damit in der Welt einen großes Teil des Bildes, das wir von uns senden wollen, und auf das die anderen Menschen da draußen reagieren. Das bedeutet, dass Kleidung Identität für uns und gegenüber der Welt generiert. Diese Identität ist das Ergebnis einer Sozialisation2 und das bedeutet natürlich auch, dass die Analyse des Kleidungsstils Rückschlüsse auf die Sozialisation und damit die Identität zulässt, auf der das alles aufbaut. Menschen tragen also ihre Einstellungen, Sichtweisen und auch ihre Funktionen am Körper. Letzteres ist natürlich im wirtschaftlichen und beruflichen Kontext klar, und deswegen etwas, über das ich mich mal getrennt auslassen. Menschen sehen also Kleidung und äußerliche Erscheinung als Zeichen ihrer Persönlichkeit und Identität. Ich sehe so aus, wie ich aussehe, weil ich das möchte. Das bedeutet nicht, dass ich nicht Kleidungsstile annehme, die von verschiedenen sozialen Gruppen generiert werden, aber die Wahl obliegt erst einmal mir. Vor allem auch, die Entscheidung, wie sehr ich diese Kleidungsstile adaptiere oder nicht. Ich nehme mich mal als Beispiel. 

Wer mich auf Großveranstaltungen wie dem Congress getroffen hat, weiß, dass ich eigentlich immer in schlapprigen „Goa-Hosen“ rumrenne. Die sind halt total bequem und gleichzeitig ungewöhnlich. Dazu trage ich meist irgendwelche Nerdshirts und eine Jacke im Paganstil oben drüber.3 Das sind Klamotten, die mir gefallen in denen ich der bin, von dem ich denke, ich bin ich. Bedeutet das, dass ich arabische Kleidungsstile kulturell appropriiere? Nein, allein schon weil dieser Stil der Hose eigentlich auf der ganzen Welt verbreitet war. Sackartige Schnitte sind halt einfach zu gestalten. Es ist halt bequem und nicht normal und das gefällt mir irgendwie. Es ist mehr „ich“ als mich in enge Jeans zu zwängen oder aber Hemden und Unterbauchhosen anzuziehen, die ich nur im Übergrößenhandel shoppen kann. Stattdessen nehme ich die Gestaltung meines Wahrgenommenwerdens in die eigene Hand und zähle öfter mal die Leute, die mich blöde auf der Straße ansehen.

Diese Wahl der eigenen Kleidung ist grundsätzlich von Verkleidungen zu unterscheiden, auch wenn das anscheinend vielen Menschen schwer fällt, die glauben, dass alles was nicht dem modischen Mainstream entspricht eine „Verkleidung“ ist. Dabei funktionieren Verkleidungen nur im Kontrast zu einem „normalen” Kleidungsverhalten. Ich selbst fühle mich im Anzug zur Abiturfeier verkleidet und obwohl ich etwas dafür tue, dass da immer noch Persönlichkeit durchscheint, finde ich diese Kleidung als überhaupt nicht meinem Bild von mir entsprechend. Dadurch wird eine Verkleidung. Wenn diese Verkleidung mit Kleidung verglichen wird, verwechselt man Identitätsebenen. Bei Verkleidungen wird die eigene Identität durch den Kontrast mit dem hergestellt, dass normalerweise der Identitätsgenerierung dient. Wenn du ein Langweiler in Jeans und Polohemd ist, dann ist das Tragen meiner Klamotten ein Kommentar darüber, dass du immer noch ein Langweiler in einer Goa-Hose bist. Der Kontrast macht Verkleidung wirksam. Erst von aus der Verkleidung die Kleidung wird, dann dreht sich die Identitätsgenerierung um.

Wir sind also, was wir tragen wollen und tragen. Doch wir sind auch, die Person, die sich in anderen Sachen unwohl fühlt. To be who we think we are, has a lot to do with what we wear…

  1. Hört den Rest der Szene, weil nunja, er ist sehr schön menschlich… []
  2. Wir sind überrascht… []
  3. Wer genauer das genauer wissen will. Es gibt da einen Blogpost. Es fehlt meine Winter- und meine Übergangsjacke, aber ansonsten ist das vollständig. []

Der große Fotoequipment-Post – mit Fotos!

Ich fotografiere ja regelmäßig und hatte vor einiger Zeit mal aufgeschrieben, warum ich welche Kamera gern hätte. Nun habe ich endlich den Fuhrpark, den ich gerne hätte und eigentlich sogar mehr, also stelle ich das ganze Spielzeug mal vor. Mit Bildern der Geräte und so weiter… ich verlinke keine Shops oder sowas. Ihr dürft selbst danach suchen.

Kameras

The trusty K-30

Ich habe mich damals mehr so intuitiv für eine Pentax K-30 entschieden. Zum einen, weil ich ein stabiles wetterfestes Gehäuse haben wollte und mich schon immer zu den kleineren Marken hingezogen fühlte. Am Ende habe ich sie echt lieben gelernt. Sie ist relativ klein, handlich und durchaus leistungsfähig, insbesondere auch bei niedrigen ISO Zahlen in eher dunklen Verhältnissen.1  Dazu ist sie im Vergleich zu den Canons, die ich in der Hand hatte tatsächlich irgendwie mehr feature-complete. Das Menü ist relativ übersichtlich2 und für eine Kamera im unteren Segment sind die zwei Einstellräder echt super. Hier auf dem Bild ist sie mit meinem Lieblingsobjektiv für die K-30 zu sehen, dem 40mm Pancake. Damit ist sie wirklich eine Art unauffällige Streetkamera.

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Das Wunschgerät die K-3 II

Es gab so die eine oder andere Sache, die mir an der K-30 gefehlt haben. Ganz vorne dabei ist das fehlende GPS. Das Problem wird durch die K-3 II behoben, die keinen Blitz und dafür besagtes GPS hat. Dazu besitzt sie die Pixel Shift Auflösung, bei der die Kamera tatsächlich jeden Pixel in allen Farben ablichtet und nicht die Farben zusammenrechnet.3 Dazu ist sie natürlich höher aufgelöst, hat eine bessere Bildstabilisierung und so weiter. Das ist irgendwie klar, wenn die Kamera ca. 3 Jahre jünger als die K-30 ist. Sie ist jetzt nicht das modernste auf dem Markt, aber das, was ich immer haben wollte. Auf dem Bild sehr ihr sie mit ihrem neuen Dauerfreund, meinem Tamron 18-200mm Reisezoom.

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Glas

Hier ist erstmal ein Bild aller Objektive.

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Fangen wir links mit dem kleinsten an. Das smc DA 40mm F/2,8 Pancake wurde mir relativ preiswert von einem Podcasthörer und Twitterfollower verkauft und ich bin bis heute sehr dankbar. Ich dachte nicht, dass mir das so einen Spaß machen würde. Gerade die K-30 macht das schmale Profil zu einer wirklich handlichen Kamera. Dazu gefällt mir die Brennweite an einer APS-C Kamera unheimlich gut. Wenn ich nicht gerade auf Reisezoom bin, ist das 40mm wirklich mein Lieblingsobjektiv.

Danach kommt mit dem smc DA 50 F/1,8. Die Standardlinse für das Portrait mit dem verschwommenen Bokeh, nach dem Kit und dem Reisezoom, meine dritte Linse. Es gibt sehr schöne Bilder, die ich mit ihr gemacht habe. Ich bevorzuge nur das 40mm vom Bildwinkel mehr. Wenn es aber wirklich mal die große Tiefenunschärfe sein muss, dann kommt das 50mm aus der Tasche.

Das smc DA 18-55mm F/3,5-5,6 WR. Das WR ist wichtig. Das Kitobjektiv benutze ich eigentlich nicht. Es kommt zusammen mit dem anderen WR Zoom nur in die Tasche, wenn es in Strömen regnet. Das WR ist nämlich die Allwettervergütung. Das Ding hat eine Extradichtung und so weiter. Es sieht sehr wenig Einsatz.

Das gilt auch für das smc DA 50-200 WR habe ich vielleicht zweimal an die Kamera geschraubt. Auch dieses Objektiv habe ich von einem freundlichen Hörer sehr preiswert bekommen. Es ist vor allem noch in der Sammlung, falls ich wirklich mal ganz dringend im Regen fotografieren muss.

Das Tamron 18-200mm F/3,5-6,3 Di II ist meine Allzweckwaffe. Ja, es gibt besseres und teureres von Sigma und Pentax selbst aber das Tamron hat mich bisher noch nicht enttäuscht. Nahezu alle Bilder, die ich wirklich mag, sind mit diesem Objektiv entstanden. Es kann ziemlich verzerren, aber für sowas gibt es ja Lightroom. Bildbeispiel:

Berlin at Night 2

Sonstiges Spielzeug

Capture Clip und Three-Legged Things Corey

Zum Fixieren der Kamera hatte ich längere Zeit ein relativ preiswertes Stativ, das dann irgendwann von Isabell gemundraubt wurde.4 Das habe ich dann gegen ein Corey von Three Legged Things ausgetauscht. Das ist ein kleines Reisestativ mit etwas vielen Schrauben, das aber ein wichtiges Feature hat: die Stativplatte passt auch an den Capture Clip von Peak Design. Das ist eine Halterung, an die man einfach die Kamera anklippen kann, wenn man sie bereit haben möchte, aber ansonsten sicher verstaut wissen will. Diese Synergie brachte mich zum Stativ und ich bin damit sehr zufrieden. Es wird mit der Pixel Shift Auflösung der K-3 II wohl noch etwas mehr Einsatz sehen. Die Stativplatten und die Platte des Capture Clips könnt ihr oben an die Kameras angeschraubt sehen.

Yongnuo LED Striplight

Als ich auf dem Villaworkshop Mensch in Hannover keine Idee für mein ausgefalleneres Portrait hatte, drückte mir Chris Marquardt so ein Teil in die Hand. Es ist im Prinzip ein Leuchtstab, der in verschiedenen Farben eingestellt werden kann, dazu noch in verschiedenen Weißtönen und so weiter. Dabei entstehen unter anderem solche Bilder.

Lichtexperiment II

Peakdesign Everyday Backpack

Ich habe zwar zwei Fotorucksäcke von Deviantart5, aber der aktuelle Fotorucksack ist auch mein täglicher Rucksack für die Arbeit. Das Everyday Backpack ist nicht preiswert, aber unheimlich flexibel, robust und auch ganz hübsch. Für den Fotoeinsatz kann man Teiler einsetzen, die Seitentaschen sind farbkodiert für volle und leere Akkus. Ich habe schon ausprobiert das komplette restliche Equipment reinzustopfen und dranzuhängen und das funktioniert sehr gut. 

Ansonsten habe ich noch eine Handschlaufe, ein paar Nackenstrappen und Filter für das Tamron, und das war es. Ich bin, wie gesagt, sehr zufrieden damit.

  1. Für eine Kamera im „Einsteigersegment“… []
  2. Ich kann sagen, dass mich Canons immer wieder verwirren und dass die D70 in der Schule einfach nur eine Katastrophe in der Einstellbarkeit ist, gegenüber meiner kleinen Pentax. []
  3. Ja, total nerdy… und es funktioniert nur mit Landschaften und nem Stativ. []
  4. Sie braucht das mehr, sie ist der Profi und hat mittlerweile auch ein neues. []
  5. Fragt nicht… lange Geschichte. []